Die Behandlungsmöglichkeiten Die Behandlungsmöglichkeiten
statakrebszellen. Damit gehört es selbst zu den Wirkstoffen der
Hormontherapie. Es wird einmal täglich als Tablette eingenom-
men. Abirateron nehmen Sie dauerhaft ein.
Nebenwirkungen
Abirateron ist meist besser verträglich als eine Chemotherapie.
Aber Sie müssen es dauerhaft einnehmen und haben daher auch
ein dauerhaftes Risiko für erhöhte Nebenwirkungen. Abirateron
kann zu Kaliummangel und Wassereinlagerungen führen. Im Ver-
gleich zu einem alleinigen Hormonentzug kommt es außerdem
zu vermehrten Herz-Kreislauferkrankungen und Lebererkrankun-
gen (jeweils 6 % mehr). Außerdem kann es zu Bluthochdruck und
Harnwegsentzündungen kommen.
Die Leitlinie empfiehlt:
• Entscheiden Sie sich für eine Kombination mit Abirateron, so soll
die Behandlung innerhalb von drei Monaten nach Beginn des Hor-
monentzugs anfangen.
• Die Dosierung soll 1000 mg / Tag betragen.
• Zusätzlich sollen Sie Prednison oder Prednisolon (5 mg / Tag) er-
halten. Das ist ein kortisonähnliches Medikament. Es mildert die
Nebenwirkungen und verstärkt die lindernde Wirkung.
Wenn eine Kombinationsbehandlung nicht in Frage kommt
Bei eingeschränktem körperlichen Zustand oder wenn die Neben-
wirkungen einer Kombinationsbehandlung zu belastend sind, sol-
len Sie einen alleinigen Hormonentzug erhalten. Neben der oben
dargestellten medikamentösen oder chirurgischen Kastration kön-
nen dann weitere Maßnahmen hinzukommen, die im Folgenden
vorgestellt werden:
Antiandrogene
Es gibt auch die Möglichkeit, den Hormonhaushalt mit sogenann-
ten Antiandrogenen zu beeinflussen. Diese Medikamente hemmen
die Testosteronbildung nicht. Sie sorgen vielmehr dafür, dass das
Testosteron in der Prostata – speziell in den Tumorzellen – nicht
wirksam werden kann. Antiandrogene hindern auch die Hormone
in ihrer Wirksamkeit, die in der Nebenniere hergestellt werden.
Männer, die mit Antiandrogenen behandelt werden, haben einen
normalen bzw. leicht erhöhten Testosteronspiegel. Deshalb kön-
nen manche Nebenwirkungen der Kastration wegfallen. Häufigste
Folge der modernen Antiandrogenbehandlung ist die Brustvergrö-
ßerung.
Antiandrogene sind dann wirksam, wenn der Tumor noch keine
oder nur wenige Metastasen gebildet hat. Bei ausgedehnten Meta-
stasen (gemessen an einem PSA-Wert von über 500 ng/ml) zeigt
eine Behandlung mit Antiandrogenen schlechtere Ergebnisse als
ein Hormonentzug.
Maximale Androgenblockade
Die sogenannte maximale Androgenblockade kombiniert den
Hormonentzug mit der Gabe von Antiandrogenen. So kann kein
Testosteron in der Prostata mehr wirksam werden. Dadurch wur-
den in einigen Studien geringe Überlebensvorteile bei einem klei-
nen Anteil an Patienten erreicht. Je nachdem, welche Medikamente
kombiniert wurden, war der Überlebensvorteil größer. Die maxi-
male Androgenblockade kann als Erstbehandlung beim metas-
tasierten Prostatakrebs eingesetzt werden. Die Nebenwirkungen
sind stärker ausgeprägt als bei einer alleinigen Kastration.
Wenn der Krebs trotz Hormonentzug oder Gabe von Antiandro-
genen weiter fortschreitet, können in mehreren Schritten einzelne
Medikamente kombiniert werden. So lässt sich das Tumorwachs-
tum manchmal noch eine Weile hemmen.
Intermittierende Hormontherapie
Mit der unterbrochenen (intermittierenden) Hormontherapie soll
die Wirksamkeit der Hormonbehandlung verlängert werden. Schon
bevor Beschwerden auftreten, erhalten Sie eine maximale Andro-
64 65
Die Behandlungsmöglichkeiten Die Behandlungsmöglichkeiten
genblockade. Wenn nach einer gewissen Behandlungsdauer der
PSA-Wert bis zu einem bestimmten Wert abgefallen ist, wird die
Behandlung ausgesetzt. Steigt der PSA-Wert wieder über eine be-
stimmte Schwelle, erhalten Sie die Medikamente wieder. Das soll
das Entstehen von hormonunempfindlichen Krebszellen länger
hinauszögern.
In den Phasen ohne Hormongabe setzen die Nebenwirkungen
teilweise aus, und der Körper kann sich erholen. Die Potenz kann
zurückkehren. Auch die Lebensqualität kann sich verbessern.
Noch liegen keine gesicherten Langzeitdaten über die intermit-
tierende Hormontherapie vor. Die ärztliche Leitlinie lässt sie als
Behandlungsmöglichkeit zu.
Die dreifache Hormonblockade (medikamentöse Kastration kom-
biniert mit einem Antiandrogen und dem Wirkstoff Finasterid, der
zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung eingesetzt
wird) ist ein experimentelles Verfahren, dessen Wirksamkeit durch
Studien nicht belegt ist. Es wird in der Leitlinie nicht empfohlen.
Ein Hormonentzug kombiniert mit Docetaxel oder Abirateron
kommt für Sie in Frage, wenn
• der Krebs gestreut hat, Sie körperlich fit sind und die Nebenwirkungen
der Behandlung vertragen;
Kastrationsresistenter Prostatakrebs
Irgendwann wächst der Prostatakrebs trotz niedriger Testosteron-
werte weiter. Man sagt, er ist kastrationsresistent geworden. Das
ist meist nach mehreren Jahren der Fall, aber von Mann zu Mann
sehr unterschiedlich. Es hängt vor allem von der Geschwindigkeit
ab, mit der der Krebs wächst und neue Zellen bildet.
Fragen zur Hormonentzugstherapie
• Welche Form der Hormonentzugstherapie kommt für mich in Frage?
• Welche Vorteile hat die medikamentöse Kastration gegenüber der ope-
rativen?
• Empfehlen Sie mir eine kombinierte Behandlung?
• Ist bei mir eine Behandlung mit Antiandrogenen sinnvoll?
• Ist eine Spritze besser als Tabletten?
• Mit welchen Nebenwirkungen habe ich zu rechnen?
Was kann ich dagegen tun? Gehen diese Nebenwirkungen nach dem
Ende der Behandlung wieder zurück?
• Kann die Behandlung unterbrochen werden?
• Woran erkenne ich, ob die Behandlung wirksam ist?
• Darf ich als Diabetiker eine Hormonentzugstherapie machen?
Ein alleiniger Hormonentzug kommt für Sie in Frage, wenn
• Ihr Krebs bereits gestreut hat und Sie körperlich geschwächt sind;
• Sie ein lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom haben und aus Alters-
gründen das Operations- oder Bestrahlungsrisiko scheuen;
• Ihre körperliche Verfassung eine Operation oder Bestrahlung nicht rat-
sam erscheinen lässt;
• Sie im Rahmen des langfristigen Beobachtens Folgen der Erkrankung
lindern wollen.
66 67
Die Behandlungsmöglichkeiten Die Behandlungsmöglichkeiten
Die weiteren Behandlungsschritte sollen jetzt interdisziplinär, das
heißt unter Beteiligung verschiedener medizinischer Fachrichtun-
gen, festgelegt werden. Denn neben der reinen Tumorbehandlung
geht es nun auch darum, Auswirkungen der Erkrankung zu lindern
und wirksam zu bekämpfen (etwa Knochenerkrankungen, Schmer-
zen, Müdigkeit).
Steigt unter dem Hormonentzug der PSA-Wert erneut an, soll nach
Meinung der Experten zunächst der Testosteronspiegel kontrol-
liert werden. Damit lässt sich überprüfen, ob der Hormonentzug
wirksam und das Testosteron tatsächlich unterdrückt ist. Ist dies
der Fall, dann rührt der PSA-Anstieg daher, dass die Tumorzellen
jetzt trotz Kastration weiterwachsen. Doch es sind noch nicht alle
Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft. Jetzt geht es in erster
Linie darum, Beschwerden zu lindern. Dazu stehen mehrere neue
Wirkstoffe und die bereits länger erprobte Chemotherapie zur
Verfügung.
Welche Behandlung für wen?
Die eine, ideale Behandlung für alle gibt es in dieser Situation
nicht. Alle Medikamente können Nebenwirkungen verursachen.
Für einige Männer kann dies zu erheblichen Belastungen führen.
Deshalb sollten nach Meinung der Experten die behandelnden
Ärztinnen und Ärzte aller beteiligten Fachrichtungen gemeinsam
darüber beraten, welche Behandlung in Ihrem Fall angemessen ist.
Dies kann unter anderem davon abhängen,
• ob der Krebs bereits Beschwerden verursacht;
• ob Sie durch den Krebs, die vorangehende Behandlung, andere
Krankheiten oder das Alter stark geschwächt sind;
• ob der Krebs schnell oder langsam wächst;
• wo er möglicherweise Metastasen gebildet hat;
• welche Behandlung Sie sich selbst zumuten wollen und können.
Hohes Alter allein spricht zum Beispiel nicht gegen eine Chemo-
therapie. Entscheidend sind Ihre körperliche Verfassung und Ihre
persönlichen Ziele bei der Behandlung sowie Ihre Vorstellung von
Lebensqualität.
Vor allem geschwächte Patienten mit mehreren Begleiterkrankun-
gen haben von einer nebenwirkungsreichen Behandlung mögli-
cherweise mehr Nachteile als Nutzen. Es kann daher hilfreich sein,
wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt dann mit ein paar einfachen Tests
Ihre Verfassung prüft, bevor Sie sich gemeinsam für eine Behand-
lung entscheiden.
Patienten ohne Beschwerden
Dass Prostatakrebs trotz Hormonentzug fortschreitet, lässt sich an
steigenden PSA-Werten ablesen. Diese steigenden PSA-Werte sind
nicht automatisch mit Beschwerden verbunden. Bislang wurde in
aussagekräftigen Studien nicht geprüft, ob es günstiger ist, eine
Behandlung sofort bei PSA-Anstieg zu beginnen oder abzuwarten,
bis sich Beschwerden einstellen. Alle Medikamente können teil-
weise starke Nebenwirkungen haben. Nach Meinung der Experten
sollen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte Männern ohne Be-
schwerden und ohne Nachweis von Fernmetastasen zunächst ein
abwartendes Beobachten anbieten. Die Hormonwirkstoffe sollen
betroffene Männer dabei weiter einnehmen.
Manche Männer entscheiden sich möglicherweise trotz langsam
fortschreitender Krankheit und ohne oder mit geringen Beschwer-
den dennoch für eine Behandlung. Dann empfiehlt die Leitlinie:
• Eine Behandlung mit den Hormonwirkstoffen Abirateron oder
Enzalutamid sollte angeboten werden.
• Eine Chemotherapie mit dem Wirkstoff Docetaxel kann angeboten
werden. Docetaxel kann mit stärkeren Nebenwirkungen einherge-
hen.
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Die Behandlungsmöglichkeiten Die Behandlungsmöglichkeiten
Für alle drei Wirkstoffe ist in guten Studien belegt, dass sie in die -
ser Situation das Leben etwas verlängern können. Sie wurden aber
nicht miteinander verglichen. Deshalb ist unklar, welches Medi-
kament am besten wirkt. Und es wurde auch nicht geprüft, ob sie
wirksamer sind, wenn noch keine Beschwerden vorliegen, oder ob
es ausreicht, mit der Behandlung abzuwarten, bis sich Beschwer-
den einstellen. Die Leitliniengruppe spricht eine nur schwache
Empfehlung für die Chemotherapie aus, weil sie weniger gut ver-
träglich ist als Abirateron und Enzalutamid.
Docetaxel und Abirateron werden im Kapitel „Kombinierte Hor-
monentzugsbehandlung“ (ab Seite 60) erklärt.
Enzalutamid ist ein neuartiges Antiandrogen, ein sogenannter An-
drogenrezeptorblocker. Es verhindert auf mehrfache Weise, dass
Testosteron in den Krebszellen aktiv wird und das Wachstum an-
regt. Sie nehmen es als Kapsel ein.
Nebenwirkungen
Häufig kommt es unter Enzalutamid zu Kopfschmerzen und Hit-
zewallungen. Bei etwa 1 von 100 Behandelten kommt es zu einem
starken Krampfanfall. Auch Juckreiz, Gedächtnisstörungen und
Blutbildveränderungen können auftreten. Enzalutamid kann die
Wirkung anderer Medikamente erheblich beeinflussen. Dazu ge -
hören zum Beispiel Schmerzmittel, aber auch Betablocker oder
Anitbiotika.
Es gibt Hinweise, dass Männer, die zuvor mit Abirateron behandelt
wurden, schlechter auf Enzalutamid ansprechen.
Patienten mit Beschwerden
Verursacht der Prostatakrebs trotz einer Hormonbehandlung Be-
schwerden, gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten. Mithilfe
einiger Wirkstoffe lässt sich das Krebswachstum aufhalten. Da -
durch werden Beschwerden gelindert, manche Männer leben auch
dank der Medikamente länger. Die behandelnden Ärztinnen und
Ärzte sollen deshalb Patienten mit gutem Allgemeinzustand eines
der folgenden Medikamente anbieten:
• Abirateron;
• Chemotherapie mit Docetaxel;
• Enzalutamid;
• Radium-223 (nur wenn ausschließlich Knochenmetastasen vorlie-
gen).
Weitere Empfehlungen der Leitlinie zur Behandlung von Knochen-
metastasen finden Sie ab Seite 80.
Studien, die diese vier Wirkstoffe miteinander verglichen haben,
gibt es nicht. Das heißt: Man weiß nicht, was am besten wirkt. Sie
können unterschiedliche und unterschiedlich starke Nebenwir-
kungen hervorrufen. Bei der Wahl des Medikaments sollten Sie
sich deshalb auch nach den Nebenwirkungen und der Behand-
lungsdauer richten. Die Leitlinie versieht alle vier Wirkstoffe mit
einer schwachen Empfehlung, das heißt, jeder einzelne kann zur
Behandlung eingesetzt werden. Sie sollten gemeinsam mit Ihrer
Ärztin oder Ihrem Arzt den für Sie passenden Wirkstoff auswählen.
Bei geschwächtem Allgemeinzustand
Alle Medikamente, die das Krebswachstum hemmen sollen, wirken
auf den ganzen Körper und können mit belastenden Nebenwir-
kungen einhergehen. Ist der Allgemeinzustand bereits geschwächt
(zum Beispiel durch vorangegangene Behandlungen, Begleiter-
krankungen oder Alter), kann es günstiger sein, Beschwerden
gezielt zu behandeln und auf eine aggressive Therapie gegen
den Krebs zu verzichten. Männern mit stark eingeschränktem
Allgemeinzustand sollen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte
daher nach Meinung der Experten zunächst eine Behandlung von
Beschwerden anbieten. Im Einzelfall kann auch eines der oben
genannten Medikamente gegen den Krebs eingesetzt werden. Das
aber bedarf für jeden Patienten einer sorgfältigen Prüfung.
70 71
Die Behandlungsmöglichkeiten Die Behandlungsmöglichkeiten
Welchen Nutzen haben die Krebsmedikamente?
Abirateron: Eine Studie liefert Hinweise, dass Abirateron im Ver-
gleich zu einer Scheinbehandlung bei kastrationsresistentem
Prostatakrebs lebensverlängernd wirken kann: Im Mittel lebten Pa-
tienten unter Abirateron 4,4 Monate länger als mit Scheinmedika-
ment. Im Mittel bedeutet, dass manche Patienten erheblich mehr
von der Therapie profitieren, andere dafür gar nicht. Beschwerden
wurden gelindert. Allerdings waren in diese Studie hauptsäch-
lich Männer mit einem guten körperlichen Zustand und mit eher
milden Beschwerden eingeschlossen. Zusätzlich sollen Patienten
zweimal täglich 5 mg Prednisolon als Tabletten einnehmen. Dies
mildert die Nebenwirkungen und verstärkt die lindernde Wirkung.
Enzalutamid: Eine Studie liefert Hinweise, dass Enzalutamid le-
bensverlängernd wirkt: Im Mittel lebten Männer unter Enzalutamid
2,3 Monate länger als mit Scheinmedikament. Auch in diese Studie
wurden nur Männer mit gutem Gesundheitszustand und milden
Beschwerden eingeschlossen. Im Vergleich zur Abirateron-Studie
hatten hier mehr Männer Metastasen in anderen Organen wie
Lunge oder Leber.
Docetaxel: Mit dieser Substanz konnte eine Lebensverlängerung
von durchschnittlich drei Monaten nachgewiesen werden. Doceta-
xel konnte auch Beschwerden lindern. Verglichen wurde Docetaxel
mit einem anderen Chemotherapeutikum, das nicht lebensver-
längernd wirkt (Mitoxantron). Die Studie schloss nur Männer mit
gutem Allgemeinzustand ein. Zusätzlich sollen Patienten zweimal
täglich 5 mg Prednisolon als Tabletten einnehmen. Dies mildert
auch hier die Nebenwirkungen und verstärkt die lindernde Wir-
kung. Docetaxel erhalten Sie über einen längeren Zeitraum als In-
fusion über eine Vene. Das nennt man einen Zyklus. Üblich ist ein
Zyklus alle drei Wochen. Eine etwas niedrigere Dosis alle zwei Wo-
chen ist vermutlich ähnlich wirksam und etwas besser verträglich.
Nur wenn ausschließlich Knochenmetastasen vorliegen –
Radium-223: Radium-223 ist ein schwach radioaktiver Stoff, der
nur zur Behandlung von Knochenmetasen zugelassen ist. Er ist
dem Kalzium ähnlich und lagert sich deswegen vor allem dort in
den Knochen ein, wo der Körper vermehrt Reparaturversuche un-
ternimmt, also bei Knochenmetastasen. Die Strahlen haben eine
extrem kurze Reichweite und wirken gezielt auf die Krebszellen in
den Knochen. Radium-223 wird langsam in eine Vene gespritzt.
Die Dosierung hängt vom Körpergewicht ab. Eine Behandlung be-
steht aus sechs Spritzen im Abstand von mehreren Wochen. Haben
sich bereits Metastasen in anderen Organen gebildet, soll Radi-
um-223 nicht angewendet werden.
Eine aussagekräftige Studie liefert Hinweise, dass es im Vergleich
zu einer alleinigen unterstützenden Behandlung das Leben der
Männer um durchschnittlich etwa drei Monate verlängern und das
Auftreten von Beschwerden verzögern kann.
Unter Radium-223 traten etwas häufiger Blutbildveränderungen
auf als in der Vergleichsgruppe ohne Radium-223. Häufig kam es
zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Schwere Nebenwirkungen
waren nicht häufiger als in der Vergleichsgruppe. Auch in diese
Studie wurden nur Männer mit gutem Allgemeinzustand einge-
schlossen.
Keine Krebsmedikamente trotz Beschwerden?
Wenn Sie sich gegen eine Behandlung mit einem der aufgeführten
Medikamente entscheiden, soll Ihnen Ihr Behandlungsteam die
Behandlung mit Kortison anbieten. Es wirkt gegen Schmerzen und
Müdigkeit und bessert den Appetit. Es kann den PSA-Verlauf und
damit das Fortschreiten der Erkrankung beeinflussen. Auch eine
gute Schmerztherapie in Verbindung mit guter pflegerischer Ver-
sorgung kann dann die Lebensqualität aufrechterhalten.
72 73
Die Behandlungsmöglichkeiten Die Behandlungsmöglichkeiten
Und wenn der Krebs weiter fortschreitet?
Irgendwann ist der Krebs auch gegen die im vorangehenden Ka-
pitel geschilderten Medikamente unempfindlich geworden und
wächst weiter. Dann gibt es weitere Behandlungsmöglichkei-
ten. Das nennt man Zweitlinientherapie. Welche für Sie in Frage
kommt, hängt von Ihrem körperlichen Zustand ab – und davon,
welches Medikament Sie als erstes erhalten haben. Die meiste Er-
fahrung gibt es für eine Zweitlinientherapie nach Docetaxel, weil
dieses Medikament schon relativ lange bei Prostatakrebs einge-
setzt wird.
Zweitlinienbehandlung nach Docetaxel
Eine gewisse Zeit nach dem Ende der Chemotherapie kann der
Krebs sich weiter ausbreiten. Einige Medikamente haben in Stu-
dien gezeigt, dass sie dann manchmal noch lebensverlängernd
wirken können. Diese Wirkstoffe wurden bislang jedoch noch nicht
miteinander verglichen. Alle Studien haben zudem nur Männer mit
gutem Allgemeinzustand eingeschlossen. Welche Behandlung bei
Männern mit eingeschränktem körperlichem Zustand günstig ist,
bleibt unklar. Die Leitlinie empfiehlt:
Schreitet der Krebs nach einer Chemotherapie mit Docetaxel wei-
ter fort, soll Männern mit gutem Allgemeinzustand eine der fol-
genden Möglichkeiten angeboten werden:
Fragen zur systemischen Behandlung
• Welchen Wirkstoff empfehlen Sie mir? Warum?
• Welchen Vorteil haben die Krebsmedikamente in meiner Situation?
• Mit welchen Nebenwirkungen habe ich zu rechnen?
Was kann ich dagegen tun? Gehen diese Nebenwirkungen nach dem
Ende der Behandlung wieder zurück?
• Wie lange muss ich die Medikamente einnehmen?
• Kann ich die Behandlung unterbrechen?
• Abirateron;
• Enzalutamid;
• Cabazitaxel;
• Radium-223 (nur bei Knochenmetastasen).
Die Medikamente wurden nicht direkt miteinander verglichen.
Deshalb weiß man nicht, welches am günstigsten ist.
Welchen Nutzen haben die Krebsmedikamente nach Docetaxel?
Abirateron: In einer Studie wurde Abirateron mit einer Scheinbe-
handlung verglichen. Alle Männer bekamen außerdem eine gute
unterstützende Behandlung. Männer, die Abirateron einnahmen,
lebten im Durchschnitt etwa vier Monate länger. Auch Beschwer-
den konnten hinausgezögert oder gelindert werden. In die Studie
wurden nur Männer mit gutem Allgemeinzustand eingeschlossen.
Zu den Nebenwirkungen siehe Seite 62.
Enzalutamid: Eine Studie hat Enzalutamid mit einer Scheinbe-
handlung verglichen. Eingeschlossen in die Studie waren Männer
in gutem Allgemeinzustand, bei denen nach einer Chemotherapie
mit Docetaxel der Krebs weiter fortgeschritten war. In dieser Stu-
die verlängerte Enzalutamid das Überleben um durchschnittlich
vier Monate und konnte Beschwerden hinauszögern. Zu den Ne-
benwirkungen siehe Seite 68.
Radium-223: wurde nicht in einer gesonderten Studie als Medi-
kament nach Docetaxel untersucht. Aber in die Zulassungsstudie
waren viele Patienten eingeschlossen, die bereits Docetaxel erhal-
ten hatten. Daraus schließt die Leitliniengruppe, dass es auch in
der Zweitlinienbehandlung wirksam ist. Zu den Nebenwirkungen
siehe Seite 71.
Cabazitaxel: Cabazitaxel ist für die Behandlung von Männern
zugelassen, bei denen nach Docetaxelgabe der Tumor weiter fort-
schreitet. Wie Docetaxel gehört es zu den Wirkstoffen der Che -
motherapie und behindert einen Mechanismus bei der Zellteilung.
74 75
Die Behandlungsmöglichkeiten Die Behandlungsmöglichkeiten
Cabazitaxel erhalten Sie als Infusion alle drei Wochen. Auch hier
sollen Sie Prednison oder Prednisolon zusätzlich einnehmen.
Wirksamkeit: In einer Studie wurde Cabazitaxel mit dem Medika-
ment Mitoxantron verglichen. Mitoxantron lindert bei fortgeschrit-
tenem Prostatakrebs Beschwerden, verlängert aber das Leben
nicht. Männer, die Cabazitaxel nahmen, lebten im Durchschnitt
2,4 Monate länger als Männer mit Mitoxantron. Dieser Vorteil
zeigte sich vor allem bei älteren Männern über 65 Jahren. Die
Schmerzen waren unter beiden Medikamenten gleich stark.
Nebenwirkungen: Unter Cabazitaxel kam es zu teilweise erheb-
lichen Nebenwirkungen, vor allem zu schweren Durchfällen und
Veränderungen des Blutbilds (starke Abnahme weißer Blutzellen
und Anfälligkeit für Infektionen). Schwere Nebenwirkungen traten
bei 57 von 100 behandelten Männern auf. In der Vergleichsgruppe
war das bei 39 von 100 Männern der Fall. 18 von 100 Männern
brachen die Behandlung ab. Unter Cabazitaxel kam es zu Todes-
fällen, die vermutlich auf die Behandlung zurückzuführen sind:
5 von 100 Männern starben während der Behandlung mit Cabazi-
taxel nicht am Fortschreiten des Tumors, in der Vergleichsgruppe
waren es zwei. In der Studie wurden vor allem Männern mit gutem
körperlichen Zustand behandelt.
Mehr Informationen zu Abirateron, Enzalutamid, Radium-223
und Cabazitaxel finden Sie auch unter
www.gesundheitsinformation.de.
Bei geschwächtem Allgemeinzustand
Männer, die durch Begleiterkrankungen, vorangegangene Thera-
pien oder Alter bereits geschwächt sind, sollen eine gute unter-
stützende Behandlung erhalten, die Beschwerden lindert, ohne
den Körper zu sehr zu belasten. Ob eines der oben genannten
Medikamente eingesetzt werden kann, bedarf einer vorsichtigen
Abwägung.
Zweitlinienbehandlung nach Abirateron oder Enzalutamid
Da die genannten Medikamente noch nicht sehr lange auf dem
Markt sind, fehlen Daten und Erkenntnisse, was zu tun ist, wenn
der Krebs weiter fortschreitet. Nach Meinung der Expertengruppe
können die Ärztinnen und Ärzte Ihnen bei gutem körperlichem
Zustand ein anderes der bereits genannten Medikamente anbie-
ten. Ob diese Medikamente in dieser Situation wirksam sind, ist
aber unklar. Alternativ ist auch eine gute unterstützende Behand-
lung möglich, die Beschwerden lindert und sich nicht gegen den
Krebs richtet.
Drittlinienbehandlung
Auch nach einer Zweitlinienbehandlung schreitet der Krebs ir-
gendwann weiter fort. Was dann noch hilfreich oder wirksam ist,
dazu gibt es keine Daten. Möglicherweise können Sie ein weiteres
Mal einen der genannten Wirkstoffe erhalten, wenn Sie die Be -
handlung bislang gut vertragen haben. Aber ob sie Ihnen mehr
nutzen als schaden, ist unklar.
Ein weiteres, noch sehr experimentelles Verfahren ist die Behand-
lung mit dem Radionuklid 177LU-PSMA. In kleinen, methodisch
schwachen Studien war es gut verträglich und hat dazu geführt,
dass der PSA-Wert gesunken ist. Das ist zu wenig, um zu beur-
teilen, ob es wirksam ist. Wenn andere Behandlungsmöglichkeiten
ausgeschöpft sind, kann Ihr Behandlungsteam mit Ihnen prüfen,
ob es als Behandlungsversuch in Frage kommt. In die Entschei-
dung soll auch eine interdisziplinäre Tumorkonferenz einbezogen
werden.
Es gibt außerdem immer die Möglichkeit, nichts mehr gegen den
Krebs zu unternehmen und stattdessen die Beschwerden so gut
wie möglich zu lindern. So vermeiden Sie auch die Nebenwirkun-
gen einer Behandlung.
76 77
Die Behandlungsmöglichkeiten Die Behandlungsmöglichkeiten
Nebenwirkungen behandeln
Die Behandlung von Krebs, egal ob mit Hormonentzug, Che-
motherapie, Bestrahlung oder Operation, verursacht Nebenwir-
kungen, die das Leben beeinträchtigen können. Manche dieser
Nebenwirkungen lassen sich gezielt behandeln, einigen kann man
sogar vorbeugen. Das nennt man „Supportive Therapie“. Sie spielt
für alle Menschen mit einer Krebserkrankung eine große Rolle.
In dieser Patientenleitlinie haben wir die Nebenwirkungen nur
kurz angesprochen und wenig zu deren Behandlungsmöglichkei-
ten gesagt. Denn die Behandlung von Prostatakrebs ist ohnehin
schon sehr kompliziert und die Broschüre dick genug. Wer sich
aber ausführlich zur Behandlung von Nebenwirkungen informieren
möchte, kann dies in der Patientenleitlinie „Supportive Therapie“
tun, im Internet: www.leitlinienprogramm-onkologie.de/patien-
tenleitlinien/supportive-therapie.
Ein Wort zu klinischen Studien
Neben der Behandlung mit bewährten Therapien besteht für Sie
auch die Möglichkeit, an klinischen Studien teilzunehmen. Dort
werden neue Medikamente und Behandlungsmöglichkeiten un-
tersucht. Einige Maßnahmen sollen bei Prostatakrebs überhaupt
nur im Rahmen klinischer Studien zum Einsatz kommen. Es ist ein
Hinweis auf die Qualität der Studie:
Wirkstoffname? Handelsname?
Alle Medikamente werden in dieser Broschüre mit ihrem Wirkstoffnamen
vorgestellt. Bekannter ist meist der Handelsname, den eine Firma ihrem
Medikament gibt. So heißt der Wirkstoff ASS bei einem Hersteller zum Bei-
spiel „Aspirin“. Auf der Medikamentenpackung sind immer Wirkstoff und
Handelsname angegeben. Nach dem Handelsnamen fragen Sie am besten
Ihre Onkologin oder Ihren Onkologen.
• wenn mehrere Einrichtungen an der Studie beteiligt sind (multi-
zentrisch);
• wenn es ein ausführliches, öffentlich einsehbares Studienprotokoll
gibt, in dem die Ziele und Annahmen der Studie genau formuliert
und begründet sind;
• wenn die Studie in ein öffentliches Studienregister eingetragen ist,
zum Beispiel bei www.drks.de;
• wenn die Behandlungsergebnisse, die untersucht werden, ange-
messen und für Patienten bedeutsam sind. Studien, die Medika-
mente zu Prostatakrebs untersuchen, sollten vor allem prüfen, ob
sich die Behandlung auf das Überleben, die Beschwerden und die
Lebensqualität auswirkt.
Ob es eine geeignete Studie gibt und ob die Teilnahme daran für
Sie sinnvoll ist, müssen Sie nach Rücksprache mit Ihrem Behand-
lungsteam entscheiden. Im Rahmen klinischer Studien werden
Sie besonders intensiv betreut. Wenn Sie sich zu einer Teilnahme
entschließen, bedeutet das für Sie auch, dass Sie sich stärker an
Ihrer Behandlung beteiligen. Zum Beispiel, indem Sie zusätzliche
Untersuchungstermine wahrnehmen.
Bei einer Behandlung im Rahmen einer klinischen Studie können
unter Umständen Nebenwirkungen auftreten, die noch gar nicht
bekannt sind. Lassen Sie sich deshalb genau aufklären. Fragen Sie
Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie mehr über Studien wissen
möchten, die in Ihrem Fall geeignet wären.
Wo eine Studie zum Prostatakarzinom läuft, die für Sie möglicher-
weise in Frage kommt, erfahren Sie hier:
https://www.drks.de/DGU/DGU-Forschung%20Studienregister.
htm#.
Worauf Sie bei einer Teilnahme außerdem achten sollten, erfahren
Sie in einem Merkblatt der Bundesärztekammer und der Kassen-
ärztlichen Bundesvereinigung: http://www.studien.patinfo.org.
78 79
Die Behandlungsmöglichkeiten Die Behandlungsmöglichkeiten
Komplementäre und alternative Verfahren
„Complementum“ ist lateinisch und bedeutet „Ergänzung“. Kom-
plementäre Behandlungsverfahren entstammen zum Beispiel der
Naturheilkunde oder der traditionellen chinesischen Medizin und
können unter bestimmten Voraussetzungen ergänzend zur übli-
chen medizinischen Behandlung eingesetzt werden.
Nutzen und Schaden komplementärmedizinischer
Verfahren
Komplementärmedizinische Verfahren geben manchen Patien-
tinnen und Patienten das gute Gefühl, dass sie selbst eine aktive
Rolle spielen und so zum Heilungserfolg beitragen können. Das
kann sich günstig auf die Lebensqualität und die Therapietreue
auswirken. Verleiten solche Verfahren Patienten jedoch dazu, auf
nachweislich wirksame und nützliche Diagnose- oder Therapi-
emethoden zu verzichten, kann dies lebensbedrohliche Folgen
haben. Eines lässt sich für alle komplementärmedizinischen Ver-
fahren festhalten: Sie konnten in Studien bislang nicht zeigen,
dass sie Prostatakrebs aufhalten können. Patienten mit solchen
Verfahren Hoffnung auf Besserung oder gar Heilung zu machen,
ist deshalb irreführend. Manche Verfahren können auch die in der
Leitlinie empfohlenen Therapien ungünstig beeinflussen. Deshalb
ist es grundsätzlich wichtig, dass Sie alle Verfahren, die Sie selbst
anwenden möchten, mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem
Arzt besprechen – auch auf die „Gefahr“ hin, dass sie oder er da-
von abrät.
Alternative Verfahren
Es gibt auch sogenannte alternative Methoden, die an Stelle von
wissenschaftlich geprüften und im Nutzen belegten Methoden und
Arzneimitteln angeboten werden. Meist gehen diese Angebote mit
unseriösen Heilsversprechen einher, die nicht wissenschaftlich be-
legt sind. Darunter sind Verfahren, die Patientinnen und Patienten
unnötigen Risiken aussetzen, und/oder die sich die Anbieter sehr
teuer bezahlen lassen. Dazu zählen zum Beispiel Ukrain, Vitamin
B17 (Aprikosenkerne, Bittermandeln), insulinpotenzierte Therapie,
ketogene Diät, Vitamine nach Dr. Rath, Germanische Neue Medi-
zin, Eigenbluttherapie, Zapper und Redifferenzierungstherapie.
Manche dieser Substanzen sind giftig oder gefährlich wie Vitamin
B17 (Blausäure), andere wirkungslos. Wegen des nicht erwiesenen
Nutzens und teilweise erheblicher Risiken raten die Experten von
allen Behandlungen ab, die anstelle der geprüften, leitlinienge-
rechten Verfahren angeboten werden. Seien Sie vorsichtig, wenn
Ihnen jemand Heilung verspricht oder Wirkung ohne Nebenwir-
kung, wenn er von einer geprüften und in dieser Leitlinie emp-
fohlenen Methode aktiv abrät oder viel Geld von Ihnen verlangt!
Krankenkassen übernehmen solche Kosten nicht.
80 81
Behandlung von Knochenmetastasen Behandlung von Knochenmetastasen
9. Behandlung von Knochenmetastasen
Bei 8 von 10 Männern mit metastasiertem Prostatakarzinom sind
die Knochen befallen. Die Metastasen siedeln zunächst im Kno-
chenmark. Nach und nach wird auch die Knochensubstanz an-
gegriffen. In der Folge kann es zu starken Schmerzen kommen.
Kleinste Krafteinwirkungen können Knochenbrüche verursachen.
Wenn die Wirbelsäule betroffen ist, können durch den Zusammen -
bruch von Wirbelkörpern Nerven oder das Rückenmark gequetscht
werden. Das führt zu Lähmungen und Empfindungsstörungen.
Bestrahlung
Sind nur wenige Knochenmetastasen nachgewiesen, lassen sich
diese gezielt bestrahlen. Die Bestrahlung soll eingesetzt werden
bei
• drohenden Wirbelsäulenschäden / Gefahr der Querschnittslähmung
oder wenn der Tumor auf Nerven drückt (Nervenkompression);
• erhöhtem Risiko für Knochenbrüche;
• beständigen Schmerzen trotz medikamentöser Behandlung.
Bei mindestens 8 von 10 Männern kann eine gezielte Bestrahlung
der Knochenmetastasen die Schmerzen lindern. Bei 5 von 10 Män-
nern hält diese Schmerzlinderung sechs Monate oder länger an.
Je nach Lage der bestrahlten Körperregion können bei etwa einem
Viertel der Fälle Übelkeit und Erbrechen als Folge der Bestrahlung
auftreten. Beides lässt sich vorbeugend gut behandeln.
Behandlung mit Radionukliden
Bei zahlreichen Knochenmetastasen ist eine gezielte Bestrahlung
einzelner Herde nicht sinnvoll. In diesem Fall kann eine Behand-
lung mit sogenannten Radionukliden nützlich sein. Das sind Ato-
me, deren Kerne radioaktiv zerfallen und dabei Strahlung freiset-
zen. Sie werden einmalig gespritzt und wirken im ganzen Körper,
gezielt in den Knochen. Bei 6 bis 8 von 10 Männern lindern sie
die Schmerzen. Die Wirkung hält durchschnittlich etwa zwei bis
vier Monate an. In den ersten Tagen der Behandlung können die
Schmerzen zunehmen. Die Behandlung kann das Knochenmark
und die Blutbildung schädigen. Übelkeit und Erbrechen treten nur
in wenigen Fällen auf.
Das Radionuklid Radium-223 wirkt bei manchen Männern lebens-
verlängernd. Es kann daher auch alternativ zu einer Chemothera-
pie eingesetzt werden (siehe Seite 71).
Bisphosphonate
Bisphosphonate sind Medikamente, die man auch bei Osteoporose
bekommt, um den Knochenabbau aufzuhalten. Beim Prostatakar-
zinom ist der Nutzen nur für Zoledronsäure in Kombination mit
Vitamin D belegt: Bei jedem dritten Mann gingen die Schmerzen
zurück, und die Knochen stabilisierten sich. Daher empfiehlt die
ärztliche Leitlinie, bei Knochenmetastasen vorbeugend Zoledron-
säure zu geben, um Knochenbrüche möglichst zu vermeiden.
Bei Einnahme von Bisphosphonaten entwickeln bis zu 2 von 10
Männern Knochenschäden am Kiefer (Kiefernekrosen). Diese kön-
nen vorbeugend behandelt werden. Besonders wichtig ist eine
gute Mundhygiene. Wenn Sie Bisphosphonate erhalten sollen,
sollten Sie bereits vor Beginn der Behandlung einen Zahnarzt oder
eine Zahnärztin aufsuchen.
Denosumab
Denosumab verhindert, dass knochenabbauende Zellen aktiv
werden können. Eine Studie hat Denosumab mit Zolderonsäure
verglichen. In dieser Studie waren beide Behandlungen etwa gleich
gut geeignet, die Folgen von Knochenmetastasen zu lindern. Kie-
fernekrosen traten etwa gleich häufig auf wie unter Bisphospho -
82 83
Behandlung von Knochenmetastasen Schmerzbehandlung
naten. Deshalb sind auch hier eine besonders gute Mundhygiene
und der Besuch bei der Zahnärztin oder beim Zahnarzt wichtig.
Es zeigten sich jedoch vermehrt schwere Nebenwirkungen, vor
allem starker Kalziummangel (Hypokalzämie), der zu gefährlichen
Krämpfen führen kann.
Die Leitlinie empfiehlt:
• Bisphosphonate oder Denosumab sollen bei kastrationsresisten-
tem Prostatakrebs und Knochenmetastasen eingesetzt werden, um
Komplikationen zu vermeiden.
• Bisphosphonate sollen Sie nicht erhalten, solange der Krebs auf
den Hormonentzug reagiert. In einer guten Studie konnte in die-
ser Situation kein Nutzen gezeigt werden. Für Denosumab liegen
keine Daten vor, deshalb kann sein Stellenwert nicht beurteilt wer-
den. Da es – wie Bisphosphonate - Nebenwirkungen verursachen
kann, gibt es keinen Grund, es bei hormonempfindlichem Prosta -
takrebs einzusetzen.
Zudem sind Radionuklide, Bisphosphonate und Denosumab nur
zur Behandlung von Knochenmetastasen bei kastrationsresisten-
tem Prostatakrebs zugelassen.
10. Schmerzbehandlung
Prostatakrebs kann im fortgeschrittenen Stadium eine schmerz-
hafte Erkrankung sein. Gerade Metastasen in der Wirbelsäule kön-
nen zu starken Schmerzen führen. Dauerhafte heftige Schmerzen
sind eine schwere Belastung, auch für die körperliche und geistige
Verfassung: Patienten können abmagern, verzweifeln oder de-
pressiv werden.
Krebsschmerzen müssen Sie nicht tapfer ertragen. Sie können mit
Medikamenten (Schmerzmitteln, sogenannten Analgetika) wirksam
ausgeschaltet oder gemildert werden. Die ärztliche Leitlinie emp-
fiehlt, bei der Behandlung von Tumorschmerzen dem Stufensche -
ma der Weltgesundheitsorganisation zu folgen. Es unterscheidet
zwischen schwachen, mittleren und starken Schmerzen. Für jede
„Schmerzstufe“ empfiehlt das Schema bestimmte Gruppen von
Schmerzmitteln. Das Grundprinzip besagt: Schmerzen werden
nach ihrer Stärke behandelt. Wenn eine Stufe der Schmerzbehand-
lung nicht mehr ausreicht, wählt man die nächst höhere.
Stufe 2
Stufe 3
Starke
Opioidanalgetika +
Nicht
Opioidanalgetika
+ unterstützende
Maßnahme
+ Co-Medikation
Schwache
Opioidanalgetika +
Nicht
Opioidanalgetika
+ unterstützende
Maßnahme
+ Co-Medikation
Nicht
Opioidanalgetika
+ unterstützende
Maßnahme
+ Co-Medikation
Stufe 1
84 85
Schmerzbehandlung Erschöpfung/chronische Müdigkeit (Fatigue)
Zwar unterliegen alle stark wirksamen Opioide wie Morphium der
Betäubungsmittelverordnung und müssen auf besonderen Rezep-
ten verordnet werden. Es gibt Vorbehalte gegen starke opioidhal-
tige Schmerzmittel, etwa wegen möglicher Abhängigkeit. Doch sie
können Krebsschmerzen wirksam lindern. Wenn Ihr oberstes Ziel
Schmerzlinderung ist, ist es wichtig, Medikamente regelmäßig und
in ausreichender Dosis zu nehmen. Deshalb müssen Sie eine neue
Gabe des Schmerzmittels auch erhalten, solange die alte noch
wirkt, um den Schmerz dauerhaft zu unterdrücken. Schmerzme-
dikamente sollen durch andere Maßnahmen unterstützt werden,
zum Beispiel pflegerische oder physiotherapeutische Begleitung.
Auch andere Medikamente wie Antidepressiva oder Abführmittel
können im Bedarfsfall eine Schmerztherapie ergänzen.
Sie unterstützen die Behandlung, wenn Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem
Arzt die Stärke Ihrer Schmerzen möglichst genau beschreiben.
Eine Schmerzskala kann Ihnen dabei eine Hilfe sein. Nur wenn die
Ärztinnen und Ärzte wissen, wie stark Ihre Schmerzen sind, kön-
nen sie die Behandlung anpassen.
Weitere Informationen zur Behandlung von Krebsschmerzen fin -
den Sie auch in der Broschüre der Deutschen Krebshilfe: „Schmer-
zen bei Krebs – Die blauen Ratgeber 50“, kostenloser Download
im Internet unter:
https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Blaue_Rat-
geber/050_0066.pdf.
11. Erschöpfung/chronische Müdigkeit
(Fatigue)
Fatigue ist eine über das übliche Maß hinausgehende Erschöpfung
und dauerhafte Müdigkeit, die auch nach Ruhephasen und Schlaf
anhält. Die Betroffenen leiden darunter, weil Fatigue sie im Alltag
belastet und einschränkt. Neben starker Müdigkeit gehören auch
Lustlosigkeit, Schwäche oder mangelnde Belastbarkeit zu den
Anzeichen. Fatigue kann zu erheblichen Einschränkungen beim
Kontakt zu Angehörigen und Freunden führen, weil Betroffene zu
müde sind. Das kann Beziehungen schwer belasten. Wenn eine
Behandlung akut Fatigue auslöst, klingen die Symptome nach dem
Ende der Therapie in der Regel auch wieder ab.
Oft hilft körperliche Aktivität. Mehrere Studien haben gezeigt,
dass Bewegung gegen Fatigue wirksam ist. Wichtig ist, dass Ihre
Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen eine Art der körperlichen Aktivität emp-
fiehlt, die an Ihre Kräfte angepasst ist und Sie nicht überfordert.
Wichtig ist auch, dass Sie Angehörige und Freunde über die Grün-
de Ihrer Erschöpfung informieren. Dann fällt es ihnen leichter, Sie
zu verstehen und zu unterstützen (Mehr zu Ernährung und Bewe-
gung ab Seite 96).
86 87
Nachsorge und weitere Betreuung Nachsorge und weitere Betreuung
12. Nachsorge und weitere Betreuung
Regelmäßige Kontrolle (bei lokal fortgeschrittenem
Prostatakarzinom)
Nach einer Behandlung mit dem Ziel der Heilung (Operation,
Bestrahlung) untersucht die behandelnde Ärztin oder der behan-
delnde Arzt Sie regelmäßig, um Spätfolgen und Nebenwirkungen
der Therapie auch weiterhin zu behandeln. Auch ein mögliches
Wiederauftreten des Tumors (ein sogenanntes Rezidiv) erkennt
sie oder er so möglichst frühzeitig.
Laut Meinung der Expertengruppe gelten dabei folgende Empfeh-
lungen: Spätestens zwölf Wochen nach Abschluss der Behandlung
soll die Nachsorge beginnen. Die Ärztin oder der Arzt soll Sie in
den ersten beiden Jahren alle drei Monate untersuchen, im dritten
und vierten Jahr halbjährlich und ab dem fünften Jahr jährlich.
Dabei soll sie oder er auch den PSA-Wert bestimmen. Eine Tastun-
tersuchung empfiehlt die Leitlinie nicht, wenn der PSA-Wert stabil
bleibt.
Nachsorge
1. Untersuchung: 12 Wochen
nach Behandlungsende
Zeitabstände Untersuchungen
1. und 2. Jahr alle 3 Monate PSA-Wert
3. und 4. Jahr alle 6 Monate PSA-Wert
Ab 5. Jahr jährlich PSA-Wert
Rezidiv
Steigt im Verlaufe der Nachkontrollen der PSA-Wert an, kann das
ein Anzeichen dafür sein, dass der Tumor wieder wächst. Man
spricht dann von einem Rezidiv. Je nach Behandlung erleiden etwa
5 von 10 Männern mit einem Tumor der Kategorie cT3 ein Rezidiv.
Die Leitlinie definiert es wie folgt:
• wenn nach radikaler Prostatektomie der PSA-Wert auf mehr als 0,2
ng/ml ansteigt (bestätigt durch eine zweite Messung);
oder
• wenn nach einer Bestrahlung der PSA-Wert um mehr als 2 ng/ml
über dem tiefsten Wert liegt, der nach der Bestrahlung gemessen
wurde (bestätigt durch eine zweite Messung).
In beiden Fällen ist es schwierig zu entscheiden, ob es sich um ein
lokales Rezidiv (in der Prostata nach Bestrahlung, am ehemaligen
Ort der Prostata nach Operation) handelt oder ob der Krebs ge-
streut hat.
Nur wenn Metastasen unwahrscheinlich sind, ist es sinnvoll, das
Rezidiv gezielt zu behandeln. Dann kommen als Möglichkeiten in
Frage:
• eine Operation, wenn die Erstbehandlung eine Bestrahlung war;
• eine Bestrahlung, wenn die Erstbehandlung eine Operation war;
• eine alleinige Hormonentzugsbehandlung ist beim lokalen Rezidiv
kein Standard.
Zur genauen Planung des weiteren Vorgehens können zusätzliche
Untersuchungen notwendig werden.
• Ein Rezidiv nach Strahlentherapie sollte nach Meinung der Exper-
ten mit einer Gewebeprobe gesichert werden, wenn eine Operati-
on für Sie in Frage kommt.
• Ein Rezidiv nach einer Operation braucht nach Meinung der Ex-
perten dagegen nicht durch eine ungezielte Nadelbiopsie gesucht
zu werden.
88 89
Nachsorge und weitere Betreuung Nachsorge und weitere Betreuung
• Nur wenn Sie Beschwerden haben oder wenn sonstige Notwendig-
keiten bestehen, sollen nach Meinung der Expertengruppe bildge-
bende Verfahren eingesetzt werden.
• Eine Skelettszintigraphie zur Abklärung von Knochenmetastasen
sollten Sie nur erhalten, wenn Sie Beschwerden haben oder der
PSA-Wert über 10 ng/ml liegt.
Ein relativ neues Bildgebungsverfahren, das PSMA-PET (siehe Sei-
te 23) kann in dieser Situation möglicherweise dazu beitragen,
Metastasen besser zu erkennen. Daten aus kleinen, nicht sehr
zuverlässigen Studien deuten das an. Ergibt das PSMA-PET keinen
Hinweis auf Metastasen, heißt das aber nicht, dass Metastasierung
ausgeschlossen werden kann. Der Stellenwert in der Diagnostik ist
daher nicht abschließend geklärt. In einer bestimmten Situation
hat das PSMA-PET jedoch möglicherweise einen Vorteil:
Zeigt es Metastasen an, können betroffene Männer auf eine Ope -
ration oder Bestrahlung des Rezidivs verzichten. Denn dann lässt
sich keine Heilung erreichen. Beide Behandlungen sind mit viel
mehr Nebenwirkungen und schlechteren Ergebnissen verbunden
als die Erstbehandlung. Diese kann man sich eher ersparen, wenn
der Verdacht auf Metastasen etwas besser abgesichert ist.
Ein Rezidiv behandeln
Beobachten
Ein Rezidiv kann bei guten Ausgangswerten zunächst beobachtet
werden. Das ist der Fall, wenn:
• die Verdopplungszeit des PSA nach der radikalen Prostatektomie
mehr als zehn Monate beträgt;
• das Rezidiv erst zwei Jahre oder später nach der Operation auf-
tritt;
• der Gleason-Score des Ersttumors weniger 7 als betrug.
Operation eines Rezidivs (Salvage-Prostatektomie)
Wenn Sie als Erstbehandlung eine Bestrahlung erhalten haben
und die vorliegenden Untersuchungsergebnisse Metastasen eher
ausschließen lassen, dann bietet eine Operation die Chance, den
Krebs zu heilen. Die Erfolgsaussichten sind weniger gut als bei
der Erstbehandlung: Nach zehn Jahren ist etwa ein Drittel der
Männer geheilt. Bei den anderen ist der Krebs wiedergekommen.
Die Operation nach Bestrahlung bringt häufiger Komplikationen
mit sich als bei der als Erstbehandlung.
• Inkontinenz (unfreiwilliger Urinverlust) bei mindestens 40 bis 50
von 100 Männern;
• Verletzungen am Enddarm bei etwa 5 von 100 Männern;
• Verengungen am Blasenhals (und damit verbundene unange-
nehme Probleme beim Wasserlassen) bei mindestens 30 von 100
Männern;
• falls die Potenz nach Bestrahlung noch vorhanden ist, wird sie nach
einer Salvage-Operation mit großer Sicherheit verschwunden sein.
Das Ergebnis der Operation ist sehr eng mit der Höhe des PSA-
Wertes zum Zeitpunkt der Operation verknüpft. Deshalb sollten
sowohl die Sicherung durch Biopsie als auch die Operation zügig
erfolgen, wenn der Verdacht auf ein Rezidiv besteht. Die Experten
sind der Meinung, dass ausschließlich erfahrene Operateure den
Eingriff vornehmen sollten.
Hochintensiver Fokussierter Ultraschall (HIFU)
Tritt nach einer Bestrahlung ein Rezidiv auf, kann auch HIFU ein-
gesetzt werden. Dabei werden sehr stark konzentrierte Ultra-
schallwellen gezielt auf das Krebsgewebe gelenkt. Die dadurch
entstehende Wärme soll die Krebszellen zerstören. HIFU ist zur
Behandlung eines Rezidivs noch nicht sehr gut untersucht und
mit der Salvage-RP verglichen worden. Die bislang vorliegenden
Fallserien liefern erste Anhaltspunkte, dass die Ergebnisse denen
nach Salvage-RP ähnlich sind. Möglicherweise sind die Nebenwir-
kungen etwas weniger belastend.
90 91
Nachsorge und weitere Betreuung Anschlussrehabilitation und Rehabilitation
Bestrahlung eines Rezidivs (Salvage-Bestrahlung)
Tritt ein Rezidiv nach einer Operation auf, empfiehlt die Leitlinie
eine Bestrahlung, wenn die Lymphknoten nicht befallen sind.
• Die ärztliche Leitlinie empfiehlt eine Gesamtstrahlendosis von
mindestens 66 Gy.
• Die Behandlung soll frühzeitig begonnen werden, möglichst wenn
der PSA-Wert noch unter 0,5 ng/ml liegt.
• Wenn die Lymphknoten nicht befallen sind, sollten die Lymphab-
flusswege nicht mit bestrahlt werden.
Bei 4 bis 8 von 10 Männern kommt nach der Salvage-Bestrahlung
der Krebs wieder oder schreitet fort. Besonders gute Erfolgsraten
erzielt die Bestrahlung bei folgenden Voraussetzungen:
• die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit nach der Operation bei weniger
als 2 ng/ml pro Jahr;
• das Rezidiv trat erst zwei Jahre nach der Operation auf;
• die PSA-Verdopplungszeit nach der Operation mehr als 12 Monate;
• Gleason-Score des Primärtumors betrug höchstens sieben;
• Samenblasen und Lymphknoten nicht befallen;
• positive Schnittränder bei der Operation.
Die Nebenwirkungen der Salvage-Bestrahlung sind denen der
Erstbehandlung vergleichbar (siehe Seite 49). Aufgrund der gerin-
geren Gesamtstrahlendosis sind die Spätfolgen weniger ausge-
prägt. Unmittelbar während oder nach der Bestrahlung kommt es
häufiger zu unfreiwilligem Urinverlust, weil die Blasenschleimhaut
und der Blasenschließmuskel gereizt werden. Diese Inkontinenz
lässt mit Ende der Behandlung wieder nach. Nur selten bleiben
bestrahlte Männer dauerhaft inkontinent.
Auch Patienten mit einem metastasierten Prostatakarzinom bedürfen der
regelmäßigen Betreuung, selbst wenn der Tumor derzeit keine Beschwerden
verursacht!
13. Anschlussrehabilitation und
Rehabilitation
Als Rehabilitation bezeichnet man alle medizinischen, psycho-
therapeutischen, sozialen und beruflichen Maßnahmen, die eine
Wiedereingliederung in Familie, Gesellschaft und Berufsleben
zum Ziel haben. Diese Maßnahmen sollen es ermöglichen, besser
mit krankheitsbedingten Problemen fertigzuwerden und wieder
bestmöglich am normalen Leben teilzuhaben. Alle gesetzlichen
Bestimmungen zur Rehabilitation sind in Deutschland im Sozial-
gesetzbuch V (SGB V: Krankenversicherung) und Sozialgesetzbuch
VI (SGB VI: Rentenversicherung) festgeschrieben.
Die Operation wie auch die Bestrahlung können körperliche Be-
einträchtigungen nach sich ziehen, die über die Dauer der ei-
gentlichen Behandlung hinausgehen. Deshalb soll Ihnen Ihr Be-
handlungsteam nach beiden Maßnahmen eine fachspezifische
Rehabilitation anbieten. Diese Rehabilitation ist ambulant oder
stationär möglich. Stationär bedeutet, dass Sie in eine spezielle
Rehabilitationsklinik eingewiesen werden und dort über einen
längeren Zeitraum bleiben (in der Regel drei Wochen). Bei einer
ambulanten Rehabilitation suchen Sie von zu Hause aus bestimm-
te Einrichtungen zur Behandlung auf, gehen im Anschluss an je-
den einzelnen Termin aber wieder nach Hause.
Ob Sie besser ambulante oder stationäre Rehabilitation in An-
spruch nehmen, hängt ab von
• Ihren Bedürfnissen (lieber „raus aus dem Alltag“ oder lieber in
vertrauter Umgebung bleiben?);
• Ihrem körperlichen Zustand nach dem Krankenhausaufenthalt;
• der Erreichbarkeit ambulanter Rehabilitationseinrichtungen.
92 93
Anschlussrehabilitation und Rehabilitation Anschlussrehabilitation und Rehabilitation
Wie beantrage ich eine Reha?
Bei der Antragstellung unterstützen Sie die Sozialdienste im Kran-
kenhaus oder Krebsberatungsstellen. Die Anschlussheilbehand-
lung (AHB) schließt direkt an den Aufenthalt im Krankenhaus an
und muss noch in der Klinik beantragt werden. Sie sollte spätes-
tens zwei Wochen nach der Entlassung beginnen.
Haben Sie sich für eine Bestrahlung entschieden, so kann Ihre be-
handelnde Radiologin oder Ihr behandelnder Radiologe die AHB
veranlassen. Sie sollte dann zwei bis vier Wochen nach der letzten
Bestrahlung beginnen.
Fragen Sie ruhig beim Reha-Träger nach, wenn sich die Bearbei-
tung Ihres Antrags lange hinzieht. Sollten Sie eine Ablehnung er-
halten, dann hat ein Widerspruch oft Erfolg. Sie können dabei die
Beratung von Sozialdiensten, Krebsberatungsstellen und weiteren
Fachberatungsstellen wie Integrationsfachdiensten in Anspruch
nehmen. Informieren Sie sich über Ihre Leistungsansprüche auch
bei Ihrer Krankenkasse.
Bei fortbestehenden Beschwerden können Sie innerhalb eines Jah-
res nach der Krebsbehandlung einen erneuten Reha-Antrag stellen.
Wohin zur Reha?
Die AHB soll Sie dabei unterstützen, die unmittelbaren Folgen der
Behandlung zu bewältigen. Deshalb sollen Sie zur Reha in eine
Klinik gehen, die sich auf die Rehabilitation bei Prostatakrebs
spezialisiert hat. Dort arbeiten Menschen aus verschiedenen Be-
rufs- und Fachrichtungen zusammen, zum Beispiel aus der Reha-
bilitationsmedizin, der Urologie, der Physiotherapie, Ergotherapie
oder Psychotherapie. Wo Sie eine solche Klinik finden, erfahren Sie
unter anderem beim Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.
V. – BPS, im Internet http://www.prostatakrebs-bps.de/medizi-
nisches/spezialkliniken-und-aerzte/171-reha-und-ahb-kliniken
und beim INFONETZ KREBS der Deutschen Krebshilfe.
Was passiert bei der Rehabilitation?
Rehabilitation nach Operation oder Bestrahlung
Die Rehabilitation speziell nach der Erstbehandlung von Prostata-
krebs hat folgende Ziele:
• die gezielte Linderung von Beschwerden infolge von Operation
oder Bestrahlung. Besonders wichtig sind Harn- und Stuhlinkonti-
nenz sowie Impotenz;
• die Wiederherstellung der physischen und psychischen Leistungs-
fähigkeit;
• die Wiederbefähigung zur Teilhabe am normalen gesellschaftli-
chen Leben;
• soweit der Patient noch im Berufsleben steht, der Erhalt oder die
Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit.
Die Behandlung von Inkontinenz oder Impotenz sollte von urolo-
gischen Fachärzten betreut werden. Beide Nebenwirkungen kön-
nen gezielt behandelt werden.
Gut zu wissen: Rehabilitation
Verordnung
Informationen und Hinweise zur Verordnung von Reha-Leistungen bei der
Rentenversicherung finden Sie unter: www.deutscherentenversicherung.de.
Reha-Servicestellen
Unterstützung bei der Auswahl des Trägers und der Stellung der Anträge
erhalten Sie auch bei sogenannten Reha-Servicestellen. Reha-Servicestellen
gibt es in allen Bundesländern. Die Adressen finden Sie im Internet unter:
www.reha-servicestellen.de.
94 95
Anschlussrehabilitation und Rehabilitation Anschlussrehabilitation und Rehabilitation
Harninkontinenz
Die Harninkontinenz betrifft unmittelbar nach einer Operation
einen Großteil der Männer. Viele empfinden sie als belastend und
beschämend. Daten aus deutschen Reha-Kliniken weisen aber da-
rauf hin, dass sich bei allen Männern die Inkontinenz im Laufe der
Zeit bessert. Nicht bei allen verschwindet sie. In der Rehabilitation
liegt ein Schwerpunkt darauf, Inkontinenz zu behandeln. Dabei
spielt die Physiotherapie eine wichtige Rolle, vor allem ein speziell
auf Männer zugeschnittenes physiotherapeutisches Kontinenztrai-
ning. Je nach Schweregrad können auch andere Verfahren hinzu-
kommen, zum Beispiel eine Elektrostimulation oder Medikamente.
Impotenz
Je nach Operations- und Bestrahlungstechnik sind nach einer
Behandlung viele Männer von Impotenz betroffen. Fachleute spre -
chen von erektiler Dysfunktion. Was bei Impotenz helfen kann
und was das für die Partnerschaft bedeuten kann, auch darüber
erfahren Sie in der Rehabilitation viel. Medikamente können Ihnen
helfen. Andere Hilfsmittel sowie eine gezielte Physiotherapie kön-
nen unterstützend in Frage kommen. Rund um Fragen zur Sexu-
alität gibt es auch viele Gesprächs- und Informationsangebote: In
Fachvorträgen erhalten Sie eine erste Orientierung und Antworten
auf Fragen, die sich viele Männer stellen. Ihre ganz persönlichen
Fragen und Sorgen können Sie in gezielten sexualtherapeutischen
Beratungsangeboten ansprechen.
Psychoonkologische Begleitung
Schon in der Reha stehen Ihnen Psychotherapeutinnen und Psy-
chotherapeuten zur Seite, die auf die Behandlung von Krebspa-
tienten spezialisiert sind. Nicht jeder Mann braucht psychische
Unterstützung, und nicht jeder möchte sich ihr aussetzen. Für
viele Menschen ist sie aber eine wichtige Hilfe in der ersten Zeit
nach der Behandlung. Deshalb soll Ihr Behandlungsteam prüfen,
ob psychoonkologische Unterstützung für Sie wichtig ist, und Ih-
nen bei Bedarf eine entsprechende Behandlung anbieten. Diese
können Sie auch nach der Reha zu Hause erhalten. Mehr zu psy-
choonkologischen Angeboten lesen Sie ab Seite 98.
Rehabilitation unter Hormonentzug
Auch wer eine dauerhafte Hormonentzugsbehandlung erhält,
muss mit vielen Nebenwirkungen der Behandlung klarkommen.
Eine Reha soll betroffenen Männern gezielt gegen diese Neben -
wirkungen helfen – neben den anderen übergeordneten Zielen wie
Wiederherstellung von Teilhabe und Leistungsfähigkeit.
Besonders beeinträchtigend kann sein, dass unter einem Hor-
monentzug Muskeln abgebaut werden, das Körperfett zunimmt
und das Risiko für Osteoporose steigt. Dagegen hilft Bewegung.
Deshalb soll Ihr Behandlungsteam Ihnen während eines Hormon-
entzugs eine Reha empfehlen, die viele Elemente der Bewegungs-
therapie enthält. Mehrere Studien liefern Hinweise, dass sich unter
körperlicher Aktivität und Bewegung nicht nur die Lebensqualität
und die körperliche Verfassung bessern, sondern auch Beschwer-
den, die mit der Behandlung einhergehen können, wie Müdigkeit
oder seelische Beeinträchtigungen.
Rehabilitation bei metastasiertem Prostatakrebs
Eine Behandlung mit Krebsmedikamenten kann kräftezehrend sein
und Beschwerden verursachen. Auch nach einer Chemotherapie
oder während einer Behandlung mit Abirateron oder Enzalutamid
kann eine Reha für Männer hilfreich sein, wenn die Nebenwirkun-
gen einer Behandlung oder die Folgen der Krebserkrankung sie
beeinträchtigen. Deshalb sollte Ihr Behandlungsteam Ihnen eine
Reha mit Maßnahmen empfehlen, die gezielt Beschwerden lindern
und Sie bei der Krankheitsbewältigung unterstützen können. Ob
eine Reha in dieser Situation wirksam ist, dazu lagen der Exper-
tengruppe keine Studien vor. Sie schließt aber aus dem Nutzen
der Reha unter Hormonentzug und nach Operation und Bestrah-
lung, dass sie auch bei Männern mit metastasiertem Prostatakrebs
sinnvoll ist. Und gerade diese Männer haben möglicherweise we-
gen der bereits lange währenden Krankheit und den zermürben-
den Folgen hohen Betreuungs- und Hilfebedarf.
96 97
Ernährung und Bewegung Ernährung und Bewegung
14. Ernährung und Bewegung
Ernährung und Bewegung spielen gerade bei hormonbedingten
Krebsarten wie dem Prostatakarzinom eine wichtige Rolle. Mit
einer bewussten Lebensweise können Sie Ihre Krebsbehandlung
unterstützen. Das ist vor allem für jene Patienten wichtig, die sich
gegen einen Eingriff und für das Abwarten entschieden haben.
Wichtig!
Sie sollten Ihre Ernährung und Ihre körperliche Aktivität auf jeden Fall mit
Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt absprechen. Manche Ernährungsgewohnheiten
können bestimmte Behandlungen ungünstig beeinflussen.
Die folgenden Hinweise für Ernährung und Bewegung beruhen
nicht auf den Empfehlungen der ärztlichen Leitlinie, die sich zu
diesen Bereichen nicht äußert.
Ernährung
Dass eine gesunde und ausgewogene Ernährung vorbeugend ge-
gen Krebs wirken kann, ist inzwischen vielen Menschen bewusst.
Einige Ernährungsgewohnheiten können möglicherweise auch
den Verlauf Ihrer Erkrankung günstig beeinflussen. Mit einer Er-
nährungsumstellung können Sie den Prostatakrebs nicht heilen.
Sie kann aber dazu beitragen, dass Ihr Körper gestärkt und das
Krebswachstum unter Umständen verlangsamt wird.
Grundsätzlich gilt: Eine Ernährung mit wenig tierischem Fett, viel
frischem Obst und Gemüse kann hilfreich sein, wie zum Beispiel
die asiatische oder die mediterrane Küche. So beugen Sie auch an-
deren Erkrankungen vor, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder
Diabetes.
Es gibt Hinweise, dass Wirkstoffe aus Tomaten, Soja und Fisch,
Ballaststoffe oder Granatapfelsaft günstig für Patienten mit Pros -
tatakrebs sein könnten.
Bewegung
Sport und Bewegung spielen für Krebspatienten eine wichtige
Rolle. Ein ausgewogenes Bewegungsprogramm kann die Krank-
heiten bessern, die ein Prostatakarzinom häufig begleiten: zum
Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Beschwerden infolge
der Behandlung wie die stete Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
können durch körperliche Aktivität erträglicher werden. Mögli-
cherweise wird auch der gesamte Krankheitsverlauf verbessert.
Sie unterstützt zudem die Knochenstabilität. So können Sie gerade
den Folgen der Hormonbehandlung (Osteoporose) entgegenwir-
ken.
Zunächst fällt es Krebspatienten oft schwer, körperlich aktiv zu
werden. Ist die schwierige Anfangsphase aber überwunden, be-
richten viele Patienten von einer deutlichen Abnahme ihrer Be-
schwerden und einer Verbesserung der eigenen Belastbarkeit und
Lebensqualität.
Empfehlenswert ist eine ausgewogene Mischung aus mäßigem
Kraft- und Ausdauertraining. Überschätzen Sie dabei Ihre Leis-
tungsfähigkeit nicht. Vor Beginn Ihrer Aktivität sollten Sie Ihre Be-
lastbarkeit durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt einschätzen lassen.
Ausführliche Informationen zu Ernährung und Bewegung bei
Krebs finden Sie auch in den blauen Ratgebern der Deutschen
Krebshilfe oder auf den Internetseiten des Krebsinformations-
dienstes (siehe „Weitere Adressen“ Seite 118).
98 99
Leben mit Krebs – den Alltag bewältigen Leben mit Krebs – den Alltag bewältigen
15. Leben mit Krebs – den Alltag bewältigen
Die folgenden Hinweise beruhen nicht auf den Empfehlungen der
ärztlichen Leitlinie, die sich zu diesen Bereichen nicht äußert.
Eine Krebserkrankung verändert den Alltag von Erkrankten und
ihren Angehörigen – manchmal zeitweise, manchmal auch auf
Dauer. Nicht nur die Erkrankung selbst, auch die Behandlungen
und ihre Folgen haben Auswirkungen auf das gewohnte Leben.
Trotz der Krebserkrankung müssen Sie den Alltag bewältigen.
Der Wunsch, das eigene Leben weiter nach den persönlichen Vor-
stellungen zu leben, bleibt im Allgemeinen bestehen und dient
vielen Betroffenen als persönliche Antriebsquelle. Zeitweilig kann
es jedoch hilfreich sein, sich Unterstützung zu suchen. Vielleicht
müssen sich Ihre Angehörigen ebenfalls umstellen und lernen, mit
neuen Gegebenheiten umzugehen. Auch wenn es hin und wieder
nicht leicht fällt, Hilfe aus dem persönlichen Umfeld oder sogar
professionelle Unterstützung anzunehmen – diese Hilfe kann ei-
nen wertvollen Beitrag zur Bewältigung schwieriger Situationen
leisten.
Psychoonkologische und seelische Betreuung
Psychoonkologen können Ihnen helfen, mit belastenden seeli-
schen Situationen während der Krebserkrankung umzugehen und
plötzlich aufkommende Ängste zu verarbeiten.
Schon während der Erstbehandlung können Sie heute in vielen
Krankenhäusern Psychoonkologen ansprechen. In Rehabilita-
tionskliniken gehört die psychoonkologische Versorgung zum
Standard, und auch im ambulanten Bereich gibt es psychosoziale
Krebsberatungsstellen oder psychoonkologische Spezialambulan-
zen.
Das Leitlinienprogramm Onkologie hat eine eigene Leitlinie zur
Psychoonkologie herausgebracht. Dazu gibt es auch eine Patien-
tenversion: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/pati-
entenleitlinien/psychoonkologie/.
Nicht jeder muss dieses Angebot in Anspruch nehmen. Aber wenn
Sie das Gefühl haben, psychologische oder psychotherapeutische
Hilfe zu brauchen, sollten Sie sich nicht davor scheuen, sich Hilfe
zu holen.
Viele Einrichtungen und Kliniken bieten zudem besondere Schu-
lungen für Krebspatienten zu unterschiedlichen Bereichen des
Alltags an, zum Beispiel zu Ernährung, Sport oder Entspannung.
Vor Ort erfahren Sie, welche Angebote es gibt. Bei Patientenorga-
nisationen können Sie Unterstützung von Patienten für Patienten
finden (siehe Seite 113).
Manchen Menschen kann auch eine seelsorgerische oder spiritu-
elle Betreuung und Begleitung helfen, besser mit der Krankheit
umzugehen. In vielen Gemeinden gibt es Gesprächskreise und
Angebote für gemeinsame Unternehmungen. Fragen Sie in Ihrer
Gemeinde nach. Sie können auch Ihren Pfarrer oder Pastor per-
sönlich ansprechen. Klinikseelsorger betreuen Patienten auf den
Stationen – Sie können sich an sie wenden, auch wenn Sie nicht
Mitglied einer Kirche sind oder bisher keinen Kontakt zur Kirche
hatten. Gute Gemeindepfarrer werden Ihnen auch beiseite stehen,
wenn Sie bisher nicht in der Gemeinde waren.
Beratung bei sozialen Fragen
In vielen Fällen wirft eine Krebserkrankung auch sozialversiche-
rungsrechtliche und existenzielle Fragen auf. Einige Tätigkeiten
werden Sie vielleicht nach einer Behandlung nicht mehr ausüben
können. Deshalb stellen sich möglicherweise Fragen wie:
100 101
Leben mit Krebs – den Alltag bewältigen Leben mit Krebs – den Alltag bewältigen
• Wie sichere ich künftig mein Einkommen?
• Welche Hilfen kann ich in Anspruch nehmen?
• Wie sind meine Angehörigen abgesichert?
Für diese Fragen finden Sie bei Sozialdiensten und Krebsbera -
tungsstellen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die Ihnen
helfen können. Sie können sich im Krankenhaus mit dem Wunsch
melden, eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter des Sozial-
dienstes zu sprechen. Oder Sie rufen nach der Entlassung in einer
Krebsberatungsstelle oder bei einer anderen Fachberatung an,
schildern Ihr Problem und vereinbaren einen Beratungstermin.
Sozialleistungen – materielle Unterstützung
Es gibt eine Vielzahl von Sozialleistungen, auf die Sie Anspruch
haben. Es handelt sich um Sach- oder Geldleistungen, die Ihnen
zumindest eine gewisse materielle Sicherheit geben sollen.
Bekannte Leistungen sind Krankengeld, Schwerbehindertenaus-
weis, medizinische Rehabilitation, Rente, Pflegegeld, Hartz IV.
Nach der Erkrankung haben Sie generell einen Anspruch auf eine
Reha und einen Schwerbehindertenausweis für befristete Zeit.
Darüber hinaus gibt es noch einige andere Leistungen. Worauf Sie
im Einzelnen Anspruch haben, hängt auch von Ihrer persönlichen
Situation ab, zum Beispiel vom Einkommen, von der Dauer und
Schwere der Krankheit oder davon, wo Sie versichert sind.
Aufgrund der Fülle der in Frage kommenden Regelungen und Ver-
ordnungen kann es wichtig sein, sich beraten zu lassen, damit Sie
Ihre Ansprüche kennen und geltend machen können.
Das INFONETZ KREBS der Deutschen Krebshilfe kann viele Ihrer
Fragen beantworten (siehe Seite 118). Wohin Sie sich wenden
können, kann Ihnen in vielen Fällen auch Ihre behandelnde Ärztin
oder Ihr behandelnder Arzt sagen. Erfahrungen haben zudem die
Patientenorganisationen. Hinweise auf Broschüren zum Thema
finden Sie ab Seite 119.
Es gibt außerdem Leistungen, zu denen Sie selbst beitragen müs-
sen, wie etwa durch den Eigenanteil bei der gesetzlichen Kran-
kenkasse oder Mitwirkungspflichten. Das heißt: Sie müssen dafür
Sorge tragen, alle Unterlagen vollständig einzureichen, die für die
Bewilligung von Leistungen erforderlich sind. Es kann vorkommen,
dass Sie eine Ablehnung aus Ihnen nicht nachvollziehbaren Grün-
den erhalten oder dass befristete Leistungen auslaufen. In diesen
Fällen sollten Sie Ihre Rechte kennen und sich beraten lassen,
wenn Sie unsicher sind.
Beratungsstellen gibt es auch bei Ihrer Krankenversicherung, dem
zuständigen Rentenversicherungsträger, Sozialverbänden, dem
Sozialamt, dem Versorgungsamt oder der Arbeitsagentur sowie
bei den Sozialdiensten der Krankenhäuser.
Hier ein paar praktische Tipps:
• Wenn Sie bis vor der Erkrankung gearbeitet haben, erhalten Sie
zunächst sechs Wochen Lohnfortzahlung. Danach beginnt das
Krankengeld, das Sie bei der Krankenkasse beantragen müssen.
• Möglicherweise steht eine Rückkehr zum Arbeitsplatz in Frage
oder wird von außen in Frage gestellt (Frühberentung). Hier ist es
wichtig, dass Sie Ihre Rechte, mögliche Nachteile und Folgen ken-
nen, bevor Sie Entscheidungen treffen.
• Wenn Sie zur Arbeit zurückkehren, zum Beispiel auch nach der
Reha, gibt es die Möglichkeit der stufenweisen Wiedereingliede-
rung. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt legt die Wiedereingliederung in Ab-
stimmung mit Ihnen, Ihrem Arbeitgeber und Ihrer Krankenkasse
fest.
• Wenn Sie die Arbeit tatsächlich – auch nach einer Reha und ent-
sprechender Beratung – nicht wieder aufnehmen können, ist zu
prüfen, ob Sie eine Rente erhalten können.
102 103
Leben mit Krebs – den Alltag bewältigen Palliativmedizin und Sterbebegleitung
• Wenn Sie Sorge haben, ob das Einkommen der Familie zum Le-
bensunterhalt reicht, sollten Sie sich über sozialrechtliche Leis-
tungen zur Sicherung der Lebensgrundlage informieren. Ins-
besondere kommen Arbeitslosengeld 1 und 2, Sozialhilfe oder
Wohngeld in Frage. Die entsprechenden Anträge beim Arbeitsamt,
Jobcenter oder Sozialamt können mühsam sein. Lassen Sie sich
dabei unterstützen.
• Einen Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis, den Sie nach
einer Tumorerkrankung für eine gewisse Zeit bekommen, können
Sie direkt bei Ihrem zuständigen Landratsamt beantragen (Infor-
mationen finden sie auch unter www.integrationsaemter.de).
• Wenn Sie auf Hilfe angewiesen sind, insbesondere bei der Selbst-
versorgung, dann könnten Leistungen über die Pflegekasse für Sie
in Frage kommen. Der Antrag wird bei der Krankenkasse gestellt,
unter deren Dach die Pflegekasse sitzt. Die Krankenkasse be -
auftragt dann den Medizinischen Dienst (MDK), der bei Ihnen zu
Hause einen Besuch macht, um Ihren Pflegebedarf zu überprüfen.
Es gibt zudem hauswirtschaftliche Dienste oder Nachbarschafts-
hilfen, die vielleicht für Sie geeignet sind. Erkundigen Sie sich bei
Beratungsstellen und Pflegestützpunkten, die es seit einiger Zeit
flächendeckend gibt. Dort können Sie sich auch zur Finanzierung
dieser Hilfen beraten lassen.
16. Palliativmedizin und Sterbebegleitung
Patientinnen und Patienten, deren Erkrankung nicht mehr heilbar
ist, werden in Deutschland nicht allein gelassen, auch wenn es
keine direkte Behandlung gegen den Tumor mehr gibt. Sie werden
bis zu ihrem Lebensende begleitet.
Für Patientinnen und Patienten mit weit fortgeschrittener Erkran-
kung sind neben der zuverlässigen Behandlung von körperlichen
Beschwerden wie Schmerzen oder Luftnot folgende Punkte wich-
tig:
• Wahrhaftigkeit;
• Individualität;
• Autonomie;
• Empathie;
• Wertschätzung.
Dies zu gewährleisten, ist Aufgabe der Palliativmedizin. In der
letzten Lebensphase geht es vor allem darum, Beschwerden zu
lindern, unnötige Belastung durch Behandlungen zu vermeiden
und den sterbenden Menschen auch spirituell zu begleiten. Sehr
behutsam wird erwogen, ob Eingriffe zum Beispiel in die Ernäh -
rung noch angemessen sind. Appetitlosigkeit, Gewichts- und
Flüssigkeitsverlust gehören zur Sterbephase. Künstliche Zufuhr
bedeutet für viele Sterbende eine unnötige Qual. Oberstes Ziel der
Palliativmedizin ist aber das Wohlergehen des Patienten.
Für Patientinnen und Patienten kann eine Mitbegleitung durch Pal-
liativmediziner auch schon während der aktiven Krebsbehandlung
hilfreich sein. Eine Studie hat gezeigt, dass dadurch nicht nur ag-
gressive Behandlungen vermieden werden konnten, sondern dass
diese Patienten auch länger lebten als Patienten ohne palliativme-
dizinische Begleitung in der Frühphase der Erkrankung.
104 105
Palliativmedizin und Sterbebegleitung Palliativmedizin und Sterbebegleitung
Viele Betroffene haben Angst vor unerträglichen Schmerzen in der
letzten Krankheitsphase. Doch Schmerzen lassen sich wirkungs-
voll behandeln. Auch das ist Bestandteil der Palliativmedizin.
Manchmal kann es wichtig sein, auf Wunsch des oder der Erkrank-
ten dafür zu sorgen, dass sie oder er das Leiden nicht spürt, auch
wenn durch die Behandlung der Tod schneller eintreten würde.
Wenn Sie es wünschen, können die Behandelnden auch lebens-
erhaltende Maßnahmen unterlassen. Zum Beispiel wenn sie nicht
mehr dem Ziel dienen, Leiden zu lindern. Mit einer Patientenver-
fügung können Sie festlegen, welche Maßnahmen Sie bei weiterem
Fortschreiten der Krankheit erhalten wollen. In einer Vorsorgevoll-
macht können Sie zudem bestimmen, wer für Sie Entscheidungen
treffen soll, wenn Sie dazu nicht mehr in der Lage sind. Beide Do -
kumente helfen den Ärztinnen und Ärzten, das Vorgehen an die
Wünsche des oder der Kranken anzupassen. Vordrucke finden Sie
zum Beispiel beim Bundesministerium für Justiz:
https://www.bmjv.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Patienten-
verfuegung.html
Die Begleitung wird von Palliativmedizinerinnen und Palliativme-
dizinern und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus ande-
ren Berufsgruppen (zum Beispiel Krankenpflege) übernommen.
In Deutschland muss kein Patient mehr allein oder mit großen
Leiden sterben. Viele Hausärzte bilden sich in Palliativmedizin
weiter und Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann ein(e) erste(r)
Ansprechpartner(in) sein. Daneben gibt es auf die Palliativmedizin
spezialisierte Ärztinnen und Ärzte, die ambulant oder in den Kli-
niken tätig sind und meist eng mit den Hausärztinnen und Haus-
ärzten und Onkologinnen und Onkologen zusammenarbeiten. Die
meisten Palliativpatienten werden von Hausärztinnen und Haus-
ärzten betreut.
Viele Krebskranke möchten auch ihren letzten Lebensabschnitt zu
Hause verbringen – dazu ist eine gute und sichere Versorgung er-
forderlich. Hausärzte und Pflegeteams können Betroffene und ihre
Familien zuhause betreuen. In vielen Regionen gibt es darüber hi-
naus eine sogenannte spezialisierte ambulante Palliativversorgung
(SAPV), die aus dafür ausgebildeten Ärztinnen und Ärzten sowie
Pflegekräften besteht. Die Kosten werden von den gesetzlichen
Krankenkassen übernommen. Der Hausarzt oder die Hausärztin
kann hier weiterhelfen.
Pflegedienste kommen je nach Verabredung und Genehmigung
durch die Krankenkassen zu bestimmten Zeiten in die Wohnung
und übernehmen die Grundversorgung – also Körperpflege, gege -
benenfalls Gabe von Medikamenten und Unterstützung beim Es-
sen. Für Palliativpatienten ist die Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit
von Fachleuten wichtig – dies sollte mit dem Hausarzt oder der
Hausärztin und Pflegeteam besprochen werden. Bei SAPV-Teams
ist die Erreichbarkeit sichergestellt.
Wenn Patientinnen und Patienten eine Krankenhausbehandlung
benötigen, so ist diese auf einer Palliativstation möglich, wenn es
in Ihrer Umgebung eine Klinik mit Palliativstation gibt. Hier werden
körperliche und seelische Beschwerden behandelt und die Kranken
erhalten Unterstützung bei sozialen, spirituellen oder religiösen
Fragen. Deshalb kommen auf der Palliativstation Mitarbeiterin-
nen und Mitarbeiter aus verschiedenen Berufen zusammen –
neben Ärztinnen und Ärzten und Pflegekräften auch Psycholo -
ginnen, Psychologen, Seelsorgerinnen, Seelsorger, Sozialarbeite-
rinnen, Sozialarbeiter, Krankengymnastinnen/Masseurinnen und
Krankengymnasten/Masseure. Beschwerden sollen durch geeigne-
te Medikamente und andere Maßnahmen gelindert werden. Wenn
dies gelingt, sollen Patienten möglichst wieder nach Hause entlas-
sen werden.
Ziel der Palliativmedizin ist es, dass Kranke in Würde und friedlich
sterben können. Ihren letzten Lebensabschnitt sollen sie so weit
wie möglich selber bestimmen und mitgestalten können.
106 107
Palliativmedizin und Sterbebegleitung Palliativmedizin und Sterbebegleitung
Wenn Kranke nicht zu Hause betreut werden können, eine sta-
tionäre Behandlung im Krankenhaus jedoch nicht (mehr) nötig
ist, kann ein Hospiz ein geeigneter Ort sein. Hier haben Sie ein
Zimmer für sich allein, das wohnlich eingerichtet ist und wohin
Sie auch kleinere, Ihnen wichtige Einrichtungsgegenstände brin-
gen lassen können. Angehörige können Sie jederzeit besuchen
und dort auch übernachten. Erfahrene Mitarbeiterinnen und Mit-
arbeiter kümmern sich rund um die Uhr umfassend pflegerisch,
psychosozial und spirituell um Sie. Die ärztliche Betreuung erfolgt
über Hausärztinnen und Hausärzte mit palliativmedizinischer Er-
fahrung oder SAPV-Teams.
Betroffene und ihre Familien können außerdem Unterstützung
durch ambulante Hospizdienste bekommen, die es in vielen Regi-
onen gibt. Dies sind häufig ehrenamtliche Helferinnen und Helfer,
also Laien, die Betroffene unterstützen. Dies hilft vor allem Men -
schen, die keinen unterstützenden Familien- oder Freundeskreis
haben. Es kann aber auch wichtig sein, um Angehörige zu entlas-
ten.
In der Palliativmedizin ist die Begleitung und Unterstützung der
Angehörigen genauso wichtig wie die der Patienten selbst. Viele
Angehörige kümmern sich sehr intensiv um den oder die Krebs-
kranke, und dies erfordert viel Kraft. Deshalb erhalten sie Unter-
stützung: durch Gespräche, aber auch durch Hilfe bei organisato-
rischen Fragen.
Auch Angehörige können sich direkt an die Palliativmedizine-
rin oder den Palliativmediziner – sei es die Hausärztin oder der
Hausarzt oder ein Spezialist – wenden.
Ausführliche Informationen zur Betreuung von Menschen mit einer
nicht heilbaren Krebserkrankung finden Sie in der Patientenleitli-
nie Palliativmedizin, im Internet: https://www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/patientenleitlinien/palliativmedizin/
Ein deutschlandweites Verzeichnis von ambulanten Diensten, Hos-
pizen und Palliativstationen finden Sie im Internet unter:
www.wegweiser-hospiz-und-palliativmedizin.de oder unter
www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/palliativ.
php.
Ein Verzeichnis von Palliativmedizinerinnen und Palliativmedizi-
nern finden Sie zum Beispiel auf den Internetseiten der Deutschen
Gesellschaft für Palliativmedizin: www.dgpalliativmedizin.de.
108 109
Hinweise für Angehörige und Freunde Hinweise für Angehörige und Freunde
17. Hinweise für Angehörige und Freunde
Begleitung – eine Herausforderung
Im Mittelpunkt der Überlegungen und Maßnahmen bei einer
Krebserkrankung steht der erkrankte Mensch. Das ist auch in die-
ser Patientenleitlinie nicht anders. Dennoch betrifft die veränderte
Situation nicht allein die Patienten, sondern auch die Menschen,
die ihnen nahestehen: Familie, Partner/in, Kinder, weitere Ange-
hörige, Freundinnen und Freunde. Sie sind in besonderem Maße
gefordert, denn für die Betroffenen ist Ihre Unterstützung für das
Leben mit der Krankheit ausgesprochen wichtig. Das verlangt
Ihnen emotional und auch praktisch eine Menge ab. Liebe- und
verständnisvoll miteinander umzugehen, ist nicht leicht, wenn
schwere Sorgen Sie belasten und dazu noch der Alltag organisiert
werden muss. Es hilft, wenn Sie offen miteinander reden und ein -
ander Achtung und Vertrauen entgegenbringen. Sie leben gleich-
falls – wenn auch auf andere Weise – mit der Erkrankung.
Als Angehörige sind Sie in einer schwierigen Situation: Sie wollen
helfen und unterstützen und brauchen gleichzeitig vielleicht selbst
Hilfe und Unterstützung. Einen Menschen leiden zu sehen, der
einem nahesteht, ist schwer. Pflege und Fürsorge für einen kran -
ken Menschen können dazu führen, dass Sie selbst auf vieles ver-
zichten, auch auf Dinge, die Ihnen lieb sind, wie Hobbies, Sport,
Kontakte oder Kultur. Umgekehrt mag es Ihnen egoistisch erschei-
nen, dass Sie sich vergnügen, während die oder der andere leidet.
Doch damit ist den Betroffenen nicht geholfen. Wenn Sie nicht auf
sich selbst Acht geben, besteht die Gefahr, dass Sie bald keine
Kraft mehr haben, für die oder den andere(n) da zu sein.
Der Umgang mit einer schweren Erkrankung ist für Angehöri-
ge eine Herausforderung. Sie können sich selbst Hilfe holen. Sie
haben die Möglichkeit, sich Unterstützung zu suchen, um diese
belastende Situation zu verarbeiten: Die meisten Krebsberatungs-
stellen betreuen Kranke und Angehörige gleichermaßen. Im Rah-
men einer psychoonkologischen Betreuung können bei Bedarf
auch Familiengespräche wahrgenommen werden. Hilfe bei kon-
kreten Alltagsfragen wie der Organisation des Haushalts oder der
Kinderbetreuung bieten vielfach auch die Gemeinden oder kirchli-
che Einrichtungen wie die Caritas oder der Sozialdienst der Klinik,
in der die Patientin oder der Patient betreut wird. Zögern Sie nicht,
diese Angebote wahrzunehmen – Sie helfen damit nicht nur sich
selbst, sondern auch der oder dem Kranken. Es gibt inzwischen
auch zahlreiche Selbsthilfegruppen für Angehörige krebskranker
Menschen. Sie bieten Ihnen die Gelegenheit, sich auszutauschen
und Unterstützung zu finden. Wer viel hilft, darf sich zugestehen,
auch selber Hilfe in Anspruch zu nehmen, um nicht auszubren-
nen. Alles, was Sie entlastet, hilft auch dem erkrankten Menschen,
um den Sie sich sorgen. Das ist nicht egoistisch, sondern pragma-
tisch.
110 111
Was Sie sonst noch für sich tun können Was Sie sonst noch für sich tun können
18. Was Sie sonst noch für sich tun können
Die folgenden Hinweise beruhen nicht auf den Empfehlungen der
ärztlichen Leitlinie, die sich zu diesen Bereichen nicht äußert.
Lebensstil
Eine gesunde Lebensführung kann sich positiv auf Ihren körper-
lichen Zustand auswirken. Dazu gehören eine ausgewogene Er-
nährung, maßvoller Umgang mit Alkohol, regelmäßige Bewegung.
Mehr Hinweise dazu finden Sie ab Seite 96. Dazu gehört auch,
aufs Rauchen möglichst zu verzichten. Wenn Sie damit Probleme
haben, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, was
Ihnen dabei helfen kann. Ein Rauchertelefon bietet die Bundeszen-
trale für gesundheitliche Aufklärung unter der Rufnummer:
0 18 05 31 31 31.
Geduld mit sich selbst haben
Geben Sie Ihrem Körper für die Genesung Zeit, und haben Sie mit
sich und der Wiederherstellung Ihrer Leistungsfähigkeit Geduld.
Wenn Sie heute oder später weiteren Rat oder Hilfe brauchen, so
wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder eine Selbsthil-
fegruppe.
Austausch mit anderen
Jede Erkrankung stellt eine Stresssituation für uns dar. Wenn es
sich um eine Krebserkrankung handelt, ist das eine besonde-
re seelische Belastung. Wenn Sie nichts dagegen tun, um mit
dieser Belastung umzugehen, kann das sogar Ihre Erkrankung
verschlechtern. Es kann helfen, wenn Sie mit Ihren Verwandten,
Freundinnen, Freunden, Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder auch
anderen Betroffenen zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe über
bedrückende Situationen reden.
Lebenspartner und Familie
Ihre Beschwerden lösen bei Ihrer Lebenspartnerin oder ihrem Le-
benspartner und Ihrer Familie auch Ängste aus. Die Reaktion kann
sein, dass man Sie übermäßig beschützen will oder dass Ihre Fa-
milie mit Ihrer Erkrankung nicht umgehen kann und eine abweh-
rende oder gar überfordernde Haltung einnimmt. Nur Sie können
diese Ängste beeinflussen: Geben Sie Ihrer Partnerin oder Ihrem
Partner bzw. Ihrer Familie zu erkennen, wie Sie sich fühlen, was
Ihnen in der jeweils individuellen Situation gut tut und was nicht.
Freunde und Bekannte
Wie alle Menschen brauchen Sie die Kontakte zu Familie, Freun-
dinnen, Freunden und Bekannten. Wenn Sie sich zurückziehen und
dann einsam sind, kann das Ihre Lebensqualität stark beeinträch-
tigen.
Anders als Ihre Familie sind Freundinnen und Freunde und Be-
kannte, die man seltener sieht, mit Ihren Beschwerden nicht so
vertraut.
Vielleicht werden Sie auch mit Ratschlägen oder Therapievorschlä-
gen konfrontiert. Das ist sicher gut gemeint. Es gibt aber keine
Wundermittel. Vertrauen Sie besser Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt
und vor allem: Besprechen Sie solche Therapievorschläge mit ihr
oder ihm. Seien Sie vor allem wachsam, wenn irgendjemand Ihnen
Heilerfolge gegen viel Geld verspricht. Sagen Sie auch klar, was
Sie können und was nicht. Lassen Sie sich von Ihrem körperlichen
Zustand leiten, nicht von den Wünschen anderer. Vermeiden Sie
Missverständnisse, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen eine
Verabredung nicht einhalten können, indem Sie klar darüber spre-
chen. So können Sie falsche Schlussfolgerungen Ihrer Bekannten,
Freundinnen und Freunde vermeiden, die Sie in die Isolation brin-
gen könnten.
112 113
Was Sie sonst noch für sich tun können Wo Sie Rat und Unterstützung finden
Arbeitsplatz
Ihre Erkrankung kann aus dem Lebensbereich und vor allem auch
aus ihrer beruflichen Tätigkeit nicht ausgeklammert werden. Spre -
chen Sie mit Kolleginnen und Kollegen über Ihre Erkrankung, das
fördert das Verständnis. Überfordern Sie sich nicht am Arbeits-
platz, um im normalen Arbeitsprozess mithalten zu können. Aber:
Der offene Umgang mit der Krankheit am Arbeitsplatz kann unter
Umständen zwiespältig sein. In einem Arbeitsumfeld, das durch
Misstrauen oder Druck geprägt ist, können auch Nachteile für Sie
entstehen. Ihr Arbeitgeber hat juristisch gesehen kein Recht zu
erfahren, an welcher Krankheit Sie leiden. Wägen Sie sorgfältig ab,
wie viel Offenheit Ihnen nutzt.
19. Wo Sie Rat und Unterstützung finden
Rat und Unterstützung zu erhalten, ist immer von Vorteil, wenn es
darum geht, mit einer chronischen Erkrankung leben zu lernen.
Eine wichtige Rolle spielen hier die Selbsthilfeorganisationen, Be-
ratungsstellen und Unterstützungsangebote. Aber auch medizi-
nische Fachgesellschaften oder wissenschaftliche Organisationen
können für Betroffene wichtige Anlaufstellen und Ansprechpartner
sein. Wir haben einige dieser Stellen recherchiert. Die nachfolgen-
de Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Selbsthilfe
Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e. V. – BPS
Thomas-Mann-Straße 40
53111 Bonn
Telefon: 02 28 33 88 95 00
Telefax: 02 28 33 88 95 10
E-Mail: info@prostatakrebs-bps.de
Internet: www.prostatakrebs-bps.de
Kostenlose Beratungshotline: 0800 7 08 01 23
Dienstags, mittwochs und donnerstags von 15:00 bis 18:00 Uhr,
Für Anrufe aus dem Ausland und aus in- und ausländischen Mobilfunk-
netzen wurde die gebührenpflichtige Rufnummer +49(0)228-28 645 645
eingerichtet.
Die Beratung erfolgt absolut unabhängig und ohne Einflussnahme durch
Kliniken, Ärztinnen, Ärzte oder Firmen und verfolgt keinerlei finanzielle
Interessen. Der Beratung liegt die "Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität
S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien
des Prostatakarzinoms" des Leitlinienprogramms Onkologie in der jeweils
aktuellen Fassung zugrunde. Das Beraterteam besteht nicht aus medizini-
schen oder juristischen Experten, sondern aus ehrenamtlich tätigen Män-
nern, die selbst an Prostatakrebs erkrankt und daher aus Patientensicht
mit dieser Situation vertraut sind. Sie kennen aus eigenem Erleben die
Ängste und Nöte Betroffener und stehen Ihnen im Rahmen ihrer Möglich -
keiten gerne mit Rat und Tat zur Seite.
Die Webseite zur Beratungshotline mit weiteren Informationen finden Sie
unter http://www.prostatakrebs-beratung.de/.
114 115
Wo Sie Rat und Unterstützung finden Wo Sie Rat und Unterstützung finden
Wo sich eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe befindet, können Sie auch bei
der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unter-
stützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) erfragen:
Nationale Kontakt- und Informations stelle zur Anregung und
Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS)
Otto-Suhr-Allee 115, 10585 Berlin
Telefon: 0 30 31 01 89 60
Telefax: 0 30 31 01 89 70
E-Mail: selbsthilfe@nakos.de
Internet: www.nakos.de
Beratungsstellen
Die Ländergesellschaften der Deutschen Krebsgesellschaft unterhalten
Beratungsstellen für Krebspatienten und deren Angehörige. Die Adressen
und Öffnungszeiten erfahren Sie in den einzelnen Geschäftsstellen.
Baden-Württemberg
Krebsverband Baden-Württemberg e. V.
Adalbert-Stifter-Straße 105
70437 Stuttgart
Telefon: 0711 84810770
Telefax: 0711 84810779
E-Mail: info@krebsverband-bw.de
Internet: www.krebsverband-bw.de
Bayern
Bayerische Krebsgesellschaft e. V.
Nymphenburgerstraße 21a
80335 München
Telefon: 089 5488400
Telefax: 089 54884040
E-Mail: info@bayerische-krebsgesellschaft.de
Internet: www.bayerische-krebsgesellschaft.de
Berlin
Berliner Krebsgesellschaft e. V.
Robert-Koch-Platz 7
10115 Berlin
Telefon: 030 2832400
Telefax: 030 2824136
E-Mail: info@berliner-krebsgesellschaft.de
Internet: www.berliner-krebsgesellschaft.de
Brandenburg
Brandenburgische Krebsgesellschaft e. V.
Charlottenstraße 57
14467 Potsdam
Telefon: 0331 864806
Telefax: 0331 8170601
E-Mail: mail@krebsgesellschaft-brandenburg.de
Internet: www.krebsgesellschaft-brandenburg.de
Bremen
Bremer Krebsgesellschaft
Landesverband der Deutschen Krebsgesellschaft e. V.
Am Schwarzen Meer 101-105
28205 Bremen
Telefon: 0421 4919222
Telefax: 0421 4919242
E-Mail: info@bremerkrebsgesellschaft.de
Internet: www.krebsgesellschaft-hb.de
Hamburg
Hamburger Krebsgesellschaft e. V.
Butenfeld 18
22529 Hamburg
Telefon: 040 413475680
Telefax: 040 4134756820
E-Mail: info@krebshamburg.de
Internet: www.krebshamburg.de
Hessen
Hessische Krebsgesellschaft e. V.
Schwarzburgstraße 10
60318 Frankfurt am Main
Telefon: 069 21990887
Telefax: 069 21996633
E-Mail: kontakt@hessische-krebsgesellschaft.de
Internet: www.hessische-krebsgesellschaft.de
Mecklenburg-Vorpommern
Geschäftsstelle der Krebsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern e. V.
Am Vögenteich 26
18055 Rostock
Telefon: 0381 12835992
Telefax: 0381 12835993
E-Mail: info@krebsgesellschaft-mv.de
Internet: www.krebsgesellschaft-mv.de
116 117
Wo Sie Rat und Unterstützung finden Wo Sie Rat und Unterstützung finden
Niedersachsen
Niedersächsische Krebsgesellschaft e. V.
Königstraße 27
30175 Hannover
Telefon: 0511 3885262
Telefax: 0511 3885343
E-Mail: service@nds-krebsgesellschaft.de
Internet: www.nds-krebsgesellschaft.de
Nordrhein-Westfalen
Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e. V.
Volmerswerther Straße 20
40221 Düsseldorf
Telefon: 0211 15760990
Telefax: 0211 15760999
E-Mail: info@krebsgesellschaft-nrw.de
Internet: www.krebsgesellschaft-nrw.de
Rheinland-Pfalz
Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz e. V.
Löhrstraße 119
56068 Koblenz
Telefon: 0261 96388722
Telefax: 0261 9886529
E-Mail: kontakt@krebsgesellschaft-rlp.de
Internet: www.krebsgesellschaft-rlp.de
Saarland
Saarländische Krebsgesellschaft e.V.
Bruchwiesenstr. 15
66111 Saarbrücken
Telefon: 0681 30988100
Telefax: 0681 95906674
E-Mail: info@krebsgesellschaft-saar.de
Internet: www.krebsgesellschaft-saar.de
Sachsen
Sächsische Krebsgesellschaft e. V.
Haus der Vereine
Schlobigplatz 23
08056 Zwickau
Telefon: 0375 281403
Telefax: 0375 281404
E-Mail: info@skg-ev.de
Internet: www.saechsische-krebsgesellschaft-ev.de
Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft e. V.
Paracelsusstraße 23
06114 Halle
Telefon: 0345 4788110
Telefax: 0345 4788112
E-Mail: info@krebsgesellschaft-sachsenanhalt.de
Internet: www.krebsgesellschaft-sachsenanhalt.de
Schleswig-Holstein
Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft e. V.
Alter Markt 1-2
24103 Kiel
Telefon: 0431 8001080
Telefax: 0431 8001089
E-Mail: info@krebsgesellschaft-sh.de
Internet: www.krebsgesellschaft-sh.de
Thüringen
Thüringische Krebsgesellschaft e. V.
Am Alten Güterbahnhof 5
07747 Jena
Telefon: 03641 336986
Telefax: 03641 336987
E-Mail: info@krebsgesellschaft-thueringen.de
Internet: www.krebsgesellschaft-thueringen.de
Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
Kuno-Fischer-Straße 8
14057 Berlin
Telefon: 030 32293290
Telefax: 030 322932966
E-Mail: service@krebsgesellschaft.de
Internet: www.krebsgesellschaft.de
„Psychosoziale Krebsberatungsstellen“ der Deutschen Krebshilfe
Unter anderem mit dem Ziel, in Deutschland ein Netzwerk qualitätsge-
sicherter Kompetenz-Beratungsstellen aufzubauen, hat die Deutsche
Krebshilfe den Förderschwerpunkt „Psychosoziale Krebsberatungsstel-
len“ initiiert. Im Rahmen dieses Förderprojektes unterstützt die Deutsche
Krebshilfe bundesweit Beratungsstellen, an die sich Betroffene und Ange -
hörige wenden können. Die Anschriften und Kontaktpersonen der geför-
derten Beratungsstellen finden Sie unter diesem Link:
www.krebshilfe.de/helfen/rat-hilfe/psychosoziale-krebsberatungsstellen/
118 119
Wo Sie Rat und Unterstützung finden Wo Sie Rat und Unterstützung finden
Die Adressen weiterer Beratungsstellen erhalten Sie beim INFONETZ KREBS
der Deutschen Krebshilfe sowie beim Krebsinformationsdienst des Deut-
schen Krebsforschungszentrums Heidelberg:
www.infonetz-krebs.de
www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/krebsberatungs-
stellen.php
Beim Krebsinformationsdienst können Patienten mit ihrer Postleitzahl/ih-
rem Ort nach wohnortnahen Beratungsstellen suchen.
Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e. V.
Arnstädter Weg 3
65931 Frankfurt am Main
Telefon: 0180 4435530
Telefax: 069 67724504
E-Mail: info@hkke.org
Internet: www.hkke.org
Flüsterpost e. V. – Unterstützung für Kinder krebskranker Eltern
Lise-Meitner-Straße 7
55129 Mainz
Telefon: 06131 5548798
Telefax: 06131 5548608
E-Mail: info@kinder-krebskranker-eltern.de
Internet: www.kinder-krebskranker-eltern.de
Weitere Adressen
Stiftung Deutsche Krebshilfe
Buschstraße 32
53113 Bonn
Telefon: 0228 729900
Telefax: 0228 72990110
E-Mail: deutsche@krebshilfe.de
Internet: www.krebshilfe.de
Für krebskranke Menschen, ihre Angehörigen und Freunde sind der Infor-
mations- und Beratungsdienst der Deutschen Krebshilfe und der Krebsin-
formationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums Anlaufstellen:
INFONETZ KREBS
Von Deutscher Krebshilfe und Deutscher Krebsgesellschaft
Das INFONETZ KREBS unterstützt, berät und informiert Krebskranke und
ihre Angehörigen kostenlos. Das Team des INFONETZ KREBS beantwortet
in allen Phasen der Erkrankung persönliche Fragen nach dem aktuellen
Stand von Medizin und Wissenschaft. Das Team vermittelt Informationen
in einer einfachen und auch für Laien verständlichen Sprache, nennt the-
menbezogene Anlaufstellen und nimmt sich vor allem Zeit für die Betroffe -
nen. Sie erreichen das INFONETZ KREBS per Telefon, E-Mail oder Brief.
Kostenlose Beratung: 0800 80708877
(Montag bis Freitag 8:00 –17:00 Uhr)
E-Mail: krebshilfe@infonetz-krebs.de
Internet: www.infonetz-krebs.de
Krebsinformationsdienst
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
Telefon: 0800 4203040
E-Mail: krebsinformationsdienst@dkfz.de
Internet: www.krebsinformationsdienst.de
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren e. V.
Straße des 17. Juni 106-108
10623 Berlin
Telefon: 0 30 3 22 93 29 82
Telefax: 0 30 3 22 93 29 66
E-Mail: adt@tumorzentren.de
Internet: www.tumorzentren.de
Dachverband der Prostatazentren Deutschlands e. V.
Reinhardtstraße 2
10117 Berlin
Telefon: 0 30 27 59 64 92
Telefax: 0 30 27 59 64 93
Internet: www.dvpz.de
Für sozialrechtliche Fragestellungen können Sie sich an die Deutsche
Rentenversicherung wenden:
Deutsche Rentenversicherung
Bund Ruhrstraße 2
10709 Berlin
Telefon: 0800 10004800
E-Mail: drv@drv-bund.de
Internet: www.deutsche-rentenversicherung.de
120 121
Wo Sie Rat und Unterstützung finden Wo Sie Rat und Unterstützung finden
Weiterführende Adressen
Hospize
Ein deutschlandweites Verzeichnis von Hospizen finden Sie auf den
Internetseiten des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbandes e. V.:
www.wegweiser-hospiz-und-palliativmedizin.de.
Schmerztherapeuten
Eine Schmerztherapeutensuche nach Postleitzahlen finden Sie unter:
https://www.anaesthesisten-im-netz.de/aerzte/suche.html.
Wenn Sie mehr zum Thema lesen möchten...
Deutsche Krebshilfe
„Prostatakrebs – Die blauen Ratgeber 17“
Die blauen Ratgeber: Die kostenlosen blauen Ratgeber der Deutschen
Krebshilfe informieren zum Beispiel über „Strahlentherapie“, „Bewegung
und Sport bei Krebs“, „Fatigue“, „Palliativmedizin“, „Schmerzen bei Krebs“
sowie „Wegweiser zu Sozialleistungen“.
https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/infothek/infomateri-
al-kategorie/die-blauen-ratgeber/
H. Stamatiadis-Smidt, H. zur Hausen, O. D. Wiestler, H-J. Gebest (Hrsg.)
Thema Krebs
3. vollst. überarb. u. erw. Auflage 2006
ISBN-13: 978-3-540-25792-9
Taschenbuch 34,99 €
L. Weißbach, E. A. Boedefeld (Hrsg.)
Der große Patientenratgeber Prostatakrebs
Risiko, Früherkennung, Diagnose, Behandlung
3. überarb. Auflage 2016
ISBN-13: 978-3-86371-154-2
Taschenbuch 22,00 €
Prostatakrebs – Informationsseiten des Krebsinformationsdienstes
www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/index.php
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
(IQWiG)
Das Institut erfüllt eine Reihe von gesetzlich festgelegten Aufgaben:
Es bewertet zum Beispiel den Nutzen und Schaden von Arzneimitteln
und Operationsverfahren. Die Ergebnisse finden Sie im Internet unter
www.iqwig.de, allgemeinverständliche Versionen unter www.gesundheits-
information.de
Faltblatt der Deutschen Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheits-
wesen e. V. (DVSG) „Soziale Arbeit im Gesundheitswesen“:
https://dvsg.org/veroeffentlichungen/literatur/
Broschüre „Psychosoziale Unterstützung für Menschen mit Krebs - ein
Wegweiser“
Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie in der
Deutschen Krebsgesellschaft, der Bundesarbeitsgemeinschaft für ambu-
lante psychosoziale Krebsberatung, der Deutschen Arbeitsgemeinschaft
für Psychosoziale Onkologie, der Deutschen Vereinigung für Sozialarbeit
im Gesundheitswesen und den Krebs-Selbsthilfeorganisationen
www.frauenselbsthilfe.de/upload/publikationen/orientierungshilfen/
Broschre_Psychsoziale_Versorgung.pdf
Weitere umfangreiche Literaturempfehlungen erhalten Sie beim Bundesverband
Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. - BPS: info@prostatakrebs-bps.de
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Kleines Wörterbuch Kleines Wörterbuch
20. Kleines Wörterbuch
adjuvant
Bezeichnet im Rahmen einer Krebsbehandlung Maßnahmen, die eine hei-
lende Behandlung unterstützen: zum Beispiel eine zusätzliche Bestrahlung
nach der Operation oder eine unterstützende Hormonentzugstherapie
während der Bestrahlung.
Afterloading
Anderer Begriff für die Hochdosis-Brachytherapie. Dabei wird eine relativ
starke Strahlendosis gezielt auf den Tumor gerichtet. Die Behandlung wird
in der Regel zwei- bis dreimal durchgeführt.
akut
Vordringlich, dringend, in diesem Moment.
ambulant
Bei einer ambulanten Behandlung kann der Patient unmittelbar oder kurze
Zeit nach Beendigung wieder nach Hause gehen. Er wird nicht stationär
aufgenommen.
Analgetikum
Fachbegriff für Schmerzmittel (Mehrzahl: Analgetika). Man unterscheidet
nicht opioidhaltige und opioidhaltige Schmerzmittel. Das bekannteste opi-
oidhaltige Schmerzmittel ist Morphium.
Anastomosenstriktur
Eine durch Narbenbildung verursachte Verengung am Blasenhals, die un-
angenehme Probleme beim Wasserlassen verursacht.
Antiandrogene
Werden bei der Hormonentzugstherapie eingesetzt. Diese Wirkstoffe sor-
gen dafür, dass das männliche Sexualhormon Testosteron in der Prostata –
speziell in den Tumorzellen – nicht wirksam werden kann. Männer, die mit
Antiandrogenen behandelt werden, haben einen normalen Testosteron-
spiegel.
Antibiotikum
Medikament, das Bakterien abtötet.
Bestrahlung
Bestrahlung (auch Radiotherapie) beschäftigt sich mit der medizinischen
Anwendung von ionisierender Strahlung (zum Beispiel Röntgenstrahlung)
auf den Körper, um Krankheiten zu heilen oder deren Fortschreiten zu
verzögern. Durch gezielte Behandlung mit radioaktiver Strahlung können
verschiedene bösartige Tumoren entweder vollständig zerstört oder in ih-
rer Entwicklung gehemmt werden.
Biopsie
Gewebeprobe. Bei einer Biopsie wird zur Abklärung eines Tumorverdachts
Gewebe entnommen, damit es feingeweblich untersucht werden kann.
Dies geschieht im Falle einer Prostatabiospie mit Hohlnadeln, die soge-
nannte Stanzen aus dem Gewebe herausstechen.
Brachytherapie
Form der Bestrahlung, bei der die Strahlungsquelle in unmittelbare Nähe
des zu bestrahlenden Tumors gebracht wird. Man unterscheidet die Nied-
rig- und die Hochdosisrate-Brachytherapie. Bei beiden Verfahren handelt
es sich um einen operativen Eingriff.
Chemotherapie
Bezeichnet die Behandlung von Krankheiten oder Infektionen durch Medi-
kamente. Umgangssprachlich ist jedoch meist die Behandlung von Krebs
gemeint. Die Chemotherapie verwendet Stoffe, die möglichst gezielt be -
stimmte Krebszellen schädigen, indem sie diese abtöten oder in ihrem
Wachstum hemmen. Bei der Behandlung bösartiger Krebserkrankungen
nutzen die meisten dieser Stoffe die schnelle Teilungsfähigkeit der Krebs -
zellen, da diese empfindlicher als gesunde Zellen auf Störungen der Zelltei-
lung reagieren. Auf gesunde Zellen mit ähnlich guter Teilungsfähigkeit hat
die Chemotherapie allerdings eine ähnliche Wirkung. Sie kann erhebliche
Nebenwirkungen wie Haarausfall, Erbrechen oder Durchfall hervorrufen.
chronisch
Bezeichnet eine Situation oder eine Krankheit, die längere Zeit vorhanden
ist und andauert.
Computertomographie
Bei der Computertomographie wird der untersuchte Bereich aus verschie-
denen Richtungen geröntgt. Ein Computer verarbeitet die Informationen,
die hierbei entstehen, und erzeugt ein räumliches Bild vom untersuchten
Organ.
Diagnose
Durch das sorgsame Untersuchen, Abwägen und Einschätzen aller Krank-
heitsanzeichen schließt die Ärztin oder der Arzt auf das Vorhandensein
und die besondere Ausprägung einer Krankheit.
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Kleines Wörterbuch Kleines Wörterbuch
erektile Dysfunktion
Potenzstörung, Impotenz. Man spricht von einer erektilen Dysfunktion
(ED), wenn ein Mann über einen gewissen Zeitraum keine Erektion bekom-
men oder halten kann. Eine kurzfristige Erektionsstörung wird nicht als ED
bezeichnet.
extern
Außen, äußerlich, von außen kommend.
Fatigue
Begleiterscheinung vieler Krebserkrankungen: Ausgelöst durch die Er-
krankung selbst, durch eine Strahlen- oder Chemotherapie kann es zu
Zuständen dauerhafter Erschöpfung, Abgeschlagenheit und Überforderung
kommen.
fraktionieren
Bedeutet im Falle einer Bestrahlung, dass die zu verabreichende Gesamt-
dosis nicht auf einmal gegeben, sondern auf mehrere Sitzungen verteilt
wird.
Gleason-Score
(Nach dem amerikanische Pathologen Donald F. Gleason) Um zu beurtei-
len, wie aggressiv ein Prostatakarzinom sein kann, wird der Gleason-Score
bestimmt. Dabei untersucht ein Pathologe die entnommenen Gewebepro-
ben und bestimmt das häufigste und das aggressivste Wachstumsmuster
der Krebszellen. Zellverbände, die dem normalen Gewebe noch sehr ähn-
lich sind, haben einen niedrigen Gleason-Grad, Zellverbände, die sich von
gesundem Gewebe sehr stark unterscheiden, haben einen hohen (Werte
von 1 bis 5). Die Summe der beiden Werte ergibt den sogenannten Glea-
son-Score, der für Diagnostik und Therapieentscheidung eine wichtige
Rolle spielt. Ein Gleason-Score von 6 deutet auf ein niedriges Risiko hin,
ein Gleason-Score darüber auf mittleres oder hohes Risiko. Spezielle Be-
deutung hat der Gleason-Score 7a, der sich aus dem Grad 3 als häufigs -
tem Wachstumsmuster und 4 zusammensetzt (3+4). Er gilt als mittleres
Risiko, allerdings mit guter Prognose.
Gray (Gy)
(Nach dem britischen Physiker Louis Harold Gray benannt); bezeichnet die
Einheit, welche die Strahlendosis angibt.
HIFU
Abkürzung für Hochintensiver fokussierter Ultraschall. Dabei werden sehr
stark konzentrierte Ultraschallwellen gezielt auf das Tumorgewebe gelenkt
mit dem Ziel, durch die entstehende Wärme die Krebszellen zu zerstören.
histologisch
Die Histologie ist die Lehre von den biologischen Geweben. Unter dem
Mikroskop werden Zellstrukturen untersucht. Für eine gesicherte Krebsdi-
agnose ist der Nachweis von Tumorgewebe zwingend.
Hormon
Bezeichnet Stoffe, die bestimmte Vorgänge und Abläufe im Körper regulie -
ren, zum Beispiel den Stoffwechsel, das Sexualverhalten oder die Anpas -
sung an Angst und Stress.
Hormonentzugstherapie
Das Wachstum von Prostatakrebs wird durch das männliche Sexualhormon
Testosteron begünstigt. Eine Möglichkeit, das Wachstum zu beeinträchti-
gen und so den Erkrankungsverlauf zu verlangsamen, ist der Entzug von
Testosteron. Dies ist mit Medikamenten oder operativ möglich.
Hyperthermie
Überwärmung; in der Medizin bezeichnet man damit eine Behandlung, bei
der die Gewebetemperatur künstlich erhöht wird.
hypofraktionierte Bestrahlung
Bei der Bestrahlung erhalten Sie eine Strahlendosis von insgesamt etwa 74
– 80 Gray. Diese Dosis wird auf mehrere Sitzungen verteilt (fraktioniert).
In der Regel dauert eine Bestrahlung sieben bis neun Wochen. Es ist aber
auch möglich die Einzeldosis pro Sitzung zu erhöhen, dafür aber die Dau-
er der Behandlung auf vier bis sechs Wochen zu verkürzen. Dann spricht
man von einer hypofraktionierten Bestrahlung. Für fortgeschrittenen Pros-
tatakrebs wird sie nicht empfohlen.
Hypokaliämie
Kaliummangel.
Hypokalzämie
Kalziummangel.
IGeL
Steht für Individuelle Gesundheitsleistungen und bezeichnet medizinische
Leistungen, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden.
Häufig ist der Nutzen solcher Leistungen nicht ausreichend nachgewiesen.
Impotenz
Siehe erektile Dysfunktion.
Infektion
Ansteckung.
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Kleines Wörterbuch Kleines Wörterbuch
Inkontinenz
Unfähigkeit, etwas zurückzuhalten. In diesem Ratgeber werden Harnin-
kontinenz und Stuhlinkontinenz angesprochen.
intermittierende Hormontherapie
Bei der intermittierenden Hormontherapie wird die Gabe der Medikamente
für bestimmte Zeiträume ausgesetzt. Erst wenn der PSA-Wert wieder an-
steigt, wird die Medikation fortgesetzt. Man nimmt an, dass dadurch der
Tumor länger hormonempfindlich bleibt. Auch die Nebenwirkungen des
Hormonentzuges gehen während der Einnahmepausen zurück.
intern
Von innen.
Intervention
In der Medizin die aktive Form der Behandlung, zum Beispiel die Operation
oder die Bestrahlung. Im Gegensatz dazu stehen die sogenannten defensi-
ven Strategien, die zunächst abwarten und beobachten.
Karzinom
Das Karzinom gehört zu den bösartigen Krebsarten. Das bedeutet: Krebs-
zellen können über die Blut- oder Lymphbahnen in andere Gewebe streuen
und dort Tochtergeschwulste bilden. Das Karzinom ist ein vom Deckgewe-
be (Epithel) ausgehender Tumor.
Kastration
Unterdrückung der Produktion von Geschlechtshormonen. Das kann durch
eine Operation geschehen oder chemisch durch die Gabe von Medikamen-
ten.
kastrationsresistent
Prostatakrebs wächst am Anfang hormonabhängig: Das männliche Sexu-
alhormon Testosteron sorgt dafür, dass Prostatazellen schneller wachsen
und sich vermehren, insbesondere Prostatakrebszellen. Wird der Testoste-
ronspiegel gesenkt (medikamentöse oder operative Kastration), verlang-
samt sich deren Wachstum, und nur noch wenige teilen sich. Irgendwann
wächst der Krebs jedoch trotz niedrigen Testosteronspiegels weiter. Man
sagt, er ist kastrationsresistent geworden.
Kiefernekrosen
Bei Einnahme von Bisphosphonaten können bis zu 2 von 10 Männern Kno-
chenschäden am Kiefer (Kiefernekrosen) entwickeln. Das ist eine langwie-
rige und beeinträchtigende Nebenwirkung, die vorbeugend gut behandelt
werden kann. Wenn Sie Bisphosphonate erhalten sollen, sollten Sie vor Be-
ginn der Behandlung eine Zahnärztin/einen Zahnarzt aufsuchen. Falls Sie
gerade in zahnärztlicher Behandlung sind, sollten Sie auf die Behandlung
mit Bisphosphonaten hinweisen. Durch eine sorgfältige Mundhygiene kön-
nen Sie viel zur Verhinderung von Kiefernekrosen beitragen.
Komorbidität
Bezeichnet Begleiterkrankungen. Zum Beispiel kann ein Prostatakrebspati-
ent gleichzeitig an Diabetes und Bluthochdruck leiden.
Kryotherapie
Arbeitet mit dem gezielten Einsatz von Kälte, um die Krebszellen zu zer-
stören.
kurativ
Mit dem Ziel der Heilung.
laparoskopisch
Die laparoskopische Chirurgie ist ein Teilgebiet der Chirurgie. Durch kleine
Schnitte in der Bauchdecke werden ein optisches Instrument und Opera-
tionsinstrumente in den Bauchraum eingeführt. Dies wird auch minimal-
invasive Chriurgie genannt.
Lymphadenektomie
Operative Entfernung der Lymphknoten. Die entfernten Lymphknoten wer-
den auf Tumorbefall untersucht. So kann festgestellt oder ausgeschlossen
werden, dass der Tumor bereits gestreut hat. Dies ist von Bedeutung für
die weitere Behandlung.
Lymphknoten
Jedes Organ, also auch die Prostata, produziert eine Zwischengewebsflüs -
sigkeit, die sogenannte Lymphe. Diese wird über Lymphbahnen transpor-
tiert und in den Lymphknoten gefiltert.
Magnetresonanztomographie
Bildgebendes Verfahren, das zur Diagnostik eingesetzt wird. Von außen
können, ähnlich wie bei der Computertomographie (CT), Struktur und
Funktion der inneren Gewebe und Organe dargestellt werden. Allerdings
beruht dieses Verfahren, anders als Röntgen oder Computertomographie,
nicht auf Radioaktivität, sondern auf starken elektromagnetischen Feldern.
maximale Androgenblockade
Bei der maximalen Androgenblockade wird eine medikamentöse oder
operative Kastration (siehe oben) mit der Gabe von Antiandrogenen (siehe
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Kleines Wörterbuch Kleines Wörterbuch
oben) kombiniert. So kann kein Testosteron in der Prostata mehr wirksam
werden.
Metastasen
Bedeutet sinngemäß: die Übersiedlung von einem Ort an einen anderen.
Wenn eine Geschwulst entsteht, spricht man vom Primärtumor. Ist dieser
Tumor bösartig, so kann er Metastasen bilden, das bedeutet: Einzelne
Krebszellen lösen sich vom Primärtumor und wandern durch die Blutbahn
an andere Stellen im Körper, um sich dort anzusiedeln und eine Tochter-
geschwulst zu bilden.
minimal-invasiv
Eingriffe oder Untersuchungen, die mit möglichst kleinen Verletzungen der
Haut und der Weichteile einhergehen.
negatives Ergebnis und falsch negatives Ergebnis
Von einem negativen Testergebnis spricht man, wenn ein Test keinen
Verdacht auf eine Erkrankung (z.B. Krebs) liefert, wenn das Ergebnis also
unauffällig ist. Ein falsch negatives Testergebnis ist unauffällig, obwohl
tatsächlich ein Tumor vorliegt, das heißt, so wird ein Tumor übersehen.
neoadjuvant
Eine unterstützende Behandlung, die bereits vor dem eigentlichen Eingriff
durchgeführt wird, also zum Beispiel die Hormongabe vor einer Operation
oder Bestrahlung.
Neurapraxie
Drucklähmung, vorübergehende Nervenschädigung in den Beinen durch
Druck während der Operation.
Nomogramm
Grafische Schaubilder und Modelle, die funktionale Zusammenhänge dar-
stellen, zum Beispiel zwischen den verschiedenen diagnostischen Werten
und der Aggressivität des Tumors.
Nuklearmedizin
In der Nuklearmedizin werden offene Radionuklide (radioaktive Stoffe)
verwendet, die sich im Körper frei verteilen können. Dies kann durch eine
Spritze in die Blutbahn oder durch Tabletten erfolgen, die sich im Magen
auflösen. In der Nuklearmedizin erfolgen damit Untersuchungen (zum
Beispiel Skelettszintigramm) aber auch Behandlungen (zum Beispiel Radio-
jodtherapie der Schilddrüse).
Ödem
Krankhafte Ansammlung von Gewebsflüssigkeit in den Zellzwischenräu -
men.
Onkologie
Fachbezeichnung für den Zweig der Medizin, der sich mit Diagnose,
Behandlung und Nachsorge von Krebserkrankungen befasst.
Orchiektomie
Operative Entfernung der Hoden.
Osteoporose
Schwund des festen Knochengewebes.
palliativ
Lindernd, mit dem Ziel der Linderung, nicht mit dem Ziel der Heilung.
Pathologe / Pathologin
Die Pathologie bezeichnet eine Fachrichtung der Medizin, die sich mit den
krankhaften Vorgängen im Körper befasst. Eine Pathologin/ein Pathologe
untersucht zum Beispiel das Gewebe, das bei einer Krebsoperation ent-
nommen wurde, um daraus Rückschlüsse auf Art und Umfang des Tumors
zu ziehen.
perineal
Der perineale Zugang bei der operativen Entfernung der Prostata ist der
Zugangsweg „von unten“ über den Damm.
perkutan
Durch die Haut.
positives Ergebnis und falsch positives Ergebnis
Ein positives Testergebnis weist darauf hin, dass die Krankheit, nach der
gesucht wurde, auch tatsächlich vorliegt, es bestätigt also einen Krank-
heitsverdacht. Ein falsch positives Testergebnis liefert einen Krankheits-
nachweis, der sich im Nachhinein als falsch herausstellt, das heißt, es
handelt sich um einen „Fehlalarm“.
Prognose
In der Medizin eine Vorhersage über den vermuteten Krankheitsverlauf.
Progress
Fortschreiten der Krebserkrankung durch Tumorwachstum oder Metasta-
senbildung.
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Kleines Wörterbuch Kleines Wörterbuch
PSA
Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist ein Eiweiß, das nur in der Prosta -
ta produziert wird. Im Krebsgewebe ist es zehnmal höher konzentriert als
in gesundem Prostatagewebe.
Psychoonkologe / Psychoonkologin
Eine Psychoonkologin / ein Psychoonkologe behandelt die unter Umstän-
den auftretenden seelischen Auswirkungen einer Krebserkrankung. Psy-
choonkologinnen / Psychoonkologen sind speziell weitergebildete Psycho-
loginnen / Psychologen oder Medizinerinnen / Mediziner.
radikale Prostatektomie
Die vollständige operative Entfernung der Prostata.
Radiologie
In der Radiologie kommen bildgebende Verfahren unter Anwendung von
Röntgenstrahlen, aber auch Ultraschall und Kernspintomographie zur
Untersuchung zum Einsatz. Bei der interventionellen (einschreitenden)
Radiologie werden auch Behandlungen vorgenommen. Ein Beispiel hierfür
ist die Aufweitung von Gefäßen durch eine Ballondehnung. Unter Röntgen-
kontrolle wird die enge Stelle im Gefäß gesucht, aber die Aufdehnung der
Engstelle erfolgt durch einen Ballon.
Radionuklide
Radionuklide sind Substanzen, deren Atomkerne radioaktiv zerfallen und
dabei Strahlung freisetzen. Sie werden in der Strahlentherapie unter ande-
rem zur Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt.
Rehabilitation
Wiederbefähigung. Unter Rehabilitation werden alle medizinischen, psy-
chotherapeutischen, sozialen und beruflichen Maßnahmen zusammenge -
fasst, die eine Wiedereingliederung eines Kranken in Familie, Gesellschaft
und Berufsleben zum Ziel haben. Diese Maßnahmen sollen es den Pati-
enten ermöglichen, besser mit krankheitsbedingten Problemen fertig zu
werden.
Rektum
Enddarm.
Resektion
Die operative Entfernung von krankem Gewebe.
retropubisch
Der retropubische Zugang bei der operativen Entfernung der Prostata ist
der Zugang „von vorn“ durch einen Schnitt in die Bauchdecke oberhalb des
Schambeins.
Rezidiv
Das Wiederauftreten (Rückfall) einer Erkrankung.
S3-Leitlinie
Bei einer Leitlinie handelt es sich um eine Orientierungs- und Entschei-
dungshilfe über die angemessene ärztliche Vorgehensweise. Sie wird von
einer Expertengruppe im Auftrag einer oder mehrerer wissenschaftlicher
medizinischer Fachgesellschaften erstellt. Die Angaben zu Untersuchun-
gen und Behandlungen der beschriebenen Erkrankungen stützen sich auf
wissenschaftliche Nachweise. Eine Leitlinie ist aber kein „Kochbuch“ für
Ärztinnen und Ärzte.
Jeder Patient hat seine individuelle Krankengeschichte. Das muss die Ärz-
tin / der Arzt bei der Behandlung berücksichtigen.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachge-
sellschaften (AWMF) hat ein Klassifikationsschema entwickelt, wobei S3
die höchste Qualitätsstufe ist. Dazu müssen alle Empfehlungen aus der
wissenschaftlichen Literatur abgeleitet und in einem festgelegten Vorgang
von allen Expertinnen / Experten im Konsens ausgesprochen werden. Die
wissenschaftlichen Grundlagen für die Leitlinie sind nach ihrer Qualität zu
bewerten und entsprechend zu berücksichtigen.
Siehe auch: www.awmf-leitlinien.de.
Seeds
Kleine Strahlungsquellen, die ungefähr die Größe von Saatkörnern haben,
werden bei der LDR-Brachytherpaie in die Prostata eingesetzt.
Skelettszintigraphie
Nach der Gabe einer radioaktiven Substanz, die sich im Knochen einlagert,
wird mit einer Spezialkamera eine Aufnahme des Skeletts gemacht. So
können Veränderungen erkannt werden, die auf einen Tumor im Knochen
hindeuten.
Stanzbiopsie
Eine Biopsie ist die Entnahme von Gewebe aus dem lebenden Organismus.
Bei einer Stanzbiopsie werden die Gewebeproben mit Hilfe von Hohlnadeln
aus dem zu untersuchenden Gewebe „gestanzt“.
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Kleines Wörterbuch Kleines Wörterbuch
Strahlentherapie
Fachgebiet der Medizin, das sich mit der Anwendung von Strahlen zur
Behandlung (Therapie) beschäftigt. Verwendet werden dabei durch Geräte
hergestellte Strahlen, die von außen in den Körper eindringen, wie Photo-
nen und Elektronen, in Zukunft auch Protonen und schwere Ionen. Außer-
dem werden radioaktive Elemente (Radionuklide) zu Behandlungszwecken
angewendet, zum Beispiel in Form von Seeds oder beim HDR-Afterloading
der Prostata. Hierbei kommen – im Gegensatz zur Nuklearmedizin – nur
umschlossene Radionuklide zur Anwendung (abgepackt in eine Umhül-
lung).
supportive Therapie
Durch die Krebserkrankung können weitere Beschwerden entstehen, die
ebenfalls behandelt werden müssen. Dies geschieht im Rahmen einer sup-
portiven Therapie.
Testosteron
Männliches Sexualhormon, das dafür sorgt, dass Prostatazellen schneller
wachsen und sich vermehren. Das gilt besonders für Prostatakrebszellen.
Wenn der Testosteronspiegel gesenkt wird, verlangsamt sich das Wachs-
tum der Krebszellen, und nur noch wenige teilen sich.
Therapie
Behandlung, Heilbehandlung.
transrektal
Durch den Enddarm.
Tumor
Geschwulst.
Tumorkategorie
Bezeichnet die Größe des Tumors und seine Ausbreitung (Kurzbezeich-
nung: T). Man unterscheidet zwischen der klinischen Tumorkategorie cT
– das ist der Befund aufgrund der diagnostischen Untersuchungen wie
Tastuntersuchung und Bildgebung – und der pathologischen Kategorie pT
nach dem Ergebnis der Operation. Manchmal schätzt man den Tumor im
Vorfeld etwas kleiner ein (understaging), manchmal auch größer (oversta-
ging).
Tumorstadium
Zeigt an, wie weit die Tumorerkrankung fortgeschritten ist. Die Einteilung
der Erkrankungsstadien richtet sich nach der Größe des Tumors (Kurzbe-
zeichnung: T), ob Lymphknoten befallen sind (Kurzbezeichnung: N) und
ob der Tumor sich in anderen Organen angesiedelt (Metastasen gebildet)
hat (Kurzbezeichnung: M).
Ultraschall
Schallwellen, die oberhalb des vom Menschen wahrnehmbaren Frequenz-
bereichs liegen. Diese Schallwellen können zur Bildgebung genutzt wer-
den. Ultraschallwellen sind nicht elektromagnetisch (radioaktiv).
Urologie
Die medizinische Fachrichtung hat die harnbildenden und harnableitenden
Organe des Menschen und die männlichen Geschlechtsorgane zum Ge-
genstand.
Zytostatika
Gruppe von Medikamenten, die die Zellteilung hemmen. Sie werden in der
Chemotherapie eingesetzt.
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21. Ihre Anregungen zu dieser Patienten-
leitlinie
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Folgende Patienten- und Gesundheitsleitlinien sind innerhalb des
Leitlinienprogramms Onkologie bisher erschienen. Dieses kostenlose
Informationsmaterial können Sie per Post, Telefax (0228 7299011)
oder E-Mail (bestellungen@krebshilfe.de) bei der Deutschen Krebshilfe
bestellen. Bitte Stückzahl angeben.
Vorname/Name
Straße/Haus Nr.
PLZ/Ort
Patientenleitlinien
173 Gebärmutterkörperkrebs
174 Supportive Therapie
175 Psychoonkologie
176 Speiseröhrenkrebs
177 Nierenkrebs im frühen und
lokal fortgeschrittenen Stadium
178 Nierenkrebs im metastasierten
Stadium
179 Blasenkrebs
180 Gebärmutterhalskrebs
181 Chronische lymphatische
Leukämie
182 Brustkrebs im frühen Stadium
183 Prostatakrebs I
Lokal begrenztes
Prostatakarzinom
184 Prostatakrebs II
Lokal fortgeschrittenes und
metastasiertes
Prostatakarzinom
186 Metastasierter Brustkrebs
188 Magenkrebs
189 Hodgkin Lymphom
190 Mundhöhlenkrebs
191 Melanom
192 Eierstockkrebs
193 Leberkrebs
194 Darmkrebs im frühen Stadium
195 Darmkrebs im
fortgeschrittenen Stadium
196 Bauchspeicheldrüsenkrebs
198 Palliativmedizin
Gesundheitsleitlinien
170 Prävention von Hautkrebs
187 Früherkennung von
Prostatakrebs
197 Früherkennung von Darmkrebs
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Allgemeiner Hinweis zum Datenschutz
Verantwortliche Stelle im Sinne des Datenschutzrechts ist die Stiftung Deutsche Krebshilfe, Buschstr. 32, 53113 Bonn.
Dort erreichen Sie auch unseren Datenschutzbeauftragten. Die von Ihnen übermittelten Adressdaten verarbeiten wir
nach Art. 6 Abs. 1 (a; f) DSGVO ausschließlich dafür, Ihnen die bestellten Ratgeber zuzusenden. Weitere Informationen,
u.a. zu Ihren Rechten auf Auskunft, Berichtigungen, Widerspruch und Beschwerde erhalten Sie unter
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Deutsche Krebshilfe
Buschstraße 32
53113 Bonn
Für Versand im Din lang Fensterbriefumschlag, Bestellformular bitte an dieser Linie falten
Notizen:
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140
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Herausgeber
Leitlinienprogramm Onkologie
der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Medizinischen Fachgesellschaften e. V.,
Deutschen Krebsgesellschaft e. V.
und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Office: c/o Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
Kuno-Fischer-Straße 8
14057 Berlin
www.leitlinienprogramm-onkologie.de
leitlinienprogramm@krebsgesellschaft.de

