© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion 8.1 | August 2025
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S3-Leitlinie
Prostatakarzinom
Version 8.1 – August 2025
AWMF-Registernummer: 043-022OL
Leitlinie (Kurzversion)
1.1 Herausgeber
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Wesentliche Neuerungen
Für die Version 8 der Leitlinie wurden zu vorab definierten Themen insgesamt 28
Fragestellungen systematische recherchiert. Eine Leitliniensynopse ergänzt die
Grundlage für die Arbeiten an dieser Version der Leitlinie in den acht Arbeitsgruppen.
Empfehlungen, Statements und Hintergrundtexte wurden für die zur Aktualisierung
gestellten Kapitel überprüft und ggf. überarbeitet.
Die folgenden inhaltlichen Änderungen wurden vorgenommen:
1. Kapitel 4 „Früherkennung, Diagnostik und Stadieneinteilung“ wurde aus den
vormaligen Kapiteln 4 „Früherkennung“ und 5 „Diagnostik und Stadieneinteilung“
zusammengeführt und komplett überarbeitet.
a. In Kapitel 4.1 „Früherkennung“ gibt es neu die Empfehlung, dass zur
Früherkennung von Prostatakarzinomen keine digital rektale Untersuchung
erfolgen soll (4.1). Nach ergebnisoffener Beratung sollen Männer ab dem Alter
von 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von 10 Jahren und mehr, die eine
Früherkennung wünschen, die Bestimmung des PSA-Werts angeboten werden
(4.2 und 4.3). In Abhängigkeit von der Höhe des PSA-Wertes erfolgt eine
risikoadaptierte Früherkennungsstrategie mit 5-jährlichen Intervallen bei einem
PSA-Wert ≤1,5 ng/ml, 2-jährlichen Intervallen bei PSA 1,5–2,99 ng/ml und
weiterer Diagnostik bei PSA ≥3 ng/ml (4.4). Weitere Empfehlungen betreffen die
weitergehende Diagnostik, auch in Abhängigkeit vom Vorliegen einer familiären
Belastung bzw. genetischer Prädisposition (4.5 ff). Eine Tabelle fasst die Vor-
und Nachteile eines PSA-basierten Prostatakarzinom-Screenings zusammen
(Tabelle 3).
b. Auch Kapitel 4.2 „Diagnostik“ wurde grundlegend überarbeitet. Hierbei wurde
die Magnetresonanztomographie der Prostata im Rahmen der Primärdiagnostik
gestärkt, es wurden aber auch Empfehlungen für die Indikationsstellung zum
MRT basierend auf dem individuellen Risiko für das Vorliegen eines
Prostatakarzinoms gegeben (4.12 ff). Auch die Empfehlungen zur
Indikationsstellung und Durchführung der bildmorphologisch gestützten Biopsie
wurden aktualisiert (4.16 ff). Eine wesentliche Neuerung ist die Empfehlung,
dass bei PI-RADS 1 und 2 Befunden keine Biopsie durchgeführt werden soll
(4.23). Empfehlungen zu transrektalem Ultraschall (4.24 ff), Re-Biopsie (4.27 ff)
nach vorheriger negativer Biopsie und zur Durchführung der
Prostatastanzbiopsie (Empfehlungen 4.30 ff) wurden geprüft und aktualisiert.
Männern mit metastasierter Erkrankung und/oder Hinweis auf ein familiäres
Tumorrisikosyndrom wird empfohlen, eine humangenetische Sprechstunde in
Anspruch zu nehmen („soll“-4.37 und 4.38). Abbildung 1 stellt Früherkennung
und Diagnostik des Prostatakarzinoms mit Verweis auf ausgewählte
Empfehlungen als Flussdiagramm dar.
c. Im Kapitel 4.3 „Stadieneinteilung“ werden zunächst die unterschiedlichen
Klassifikationen zur Stadieneinteilung dargestellt. Ältere Studien beziehen sich
überwiegend auf die klinische Stadieneinteilung und lässt die heute übliche
Bildgebung (u.a. MRT mit Informationen zur lokalen Tumorausbreitung)
unberücksichtigt.
Grundlage für die Empfehlungen zur Therapie des lokalisierten
Prostatakarzinoms sind neben der D’Amico Klassifikation die klinische NCCN-
Klassifikation (Stand Februar 2025). Die Empfehlungen zur lokalen Diagnostik
(T-Kategorie) bzw. Ausbreitungsdiagnostik wurden alle geprüft und aktualisiert
(4.39 ff). Eine Ausbreitungsdiagnostik soll erst bei einem Prostatakarzinom des
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ungünstigen intermediären oder hohen/sehr hohen Risikos vor der Entscheidung
über eine therapeutische Maßnahme erfolgen (4.43).
2. Kapitel 5 „Pathologisch-anatomische Diagnostik“ war zuvor Unterkapitel von
„Diagnostik und Stadieneinteilung“ und ist jetzt ein eigenständiges Hauptkapitel.
Inhaltlich wurde es vor allem geprüft und der Stellenwert verfügbarer Biomarker
aufgearbeitet, allerdings ohne, dass eine diesbezügliche Empfehlung ausgesprochen
wurde. Neu sollen nicht nur bei einem Gleason-Score von 7, sondern auch von 8
cribriforme Tumorkomponenten im histopathologischen Befund erwähnt werden (5.9).
3. Kapitel 6 „Therapie des lokalisierten Prostatakarzinoms“ wurde komplett
umstrukturiert. In Anlehnung an die EAU-Leitlinie wurden die verschiedenen
Therapieoptionen in Abhängigkeit von Tumorstadium bzw. Risikoprofil gegliedert:
Dem Kapitel 6.1 „Therapieplanung und Aufklärung“ folgen Kapitel 6.2 „Lokal
begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils“, Kapitel 6.3 „Lokal
begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils“ ,
Kapitel 6.4 „Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms“ , Kapitel 6.5
„Therapie des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms“, Kapitel 6.6
„Neoadjuvante/adjuvante Therapie bei radikaler Prostatektomie“, Kapitel 6.7
„Fokale Therapie“ und Kapitel 6.8 „Watchful Waiting“.
Als wesentlichste Änderung im Kapitel lokalisiertes Prostatakarzinom wird für das
niedrige Risikoprofil initial ausschließlich die Aktive Überwachung (6.6) (aber keine
lokale Therapie mehr) empfohlen. Hervorzuheben sind des Weiteren:
a. Die Aktualisierung der Abbildung zur aktiven Überwachung beim niedrigen und
günstig-intermediären Risikoprofil (Abbildung 2) bildet die zugehörigen
Empfehlungen ab.
b. Alle Therapieoptionen zur Aktiven Überwachung bzw. lokalen Therapie beim
intermediären bzw. hohen Risikoprofil wurden aktualisiert. Die Empfehlungen
zur Indikationsstellung und Durchführung der Therapien beim intermediären
Risiko wurden in Abbildung 3 zusammengefasst. Die aktualisierten
Empfehlungen betreffen:
• Aktive Überwachung (6.13 und 6.14)
• Radikale Prostatektomie und Lymphadenektomie (6.15 ff)
• Perkutane Strahlentherapie, Fraktionierung, begleitende
Androgendeprivation (6.19 ff)
• Low bzw. High dose Rate Brachytherapie, ggf. Kombination mit perkutaner
Strahlentherapie, begleitende Androgendeprivation (6.39 ff)
c. Auch die Empfehlungen zu den lokalen Therapieverfahren beim lokal
fortgeschrittenen Prostatakarzinom wurden aktualisiert (6.54 ff)
d. Beim lymphknotenpositiven Prostatakarzinom wurde aufgrund aktueller
Studiendaten eine „soll“-Empfehlung für eine erweiterte begleitende
hormonablative Therapie mit GnRH-Analogon und Abirateron/Predniso(lo)n (2
Jahre) ergänzt (6.70).
e. Auch die Empfehlungen zur neoadjuvanten/adjuvanten Therapie bei radikaler
Prostatektomie wurden geprüft und aktualisiert
f. Neue Empfehlungen zum „Watchful Waiting“ wurden abgestimmt (6.90 ff).
4. Überarbeitet wurden auch Teile des Kapitel 7 „Diagnostik und Therapie des
rezidivierten oder metastasierten Prostatakarzinoms“, überwiegend auf der Basis
aktueller Studien (systematische Literaturrecherche zum Thema Bildgebung für das
Therapiemonitoring).
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a. In Kapitel 7.2 „Therapie des PSA-Rezidivs“ wurde eine Empfehlung um die
Therapieoption mit Enzalutamid ± Androgendeprivationstherapie beim high risk
biochemischen Rezidiv ergänzt (7.11).
b. In Kapitel 7.3 „Therapie des hormonsensitiven, metastasierten
Prostatakarzinoms (mHSPC)“ wurde eine Empfehlung zur Therapie mit
Darolutamid + ADT entsprechend der Studienlage inkl. dazugehöriger
Ausführungsempfehlung ergänzt (7.30, 7.31). Das Flussdiagramm zu den
Therapieoptionen beim mHPSC-Stadium wurde entsprechend aktualisiert
(Abbildung 4).
c. In Kapitel 7.4 „Therapie des androgenunabhängigen oder
kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (CRPC)“ wurden
Zwischenüberschriften zur leichteren Lesbarkeit eingefügt. Eine neue
Empfehlung weist Lutetium (177Lu) Vipivotidtetraxetan als Therapieoption bei
Patienten mit mCRPC nach Therapie mit Abirateron oder einem
Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (Apalutamid, Darolutamid, Enzalutamid),
die keine Chemotherapie bekommen können, aus (7.51).
d. In Kapitel 7.5 „Lokale Therapie bei metastasiertem Prostatakarzinom“
wurden die Empfehlungen hinsichtlich der Gültigkeit geprüft bzw. modifiziert
(perkutane Strahlentherapie bei neu diagnostiziertem, oligometastasiertem
Prostatakarzinom mit „low volume“ CHAARTED-Kriterien mit konventionellem
Staging (7.61). Eine Empfehlung, dass Patienten mit hohem lokalen
Progressionsrisiko zusätzlich zur systemischen Therapie eine perkutane
Strahlentherapie erhalten können, wurde ergänzt (7.62).
e. Das Kapitel 7.7 „Bildgebung für das Therapiemonitoring beim mHSPC und
mCRPC“ ergänzt die Leitlinie mit neu abgestimmten Empfehlungen (7.75 ff).
f. Das vormalige Kapitel „Supportivtherapie und Palliativversorgung“ wurde in die
beiden Kapitel 7.8 „Supportivtherapie“ sowie Kapitel 7.9 „Versorgung in der
nicht-kurativen Therapiesituation“ aufgeteilt. Die Kapitel wurden umfassend
überarbeitet und mit den S3-Leitlinien „Supportive Therapie“ und
„Palliativmedizin“ harmonisiert. Die Prostatakarzinom-spezifischen
Empfehlungen wurden geprüft und teilweise durch neue Empfehlungen ergänzt.
Mit jeder neuen Version können nur Teile der Leitlinie aktualisiert werden. In den
Kopfzeilen der Empfehlungen und Statements wurde vermerkt, wann diese erstellt
bzw. aktualisiert wurden und ob sie modifiziert oder neu erstellt wurden, um eine
Einordnung der Aktualität zu gewährleisten (vgl. Kapitel 2.1.3).
Eine detaillierte Übersicht der Änderungen befindet sich im Kapitel 13 der
Langversion der Leitlinie.
Ergänzend zur ärztlichen Leitlinie wird eine aktualisierte Patientenleitlinie zur
Verfügung gestellt (www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/patientenleitlinien/prostatakrebs).
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Inhalt
Wesentliche Neuerungen .......................................................................... 1
1 Informationen zu dieser Leitlinie ...................................................... 9
1.1 Herausgeber ......................................................................................................................... 9
1.2 Federführende Fachgesellschaft(en) ....................................................................................... 9
1.3 Finanzierung der Leitlinie ...................................................................................................... 9
1.4 Kontakt ................................................................................................................................. 9
1.5 Zitierweise ............................................................................................................................ 9
1.6 Besonderer Hinweis ............................................................................................................... 9
1.7 Ziele des Leitlinienprogramms Onkologie .............................................................................. 9
1.8 Weitere Dokumente zu dieser Leitlinie ................................................................................. 10
1.9 Zusammensetzung der Leitliniengruppe .............................................................................. 11
1.9.1 Koordination .................................................................................................................. 11
1.9.2 Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen ........................................................... 11
1.9.3 Arbeitsgruppen und deren Mitglieder ............................................................................. 14
1.9.4 Patientenbeteiligung ...................................................................................................... 14
1.9.5 Methodische Begleitung ................................................................................................. 14
1.10 Abkürzungsverzeichnis ....................................................................................................... 14
2 Einführung .................................................................................... 18
3 Epidemiologie, Risikofaktoren, Prävention und Ernährung ................ 19
3.1 Epidemiologie ..................................................................................................................... 19
3.2 Risikofaktoren ..................................................................................................................... 19
3.2.1 Risikofaktoren für das Auftreten eines Prostatakarzinoms .............................................. 19
3.2.2 Testosteronsubstitution ................................................................................................. 19
3.3 Prävention und Ernährung ................................................................................................... 20
4 Früherkennung, Diagnostik und Stadieneinteilung ........................... 21
4.1 Früherkennung .................................................................................................................... 21
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4.1.1 Definition und allgemeine Anmerkungen ........................................................................ 21
4.1.2 Tests zur Früherkennung des Prostatakarzinoms ............................................................ 21
4.2 Diagnostik .......................................................................................................................... 23
4.3 Stadieneinteilung ................................................................................................................ 29
5 Pathologisch-anatomische Diagnostik ............................................. 33
5.1 Allgemeine Grundsätze ....................................................................................................... 33
5.1.1 Erforderliche klinische Angaben und Entnahme von Gewebeproben ................................ 33
5.1.2 Histopathologische Karzinomdiagnose und Differenzialdiagnose .................................... 33
5.1.3 Grading ......................................................................................................................... 34
5.2 Spezielle Aspekte für verschiedene Gewebepräparate........................................................... 35
5.2.1 Stanzbiopsie .................................................................................................................. 35
5.2.2 Präparat aus radikaler Prostatektomie ............................................................................ 36
5.2.3 Transurethrales Resektionsmaterial ("TUR-P") und enukleierte noduläre Hyperplasie
(sogenanntes Adenektomiepräparat) ........................................................................... 37
5.2.4 Regionale Lymphadenektomie ........................................................................................ 37
5.3 Prognostische Faktoren für das Prostatakarzinom ................................................................ 37
5.4 Wissenschaftliche Untersuchungen von Gewebeproben ........................................................ 38
6 Therapie des lokalisierten Prostatakarzinoms .................................. 39
6.1 Therapieplanung und Aufklärung ........................................................................................ 39
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils ............................................ 40
6.2.1 Aktive Überwachung (Active Surveillance) ....................................................................... 40
6.2.2 Ablehnung/Beendigung der Aktiven Überwachung ......................................................... 43
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils ................... 44
6.3.1 Aktive Überwachung (Active Surveillance) beim intermediären Risikoprofil ...................... 45
6.3.2 Radikale Prostatektomie ................................................................................................. 45
6.3.3 Perkutane Strahlentherapie ............................................................................................ 46
6.3.4 Brachytherapie ............................................................................................................... 49
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms ...................................................... 52
6.4.1 Radikale Prostatektomie ................................................................................................. 52
6.4.2 Perkutane Strahlentherapie ............................................................................................ 53
6.4.3 Brachytherapie ............................................................................................................... 54
6.5 Therapie des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms ....................................................... 55
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6.6 Neoadjuvante Therapie / Adjuvante Therapie bei radikaler Prostatektomie ........................... 55
6.7 Fokale Therapie ................................................................................................................... 57
6.7.1 Einleitung ...................................................................................................................... 57
6.7.2 Statement ...................................................................................................................... 57
6.7.3 Einsatz Fokaler Therapien .............................................................................................. 57
6.7.4 Einzelne Verfahren der fokalen Therapie ........................................................................ 58
6.8 Watchful Waiting ................................................................................................................. 59
7 Diagnostik und Therapie des rezidivierten oder metastasierten
Prostatakarzinoms ........................................................................ 60
7.1 Definition und Diagnostik des Tumorrezidivs ....................................................................... 60
7.2 Therapie des PSA-Rezidivs .................................................................................................. 62
7.2.1 Systemische Therapie bei PSA-Rezidiv oder PSA-Progression ......................................... 62
7.2.2 Salvage-Strahlentherapie des PSA-Rezidivs und der PSA-Persistenz nach radikaler
Prostatektomie............................................................................................................ 63
7.2.3 Salvage-Therapie der PSA-Progression nach Strahlentherapie ......................................... 64
7.3 Therapie des hormonsensitiven, metastasierten Prostatakarzinoms (mHSPC) ........................ 65
7.4 Therapie des androgenunabhängigen oder kastrationsresistenten Prostatakarzinoms
(CRPC) ................................................................................................................................. 69
7.4.1 Therapie des nicht-metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (nmCPRC) 70
7.4.2 Therapie des metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCPRC) ........... 70
7.4.3 Therapie des neuroendokrinen Prostatakarzinoms (NEPC) ............................................... 74
7.5 Lokale Therapie bei metastasiertem Prostatakarzinom ......................................................... 75
7.5.1 Präambel ....................................................................................................................... 75
7.5.2 Perkutane Strahlentherapie und radikale Prostatektomie ................................................. 75
7.6 Therapie von Knochenmetastasen........................................................................................ 77
7.7 Bildgebung für das Therapiemonitoring beim mHSPC und mCRPC ........................................ 78
7.8 Supportivtherapie ................................................................................................................ 79
7.8.1 Definition ...................................................................................................................... 79
7.8.2 Allgemeine supportive Maßnahmen ................................................................................ 79
7.8.3 Spezifische supportive Behandlung häufiger unerwünschter therapiebedingter Wirkungen
.................................................................................................................................. 80
7.8.4 Unerwünschte Wirkungen der Hormonentzugstherapie ................................................... 81
7.8.5 Unerwünschte Wirkungen der Androgenrezeptor-Signalweg Inhibitoren (ARPI) bzw.
Abirateron .................................................................................................................. 82
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7.8.6 Spezifische unerwünschte Wirkungen der Chemotherapie mit Taxanen ........................... 83
7.8.7 Spezifische unerwünschte Wirkungen der systemischen Therapie mit Inhibitoren der Poly-
(ADP-ribose)-Polymerasen (PARPi) .............................................................................. 84
7.8.8 Unerwünschte Wirkungen der Radioligandentherapie ...................................................... 84
7.9 Versorgung in der nicht-kurativen Therapiesituation ........................................................... 85
7.9.1 Definition ...................................................................................................................... 85
7.9.2 Zielsetzung .................................................................................................................... 85
7.9.3 Diagnostik ..................................................................................................................... 85
7.9.4 Allgemeine Maßnahmen ................................................................................................. 86
7.9.5 Spezifische Maßnahmen ................................................................................................. 87
7.9.6 Therapiebegrenzung ...................................................................................................... 88
7.9.7 Versorgungsstrukturen .................................................................................................. 89
8 Rehabilitation ................................................................................ 90
8.1 Rehabilitation nach kurativer intendierter Therapie .............................................................. 90
8.2 Rehabilitation für Patienten unter Hormonentzugstherapie .................................................. 91
8.3 Rehabilitation für Patienten in der Palliativsituation .............................................................. 92
9 Nachsorge ..................................................................................... 93
9.1 Nachsorge nach lokaler kurativ intendierter Therapie ........................................................... 93
9.2 Testosteronsubstitution nach Prostatakarzinom ................................................................... 94
9.3 Follow-up unter hormonablativer Therapie .......................................................................... 94
10 Psychosoziale Aspekte und Lebensqualität ...................................... 95
10.1 Aufklärung und Beratung..................................................................................................... 95
10.2 Psychosoziale Unterstützung ............................................................................................... 96
11 Anhang ......................................................................................... 97
11.1 Qualitätsindikatoren ............................................................................................................ 97
11.2 Forschungsfragen ............................................................................................................... 97
11.3 Änderungen in der Version 8 ............................................................................................... 97
11.4 Grundlagen der Methodik .................................................................................................... 97
1.1 Herausgeber
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12 Tabellenverzeichnis ....................................................................... 99
13 Abbildungsverzeichnis ................................................................. 100
14 Literaturverzeichnis ..................................................................... 101
1.1 Herausgeber
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1 Informationen zu dieser Leitlinie
1.1 Herausgeber
Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), Deutschen Krebsgesellschaft e. V.
(DKG) und der Stiftung Deutsche Krebshilfe (DKH).
1.2 Federführende Fachgesellschaft(en)
1.3 Finanzierung der Leitlinie
Diese Leitlinie wurde von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des
Leitlinienprogramms Onkologie gefördert.
1.4 Kontakt
Office Leitlinienprogramm Onkologie
c/o Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
Kuno-Fischer-Straße 8
14057 Berlin
leitlinienprogramm@krebsgesellschaft.de
www.leitlinienprogramm-onkologie.de
1.5 Zitierweise
Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe,
AWMF): S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Kurzversion 8.1, 2025, AWMF-
Registernummer: 043-022OL https://www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/; Zugriff am [tt.mm.jjj]
1.6 Besonderer Hinweis
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
1.7 Ziele des Leitlinienprogramms Onkologie
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
1.8 Weitere Dokumente zu dieser Leitlinie
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10
1.8 Weitere Dokumente zu dieser Leitlinie
Bei diesem Dokument handelt es sich um die Kurzversion der S3-Leitlinie
Prostatakarzinom, welche über folgende Seiten zugänglich ist
• Leitlinienprogramm Onkologie (https://www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/)
• AWMF (https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/043-022OL)
• Guidelines International Network (www.gin.net)
Neben der Kurzversion gibt es folgende ergänzende Dokumente:
• Langfassung der Leitlinie
• Leitlinienreport zur Leitlinie
• Evidenztabellen zur Leitlinie
• Patientenleitlinie "Früherkennung von Prostatakrebs"
• Patientenleitlinie “Prostatakrebs 1 - Lokal begrenztes Prostatakarzinom“
• Patientenleitlinie "Prostatakrebs 2 - Lokal fortgeschrittenes und
metastasiertes Prostatakarzinom"
• Englische Übersetzung (geplant)
• Foliensatz
Nähere Informationen zu Vorversionen finden sich in der Dokumentationshistorie
(https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/).
Die Leitlinie ist außerdem in der App des Leitlinienprogramms Onkologie enthalten.
Weitere Informationen unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/
1.9 Zusammensetzung der Leitliniengruppe
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1.9 Zusammensetzung der Leitliniengruppe
Die Mitwirkenden an der Leitlinie werden im Folgenden benannt.
1.9.1 Koordination
Leitlinienkoordination
Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm, Prof. Dr. Bernhard Wörmann (Co-Koordinator)
Steuergruppe der Leitlinie
Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm (Vorsitzender), PD Dr. Dirk Böhmer, Prof. Dr. Christian
Bolenz, Prof. Dr. Tobias Franiel, Prof. Dr. Michael Fröhner, Prof. Dr. Peter Jürgen
Goebell, Prof. Dr. Oliver Hakenberg, Prof. Dr. Ken Herrmann, Prof. Dr. Glen
Kristiansen, Prof. Dr. Thomas Wiegel (stellvertretender Vorsitzender), Prof. Dr.
Bernhard Wörmann.
Koordinationsteam
Anne Berkholz, M.Sc., Dr. Julia Lackner, MPH, Dr. Stefanie Schmidt, MPH (alle
UroEvidence der DGU), Dr. Katharina Leucht (Jena)
1.9.2 Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen
Nachfolgend sind die an der Leitlinienaktualisierung beteiligten medizinischen
Fachgesellschaften und sonstigen Organisationen sowie deren mandatierte Vertreter
aufgeführt. Nähere Informationen zu den Beteiligten der Vorversionen finden sich in
der Dokumentationshistorie (https://www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/).
Tabelle 1: Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen
Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen
(alphabetisch)
Personen
Arbeitsgemeinschaft Onkologische Rehabilitation und
Sozialmedizin in der DKG (AGORS)
Prof. Dr. Freerk Baumann
Dr. Wilfried Hoffmann - Stellvertreter
Arbeitsgemeinschaft Prävention und integrative Medizin
in der Onkologie in der DKG (PRiO)
Prof. Dr. Oliver Micke
Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie in der DKG
(ARO)
PD Dr. Dirk Böhmer
Prof. Dr. Stefan Höcht
PD Dr. Bülent Polat
Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie der
Deutschen Krebsgesellschaft (AUO)
Prof. Dr. Peter Hammerer
Prof. Dr. Axel Merseburger
1.9 Zusammensetzung der Leitliniengruppe
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12
Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen
(alphabetisch)
Personen
Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie in der DKG
(PSO)
Dr. André Karger
Berufsverband Deutscher Pathologinnen und Pathologen
(BDP)
Prof. Dr. Arndt Hartmann
Prof. Dr. Glen Kristiansen
Prof. Dr. Guido Sauter
Berufsverband Deutscher Strahlentherapeuten (BVDST) Prof. Dr. Arndt-Christian Müller
Prof. Dr. Peter Niehoff
Prof. Dr. Constantinos Zamboglou
Prof. Dr. Daniel Zips
Berufsverband der Deutschen Radiologen (BDR) Prof. Dr. Patrick Asbach
Prof. Dr. Kolja Thierfelder -
Stellvertreter
Berufsverband der Deutschen Urologie (BvDU) Prof. Dr. Peter Jürgen Goebell
Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) Ernst-Günther Carl
Udo Ehrmann
Joachim Guderian
Werner Seelig
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und
Familienmedizin (DEGAM)
Prof. Dr. Thomas Kötter
Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Deutsche Gesellschaft für Humangenetik (GfH) Dr. Bernd Auber - *
PD Dr. Alexander Volk
Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische
Onkologie (DGHO)
Prof. Dr. Ulrich Kaiser
Prof. Dr. Bernhard Wörmann
Prof. Dr. Gunhild von Amsberg
Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und
Laboratoriumsmedizin (DGKL)
Prof. Dr. Stefan Holdenrieder
Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) Prof. Dr. Matthias Eiber
Prof. Dr. Ken Herrmann
Prof. Dr. Bernd Krause
Prof. Dr. Kambiz Rahbar
Prof. Dr. Ali Afshar-Oromieh -
Stellvertreter
1.9 Zusammensetzung der Leitliniengruppe
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Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen
(alphabetisch)
Personen
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) Dr. Peter Kirschner
Dr. Claudia Schmalz - Stellvertreterin
Deutsche Gesellschaft für Pathologie (DGP) Prof. Dr. Arndt Hartmann
Prof. Dr. Glen Kristiansen
Prof. Dr. Guido Sauter
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) Prof. Dr. Daniel Aebersold
Prof. Dr. Ute Ganswindt
PD Dr. Nina-Sophie Schmidt-
Hegemann
Prof. Dr. Thomas Wiegel
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin
(DEGUM)
Prof. Dr. Stephan Kruck
Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) Prof. Dr. Peter Albers
PD Dr. Burkhard Beyer
Prof. Dr. Andreas Blana
Prof. Dr. Christian Bolenz
Prof. Dr. Angelika Borkowetz
Prof. Dr. Martin Burchardt
Prof. Dr. Maximilian Burger
Prof. Dr. Michael Fröhner
Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm
Prof. Dr. Boris Hadaschik
Prof. Dr. Oliver Hakenberg
Prof. Dr. Axel Heidenreich
Prof. Dr. Julia Heinzelbecker
Dr. Thomas-Oliver Henkel
PD Dr. Thomas Höfner
PD Dr. Anne-Sophie Knipper
Prof. Dr. Tillmann Loch
Prof. Dr. Gerd Lümmen
Dr. Stefan Machtens
Prof. Dr. Carsten-Henning Ohlmann
Prof. Dr. Manuel Ritter
Prof. Dr. Martin Schostak
Prof. Dr. Stefan Siemer
Prof. Dr. Dr. Arnulf Stenzl
Prof. Dr. Thomas Steuber
Prof. Dr. Derya Tilki
Dr. Sigrid Wagner - *
Prof. Dr. Friedhelm Wawroschek
1.10 Abkürzungsverzeichnis
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Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen
(alphabetisch)
Personen
Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) Prof. Dr. Tobias Franiel
Prof. Dr. Sascha Kaufmann
Prof. Dr. Lars Schimmöller
Prof. Dr. Dipl.-Phys. Heinz-Peter
Schlemmer
*Die DGU benannte zusätzlich Herrn Dr. Bernd Auber (Deutsche Gesellschaft für Humangenetik (DfG))
und Frau Dr. Sigrid Wagner (Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU)), diese waren für diese Version
nicht aktiv an der Erstellung der Leitlinie beteiligt.
1.9.3 Arbeitsgruppen und deren Mitglieder
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
1.9.4 Patientenbeteiligung
Während des gesamten Erstellungsprozesses waren Patientenvertreter (Herr Carl,
Herr Ehrmann, Herr Guderian, Herr Seelig) des Bundesverbandes Prostatakrebs
Selbsthilfe e. V. an der Erarbeitung und Abstimmung der Empfehlungen direkt
beteiligt.
1.9.5 Methodische Begleitung
• Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften, AWMF (Dr. Monika Nothacker)
• Leitlinienprogramm Onkologie, OL (Dr. Markus Follmann, Thomas Langer,
Gregor Wenzel)
• UroEvidence (Anne Berkholz, Dr. Julia Lackner, Dr. Stefanie Schmidt)
1.10 Abkürzungsverzeichnis
Tabelle 2: Abkürzungsverzeichnis
Abkürzung Erläuterung
ADT Androgendepivationstherapie
AHB Anschlussheilbehandlung
AP Anteroposterior
ARPI Androgenrezeptor-Signalweg Inhibitoren (engl.: Androgen receptor pathway
inhibitor)
AS Aktive Überwachung (engl.: Active Surveillance)
ASA American Society of Anesthesiologists
1.10 Abkürzungsverzeichnis
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15
Abkürzung Erläuterung
ASAP Atypische kleine drüsige Proliferation (engl.: atypical small acinar proliferation)
ATYP Atypische Drüsen, die auf Prostatakrebs hindeuten (engl.: atypical glands suspicious
for prostate Cancer
AVPC Aggressive Variante eines Prostatakarzinoms (engl.: aggressive variant prostate
cancer)
AWMF Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V.
CRPC kastrationsresistentes Prostatakarzinom (engl.: castration-resistant prostate cancer)
CT Computertomographie
DGU Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.
DKG Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
DKH Stiftung Deutsche Krebshilfe
DNS Desoxyribonukleinsäure
DRU Digital-rektale Untersuchung
EAU European Association of Urology
EBRT perkutane Strahlentherapie / external beam radiotherapy
ECOG Eastern Cooperative Oncology Group
EK Expertenkonsens
FDG Fluordesoxyglucose
GG Gradierungsgruppe nach ISUP (engl.: Grade Group)
GnRH Gonadotropin-Releasing-Hormone
GoR Grad der Empfehlung (engl.: Grade of Recommendation)
Gy Kurzbezeichnung für die Maßeinheit der Energiedosis Gray
HDR Hohe Dosisrate (engl.: high dose rate)
HE Hämatoxylin-Eosin-Färbung
HIFU Hochintensiver fokussierter Ultraschall
1.10 Abkürzungsverzeichnis
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16
Abkürzung Erläuterung
HRR homologe Rekombinationsreparatur
HT Hormontherapie
ICI Intrakavernöse Injektionen (engl.: Intracavernosal injections)
IDC-P Intraduktales Karzinom der Prostata (engl.: intraductal carcinoma of the prostate)
IGRT Bildgesteuerte Strahlentherapie (engl.: image-guided radiation therapy)
IMRT intensitätsmodulierte Radiotherapie
IRE Irreversible Elektroporation
ISUP International Society of Urologic Pathology, Internationale Gesellschaft für
Urologische Pathologie
ISAR Identification of Seniors at Risk
KI Konfidenzintervall
LDR Niedrige Dosisrate (engl.: low-dose rate)
mCRPC Metastasiertes, kastrationsresistentes Prostatakarzinom (engl.: metastatic
castration-resistant prostate cancer)
mHSPC Metastasiertes, hormonsensitives Prostatakarzinom (engl.: metastatic hormone-
sensitive prostate cancer)
MMR Fehlpaarungsreparatur (engl.: MismatchRepair)
mpMRT multiparametrische Magnetresonanztomografie
MRT Magnetresonanztomographie
MUSE System zur Behandlung einer erektilen Dysfunktion (engl.: medicated urethral system
for erection)
NCCN National Comprehensive Cancer Network
NEPC Neuroendokrines Prostatakarzinom (engl.: neuroendocrine prostate cancer)
nmCRPC Nicht-metastasiertes, kastrationsresistentes Prostatakarzinom (engl.: nonmetastatic,
castration-resistant prostate cancer)
OL Leitlinienprogramm Onkologie
PARP Poly(ADP-ribose) Polymerase
1.10 Abkürzungsverzeichnis
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17
Abkürzung Erläuterung
PARPI Poly(ADP-ribose) Polymerase-Inhibitoren
PDE Phosphodiesterase
PET Positronen-Emissions-Tomographie
PET/CT Positronen-Emissions-Tomographie/Computertomographie
PI-RADS Prostate Imaging Reporting and Data System
PIN Prostatische intraepitheliale Neoplasie
Pn1 Perineuralscheideninfiltration
PSA Prostata-spezifisches Antigen
PSMA Prostata-spezifisches Membranantigen
RCT Randomisierte kontrollierte Studie / Randomized Controlled Trial
RFA Radiofrequenzablation
RPE Radikale Prostatektomie
RT Radiotherapie (engl.: radiotherapy)
S3 Qualitätsstufe einer Leitlinie nach AWMF-Klassifikation
SBRT Stereotaktische Bestrahlung (engl.: stereotactic body radiation therapy)
SKAT Schwellkörper-Autoinjektionstherapie
SIGN Scottish Intercollegiate Guidelines Network
SRT Salvageradiotherapie
TNM Tumor, Node, Metastasis (Staging-System); Präfix c: klinisch, Präfix p: pathologisch
TURP Transurethrale Resektion der Prostata
VTP Vaskulär-gezielte photodynamische Therapie (engl.: vascular-targeted photodynamic
therapy)
WHO Welt-Gesundheitsorganisation (engl.: World Health Organization)
1.10 Abkürzungsverzeichnis
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18
2 Einführung
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
3.1 Epidemiologie
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19
3 Epidemiologie, Risikofaktoren,
Prävention und Ernährung
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
3.1 Epidemiologie
3.2 Risikofaktoren
3.2.1 Risikofaktoren für das Auftreten eines Prostatakarzinoms
Nr. Empfehlungen/Statements
3.1 Männer sollen darauf hingewiesen werden, dass das Alter der wichtigste Risikofaktor für
das Auftreten eines Prostatakarzinoms ist.
(Zu den Konsequenzen in Hinblick auf Früherkennung und Screening siehe Kapitel 4.1.2
„PSA und DRU in Früherkennung/ Screening“).
GoR: A Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
3.2 Männer, deren Brüder und/oder Väter an einem Prostatakarzinom erkrankt sind/waren,
sollen auf das über zweifach erhöhte Risiko aufmerksam gemacht werden, im Laufe ihres
Lebens ein Prostatakarzinom zu entwickeln.
GoR: A Evidenzlevel: 2++ Quellen: [1], [2], [3]
3.2.2 Testosteronsubstitution
Nr. Empfehlungen/Statements
3.3 Bei hypogonadalen Patienten ohne klinisch erkennbares Prostatakarzinom kann
Testosteron substituiert werden. Bisher wurde ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines
Prostatakarzinoms nicht nachgewiesen.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1+ Quellen: [4], [5], [6], [7], [8], [9], [10], [11], [12]
3.4 Bei Nachweis eines Hypogonadismus soll der Patient vor einer Testosteronsubstitution
digital-rektal untersucht und der PSA-Wert soll bestimmt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
3.3 Prävention und Ernährung
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20
3.3 Prävention und Ernährung
Nr. Empfehlungen/Statements
3.5 Männer sollen über eine gesunde Lebensweise beraten werden. Hierzu gehören Aspekte der
Ernährung, der körperlichen Bewegung und der psychosozialen Situation.
GoR: A Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
3.6 Die Einnahme von 5-alpha-Reduktase-Hemmer(n) reduziert die Häufigkeit des Nachweises
von Prostatakarzinomen und Präneoplasien (High-Grade Prostatic Intraepithelial Neoplasia
(PIN)). Allerdings existieren keine Hinweise zur Auswirkung auf tumorspezifische Mortalität
oder Gesamtmortalität. Der PSA-Wert wird durch 5-alpha-Reduktase-Hemmer abgesenkt. In
Deutschland sind 5-alpha-Reduktase-Hemmer zur Prävention des Prostatakarzinoms nicht
zugelassen.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Quellen: [13], [14], [15], [16]
Expertenmeinung
4.1 Früherkennung
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21
4 Früherkennung, Diagnostik und
Stadieneinteilung
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
4.1 Früherkennung
4.1.1 Definition und allgemeine Anmerkungen
4.1.2 Tests zur Früherkennung des Prostatakarzinoms
Nr. Empfehlungen/Statements
4.1 Zur Früherkennung von Prostatakarzinomen soll keine digital-rektale
Untersuchung erfolgen.
GoR: A Evidenzlevel: 2+ Quellen: [17], [18], [19]
4.2 Männer ab dem Alter von 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von mindestens
10 Jahren, die eine Prostatakarzinom-Früherkennung wünschen, sollen
ergebnisoffen über die Vor- und Nachteile beraten werden (siehe Tabelle 3).
Konsensbasierte Empfehlung
4.3 Männern, die nach dieser Beratung weiter eine Früherkennung wünschen, soll die
Bestimmung eines Prostata-spezifischen Antigen (PSA)-Wertes angeboten werden.
Konsensbasierte Empfehlung
4.4 Entsprechend der Höhe des PSA-Wertes soll eine Risikozuordnung und eine
risikoadaptierte Empfehlung zur Früherkennungsstrategie und weiteren
Diagnostik erfolgen.
Basis-PSA-Wert Risikozuordnung Empfehlung
<1,5 ng/ml niedriges Risiko 5-jährliche Intervalle
1,5 ng/ml – 2,99 ng/ml intermediäres Risiko 2-jährliche Intervalle
≥3 ng/ml (kontrolliert) hohes Risiko Diagnostik
GoR: A Evidenzlevel: 1-, 3 Quellen: [17], [20], [21], [22], [23], [24]
4.1 Früherkennung
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22
Nr. Empfehlungen/Statements
4.5 Ein erhöhter PSA-Wert ≥3 ng/ml soll vor der weiteren Diagnostik unter
Berücksichtigung von Einflussfaktoren innerhalb von 3 Monaten kontrolliert
werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1- Quellen: [25], [17], [23]
4.6 Bei einem kontrolliert erhöhten PSA-Wert ≥3 ng/ml soll eine urologische
Konsultation erfolgen. Bestätigt sich dabei ein Risiko für ein Prostatakarzinom,
soll eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata erfolgen.
GoR: A Evidenzlevel: 1-, 2+ Quellen: [21], [26], [27], [28], [20], [17], [29],
[23]
4.7 Männern mit einer familiären Belastung (≥ ein erstgradig Verwandter) soll ein
PSA-basiertes Screening ab einem Alter von 45 Jahren angeboten werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Verknüpfte Empfehlungen: 4.8, 4.9, 4.10
4.8
4.9
4.10
Männern ab einem Alter von 40 Jahren mit einer pathogenen Variante in den
Genen BRCA2, MSH2 oder MSH6 sollte eine Konsultation im Rahmen einer
Risikosprechstunde angeboten werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Bei Vorliegen einer pathogenen Variante in den Genen BRCA2, MSH2 oder MSH6
sollen eine PSA-Bestimmung und eine MRT der Prostata erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
Bei Vorliegen einer pathogenen Variante und PI-RADS 3-5 in der MRT und/oder
einem PSA-Wert von ≥3 ng/ml sollte eine MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie der
Prostata empfohlen werden.
Konsensbasierte Empfehlung
4.2 Diagnostik
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23
Tabelle 3: Vor- und Nachteile eines PSA-basierten Prostatakarzinom-Screenings
Vorteile • Reduktion der Sterblichkeit am Prostatakarzinom bzw. der Metastasierung
[20]:
o ca. 3 von 1.000 gescreenten Männern sterben nicht am
Prostatakarzinom
o ca. 4 von 1.000 gescreenten Männern bekommen keine Metastasen
• Reduktion der Früherkennungsuntersuchungen durch einen Basis-PSA-Wert
im Alter von 45 Jahren [17]:
o 9 von 10 Männer haben im Alter von 45 Jahren einen Basis-PSA-Wert
<1,5 ng/ml und benötigen dann für 5 Jahre keinen weiteren Test
Nachteile • psychologische Belastung und Nebenwirkung der Diagnostik bei früh
erkannten, aber nicht lebensbedrohlichen Tumoren [30], [31]
• sog. „Überdiagnose“ bei ca. 14 Männern, um einen Todesfall zu vermeiden
[20]
• Gefahr der „Übertherapie“, wenn Tumore, die nicht lebensbedrohlich sind,
operiert oder bestrahlt werden [20], [17]
• unnötige Diagnostik bei erhöhten Basis-PSA-Werten ohne Tumornachweis
(falsch-positiver Befund, 3 von 10 MRTs zeigen einen unauffälligen Befund, 3
von 4 Biopsien bei erhöhtem PSA-Wert zeigen keinen Tumor, 1 von 4 Biopsien
nach auffälliger MRT zeigen keinen Tumor [32])
• geringe Wahrscheinlichkeit einer falschen Sicherheit durch unauffällige
Basis-PSA-Werte trotz Nachweis eines klinisch signifikanten Tumors (falsch-
negativer Befund; 0,7 von 1.000) [17]
• häufige Wiederholung von PSA-Tests bei 1 von 10 Männern mit einem Basis-
PSA Wert von 1,5-3 ng/ml (alle zwei Jahre) [17]
• in seltenen Fällen (1,0-1,4 %) führt die Biopsie zu behandlungsbedürftigen
Infektionen [33]
4.2 Diagnostik
Nr. Empfehlungen/Statements
4.11 Bei klinischem Verdacht auf ein Prostatakarzinom (erhöhter PSA-Wert,
Symptome) sollen Männer im Rahmen einer urologischen Konsultation über die
Vor- und Nachteile einer Diagnostik und deren Konsequenzen beraten werden.
Insbesondere soll über die Aussagekraft von positiven und negativen
Testergebnissen, Überdiagnosen sowie über gegebenenfalls erforderliche weitere
Maßnahmen informiert werden.
Konsensbasierte Empfehlung
4.2 Diagnostik
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Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 4.12, 4.13
4.12
4.13
Eine MRT der Prostata im Rahmen der Primärdiagnostik soll ab einer bestätigten
Erhöhung des PSA-Werts von >3 ng/ml und vor einer Biopsie erfolgen, sofern
hieraus handlungsrelevante Konsequenzen resultieren.
GoR: A Evidenzlevel: 2++, 2- Quellen: [34], [35], [36], [37], [27], [28], [29],
[38], [39]
Vor der Durchführung einer MRT der Prostata soll das individuelle Risiko zur
Detektion eines Prostatakarzinoms unter Berücksichtigung des Alters, der
Anamnese, der mutmaßlichen Lebenserwartung, der familiären Belastung, der
digital-rektalen Untersuchung und der Ultraschall-gestützten Bestimmung der
PSA-Dichte mit dem Patienten besprochen werden.
GoR: A Evidenzlevel: 2+, 1- Quellen: [40], [35], [36], [37], [27], [28], [41],
[42]
4.14 Bei klinischem Verdacht auf ein fortgeschrittenes Prostatakarzinom oder wenn
eine Kontraindikation für eine MRT vorliegt, kann eine histologische Sicherung
ohne vorangegangene MRT erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
4.15 Die Durchführung einer MRT soll entsprechend den aktuellen Qualitätsstandards
und die Befundung durch einen für die MRT der Prostata zertifizierten Radiologen
(Q2-Zertifikat der Deutsche Röntgengesellschaft) erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
4.16 Die Stanzbiopsie soll unter Berücksichtigung aller bildmorphologischen
Information erfolgen.
GoR: A Evidenzlevel: 1+, 2++ Quellen: [34], [35], [36], [37], [43], [44]
4.17 Die in der MRT beschriebenen Karzinom-suspekten Herde (PI-RADS 4 und 5) sollen
durch die Entnahme von 2-3 Zylindern pro Herd gezielt biopsiert werden.
GoR: A Evidenzlevel: 2++ Quellen: [34], [35], [36], [37]
4.18 PI-RADS 3 Befunde in der MRT der Prostata sollen bei niedrigem individuellem
Risiko nicht biopsiert werden.
GoR: A Evidenzlevel: 2++ Quellen: [34], [35], [36], [37]
4.2 Diagnostik
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Nr. Empfehlungen/Statements
4.19 Die gezielte Biopsie sollte über eine Software-basierte MRT/Ultraschall-
Fusionsbiopsie, oder als MRT-gestützte Biopsie („in-bore“ 1 ) erfolgen.
1 gezielte Biopsie direkt im MRT
GoR: B Evidenzlevel: 2++ Quellen: [34]
4.20 Zusätzlich zur MRT-gezielten Biopsie sollte im Rahmen der Erstbiopsie eine
systematische Biopsie erfolgen.
GoR: B Evidenzlevel: 2++ Quellen: [34],[35], [36], [37]
4.21 Im Rahmen der Re-Biopsie nach tumorfreier Erstbiopsie kann auf eine zusätzliche
systematische Biopsie verzichtet werden, wenn die systematische Biopsie initial
durchgeführt wurde.
GoR: 0 Evidenzlevel: 2++ Quellen: [34], [35], [36], [37]
4.22 Eine periläsionale Biopsie (in der Penumbra der MRT-suspekten Läsion) kann
durchgeführt werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 2++, 2+ Quellen: [45],[46], [47], [48]
4.23 Bei PI-RADS 1 und 2 Befunden soll keine Biopsie durchgeführt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
4.24 Die transrektale Ultraschalluntersuchung, auch als Hochfrequenz-Ultraschall,
kann als ergänzende bildgebende Diagnostik eingesetzt werden, wenn sie den
geltenden Qualitätsanforderungen genügt.
GoR: 0 Evidenzlevel: 2++ Quellen: [49], [50], [51], [52]
4.25 Eine auf künstlicher Intelligenz-basierte Ultraschall-Bildanalyse kann bei
transrektal Ultraschall-gestützter Biopsie genutzt werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1+ Quellen: [53], [54], [44]
4.26 Andere Ultraschall-Untersuchungsmethoden, wie der Kontrastmittel-verstärkte
Ultraschall, Ultraschall-Elastographie und Histoscanning sollen nicht zur
Primärdiagnostik eingesetzt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1-, 3 Quellen: [55], [56], [57], [58], [59], [60], [61],
[62]
4.2 Diagnostik
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26
Nr. Empfehlungen/Statements
4.27 Die erneute gezielte Biopsie kann auch in Form einer MRT „in-bore“ 1 -Biopsie
durchgeführt werden.
1 gezielte Biopsie direkt im MRT
GoR: 0 Evidenzlevel: 1- Quellen: [63], [64], [65], [66], [67], [68]
4.28 Nach negativer systematischer Biopsie ohne vorherige MRT soll bei
fortbestehendem Karzinom-Verdacht eine Bildgebung mittels MRT, den geltenden
Qualitätsstandards entsprechend, erfolgen.
GoR: A Evidenzlevel: 2++ Quellen: [69], [70], [65], [68]
4.29 Nach negativer Re-Biopsie soll bei gleichbleibenden klinischen Parametern (PSA,
PSA-Dichte) keine weitere invasive Intervention erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
4.30 Die Stanzbiopsie soll gezielt unter bildgebender Kontrolle unter Einbeziehung der
Lokalisationsinformationen transperineal oder transrektal erfolgen.
GoR: A Evidenzlevel: 1++, 1- Quellen: [33], [71], [32]
4.31 Bei Durchführung einer systematischen Stanzbiopsie im Rahmen einer gezielten
Biopsie oder wenn eine MRT nicht durchgeführt werden kann, sollen alle
Sextanten der Prostata mit insgesamt zehn bis zwölf Gewebezylindern abgedeckt
werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1++ Quellen: [72]
4.32 Die transrektale Stanzbiopsie soll unter Antibiotikaprophylaxe erfolgen.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [73], [74]
4.33 Bei Risikopatienten sollte ein Rektalabstrich erfolgen.
GoR: B Evidenzlevel: 1++, 1- Quellen: [33], [71], [32]
4.34 Povidon-Jod kann bei der transrektalen Biopsie angewendet werden.
Konsensbasierte Empfehlung
4.2 Diagnostik
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
27
Nr. Empfehlungen/Statements
4.35 Bei der transperinealen Stanzbiopsie kann auf eine Antibiotikaprophylaxe
verzichtet werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1++, 1- Quellen: [75], [76], [33], [32], [71]
4.36 Zur Verminderung des Schmerzempfindens während der Stanzbiopsie der
Prostata soll eine Anästhesie vorgenommen werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1++ Quellen: [77], [78], [79], [80], [81], [82]
4.37 Männern mit metastasiertem Prostatakarzinom soll eine Vorstellung in einer
humangenetischen Sprechstunde und eine Keimbahn-Testung Prostatakarzinom-
relevanter Gene angeboten werden.
Konsensbasierte Empfehlung
4.38 Männer mit einem Prostatakarzinom und einem Hinweis auf ein familiäres
Tumorrisikosyndrom (u.a. erblicher Brust-/Eierstockkrebs, Lynch-Syndrom) soll
eine Vorstellung in einer humangenetischen Sprechstunde und eine Keimbahn-
Testung angeboten werden.
Konsensbasierte Empfehlung
4.2 Diagnostik
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28
Abbildung 1: Algorithmus zur Früherkennung und Diagnostik des Prostatakarzinoms
mit Verweis auf ausgewählte Empfehlungen
4.3 Stadieneinteilung
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29
4.3 Stadieneinteilung
Nr. Empfehlungen/Statements
4.39 Zur Bestimmung der klinischen T-Kategorie sollen der digital-rektale Untersuchungsbefund
und die Magnetresonanztomographie herangezogen werden.
GoR: A Evidenzlevel: 2- Quellen: [83], [84]
4.40 Patienten mit Tumorkategorie cT1 und low-risk-Parametern sollen nach
Magnetresonanztomographie vor Biopsie keine bildgebenden Untersuchungen zum Staging
(Skelettszintigrafie, Computertomographie, Positronen-Emissions-
Tomographie/Computertomographie) erhalten.
Konsensbasierte Empfehlung
4.41 Für Patienten mit günstigem intermediärem Risiko (favorable intermediate risk) besteht
ein geringes Risiko für Metastasen. Daher sollte von einer weiteren Ganzkörper-Staging-
Bildgebung abgesehen werden.
Konsensbasierte Empfehlung
4.42 Die PSMA-PET-Bildgebung hat eine höhere Genauigkeit für den Nachweis von
Prostatakarzinom-Metastasen als die Kombination aus Computertomographie und
Knochenszintigraphie.
GoR: ST Evidenzlevel: 1+, 2- Quellen: [85], [86], [83], [87]
4.43 Patienten mit einem unfavorable intermediate risk oder high risk/very high risk
Prostatakarzinom sollen vor der Entscheidung über eine therapeutische Maßnahme ein
Staging erhalten.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [85], [88]
4.44 Die PSMA-PET/CT soll beim Prostatakarzinom mit Risikofaktoren für eine
Fernmetastasierung (ISUP GG ≥3 oder T-Kategorie cT3/cT4 oder PSA ≥20 ng/ml) zur
Ausbreitungsdiagnostik eingesetzt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+, 2- Quellen: [85], [86], [87], [83]
4.45 Nomogramme können bei nachgewiesenem Prostatakarzinom zur Einschätzung der
lokalen Ausbreitung und der Prognose herangezogen werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 2+ Quellen: [89], [90], [91]
4.3 Stadieneinteilung
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30
Nr. Empfehlungen/Statements
4.46 Im Falle der Verwendung sollen extern validierte Nomogramme benutzt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Tabelle 4: Risikogruppen nach D’Amico (D’Amico AV et al. 1998)
Das lokal begrenzte Prostatakarzinom wird nach D´Amico et al. 1998 bezüglich der
Entwicklung eines Rezidivs in Risikogruppen eingeteilt [92]:
Niedriges Risiko PSA ≤10 ng/ml und ISUP-Grad 1 (Gleason-Score 6) und cT-Kategorie 1c, 2a.
Intermediäres
(im Folgenden:
mittleres) Risiko
PSA >10 ng/ml - 20 ng/ml oder ISUP-Grad 2 oder 3 (Gleason-Score 7) oder cT-
Kategorie 2b.
Hohes Risiko PSA > 20 ng/ml oder ISUP-Grad ≥4 (Gleason-Score ≥8) oder cT-Kategorie 2c
[92], [93]
4.3 Stadieneinteilung
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31
Tabelle 5: Risikogruppeneinteilung (nach NCCN 1.2025; eigene Übersetzung)
Risikogruppe Klinische und pathologische Faktoren
Sehr niedrig Erfüllt alle der folgenden Kriterien:
• cT1c
• ISUP-Grad 1
• PSA <10 ng/mL
• <3 positive Biopsiezylinder, ≤50 % Tumorinfiltration je Zylinder
• PSA-Dichte <0,15 ng/mL/g
Niedrig Erfüllt alle der folgenden Kriterien, aber nicht die Voraussetzungen für ein sehr
niedriges Risiko
• cT1-cT2a
• ISUP-Grad 1
• PSA <10 ng/mL
Intermediär Erfüllt alle der folgenden
Kriterien:
• Keine
Hochrisikofaktoren
• Keine sehr hohen
Risikofaktoren
Erfüllt ≥1 intermediären
Risikofaktor:
• cT2b-cT2c
• ISUP-Grad 2 oder 3
• PSA 10-20 ng/mL
Günstig
intermediär
Erfüllt alle der folgenden
Kriterien:
• 1 intermediärer
Risikofaktor
• ISUP-Grad 1 oder 2
• <50 % positive
Biopsiezylinder (z. B. <6
von 12 Stanzen)
Ungünstig
intermediär
Erfüllt ≥1 der folgenden Kriterien:
• 2 oder 3 intermediäre
Risikofaktoren
• ISUP-Grad 3
• ≥50 % positive
Biopsiezylinder (z.B. ≥6
von 12 Stanzen)
Hoch Erfüllt ≥1 Hochrisikofaktor, aber nicht die Kriterien für ein sehr hohes Risiko:
• cT3-cT4
• ISUP-Grad 4 oder 5
• PSA >20 ng/mL
Sehr hoch Erfüllt mindestens zwei der folgenden Kriterien:
• cT3-cT4
• ISUP-Grad 4 oder 5
• PSA >40 ng/mL
Quelle: [94]
4.3 Stadieneinteilung
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32
Tabelle 6: EAU-Risikoeinteilung für das lokal begrenzte und lokal fortgeschrittene
Prostatakarzinom (nach EAU Guideline, LIMITED UPDATE APRIL 2024)
Definition
Niedrigrisiko Intermediäres Risiko Hochrisiko
PSA <10 ng/ml
und ISUP Grad 1
und cT1-2a*
PSA 10–20 ng/ml
oder ISUP Grade 2 oder 3
oder cT2b*
PSA >20 ng/ml
oder ISUP Grade 4 oder 5
oder cT2c*
jeder PSA-Wert
jeder ISUP-Grade
cT3-4* oder cN+**
Lokal begrenzt Lokal
fortgeschritten
ISUP = International Society of Urological Pathology; PSA = prostate-specific antigen;
* basierend auf der digital rektalen Untersuchung;
** basierend auf konventioneller Bildgebung (CT/Knochenszintigraphie)
5.1 Allgemeine Grundsätze
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33
5 Pathologisch-anatomische Diagnostik
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
5.1 Allgemeine Grundsätze
5.1.1 Erforderliche klinische Angaben und Entnahme von
Gewebeproben
Nr. Empfehlungen/Statements
5.1
• Dem Pathologen sollen folgende Angaben übermittelt werden: Patientendaten, Art
der Entnahme (z. B. Stanzbiopsie, radikale Prostatektomie, transurethrale
Resektion, Enukleation), Entnahmelokalisation der Gewebeproben sowie weitere
relevante klinische Informationen (PSA-Werte, Ergebnisse der digitalen rektalen
Untersuchung und bildgebender Verfahren (PI-RADS), vorausgegangene
antiandrogene/hormonablative Behandlung, lokale Vorbehandlung).
• Das Prostatektomiepräparat soll ohne vorherige Gewebsentnahme an den
Pathologen übersandt werden, um Artdiagnose des Tumors, Bestimmung der pT-
Kategorie und Beurteilung des Resektionsrands nicht zu beeinträchtigen.
• Für Gewebsentnahmen im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen siehe
Empfehlung 5.24.
• Die Fixierung soll in einem ausreichenden Volumen vierprozentiger wässriger
Formaldehydlösung (gepuffert) erfolgen (Volumen: Gewebe mindestens 3: 1).
Konsensbasierte Empfehlung
5.1.2 Histopathologische Karzinomdiagnose und
Differenzialdiagnose
Nr. Empfehlungen/Statements
5.2 Zur Diagnose des azinären Adenokarzinoms der Prostata sind in der Regel folgende
histomorphologische Kriterien erforderlich: 1. Architekturstörungen + 2. Kernatypie + 3.
Ausschluss einer benignen Läsion.
• Sind nur zwei der genannten Kriterien vorhanden, sollte die Diagnose atypischer
Drüsen bzw. einer sogenannten atypischen mikroglandulären Proliferation
(„atypical small acinar proliferation – ASAP“) oder „atypical glands suspicious for
prostate cancer – ATYP“ gestellt werden.
• Zum Nachweis des Fehlens von Basalzellen sollten in unklaren Fällen geeignete
immunhistochemische Färbungen durchgeführt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.1 Allgemeine Grundsätze
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34
Nr. Empfehlungen/Statements
5.3 In Fällen mit konventionell-morphologisch eindeutig benignen oder malignen Läsionen soll
keine Immunhistochemie durchgeführt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.4 In den Fällen, in denen mit konventionell-morphologischen Methoden die Dignität einer
Läsion nicht eindeutig festzustellen ist, soll eine immunhistochemische Abklärung mit ein
oder zwei Basalzellmarkern erfolgen. Zusätzlich können Positivmarker des
Prostatakarzinoms eingesetzt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.5 Das Prostatakarzinom soll gemäß der aktuellen WHO-Klassifikation histologisch typisiert
werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.6 Bei Vorliegen einer prostatischen intraepithelialen Neoplasie (PIN) soll im
histopathologischen Befund nur die „High-Grade-PIN“ erwähnt werden, mit einem
zusätzlichen Hinweis auf ein uni- oder multifokales Auftreten.
Konsensbasierte Empfehlung
5.1.3 Grading
Nr. Empfehlungen/Statements
5.7 Bei der Angabe des Tumorgrades soll die Angabe des Gleason-Scores nach aktueller
ISUP/WHO-Klassifikation erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
5.8 Eine intraduktale Tumorkomponente (IDC-P nach WHO-Definition) soll in der Diagnose
erwähnt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.9 Bei einem Gleason-Score von 7 (WHO/ISUP Graduierungsgruppen/Grade Groups 2-3) sollen
cribriforme Tumorkomponenten im Kommentar erwähnt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.2 Spezielle Aspekte für verschiedene Gewebepräparate
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35
5.2 Spezielle Aspekte für verschiedene
Gewebepräparate
5.2.1 Stanzbiopsie
Nr. Empfehlungen/Statements
5.10 Jede Gewebeprobe soll eindeutig einer Lokalisation zuzuordnen sein.
Vom Pathologen sollen Anzahl und Länge der Gewebeproben bestimmt werden. Die
Stanzzylinder sollen flach und in der gesamten Länge eingebettet und in Stufenschnitten
aufgearbeitet werden (mindestens drei repräsentative Schnittstufen pro Paraffinblock).
Konsensbasierte Empfehlung
5.11 Bei positivem Karzinomnachweis sollen folgende Informationen vom Pathologen an den
Einsendenden übermittelt werden:
• Anzahl und Lokalisation Karzinom-positiver Gewebeproben;
• Quantitative Abschätzung der Tumorausdehnung (in mm);
• Gleason-Score gemäß aktueller ISUP/WHO-Klassifikation;
• wenn beurteilbar, sollen Perineuralscheideninfiltration (Pn1), eine
Kapselinfiltration, ein kapselüberschreitendes Wachstum und eine
Samenblaseninfiltration angegeben werden;
• bei gezielten Biopsien mit mehreren Stanzen aus einem bildgebenden Herd werden
diese im Gleason-Score zusammengefasst;
• bei systematischen Biopsien werden pro Stanze die Tumorausdehnung und der
Gleason-Score bestimmt.
Konsensbasierte Empfehlung
5.12 Unabhängig vom Karzinomnachweis sollen Angaben zur Repräsentativität der Proben
sowie zu PSA-relevanten Befunden (z. B. unspezifische oder granulomatöse Prostatitis,
noduläre Hyperplasie, Infarkt) gemacht werden.
Falls bei fehlendem Karzinomnachweis Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Biopsien
nicht repräsentativ sind, soll dies im Befund angegeben werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.13 Nach hormonablativer/antiandrogener Therapie, Bestrahlung oder fokaler Therapie kann
ein semiquantitatives Regressionsgrading („gering, mäßig, stark“) durchgeführt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.2 Spezielle Aspekte für verschiedene Gewebepräparate
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36
5.2.2 Präparat aus radikaler Prostatektomie
Nr. Empfehlungen/Statements
5.14 Folgendes Vorgehen soll bei der makroskopischen Bearbeitung eingehalten werden:
• Prostatektomiepräparate sollen in drei Dimensionen (mm) ausgemessen werden.
• Zur Bestimmung des minimalen Randsaums soll das Präparat ventral und dorsal
verschiedenfarbig mit Tusche markiert werden.
• Vesikale (=basale) und apikale Absetzungsflächen sollen ebenfalls mit Tusche
markiert werden. Beide Flächen sollen in Form 3-5 mm dicker Scheiben im rechten
Winkel zur Urethra abgetrennt werden.
• Die Scheiben sollen anschließend parasagittal lamelliert und eingebettet werden.
• Die Absetzungsränder beider Samenleiter und beide Samenblasen sollen
seitengetrennt eingebettet werden.
• Das Prostatektomiepräparat soll in der transversalen Ebene in 3-5 mm dicke
Scheiben lamelliert und repräsentativ oder komplett eingebettet werden
(Großflächenschnitte oder orientiert in normalen Histologiekapseln).
Konsensbasierte Empfehlung
5.15 Bei der mikroskopischen Begutachtung sollen folgende Angaben gemacht werden:
• Angabe der Karzinomlokalisation (anatomische Zonen);
• Angabe der pT-Kategorie sowie weiterer Parameter zum Prostatakarzinom (wie
für die Stanzbiopsie);
• Wegen der prognostischen Relevanz Unterteilung der Kategorie pT3a
(Kapselüberschreitung = Tumor im Fettgewebe) nach Epstein et al. 1996 [96] in
fokale Kapselpenetration (wenige Tumordrüsen unmittelbar außerhalb der
Prostata in ein bis zwei Schnitten) und etablierte Kapselpenetration (= höheres
Ausmaß der Penetration);
• Angabe zum chirurgischen Resektionsrand;
• Bei R1-Status (definiert als positiver Schnittrand) aufgrund eines nicht tumorfreien
Randsaums sollen der Ort der Randbeteiligung durch das Karzinom (posterior,
postero-lateral, anterior, apikal, proximal-vesikal, distal-urethral), die
Ausdehnung der Beteiligung (in mm), das Gleason-Muster am positiven
Schnittrandes sowie das Fehlen oder Vorhandensein der Prostatakapsel in diesem
Bereich angegeben werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.16 Zusätzlich zur Unterklassifikation des pT2-Karzinoms (Prostatektomiepräparat) soll ein
metrisches Maß für die Tumorgröße angegeben werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.3 Prognostische Faktoren für das Prostatakarzinom
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37
5.2.3 Transurethrales Resektionsmaterial ("TUR-P") und
enukleierte noduläre Hyperplasie (sogenanntes
Adenektomiepräparat)
Nr. Empfehlungen/Statements
5.17 Das Material soll gewogen werden. Es sollten mindestens zehn Kapseln eingebettet werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.2.4 Regionale Lymphadenektomie
Nr. Empfehlungen/Statements
5.18 Es sollen zur Bestimmung der Lymphknotenkategorie alle Lymphknoten makroskopisch
präpariert und dann eingebettet, untersucht und gezählt werden. Die Lymphknoten sollen
getrennt nach den angegebenen Regionen beurteilt werden. Nach histologischer
Untersuchung soll die pN-Kategorie (pN0 oder pN1) festgelegt werden. Die Gesamtzahl und
die Zahl der befallenen Lymphknoten sowie der Durchmesser der größten Metastase sollen
angegeben werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.3 Prognostische Faktoren für das Prostatakarzinom
Nr. Empfehlungen/Statements
5.19 Für die prognostische Evaluation des radikalen Prostatektomiepräparates sollen folgende
drei histopathologische Parameter berücksichtigt werden:
• Tumor-Graduierung nach Gleason nach WHO/ISUP (entsprechend der aktuellen
Version, siehe auch Empfehlung 5.7);
• TNM-Kategorie (entsprechend der TNM-Klassifikation der aktuellen Auflage);
• chirurgische Resektionsränder des Karzinoms.
Konsensbasierte Empfehlung
5.20 Für die Abschätzung der Prognose aufgrund der Pathologie sollen in der
Routineversorgung keine über die Pathomorphologie hinausgehenden weiterführenden
Untersuchungen (Molekularbiologie, Immunhistochemie, Zytometrie) durchgeführt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.4 Wissenschaftliche Untersuchungen von Gewebeproben
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Nr. Empfehlungen/Statements
5.21 Für die Abschätzung der Prognose sollten über die Pathomorphologie hinausgehende
validierte genomische/transkriptomische Tests nur dann durchgeführt werden, wenn
deren Ergebnis die Therapieplanung ändern würde.
Konsensbasierte Empfehlung
5.22 Patienten mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom sollen eine
Sequenzierung von BRCA2 und 1 angeboten bekommen.
Konsensbasierte Empfehlung
5.23 Patienten mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom kann eine
immunhistochemische Untersuchung der Mismatch Repair (MMR)-Proteine im Karzinom
angeboten werden.
Konsensbasierte Empfehlung
5.4 Wissenschaftliche Untersuchungen von
Gewebeproben
Nr. Empfehlungen/Statements
5.24
• Eine Gewebsentnahme für wissenschaftliche oder andere Untersuchungen soll nur
nach Einverständnis des aufgeklärten Patienten und Vorliegen eines positiven
Ethikvotums durchgeführt werden.
• Gewebeproben sollen vom Urologen oder vom Pathologen in gegenseitiger
Absprache entnommen werden. Entnahme und Lokalisation der Gewebeproben
sollen auf dem Einsendeschein dokumentiert werden.
• Von allen asservierten Proben soll ein konventionell gefärbter (HE) Schnitt als
Kontrolle diagnostisch ausgewertet werden.
Konsensbasierte Empfehlung
6.1 Therapieplanung und Aufklärung
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39
6 Therapie des lokalisierten
Prostatakarzinoms
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
6.1 Therapieplanung und Aufklärung
Nr. Empfehlungen/Statements
6.1 Aktive Überwachung (Active Surveillance) erfordert eine besonders intensive ärztliche
Beratung und Begleitung.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
6.2 Nichtkurativ intendierte palliative Strategien sind Watchful Waiting und
Androgendeprivation sowie medikamentöse, operative und Bestrahlungsmaßnahmen zur
Symptomvorbeugung und -behandlung. Folgende Faktoren sind bei der Entscheidung
ausschlaggebend und vom behandelnden Arzt zu beachten:
• Patientenpräferenz;
• eingeschränkte Lebenserwartung durch Alter oder Komorbiditäten;
• Erkrankung mit hohem Progressionsrisiko.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
6.3 Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom, die für eine kurative Behandlung in
Frage kommen, sollen die unerwünschten Wirkungen und Therapiefolgen einer sofortigen
lokalen Therapie gegen das Risiko einer nicht rechtzeitigen Behandlung im Falle einer
Strategie der Aktiven Überwachung (Active Surveillance) abgewogen werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [97], [98], [99]
6.4 Patienten, für die eine kurative Therapie in Frage kommt, sollte vor der
Therapieentscheidung angeboten werden, sowohl von einem Urologen als auch von einem
Strahlentherapeuten über die Vor- und Nachteile der radikalen Prostatektomie und der
Strahlentherapie aufgeklärt zu werden.
Anmerkung: Diese Empfehlung gilt auch für das lokal fortgeschrittene Prostatakarzinom.
GoR: B Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
6.5 Komorbiditätsklassifikationen und dazugehörige Überlebensraten können zur
Entscheidungsfindung im Hinblick auf Früherkennung, Diagnostik und Therapie des
Prostatakarzinoms berücksichtigt werden. Hierzu können Charlson-Score und ASA-
Klassifikation eingesetzt werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
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40
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen
Risikoprofils
6.2.1 Aktive Überwachung (Active Surveillance)
Nr. Empfehlungen/Statements
6.6 Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils (ISUP
Gruppe 1 und low risk nach D’Amico-Kriterien) sollen aktiv überwacht werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Verknüpfte Empfehlungen: 6.7, 6.8, 6.9
6.7
6.8
6.9
Der Tumor soll nach Beginn der Aktiven Überwachung und innerhalb der ersten 2 Jahre
bei ISUP Gruppe 1 alle 6 Monate und bei ISUP Gruppe 2 alle 3 Monate durch PSA-
Bestimmung kontrolliert werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Erste Re-Biopsie (s. Abbildung 2):
• Bei Patienten mit initialer MRT soll eine erneute MRT der Prostata mit gezielter
und systematischer Biopsie nach 12-18 Monaten erfolgen.
• Bei Patienten ohne initiale MRT der Prostata soll diese innerhalb von 6 Monaten
erfolgen. Im Fall einer Target Läsion PI-RADS ≥3 soll eine gezielte Biopsie erfolgen.
Liegt keine Target Läsion vor, soll keine konfirmatorische Biopsie durchgeführt
werden (s. Abbildung 2).
Konsensbasierte Empfehlung
Die MRT der Prostata soll geltenden Qualitätsstandards entsprechen.
Konsensbasierte Empfehlung
6.10 Weitere gezielte und systematische Biopsien sollten abhängig vom Ergebnis der ersten Re-
Biopsie entsprechend der Ergebnisse der im Verlauf durchgeführten MRT-Bildgebung und
den erhobenen PSA-Werten durchgeführt werden, spätestens jedoch alle 3 Jahre innerhalb
der ersten 10 Jahre aktiver Überwachung.
Konsensbasierte Empfehlung
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
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41
Nr. Empfehlungen/Statements
6.11 Bei signifikantem PSA-Anstieg (Verdopplungszeit <3 Jahre) sollte eine erneute MRT mit
gezielter und systematischer Re-Biopsie erfolgen. Eine alleinige Progression des PSA-Wertes
und/oder einer MRT-Läsion sollte nicht zum Abbruch der Aktiven Überwachung führen.
Die Aktive Überwachung soll beendet werden, bei:
• Upgrading zu ISUP Gruppe 2 mit ungünstigem Risikoprofil*
• Upgrading zu >= ISUP Gruppe 3
• Lokal fortgeschrittenem Tumorstadium (≥cT3 und/oder cN+)
*cribriformes oder intraduktales Wachstum, signifikante Zunahme des Anteils Gleason-Muster 4.
Konsensbasierte Empfehlung
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
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42
Abbildung 2: Flussdiagramm Aktive Überwachung
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
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43
6.2.2 Ablehnung/Beendigung der Aktiven Überwachung
Nr. Empfehlungen/Statements
6.12 Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils (nach
D’Amico beziehungsweise „very low risk“ und „low risk“ nach NCCN-Klassifikation) sollen
keine Lymphadenektomie erhalten.
Konsensbasierte Empfehlung
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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44
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des
intermediären und hohen Risikoprofils
Abbildung 3: Therapieoptionen beim lokal begrenzten Prostatakarzinom des
intermediären Risikoprofils inkl. ausgewählter Informationen zur Ausführung
entsprechend der Empfehlungen dieses Kapitels nach Empfehlungsgrad
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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45
6.3.1 Aktive Überwachung (Active Surveillance) beim
intermediären Risikoprofil
Nr. Empfehlungen/Statements
6.13 Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom der ISUP Gruppe 2 und günstigem
Risikoprofil kann eine Aktive Überwachung angeboten werden. Das günstige Risikoprofil
beinhaltet kein cribriformes und/oder intraduktales Wachstum und einen geringen Anteil
Gleason-Muster 4.
Konsensbasierte Empfehlung
6.14 Patienten mit folgenden Parametern sollen keine Aktive Überwachung erhalten:
• PSA-Werte ≥15 ng/ml
• ISUP Gruppe 2 mit ungünstigem Risikoprofil* oder ISUP Gruppe 3 bis 5 (Gleason-
Score ≥7b)
• Lokal fortgeschrittenes Tumorstadium (≥cT3 und/oder cN+)
*cribriformes oder intraduktales Wachstum, hoher Anteil Gleason-Muster 4.
Konsensbasierte Empfehlung
6.3.2 Radikale Prostatektomie
Nr. Empfehlungen/Statements
6.15 Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils und
einer Lebenserwartung von über 10 Jahren soll eine radikale Prostatektomie angeboten
werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1- Quellen: [102]
6.16 Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils und einer
Lebenserwartung von über 10 Jahren soll eine radikale Prostatektomie, gegebenenfalls als
Teil einer multimodalen Therapie, angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1- Quellen: [102]
6.17 Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils können
eine ausgedehnte Lymphadenektomie erhalten.
Konsensbasierte Empfehlung
6.18 Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom mit hohem oder sehr hohem Risiko
(nach NCCN-Klassifikation) und Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom
sollten im Rahmen einer radikalen Prostatektomie eine ausgedehnte Lymphadenektomie
erhalten.
Konsensbasierte Empfehlung
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
46
6.3.3 Perkutane Strahlentherapie
Nr. Empfehlungen/Statements
6.19 Die perkutane Strahlentherapie soll in IMRT-Technik unter Einsatz bildgeführter Techniken
(IGRT) durchgeführt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1++, 2+ Quellen: [103], [104]
6.20 Patienten mit einem Prostatakarzinom aller Risikogruppen sollen bei Verwendung einer
Standardfraktionierung mit einer Dosis von mindestens 74,0 Gy bis ca. 80 Gy (IMRT +
IGRT) bestrahlt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1++, 2+ Quellen: [104], [103]
6.3.3.1 Perkutane Strahlentherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms des
intermediären Risikoprofils
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 6.21, 6.22, 6.23
6.21
6.22
6.23
Patienten mit einem lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils
soll eine perkutane Strahlentherapie (IMRT + IGRT) angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [105]
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils sollten
zusätzlich zur perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) eine begleitende hormonablative
Therapie von 4 bis 6 Monaten erhalten. Diese kann vor der Strahlentherapie beginnen.
GoR: B Evidenzlevel: 1+ Quellen: [106], [107]
Bei der Entscheidung für oder gegen eine zusätzliche Hormontherapie sollten zusätzliche
Faktoren (insbesondere Gleason Score, Komorbidität) beachtet und mit dem Patienten
diskutiert werden.
Konsensbasierte Empfehlung
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
47
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 6.24, 6.25
6.24
6.25
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils soll eine
Standardfraktionierung (74 Gy bis 80 Gy) oder eine moderate Hypofraktionierung (z. B. 3
Gy/60 Gy; 2,5 Gy bis 70 Gy) angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1++ Quellen: [108], [109]
Zusätzlich sollte eine Androgendeprivationstherapie von 4-6 Monaten Dauer eingesetzt
werden.
GoR: B Evidenzlevel: 1+ Quellen: [110]
Verknüpfte Empfehlungen: 6.26, 6.27, 6.28
6.26
6.27
6.28
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils können
mit einer extremen Hypofraktionierung (6,1 Gy bis 42,7 Gy oder 7,25 / 8 Gy bis 40 Gy)
analog der HYPO-RT-Studie oder der PACE-B-Studie bestrahlt werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1+ Quellen: [111], [112], [113], [114], [115], [116]
Vor einer Entscheidung für eine extreme Hypofraktionierung sollen Patienten über das
Risiko einer erhöhten urogenitalen Toxizität der hypofraktionierten Bestrahlung gegenüber
der Standardfraktionierung aufgeklärt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Zusätzlich sollte eine Androgendeprivationstherapie von 4-6 Monaten Dauer eingesetzt
werden.
GoR: B Evidenzlevel: 1+ Quellen: [110]
6.29 Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils
besteht kein Hinweis auf einen patientenrelevanten Vorteil der Protonentherapie im
Vergleich zur Photonentherapie (IMRT + IGRT).
GoR: ST Evidenzlevel: 2+ Quellen: [117]
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
48
6.3.3.2 Perkutane Strahlentherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms des
hohen Risikoprofils
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 6.30, 6.31, 6.32, 6.33
6.30
6.31
6.32
6.33
Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils soll eine
perkutane Strahlentherapie (IMRT + IGRT) angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 2+, 1+ Quellen: [118], [119], [105]
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils sollen zusätzlich
zur perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) eine adjuvante hormonablative Therapie
erhalten.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [120]
Die hormonablative Therapie soll 24 bis 36 Monate dauern. Diese kann bis zu 6 Monate
vor der Strahlentherapie beginnen.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [121], [122], [123], [124]
Die Entscheidung über die Dauer der hormonablativen Therapie soll individuell in
Abhängigkeit von Komorbidität und Verträglichkeit getroffen werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Verknüpfte Empfehlungen: 6.34, 6.35
6.34
6.35
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils soll eine
Standardfraktionierung (74 Gy bis 80 Gy) oder eine moderate Hypofraktionierung (z. B.
3,0 Gy / 60,0 Gy; 2,5 Gy / 70,0 Gy) angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1++ Quellen: [108], [109]
Zusätzlich soll eine Androgendeprivationstherapie von 24 bis 36 Monaten Dauer eingesetzt
werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [110]
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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49
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 6.36, 6.37
6.36
6.37
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils können mit einer
perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit integrierter Dosiserhöhung der
dominanten intraprostatischen Läsion in der mpMRT (analog FLAME-Studie) bestrahlt
werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1- Quellen: [125]
Zusätzlich soll eine Androgendeprivationstherapie von 24 bis 36 Monaten Dauer eingesetzt
werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [110]
6.38 Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils besteht kein
Hinweis auf einen patientenrelevanten Vorteil der Protonentherapie im Vergleich zur
Photonentherapie (IMRT + IGRT).
GoR: ST Evidenzlevel: 2+ Quellen: [117]
6.3.4 Brachytherapie
Tabelle 7: Allgemeine Unterschiede zwischen LDR- und HDR-Brachytherapie
Prostata-Brachytherapie-
Verfahren
Technische und patientenbezogene Unterschiede
Niedrige Dosisleistung (LDR)
• permanente Implantation Seeds (Strands oder Einzelseeds)
• Verwendung von Jod-125 (I-125) (am häufigsten) oder
Palladium 103, 103 Pd-) in Europa nicht verfügbar)
• I-125 145 Gy für Monotherapie, 110 Gy für
Kombinationstherapie
• Strahlendosis, die über Wochen und Monate abgegeben
wird
• akute Nebenwirkungen klingen über Monate hinweg ab
• Strahlenschutz für Patienten und Mitarbeiter erforderlich
• zeitlich begrenzter Strahlenschutz für Kleinkinder und
Schwangere
Hohe Dosisleistung (HDR)
• vorübergehende Implantation
• Iridium-192 (IR-192) oder Cobalt 60 (Co60), das durch
implantierte Nadeln temporär eingeführt wird
• abgegebene Strahlendosis in Minuten
• Monotherapie 2x13,5 Gy oder 3 x11,5 Gy siehe [126], [127]
• Kombinationstherapie 1x15 Gy, 2x 9 Gy [126], [127]
• akute Nebenwirkungen klingen über Wochen ab
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
50
6.3.4.1 Brachytherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms des
intermediären Risikoprofils
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 6.39, 6.40
6.39
6.40
Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des günstigen intermediären
Risikoprofils (nach NCCN) soll eine LDR-Brachytherapie angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1- Quellen: [128], [129], [130]
Die LDR-Brachytherapie soll bei lokal begrenztem Prostatakarzinom des günstigen
intermediären Risikoprofils (nach NCCN) als Monotherapie (ohne perkutane
Strahlentherapie) durchgeführt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1- Quellen: [128], [129], [130]
Verknüpfte Empfehlungen: 6.41, 6.42, 6.43
6.41
6.42
6.43
Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des ungünstigen intermediären
Risikoprofils (nach NCCN) sollte ein LDR-Brachytherapie-Boost in Verbindung mit einer
perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) angeboten werden.
GoR: B Evidenzlevel: 1- Quellen: [131], [132]
Patienten sollen über die mit dieser Therapieform mögliche signifikante Erhöhung der
Spättoxizität (≥ Grad 3) aufgeklärt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Eine Androgendeprivationstherapie soll bei Einsatz der Brachytherapie analog zu den
Empfehlungen der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit 4-6 Monaten Dauer
eingesetzt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 2+ Quellen: [130], [133]
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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51
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 6.44, 6.45, 6.46
6.44
6.45
6.46
Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils
sollte eine HDR Brachytherapie, kombiniert mit einer perkutanen Strahlentherapie (IMRT +
IGRT), angeboten werden.
GoR: B Evidenzlevel: 1+,3 Quellen: [134], [135]
Patienten sollen über die mit dieser Therapieform mögliche signifikante Erhöhung der
Spättoxizität (≥ Grad 3) aufgeklärt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Eine Androgendeprivationstherapie (4-6-Monate) soll bei Einsatz der HDR-Brachytherapie
analog zu den Empfehlungen der perkutanen Strahlentherapie eingesetzt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
6.3.4.2 Brachytherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms des hohen
Risikoprofils
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 6.47, 6.48, 6.49
6.47
6.48
6.49
Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils sollte eine
HDR Brachytherapie, kombiniert mit einer perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT),
angeboten werden.
GoR: B Evidenzlevel: 1+ Quellen: [134], [135]
Patienten sollen über die mit dieser Therapieform mögliche Erhöhung der Spättoxizität (≥
Grad 3) aufgeklärt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Eine Androgendeprivationstherapie sollte bei Einsatz der HDR-Brachytherapie analog zu
den Empfehlungen bei der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit 24-36 Monaten
Dauer eingesetzt werden.
GoR: B Evidenzlevel: 2+ Quellen: [134], [135], [136], [110]
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
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52
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 6.50, 6.51, 6.52
6.50
6.51
6.52
Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils kann ein
LDR-Brachytherapie-Boost in Verbindung mit einer perkutanen Strahlentherapie (IMRT +
IGRT) angeboten werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1- Quellen: [131], [132]
Patienten sollen über die mit dieser Therapieform mögliche Erhöhung der Spättoxizität (≥
Grad 3) aufgeklärt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Eine Androgendeprivationstherapie sollte bei Einsatz der LDR-Brachytherapie analog zu
den Empfehlungen bei der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit 24-36 Monaten
Dauer eingesetzt werden.
GoR: B Evidenzlevel: 2+ Quellen: [130], [133], [137], [131], [132]
6.53 Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils sollen
keine LDR oder HDR-Brachytherapie als Monotherapie erhalten.
GoR: A Evidenzlevel: 2+ Quellen: [92], [119], [138], [139], [140], [141], [142]
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen
Prostatakarzinoms
6.4.1 Radikale Prostatektomie
Nr. Empfehlungen/Statements
6.54 Patienten mit einer Lebenserwartung von über 10 Jahren und einem lokal
fortgeschrittenen Prostatakarzinom oder einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des
sehr hohen Risikoprofils nach NCCN soll eine radikale Prostatektomie als Teil einer
multimodalen Therapie angeboten werden.
Konsensbasierte Empfehlung
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
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53
6.4.2 Perkutane Strahlentherapie
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 6.55, 6.56, 6.57, 6.58
6.55
6.56
6.57
6.58
Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom soll eine perkutane
Strahlentherapie (IMRT+IGRT) angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [143]
Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom sollen zusätzlich zur perkutanen
Strahlentherapie (IMRT + IGRT) eine hormonablative Therapie erhalten.
GoR: A Evidenzlevel: 1- Quellen: [144], [145], [146], [147]
Die hormonablative Therapie soll mindestens 24 bis 36 Monate dauern. Diese kann bis zu
6 Monate vor der Strahlentherapie beginnen.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [124]
Die Entscheidung über die Dauer der hormonablativen Therapie soll individuell in
Abhängigkeit von Komorbidität und Verträglichkeit getroffen werden.
Konsensbasierte Empfehlung
6.59 Wenn Patienten mit hormonsensitivem Prostatakarzinom des Stadiums Nx/N0 M0) mit 2
oder mehr Risikofaktoren (PSA>40 ng/ml/T3/4 oder ISUP 4-5) eine Bestrahlung der
Prostata und des pelvinen Lymphabflusses (IMRT + IGRT) erhalten, soll zusätzlich eine
hormonablative Therapie mit GnRH-Analogon (3 Jahre) und Abirateron/Prednison (2 Jahre)
angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [148]
6.60 Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom (cN0 M0 – PSMA-PET-CT)
(Risikofaktoren analog POP-RT-Studie) kann zusätzlich zu einer Prostatabestrahlung (IMRT
+ IGRT) eine Bestrahlung der pelvinen Lymphabflussgebiete kombiniert mit einer
Androgendeprivationstherapie (24 Monate) angeboten werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1+, 1- Quellen: [149], [150]
6.61 Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom soll eine Protonentherapie nur
innerhalb klinischer Studien angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 2+ Quellen: [117]
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
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54
6.4.3 Brachytherapie
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 6.62, 6.63, 6.64
6.62
6.63
6.64
Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom der klinischen Kategorie cT3a
kann eine HDR-Brachytherapie kombiniert mit einer perkutanen Strahlentherapie (IMRT +
IGRT) angeboten werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1+ Quellen: [135], [134]
Eine Androgendeprivationstherapie sollte bei Einsatz der HDR-Brachytherapie analog zu
den Empfehlungen der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit 24 bis 36 Monaten
Dauer eingesetzt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Patienten sollen über die mit dieser Therapieform mögliche signifikante Erhöhung der
Spättoxizität (≥ Grad 3) aufgeklärt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Verknüpfte Empfehlungen: 6.65, 6.66, 6.67
6.65
6.66
6.67
Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom der klinischen Kategorie
cT3a kann ein LDR-Brachytherapie-Boost in Verbindung mit einer Strahlentherapie (IMRT +
IGRT) angeboten werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1- Quellen: [131]
Patienten sollen über die mit dieser Therapieform mögliche signifikante Erhöhung der
Spättoxizität (≥ Grad 3) aufgeklärt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Eine Androgendeprivationstherapie sollte bei Einsatz der LDR-Brachytherapie analog zu
den Empfehlungen der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit 24 bis 36 Monaten
Dauer eingesetzt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
6.5 Therapie des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms
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6.5 Therapie des lymphknotenpositiven
Prostatakarzinoms
Nr. Empfehlungen/Statements
6.68 Lokale Behandlungsoptionen für Patienten mit histologisch gesicherten
Lymphknotenmetastasen sind die operative Therapie oder die Strahlentherapie. Als
systemische Behandlung steht die sofortige oder die verzögerte hormonablative Therapie
zur Verfügung.
Ein valider Vergleich der möglichen Primärtherapieverfahren als Monotherapie oder in
Kombination ist aufgrund der vorliegenden Studien nicht möglich.
GoR: ST Evidenzlevel: 1-, 3 Quellen: [151]
6.69 Der therapeutische Stellenwert der Lymphadenektomie im Rahmen der radikalen
Prostatektomie beim lymphknotenpositiven Prostatakarzinom ist nicht in prospektiven
Studien geklärt.
Der therapeutische Stellenwert der Bestrahlung der pelvinen Lymphabflusswege nach
radikaler Prostatektomie mit Lymphknotendissektion beim lymphknotenpositiven
Prostatakarzinom ist nicht in prospektiven Studien geklärt.
GoR: ST Evidenzlevel: 3, 2- Quellen: [152], [153], [154], [155], [156], [157]
6.70 Wenn Patienten mit lymphknotenpositivem hormonsensitivem Prostatakarzinom (N1 M0)
eine Bestrahlung der Prostata und des pelvinen Lymphabflusses (IMRT + IGRT) erhalten,
soll zusätzlich eine hormonablative Therapie mit GnRH-Analogon (3-Jahre) und
Abirateron/Prednison (2 Jahre) angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [148]
6.6 Neoadjuvante Therapie / Adjuvante Therapie bei
radikaler Prostatektomie
Nr. Empfehlungen/Statements
6.71 Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom aller Risikoprofile sollte vor
radikaler Prostatektomie keine neoadjuvante antihormonelle Therapie erfolgen.
GoR: B Evidenzlevel: 1++ Quellen: [95]
6.6 Neoadjuvante Therapie / Adjuvante Therapie bei radikaler Prostatektomie
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56
Nr. Empfehlungen/Statements
6.72 Als adjuvante perkutane Strahlentherapie (IMRT+IGRT) wird die Strahlentherapie nach
radikaler Prostatektomie nach Erreichen des definierten PSA-Nullbereichs bezeichnet.
(Zur Behandlung bei postoperativ persistierendem PSA-Wert siehe Kapitel 7.2)
(Zur Definition der PSA-Progression siehe Kapitel 7.1)
Konsensbasiertes Statement
Verknüpfte Empfehlungen: 6.73, 6.74, 6.75
6.73
6.74
6.75
Die Indikation zur adjuvanten Strahlentherapie (IMRT+IGRT) beschränkt sich auf
folgende Risikogruppen:
Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom (pN0) mit hohem Risiko und
den nachfolgenden Faktoren sollte eine adjuvante Strahlentherapie (IMRT+IGRT) unter
Aufklärung über Nutzen und Risiken als Option angeboten werden: pT3/pT4 (unabhängig
vom R-Status) + Gleason Score 8-10 (ISUP 4-5).
GoR: B Evidenzlevel: 1- Quellen: [158], [159], [160], [161], [162], [163], [164]
Patienten mit einem lokal begrenztem Prostatakarzinom (pN0) und den nachfolgenden
Faktoren kann eine adjuvante Strahlentherapie (IMRT+IGRT) unter Aufklärung über Nutzen
und Risiken als Option angeboten werden: R1 (multifokal-positiver Schnittrand) + Gleason
Score 8-10 + pT2.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1- Quellen: [158], [162], [164]
Bei jeder der genannten Gruppen soll bei der Aufklärung über die adjuvante
Strahlentherapie die alternative Option der perkutanen Strahlentherapie (IMRT+IGRT) bei
PSA-Anstieg aus dem definierten Nullbereich genannt werden (siehe Kapitel 7.2 zur
Behandlung des PSA-Rezidivs).
Konsensbasierte Empfehlung
6.76 Patienten mit histopathologisch nachgewiesenen Lymphknotenmetastasen kann eine
adjuvante Hormontherapie oder eine adjuvante Hormontherapie plus adjuvante
Strahlentherapie (IMRT + IGRT von Prostataloge und Lymphabflussgebiet) angeboten
werden.
Konsensbasierte Empfehlung
6.7 Fokale Therapie
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57
6.7 Fokale Therapie
6.7.1 Einleitung
Nr. Empfehlungen/Statements
6.77 Bei der fokalen Therapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms wird nur ein Teil der
Prostata behandelt.
Konsensbasiertes Statement
6.7.2 Statement
Nr. Empfehlungen/Statements
6.78 Ziel der fokalen Therapie bei lokal begrenztem Prostatakarzinom ist die Eradikation aller
signifikanten Tumoren.
Konsensbasiertes Statement
6.7.3 Einsatz Fokaler Therapien
Nr. Empfehlungen/Statements
6.79 Patienten mit einem unilateralen, lokal begrenzten Prostatakarzinom niedrigen Risikos
kann eine fokale Therapie angeboten werden, wenn diese sowohl Standardtherapien als
auch eine Active Surveillance (AS) ablehnen sowie die folgenden Voraussetzungen erfüllen:
• Gleason Score 6
• PSA < 10 ng/ml
• unauffälliger Tastbefund
• maximal 50 % positive Stanzen nur auf einer Seite in der systematischen Biopsie
• Diagnose durch mpMRT, Fusionsbiopsie und systematische Biopsie.
Konsensbasierte Empfehlung
6.80 a. Patienten, die eine fokale Therapie erwägen, sollen eine mpMRT, eine mpMRT-
Fusionsbiopsie und eine systematische Biopsie erhalten.
b. Wenn eine MRT-Fusionsbiospie nicht möglich ist, kann alternativ eine templatebasierte
Biopsie erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
6.7 Fokale Therapie
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58
Nr. Empfehlungen/Statements
6.81 a. Die Aufklärung über eine fokale Therapie soll beinhalten, dass der Nachweis einer
Gleichwertigkeit der Therapie mit den Standardtherapien nicht vorliegt.
b. Die Aufklärung über eine fokale Therapie soll für den Falle, dass eine Salvagetherapie
erforderlich wird, zusätzlich zu den unter Empfehlung a. beschriebenem, den Hinweis auf
möglicherweise schlechtere funktionelle und onkologische Ergebnisse einer
Salvagetherapie beinhalten.
Konsensbasierte Empfehlung
6.82 In Anlehnung an die Active Surveillance Strategie soll 6 bis 12 Monate nach einer fokalen
Therapie eine gezielte und eine systematische Biopsie erfolgen (behandeltes Areal gezielt
und die restliche Drüse zusätzlich systematisch).
Konsensbasierte Empfehlung
6.83 Es liegen keine vergleichenden Daten zwischen den verschiedenen Technologien zur
fokalen Therapie vor, die eine Beurteilung der Effektivität, der Nebenwirkungen und der
Sicherheitsparameter zulassen würde.
Konsensbasiertes Statement
6.84 Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom sollen keine fokale Therapie – egal
mit welcher Technologie - erhalten.
GoR: A Evidenzlevel: 3 Quellen: [165], [166]
6.7.4 Einzelne Verfahren der fokalen Therapie
Nr. Empfehlungen/Statements
6.85 Die fokale, vaskuläre gezielte photodynamische Therapie (VTP) unter Verwendung von
Padeliporfin ist die einzige fokale Technologie, für die Ergebnisse aus einer prospektiven
randomisierten kontrollierten Studie zum Vergleich der fokalen Therapie beim Niedrig-
Risiko-Prostatakarzinom mit der Active Surveillance vorliegen.
GoR: ST Evidenzlevel: 1- Quellen: [167]
6.86 Es liegen keine ausreichenden Daten zur Beurteilung der onkologischen Effektivität und
Sicherheit der fokalen, hochintensiven, fokussierten Ultraschallablation (HIFU) vor.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
6.8 Watchful Waiting
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59
Nr. Empfehlungen/Statements
6.87 Es liegen keine ausreichenden Daten zur Beurteilung der onkologischen Effektivität und
Sicherheit der fokalen Kryotherapie vor.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
6.88 Es liegen keine ausreichenden Daten zur Beurteilung der onkologischen Effektivität und
Sicherheit der fokalen irreversiblen Elektroporation (IRE) vor, insbesondere zu den
Langzeitergebnissen.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
6.89 Es liegen keine ausreichenden Daten zur Beurteilung der onkologischen Effektivität und
Sicherheit für die fokale Laserablation, die fokale Brachytherapie, die fokale
Radiofrequenzablation (RFA), die fokale stereotaktische Bestrahlung (SBRT) die fokale
Mikrowellentherapie sowie die fokale transurethrale Ultraschallablation vor.
Konsensbasiertes Statement
6.8 Watchful Waiting
Nr. Empfehlungen/Statements
6.90 Watchful Waiting ist eine Strategie zur Vermeidung einer Therapie bei nicht
symptomatischen Patienten mit Prostatakarzinom und mutmaßlich limitierter
Lebenserwartung (z. B. aufgrund hohen Lebensalters und/oder größerer Komorbidität).
Konsensbasiertes Statement
6.91 Während einer Watchful Waiting-Strategie sollen keine anlassfreien krebsspezifischen
Kontrolluntersuchungen wie z. B. Prostata-spezifische Antigen-Wert-Bestimmungen oder
eine Bildgebung durchgeführt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
6.92 Watchful Waiting sollte gewählt werden, wenn die Lebenserwartung des Betroffenen bei
unter 10 Jahren liegt. Zur Abschätzung der Lebenserwartung sollte das Lebensalter, die
Komorbidität, die Gebrechlichkeit und der mentale Status herangezogen werden.
Konsensbasierte Empfehlung
6.93 Kommt es während des Watchful Waiting zu einer symptomatischen Progression, soll eine
palliative Therapie erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
7.1 Definition und Diagnostik des Tumorrezidivs
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60
7 Diagnostik und Therapie des
rezidivierten oder metastasierten
Prostatakarzinoms
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
7.1 Definition und Diagnostik des Tumorrezidivs
Nr. Empfehlungen/Statements
7.1 Bei asymptomatischen Patienten nach kurativ intendierter Therapie soll die Bestimmung
des Serum-PSA zur Nachsorge eingesetzt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 4 Quellen: [172]
Expertenmeinung
7.2 Nach radikaler Prostatektomie kennzeichnet ein in mindestens zwei Messungen bestätigter
PSA-Wert auf >0,2 ng/ml ein biochemisches Rezidiv.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Quellen: [172], [173], [174], [175]
Expertenmeinung
7.3 Nach alleiniger Strahlentherapie kennzeichnet ein in mindestens zwei Messungen
bestätigter PSA-Anstieg von >2 ng/ml über den postinterventionellen PSA-Nadir ein
biochemisches Rezidiv.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Quellen: [176], [177]
Expertenmeinung
7.4 Eine bioptische Sicherung eines biochemischen Rezidivs nach RPE ist nicht erforderlich.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Quellen: [178], [179], [180]
Expertenmeinung
7.5 Eine bioptische Sicherung eines biochemischen Rezidivs sollte bei Patienten nach
Strahlentherapie mit der Option einer lokalen Rezidivtherapie angestrebt werden.
GoR: B Evidenzlevel: 4 Quellen: [178], [181], [182], [183]
7.6 Für Patienten mit biochemischem Rezidiv (nach RP ab PSA ≥ 0,2 ng/ml oder nach RT Nadir
+2 ng/ml) nach primär kurativer Therapie, (s. Statement 7.2 und Statement 7.3) soll
primär eine PSMA-PET Hybrid-Bildgebung zur Beurteilung der Tumorausbreitung erfolgen,
falls sich aus dem Befund eine therapeutische Konsequenz ergibt.
GoR: A Evidenzlevel: 2+, 3 Quellen: [184], [185], [186], [187], [188], [189], [190], [191]
7.1 Definition und Diagnostik des Tumorrezidivs
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61
Nr. Empfehlungen/Statements
7.7 Bei Patienten mit biochemischem Rezidiv nach primärer kurativ intendierter Therapie und
lokaler Rezidivtherapieoption soll eine Differenzierung zwischen lokalem und systemischem
Rezidiv angestrebt werden.
Zu diesem Zweck sollen
• die PSA-Verdopplungszeit;
• die Latenzzeit zur primären kurativ intendierten Therapie und
• der Gleason-Score
herangezogen werden.
GoR: A Evidenzlevel: 4 Quellen: [192]
Expertenmeinung
7.8 Bei asymptomatischen Patienten mit biochemischem Rezidiv sollte bei einem PSA-Wert <10
ng/ml keine Knochenszintigraphie durchgeführt werden.
GoR: B Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
Tabelle 8: Korrelation PSA-Werte und 68Ga-PMSA PET Positivität (nach EAU 2024, eigene
Übersetzung)
PSA (ng/ml) 68 Ga-PSMA PET-Positivität
< 0,2 33 % (KI 16-51)
0,2-0,49 45 % (KI 39-52)
0,5-0,99 59 % (KI 50-68)
1,0-1,99 75 % (KI 66-84)
2,0 + 95 % (KI 92-97)
PSA = Prostata-Spezifisches Antigen;
68Ga-PMSA PET= Gallium-68 Prostataspezifisches Membran Antigen Positronen Emissions-Tomographie; KI
= Konfidenzintervall; Quelle:
[193]
7.2 Therapie des PSA-Rezidivs
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62
Tabelle 9: Risikoeinteilung eines biochemischen Rezidivs (nach EAU 2024, eigene
Übersetzung)
EAU niedriges Risiko
Biochemisches Rezidiv
EAU hohes Risiko
Biochemisches Rezidiv
Nach radikaler
Prostatektomie
PSA-Verdopplungszeit >1 Jahr
UND pathologischer ISUP-Grad < 4
PSA-Verdopplungszeit ≤1 Jahr
ODER pathologischer ISUP-Grad 4-5
Nach Strahlentherapie Zeit bis zum biochemischen Rezidiv
>18 Monate UND Biopsie
ISUP-Grad <4
Zeit bis zum biochemischen Rezidiv
≤18 Monate ODER
Biopsie ISUP-Grad 4-5
Quelle: [193]
7.2 Therapie des PSA-Rezidivs
7.2.1 Systemische Therapie bei PSA-Rezidiv oder PSA-Progression
Nr. Empfehlungen/Statements
7.9 Bei Patienten mit PSA-Rezidiv und günstigen prognostischen Kriterien (PSA
Verdopplungszeit von >12 Monaten, Gleason-Score <8 (ISUP <4)) ist das abwartende
Verhalten eine Option.
GoR: ST Evidenzlevel: 2++ Quellen: [194], [195]
7.10 Die hormonablative Therapie ist beim PSA-Rezidiv oder bei PSA-Progression keine
Standardtherapie.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Quellen: [178]
Expertenmeinung
7.2 Therapie des PSA-Rezidivs
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63
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 7.11, 7.12, 7.13
7.11
7.12
7.13
Patienten mit high-risk biochemischem Rezidiv nach EMBARK sollte Enzalutamid als
Monotherapie oder in Kombination mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT)
angeboten werden.
GoR: B Evidenzlevel: 1+ Quellen: [196]
Vor Therapieeinleitung sollen die Patienten über Vor- und Nachteile einer Mono- bzw.
Kombinationstherapie aufgeklärt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [196]
Zuvor soll mit Patienten, die noch keine Strahlentherapie erhalten haben, eine potentiell
kurative Strahlentherapie diskutiert werden (siehe Kapitel 7.2.2).
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [196]
7.2.2 Salvage-Strahlentherapie des PSA-Rezidivs und der PSA-
Persistenz nach radikaler Prostatektomie
Nr. Empfehlungen/Statements
7.14 Die perkutane Salvage-Strahlentherapie (SRT) (mind. 66 Gy) soll als Therapieoption nach
radikaler Prostatektomie bei PSA-Anstieg aus dem Nullbereich in der Kategorie pN0/NX
angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 2++ Quellen: [197], [198], [199], [200], [201]
7.15 Patienten mit hohem Progressionsrisiko (PSA vor SRT >0,7 ng/ml) soll zusätzlich zur
perkutanen Salvage-Strahlentherapie (SRT) eine Androgendeprivationstherapie (ADT) oder
Bicalutamid angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1- Quellen: [199]
7.16 Die perkutane Salvage-Strahlentherapie (SRT) (mind. 66 Gy) soll in Kombination mit einer
Androgendeprivationstherapie (ADT) als Therapieoption nach radikaler Prostatektomie bei
PSA-Anstieg aus dem Nullbereich und ungünstigen prognostischen Kriterien (PSA
Verdopplungszeit <12 Monate, Gleason 8-10 (ISUP 4-5)) in der Kategorie pN0/NX
angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 2++ Quellen: [195], [199], [200], [202]
7.2 Therapie des PSA-Rezidivs
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
64
Nr. Empfehlungen/Statements
7.17 Bei einer zusätzlichen Androgendeprivationstherapie (ADT) zur perkutanen
Strahlentherapie (SRT) kann sich die Dauer der ADT an dem Progressionsrisiko orientieren
(hohes Progressionsrisiko: 24 Monaten bzw. erhöhtes Progressionsrisiko: 6 Monate).
GoR: 0 Evidenzlevel: 2- Quellen: [203], [199], [204], [200]
7.18 a. Die Salvage-Strahlentherapie soll möglichst frühzeitig beginnen (PSA vor SRT <0,5
ng/ml).
b. Bei initialem Stadium pN0 und frühzeitigem Bestrahlungsbeginn sollten die
Lymphabflusswege nicht mitbestrahlt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 2++, 3 Quellen: [197], [198], [205], [206]
7.19 Die Behandlung des persistierenden PSA-Werts (oberhalb des definierten Nullbereichs)
nach radikaler Prostatektomie sollte nach den oben genannten Prinzipien der Behandlung
des PSA-Rezidivs erfolgen.
GoR: B Evidenzlevel: 2++ Quellen: [207], [208], [209], [210], [211]
7.2.3 Salvage-Therapie der PSA-Progression nach Strahlentherapie
Nr. Empfehlungen/Statements
7.20 Die Salvageprostatektomie ist eine Therapieoption beim PSA-Rezidiv nach primärer
perkutaner Strahlentherapie oder Brachytherapie, wenn die PSA-Progression mit hoher
Wahrscheinlichkeit nicht durch eine Metastasierung bedingt ist.
Die funktionellen Ergebnisse in Bezug auf Potenz und Kontinenz sind deutlich schlechter
als bei primärer Operation.
GoR: ST Evidenzlevel: 2++, 3 Quellen: [182], [212]
7.21 Vor einer Salvageprostatektomie sollte eine bioptische Sicherung angestrebt werden.
GoR: B Evidenzlevel: 3 Quellen: [182]
7.22 Die Salvageprostatektomie ist nur von erfahrenen Operateuren durchzuführen.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
7.3 Therapie des hormonsensitiven, metastasierten Prostatakarzinoms (mHSPC)
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65
Nr. Empfehlungen/Statements
7.23 a) Die HIFU-Therapie kann zur Therapie des histologisch gesicherten isolierten Lokal-
rezidivs nach perkutaner Strahlentherapie eingesetzt werden.
b) Der Patient soll über den experimentellen Charakter dieses Verfahrens als Salvage-
Therapie und über die Therapiealternativen informiert werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 3, 4 Quellen: [213], [214], [215]
7.3 Therapie des hormonsensitiven, metastasierten
Prostatakarzinoms (mHSPC)
Nr. Empfehlungen/Statements
7.24 Bei Patienten mit metastasiertem, hormonsensitivem Prostatakarzinom soll zeitnah nach
Diagnosestellung eine Androgendeprivation zur Reduktion des Risikos typischer
Komplikationen (z. B. pathologische Frakturen, Rückenmarkskompression,
Harnleiterobstruktion) und ggf. zur palliativen tumorspezifischen Therapie eventueller
tumor- bzw. metastasenbedingter Symptome (z. B. Knochenschmerzen) eingeleitet werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.25 Eine Androgendeprivation kann durch chirurgische Kastration, durch subkutan oder
intramuskulär zu verabreichende Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Agonisten oder
durch subkutan oder oral zu verabreichende GnRH-Antagonisten durchgeführt werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1++ Quellen: [216], [217]
7.26 Bei Patienten mit ausgeprägten tumor- bzw. metastasenbedingten Schmerzen oder
drohenden Komplikationen (z. B. Rückenmarkskompression) sollte die
Androgendeprivation mit einem Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Antagonisten
und/oder mit einem Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (ARPI: Apalutamid,
Enzalutamid, Darolutamid) eingeleitet werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.27 Eine Monotherapie mit einem nicht-steroidalen Androgenrezeptor-Antagonisten der ersten
Generation (z. B. Bicalutamid, Flutamid) soll bei Patienten mit metastasiertem,
hormonsensitivem Prostatakarzinom nicht durchgeführt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.28 Bei Patienten mit metastasiertem, hormonsensitivem Prostatakarzinom (mHSPC) soll eine
Einteilung nach high- und low-volume, high- und low-risk, sowie de novo und metachron
metastasiert erfolgen.
GoR: A Evidenzlevel: 1+,1- Quellen: [218], [219], [220]
7.3 Therapie des hormonsensitiven, metastasierten Prostatakarzinoms (mHSPC)
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Nr. Empfehlungen/Statements
7.29 Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom sollen mit Einleitung
der Androgendeprivation, spätestens innerhalb von 3 Monaten danach, über eine
Kombinationstherapie (gemäß 7.30) aufgeklärt werden, sowie über:
• Die zu erwartende Überlebenszeit trotz des nicht-kurativen Charakters der
Therapie;
• Die unerwünschten Wirkungen;
• Den Einfluss auf die Lebensqualität.
Konsensbasierte Empfehlung
7.30 a. Patienten in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) mit metastasiertem (M1),
hormonsensitivem Prostatakarzinom (mHSPC) soll zusätzlich zur Androgendeprivation
eine Hormontherapie mit Apalutamid oder Enzalutamid angeboten werden.
(Empfehlungsgrad: A)
b. Patienten in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) mit metastasiertem (M1),
hormonsensitivem Prostatakarzinom (mHSPC) sollte zusätzlich zur Androgendeprivation
eine Hormontherapie mit Darolutamid angeboten werden.
(Empfehlungsgrad: B)
c. Patienten in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) mit neu diagnostiziertem (de novo),
metastasiertem (M1), hormonsensitivem, high-risk Prostatakarzinom (mHSPC) soll
zusätzlich zur Androgendeprivation eine Hormontherapie mit Abirateron (plus Prednison /
Prednisolon) angeboten werden.
(Empfehlungsgrad: A)
d. Patienten in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) mit metastasiertem (M1),
hormonsensitivem Prostatakarzinom, die für eine Docetaxel-Chemotherapie geeignet sind,
soll zusätzlich zur Androgendeprivation eine Hormontherapie mit Darolutamid in
Kombination mit 6 Zyklen Docetaxel angeboten werden.
(Empfehlungsgrad: A)
e. Patienten in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) mit neu-diagnostiziertem (de novo),
metastasiertem (M1), hormonsensitivem Prostatakarzinom und hohem Tumorvolumen
(„high volume disease“), die für eine Docetaxel-Chemotherapie geeignet sind, kann
zusätzlich zur Androgendeprivation eine Hormontherapie mit Abirateron (plus
Prednison/Prednisolon) in Kombination mit 6 Zyklen Docetaxel angeboten werden.
(Empfehlungsgrad: 0)
GoR: A/B/0 Evidenzlevel: 1+,1-, 2+ Quellen: [221], [222], [223], [218], [219], [224], [225],
[226], [227], [228]
7.3 Therapie des hormonsensitiven, metastasierten Prostatakarzinoms (mHSPC)
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Nr. Empfehlungen/Statements
7.31 a. Bei Entscheidung für eine kombinierte Behandlung aus Androgendeprivation und
Apalutamid, soll die Apalutamid-Gabe innerhalb von 3 Monaten nach Beginn der
Androgendeprivation beginnen. Die Therapie soll in einer Dosierung von 240 mg/Tag
gegeben werden.
b. Bei Entscheidung für eine kombinierte Behandlung aus Androgendeprivation und
Enzalutamid, soll die Enzalutamid-Gabe innerhalb von 3 Monaten nach Beginn der
Androgendeprivation beginnen. Die Therapie soll in einer Dosierung von 160 mg/Tag
gegeben werden.
c. Bei Entscheidung für eine kombinierte Behandlung aus Androgendeprivation und
Darolutamid, soll die Darolutamid-Gabe innerhalb von 3 Monaten nach Beginn der
Androgendeprivation beginnen. Die Therapie soll in einer Dosierung von 600 mg zweimal
täglich gegeben werden.
d. Bei Entscheidung für eine kombinierte Behandlung aus Androgendeprivation und
Abirateron, soll die Abirateron-Gabe innerhalb von 3 Monaten nach Beginn der
Androgendeprivation beginnen. Die Therapie soll in einer Dosierung von 1000 mg/Tag in
Kombination mit Prednison oder Prednisolon (5 mg/Tag) gegeben werden.
e. Bei Entscheidung für eine kombinierte Behandlung aus Darolutamid, Docetaxel-
Chemotherapie und Androgendeprivation, soll die Darolutamid-Gabe in einer Dosierung
von 2 x 600 mg/Tag innerhalb von 3 Monaten nach Einleitung der Androgendeprivation
beginnen. Die Chemotherapie soll innerhalb von 6 Wochen nach erster Darolutamid-Gabe
beginnen; Docetaxel soll über 6 Zyklen alle 3 Wochen in einer Dosierung von 75 mg/m 2
Körperoberfläche verabreicht werden.
f. Bei Entscheidung für eine kombinierte Behandlung aus Abirateron, Docetaxel-
Chemotherapie und Androgendeprivation, soll die Abirateron-Gabe in einer Dosierung von
1000 mg/Tag (plus Prednison/Prednisolon) innerhalb von 6 Wochen nach Einleitung der
Androgendeprivation beginnen. Die Chemotherapie soll ab 6 Wochen nach Einleitung der
Androgendeprivation beginnen; Docetaxel soll über 6 Zyklen alle 3 Wochen in einer
Dosierung von 75 mg/m 2 Körperoberfläche verabreicht werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+,1-, 2+ Quellen: [222], [223], [218], [219], [224], [225], [226],
[228]
7.32 Gründe für einen Therapieabbruch sollen sein: Patientenwunsch, Progress oder intolerable
Nebenwirkungen. Wird die Behandlung mit einem Medikament aus der Kombination wegen
intolerabler Nebenwirkungen abgebrochen, dann soll die übrige Therapie wie vorgesehen
weitergeführt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.3 Therapie des hormonsensitiven, metastasierten Prostatakarzinoms (mHSPC)
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68
Nr. Empfehlungen/Statements
7.33 Patienten, die nicht für eine Kombinationsbehandlung in Frage kommen, soll eine
Androgendeprivation angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1++ Quellen: [229], [230]
Abbildung 4: Flussdiagramm zur Darstellung der gemäß 7.30 und 7.31 empfohlenen
Therapieoptionen zur systemischen Therapie des mHSPC.
Vergleichende Studien zwischen den empfohlenen Kombinationen liegen nicht vor. Die Dreifach-
Kombinationen kommen nur bei Eignung für eine Docetaxel-Chemotherapie in Betracht. Die
Kombination aus ADT + Abirateron + Docetaxel ist in Europa nicht zugelassen. Zum Stellenwert der
lokalen Strahlenbehandlung beim oligometastasierten Prostatakarzinom vgl. Kapitel 7.5.
7.4 Therapie des androgenunabhängigen oder kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (CRPC)
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69
7.4 Therapie des androgenunabhängigen oder
kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (CRPC)
Nr. Empfehlungen/Statements
7.34 Zur Definition eines kastrationsresistenten Prostatakarzinoms unter Androgensuppression
sollen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
• Testosteronspiegel <50 ng/dl und gleichzeitig
o Biochemischer Progress mit drei konsekutiven Anstiegen des PSA-Wertes im
mindestens wöchentlichen Abstand, Anstieg des PSA-Wertes um mindestens
50 % gegenüber dem Nadir und PSA-Wert >2 ng/ml;
und/oder
o Progress in der Bildgebung.
Konsensbasierte Empfehlung
7.35 Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom sollen über folgende Inhalte
aufgeklärt werden:
• Eine Heilung kann nicht erreicht werden.
• Für die weitere Behandlung stehen verschiedene Optionen zur Verfügung.
Konsensbasierte Empfehlung
7.36 Bei Patienten mit progredienter Erkrankung unter medikamentöser Kastration sollten die
therapeutischen Optionen und das therapeutische Vorgehen interdisziplinär im
Tumorboard beraten und festgelegt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.37 Die folgenden, für eine Therapieentscheidung ausschlaggebenden Faktoren sollen
berücksichtigt werden:
• Symptomatik
• Prädiktive histologische, bildgebende und genetische Diagnostik (Darstellung der
Parameter im Hintergrundtext)
• Vortherapien und Therapieansprechen
• Progressionsdynamik
• Lokalisation von Metastasen und Tumorlast
• Komorbidität, Lebenserwartung und Lebensqualität
• Nebenwirkungen der Therapieoptionen
• Patientenpräferenz
Konsensbasierte Empfehlung
7.4 Therapie des androgenunabhängigen oder kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (CRPC)
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Nr. Empfehlungen/Statements
7.38 Bei geriatrischen Patienten (über 70 Jahre und multimorbid, oder über 80 Jahre) sollte zur
Entscheidungsfindung vor Einleitung einer tumorspezifischen Therapie ein geriatrisches
Assessment (z. B. ISAR, G8) durchgeführt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.39 Bei Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom soll die
Androgendeprivationstherapie fortgesetzt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.4.1 Therapie des nicht-metastasierten, kastrationsresistenten
Prostatakarzinoms (nmCPRC)
Nr. Empfehlungen/Statements
7.40 Patienten mit einem in der konventionellen Bildgebung nicht-metastasierten,
kastrationsresistenten Prostatakarzinom (nmCRPC) und einem hohen Risiko für
Metastasierung (PSA-Verdopplungszeit von <10 Monaten) soll zusätzlich zur
Androgendeprivationstherapie (ADT) die Therapie mit einem Androgenrezeptor-Signalweg-
Inhibitor (ARPI) (alphabetische Reihenfolge: Apalutamid, Darolutamid oder Enzalutamid)
angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+, 1- Quellen: [240], [241], [242], [243], [244], [245], [246],
[247], [248]
7.4.2 Therapie des metastasierten, kastrationsresistenten
Prostatakarzinoms (mCPRC)
Nr. Empfehlungen/Statements
7.41 Die systemische Therapie soll bei Bedarf in Kombination mit symptomatischen und
supportiven Maßnahmen durchgeführt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.42 Falls keine positiven Ergebnisse einer früher durchgeführten Keimbahntestung vorliegen,
soll vor Einleitung einer systemischen Therapie des metastasierten, kastrationsresistenten
Prostatakarzinom die Sequenzierung (Keimbahn, somatisch) von Genen, die in der
Reparatur der homologen DNS-Rekombination (homologen Rekombinationsreparatur
(HRR)) eine Rolle spielen, durchgeführt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1- Quellen: [249]
7.4 Therapie des androgenunabhängigen oder kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (CRPC)
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7.4.2.1 Therapie des mCRPC bei Nachweis einer BRCA1/2-Mutation
Nr. Empfehlungen/Statements
7.43 Bei Nachweis einer BRCA1/2-Mutation und Progress nach Vortherapie mit einem
Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (ARPI) oder Abirateron soll eine Monotherapie mit
Olaparib angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1- Quellen: [249], [250]
7.44 Bei Nachweis einer BRCA1/2-Mutation soll, falls eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert
ist, eine der folgenden Kombinationstherapien angeboten werden (alphabetische
Reihenfolge):
• Niraparib + Abirateron (in Kombination mit Prednison/Prednisolon)
• Olaparib + Abirateron (in Kombination mit Prednison/Prednisolon)
• Talazoparib + Enzalutamid
GoR: A Evidenzlevel: 1++, 1+ Quellen: [251], [252], [253]
7.45 Da keine Ergebnisse direkt vergleichender Studien vorliegen, sollen bei der
Therapieentscheidung insbesondere die Charakteristika der jeweiligen Zulassungsstudien
berücksichtigt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.4.2.2 Therapie des mCRPC bei Nachweis eines HRR-Defektes (außer BRCA1/2)
Nr. Empfehlungen/Statements
7.46 Patienten mit Nachweis eines Defektes der homologen Rekombinationsreparatur (HRR)
außer BRCA1/2, die in der Vortherapie keinen Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (ARPI)
oder Abirateron erhalten haben, soll die Therapie mit einer dieser Optionen angeboten
werden (alphabetische Reihenfolge):
• Abirateron (in Kombination mit Prednison/Prednisolon)
• Abirateron (in Kombination mit Prednison/Prednisolon) + Olaparib (falls eine
Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist)
• Docetaxel
• Enzalutamid
• Enzalutamid + Talazoparib (falls eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist)
Konsensbasierte Empfehlung
7.47 Bei Entscheidung für eine Kombinationstherapie soll insbesondere die zugrundeliegende
homologen Rekombinationsreparatur (HRR)-Alteration berücksichtigt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
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72
7.4.2.3 Therapie des mCRPC ohne Nachweis eines HRR-Defektes
Nr. Empfehlungen/Statements
7.48 Patienten ohne Nachweis einer BRCA1/2-Mutation oder eines anderen Defektes der
homologen Rekombinationsreparatur (HRR), die in der Vortherapie keinen
Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (ARPI) oder Abirateron erhalten haben, soll die
Therapie mit einer dieser Optionen angeboten werden (alphabetische Reihenfolge):
• Abirateron (in Kombination mit Prednison/Prednisolon)
• Docetaxel
• Enzalutamid
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [254], [255], [256]
7.4.2.4 Therapie des mCRPC in Abhängigkeit von Vortherapien
Nr. Empfehlungen/Statements
7.49 Patienten, die in der Vortherapie kein Taxan erhalten haben und für die eine
Chemotherapie geeignet ist, soll die Therapie mit Docetaxel in zwei- oder dreiwöchigen
Dosierungsschemata angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [256], [257]
7.50 Patienten ohne Nachweis einer BRCA1/2-Mutation oder eines anderen Defektes der
homologen Rekombinationsreparatur (HRR), die in der Vortherapie keinen
Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (ARPI) oder Abirateron erhalten haben, kann, falls
eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist, eine Kombinationstherapie mit einer dieser
Optionen angeboten werden (alphabetische Reihenfolge):
• Abirateron (in Kombination mit Prednison/Prednisolon) + Olaparib
• Enzalutamid + Talazoparib
GoR: 0 Evidenzlevel: 1++,1+ Quellen: [251], [253]
7.51 Patienten mit metastasierter, kastrationsresistenter, progredienter Erkrankung nach
Therapie mit Abirateron oder einem Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (Apalutamid,
Darolutamid, Enzalutamid), die keine Chemotherapie bekommen können, kann Lutetium
(177Lu) Vipivotidtetraxetan angeboten werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1- Quellen: [258]
7.4 Therapie des androgenunabhängigen oder kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (CRPC)
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Nr. Empfehlungen/Statements
7.52 Patienten mit metastasierter, kastrationsresistenter, progredienter Erkrankung und gutem
Allgemeinzustand nach Chemotherapie mit Docetaxel sowie Abirateron oder einem
Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (Apalutamid, Darolutamid, Enzalutamid) soll eine
der folgenden Therapieoptionen angeboten werden (alphabetische Reihenfolge):
• Cabazitaxel
• Lutetium (177Lu) Vipivotidtetraxetan (Kriterien für die Bildgebung im
Hintergrundtext)
GoR: A Evidenzlevel: 1+, 1- Quellen: [259], [260], [261], [262]
7.53 Statt eines Wechsels des Therapieprinzips (siehe Empfehlungen 8.44-8.48) kann Patienten
mit metastasiertem, kastrationsresistenten Prostatakarzinom, progredienter Erkrankung,
gutem Allgemeinzustand nach Chemotherapie mit Docetaxel sowie Abirateron oder einem
Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (ARPI) (Apalutamid, Darolutamid, Enzalutamid) eine
der folgenden Therapieoptionen angeboten werden:
• Nach Vortherapie mit ARPI (Apalutamid, Darolutamid, Enzalutamid): Abirateron
(in Kombination mit Prednison/Prednisolon)
• Nach Vortherapie mit Abirateron: Enzalutamid
• Nach Vortherapie mit Abirateron, ARPI oder Docetaxel und längerem
Therapieintervall: Retherapie mit Abirateron (in Kombination mit
Prednison/Prednisolon), Enzalutamid oder Docetaxel.
Konsensbasierte Empfehlung
7.54 Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistenten Prostatakarzinom, progredienter
Erkrankung, gutem Allgemeinzustand und symptomatischen ossären Metastasen und
gleichzeitig ohne bekannte viszerale Metastasen, kann Radium-223 angeboten werden,
wenn keine andere verfügbare systemische Therapie für das metastasierte,
kastrationsresistente Prostatakarzinom geeignet ist.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1+ Quellen: [263]
7.55 Radium-223 soll nicht in Kombination mit Abirateron und Prednison/Prednisolon
angewandt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [264]
7.4 Therapie des androgenunabhängigen oder kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (CRPC)
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7.4.2.5 Therapie des mCRPC bei reduziertem Allgemeinzustand
Nr. Empfehlungen/Statements
7.56 Patienten mit kastrationsresistenter, symptomatischer, progredienter Erkrankung und
reduziertem Allgemeinzustand (ECOG ≥2, Karnofsky-Index <70) soll eine
symptombezogene Therapie angeboten werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.57 Patienten mit kastrationsresistenter, progredienter Erkrankung und reduziertem
Allgemeinzustand (ECOG ≥2, Karnofsky-Index <70) kann zusätzlich eine der in Empfehlung
7.39 bis 7.55 aufgeführten Therapieoptionen angeboten werden, wenn der reduzierte
Allgemeinzustand vor allem auf das metastasierte Prostatakarzinom zurückzuführen ist
und keine Therapie-begrenzenden Komorbiditäten vorliegen.
Konsensbasierte Empfehlung
7.4.3 Therapie des neuroendokrinen Prostatakarzinoms (NEPC)
Nr. Empfehlungen/Statements
7.58 Bei Patienten mit mindestens einem der folgenden Kriterien sollte eine histologische
Abklärung für ein neuroendokrines Prostatakarzinom angeboten werden:
• Neu aufgetretenen Lebermetastasen
• Multiple oder neu aufgetretenen lytische Knochenmetastasen mit und ohne
Weichteilkomponente
• Niedriger PSA-Wert bei Erstvorstellung oder bei Progression im Vergleich zur
Tumorlast
• Verlust oder Fehlen der PSMA-Expression zum Zeitpunkt der
Krankheitsprogression oder FDG-positive, PSMA-negative Läsionen in der PSMA-
PET/CT.
• Erhöhung von NSE oder Chromogranin A im Serum
Konsensbasierte Empfehlung
7.59 Bei Nachweis eines de novo oder transdifferenzierten neuroendokrinen Prostatakarzinoms
sollte eine Platin-basierte Chemotherapie in Kombination mit Etoposid durchgeführt
werden. Eine Behandlung innerhalb einer klinischen Studie ist zu präferieren.
Konsensbasierte Empfehlung
7.5 Lokale Therapie bei metastasiertem Prostatakarzinom
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75
7.5 Lokale Therapie bei metastasiertem
Prostatakarzinom
7.5.1 Präambel
Nr. Empfehlungen/Statements
7.60 Unter einem oligometastasierten Prostatakarzinom wird ein Tumor mit maximal 4 in
konventioneller Bildgebung (Skelettszintigraphie und CT oder MRT) nachweisbaren
Knochenmetastasen ohne extraossäre viszerale Metastasen verstanden.
GoR: ST Evidenzlevel: 1- Quellen: [272], [273]
7.5.2 Perkutane Strahlentherapie und radikale Prostatektomie
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 7.61, 7.62, 7.63
7.61
7.62
7.63
Patienten mit einem neu diagnostizierten, oligometastasierten Prostatakarzinom („low
volume“ nach CHAARTED-Kriterien mit konventionellem Staging) kann zusätzlich zur
systemischen Therapie (Androgendeprivation -ADT/ARPI- simultan, Docetaxel sequentiell)
eine perkutane Strahlentherapie der Prostata angeboten werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1- Quellen: [272], [273], [274], [275]
Patienten mit einem neu diagnostiziertem, hormonnaiven metastasierten
Prostatakarzinom (mit konventionellem Staging) und hohem lokalen Progressionsrisiko
kann zusätzlich zur systemischen Therapie eine perkutane Strahlentherapie der Prostata
angeboten werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1- Quellen: [275]
Die externe Strahlentherapie (EBRT) sollte hypofraktioniert verabreicht werden, die
Strahlendosis sollte eine Äquivalenzdosis von 74 Gy in 2 Gy-Standardfraktionierung nicht
überschreiten.
GoR: B Evidenzlevel: 1- Quellen: [272], [273], [274], [275]
7.5 Lokale Therapie bei metastasiertem Prostatakarzinom
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Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 7.64, 7.65
7.64 Die radikale Prostatektomie ist als Therapieoption beim oligometastasierten
Prostatakarzinom nicht hinreichend durch Evidenz belegt.
Konsensbasiertes Statement
7.65 Die radikale Prostatektomie kann beim oligometastasierten Prostatakarzinom nach
Diskussion in einer interdisziplinären Tumorkonferenz im Rahmen einer multimodalen
Therapie angeboten werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 2++ Quellen: [276]
Verknüpfte Empfehlungen: 7.66, 7.67, 7.68
7.66
7.67
7.68
Die metastasengerichtete lokal ablative Therapie beim oligometastasierten
Prostatakarzinom ist nicht hinreichend durch Evidenz belegt, insbesondere in Bezug auf
onkologische Endpunkte.
Konsensbasiertes Statement
Die metastasengerichtete lokal ablative Therapie beim oligometastasierten
Prostatakarzinom kann zur Verzögerung einer Androgendeprivation und/oder
Tumorprogression eingesetzt werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 2++ Quellen: [277], [276], [278]
Eine externe Strahlentherapie (EBRT) als ablative Behandlung sollte hypofraktioniert
erfolgen, vorzugsweise als stereotaktische Bestrahlung (SBRT).
GoR: B Evidenzlevel: 2++ Quellen: [277], [276], [278]
7.6 Therapie von Knochenmetastasen
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7.6 Therapie von Knochenmetastasen
Nr. Empfehlungen/Statements
7.69 Die Therapie symptomatischer ossärer Metastasen ist Bestandteil des onkologischen
Gesamtkonzeptes (siehe 7.54, 7.55, 7.71). Patienten mit ossären Metastasen soll
zusätzlich eine oder mehrere der folgenden Therapieoptionen angeboten werden:
• medikamentöse Schmerztherapie
• lokale Bestrahlung, siehe Empfehlung 7.70
• operative Intervention (in der Regel in Kombination mit Bestrahlung).
GoR: A Evidenzlevel: siehe die
jeweiligen Empfehlungen
Quellen: [263], [279], [280]
7.70 Die lokale perkutane Bestrahlung soll bei Knochenmetastasen in folgenden Situationen
eingesetzt werden:
• Persistierende lokalisierte Knochenschmerzen
• drohende spinale Kompression (ggf. nach operativer Intervention)
• nach operativer Stabilisierung
• erhöhtes Frakturrisiko
GoR: A Evidenzlevel: 1++ Quellen: [279]
7.71 Radionuklide können bei multiplen Knochenmetastasen im kastrationsresistenten Stadium
zur Schmerztherapie eingesetzt werden. Für die Indikation zu Radium-223 wird auf die
Empfehlung 7.54 und Empfehlung 7.55 verwiesen.
GoR: 0 Evidenzlevel: 1+ Quellen: [280]
7.72 Zur Prävention von Komplikationen bei Knochenmetastasen im Hormon-naiven Stadium
sollten Bisphosphonate nicht eingesetzt werden.
(Empfehlungsgrad: B)
Die Wirkung von Denosumab in diesem Stadium kann derzeit nicht beurteilt werden.
(Statement)
GoR: B Evidenzlevel: 1+,4 Quellen: [281], [282], [283], [284], [285],
[286], [287]
7.73 Zur Prävention von Komplikationen bei Knochenmetastasen im kastrationsresistenten
Stadium soll der monoklonale Antikörper Denosumab oder als Bisphosphonat
Zoledronsäure unter Aufklärung von Nutzen und Schaden angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [282], [284]
7.7 Bildgebung für das Therapiemonitoring beim mHSPC und mCRPC
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Nr. Empfehlungen/Statements
7.74 Zur Prävention von Kieferosteonekrosen soll vor der Gabe von Bisphosphonaten oder
Denosumab
• eine zahnärztliche Untersuchung und ggf. erforderliche zahnärztliche Sanierung
sowie
• eine Unterweisung und Motivation des Patienten zu überdurchschnittlicher
Mundhygiene stattfinden.
GoR: A Evidenzlevel: 3 Quellen: [282], [288]
7.7 Bildgebung für das Therapiemonitoring beim
mHSPC und mCRPC
Nr. Empfehlungen/Statements
7.75 Bei Patienten mit einem metastasierten, hormonsensitiven Prostatakarzinom sollte vor
Therapiebeginn und zum Zeitpunkt des PSA-Nadirs eine konventionelle Bildgebung mittels
Computertomographie (Abdomen/Thorax/Becken) und Knochenszintigraphie erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
7.76 Bei stabilem Krankheitsverlauf sollte alle 6-12 Monate eine erneute Bildgebung erfolgen.
Unabhängig davon sollte eine Bildgebung erfolgen
• Bei Verdacht auf klinischen Progress
• Bei PSA-Progress (Kriterien siehe Hintergrundtext)
Konsensbasierte Empfehlung
7.77 Bei Patienten mit einem metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinom sollte
alle 3-6 Monate eine konventionelle Bildgebung mittels Computertomographie
(Abdomen/Thorax/Becken) und Knochenszintigraphie erfolgen.
Unabhängig davon sollte eine Bildgebung erfolgen
• Bei Verdacht auf klinischen Progress
• Bei PSA-Progress (Kriterien siehe Hintergrundtext)
Konsensbasierte Empfehlung
7.78 Alternativ zur konventionellen Bildgebung kann eine PSMA-PET/CT durchgeführt werden.
GoR: 0 Evidenzlevel: 2++, 2+ Quellen: [289], [290]
7.8 Supportivtherapie
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7.8 Supportivtherapie
7.8.1 Definition
7.8.2 Allgemeine supportive Maßnahmen
Nr. Empfehlungen/Statements
7.79 Die Patienten sollen auf die Notwendigkeit körperlicher Aktivität während der
onkologischen Therapie hingewiesen werden, da diese sich positiv auf die körperliche
Fitness, die Verträglichkeit der Therapie und die Ausführung täglicher Aktivitäten
(activities of daily living -ADL) auswirkt.
Konsensbasierte Empfehlung
7.80 Patienten mit Prostatakrebs sollte eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil
pflanzlicher Lebensmittel empfohlen werden. Darüber hinaus gibt es keine ausreichende
Evidenz für spezifische Empfehlungen zur Ernährung beim Prostatakarzinom – weder für
die Prävention noch zur Beeinflussung des Erkrankungsverlaufes.
Konsensbasierte Empfehlung
7.81 Es gibt keine ausreichende Evidenz zum Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln beim
Prostatakarzinom – weder für die Prävention noch zur Beeinflussung des
Erkrankungsverlaufes.
Konsensbasiertes Statement
7.82 Es gibt keine ausreichende Evidenz zum Einsatz komplementärer medizinischer Methoden
für die Prävention oder die Beeinflussung des Erkrankungsverlaufes.
Konsensbasiertes Statement
7.8 Supportivtherapie
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7.8.3 Spezifische supportive Behandlung häufiger unerwünschter
therapiebedingter Wirkungen
7.8.3.1 Lokale Therapie – Radikale Prostatektomie
Nr. Empfehlungen/Statements
7.83 Die häufigsten unerwünschten Folgen nach radikaler Prostatektomie sollen wie folgt
behandelt werden:
• erektile Dysfunktion: siehe Empfehlungen im Kapitel 8
• Inkontinenz: siehe Empfehlungen im Kapitel 8
• Anastomosenstriktur (siehe Hintergrundtext): konservative oder operative
Behandlung möglich
• Lymphozelen: siehe 7.84 bis 7.86
Konsensbasierte Empfehlung
Verknüpfte Empfehlungen: 7.84, 7.85, 7.86
7.84
7.85
7.86
Nach Lymphadenektomie sollte eine Ultraschalluntersuchung - ggf. mit
Dopplerflowmessung - postoperativ zur Diagnostik von Lymphozelen erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
Lymphozelen nach Lymphadenektomie sollen behandelt werden, wenn sie symptomatisch
und/oder gefäßkomprimierend sind.
Konsensbasierte Empfehlung
Asymptomatische und nicht gefäßkomprimierende Lymphozelen sollen ohne Intervention
weiter kontrolliert werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.8.3.2 Lokale Therapie - Strahlentherapie
Nr. Empfehlungen/Statements
7.87 Zur Behandlung der chronischen Strahlenproktitis kann aus der Studienlage keine
Standardtherapie abgeleitet werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.8 Supportivtherapie
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81
Tabelle 10: Zusammenfassung der antiemetischen Prophylaxe
Emesis-Risiko Bestrahlte Körperregion Antiemetische Prophylaxe
Moderat Oberes Abdomen, Brustwirbelsäule/
Lendenwirbelsäule, Neuroachse in
Abhängigkeit von der Technik
5-HT3-RA und Dexamethason
Gering Becken, Hirnschädel, Hals-Nasen-
Ohren-Bereich
5-HT3-RA oder Rescue-Therapie
Minimal Extremitäten, Brust Keine Routineprophylaxe
7.8.4 Unerwünschte Wirkungen der Hormonentzugstherapie
Nr. Empfehlungen/Statements
7.88 Patienten sollen über die typischen und häufigen unerwünschten Wirkungen der hormon-
ablativen Therapie sowie deren Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Tabelle 11: Typische und häufige Nebenwirkungen einer hormon-ablativen Therapie
und Möglichkeiten der Prophylaxe und Behandlung
Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen) Prophylaxe/Behandlung
Kastration
Libidoverlust keine
Erektile Dysfunktion Phosphodiesterasehemmer (PDE5-Hemmer),
intrakavernöse Injektionen (ICI, SKAT), MUSE
Vakuumpumpen, Penisimplantate
Hitzewallungen (55-80 % aller Patienten
während der hormonablativen Therapie)
Cyproteronacetat, Antidepressiva (Venlafaxin),
Clonidin
Gynäkomastie und Brustschmerz: 50 % bei
kompletter Androgenblockade (CAB), 10-20 %
nach Kastration)
Prophylaktische Bestrahlung, Mastektomie,
Tamoxifen (die Verordnung von Tamoxifen
entspricht einem off-label-use)
Zunahme des Körperfetts körperliche Aktivität/Sport,
Ernährungsberatung
Muskelabbau körperliche Aktivität/Sport
7.8 Supportivtherapie
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82
Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen) Prophylaxe/Behandlung
Anämie (schwere Form in 13 % der CAB-
Patienten)
Transfusion bei symptomatischer Anämie,
Erythropoese-stimulierende Substanzen
(Erythropoietin u. a.) unter sorgfältiger
Abwägung der Risiken
Reduktion der Knochendichte körperliche Aktivität/Sport, Kalzium + Vitamin
D, Bisphosphonate / RANK-Ligand Antikörper
bei Osteoporosenachweis
Abnahme der kognitiven Fähigkeiten Gehirntraining
Östrogene
Erhöhung des Risikos für kardiovaskuläre
Ereignisse (akuter Myokardinfarkt, chronische
Herzinsuffizienz, zerebrovaskuläre Ereignisse,
Tiefe Venenthrombose, Lungenembolie)
parenterale Gabe, ggf. Antikoagulation
Steroidale Antiandrogene
Hauptnebenwirkungen der Wirkstoffgruppe:
Libidoverlust, erektile Dysfunktion, selten
Gynäkomastie
Erektile Dysfunktion s.o.
Nichtsteroidale Antiandrogene
Hauptnebenwirkungen der Wirkstoffgruppe:
Gynäkomastie (49-66 %), Brustschmerz (40-72
%), Hitzewallungen (9-13 %)
Prophylaktische Bestrahlung der Brustdrüse,
Tamoxifen bzw. Aromatase-Inhibitoren (die
Verordnung von Tamoxifen entspricht einem
off-label-use)
Quelle: [176]
7.8.5 Unerwünschte Wirkungen der Androgenrezeptor-Signalweg
Inhibitoren (ARPI) bzw. Abirateron
Nr. Empfehlungen/Statements
7.89 Patienten sollen über Behandlungsmöglichkeiten typischer und häufiger unerwünschter
Wirkungen der kombinierten Behandlung mit einer Androgendeprivationstherapie und
einem Androgenrezeptor-Signalweg Inhibitor bzw. Abirateron aufgeklärt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.8 Supportivtherapie
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83
7.8.6 Spezifische unerwünschte Wirkungen der Chemotherapie mit
Taxanen
Nr. Empfehlungen/Statements
7.90 Patienten sollen über Behandlungsmöglichkeiten typischer und häufiger unerwünschter
Wirkungen der Behandlung mit Docetaxel aufgeklärt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.91 Patienten sollen über Behandlungsmöglichkeiten typischer und häufiger unerwünschter
Wirkungen der Behandlung mit Cabazitaxel aufgeklärt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.92 Bei systemischer Therapie mit Taxanen sollen regelmäßige Blutbildkontrollen vor und nach
der Behandlung erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
7.93 Bei systemischer Therapie mit Cabazitaxel kann G-CSF prophylaktisch gegeben werden,
um das Risiko einer symptomatischen Neutropenie zu verringern.
Konsensbasierte Empfehlung
7.94 Eine Untersuchung des neurologischen Status soll vor Einleitung einer potentiell
neurotoxischen Tumortherapie zur Erhebung des Ausgangsbefundes und Identifizierung
von Risikopatienten erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
Tabelle 12: Empfohlene Dosisänderungen im Falle von Nebenwirkungen bei mit
Cabazitaxel behandelten Patienten
Nebenwirkungen Dosisänderung
Länger anhaltende Neutropenie ≥ Grad 3
(länger als 1 Woche) trotz entsprechender
Behandlung einschließlich G-CSF
Behandlung bis zum Erreichen einer
Neutrophilenzahl von > 1.500 Zellen/mm³
aussetzen, dann Cabazitaxel-Dosis von 25
mg/m² auf 20 mg/m² reduzieren
Febrile Neutropenie oder neutropenische
Infektion
Behandlung bis zum Erreichen einer
Verbesserung oder einer Normalisierung und
einer Neutrophilenzahl von > 1.500 Zellen/mm³
aussetzen, dann Cabazitaxel-Dosis von 25
mg/m² auf 20 mg/m² reduzieren
7.8 Supportivtherapie
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
84
7.8.7 Spezifische unerwünschte Wirkungen der systemischen
Therapie mit Inhibitoren der Poly-(ADP-ribose)-Polymerasen
(PARPi)
Nr. Empfehlungen/Statements
7.95 Patienten sollen über die typischen und häufigen unerwünschten Wirkungen der
Behandlung mit einem Poly-(ADP-Ribose)-Polymerase (PARP)-Inhibitor sowie deren
Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.8.8 Unerwünschte Wirkungen der Radioligandentherapie
Nr. Empfehlungen/Statements
7.96 Patienten sollen über die typischen und häufigen unerwünschten Wirkungen der
Behandlung mit einem PSMA-Radioliganden sowie deren Behandlungsmöglichkeiten
aufgeklärt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.97 Patienten sollten vor Beginn einer PSMA-Ligandentherapie eine medikamentöse Antiemese
mit 5-HT ₃ -Antagonisten mit oder ohne Dexamethason erhalten.
Konsensbasierte Empfehlung
7.98 Die Behandlung von Mundtrockenheit (Xerostomie) soll symptomorientiert mit topischen
Maßnahmen erfolgen. Eine systemische Therapie kann erforderlich sein.
Konsensbasierte Empfehlung
7.99 Die Behandlung hämatotoxischer unerwünschter Wirkungen soll symptomorientiert
erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
7.9 Versorgung in der nicht-kurativen Therapiesituation
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85
7.9 Versorgung in der nicht-kurativen Therapiesituation
7.9.1 Definition
Nr. Empfehlungen/Statements
7.100 Im Zentrum der uro-onkologischen Versorgung in der nicht-kurativen Therapiesituation
steht die Verbesserung der Lebensqualität durch effektive Behandlung von typischen
belastenden Symptomen bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom als Teil
der interdisziplinären Versorgung zu der auch die palliativmedizinische Versorgung
gehören kann.
Konsensbasiertes Statement
7.9.2 Zielsetzung
Nr. Empfehlungen/Statements
7.101 Ziel der Behandlung in der nicht-kurativen Therapiesituation ist es, eine effektive
Behandlung häufiger Symptome bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom
zur Verbesserung der Lebensqualität durchzuführen.
Konsensbasiertes Statement
7.9.3 Diagnostik
Nr. Empfehlungen/Statements
7.102 Körperliche und psychische Beschwerden wie Angst, Unruhe, Depression, Dyspnoe,
Schwäche und Fatigue sollen regelmäßig erhoben werden und angemessen betreut und
behandelt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.9 Versorgung in der nicht-kurativen Therapiesituation
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86
7.9.4 Allgemeine Maßnahmen
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 7.103, 7.104
7.103
7.104
Die Möglichkeiten der palliativmedizinischen Versorgung sollen mit dem Patienten und
seinen Angehörigen umfassend besprochen werden und es sollten im Sinne einer „Early
integration of palliative care“ frühzeitig im Krankheitsverlauf Unterstützungsoptionen
angeboten werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1-, 2- Quellen: [291], [292]
Der Zeitpunkt der Ergänzung der Regelversorgung durch eine Palliativversorgung hängt
in erster Linie vom Bedürfnis des Patienten und dem individuellen Krankheitsverlauf ab.
Konsensbasiertes Statement
Verknüpfte Empfehlungen: 7.105, 7.106
7.105
7.106
Die Festlegung der medizinischen Behandlungsstrategie soll interdisziplinär und
multiprofessionell erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
Dem Patienten sollte Zugang zu einem interdisziplinären Behandlungsteam angeboten
werden (einschließlich psychosozial bzw. psychoonkologisch sowie palliativmedizinisch
geschultem Fachpersonal).
Konsensbasierte Empfehlung
7.9 Versorgung in der nicht-kurativen Therapiesituation
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87
7.9.5 Spezifische Maßnahmen
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 7.107, 7.108, 7.109
7.107
7.108
7.109
Die medikamentöse Tumorschmerztherapie soll nach den Empfehlungen der europäischen
EAPC/Caraceni-Leitlinie sowie im Einzelnen nach den Empfehlungen der jeweils gültigen
S3-Leitlinie „Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung“
erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
Im Rahmen der Schmerztherapie sollen nichtmedikamentöse physikalische (u. a.
Lagerung, Lymphdrainage, aktivierende Pflege) und psychosoziale (psychologischer, ggf.
seelsorgerischer Beistand) Maßnahmen erwogen werden.
Konsensbasierte Empfehlung
Tumorspezifische Maßnahmen (z. B. Strahlentherapie, operative Verfahren,
medikamentöse Tumortherapien) haben ebenfalls einen Stellenwert in der
Tumorschmerztherapie.
Konsensbasiertes Statement
Verknüpfte Empfehlungen: 7.110, 7.111
7.110
7.111
Bei Patienten mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und Fatigue soll
differentialdiagnostisch überprüft werden, ob die Symptomatik durch eine behandelbare
Ursache (z.B. Anämie, Depression oder Medikamenten-nebenwirkungen) verursacht wird.
Konsensbasierte Empfehlung
Patienten mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung und Fatigue sollte eine
patientenzentrierte angemessene Bewegungs- und Trainingstherapie empfohlen werden.
Konsensbasierte Empfehlung
7.112 Zur besseren Erfassung, Objektivierung und Vergleichbarkeit körperlicher und
psychischer Beschwerden sollten standardisierte Fragebögen eingesetzt werden.
GoR: B Evidenzlevel: 3 Quellen: [293], [294]
7.113 Bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom kann es durch die Krankheit
und/oder Therapiebedingt zu Gewichtsverlust und Ernährungsstörungen kommen.
Ein multidisziplinärer Ansatz, einschließlich medizinischer, ernährungs-physiologischer
und psychosozialer Interventionen kann notwendig werden, um durch frühzeitige
Diagnose und Intervention Lebensqualität und Therapieerfolg zu verbessern.
Konsensbasierte Empfehlung
7.9 Versorgung in der nicht-kurativen Therapiesituation
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88
Nr. Empfehlungen/Statements
7.114 Ein Gesprächsangebot über Fragen der Sexualität sollte im Rahmen der Betreuung von
Patienten mit Prostatakarzinom erfolgen.
Konsensbasierte Empfehlung
7.115 Bei Patienten mit einem nicht-heilbaren Prostatakarzinom sollte die Erfassung und
Behandlung einer Depression Teil der Betreuung sein.
Konsensbasierte Empfehlung
7.116 Angst ist bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom weit verbreitet und
erfordert eine frühzeitige Erkennung und gezielte Interventionen. Ein multidisziplinärer
Ansatz aus medizinischer, psychologischer und sozialer Betreuung kann helfen, die Angst
zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.
Konsensbasierte Empfehlung
7.9.6 Therapiebegrenzung
Nr. Empfehlungen/Statements
Verknüpfte Empfehlungen: 7.117, 7.118, 7.119
7.117
7.118
7.119
Bei Patienten mit einer nicht-heilbaren Krebserkrankung ist die Erfassung zu
Vorstellungen und Wünschen im Hinblick auf die Therapieziele und eine
Therapiebegrenzung wesentlicher Teil der Behandlung.
Konsensbasiertes Statement
Alle erforderlichen Maßnahmen sollen sich an den individuellen Therapie- und
Lebenszielen des Patienten orientieren.
Konsensbasierte Empfehlung
Eine Therapiebegrenzung bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom zielt darauf ab,
unnötige Belastungen zu vermeiden und den Fokus auf die Lebensqualität des Patienten
zu legen. Sie erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der medizinische, ethische und
psychosoziale Aspekte berücksichtigt.
Konsensbasiertes Statement
7.9 Versorgung in der nicht-kurativen Therapiesituation
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89
7.9.7 Versorgungsstrukturen
Nr. Empfehlungen/Statements
7.120 Sind zusätzliche Unterstützungsangebote oder eine Ergänzung der Regelversorgung durch
eine Palliativversorgung geboten, soll der Patient umfassend über Betreuungsangebote
informiert werden.
Konsensbasierte Empfehlung
8.1 Rehabilitation nach kurativer intendierter Therapie
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
90
8 Rehabilitation
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
8.1 Rehabilitation nach kurativer intendierter Therapie
Nr. Empfehlungen/Statements
8.1 Patienten nach lokaler Therapie sollen über eine fachspezifische Rehabilitation
insbesondere in Form einer Anschlussheilbehandlung (AHB) informiert werden.
Expertenkonsens basierend auf Empfehlungen 8.4, 8.5 und Statement 8.7.
GoR: A Evidenzlevel: 1+, 1-
8.2 a. Die Zielsetzung der Rehabilitation nach radikaler Prostatektomie besteht:
• in der Therapie der postoperativen Funktionsstörungen, insbesondere der
Harninkontinenz und erektilen Dysfunktion;
• in der Wiederherstellung der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit;
• in der Wiederbefähigung zur Teilhabe am normalen gesellschaftlichen Leben und,
• soweit der Patient noch im Berufsleben steht, in dem Erhalt oder der
Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit.
b. Die Zielsetzung der Rehabilitation nach Strahlentherapie besteht:
• in der Therapie der postradiogenen Funktionsstörungen, insbesondere von
Funktionsstörungen von Blase und Darm erektiler Dysfunktion;
• in der Wiederherstellung der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit;
• in der Wiederbefähigung zur Teilhabe am normalen gesellschaftlichen Leben und;
• soweit der Patient noch im Berufsleben steht, in dem Erhalt oder der
Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
8.3 Die Rehabilitation sollte fachurologisch, bei entsprechender Komorbidität der Patienten
multidisziplinär und mit Hilfe multimodaler Therapiekonzepte erfolgen.
GoR: B Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
8.4 Die postoperative Harninkontinenz nach radikaler Prostatektomie soll mit Hilfe
multimodaler Konzepte therapiert werden. Im Mittelpunkt des Kontinenztrainings bei
Belastungsinkontinenz soll die Physiotherapie stehen. Andere Formen der Inkontinenz
sollen evaluiert und ggf. entsprechend behandelt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 1+ Quellen: [295], [296], [297], [298], [299]
8.2 Rehabilitation für Patienten unter Hormonentzugstherapie
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91
Nr. Empfehlungen/Statements
8.5 a) Zur Therapie der erektilen Dysfunktion nach kurativer Therapie können PDE-5-
Inhibitoren, Vakuumerektionshilfesysteme, intrakavernöse Injektionen oder intraurethrale
Prostaglandine (Aldoprostadil) in Kombination mit physiotherapeutischem ED-Training
eingesetzt werden.
b) Zur Therapie der erektilen Dysfunktion sollte zunächst ein PDE-5-Inhibitor eingesetzt
werden. Bei Ineffektivität der PDE-5-Inhibitor-Therapie sollten intrakavernöse Injektionen
oder intraurethrale Prostaglandine (Aldoprostadil) oder Vakuumerektionshilfesysteme
unter Berücksichtigung der Patientenpräferenz in Kombination mit physiotherapeutischem
ED-Training erwogen werden.
GoR: B Evidenzlevel: 1-,4 Quellen: [300], [301], [302]
8.6 Der Bedarf einer psychoonkologischen Betreuung zur Unterstützung der
Krankheitsverarbeitung soll geprüft und entsprechende Maßnahmen sollen ggf. angeboten
werden.
Siehe auch S3-Leitlinie Psychoonkologie.
GoR: A Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
8.2 Rehabilitation für Patienten unter
Hormonentzugstherapie
Nr. Empfehlungen/Statements
8.7 Die Zielsetzung der Rehabilitation während Hormonentzugstherapie besteht
• in der Therapie der Nebenwirkungen;
• im Erhalt bzw. in der Wiederherstellung der physischen und psychischen
Leistungsfähigkeit;
• im Erhalt bzw. in der Wiederbefähigung zur Teilhabe am normalen
gesellschaftlichen Leben und,
• soweit der Patient noch im Berufsleben steht, im Erhalt oder der Wiederherstellung
der Erwerbsfähigkeit.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Expertenmeinung
8.8 Patienten unter Hormonentzugstherapie sollen rehabilitative Maßnahmen empfohlen
werden, die Elemente der Bewegungstherapie enthalten.
GoR: A Evidenzlevel: 1+,1- Quellen: [303], [304], [305]
8.3 Rehabilitation für Patienten in der Palliativsituation
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92
8.3 Rehabilitation für Patienten in der Palliativsituation
Nr. Empfehlungen/Statements
8.9 Auch in der nicht-kurativen Situation sollten rehabilitative Maßnahmen symptomorientiert
empfohlen werden.
Konsensbasierte Empfehlung
9.1 Nachsorge nach lokaler kurativ intendierter Therapie
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
93
9 Nachsorge
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
9.1 Nachsorge nach lokaler kurativ intendierter
Therapie
Nr. Empfehlungen/Statements
9.1 a) Asymptomatische Patienten nach lokaler kurativ intendierter Therapie sollen innerhalb
von zwölf Wochen nach Ende der Therapie eine Nachsorgeuntersuchung erhalten.
(Empfehlungsgrad: A)
b) Bei asymptomatischen Patienten sollten die Untersuchungen innerhalb der ersten zwei
Jahre vierteljährlich, im 3. und 4. Jahr halbjährlich und vom 5. Jahr an in jährlichen
Intervallen wiederholt werden.
(Empfehlungsgrad: B)
GoR: A/B Evidenzlevel: 4 Quellen: [178], [172], [181]
Expertenmeinung
9.2 Bei asymptomatischen Patienten nach kurativ intendierter Therapie soll die Bestimmung
des Serum-PSA-Werts zur Nachsorge eingesetzt werden.
GoR: A Evidenzlevel: 4 Quellen: [178], [172], [181]
Expertenmeinung
9.3 Bei Patienten ohne biochemisches Rezidiv ist die DRU in der Nachsorge des
Prostatakarzinoms nicht routinemäßig indiziert.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Quellen: [178], [172]
Expertenmeinung
9.4 Bildgebende Verfahren sollen nur dann eingesetzt werden, wenn therapeutische
Maßnahmen möglich sind und/oder Symptome bestehen.
GoR: A Evidenzlevel: 4 Quellen: [181]
Expertenmeinung
9.2 Testosteronsubstitution nach Prostatakarzinom
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
94
9.2 Testosteronsubstitution nach Prostatakarzinom
Nr. Empfehlungen/Statements
9.5 Eine Testosteronsubstitution nach kurativer Therapie eines Patienten mit Prostatakarzinom
und Zeichen von Hypogonadismus kann die Lebensqualität verbessern.
(Statement)
Der Einfluss auf das Rezidivrisiko ist aufgrund der Datenlage gegenwärtig unklar,
deswegen sollte eine besondere Aufklärung und Überwachung des Patienten erfolgen.
(Empfehlungsgrad: B)
GoR: B Evidenzlevel: 3, 4 Quellen: [306], [307], [308]
9.3 Follow-up unter hormonablativer Therapie
Nr. Empfehlungen/Statements
9.6 Im Rahmen drei- bis sechsmonatiger Kontrolluntersuchungen unter hormonablativer
Therapie sollten eine Anamnese und körperliche Untersuchung sowie eine Bestimmung des
PSA-Werts eingesetzt werden.
GoR: B Evidenzlevel: 4 Quellen: [181]
Expertenmeinung
9.7 Über zusätzliche Labordiagnostik (z. B. Hämoglobin-, AP-Bestimmung) sollte individuell und
in Abhängigkeit von der klinischen Situation und Symptomatik entschieden werden.
GoR: B Evidenzlevel: 4 Quellen: [172]
Expertenmeinung
9.8 Über Bildgebung zur Verlaufskontrolle soll in Abhängigkeit von Symptomatik und
möglichen therapeutischen Konsequenzen entschieden werden. Bei fehlender Symptomatik
ist eine bildgebende Diagnostik nicht erforderlich.
GoR: A Evidenzlevel: 4 Quellen: [172]
Expertenmeinung
10.1 Aufklärung und Beratung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
95
10 Psychosoziale Aspekte und
Lebensqualität
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
10.1 Aufklärung und Beratung
Nr. Empfehlungen/Statements
10.1 Dem Patienten soll angeboten werden, seine Partnerin/seinen Partner an Aufklärungs- und
Beratungsgesprächen teilhaben zu lassen.
GoR: A Evidenzlevel: 4 Quellen: [178], [309], [310], [311], [312]
Expertenmeinung
10.2 Im ärztlichen Gespräch soll der Patient über alle in dieser Leitlinie beschriebenen
relevanten Therapieoptionen, deren Erfolgsaussichten und deren mögliche Auswirkungen
informiert werden. Insbesondere soll auf die Auswirkungen auf sein körperliches
Erscheinungsbild, sein Sexualleben (Impotenz), seine Harn- und Stuhlkontrolle
(Inkontinenz) und Aspekte des männlichen Selbstverständnisses (Selbstbild) eingegangen
werden.
GoR: A Evidenzlevel: 4 Quellen: [178], [309], [313], [314], [315], [316]
Expertenmeinung
10.3 Im ärztlichen Gespräch sollen die individuellen Präferenzen, Bedürfnisse, Sorgen und
Ängste des Patienten eruiert und berücksichtigt werden. Wenn ein Patient dafür mehrere
Gespräche benötigt, soll das Angebot zu weiteren Gesprächen bestehen.
GoR: A Evidenzlevel: 4 Quellen: [178], [309], [313], [314], [315], [316]
Expertenmeinung
10.4 Der Patient soll auf die evidenzbasierten Patientenleitlinien zum Prostatakarzinom
hingewiesen werden.
GoR: A Evidenzlevel: 4 Quellen: [178], [309], [313], [314], [317]
Expertenmeinung
10.5 Der Patient soll durch ebenso qualifizierte wie allgemeinverständliche Informationen zur
Therapieentscheidung befähigt werden.
Konsensbasierte Empfehlung
10.2 Psychosoziale Unterstützung
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96
10.2 Psychosoziale Unterstützung
Nr. Empfehlungen/Statements
10.6 Standardisierte Fragebögen ermöglichen die Erfassung und Quantifizierung der
Lebensqualität.
GoR: ST Evidenzlevel: 4 Quellen: [178], [312], [318], [319], [320], [316]
Expertenmeinung
10.7 Dem Patienten sollte eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung bei
psychischen, sexuellen oder partnerschaftlichen Problemen angeboten werden (siehe S3-
Leitlinie Psychoonkologie).
Konsensbasierte Empfehlung
10.8 Der Patient soll auf die Möglichkeit hingewiesen werden, sich mit einer Selbsthilfegruppe in
Verbindung zu setzen. Die Internetseite des Bundesverbandes Prostatakrebs-Selbsthilfe
https://www.prostatakrebs-bps.de/ enthält die Adressen aller bundesdeutschen
Prostatakrebs-Selbsthilfegruppen.
GoR: A Evidenzlevel: 4 Quellen: [314], [321]
Expertenmeinung
11.1 Qualitätsindikatoren
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97
11 Anhang
11.1 Qualitätsindikatoren
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
11.2 Forschungsfragen
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
11.3 Änderungen in der Version 8
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
11.4 Grundlagen der Methodik
Details zu diesem Kapitel können der Langversion der Leitlinie entnommen werden.
Tabelle 13: Schema der Evidenzgraduierung nach SIGN
Evidenzgrad Beschreibung
1++ Qualitativ hochwertige Metaanalysen, Systematische Übersichten von RCTs, oder
RCTs mit sehr geringem Risiko systematischer Fehler (Bias)
1+ Gut durchgeführte Metaanalysen, Systematische Übersichten von RCTs, oder RCTs
mit geringem Risiko systematischer Fehler (Bias)
1- Metaanalysen, Systematische Übersichten von RCTs, oder RCTs mit hohem Risiko
systematischer Fehler (Bias)
2++ Qualitativ hochwertige systematische Übersichten von Fall-Kontroll- oder
Kohortenstudien oder
Qualitativ hochwertige Fall-Kontroll- oder Kohortenstudien mit sehr niedrigem
Risiko systematischer Verzerrungen (Confounding, Bias, „Chance“) und hoher
Wahrscheinlichkeit, dass die Beziehung ursächlich ist.
2+ Gut durchgeführte Fall-Kontroll Studien oder Kohortenstudien mit niedrigem Risiko
systematischer Verzerrungen (Confounding, Bias, „Chance“) und moderater
Wahrscheinlichkeit, dass die Beziehung ursächlich ist.
2- Fall-Kontroll Studien oder Kohortenstudien mit einem hohen Risiko systematischer
Verzerrungen (Confounding, Bias, „Chance“) und signifikantem Risiko, dass die
Beziehung nicht ursächlich ist.
3 Nicht-analytische Studien, z.B. Fallberichte, Fallserien
4 Expertenmeinung
11.4 Grundlagen der Methodik
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
98
Tabelle 14: Schema der Empfehlungsgraduierung
Empfehlungsgrad Beschreibung
A Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme -
verwendete Ausdrucksweise = soll/soll nicht
B Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme –
verwendete Ausdrucksweise = sollte/sollte nicht
0 offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme –
verwendete Ausdrucksweise = kann
11.4 Grundlagen der Methodik
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
99
12 Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen .............................................................. 11
Tabelle 2: Abkürzungsverzeichnis ..................................................................................................... 14
Tabelle 3: Vor- und Nachteile eines PSA-basierten Prostatakarzinom-Screenings ................................ 23
Tabelle 4: Risikogruppen nach D’Amico (D’Amico AV et al. 1998) ...................................................... 30
Tabelle 5: Risikogruppeneinteilung (nach NCCN 1.2025; eigene Übersetzung) .................................... 31
Tabelle 6: EAU-Risikoeinteilung für das lokal begrenzte und lokal fortgeschrittene
Prostatakarzinom (nach EAU Guideline, LIMITED UPDATE APRIL 2024) ...................... 32
Tabelle 7: Allgemeine Unterschiede zwischen LDR- und HDR-Brachytherapie ...................................... 49
Tabelle 8: Korrelation PSA-Werte und 68Ga-PMSA PET Positivität (nach EAU 2024, eigene
Übersetzung) ........................................................................................................... 61
Tabelle 9: Risikoeinteilung eines biochemischen Rezidivs (nach EAU 2024, eigene Übersetzung) ......... 62
Tabelle 10: Zusammenfassung der antiemetischen Prophylaxe .......................................................... 81
Tabelle 11: Typische und häufige Nebenwirkungen einer hormon-ablativen Therapie und
Möglichkeiten der Prophylaxe und Behandlung ......................................................... 81
Tabelle 12: Empfohlene Dosisänderungen im Falle von Nebenwirkungen bei mit Cabazitaxel
behandelten Patienten .............................................................................................. 83
Tabelle 13: Schema der Evidenzgraduierung nach SIGN..................................................................... 97
Tabelle 14: Schema der Empfehlungsgraduierung ............................................................................. 98
11.4 Grundlagen der Methodik
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100
13 Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Algorithmus zur Früherkennung und Diagnostik des Prostatakarzinoms mit Verweis
auf ausgewählte Empfehlungen ................................................................................ 28
Abbildung 2: Flussdiagramm Aktive Überwachung ............................................................................ 42
Abbildung 3: Therapieoptionen beim lokal begrenzten Prostatakarzinom des intermediären
Risikoprofils inkl. ausgewählter Informationen zur Ausführung entsprechend der
Empfehlungen dieses Kapitels nach Empfehlungsgrad ............................................... 44
Abbildung 4: Flussdiagramm zur Darstellung der gemäß 7.30 und 7.31 empfohlenen
Therapieoptionen zur systemischen Therapie des mHSPC. ........................................ 68
11.4 Grundlagen der Methodik
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11.4 Grundlagen der Methodik
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Kurzversion - 8.1 | August 2025
121
305. Hasenoehrl T, Keilani M, Sedghi Komanadj T, Mickel M, Margreiter M, Marhold M, et al. The effects of
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11.4 Grundlagen der Methodik
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122
323. National Institutes of Health (NIH), National Cancer Institute (NCI). Common Terminology Criteria for
Adverse Events (CTCAE) Version 403. 2010; URL:
https://evs.nci.nih.gov/ftp1/CTCAE/CTCAE_4.03/CTCAE_4.03_2010-06-14_QuickReference_5x7.pdf
324. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im G. Apalutamid (Prostatakarzinom) Addendum zum Auftrag
A20-20 Version: 10. IQWiG-Berichte. 2020; URL: G:\ÄZQ-Berlin\7000 IVS\Citavi\Prostata
2020\PCa2020Attachments\30459.pdf
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0
S3-Leitlinie
Prostatakarzinom
Version 8.1 - August 2025
AWMF-Registernummer: 043-022OL
Leitlinie (Langversion)
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Wesentliche Neuerungen
Für die Version 8 der Leitlinie wurden zu vorab definierten Themen insgesamt 28
Fragestellungen systematische recherchiert. Eine Leitliniensynopse ergänzt die
Grundlage für die Arbeiten an dieser Version der Leitlinie in den acht Arbeitsgruppen.
Empfehlungen, Statements und Hintergrundtexte wurden für die zur Aktualisierung
gestellten Kapitel überprüft und ggf. überarbeitet.
Die folgenden inhaltlichen Änderungen wurden vorgenommen:
1. Kapitel 4 „Früherkennung, Diagnostik und Stadieneinteilung“ wurde aus den
vormaligen Kapiteln 4 „Früherkennung“ und 5 „Diagnostik und Stadieneinteilung“
zusammengeführt und komplett überarbeitet.
a) In Kapitel 4.1 „Früherkennung“ gibt es neu die Empfehlung, dass zur
Früherkennung von Prostatakarzinomen keine digital rektale Untersuchung
erfolgen soll (Empfehlung 4.1). Nach ergebnisoffener Beratung sollen Männer
ab dem Alter von 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von 10 Jahren und
mehr, die eine Früherkennung wünschen, die Bestimmung des PSA-Werts
angeboten werden (Empfehlung 4.2 und Empfehlung 4.3). In Abhängigkeit
von der Höhe des PSA-Wertes erfolgt eine risikoadaptierte
Früherkennungsstrategie mit 5-jährlichen Intervallen bei einem PSA-Wert ≤1,5
ng/ml, 2-jährlichen Intervallen bei PSA 1,5–2,99 ng/ml und weiterer
Diagnostik bei PSA ≥3 ng/ml (Empfehlung 4.4). Weitere Empfehlungen
betreffen die weitergehende Diagnostik, auch in Abhängigkeit vom Vorliegen
einer familiären Belastung bzw. genetischer Prädisposition (Empfehlung 4.5
ff). Eine Tabelle fasst die Vor- und Nachteile eines PSA-basierten
Prostatakarzinom-Screenings zusammen (Tabelle 7).
b) Auch Kapitel 4.2 „Diagnostik“ wurde grundlegend überarbeitet. Hierbei
wurde die Magnetresonanztomographie der Prostata im Rahmen der
Primärdiagnostik gestärkt, es wurden aber auch Empfehlungen für die
Indikationsstellung zum MRT basierend auf dem individuellen Risiko für das
Vorliegen eines Prostatakarzinoms gegeben (Empfehlung 4.12 ff). Auch die
Empfehlungen zur Indikationsstellung und Durchführung der
bildmorphologisch gestützten Biopsie wurden aktualisiert (Empfehlung 4.16
ff). Eine wesentliche Neuerung ist die Empfehlung, dass bei PI-RADS 1 und 2
Befunden keine Biopsie durchgeführt werden soll (Empfehlung 4.23).
Empfehlungen zu transrektalem Ultraschall (Empfehlung 4.24 ff), Re-Biopsie
(Empfehlung 4.27 ff) nach vorheriger negativer Biopsie und zur
Durchführung der Prostatastanzbiopsie (Empfehlungen Empfehlung 4.30 ff)
wurden geprüft und aktualisiert. Männern mit metastasierter Erkrankung
und/oder Hinweis auf ein familiäres Tumorrisikosyndrom wird empfohlen,
eine humangenetische Sprechstunde in Anspruch zu nehmen („soll“-
Empfehlung 4.37 und Empfehlung 4.38). Abbildung 2 stellt Früherkennung
und Diagnostik des Prostatakarzinoms mit Verweis auf ausgewählte
Empfehlungen als Flussdiagramm dar.
c) Im Kapitel 4.3 „Stadieneinteilung“ werden zunächst die unterschiedlichen
Klassifikationen zur Stadieneinteilung dargestellt. Ältere Studien beziehen
sich überwiegend auf die klinische Stadieneinteilung und lässt die heute
übliche Bildgebung (u.a. MRT mit Informationen zur lokalen
Tumorausbreitung) unberücksichtigt.
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Grundlage für die Empfehlungen zur Therapie des lokalisierten
Prostatakarzinoms sind neben der D’Amico Klassifikation die klinische NCCN-
Klassifikation (Stand Februar 2025). Die Empfehlungen zur lokalen Diagnostik
(T-Kategorie) bzw. Ausbreitungsdiagnostik wurden alle geprüft und aktualisiert
(Empfehlung 4.39 ff). Eine Ausbreitungsdiagnostik soll erst bei einem
Prostatakarzinom des ungünstigen intermediären oder hohen/sehr hohen
Risikos vor der Entscheidung über eine therapeutische Maßnahme erfolgen
(Empfehlung 4.43).
2. Kapitel 5 „Pathologisch-anatomische Diagnostik“ war zuvor Unterkapitel von
„Diagnostik und Stadieneinteilung“ und ist jetzt ein eigenständiges Hauptkapitel.
Inhaltlich wurde es vor allem geprüft und der Stellenwert verfügbarer Biomarker
aufgearbeitet, allerdings ohne dass eine diesbezügliche Empfehlung ausgesprochen
wurde. Neu sollen nicht nur bei einem Gleason-Score von 7, sondern auch von 8
cribriforme Tumorkomponenten im histopathologischen Befund erwähnt werden
(Empfehlung 5.9).
3. Kapitel 6 „Therapie des lokalisierten Prostatakarzinoms“ wurde komplett
umstrukturiert. In Anlehnung an die EAU-Leitlinie wurden die verschiedenen
Therapieoptionen in Abhängigkeit von Tumorstadium bzw. Risikoprofil gegliedert:
Dem Kapitel 6.1 „Therapieplanung und Aufklärung“ folgen Kapitel 6.2 „Lokal
begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils“ , Kapitel 6.3 „Lokal
begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils“ ,
Kapitel 6.4 „Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms“ , Kapitel 6.5
„Therapie des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms“ , Kapitel 6.6
„Neoadjuvante/adjuvante Therapie bei radikaler Prostatektomie“ , Kapitel 6.7
„Fokale Therapie“ und Kapitel 6.8 „ Watchful Waiting“ .
Als wesentlichste Änderung im Kapitel lokalisiertes Prostatakarzinom wird für das
niedrige Risikoprofil initial ausschließlich die Aktive Überwachung (Empfehlung 6.6)
(aber keine lokale Therapie mehr) empfohlen. Hervorzuheben sind des Weiteren:
a) Die Aktualisierung der Abbildung zur aktiven Überwachung beim niedrigen
und günstig-intermediären Risikoprofil (Abbildung 6) bildet die zugehörigen
Empfehlungen ab.
b) Alle Therapieoptionen zur Aktiven Überwachung bzw. lokalen Therapie beim
intermediären bzw. hohen Risikoprofil wurden aktualisiert. Die Empfehlungen
zur Indikationsstellung und Durchführung der Therapien beim intermediären
Risiko wurden in Abbildung 7 zusammengefasst. Die aktualisierten
Empfehlungen betreffen:
o Aktive Überwachung (Empfehlung 6.13 und Empfehlung 6.14)
o Radikale Prostatektomie und Lymphadenektomie (Empfehlung 6.15 ff)
o Perkutane Strahlentherapie, Fraktionierung, begleitende
Androgendeprivation (Empfehlung 6.19 ff)
o Low bzw. High dose Rate Brachytherapie, ggf. Kombination mit
perkutaner Strahlentherapie, begleitende Androgendeprivation
(Empfehlung 6.39 ff)
c) Auch die Empfehlungen zu den lokalen Therapieverfahren beim lokal
fortgeschrittenen Prostatakarzinom wurden aktualisiert (Empfehlung 6.54 ff)
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d) Beim lymphknotenpositiven Prostatakarzinom wurde aufgrund aktueller
Studiendaten eine „soll“-Empfehlung für eine erweiterte begleitende
hormonablative Therapie mit GnRH-Analogon und Abirateron/Predniso(lo)n
(2 Jahre) ergänzt (Empfehlung 6.70).
e) Auch die Empfehlungen zur neoadjuvanten/adjuvanten Therapie bei radikaler
Prostatektomie wurden geprüft und aktualisiert
f) Neue Empfehlungen zum „Watchful Waiting“ wurden abgestimmt (Statement
6.90 ff).
4. Überarbeitet wurden auch Teile des Kapitel 7 „Diagnostik und Therapie des
rezidivierten oder metastasierten Prostatakarzinoms“ , überwiegend auf der Basis
aktueller Studien (systematische Literaturrecherche zum Thema Bildgebung für das
Therapiemonitoring).
a) In Kapitel 7.2 „Therapie des PSA-Rezidivs“ wurde eine Empfehlung um die
Therapieoption mit Enzalutamid ± Androgendeprivationstherapie beim high
risk biochemischen Rezidiv ergänzt (Empfehlung 7.11).
b) In Kapitel 7.3 „Therapie des hormonsensitiven, metastasierten
Prostatakarzinoms (mHSPC)“ wurde eine Empfehlung zur Therapie mit
Darolutamid + ADT entsprechend der Studienlage inkl. dazugehöriger
Ausführungsempfehlung ergänzt (Empfehlung 7.30, Empfehlung 7.31). Das
Flussdiagramm zu den Therapieoptionen beim mHPSC-Stadium wurde
entsprechend aktualisiert (Abbildung 8).
c) In Kapitel 7.4 „Therapie des androgenunabhängigen oder
kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (CRPC)“ wurden
Zwischenüberschriften zur leichteren Lesbarkeit eingefügt. Eine neue
Empfehlung weist Lutetium (177Lu) Vipivotidtetraxetan als Therapieoption
bei Patient mit mCRPC nach Therapie mit Abirateron oder einem
Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (Apalutamid, Darolutamid,
Enzalutamid), die keine Chemotherapie bekommen können, aus (Empfehlung
7.51).
d) In Kapitel 7.5 „Lokale Therapie bei metastasiertem Prostatakarzinom“
wurden die Empfehlungen hinsichtlich der Gültigkeit geprüft bzw. modifiziert
(perkutane Strahlentherapie bei neu diagnostiziertem, oligometastasiertem
Prostatakarzinom mit „low volume“ CHAARTED-Kriterien mit konventionellem
Staging (Empfehlung 7.61). Eine Empfehlung, dass Patienten mit hohem
lokalen Progressionsrisiko zusätzlich zur systemischen Therapie eine
perkutane Strahlentherapie erhalten können, wurde ergänzt (Empfehlung
7.62).
e) Das Kapitel 7.7 „Bildgebung für das Therapiemonitoring beim mHSPC und
mCRPC“ ergänzt die Leitlinie mit neu abgestimmten Empfehlungen
(Empfehlung 7.75 ff).
f) Das vormalige Kapitel „Supportivtherapie und Palliativversorgung“ wurde in die
beiden Kapitel 7.8 „Supportivtherapie“ sowie Kapitel 7.9 „Versorgung in
der nicht-kurativen Therapiesituation“ aufgeteilt. Die Kapitel wurden
umfassend überarbeitet und mit den S3-Leitlinien „Supportive Therapie“ und
„Palliativmedizin“ harmonisiert. Die Prostatakarzinom-spezifischen
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Empfehlungen wurden geprüft und teilweise durch neue Empfehlungen
ergänzt.
Mit jeder neuen Version können nur Teile der Leitlinie aktualisiert werden. In den
Kopfzeilen der Empfehlungen und Statements wurde vermerkt, wann diese erstellt
bzw. aktualisiert wurden und ob sie modifiziert oder neu erstellt wurden, um eine
Einordnung der Aktualität zu gewährleisten (vgl. Kapitel 2.1.3).
Eine detaillierte Übersicht der Änderungen befindet sich im Kapitel 13.
Ergänzend zur ärztlichen Leitlinie wird eine aktualisierte Patientenleitlinie zur
Verfügung gestellt (www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/patientenleitlinien/prostatakrebs).
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Inhalt
Wesentliche Neuerungen ........................................................................... 2
1 Informationen zu dieser Leitlinie ..................................................... 11
1.1 Herausgeber ....................................................................................................................... 11
1.2 Federführende Fachgesellschaft(en) ..................................................................................... 11
1.3 Finanzierung der Leitlinie .................................................................................................... 11
1.4 Kontakt ............................................................................................................................... 11
1.5 Zitierweise .......................................................................................................................... 11
1.6 Besonderer Hinweis ............................................................................................................. 12
1.7 Ziele des Leitlinienprogramms Onkologie ............................................................................ 12
1.8 Weitere Dokumente zu dieser Leitlinie ................................................................................. 13
1.9 Zusammensetzung der Leitliniengruppe .............................................................................. 14
1.9.1 Koordination .................................................................................................................. 14
1.9.2 Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen ........................................................... 14
1.9.3 Arbeitsgruppen .............................................................................................................. 17
1.9.4 Patientenbeteiligung ...................................................................................................... 18
1.9.5 Methodische Begleitung ................................................................................................. 18
1.10 Abkürzungsverzeichnis ....................................................................................................... 19
2 Einführung .................................................................................... 27
2.1.1 Zielsetzung und Fragestellung ....................................................................................... 27
2.1.2 Adressaten .................................................................................................................... 27
2.1.3 Gültigkeitsdauer und Aktualisierungsverfahren .............................................................. 27
2.2 Grundlagen der Methodik .................................................................................................... 28
2.2.1 Schema der Evidenzgraduierung .................................................................................... 28
2.2.2 Schema der Empfehlungsgraduierung ............................................................................ 29
2.2.3 Statements .................................................................................................................... 30
2.2.4 Expertenkonsens (EK) .................................................................................................... 30
2.2.5 Unabhängigkeit und Darlegung möglicher Interessenkonflikte ........................................ 30
3 Epidemiologie, Risikofaktoren, Prävention und Ernährung ................ 32
3.1 Epidemiologie ..................................................................................................................... 32
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3.2 Risikofaktoren ..................................................................................................................... 33
3.2.1 Risikofaktoren für das Auftreten eines Prostatakarzinoms .............................................. 33
3.2.2 Testosteronsubstitution ................................................................................................. 35
3.3 Prävention und Ernährung ................................................................................................... 37
4 Früherkennung, Diagnostik und Stadieneinteilung ........................... 40
4.1 Früherkennung .................................................................................................................... 40
4.1.1 Definition und allgemeine Anmerkungen ........................................................................ 40
4.1.2 Tests zur Früherkennung des Prostatakarzinoms ............................................................ 42
4.2 Diagnostik .......................................................................................................................... 53
4.3 Stadieneinteilung ................................................................................................................ 78
5 Pathologisch-anatomische Diagnostik ............................................. 93
5.1 Allgemeine Grundsätze ....................................................................................................... 93
5.1.1 Erforderliche klinische Angaben und Entnahme von Gewebeproben ................................ 93
5.1.2 Histopathologische Karzinomdiagnose und Differenzialdiagnose .................................... 94
5.1.3 Grading ......................................................................................................................... 96
5.2 Spezielle Aspekte für verschiedene Gewebepräparate........................................................... 98
5.2.1 Stanzbiopsie .................................................................................................................. 98
5.2.2 Präparat aus radikaler Prostatektomie .......................................................................... 100
5.2.3 Transurethrales Resektionsmaterial ("TUR-P") und enukleierte noduläre Hyperplasie
(sogenanntes Adenektomiepräparat) ......................................................................... 102
5.2.4 Regionale Lymphadenektomie ...................................................................................... 102
5.3 Prognostische Faktoren für das Prostatakarzinom .............................................................. 103
5.4 Wissenschaftliche Untersuchungen von Gewebeproben ...................................................... 106
6 Therapie des lokalisierten Prostatakarzinoms ................................ 107
6.1 Therapieplanung und Aufklärung ...................................................................................... 107
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils .......................................... 116
6.2.1 Aktive Überwachung (Active Surveillance) ..................................................................... 116
6.2.2 Ablehnung/Beendigung der Aktiven Überwachung ....................................................... 129
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils ................. 130
6.3.1 Aktive Überwachung (Active Surveillance) beim intermediären Risikoprofil .................... 132
6.3.2 Radikale Prostatektomie ............................................................................................... 136
6.3.3 Perkutane Strahlentherapie .......................................................................................... 139
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6.3.4 Brachytherapie ............................................................................................................. 154
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms .................................................... 169
6.4.1 Radikale Prostatektomie ............................................................................................... 169
6.4.2 Perkutane Strahlentherapie .......................................................................................... 170
6.4.3 Brachytherapie ............................................................................................................. 175
6.5 Therapie des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms ..................................................... 178
6.6 Neoadjuvante Therapie / Adjuvante Therapie bei radikaler Prostatektomie ......................... 183
6.7 Fokale Therapie ................................................................................................................. 190
6.7.1 Einleitung .................................................................................................................... 190
6.7.2 Statement .................................................................................................................... 191
6.7.3 Einsatz Fokaler Therapien ............................................................................................ 192
6.7.4 Einzelne Verfahren der fokalen Therapie ...................................................................... 195
6.8 Watchful Waiting ............................................................................................................... 202
7 Diagnostik und Therapie des rezidivierten oder metastasierten
Prostatakarzinoms ...................................................................... 205
7.1 Definition und Diagnostik des Tumorrezidivs ..................................................................... 205
7.2 Therapie des PSA-Rezidivs ................................................................................................ 212
7.2.1 Systemische Therapie bei PSA-Rezidiv oder PSA-Progression ....................................... 212
7.2.2 Salvage-Strahlentherapie des PSA-Rezidivs und der PSA-Persistenz nach radikaler
Prostatektomie.......................................................................................................... 215
7.2.3 Salvage-Therapie der PSA-Progression nach Strahlentherapie ....................................... 221
7.3 Therapie des hormonsensitiven, metastasierten Prostatakarzinoms (mHSPC) ...................... 225
7.4 Therapie des androgenunabhängigen oder kastrationsresistenten Prostatakarzinoms
(CRPC) ............................................................................................................................... 253
7.4.1 Therapie des nicht-metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (nmCPRC)
................................................................................................................................ 256
7.4.2 Therapie des metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCPRC) ......... 259
7.4.3 Therapie des neuroendokrinen Prostatakarzinoms (NEPC) ............................................. 278
7.5 Lokale Therapie bei metastasiertem Prostatakarzinom ....................................................... 285
7.5.1 Präambel ..................................................................................................................... 285
7.5.2 Perkutane Strahlentherapie und radikale Prostatektomie ............................................... 286
7.6 Therapie von Knochenmetastasen...................................................................................... 291
7.7 Bildgebung für das Therapiemonitoring beim mHSPC und mCRPC ...................................... 298
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7.8 Supportivtherapie .............................................................................................................. 300
7.8.1 Definition .................................................................................................................... 300
7.8.2 Allgemeine supportive Maßnahmen .............................................................................. 301
7.8.3 Spezifische supportive Behandlung häufiger unerwünschter therapiebedingter Wirkungen
................................................................................................................................ 305
7.8.4 Unerwünschte Wirkungen der Hormonentzugstherapie ................................................. 310
7.8.5 Unerwünschte Wirkungen der Androgenrezeptor-Signalweg Inhibitoren (ARPI) bzw.
Abirateron ................................................................................................................ 313
7.8.6 Spezifische unerwünschte Wirkungen der Chemotherapie mit Taxanen ......................... 317
7.8.7 Spezifische unerwünschte Wirkungen der systemischen Therapie mit Inhibitoren der Poly-
(ADP-ribose)-Polymerasen (PARPi) ............................................................................ 323
7.8.8 Unerwünschte Wirkungen der Radioligandentherapie .................................................... 325
7.9 Versorgung in der nicht-kurativen Therapiesituation ......................................................... 327
7.9.1 Definition .................................................................................................................... 328
7.9.2 Zielsetzung .................................................................................................................. 328
7.9.3 Diagnostik ................................................................................................................... 329
7.9.4 Allgemeine Maßnahmen ............................................................................................... 329
7.9.5 Spezifische Maßnahmen ............................................................................................... 330
7.9.6 Therapiebegrenzung .................................................................................................... 339
7.9.7 Versorgungsstrukturen ................................................................................................ 340
8 Rehabilitation .............................................................................. 343
8.1 Rehabilitation nach kurativer intendierter Therapie ............................................................ 343
8.2 Rehabilitation für Patienten unter Hormonentzugstherapie ................................................ 350
8.3 Rehabilitation für Patienten in der Palliativsituation ............................................................ 351
9 Nachsorge ................................................................................... 352
9.1 Nachsorge nach lokaler kurativ intendierter Therapie ......................................................... 352
9.2 Testosteronsubstitution nach Prostatakarzinom ................................................................. 354
9.3 Follow-up unter hormonablativer Therapie ........................................................................ 356
10 Psychosoziale Aspekte und Lebensqualität .................................... 359
10.1 Aufklärung und Beratung................................................................................................... 359
10.2 Psychosoziale Unterstützung ............................................................................................. 362
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11 Qualitätsindikatoren .................................................................... 367
12 Forschungsfragen ........................................................................ 374
13 Änderungen in der Version 8 ........................................................ 376
14 Tabellenverzeichnis ..................................................................... 418
15 Abbildungsverzeichnis ................................................................. 420
16 Literaturverzeichnis ..................................................................... 421
1.1 Herausgeber
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion 8.1 | August 2025
11
1 Informationen zu dieser Leitlinie
1.1 Herausgeber
Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), Deutschen Krebsgesellschaft e. V.
(DKG) und der Stiftung Deutsche Krebshilfe (DKH).
1.2 Federführende Fachgesellschaft(en)
1.3 Finanzierung der Leitlinie
Diese Leitlinie wurde von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des
Leitlinienprogramms Onkologie gefördert.
1.4 Kontakt
Office Leitlinienprogramm Onkologie
c/o Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
Kuno-Fischer-Straße 8
14057 Berlin
leitlinienprogramm@krebsgesellschaft.de
www.leitlinienprogramm-onkologie.de
1.5 Zitierweise
Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe,
AWMF): S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Langversion 8.1, 2025, AWMF-Registernummer:
043-022OL https://www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/; Zugriff am [tt.mm.jjj]
1.6 Besonderer Hinweis
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
12
1.6 Besonderer Hinweis
Die Medizin unterliegt einem fortwährenden Entwicklungsprozess, sodass alle
Angaben, insbesondere zu diagnostischen und therapeutischen Verfahren,
immer nur dem Wissensstand zur Zeit der Drucklegung der Leitlinie entsprechen
können. Hinsichtlich der angegebenen Empfehlungen zur Therapie und der
Auswahl sowie Dosierung von Medikamenten wurde die größtmögliche Sorgfalt
beachtet. Gleichwohl werden die Benutzer aufgefordert, die Beipackzettel und
Fachinformationen der Hersteller zur Kontrolle heranzuziehen und im
Zweifelsfall einen Spezialisten zu konsultieren. Fragliche Unstimmigkeiten sollen
bitte im allgemeinen Interesse der OL-Redaktion mitgeteilt werden.
Der Benutzer selbst bleibt verantwortlich für jede diagnostische und
therapeutische Applikation, Medikation und Dosierung.
In dieser Leitlinie sind eingetragene Warenzeichen (geschützte Warennamen)
nicht besonders kenntlich gemacht. Es kann also aus dem Fehlen eines
entsprechenden Hinweises nicht geschlossen werden, dass es sich um einen
freien Warennamen handelt.
Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung
außerhalb der Bestimmung des Urhebergesetzes ist ohne schriftliche
Zustimmung der OL-Redaktion unzulässig und strafbar. Kein Teil des Werkes
darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung der OL-Redaktion
reproduziert werden. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen,
Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung, Nutzung und
Verwertung in elektronischen Systemen, Intranets und dem Internet.
1.7 Ziele des Leitlinienprogramms Onkologie
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.
V., die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die Deutsche Krebshilfe haben sich mit
dem Leitlinienprogramm Onkologie (OL) das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung und den Einsatz wissenschaftlich begründeter und praktikabler
Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen. Die Basis dieses
Programms beruht auf den medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen der
Fachgesellschaften und der DKG, dem Konsens der medizinischen Fachexperten,
Anwender und Patienten sowie auf dem Regelwerk für die Leitlinienerstellung der
AWMF und der fachlichen Unterstützung und Finanzierung durch die Deutsche
Krebshilfe. Um den aktuellen Stand des medizinischen Wissens abzubilden und den
medizinischen Fortschritt zu berücksichtigen, müssen Leitlinien regelmäßig überprüft
und fortgeschrieben werden. Die Anwendung des AWMF-Regelwerks soll hierbei
Grundlage zur Entwicklung qualitativ hochwertiger onkologischer Leitlinien sein. Da
Leitlinien ein wichtiges Instrument der Qualitätssicherung und des
Qualitätsmanagements in der Onkologie darstellen, sollten sie gezielt und nachhaltig
in den Versorgungsalltag eingebracht werden. So sind aktive
Implementierungsmaßnahmen und auch Evaluationsprogramme ein wichtiger
Bestandteil der Förderung des Leitlinienprogramms Onkologie. Ziel des Programms
ist es, in Deutschland professionelle und mittelfristig finanziell gesicherte
Voraussetzungen für die Entwicklung und Bereitstellung hochwertiger Leitlinien zu
schaffen. Denn diese hochwertigen Leitlinien dienen nicht nur dem strukturierten
Wissenstransfer, sondern können auch in der Gestaltung der Strukturen des
1.8 Weitere Dokumente zu dieser Leitlinie
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
13
Gesundheitssystems ihren Platz finden. Zu erwähnen sind hier evidenzbasierte
Leitlinien als Grundlage zum Erstellen und Aktualisieren von Disease-Management-
Programmen oder die Verwendung von aus Leitlinien extrahierten
Qualitätsindikatoren im Rahmen der Zertifizierung von Organtumorzentren.
1.8 Weitere Dokumente zu dieser Leitlinie
Bei diesem Dokument handelt es sich um die Langversion der S3-Leitlinie
Prostatakarzinom, welche über folgende Seiten zugänglich ist
• Leitlinienprogramm Onkologie (https://www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/)
• AWMF (https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/043-022OL)
• Guidelines International Network (www.gin.net)
Neben der Langversion gibt es folgende ergänzende Dokumente:
• Leitlinienreport zur Leitlinie
• Evidenztabellen zur Leitlinie
• Kurzfassung der Leitlinie
• Patientenleitlinie "Früherkennung von Prostatakrebs"
• Patientenleitlinie “Prostatakrebs 1 - Lokal begrenztes Prostatakarzinom“
• Patientenleitlinie "Prostatakrebs 2 - Lokal fortgeschrittenes und
metastasiertes Prostatakarzinom"
• Englische Übersetzung (geplant)
• Foliensatz
Nähere Informationen zu Vorversionen finden sich in der Dokumentationshistorie
(https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/).
Die Leitlinie ist außerdem in der App des Leitlinienprogramms Onkologie enthalten.
Weitere Informationen unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/
1.9 Zusammensetzung der Leitliniengruppe
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1.9 Zusammensetzung der Leitliniengruppe
Die Mitwirkenden an der Leitlinie werden im Folgenden benannt.
1.9.1 Koordination
Steuergruppe der Leitlinie
Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm (Vorsitzender), PD Dr. Dirk Böhmer, Prof. Dr. Christian
Bolenz, Prof. Dr. Tobias Franiel, Prof. Dr. Michael Fröhner, Prof. Dr. Peter Jürgen
Goebell, Prof. Dr. Oliver Hakenberg, Prof. Dr. Ken Herrmann, Prof. Dr. Glen
Kristiansen, Prof. Dr. Thomas Wiegel (stellvertretender Vorsitzender), Prof. Dr.
Bernhard Wörmann.
1.9.2 Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen
Nachfolgend sind die an der Leitlinienaktualisierung beteiligten medizinischen
Fachgesellschaften und sonstigen Organisationen sowie deren mandatierte Vertreter
aufgeführt. Nähere Informationen zu den Beteiligten der Vorversionen finden sich in
der Dokumentationshistorie (https://www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/).
Tabelle 1: Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen
Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen
(alphabetisch)
Personen
Arbeitsgemeinschaft Onkologische Rehabilitation und
Sozialmedizin in der DKG (AGORS)
Prof. Dr. Freerk Baumann
Dr. Wilfried Hoffmann - Stellvertreter
Arbeitsgemeinschaft Prävention und integrative Medizin
in der Onkologie in der DKG (PRiO)
Prof. Dr. Oliver Micke
Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie in der DKG
(ARO)
PD Dr. Dirk Böhmer
Prof. Dr. Stefan Höcht
PD Dr. Bülent Polat
Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie der
Deutschen Krebsgesellschaft (AUO)
Prof. Dr. Peter Hammerer
Prof. Dr. Axel Merseburger
Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie in der DKG
(PSO)
Dr. André Karger
Berufsverband Deutscher Pathologinnen und Pathologen
(BDP)
Prof. Dr. Arndt Hartmann
Prof. Dr. Glen Kristiansen
Prof. Dr. Guido Sauter
Berufsverband Deutscher Strahlentherapeuten (BVDST) Prof. Dr. Arndt-Christian Müller
Prof. Dr. Peter Niehoff
Prof. Dr. Constantinos Zamboglou
Prof. Dr. Daniel Zips
1.9 Zusammensetzung der Leitliniengruppe
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Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen
(alphabetisch)
Personen
Berufsverband der Deutschen Radiologen (BDR) Prof. Dr. Patrick Asbach
Prof. Dr. Kolja Thierfelder -
Stellvertreter
Berufsverband der Deutschen Urologie (BvDU) Prof. Dr. Peter Jürgen Goebell
Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) Ernst-Günther Carl
Udo Ehrmann
Joachim Guderian
Werner Seelig
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und
Familienmedizin (DEGAM)
Prof. Dr. Thomas Kötter
Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Deutsche Gesellschaft für Humangenetik (GfH) Dr. Bernd Auber - *
PD Dr. Alexander Volk
Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische
Onkologie (DGHO)
Prof. Dr. Ulrich Kaiser
Prof. Dr. Bernhard Wörmann
Prof. Dr. Gunhild von Amsberg
Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und
Laboratoriumsmedizin (DGKL)
Prof. Dr. Stefan Holdenrieder
Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) Prof. Dr. Matthias Eiber
Prof. Dr. Ken Herrmann
Prof. Dr. Bernd Krause
Prof. Dr. Kambiz Rahbar
Prof. Dr. Ali Afshar-Oromieh -
Stellvertreter
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) Dr. Peter Kirschner
Dr. Claudia Schmalz - Stellvertreterin
Deutsche Gesellschaft für Pathologie (DGP) Prof. Dr. Arndt Hartmann
Prof. Dr. Glen Kristiansen
Prof. Dr. Guido Sauter
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) Prof. Dr. Daniel Aebersold
Prof. Dr. Ute Ganswindt
PD Dr. Nina-Sophie Schmidt-
1.9 Zusammensetzung der Leitliniengruppe
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Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen
(alphabetisch)
Personen
Hegemann
Prof. Dr. Thomas Wiegel
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin
(DEGUM)
Prof. Dr. Stephan Kruck
Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) Prof. Dr. Peter Albers
PD Dr. Burkhard Beyer
Prof. Dr. Andreas Blana
Prof. Dr. Christian Bolenz
Prof. Dr. Angelika Borkowetz
Prof. Dr. Martin Burchardt
Prof. Dr. Maximilian Burger
Prof. Dr. Michael Fröhner
Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm
Prof. Dr. Boris Hadaschik
Prof. Dr. Oliver Hakenberg
Prof. Dr. Axel Heidenreich
Prof. Dr. Julia Heinzelbecker
Dr. Thomas-Oliver Henkel
PD Dr. Thomas Höfner
PD Dr. Anne-Sophie Knipper
Prof. Dr. Tillmann Loch
Prof. Dr. Gerd Lümmen
Dr. Stefan Machtens
Prof. Dr. Carsten-Henning Ohlmann
Prof. Dr. Manuel Ritter
Prof. Dr. Martin Schostak
Prof. Dr. Stefan Siemer
Prof. Dr. Dr. Arnulf Stenzl
Prof. Dr. Thomas Steuber
Prof. Dr. Derya Tilki
Dr. Sigrid Wagner - *
Prof. Dr. Friedhelm Wawroschek
Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) Prof. Dr. Tobias Franiel
Prof. Dr. Sascha Kaufmann
Prof. Dr. Lars Schimmöller
Prof. Dr. Dipl.-Phys. Heinz-Peter
Schlemmer
*Die DGU benannte zusätzlich Herrn Dr. Bernd Auber (Deutsche Gesellschaft für
Humangenetik (DfG)) und Frau Dr. Sigrid Wagner (Deutsche Gesellschaft für Urologie
(DGU)), diese waren für diese Version nicht aktiv an der Erstellung der Leitlinie
beteiligt.
1.9 Zusammensetzung der Leitliniengruppe
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1.9.3 Arbeitsgruppen
Tabelle 2: Arbeitsgruppen
Arbeitsgruppe Mitglieder der Arbeitsgruppe
AG Aktive
Überwachung
Prof. Dr. Christian Bolenz
Prof. Dr. Daniel Aebersold, Prof. Dr. Patrick Asbach, Prof. Dr. Andreas Blana,
Udo Ehrmann, Prof. Dr. Boris Hadaschik, Prof. Dr. Axel Heidenreich, Prof. Dr.
Stefan Holdenrieder, PD Dr. Thomas Höfner, Prof. Dr. Glen Kristiansen, Prof.
Dr. Gerd Lümmen, Prof. Dr. Lars Schimmöller, Prof. Dr. Martin Schostak,
Werner Seelig, Prof. Dr. Derya Tilki, Prof. Dr. Daniel Zips
AG Bildgebung Prof. Dr. Carsten-Henning Ohlmann
Carl Ernst-Günther, Prof. Dr. Ute Ganswindt, Prof. Dr. Sascha Kaufmann, Prof.
Dr. Bernd Krause, Prof. Dr. Tillmann Loch, Prof. Dr. Kambiz Rahbar, Prof. Dr.
Manuel Ritter, Prof. Dr. Dipl.-Phys. Heinz-Peter Schlemmer, PD Dr. Nina-
Sophie Schmidt-Hegemann, Prof. Dr. Stefan Siemer, Prof. Dr. Friedhelm
Wawroschek
AG Brachytherapie PD Dr. Dirk Böhmer
Prof. Dr. Patrick Asbach, Prof. Dr. Angelika Borkowetz, Udo Ehrmann, Dr.
Thomas-Oliver Henkel, Dr. Stefan Machtens, Prof. Dr. Peter Niehoff, PD Dr.
Bülent Polat, Prof. Dr. Martin Schostak, Prof. Dr. Dr. Arnulf Stenzl
AG
Früherkennung,
Stadieneinteilung
und Staging
Prof. Dr. Peter Albers
Prof. Dr. Daniel Aebersold, Prof. Dr. Nikolaus Becker, Prof. Dr. Angelika
Borkowetz, Prof. Dr. Martin Burchardt, Prof. Dr. Maximilian Burger, Ernst-
Günther Carl, Prof. Dr. Matthias Eiber, Prof. Dr. Tobias Franiel, Prof. Dr. Marc-
Oliver Grimm, Prof. Dr. Boris Hadaschik, Prof. Dr. Peter Hammerer, Prof. Dr.
Ken Herrmann, Prof. Dr. Stefan Holdenrieder, Prof. Dr. Stefan Höcht, Prof. Dr.
Sascha Kaufmann, Prof. Dr. Stephan Kruck, Prof. Dr. Thomas Kötter, Prof. Dr.
Tillmann Loch, Prof. Dr. Gerd Lümmen, Dr. Stefan Machtens, Prof. Dr. Manuel
Ritter, Prof. Dr. Guido Sauter, Prof. Dr. Lars Schimmöller, Prof. Dr. Dipl.-Phys.
Heinz-Peter Schlemmer, Prof. Dr. Martin Schostak, Prof. Dr. Dr. Arnulf Stenzl,
Prof. Dr. Derya Tilki, PD Dr. Alexander Volk
AG Pathologie Prof. Dr. Glen Kristiansen
Prof. Dr. Angelika Borkowetz, PD Dr. Dirk Böhmer, Prof. Dr. Michael Fröhner,
Prof. Dr. Oliver Hakenberg, Prof. Dr. Arndt Hartmann, Prof. Dr. Carsten-
Henning Ohlmann, Prof. Dr. Guido Sauter, Prof. Dr. Constantinos Zamboglou
AG Perkutane
Strahlentherapie
Prof. Dr. Thomas Wiegel
Ernst-Günther Carl, Prof. Dr. Michael Fröhner, Prof. Dr. Peter Hammerer, Prof.
Dr. Axel Heidenreich, Prof. Dr. Oliver Micke, Prof. Dr. Manuel Ritter, Prof. Dr.
Martin Schostak, Prof. Dr. Stefan Siemer, Prof. Dr. Daniel Zips
AG Radikale
Prostatektomie
Prof. Dr. Michael Fröhner
Prof. Dr. Andreas Blana, Prof. Dr. Martin Burchardt, Prof. Dr. Maximilian
Burger, Ernst-Günther Carl, Prof. Dr. Peter Hammerer, Prof. Dr. Julia
Heinzelbecker, PD Dr. Thomas Höfner, Dr. André Karger, Prof. Dr. Arndt-
1.9 Zusammensetzung der Leitliniengruppe
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Arbeitsgruppe Mitglieder der Arbeitsgruppe
Christian Müller, Prof. Dr. Thomas Steuber, Prof. Dr. Friedhelm Wawroschek,
Prof. Dr. Thomas Wiegel
AG Supportiv-
/Palliativtherapie
Prof. Dr. Peter Jürgen Goebell
Prof. Dr. Freerk Baumann, PD Dr. Burkhard Beyer, Joachim Guderian, Prof. Dr.
Oliver Hakenberg, Prof. Dr. Ulrich Kaiser, Dr. André Karger, Dr. Peter
Kirschner, Prof. Dr. Oliver Micke, PD Dr. Nina-Sophie Schmidt-Hegemann,
Prof. Dr. Thomas Wiegel, Prof. Dr. Bernhard Wörmann
Arbeitsgruppenleiter sind fett markiert.
1.9.4 Patientenbeteiligung
Während des gesamten Erstellungsprozesses waren Patientenvertreter (Herr Carl, Herr
Ehrmann, Herr Guderian, Herr Seelig) des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe
e. V. an der Erarbeitung und Abstimmung der Empfehlungen direkt beteiligt.
1.9.5 Methodische Begleitung
• Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften, AWMF (Dr. Monika Nothacker)
• Leitlinienprogramm Onkologie, OL (Dr. Markus Follmann, Thomas Langer,
Gregor Wenzel)
• UroEvidence (Anne Berkholz, Dr. Julia Lackner, Dr. Stefanie Schmidt)
• Universitätsklinikum Jena (Dr. Katharina Leucht)
1.10 Abkürzungsverzeichnis
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19
1.10 Abkürzungsverzeichnis
Tabelle 3: Abkürzungen
Abkürzung Erläuterung
AAPV Allgemeine Ambulante Palliativversorgung
ABS American Brachytherapy Society
ACP Vorausschauende Behandlungsplanung (engl.: Advance Care Planning)
AD Androgendeprivation
AE Adverse Events
AG Arbeitsgemeinschaft
AHB Anschlussheilbehandlung
AIDS menschliches Abwehrschwächesyndrom (engl.: Acquired immune deficiency
syndrome)
AP Anteroposterior
APRI Androgenrezeptor-Signalweg Inhibitoren (engl.: Androgen receptor pathway
inhibitor)
AR Androgen Receptor
ART Adjuvante Radiotherapie
AS Active Surveillance (aktive Überwachung)
AS Androgen Suppression
ASA American Society of Anesthesiologists
ASAP Atypical Small Acinar Proliferation
ASCO American Society of Clinical Oncology
AUA American Urological Association
AUC Area Under the Curve
AVPC aggressive Variante eines Prostatakarzinoms
AWMF Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V.
BDR Berufsverband der Deutschen Radiologen
1.10 Abkürzungsverzeichnis
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20
Abkürzung Erläuterung
BiTEs bispezifischen T-Zellengagern
BMV Bundesmantelverträge
BOO Bladder outlet (oder: orifice) obstruction
bPFS biochemisch definiertes progressionsfreies Überleben
BRCA Breast Cancer Gene
bRFS biochemische Rezidivfreies Überleben
BSC Best Supportive Care
CAP Cluster Randomized Trial of PSA Testing for Prostate Cancer
CCI Charlson Comorbidity Index
CEUS kontrastverstärkte Sonographie / contrast enhanced ultrasound
CgA Chromogranin A
CPG Cambridge Prognostic Groups
CRPC kastrationsresistentes Prostatakarzinom (engl.: castration-resistant prostate cancer)
CT Computertomographie
CTCAE Common Terminology Criteria for Adverse Events
DES Diethylstilbestrol
DFS Krankheitsfreies Überleben (engl. disease-free survival)
DGU Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.
DKG Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
DKH Stiftung Deutsche Krebshilfe
DNA Desoxyribonucleinsäure
DNS Desoxyribonukleinsäure
DRG Deutsche Röntgengesellschaft
DRU Digital-rektale Untersuchung
1.10 Abkürzungsverzeichnis
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21
Abkürzung Erläuterung
DSS krankheitsspezifisches Überleben (disease-specific survival)
EAU European Association of Urology
EBRT perkutane Strahlentherapie / external beam radiotherapy
ECOG Eastern Cooperative Oncology Group
EG Empfehlungsgrad
EK Expertenkonsens
EKG Elektrokardiogramm
EMA Europäische Arzneimittel-Agentur / European Medicines Agency
EORTC European Organisation for Research and Treatment of Cancer
ePLND Extended Pelvic Lymph Node Dissection
ERSPC European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer
ESMO Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie / European Society of Medical
Oncology
FACT Functional Assessment of Cancer Therapy
FDA Food and Drug Administration (US agency)
FDG Fluordesoxyglucose
G-BA Gemeinsamer Bundesausschuss
GD Gesamtdosis
GEC-ESTRO Groupe Européen de Curietherapie und European Society for Radiotherapy
GI Gastrointestinal
GnRH Gonadotropin-Releasing-Hormone
GS Gleason-Score
GSC Gleason-Score
GU Genitourinäre
1.10 Abkürzungsverzeichnis
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22
Abkürzung Erläuterung
Gy Kurzbezeichnung für die Maßeinheit der Energiedosis Gray
HDR High dose rate
HGPIN High-Grade-PIN-Läsion
HIFU Hochintensiver fokussierter Ultraschall
HR Hazard Ratio
HRD Homologous recombination deficiency
HRQoL Health-related quality of life
HRR homologe Rekombinationsreparatur
HT Hormontherapie
HTA Health Technology Assessment
i.m. intramuskulär
i.v. intravenös
ICCR International Collaboration on Cancer Reporting
ICHOM International Consortium for Health Outcomes Measurement
ICI Intrakavernöse Injektionen
IDC-P intraduktale Karzinom der Prostata
IGeL Individuelle Gesundheitsleistungen
IGRT Image-guided radiation therapie (bildgesteuerte Strahlentherapie)
IMRT intensitätsmodulierte Radiotherapie
IPSS International Prostate Symptom Score
IQWiG Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
IRE Irreversible Elektroporation
ISUP International Society of Urologic Pathology, Internationale Gesellschaft für
Urologische Pathologie
1.10 Abkürzungsverzeichnis
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23
Abkürzung Erläuterung
KHK Koronare Herzkrankheit
KI Konfidenzintervall
LDR Low-Dose Rate
LH-RH Luteinisierendes Hormon Releasing Hormon
LL Leitlinie
LND Lymphonodectomy
LoE Evidenzlevel
mCRPC metastasiertes, kastrationsresistentes Prostatakarzinom
MFS metastasenfreies Überleben (metastasis-free survival)
mHSPC hormonsensitives, metastasierten Prostatakarzinoms
MMR Mismatch-repair Gen
mpMRT multiparametrische Magnetresonanztomografie
mpUS Multiparametrischer Ultraschall
MRT Magnetresonanztomographie
NCCN National Comprehensive Cancer Network
NCDB National Cancer Database (USA)
NEPC neuroendorkine Prostatakarzinome
NICE National Institute for Health and Care Excellence
nmCRPC nicht-metastasiertes, kastrationsresistentes Prostatakarzinom
NND Number needed to diagnose
NNI Number needed to invite
NNP negativ prädiktiver Wert
NNT Number needed to treat
NW Nebenwirkungen
1.10 Abkürzungsverzeichnis
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24
Abkürzung Erläuterung
OL Leitlinienprogramm Onkologie
OP Operation
OR Quotenverhältnis / Odds-Ratio
OS Gesamtüberleben / overall survival
PARP Poly(ADP-ribose) Polymerase
PARPI Poly(ADP-ribose) Polymerase-Inhibitoren
PCa Prostatakarzinom
PCTCC Prostate Cancer Trialists Collaborative Group
PDE Phosphodiesterase
PET Positron emission tomography
PET/CT Positronen-Emissions-Tomographie/Computertomographie
PIN Prostatische intraepitheliale Neoplasie
PPV positiv prädiktiver Wert
PPW Positive prädikativer Wert
PRS Polygenen Risiko Scores
PSA Prostata-spezifisches Antigen
PSAD Prostata-spezifische Antigen-Dichte
PSADT PSA-Doubling-Time
PSMA Prostata-spezifisches Membranantigen
pV Pathogenen Varianten
QALY Qualitätskorrigierte Lebensjahre (engl.: Quality-Adjusted Life Years)
QI Qualitätsindikator
RCT Randomized Controlled Trial
RFA Radiofrequenzablation
1.10 Abkürzungsverzeichnis
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25
Abkürzung Erläuterung
RPCRC Rotterdam Prostate Cancer Risk Calculator
RPE Radikale Prostatektomie
rPFS radiographisches progressionsfreies Überleben
rPFÜ radiologischen progressionsfreies Überleben
RR Risk ratio / relative risk
RT Radiotherapie (engl.: radiotherapy)
RTOG Radiation Therapy Oncology Group
SAPV Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung
SBRT stereotaktische Bestrahlung
SEER Surveillance, Epidemiology, and End Results (USA)
SGB Sozialgesetzbuch
SIGN Scottish Intercollegiate Guidelines Network
SOC Behandlungsstandard (engl.: standard of care)
SPECT Single-Photon-Emissionscomputertomographie
SR Systematische Übersichtsarbeit
SRE Skeletal related event, Skelett-bezogenes Ereignis
SRT Salvagestrahlentherapie
SUV Standardized uptake value
TED Tele-Dialog
tNEPC transdifferenzierte neuroendorkine Prostatakarzinome
TRUS Transrektale Ultraschalluntersuchung
TTP Time to progression
TUR Transurethral resection
TURP Transurethrale Resektion der Prostata
1.10 Abkürzungsverzeichnis
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26
Abkürzung Erläuterung
UAW Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
UG Urogenital
UICC Union Internationale Contre le Cancer (eng.: Union for International Cancer Control)
US Ultraschall
USA United States of America
UTI Urinary Tract Infections
V.a. Verdacht auf
VACURG Veterans Administration Cooperative Urology Research Group
VTP vaskulär-gezielte photodynamische Therapie
WHO World Health Organization / Welt-Gesundheitsorganisation
WW Watchful Waiting
zVT Zweckmäßige Vergleichstherapie
1.10 Abkürzungsverzeichnis
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
27
2 Einführung
2.1.1 Zielsetzung und Fragestellung
Diese Leitlinie ist ein evidenz- und konsensbasiertes Instrument, um Früherkennung,
Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms zu verbessern.
Männer und Ärzte sollen durch die Leitlinie bei der Entscheidung über
Früherkennungsmaßnahmen unterstützt werden. Die Leitlinie soll dazu beitragen,
eine angemessene Gesundheitsversorgung bei der Früherkennung sicherzustellen.
Es ist weiterhin die Aufgabe der Leitlinie, dem Mann (mit Verdacht auf
Prostatakarzinom oder nachgewiesenem Prostatakarzinom) angemessene,
wissenschaftlich begründete und aktuelle Verfahren in der Diagnostik, Therapie und
Rehabilitation anzubieten. Dies gilt sowohl für die lokal begrenzte oder lokal
fortgeschrittene Erkrankung als auch bei Vorliegen eines Rezidivs oder von
Fernmetastasen.
Die Leitlinie soll neben dem Beitrag für eine angemessene Gesundheitsversorgung
auch die Basis für eine individuell zugeschnittene, qualitativ hochwertige Therapie
bieten. Mittel- und langfristig sollen so die Morbidität und Mortalität von Patienten
mit Prostatakarzinom gesenkt und die Lebensqualität erhöht werden.
Durch die Implementierung leitliniengerechter Behandlung sollen unerwünschte
Folgen der Prostatakarzinombehandlung minimiert werden. Kurz- und Langzeitfolgen,
insbesondere die Rate an Patienten mit erektiler Dysfunktion, Inkontinenz und
Darmschädigung (u. a. Proktitis) sollen für jedes primäre Behandlungsverfahren des
Prostatakarzinoms erfasst werden. Dazu dient der „Expanded prostate cancer index
composite“ (EPIC-26) um ein international vergleichbares funktionelles
Behandlungsergebnis bei Patienten mit Prostatakarzinom zu dokumentieren.
2.1.2 Adressaten
Die folgenden Empfehlungen richten sich an alle Betroffenen und alle Berufsgruppen
der beteiligten Fachgesellschaften und Organisationen.
2.1.3 Gültigkeitsdauer und Aktualisierungsverfahren
Die S3-Leitlinie ist bis zur nächsten Aktualisierung gültig (maximal 5 Jahre).
Kommentare und Hinweise für den Aktualisierungsprozess sind ausdrücklich
erwünscht und können an das Leitliniensekretariat adressiert werden:
prostatakarzinom@leitlinienprogramm-onkologie.de.
In den Kopfzeilen der Empfehlungen und Statements wurde vermerkt, wann diese
erstellt bzw. aktualisiert wurden und ob sie modifiziert oder neu erstellt wurden.
Folgende Kategorien der Kennzeichnung werden verwendet:
geprüft = Die Gültigkeit der Empfehlung bzw. des Statements wurde während der
Aktualisierung geprüft.
modifiziert = An der Empfehlung bzw. dem Statement wurden inhaltliche Änderungen
vorgenommen, die formal konsentiert wurden.
2.2 Grundlagen der Methodik
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
28
neu = Die Empfehlung bzw. das Statement wurde während der Aktualisierung neu
erstellt und formal konsentiert.
2.2 Grundlagen der Methodik
Die Evidenzrecherche und -bewertung erfolgte über das Wissenstransferzentrum
UroEvidence der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU).
Ausführliche Angaben zur Methodik bei der Ersterstellung der Leitlinie finden sich in
der Dokumentationshistorie (https://www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/).
Informationen zur Methodik können dem Leitlinienreport sowie dem begleitenden
Evidenzbericht zu dieser Version der Leitlinie entnommen werden.
2.2.1 Schema der Evidenzgraduierung
Zur Klassifikation des Verzerrungsrisikos der identifizierten Studien wurde in dieser
Leitlinie das im folgenden aufgeführte System des Scottish Intercollegiate Guidelines
Network (SIGN) aus dem Jahr 2009 verwendet (siehe www.sign.ac.uk/pdf/sign50.pdf).
Tabelle 4: Schema der Evidenzgraduierung nach SIGN
Evidenzgrad Beschreibung
1++ Qualitativ hochwertige Metaanalysen, Systematische Übersichten von RCTs, oder
RCTs mit sehr geringem Risiko systematischer Fehler (Bias)
1+ Gut durchgeführte Metaanalysen, Systematische Übersichten von RCTs, oder RCTs
mit geringem Risiko systematischer Fehler (Bias)
1- Metaanalysen, Systematische Übersichten von RCTs, oder RCTs mit hohem Risiko
systematischer Fehler (Bias)
2++ Qualitativ hochwertige systematische Übersichten von Fall-Kontroll- oder
Kohortenstudien oder
Qualitativ hochwertige Fall-Kontroll- oder Kohortenstudien mit sehr niedrigem
Risiko systematischer Verzerrungen (Confounding, Bias, „Chance“) und hoher
Wahrscheinlichkeit, dass die Beziehung ursächlich ist.
2+ Gut durchgeführte Fall-Kontroll Studien oder Kohortenstudien mit niedrigem
Risiko systematischer Verzerrungen (Confounding, Bias, „Chance“) und moderater
Wahrscheinlichkeit, dass die Beziehung ursächlich ist.
2- Fall-Kontroll Studien oder Kohortenstudien mit einem hohen Risiko systematischer
Verzerrungen (Confounding, Bias, „Chance“) und signifikantem Risiko, dass die
Beziehung nicht ursächlich ist.
3 Nicht-analytische Studien, z.B. Fallberichte, Fallserien
2.2 Grundlagen der Methodik
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
29
Evidenzgrad Beschreibung
4 Expertenmeinung
2.2.2 Schema der Empfehlungsgraduierung
Die Methodik des Leitlinienprogramms Onkologie sieht eine Vergabe von
Empfehlungsgraden durch die Leitlinien-Autoren im Rahmen eines formalen
Konsensusverfahrens vor. Dementsprechend wurden durch die AWMF moderierte,
nominale Gruppenprozesse bzw. strukturierte Konsensuskonferenzen durchgeführt
[AWMF-Leitlinien-Regelwerk 2020]. Im Rahmen dieser Prozesse wurden die
Empfehlungen von den stimmberechtigten Mandatsträgern formal abgestimmt. Die
Ergebnisse der jeweiligen Abstimmungen (Konsensstärke) sind entsprechend den
Kategorien in der Tabelle zu den Konsensstärken den Empfehlungen zugeordnet.
In der Leitlinie werden zu allen evidenzbasierten Statements und Empfehlungen
dasEvidenzlevel der zugrunde liegenden Studien sowie bei Empfehlungen zusätzlich
die Stärke der Empfehlung (Empfehlungsgrad) ausgewiesen. Hinsichtlich der Stärke
der Empfehlung werden in dieser Leitlinie drei Empfehlungsgrade unterschieden
(siehe Tabelle unten), die sich auch in der Formulierung der Empfehlungen jeweils
widerspiegeln.
Tabelle 5: Schema der Empfehlungsgraduierung
Empfehlungsgrad Beschreibung
A Starke Empfehlung für oder gegen ein Maßnahme - verwendete
Ausdrucksweise = soll/soll nicht
B Empfehlung für oder gegen eine Maßnahme - verwendete Ausdrucksweise =
sollte/sollte nicht
0 offene Empfehlung (Option) bzgl. einer Maßnahme - verwendete
Ausdrucksweise = kann
Tabelle 6: Konsensstärke
Konsensstärke Beschreibung
Starker Konsens > 95% Zustimmung der Stimmberechtigten
Konsens > 75-95% Zustimmung der Stimmberechtigten
Mehrheitliche Zustimmung > 50-75% Zustimmung der Stimmberechtigten
Keine mehrheitliche Zustimmung < 50% Zustimmung der Stimmberechtigten
2.2 Grundlagen der Methodik
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30
2.2.3 Statements
Als Statements werden Darlegungen oder Erläuterungen von spezifischen
Sachverhalten oder Fragestellungen ohne unmittelbare Handlungsaufforderung
bezeichnet. Sie werden entsprechend der Vorgehensweise bei den Empfehlungen im
Rahmen eines formalen Konsensusverfahrens verabschiedet und können entweder
auf Studienergebnissen oder auf Expertenmeinungen beruhen.
2.2.4 Expertenkonsens (EK)
Statements/Empfehlungen, für die eine Bearbeitung auf der Grundlage von
Expertenkonsens der Leitliniengruppe beschlossen wurde, sind als Expertenkonsens
ausgewiesen. Für diese Empfehlungen wurde keine systematische Literaturrecherche
durchgeführt (die in den Hintergrundtexten ggf. angeführten Studien wurden von den
beteiligten Fachexperten ausgewählt). Bei Empfehlungen, die auf einem
Expertenkonsens basieren, werden keine Symbole bzw. Buchstaben verwendet, um
die Empfehlungsstärke und die Qualität der Evidenz darzustellen. Die Stärke der
Empfehlung ergibt sich hier allein aus der verwendeten Formulierung
(soll/sollte/kann) entsprechend der Abstufung in Tabelle 5.
2.2.5 Unabhängigkeit und Darlegung möglicher
Interessenkonflikte
Die Deutsche Krebshilfe stellte über das Leitlinienprogramm Onkologie (OL) die
finanziellen Mittel zur Verfügung. Diese Mittel wurden eingesetzt für Personalkosten,
Büromaterial, Literaturbeschaffung und die Konsensuskonferenzen (Raummieten,
Technik, Verpflegung, Moderatorenhonorare, Reisekosten der Teilnehmer). Die
Erarbeitung der Leitlinie erfolgte in redaktioneller Unabhängigkeit von der
finanzierenden Organisation. Alle Mitglieder legten während des Leitlinienprozesses
eine schriftliche Erklärung zu eventuell bestehenden Interessenkonflikten vor. Die
offengelegten Interessenkonflikte sind im Leitlinienreport zu dieser Leitlinie
aufgeführt.
Teilnehmende, die keine Erklärung abgaben, wurden von den
Konsentierungsprozessen ausgeschlossen. Die Erklärungen wurden im online-Portal
durch die AG Interessenkonflikte (Mitglieder: Prof. Höcht, Dr. Nothacker, Dr. Schmidt
(UroEvidence), Herr Wenzel (OL), Prof. Wörmann)) gesichtet, in mehreren
Videokonferenzen besprochen und abschließend bewertet.
• GERING: einzelne Vorträge finanziert von der Industrie (<5.000 pro Jahr pro
Firma), Konsequenz: Limitierung von Leitungsfunktion insgesamt
(Koordination, ggf. Peer) oder für die thematisch befasste AG (Leitung, ggf.
Peer).
• MODERAT: Tätigkeit in einem industriefinanzierten Advisory Board/Wiss.
Beirat/ als Gutachter, Managementverantwortung industriefinanzierte
Studie(n), Federführung bei Fort-/Weiterbildung mit direkter
Industriefinanzierung bzw. für eine bestimmte Methode, regelmäßige
Vortragstätigkeit für best. Firmen, Aktienbesitz einzelner Firmen.
Konsequenz: Keine Abstimmung für die thematisch relevanten Empfehlungen
oder Doppelabstimmung.
• HOCH: Eigentumsinteresse, Arbeitsverhältnis bei der Industrie, hoher
Aktienbesitz einzelner Firmen. Konsequenz: Keine Teilnahme an thematisch
relevanten Beratungen und keine Abstimmung.
2.2 Grundlagen der Methodik
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
31
Die Gefahr von unangemessener Beeinflussung durch Interessen wurde dadurch
reduziert, dass die Recherche, Auswahl und Bewertung der Literatur durch
Methodiker (UroEvidence) ohne bedeutende Beziehungen zur Industrie oder
Interessengruppen erfolgte. Die formale Konsensbildung und die interdisziplinäre
Erstellung, sowie die Möglichkeit der öffentlichen Begutachtung bildeten weitere
Elemente, die das Risiko von Verzerrungen reduzieren können.
An dieser Stelle möchten wir allen Mitarbeitern für ihre ausschließlich ehrenamtliche
Mitarbeit an dem Projekt danken.
3.1 Epidemiologie
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32
3 Epidemiologie, Risikofaktoren,
Prävention und Ernährung
3.1 Epidemiologie
In Deutschland ist das Prostatakarzinom beim Mann der häufigste bösartige Tumor.
Die altersstandardisierte Erkrankungsrate ist seit 2003 weitgehend konstant und
verlief zwischen 2011 und 2016 rückläufig [1]. Die altersstandardisierte Inzidenz des
Prostatakarzinoms ist weltweit unterschiedlich. In Europa zeigt sich ein Nord-Süd-
Gefälle. Für Schweden liegen altersstandardisierte Inzidenzen von 175,2
Erkrankte/100.000 Männer vor, für Griechenland 34,2 Erkrankte/100.000 Männer [2].
In Deutschland erkrankten im Jahre 2016 58.780 Männer neu an diesem Tumor, was
einer altersstandardisierten Inzidenz von 91,6 pro 100.000 Einwohner entspricht [1].
Die weltweit höchste beschriebene Inzidenz findet sich in den USA (124,8/100.000),
insbesondere bei afroamerikanischen Männern (185,4/100.000) [3]. Angaben zur
Prävalenz, die auf Autopsiebefunden basieren, liegen für Deutschland nicht vor. Aus
internationalen Studien lassen sich für die Altersgruppe zwischen 60 und 70 Jahren
Prävalenzen zwischen 70/100.000 (US-afroamerikanische Männer) und 14/100.000
(griechische Männer) ableiten.
Im Mittel lag in 2016 das Erkrankungsalter bei 72 Jahren [1]. Der Tumor ist eine
Alterserkrankung. Vor dem 50. Lebensjahr ist das Prostatakarzinom selten. Das
Prostatakarzinom stellt unter den Krebstodesursachen beim Mann die dritthäufigste
Entität dar. 14.417 Männer verstarben 2016 daran, was einer altersstandardisierten
Sterberate von 19,5 pro 100.000 Einwohner in Deutschland entspricht [1]. Bis zum
Jahr 2050 wird der Anteil der über 60-Jährigen in der Bevölkerung voraussichtlich auf
ca. 28 Millionen Männer anwachsen (37 %) und damit doppelt so hoch sein wie heute
[4]. Bereits 2014 lebte etwa eine halbe Million Männer mit einer bis zu 10 Jahre
zurückliegenden Diagnose eines Prostatakrebses [5]. Aufgrund der demografischen
Entwicklung ist zu erwarten, dass sowohl Inzidenz als auch Prävalenz zunehmen
werden. Dieser demographischen Entwicklung müssen Diagnostik, Therapie und
Nachsorge des Prostatakarzinoms Rechnung tragen.
Insbesondere steigt der Anteil früher Stadien. Diese Stadienverschiebung wird auf die
Bestimmung des Tumormarkers PSA (Prostataspezifisches Antigen) zurückgeführt.
Insgesamt tragen ca. 40 % der männlichen Bevölkerung in den westlichen
Industrieländern das Risiko, im Laufe ihres Lebens ein Prostatakarzinom zu
entwickeln, aber nur etwa 10 % werden symptomatisch und nur 3 % versterben daran
[6]. Die weitaus häufigste Todesursache in den westlichen Industrieländern sind die
kardiovaskulären Erkrankungen [7]. Der Unterschied zwischen der Inzidenz und der
Mortalität des Prostatakarzinoms nimmt derzeit weiter zu. Vermutlich ist die
durchschnittliche Lebenserwartung von Männern, die an einem Prostatakarzinom
versterben, höher als die Lebenserwartung von Männern, die an anderen Ursachen
versterben. Der Einfluss anderer Erkrankungen (Komorbidität) auf das Überleben ist
bei allen Altersgruppen anteilmäßig größer als der des Prostatakarzinoms selbst [8].
3.2 Risikofaktoren
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33
33
3.2 Risikofaktoren
3.2.1 Risikofaktoren für das Auftreten eines Prostatakarzinoms
3.1 Evidenzbasierte Empfehlung geprüft 2018
Empfehlungsgrad
A
Männer sollen darauf hingewiesen werden, dass das Alter der wichtigste
Risikofaktor für das Auftreten eines Prostatakarzinoms ist.
(Zu den Konsequenzen in Hinblick auf Früherkennung und Screening siehe Kapitel
4.1.2 „PSA und DRU in Früherkennung/ Screening“).
Evidenzlevel
4
Expertenmeinung
Konsens
3.2 Evidenzbasierte Empfehlung geprüft 2018
Empfehlungsgrad
A
Männer, deren Brüder und/oder Väter an einem Prostatakarzinom erkrankt
sind/waren, sollen auf das über zweifach erhöhte Risiko aufmerksam gemacht
werden, im Laufe ihres Lebens ein Prostatakarzinom zu entwickeln.
Evidenzlevel
2++
[9], [10], [11]
Starker Konsens
Zu Empfehlung 3.1
Die Grundlage dieser Empfehlung bilden epidemiologische Daten aus Krebsregistern,
die eine stark altersabhängige Inzidenz des Prostatakarzinoms zeigen, während die
Ursachen für die Entstehung des Prostatakarzinoms im Wesentlichen unbekannt sind.
Laut Angaben des Zentrums für Krebsregisterdaten liegen die Inzidenzen dieses
Tumors in der Altersgruppe der 45-49-Jährigen bei 17,3/100.000 Männer in
Deutschland (altersspezifische rohe Rate), während der Gipfel der Inzidenz in den
Altersgruppen der 70-74-Jährigen mit 653,7/100.000 und bei den ≥85-Jährigen mit
692,7/100.000 Männern erreicht werden [12]. Laut Datenbank des National Cancer
Institutes der USA „Surveillance Epidemiology and End Results“ (SEER) liegt die
Inzidenz in der Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen bei nahezu 0, bei den 35- bis 39-
Jährigen bei 0,7/100.000 Männer und in der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen
dagegen bei 905/100.000 [13].
Zur autopsiegestützten Prävalenz des Prostatakarzinoms liegen keine Daten aus
Deutschland vor. Für die USA zeigt sich im Vergleich zur nur Diagnosebasierten SEER-
Datenbank eine höhere Prävalenz. Diese steigt von 8/100.000 bei 20 bis 30-jährigen
weißen Männern bis zu 83/100.000 bei 71- bis 80-Jährigen. Für Griechenland zeigten
3.2 Risikofaktoren
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34
sich bei Autopsien erst bei 41- bis 50-Jährigen Prostatakarzinome (3/100.000), die
Prävalenz bei 71- bis 80-Jährigen liegt dort bei 31/100.000 [14].
Zu Empfehlung 3.2
Die Assoziation zwischen einer positiven Familienanamnese und dem Risiko, ein
Prostatakarzinom zu entwickeln, ist an Hand zweier Metaanalysen [15], [16]
hinreichend belegt. Dabei liegt das relative Risiko bei 2,5 bis 4,3 % für jeglichen
erstgradigen Verwandten.
Weitere Faktoren, die das relative Prostatakrebsrisiko erhöhen, sind: jüngeres Alter
betroffener Familienmitglieder, steigende genetische Übereinstimmung zum
betroffenen Familienmitglied und steigende Anzahl individuell betroffener
Familienmitglieder.
Weitere mögliche Risikofaktoren
Neben den genannten Risikofaktoren gibt es eine Reihe von Faktoren, die mit dem
Auftreten eines Prostatakarzinoms assoziiert sind. Keine der folgenden Assoziationen
wurde von der Leitliniengruppe überzeugend oder klinisch relevant genug angesehen,
um daraus ein Statement oder eine Empfehlung ableiten zu können.
• Ernährungsbedingte und sozioökonomische Faktoren
Die Inzidenz des Prostatakarzinoms zeigt global betrachtet ein signifikantes Ost-
West-Gefälle zugunsten des asiatischen Raumes und innerhalb Europas auch ein
Nord-Süd-Gefälle zugunsten südeuropäischer Länder (siehe Kapitel 3.1). Dieses wird
mit unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten in den Ländern sowie
sozioökonomischen Faktoren in Verbindung gebracht [17], [18], [19].
Bezüglich der Ernährung liegen Metaanalysen über Kohortenstudien und Fall-
Kontrollstudien zu einer möglichen protektiven Wirkung von Phytoöstrogenen
(insbesondere Soja) [20] und einer lycopenreichen Kost (in Tomaten enthalten) vor
[21], [22].
• Lokale entzündliche Prozesse
In der zurzeit gängigen Theorie der Pathogenese des Prostatakarzinoms wird eine
nichtandrogen-sensitive von einer androgensensitiven Phase bei der Entstehung
unterschieden. In der ersten, nichtandrogen-sensitiven Phase werden bestimmte
Mutationen sowie O2-Radikale und Karzinogene für die Entstehung einer
proliferativen inflammatorischen Atrophie verantwortlich gemacht. Ein wesentlicher
Faktor hierbei sind chronische Entzündungsreaktionen. Zusätzliche epigenetische
Inaktivierungen von bestimmten Genen führen dann zu einer prostatischen
intraepithelialen Neoplasie. Ab diesem Schritt wird die Entwicklung des
Prostatakarzinoms als androgen-sensitiv bezeichnet [23]. Diese Theorie stützt die
Hypothese, nach der sexuell übertragbare Erkrankungen und das Krankheitsbild einer
Prostatitis mit dem erhöhten Risiko der Prostatakarzinomentstehung ursächlich
verknüpft sind. Wenn bei einem Gesunden das Risiko für das Vorliegen eines
Prostatakarzinoms als 1 angenommen wird, beträgt das Quotenverhältnis für jegliche
Geschlechtskrankheit im Hinblick auf die Assoziation mit einem Prostatakarzinom 1,5
und bei Vorliegen einer Prostatitis 1,6 [24], [25].
3.2 Risikofaktoren
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35
• Vasektomie
Die Ergebnisse einer Metaanalyse zur Korrelation zwischen Vasektomie und
Prostatakarzinom sind inkonsistent und nicht ausreichend, um eine hinreichend
positive Korrelation festzustellen. Die Autoren weisen selbst auf einen möglichen Bias
der sehr heterogenen Studien hin [26].
• Diabetes mellitus
Anders als bei anderen Tumorerkrankungen erhöht das Vorliegen eines Diabetes
mellitus offensichtlich nicht das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken
[27]. Metaanalysen zeigen im Gegenteil eher ein erniedrigtes Risiko für
Prostatakarzinom bei Diabetikern [28], [29].
• Adipositas
Zum Einfluss von Adipositas auf die Entwicklung eines Prostatakarzinoms existieren
aus methodisch problematischen Studien widersprüchliche Daten [30], [31].
3.2.2 Testosteronsubstitution
3.3 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2018
Empfehlungsgrad
0
Bei hypogonadalen Patienten ohne klinisch erkennbares Prostatakarzinom kann
Testosteron substituiert werden. Bisher wurde ein erhöhtes Risiko für die
Entwicklung eines Prostatakarzinoms nicht nachgewiesen.
Evidenzlevel
1+
[32], [33], [34], [35], [36], [37], [38], [39], [40]
Konsens
3.4 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2018
Empfehlungsgrad
A
Bei Nachweis eines Hypogonadismus soll der Patient vor einer
Testosteronsubstitution digital-rektal untersucht und der PSA-Wert soll bestimmt
werden.
Evidenzlevel
4
Expertenmeinung
Konsens
Zu Empfehlung 3.3
Zum Prostatakarzinom-Risiko bei Testosteronsubstitution aufgrund von
Hypogondismus fand die update-Recherche (2016) drei systematische
3.2 Risikofaktoren
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36
Übersichtsarbeiten [41], [42], [43], deren Ergebnisse die bisherige Evidenz (Calof et
al. 2005 [44]) stützen. Die Metaanalysen berücksichtigten jeweils randomisierte
Placebo-kontrollierte Studien und zeigen vergleichbare Inzidenzen für diagnostizierte
Prostatakarzinome bei behandelten Patienten und Patienten mit Placebo (Calof et al.:
9,2 vs. 8,3 pro 1.000 Patientenjahre; Cui et al: Krebsrate 1,57 % vs. 1,60 %; Boyle et
al.: summary odds ratio 0,87 (95 % KI 0,30-2,50). Analysen der Veränderungen des
PSA-Werts vor und nach Testosteronsubstitution unterschieden sich ebenfalls generell
nicht signifikant. Die Häufigkeit indizierter Biopsien eignet sich nach Ansicht der
Experten nicht als Endpunkt, da die Patienten vermutlich intensiver überwacht
wurden. Die Datenlage besagt, dass bisher ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung
eines Prostatakarzinoms bei Hypogonadismus-Patienten mit Testosteronsubstitution
nicht nachgewiesen wurde. Obgleich die mediane Behandlungsdauer und
Beobachtung der Patienten in den Übersichtsarbeiten bei maximal drei Jahren liegt,
beinhaltet diese Zeitspanne nach Einschätzung der Leitlinien-Autoren die vulnerable
Phase, sofern das individuelle Risiko von der Testosteron-substitution abhängig ist. Es
spricht daher nichts gegen die Substitution bei indizierten Patienten.
Zu Empfehlung 3.4
Die Empfehlung basiert auf einem Expertenkonsens und ergibt sich aus einem
Umkehrschluss. Da die Hormonentzugstherapie in der Behandlung des
Prostatakarzinoms wirksam ist [45], kann umgekehrt geschlussfolgert werden, dass
die Hormonsubstitution ein okkultes Prostatakarzinom stimulieren könnte. Deshalb
soll mittels DRU und PSA vor Beginn der Hormonsubstitution das Vorliegen eines
Prostatakarzinoms ausgeschlossen werden.
3.3 Prävention und Ernährung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
37
3.3 Prävention und Ernährung
3.5 Evidenzbasierte Empfehlung geprüft 2018
Empfehlungsgrad
A
Männer sollen über eine gesunde Lebensweise beraten werden. Hierzu gehören
Aspekte der Ernährung, der körperlichen Bewegung und der psychosozialen
Situation.
Evidenzlevel
4
Expertenmeinung
Konsens
3.6 Evidenzbasiertes Statement geprüft 2018
Evidenzlevel
4
Die Einnahme von 5-alpha-Reduktase-Hemmer(n) reduziert die Häufigkeit des
Nachweises von Prostatakarzinomen und Präneoplasien (High-Grade Prostatic
Intraepithelial Neoplasia (PIN)). Allerdings existieren keine Hinweise zur
Auswirkung auf tumorspezifische Mortalität oder Gesamtmortalität. Der PSA-Wert
wird durch 5-alpha-Reduktase-Hemmer abgesenkt. In Deutschland sind 5-alpha-
Reduktase-Hemmer zur Prävention des Prostatakarzinoms nicht zugelassen.
[46], [47], [48], [49]
Expertenmeinung
Konsens
Zu Empfehlung 3.5
Die Autoren dieser Leitlinie wissen um das Bedürfnis von Männern nach
Informationen über mögliche Präventionsstrategien im Hinblick auf die Entwicklung
eines Prostatakarzinoms und haben daher die o. g. Empfehlung formuliert. Sie
orientiert sich an den Empfehlungen der Leitlinie der amerikanischen
Krebsgesellschaft (ACS) „Nutrition and physical activity guidelines for cancer
prevention“ [50]. Die Empfehlungen zielen auf eine allgemeine Krebsprävention ab,
lassen sich aber auch auf Aspekte der Prävention anderer Erkrankungen, z. B. von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen übertragen. Denn obgleich Risikofaktoren für das
Prostatakarzinom (s. o.) oder andere Tumoren existieren, ist das individuelle Risiko
des Einzelnen nicht bestimmbar. Es erscheint daher nicht sinnvoll, spezielle
Ernährungshinweise zur Prävention eines Prostatakarzinoms zu geben und damit
andere gefährliche Erkrankungen unberücksichtigt zu lassen. Dies gilt sowohl für
andere Malignome als auch für die weiterhin statistisch an erster Stelle zu nennende
Morbidität und Mortalität von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die eher allgemein gültigen Empfehlungen tragen außerdem der Tatsache Rechnung,
dass Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin E oder Selen nicht zur Prävention
empfohlen werden können, da in randomisiert-kontrollierten Studien weder die
3.3 Prävention und Ernährung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
38
Einnahme von Vitamin E noch die Einnahme von Selen oder die Kombination beider
Substanzen zu einer statistisch nachweisbaren Senkung des Auftretens eines
Prostatakarzinoms führte [51]. Hinzu kommt, dass bei jeglicher präventiven
Intervention besondere Vorsicht geboten ist, da es sich um gesunde und
beschwerdefreie Männer handelt.
Die vier Hauptempfehlungen der amerikanischen Leitlinie lauten:
a. Streben Sie ein gesundes Gewicht an.
b. Seien Sie körperlich aktiv.
c. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit Schwerpunkt auf pflanzlichen
Produkten.
d. Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum.
Zu a: Streben Sie ein gesundes Gewicht an
• Achten Sie auf eine gesunde Balance von Energie (Kalorien) und körperlicher
Aktivität.
• Vermeiden oder reduzieren Sie Adipositas und versuchen Sie, Ihr erreichtes
gesundes Gewicht zu halten.
• Der gesündeste Weg, die Kalorienzufuhr zu reduzieren, ist eine Reduktion
bzw. der Verzicht auf zusätzlichen Zucker, gesättigte oder Transfette und
Alkohol. Alle diese Nahrungsmittel sind sehr energiereich und haben zu
wenig oder keine essentiellen Nahrungsbestandteile wie Vitamine, Mineralien
oder Ballaststoffe. Beispiele solcher ungünstiger und zu vermeidender
Nahrungsmittel sind frittierte oder gebratene Gerichte, Kekse, Kuchen,
Zuckerprodukte, Speiseeis und gesüßte Erfrischungsgetränke.
Zu b: Seien Sie körperlich aktiv
• Mindestens 30 Minuten mäßige bis starke körperliche Betätigung neben den
normalen täglichen Tätigkeiten an mindestens fünf Tagen in der Woche
werden für Erwachsene empfohlen. 45-60 Minuten sind wünschenswert.
• Unter mäßiger körperlicher Aktivität wird eine Anstrengung verstanden, wie
sie beim schnellen Gehen entsteht (z. B. Tanzen, lockerem Fahrradfahren,
Golfen, Volleyballspielen, Rasenmähen, Gartenarbeit). Starke körperliche
Betätigung erfordert den Einsatz größerer Muskelgruppen, verursacht eine
Beschleunigung von Puls und Atmung und ein vermehrtes Schwitzen (z. B.
Joggen oder Laufen, Aerobic, Schwimmen, schnelles Fahrradfahren,
Fußballspielen, Squash, Langlauf, Schreinern, Umgraben). Eine Erhöhung der
Alltagsaktivität (Treppen steigen anstatt Fahrstuhl fahren, gehen oder Rad
fahren anstatt Autofahren etc.) ist dabei dem Sport gleichwertig.
Zu c: Achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit Schwerpunkt auf pflanzliche
Produkte
• Essen Sie jeden Tag verschiedene Obst- und Gemüsesorten.
• Essen Sie lieber Vollkorn- als Weißmehlprodukte.
• Begrenzen Sie die Zufuhr von Fleischprodukten und rotem Fleisch.
Zu d: Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum
3.3 Prävention und Ernährung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
39
• Männer sollten nicht mehr als zwei alkoholische Drinks pro Tag zu sich
nehmen. Einem Drink (12 g Alkohol) entspricht 0,33 Liter 5 %iges Bier, 0,04
Liter (4 cl) 40 %iger Schnaps, 0,14 Liter (14 cl) 12 %iger Wein oder Sekt, 0,07
Liter (7 cl) 20 %iger Likör/Aperitif.
Zu Statement 3.6
Auf der Grundlage experimenteller und klinischer Beobachtungen wurde 1993 der
Prostate Cancer Prevention Trial (PCPT) initiiert [52]. Dabei wurde der präventive
Effekt des 5-alpha-Reduktase-Hemmers Typ-II, Finasterid, in einer prospektiv
randomisierten Doppelblindstudie untersucht. Randomisiert wurden 18.882 gesunde
Männer über 55 Jahre mit negativem Tastbefund und einem PSA-Wert unter 3,0 ng/ml
in einen Kontrollarm mit Placebo oder einen Behandlungsarm mit 5 mg Finasterid. Die
Studiendauer betrug sieben Jahre. Bei PSA-Anstieg, auffälligem Tastbefund und am
Ende der Studie erfolgte eine Prostatabiopsie.
Zum Zeitpunkt des vorzeitigen Studienabbruchs fanden sich in der Finasteridgruppe
24,1 % weniger Prostatakarzinome (p<0,0001) und auch statistisch signifikant
weniger Präkanzerosen (High-Grade PIN) [53]. Bezogen auf den Gleason-Score der
Karzinome fanden sich im Interventionsarm statistisch signifikant mehr Tumore mit
einem Gleason-Score von 7-10. Nach Adjustierung für Alter, Rasse, Familienanamnese
und PSA-Wert zeigte sich im Hinblick auf den Nachweis von Karzinomen eines
Gleason-Score von 7-10 ein relatives Risiko von 1,28 zu Ungunsten der
Interventionsgruppe mit Finasterid (p=0,005). Nachuntersuchungen in den folgenden
Jahren weisen darauf hin, dass die beobachtete Differenz auf das unter Finasterid
verminderte Prostatavolumen zurückzuführen ist und hierdurch die Treffsicherheit
der Biopsie beeinflusst wird. Bei Vergleich des Operationspräparats war der
Unterschied im Nachweis von Karzinomen eines hohen Gleason-Scores nicht mehr
statistisch signifikant (u. a. Lucia et al. 2007 [54]). Bei den vorliegenden Analysen
handelt es sich um retrospektive Auswertungen.
Finasterid ist die erste Substanz, für die eine präventive Wirkung beim
Prostatakarzinom bewiesen ist [55], [56], [57]. In einer weiteren, ähnlich konzipierten,
prospektiv randomisierten Doppelblindstudie wurden 8.231 Patienten mit V. a.
Prostatakarzinom nach einer negativen Stanzbiopsie über vier Jahre mit dem 5-Alpha-
Reduktase- Typ-I- und II-Hemmer Dutasterid (REDUCE) behandelt. Erste Mitteilungen
[58] sprechen dafür, dass die Ergebnisse mit denen aus PCPT weitgehend
übereinstimmen. In Abwägung von Nutzen und Risiken ist auch hier für eine mögliche
präventive Gabe zu bedenken, dass es sich bei den potenziellen Anwendern um
gesunde und beschwerdefreie Männer handelt. 5-alpha-Reduktase-Hemmer sind
bislang nicht zur Prävention des Prostatakarzinoms zugelassen.
4.1 Früherkennung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
40
4 Früherkennung, Diagnostik und
Stadieneinteilung
4.1 Früherkennung
4.1.1 Definition und allgemeine Anmerkungen
Definitionen
„Früherkennung“ bzw. „Screening“ bezeichnet diagnostische Verfahren, mit denen
eine Krankheit bereits in einem frühen, noch asymptomatischen Stadium detektiert
wird, um sie im Idealfall effektiver behandeln zu können. Organisierte
Screeningprogramme und Früherkennungsstrategien von Krebserkrankungen sollen
die Gesamtmortalität, insbesondere aber die krebsspezifische Mortalität reduzieren
und gleichzeitig die Lebensqualität erhalten oder verbessern. Unter Screening
versteht man ein meist durch Gesundheitsbehörden initiiertes, organisiertes und
einladungsbasiertes Verfahren. Früherkennung definiert man als selbst- oder durch
einen Arzt initiierte Untersuchung zur frühen Diagnose einer (Krebs-)Erkrankung.
Unter einem organisierten Screeningprogramm versteht man Vorgehensweisen, bei
denen die anspruchsberechtigten Personen schriftlich zu den
Screeninguntersuchungen eingeladen werden, um sicherzustellen: (a) dass alle
Anspruchsberechtigten Zugang zu den Untersuchungen haben und nicht nur
gesundheitsbewusste Personen, die sich über die betreffenden
Untersuchungsmöglichkeiten informiert haben; (b) dass die aus den
wissenschaftlichen Untersuchungen folgenden Rahmenbedingungen hinsichtlich
Alter, Untersuchungsfrequenz etc. eingehalten werden; (c) dass Daten über die
Ausführung des Programms gesammelt werden können, die qualitätssichernde
Programmevaluationen erlauben.
Nutzen und Schaden der Prostatakrebs–Früherkennung
Prostatakrebs ist durch eine Früherkennung nicht zu verhindern. Es gibt also keine
sog. „Vorsorge“. Die Früherkennung hat zum Ziel, aggressive Karzinome so früh zu
erkennen und zu behandeln, dass keine Metastasen entstehen, die Erkrankung nicht
zum Tod führt, aber auch Behandlungen mit einer erheblichen Reduktion der
Lebensqualität (z. B. Hormonentzugstherapie) verhindert werden. Dieser
letztgenannte Endpunkt wird bei der Diskussion um Früherkennungsprogramme
immer häufiger als patientenrelevanter Endpunkt diskutiert, weil die „klassischen“
Endpunkte eines Früherkennungsprogramms wie Gesamtmortalität und
krebsspezifische Mortalität aufgrund der benötigten Fallzahlen nur schwer zu
untersuchen sind [59], [60].
Aus den bisherigen Studien zum Prostatakarzinom-Screening ist ableitbar, dass
Screening, z. B. in der Rotterdamer Kohorte der ERSPC-Studie, mit einer
Nachbeobachtungszeit von 21 Jahren bei etwa 3 von 1.000 Männern, einen Tod durch
ein Prostatakarzinom verhindern kann. Das Auftreten von Metastasen wird bei 4 von
1.000 Männern verhindert [61]. Ob die Gesamtmortalität durch ein Prostatakarzinom-
Screening beeinflusst wird, lässt sich aufgrund der Fallzahl auch in noch deutlich
größeren Studien nicht untersuchen (s. o.).
Ziele des organisierten Screenings bzw. der Früherkennung von Prostatakrebs
4.1 Früherkennung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
41
Eine kurative Behandlung des Prostatakarzinoms ist nur im lokalisierten Stadium
möglich. Das lokalisierte Prostatakarzinom hat unbehandelt meist einen langsamen
natürlichen Verlauf, sodass im Regelfall nur Männer mit einer Lebenserwartung von
mehr als 10-15 Jahren von einer kurativen Therapie profitieren.
Übergeordnetes Ziel eines organisierten Prostatakarzinom-Screenings bzw. einer
Früherkennung ist es, aggressive Tumoren, die während des weiteren Lebens
wahrscheinlich zu Metastasen und damit zu Lebensqualität einschränkenden
Symptomen und/oder Behandlung bzw. zum Tod führen würden, so früh zu
entdecken, dass durch die dann folgende Therapie das Fortschreiten der Erkrankung
verhindert werden kann.
Ein weiteres Ziel ist die Reduktion des opportunistischen Screenings durch selbst-
initiierte Früherkennungstests, denn diese Form des sog. „grauen“ Screenings hat
eine extrem ungünstige Schaden-Nutzen-Relation und keinen Einfluss auf die
krebsspezifische Mortalität [62], [63]. Ein organisiertes, risikoadaptiertes
Früherkennungsprogramm hat zudem ein größeres Potenzial, eine effektive Kosten-
Nutzen-Relation zu generieren und könnte damit gesundheitspolitisch sinnvoll sein
[64], [65], [66] .
Screening und Früherkennung von Prostatakrebs
Sowohl das Screening als auch die Früherkennung benutzen evidenzbasierte
diagnostische Algorithmen, die möglichst effektiv aggressive, klinisch relevante
Prostataerkrankungen erkennen sollen, um einen hohen Nutzen und möglichst wenig
Schaden durch unnötige Diagnosen und Therapien indolenter Karzinome zu
gewährleisten.
Sowohl Früherkennungsuntersuchungen, insbesondere aber Screeningprogramme
dürfen nur empfohlen bzw. eingeführt werden, wenn deren positive Nutzen-
/Schadensbilanz wissenschaftlich einwandfrei belegt ist. Es genügt hierzu nicht
nachzuweisen, dass Patienten nach Früherkennung länger überleben, weil der durch
die frühere Diagnose vorverlegte Anfangszeitpunkt der Beobachtung die
„Überlebenszeit“ zwangsläufig verlängert, selbst wenn die betreffende Person zum
selben Zeitpunkt verstirbt wie ohne eine Früherkennungsmaßnahme (siehe Abbildung
1).
Der Nachweis der Effektivität eines Früherkennungstests erfolgt daher in
randomisierten, klinisch-epidemiologischen Studien unter Betrachtung des
Endpunktes krebsspezifische Mortalität, d. h. Tod an der betreffenden Krankheit.
4.1 Früherkennung
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42
Abbildung 1: Theoretische Ergebnisse des effektiven und ineffektiven Screenings
4.1.2 Tests zur Früherkennung des Prostatakarzinoms
4.1 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
A
Zur Früherkennung von Prostatakarzinomen soll keine digital-rektale
Untersuchung erfolgen.
Evidenzlevel
2+
[67], [68], [69]
Konsens
4.2 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2025
EK
Männer ab dem Alter von 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von mindestens
10 Jahren, die eine Prostatakarzinom-Früherkennung wünschen, sollen
ergebnisoffen über die Vor- und Nachteile beraten werden (siehe Tabelle 7).
Starker Konsens
4.1 Früherkennung
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43
4.3 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2025
EK
Männern, die nach dieser Beratung weiter eine Früherkennung wünschen, soll die
Bestimmung eines Prostata-spezifischen Antigen (PSA)-Wertes angeboten werden.
Starker Konsens
4.4 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
A
Entsprechend der Höhe des PSA-Wertes soll eine Risikozuordnung und eine
risikoadaptierte Empfehlung zur Früherkennungsstrategie und weiteren
Diagnostik erfolgen.
Basis-PSA-Wert Risikozuordnung Empfehlung
<1,5 ng/ml niedriges Risiko 5-jährliche Intervalle
1,5 ng/ml – 2,99 ng/ml intermediäres Risiko 2-jährliche Intervalle
≥3 ng/ml (kontrolliert) hohes Risiko Diagnostik
Evidenzlevel
1-, 3
[67], [61], [70], [71], [72], [73]
Starker Konsens
4.5 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
A
Ein erhöhter PSA-Wert ≥3 ng/ml soll vor der weiteren Diagnostik unter
Berücksichtigung von Einflussfaktoren innerhalb von 3 Monaten kontrolliert
werden.
Evidenzlevel
1-
[74], [67], [72]
Starker Konsens
4.1 Früherkennung
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44
4.6 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
A
Bei einem kontrolliert erhöhten PSA-Wert ≥3 ng/ml soll eine urologische
Konsultation erfolgen. Bestätigt sich dabei ein Risiko für ein Prostatakarzinom,
soll eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata erfolgen.
Evidenzlevel
1-, 2+
[70], [66], [75], [76], [61], [67], [77], [72]
Konsens
4.7 Konsensbasierte Empfehlung neu 2025
EK
Männern mit einer familiären Belastung (≥ ein erstgradig Verwandter) soll ein PSA-
basiertes Screening ab einem Alter von 45 Jahren angeboten werden.
Starker Konsens
4.8, 4.9, 4.10 Verknüpfte Empfehlungen: Konsensbasiert neu 2025
EK
4.8 Männern ab einem Alter von 40 Jahren mit einer pathogenen Variante in
den Genen BRCA2, MSH2 oder MSH6 sollte eine Konsultation im Rahmen
einer Risikosprechstunde angeboten werden.
EK
4.9 Bei Vorliegen einer pathogenen Variante in den Genen BRCA2, MSH2 oder
MSH6 sollen eine PSA-Bestimmung und eine MRT der Prostata erfolgen.
EK
4.10 Bei Vorliegen einer pathogenen Variante und PI-RADS 3-5 in der MRT
und/oder einem PSA-Wert von ≥3 ng/ml sollte eine MRT-Ultraschall-
Fusionsbiopsie der Prostata empfohlen werden.
Konsensstärke Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 4.1
Digital-rektale Untersuchung (DRU)
Die DRU ist seit 1971 Bestandteil der deutschen Früherkennungsrichtlinie und kann
ab dem Alter von 45 Jahren einmal jährlich zu Lasten der gesetzlichen
Krankenversicherung abgerechnet werden. Ein wissenschaftlicher Evidenznachweis im
oben beschriebenen Sinn liegt nicht vor. Neuere Ergebnisse aus der PROBASE-Studie
belegen, dass die DRU dem PSA (Prostata-spezifisches Antigen)-Test deutlich
unterlegen ist [68]. In dieser Studie wurde gezeigt, dass nur etwa 14 % der mit dem
4.1 Früherkennung
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45
PSA-Test detektierten Tumoren auch mit einer DRU getastet wurden. Einschränkend
ist zu vermerken, dass sich dieses Ergebnis nur auf Daten von 45-jährigen Männern
stützt. Eine systematische Übersicht und Analyse von acht Studien mit über 85.000
Teilnehmern mit DRU als Früherkennungsuntersuchung bestätigt die geringe
Sensitivität und vor allem Spezifität dieser Untersuchung [69]. D. h. die DRU führt
sowohl zu inakzeptabel vielen falsch-negativen Befunden als auch zu inakzeptabel
vielen falsch positiven Befunden, deren weitere Abklärung wiederum mit Risiken
verbunden ist.
Zu Empfehlung 4.2 bis Empfehlung 4.5
Für einen Algorithmus zur Früherkennung und Diagnostik des Prostatakarzinoms
entsprechend dieser Leitlinie (mit Verweis auf ausgewählte Empfehlungen) siehe
Abbildung 2.
Der PSA-Test als Screeningtest
Die empfehlungsstützenden Quellen zu Empfehlung 4.2 werden in der Version 5.1
dieser Leitlinie [78] sowie im dazugehörigen Evidenztabellendokument [79]
ausführlich besprochen.
Das PSA–basierte Screening von Prostatakarzinomen ist in der Literatur umstritten. In
einer systematischen Übersichtsarbeit aller verfügbaren Screeningstudien mit
insgesamt 721.718 Teilnehmern konnte kein Effekt eines PSA-basierten,
populationsbasierten Screenings auf die Gesamtmortalität gesehen werden (RR 0,99,
95 % KI 0,98-1,01) [80]. Auch der Effekt auf die prostatakarzinomspezifische
Mortalität war gering (RR 0,96, 95 % KI 0,85-1,08). Durch das Screening konnte ein
Tod durch ein Prostatakarzinom bei 1.000 gescreenten Teilnehmern verhindert
werden. Diesem Effekt stand die Erhöhung der Morbidität durch die Diagnostik und
Therapie entgegen (1 Sepsis, 3 inkontinente Patienten, 25 impotente Patienten pro
1.000 Teilnehmer) [80].
Die 15-Jahres-Ergebnisse der CAP (Cluster Randomized Trial of PSA Testing for
Prostate Cancer)-Studie aus England bestätigten, dass ein einmaliger PSA-Test bei 50
bis 69–jährigen Männern nur einen geringen Effekt auf die
prostatakarzinomspezifische Mortalität nach 15 Jahren hatte [81]. Bei 415.357
Teilnehmern lag die Inzidenz für ein Prostatakarzinom bei 7,08 % im Screeningarm
und 6,94 % im Kontrollarm. Nach 15 Jahren waren 1.199 von 12.013 Männer im
Screeningarm und 1.451 von 12.958 im Kontrollarm verstorben (RR 0,92, 95 % KI
0,85-0,99; p=0,03).
Die European Randomized Study of Screening for Prostata Cancer (ERSPC) mit
repetitiven PSA-Tests zeigte hingegen bei 182.160 randomisierten Teilnehmern einen
signifikanten Effekt des Screenings auf die prostatakarzinomspezifische Mortalität (RR
0,80, 95 % KI 0,72-0,89; p<0,001) [70]. Die absolute Risikoreduktion an einem
Prostatakarzinom zu versterben, lag bei 162.243 Teilnehmern in der Altersgruppe
von 55-69 Jahren bei 0,18 %. D. h. es sind in der Screeninggruppe nach bis zu 16
Jahren 520 von 72.890 und in der Kontrollgruppe 793 von 89.351 Männer verstorben
[70]. Dies resultierte in einzelnen Studienarmen der ERSPC-Studie in der Verhinderung
von 1-3 Todesfällen an Prostatakrebs durch ein PSA-basiertes Screening bei 1.000
Teilnehmern [80]. Mit einem längeren Nachsorgezeitraum (16 Jahre) reduzierte sich
die Zahl der einzuladenden bzw. zu diagnostizierenden Teilnehmer, um einen
Todesfall an Prostatakarzinom zu verhindern auf 570 bzw.18 Männer.
4.1 Früherkennung
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46
In der aktuellsten Auswertung der Rotterdamer Kohorte der ERSPC-Studie mit 34.831
Teilnehmern im Alter von 55-74 Jahren nach 21 Jahren Nachbeobachtungszeit zeigte
sich eine signifikante relative Reduktion der prostatakarzinomspezifischen Mortalität
von 27 % (RR 0,73, 95 % KI 0,61-0,88). In absoluten Zahlen starben 198 Männer im
Screeningarm und 278 im Kontrollarm. Damit reduzierte sich die Zahl der
Einzuladenden (NNI), um einen Todesfall zu verhindern auf 246 und die der zu
Diagnostizierenden (NND) auf 14 [61]. Das Auftreten von Prostatakarzinom-
Metastasen konnte durch das Screening um ein Drittel reduziert werden: RR 0,67 (95
% KI 0,58–0,78). Es traten 297/2.708 Metastasen im Screeningarm (kumulative
Inzidenz 1,7 %) und 439/1.706 Metastasen im Kontrollarm (kumulative Inzidenz 2,6
%) auf [61].
In der Göteborg-Screeningstudie (20.000 randomisierte Teilnehmer im Alter von 50-
64 Jahren) reduzierte sich durch das PSA-basierte Screening die
prostatakarzinomspezifische Mortalität um 35 % (RR 0,65, 95 % KI 0,29-0,78), bei
denjenigen Teilnehmern, die im Alter von 55-59 gescreent wurden sogar um 53 % (RR
0,47, 95 % KI 0,29-0,78) [82].
Alle aktuellen Screeningstudien verwenden den auch im Algorithmus der European
Association of Urology (EAU) empfohlenen PSA-Grenzwert von ≥3 ng/ml für eine
weitergehende Risikoanalyse und Diagnostik [83]. In einer systematischen Übersicht
nach Analyse von 11 diagnostischen Studien konnte für diesen Grenzwert eine nicht
signifikant unterschiedliche Sensitivität und Spezifität im Vergleich zu einem
Grenzwert von 4 ng/ml gezeigt werden [71]. Eine systematische Analyse von
altersspezifischen PSA-Grenzwerten bestätigte für 40 bis 60–jährige Männer die
Sinnhaftigkeit eines Grenzwertes von ≥3 ng/ml vor Beginn einer weiterführenden
Diagnostik [84].
Zusammenfassend zeigt sich in Studien mit einem geringen Verzerrungsrisiko bei
längerer Beobachtungszeit durch das PSA-basierte Screening ein signifikanter Vorteil
in der prostatakarzinomspezifischen Mortalitätsreduktion und ein noch deutlicherer
Vorteil in der Verhinderung von Metastasen. Allerdings bleiben die absoluten
Unterschiede gering und der Schaden für die unnötig gescreenten und
diagnostizierten Teilnehmer ist bei einer NND von 14 erheblich.
Das multiparametrische MRT als initialer Screeningtest
Die Magnetresonanztomographie (MRT) detektierte in der IP1-Prostatagram-Studie
häufiger klinisch signifikante Prostatakarzinome als ein PSA-Wert ≥3 ng/ml [85]. Dies
konnte in einer kleineren randomisierten Studie aus Kanada allerdings nicht bestätigt
werden [86]. Die Ergebnisse einer randomisierten Studie zum Vergleich der MRT und
des PSA-Wertes als initialem Screening-Test stehen noch aus [87].
Altersbereich des Screenings
Der Beginn des PSA-basierten Screenings ist aktuell nicht geklärt. Die deutsche,
prospektiv randomisierte PROBASE-Screeningstudie wird klären, ob das Screening mit
45 oder mit 50 Jahren begonnen werden sollte [88]. Bis zu dieser Klärung sollte,
basierend auf den Daten der Malmö-Kohorte [89] die Information und Aufklärung
über ein Prostatakarzinom-Screening weiterhin mit 45 Jahren stattfinden, weil der
dann bestimmte Basis-PSA Wert eine hohe Prädiktion für das Auftreten von
Metastasen bis 25 Jahre danach hat.
Die PROBASE-Studie konnte zeigen, dass 89 % der Männer im Alter von 45 Jahren
einen PSA-Wert <1,5 ng/ml haben und bis zum Alter von 50 Jahren ein extrem
4.1 Früherkennung
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47
geringes Risiko haben, ein Prostatakarzinom zu entwickeln. Damit können die bisher
jährlich empfohlenen Wiederholungsuntersuchungen ab einem Alter von 45 Jahren für
die überwiegende Zahl von Männern auf 5-jährliche Intervalle reduziert werden [67].
Die ERSPC-Studie zeigte in ihrer Gesamtauswertung, dass ältere Männer (Alter > 70
bzw. >74 Jahre) nicht mehr vom PSA-basierten Screening profitieren [70]. In einer
Analyse der SEER-Datenbank konnte gezeigt werden, dass die Rate an Überdiagnose
ab einem Alter von 65 Jahren deutlich ansteigt, d. h. mit Beginn des Screenings in
höherem Lebensalter steigt die Detektionsrate der Karzinome, die in der
verbleibenden Lebenszeit ohne Screening nicht klinisch relevant würden [90].
Falsch-positive Befunde
Aus der ERSPC-Studie ist bekannt, dass unter den in der Studie definierten
Screeningbedingungen nur bei 23 % der im Screening-PSA-Test positiven Personen in
der Abklärung tatsächlich ein Prostatakarzinom gefunden wurde, d. h. die anderen 77
% Test-Positiven waren falsch-positiv [61]. Unter den in der PROBASE-Studie
definierten Screeningbedingungen hatten 40 % der Screening-Positiven tatsächlich ein
Prostatakarzinom, d. h. der Anteil der falsch-positiven Tests lag bei 60 % [74].
Überdiagnose und Übertherapie
Der Anteil der Überdiagnose wird von 2 % bis über 50 % angegeben [91], [90], [92]. In
der ERSPC-Studie wurden bei 35 von 1.000 Männern Prostatakarzinome
diagnostiziert, die im Beobachtungszeitraum von 21 Jahren nicht zu Metastasen
führten. Bei 35 von 1.000 Männern sind also Prostatakarzinome „überdiagnostiziert“
worden, weil sie für den Mann keine Nachteile gebracht hätten, wenn sie unerkannt
geblieben wären [93].
Hieraus kann einerseits eine psychologische Belastung resultieren, aber bei zu
frühzeitiger Therapie dieser klinisch indolenten Karzinome resultiert dann auch ein
messbarer Schaden durch Therapiefolgen (Inkontinenz, Impotenz). Je jünger die
Gruppe ist, die gescreent wird, desto günstiger ist die Relation von Schaden und
Nutzen [94]. Und je zurückhaltender klinisch indolente Karzinome behandelt werden,
umso geringer ist der Schaden. Die Erhöhung der Rate an Patienten mit screen-
detektierten Prostatakarzinomen führt dann nicht zu einem Schaden, wenn nur
Patienten mit progredienter Erkrankung aktiv behandelt (Bestrahlung oder radikale
Prostatektomie) werden. Viele Patienten können durch eine aktive Überwachung des
Tumors vor Schaden bewahrt werden.
Über diese Vor- und Nachteile der Prostatakrebsfrüherkennung muss der ratsuchende
Mann aufgeklärt sein (siehe nachfolgende Tabelle 7).
4.1 Früherkennung
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48
Tabelle 7: Vor- und Nachteile eines PSA-basierten Prostatakarzinom-Screenings
Vorteile
• Reduktion der Sterblichkeit am Prostatakarzinom bzw. der Metastasierung
[61]:
o ca. 3 von 1.000 gescreenten Männern sterben nicht am
Prostatakarzinom
o ca. 4 von 1.000 gescreenten Männern bekommen keine Metastasen
• Reduktion der Früherkennungsuntersuchungen durch einen Basis-PSA-Wert
im Alter von 45 Jahren [67]:
o 9 von 10 Männer haben im Alter von 45 Jahren einen Basis-PSA-Wert
<1,5 ng/ml und benötigen dann für 5 Jahre keinen weiteren Test
Nachteile
• psychologische Belastung und Nebenwirkung der Diagnostik bei früh
erkannten, aber nicht lebensbedrohlichen Tumoren [95], [96],
• sog. „Überdiagnose“ bei ca. 14 Männern, um einen Todesfall zu vermeiden
[61]
• Gefahr der „Übertherapie“, wenn Tumore, die nicht lebensbedrohlich sind,
operiert oder bestrahlt werden [61], [67],
• unnötige Diagnostik bei erhöhten Basis-PSA-Werten ohne Tumornachweis
(falsch-positiver Befund, 3 von 10 MRTs zeigen einen unauffälligen Befund,
3 von 4 Biopsien bei erhöhtem PSA-Wert zeigen keinen Tumor, 1 von 4
Biopsien nach auffälliger MRT zeigen keinen Tumor [97])
• geringe Wahrscheinlichkeit einer falschen Sicherheit durch unauffällige
Basis-PSA-Werte trotz Nachweis eines klinisch signifikanten Tumors (falsch-
negativer Befund; 0,7 von 1.000) [67]
• häufige Wiederholung von PSA-Tests bei 1 von 10 Männern mit einem Basis-
PSA-Wert von 1,5-3 ng/ml (alle zwei Jahre) [67]
• in seltenen Fällen (1,0-1,4 %) führt die Biopsie zu behandlungsbedürftigen
Infektionen [98]
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 4.6
Für einen Algorithmus zur Früherkennung und Diagnostik des Prostatakarzinoms
entsprechend dieser Leitlinie (mit Verweis auf ausgewählte Empfehlungen) siehe
Abbildung 2.
Risiko-adaptierte Früherkennung
Um den potenziellen Schaden eines organisierten Screeningprogramms oder einer
individualisierten Früherkennung des Prostatakarzinoms zu reduzieren, ist es
notwendig, frühzeitig Risikogruppen zu identifizieren, die mit höherer
Wahrscheinlichkeit von einem solchen Programm profitieren. Im Umkehrschluss ist es
aus Sicht der Ratsuchenden wichtig, den negativ prädiktiven Wert eines
Screeningtests zu verbessern, um eine möglichst hohe Sicherheit für den Fall zu
erhalten, dass eine Screeninguntersuchung unauffällig ist [99].
4.1 Früherkennung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
49
Die risikoadaptierte Früherkennung verwendet zur Risikoeingruppierung folgende
Faktoren, die für das Auftreten eines Prostatakarzinoms bedeutend sind: Alter,
familiäre Belastung und genetische Prädisposition [100].
Zur weiteren Risikoadjustierung werden unterschiedliche diagnostische Verfahren
angewendet. Die bisherigen Screeningstudien basieren vorwiegend auf der
Bestimmung des PSA im Blut. Dieser erste Screeningtest wird dann durch weitere
Screeningverfahren wie z. B. Risikokalkulatoren und Bildgebung ergänzt [101], [102].
Risikokalkulatoren haben sich in der Vergangenheit etabliert und bestehen
vornehmlich aus Anamnesedaten bezogen auf Familienanamnese, Vorerkrankungen,
Prostatagröße und Vordiagnostik (z. B. [103]). Risikokalkulatoren unter
Berücksichtigung der genannten Faktoren sind im Internet verfügbar und können für
die Abschätzung des individuellen Risikos verwendet werden; z.B. Risk Calculator 3
und 4, Prostate Cancer Research Foundation (https://www.prostatecancer-
riskcalculator.com/) alternativ Prostate Biopsy Collaborative Group
(https://www.mskcc.org/nomograms/prostate/biopsy_risk_dynamic).
Die Wertigkeit von prädisponierenden genetischen Veränderungen im
Screeningsetting ist noch unklar. Serumbiomarker wie 4Kscore® und Stockholm3®-
Test werden in aktuellen Screeningstudien geprüft [104], [66], [105], [106].
Wichtig ist die Wiederholung des initial über 3 ng/ml erhöhten PSA-Werts. Allein
durch diese einfache Maßnahme kann die Gruppe der Hochrisikopatienten, die dann
eine MRT erhalten und nachfolgend ggf. invasiv diagnostiziert werden, auf nahezu 50
% reduziert werden [74].
Ejakulationen, Radfahren und andere „mechanische Belastungen“ der Prostata können
zu Erhöhungen des PSA-Wertes führen, sodass dies spätestens vor der Kontrolle eines
erhöhten PSA-Wertes zu vermeiden ist [107].
Bei der Beurteilung von PSA-Werten oder -Verläufen als Entscheidungsgrundlage ist zu
beachten, dass neben der biologischen Variabilität (z. B. Anstieg mit dem Alter) und
präanalytischen Einflussfaktoren auch die Methodenabhängigkeit und analytische
Variabilität zu berücksichtigen sind. Das Verhältnis von freiem zum Gesamt-PSA kann
grundsätzlich die Post-Test-Genauigkeit zur Vorhersage eines Prostatakarzinoms
erhöhen, ist jedoch im für das Screening und die Früherkennung wichtigen Bereich
von 2-4 ng/ml nicht ausreichend gut belegt [108]. Für Verlaufsuntersuchungen ist
grundsätzlich dieselbe Methode (Hersteller, Analyseplattform) zu verwenden.
Verschiedene zertifizierte Labormethoden können sich um bis zu 30 % unterscheiden.
Zusätzlich werden bei Ringversuchen Abweichungen innerhalb einer Methode von +/-
25 % akzeptiert [109]. Die Bestimmung von PSA-Subformen (freies PSA mit seinen
Komponenten proPSA, intact PSA, nicked PSA) und anderen Kallikreinen wie HK2 kann
die Post-Test-Genauigkeit auch im PSA-Bereich der Früherkennung (2-4 ng/ml)
erhöhen. Sie sind aber noch nicht ausreichend in vergleichenden Studien geprüft
[105].
Nicht zertifizierte, semiquantitative und Point-of-Care-Testing-Methoden (z. B. Lateral-
flow-Tests) sind für Screening- und Früherkennungsuntersuchungen nicht geeignet.
Insbesondere die skandinavischen Arbeitsgruppen haben risikoadaptierte
Screeningstrategien randomisiert getestet. Die Stockholm-3-MRT, die Göteborg 2-
Studie (Schweden) und die ProScreen-Studie aus Finnland setzen dazu die
Kombination aus PSA und MRT-Bildgebung ein [104], [76], [75], [110]. Mit dieser
4.1 Früherkennung
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50
abgestuften Screeningstrategie konnte sowohl die Rate der unnötigen Biopsien als
auch die Detektionsrate indolenter Prostatakarzinome relevant gesenkt werden. Die
neue risikoadaptierte Strategie dieser skandinavischen Studien beinhaltet folgende
wesentliche Elemente, die zur Reduktion des Schadens eines Prostatakrebsscreenings
bei erhaltener Detektionsrate klinisch signifikanter Prostatakarzinome (ISUP GG ≥2)
führt:
• früherer Beginn des Screenings im Alter von 50 Jahren
• Ende des Screenings z. T. mit 60-63 Jahren
• PSA-Schwellenwert für eine Prostatakrebsdiagnostik 3 ng/ml
• zusätzliche blutbasierte Biomarkeruntersuchungen (4Kscore ® , Stockholm3 ® -
Test)
• MRT der Prostata
• Biopsie nur bei Männern mit pathologisch bewerteten MRTs (PI-RADS 3-5 oder
PI-RADS 4-5)
Die Detektion indolenter Prostatakarzinome (ISUP GG 1) konnte in der Göteborg-
Studie (Altersgruppe 50-60 Jahre) um die Hälfte reduziert werden (0,6 % vs. 1,2 %)
und die Detektion signifikanter Prostatakarzinome wurde erhalten (0,9 % vs. 1,0 %)
[75]. In der Stockholm-3-MRT-Studie bei älteren Männern (50-74 Jahre) blieb die Rate
signifikanter Karzinome ebenfalls gleich (21 % vs. 18 %), die Detektionsrate
insignifikanter Karzinome wurde auf ein Drittel reduziert (4 % vs. 12 %) [76]. In der
finnischen ProScreen-Studie (Altersgruppe 50-63) wurde die Detektionsrate der
signifikanten Karzinome mit der Kombination aus 4Kscore® und MRT verdoppelt
(1,13 % vs. 0,62 %), die Detektion der indolenten Karzinome war allerdings in der
Screeninggruppe ebenfalls erhöht (0,26 % vs. 0,14 %) [104]. Die ProScreen-Studie ist
jedoch auf den Endpunkt der Prostatakarzinom-spezifischen Mortalität kalkuliert,
sodass die Ergebnisse nur als vorläufig zu betrachten sind. Insgesamt reduziert die
risikoadaptierte Screeningstrategie die Rate an Biopsien und die Detektionsrate nicht
signifikanter Karzinome erheblich und ist damit dem populationsbasierten PSA-
Screening über alle Altersgruppen hinweg deutlich überlegen.
Der optimale Beginn des PSA-basierten, risikoadaptierten Screenings bleibt aktuell
noch unklar. Anhand der Daten einer schwedischen Studie konnte gezeigt werden,
dass der in vergleichsweise jungen Jahren (45–50 Jahre) bestimmte PSA-Wert einen
hohen prädiktiven Wert hat hinsichtlich des lebenslangen Risikos, an Prostatakrebs zu
erkranken [89]. Das Erkrankungsrisiko erwies sich bei sehr niedrigen PSA-Werten als
extrem niedrig und deutlich erhöht bei höheren PSA-Werten. Eine Implikation ist, dass
bei starr festgelegten Screeningintervallen die Nutzen-Schaden-Bilanz bei in jungen
Jahren niedrigen PSA-Werten ungünstiger ist als bei höheren PSA-Werten. Im
Umkehrschluss sollte sich die Nutzen-Schadensbilanz dadurch optimieren lassen,
dass die Screeningfrequenz von einem im Alter von 45-50 Jahren initial bestimmten
PSA-Wert abhängig gemacht wird.
Die deutsche PROBASE-Studie testet seit 2014 den ersten Basis-PSA-Wert im Alter von
45 Jahren randomisiert gegen den Screeningbeginn mit 50 Jahren [74]. Auch PROBASE
ist als Nicht-Unterlegenheitsstudie bezüglich des primären Endpunkts der
Prostatakarzinom-spezifischen Mortalität kalkuliert und möchte die Überlegenheit des
späteren Beginns mit 50 Jahren prüfen. Erste Ergebnisse dieser deutschen
Screeningstudie außerhalb des primären Endpunkts zeigen, dass die durch einen PSA-
Wert von <1,5 ng/ml im Alter von 45 Jahren definierte Niedrigrisikogruppe nicht
früher als nach 5 Jahren erneut getestet werden muss [67] und dass die digital rektale
4.1 Früherkennung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
51
Tastuntersuchung keinen Stellenwert in der Früherkennung von Prostatakarzinomen
hat [68].
Zu Empfehlung 4.7 bis Empfehlung 4.10
Früherkennung bei familiärer Belastung
Prostatakarzinome treten bei Personen mit familiärer Belastung früher auf [111]. Das
relative Risiko eines Prostatakarzinoms ist 2-3fach erhöht bei Personen, die einen
(oder mehrere) erstgradig Verwandten (z. B. Vater, Bruder) mit Prostatakarzinom
haben. Das Risiko steigt mit der Anzahl weiterer erkrankter Verwandter und einem
jüngeren Erkrankungsalter der Verwandten [112], [10], [113], [114], [115], [116].
Der V. a. auf ein hereditäres Prostatakarzinom besteht, wenn ≥3 Männer mit
Prostatakarzinom/Brustkrebs und Ovarialtumor in der blutsverwandten Familie, ≥3
Generationen in Folge oder ≥2 Männer im Alter ≤55 Jahre betroffen sind. Diese
Männer haben ein erhöhtes Risiko an einem Prostatakarzinom zu erkranken (relatives
Risiko 2,3), für ein früheres Auftreten (relatives Risiko 3,93), für ein letales
Prostatakarzinom (relatives Risiko 2,21) und ein erhöhtes Risiko für ein klinisch
signifikantes Prostatakarzinom (relatives Risiko 2,32) [111].
Früherkennung bei genetischer Disposition
Bei 5-15 % aller Prostatakrebserkrankten werden krankheitsauslösende
Varianten/Mutationen in hochpenetranten Risikogenen vermutet [117]. Gene, die in
diesem Zusammenhang genannt werden, sind u. a. die Gene BRCA1, BRCA2, CHEK2,
TP53, ATM, PALB2, MLH1, MSH2, MSH6, PMS2 und HOXB13.
Es ist jedoch für diese Gene noch nicht hinreichend geklärt, ob wirklich ein
Zusammenhang mit einem erhöhten Prostatakarzinom-Risiko besteht und welche
klinischen Konsequenzen, z. B. im Sinne von Früherkennungsmaßnahmen bei
gesunden Personen, bei Vorliegen einer pathogenen Variante (pV) gezogen werden.
Die IMPACT-Studie untersuchte ein PSA-basiertes Screening bei Personen mit pV in
BRCA1, BRCA2, MLH1, MSH2 und MSH6.
In einer ersten Auswertung zeigte sich, dass die Prostatakarzinom-Inzidenzrate pro
1.000 Personenjahre bei Trägern einer pV des BRCA2-Gens höher war als bei
Nichtträgern (19,4 vs. 12,0; p=0,03). Träger einer pV des BRCA2-Gens wurden in
einem jüngeren Alter diagnostiziert (61 vs. 64 Jahre; p=0,04) und hatten häufiger
eine klinisch signifikante Erkrankung als Nichtträger (77 % vs. 40 %; p=0,01). Keine
signifikanten Unterschiede im Hinblick auf Erkrankungsalter oder
Tumorcharakteristika bestand zwischen Trägern einer pV im BRCA1-Gen und
Nichtträgern [118]. Die Prostatakarzinom-Inzidenz war höher bei Personen mit einer
pV im MSH2-Gen im Vergleich zu Nichtträgern (4,3 % vs. 0,5 %; p=0,011) und bei
Trägern einer pV des MSH6-Gens im Vergleich zu Nichtträgern (3,0 % vs. 0 %;
p=0,034). In der Gruppe der Träger einer pV des MLH1-Gens sowie in deren
Kontrollgruppe trat kein Prostatakarzinom im Beobachtungszeitraum auf, sodass in
einem längeren Beobachtungszeitraum untersucht werden muss, ob erhöhte
Prostatakarzinom-Risiken bei Trägern einer pV im MLH1-Gen bestehen [119].
Durch genomweite Assoziationsstudien (engl: genome-wide association studies)
wurden zahlreiche und in der Allgemeinbevölkerung häufige genetische Varianten
(meist sog. single nucleotide variants) identifiziert, die jeweils für sich allein das
Prostatakarzinom-Risiko geringfügig modifizieren. Das Zusammenspiel solcher
Varianten kann für die personalisierte Risikoberechnung (Berechnung eines
4.1 Früherkennung
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52
individuellen polygenen Risiko Scores (PRS)) angewendet werden. Für das
Prostatakarzinom wurden PRS entwickelt, die z. B. 147, 269, 451 oder 948
Niedrigrisikovarianten umfassen [120], [121], [122], [123].
Prostatakarzinomspezifische PRS sind ein vielversprechendes Werkzeug zur
Risikostratifizierung, allerdings ist der Zeitpunkt und das Maß einer Einbindung in
klinische Entscheidungsprozesse derzeit noch nicht geklärt. Studien zur klinischen
Implementierung sind notwendig [124].
MRT-basierte Screeninguntersuchungen bei Patienten mit BRCA2, BRCA1- und ATM-
Mutationen zeigen für die Detektion von klinisch signifikanten Prostatakarzinomen
eine 100-%-Sensitivität und einen negativen prädiktiven Wert von 100 % bei einer MRT
mit PI-RADS ≥3. Hingegen zeigte sich für ein alleiniges PSA-Screening bei Männern mit
pV und einer PSA-Erhöhung ≥3 ng/ml lediglich eine Sensitivität von 57 % und ein
negativ prädiktiver Wert von 73 % [125].
Akzeptanz von organisierten Screeningprogrammen
Obwohl die Relevanz organisierter Screeningprogramme belegt ist, gibt es viele
Unklarheiten, wie diese Programme auf Bevölkerungsebene umgesetzt werden sollen.
Grundsätzlich besteht bei Männern eine hohe Bereitschaft,
Früherkennungsuntersuchungen durchführen zu lassen und die psychologische
Belastung ist erst dann erhöht, wenn auffällige Befunde vorliegen [126]. Die Adhärenz
zu risikoadaptierten Programmen ist dann hoch (>70-80 %), wenn das Programm
grundsätzlich einmal angenommen wurde [127]. Die Akzeptanz von organisierten
Screeningprogrammen wird aktuell im PRAISE-U-Projekt der EU geprüft (www.praise-
u.eu). Erste Ergebnisse aus dem organisierten Prostatakrebs-Test-Programm in
Schweden deuten auf eine Teilnahmerate von 35-40 % für risikoadaptierte
Einladungsprogramme hin [128].
In Deutschland wird derzeit kein organisiertes Prostatakrebs-Screening angeboten.
Die Empfehlungen gelten für eine individualisierte, risikoadaptierte Früherkennung
des Prostatakarzinoms.
4.2 Diagnostik
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53
4.2 Diagnostik
Der folgende Algorithmus zur Früherkennung und Diagnostik des Prostatakarzinoms
entsprechend dieser Leitlinie (mit Verweis auf ausgewählte Empfehlungen) wird im
Folgenden dargestellt (Abbildung 2)
Abbildung 2: Algorithmus zur Früherkennung und Diagnostik des Prostatakarzinoms mit
Verweis auf ausgewählte Empfehlungen
4.2 Diagnostik
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4.11 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2025
EK
Bei klinischem Verdacht auf ein Prostatakarzinom (erhöhter PSA-Wert, Symptome)
sollen Männer im Rahmen einer urologischen Konsultation über die Vor- und
Nachteile einer Diagnostik und deren Konsequenzen beraten werden.
Insbesondere soll über die Aussagekraft von positiven und negativen
Testergebnissen, Überdiagnosen sowie über gegebenenfalls erforderliche weitere
Maßnahmen informiert werden.
Starker Konsens
4.12, 4.13 Verknüpfte Empfehlungen: Evidenzbasiert neu 2025
A
4.12 Eine MRT der Prostata im Rahmen der
Primärdiagnostik soll ab einer bestätigten Erhöhung
des PSA-Werts von >3 ng/ml und vor einer Biopsie
erfolgen, sofern hieraus handlungsrelevante
Konsequenzen resultieren.
2++, 2-
[129], [130], [131],
[132], [75], [76], [77],
[133], [134]
A
4.13 Vor der Durchführung einer MRT der Prostata soll das
individuelle Risiko zur Detektion eines
Prostatakarzinoms unter Berücksichtigung des Alters,
der Anamnese, der mutmaßlichen Lebenserwartung,
der familiären Belastung, der digital-rektalen
Untersuchung und der Ultraschall-gestützten
Bestimmung der PSA-Dichte mit dem Patienten
besprochen werden.
2+, 1-
[135], [130], [131],
[132], [75], [76], [136],
[137]
Konsensstärke Starker Konsens
4.14 Konsensbasierte Empfehlung neu 2025
EK
Bei klinischem Verdacht auf ein fortgeschrittenes Prostatakarzinom oder wenn
eine Kontraindikation für eine MRT vorliegt, kann eine histologische Sicherung
ohne vorangegangene MRT erfolgen.
Konsens
4.2 Diagnostik
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55
4.15 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2025
EK
Die Durchführung einer MRT soll entsprechend den aktuellen Qualitätsstandards
und die Befundung durch einen für die MRT der Prostata zertifizierten Radiologen
(Q2-Zertifikat der Deutsche Röntgengesellschaft) erfolgen.
Starker Konsens
4.16 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
A
Die Stanzbiopsie soll unter Berücksichtigung aller bildmorphologischen
Information erfolgen.
Evidenzlevel
1+,
2++
[129], [130], [131], [132], [138], [139]
Starker Konsens
4.17 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
A
Die in der MRT beschriebenen Karzinom-suspekten Herde (PI-RADS 4 und 5)
sollen durch die Entnahme von 2-3 Zylindern pro Herd gezielt biopsiert werden.
Evidenzlevel
2++
[129], [130], [131], [132]
Starker Konsens
4.18 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
A
PI-RADS 3 Befunde in der MRT der Prostata sollen bei niedrigem individuellem
Risiko nicht biopsiert werden.
Evidenzlevel
2++
[129], [130], [131], [132]
Konsens
4.2 Diagnostik
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4.19 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
B
Die gezielte Biopsie sollte über eine Software-basierte MRT/Ultraschall-
Fusionsbiopsie, oder als MRT-gestützte Biopsie („in-bore“ 1 ) erfolgen.
1 gezielte Biopsie direkt im MRT
Evidenzlevel
2++
[129]
Starker Konsens
4.20 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
B
Zusätzlich zur MRT-gezielten Biopsie sollte im Rahmen der Erstbiopsie eine
systematische Biopsie erfolgen.
Evidenzlevel
2++
[129], [130], [131], [132]
Starker Konsens
4.21 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
0
Im Rahmen der Re-Biopsie nach tumorfreier Erstbiopsie kann auf eine zusätzliche
systematische Biopsie verzichtet werden, wenn die systematische Biopsie initial
durchgeführt wurde.
Evidenzlevel
2++
[129], [130], [131], [132]
Konsens
4.2 Diagnostik
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4.22 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
0
Eine periläsionale Biopsie (in der Penumbra der MRT-suspekten Läsion) kann
durchgeführt werden.
Evidenzlevel
2++,
2+
[140], [141], [142], [143]
Starker Konsens
4.23 Konsensbasierte Empfehlung neu 2025
EK
Bei PI-RADS 1 und 2 Befunden soll keine Biopsie durchgeführt werden.
Konsens
4.24 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
0
Die transrektale Ultraschalluntersuchung, auch als Hochfrequenz-Ultraschall, kann
als ergänzende bildgebende Diagnostik eingesetzt werden, wenn sie den
geltenden Qualitätsanforderungen genügt.
Evidenzlevel
2++
[144], [145], [146], [147]
Konsens
4.25 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
0
Eine auf künstlicher Intelligenz-basierte Ultraschall-Bildanalyse kann bei
transrektal Ultraschall-gestützter Biopsie genutzt werden.
Evidenzlevel
1+
[148], [149], [139]
Konsens
4.2 Diagnostik
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58
4.26 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
A
Andere Ultraschall-Untersuchungsmethoden, wie der Kontrastmittel-verstärkte
Ultraschall, Ultraschall-Elastographie und Histoscanning sollen nicht zur
Primärdiagnostik eingesetzt werden.
Evidenzlevel
1-, 3
[150], [151], [152], [153], [154], [155], [156], [157]
Starker Konsens
4.27 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
0
Die erneute gezielte Biopsie kann auch in Form einer MRT „in-bore“ 1 -Biopsie
durchgeführt werden.
1 gezielte Biopsie direkt im MRT
Evidenzlevel
1-
[158], [159], [160], [161], [162], [163]
Starker Konsens
4.28 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
A
Nach negativer systematischer Biopsie ohne vorherige MRT soll bei
fortbestehendem Karzinom-Verdacht eine Bildgebung mittels MRT, den geltenden
Qualitätsstandards entsprechend, erfolgen.
Evidenzlevel
2++
[164], [165], [160], [163]
Starker Konsens
4.29 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2025
EK
Nach negativer Re-Biopsie soll bei gleichbleibenden klinischen Parametern (PSA,
PSA-Dichte) keine weitere invasive Intervention erfolgen.
Starker Konsens
4.2 Diagnostik
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59
4.30 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
A
Die Stanzbiopsie soll gezielt unter bildgebender Kontrolle unter Einbeziehung der
Lokalisationsinformationen transperineal oder transrektal erfolgen.
Evidenzlevel
1++,
1-
[98], [166], [97]
Starker Konsens
4.31 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
A
Bei Durchführung einer systematischen Stanzbiopsie im Rahmen einer gezielten
Biopsie oder wenn eine MRT nicht durchgeführt werden kann, sollen alle
Sextanten der Prostata mit insgesamt zehn bis zwölf Gewebezylindern abgedeckt
werden.
Evidenzlevel
1++
[167]
Starker Konsens
4.32 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
A
Die transrektale Stanzbiopsie soll unter Antibiotikaprophylaxe erfolgen.
Evidenzlevel
1+
[168], [169]
Starker Konsens
4.2 Diagnostik
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4.33 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
B
Bei Risikopatienten sollte ein Rektalabstrich erfolgen.
Evidenzlevel
1++,
1-
[98], [166], [97]
Starker Konsens
4.34 Konsensbasierte Empfehlung neu 2025
EK
Povidon-Jod kann bei der transrektalen Biopsie angewendet werden.
Starker Konsens
4.35 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
0
Bei der transperinealen Stanzbiopsie kann auf eine Antibiotikaprophylaxe
verzichtet werden.
Evidenzlevel
1++,
1-
[170], [171], [98], [97], [166]
Starker Konsens
4.2 Diagnostik
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4.36 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
A
Zur Verminderung des Schmerzempfindens während der Stanzbiopsie der
Prostata soll eine Anästhesie vorgenommen werden.
Evidenzlevel
1++
[172], [173], [174], [175], [176], [177]
Starker Konsens
4.37 Konsensbasierte Empfehlung neu 2025
EK
Männern mit metastasiertem Prostatakarzinom soll eine Vorstellung in einer
humangenetischen Sprechstunde und eine Keimbahn-Testung Prostatakarzinom-
relevanter Gene angeboten werden.
Konsens
4.38 Konsensbasierte Empfehlung neu 2025
EK
Männer mit einem Prostatakarzinom und einem Hinweis auf ein familiäres
Tumorrisikosyndrom (u.a. erblicher Brust-/Eierstockkrebs, Lynch-Syndrom) soll
eine Vorstellung in einer humangenetischen Sprechstunde und eine Keimbahn-
Testung angeboten werden.
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 4.11
Aufklärung bei klinischem Verdacht auf ein Prostatakarzinom
Bei klinischem Verdacht auf ein Prostatakarzinom (erhöhter PSA-Wert, Symptome)
sollen Männer über die Vor- und Nachteile einer Diagnostik und deren Konsequenzen
beraten werden. Insbesondere soll über die Aussagekraft von positiven und negativen
Testergebnissen, Überdiagnosen sowie über gegebenenfalls erforderliche weitere
Maßnahmen informiert werden. Die weitere Diagnostik umfasst in der Regel eine
Prostata-MRT (vgl. Empfehlung 4.12) aus deren Ergebnis sich die Indikation für eine
Prostatabiopsie ergeben kann. Vor einer MRT bzw. vor einer Biopsie sind die
klinischen Konsequenzen bei Nachweis, aber auch bei Nicht-Nachweis eines
Prostatakarzinoms zu skizzieren. Dies gilt insbesondere für die Re-Biopsie nach
vorangegangener Biopsie ohne Tumornachweis.
4.2 Diagnostik
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62
Besonders im Rahmen der Früherkennung Gesunder stellt die Biopsie einen
messbaren Schaden dar, wenn kein Karzinom gefunden wird. Insbesondere in dieser
Situation muss also der Nutzen gegen den Schaden aufgewogen und darüber
aufgeklärt werden.
Zu Empfehlung 4.12
Die MRT in der Primärdiagnostik
Der klinische Verdacht auf ein Prostatakarzinom aufgrund einer PSA-Erhöhung ≥ 3
ng/ml soll durch eine MRT der Prostata zur weiteren Risikostratifizierung und
Biopsieplanung verifiziert werden. Die MRT hat für die Detektion von ISUP ≥2
Prostatakarzinomen eine sehr hohe Sensitivität und einen sehr hohen negativ
prädiktiven Wert von jeweils 91 % [129].
Der Einsatz der MRT zur Biopsieplanung führt im Vergleich zur systematischen
Biopsie zur häufigeren Detektion von klinisch signifikanten Prostatakarzinomen (plus
12 %) und vor allem zur Reduktion des Anteils der detektierten klinisch nicht
signifikanten Prostatakarzinome (Detektionsverhältnis ISUP-1-Prostatakarzinome:
0,63 für Biopsie-naive Patienten, 0,62 für negativ biopsierte Patienten) und der hierfür
benötigten Biopsiezylinder um etwa ein Drittel [129]. Diese Vorteile sind für
mindestens einmal negativ biopsierte Patienten größer als für Biopsie-naive Patienten
und auch für ISUP ≥3 Prostatakarzinome größer als für ISUP ≥2 Prostatakarzinome.
Die Reduktion des Anteils der detektierten ISUP-1-Prostatakarzinome durch die
gezielte MRT-gestützte Biopsie konnte durch drei prospektiv randomisierte Studien
(PRECISION n=500 Patienten, 4M trial n=626 Patienten, MRI-FIRST trial n=275
Patienten) bestätigt werden [132], [130], [131]. Das Detektionsverhältnis für ISUP-1-
Prostatakarzinome betrug im 4M trial 0,56, in der PRECISION-Studie 0,41 und im MRI-
FIRST trial 0,29 [132], [130], [131].
Die Reduktion unnötiger Biopsiezylinder lässt sich insbesondere realisieren, wenn
man dem MRT-gestützten Diagnostikpfad folgt und ausschließlich in der MRT
suspekte Areale gezielt biopsiert (MRT-gestützter Diagnostikpfad). Abhängig von dem
gewählten Grenzwert sind bei ausschließlicher Biopsie von Likert-Score/ PI-RADS-
Score ≥3 Läsionen 30 % (95 % KI 23 % – 38 %) der Biopsien vermeidbar, während bei
einem Grenzwert von Likert-Score/PI-RADS-Score ≥4 Läsionen 59 % (95 % KI 23 %–38
%) der Biopsien vermeidbar sind [129]. Die Vermeidung von Biopsien geht jedoch mit
einer Nicht-Detektion von klinisch signifikanten Prostatakarzinomen einher. In zwei
großen prospektiv randomisierten Studien mit Biopsie-naiven Männern konnte dieser
Anteil quantifiziert werden. In der MRI-FIRST-Studie wären ohne systematische Biopsie
5,2 % (95 % KI 2,8–8,7 %) der Männer mit einem klinisch signifikanten
Prostatakarzinom nicht diagnostiziert worden; in der 4M-Studie betrug dieser Anteil 4
% [131], [132]. Der Anteil nicht detektierter klinisch signifikanter Prostatakarzinome
sinkt auf 3 % (10/309), wenn man bei Patienten eine Biopsie ab einem PI-RADS-Score
≥3 durchführt [132].
Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zeigte bei Biopsie-naiven
Patienten einen Risiko-Unterschied in der Detektion eines klinisch signifikanten
Prostatakarzinoms von 3 % (alle eingeschlossenen 25 Studien; 2 % in RCTs) und eines
nicht signifikanten Prostatakarzinoms von –8 % (alle eingeschlossenen 25 Studien und
nur RCTs) durch die MRT-gezielte Biopsie vs. der systematischen Biopsie. Bei den
Patienten mit Re-Biopsie lag der Risikounterschied in der Detektion eines klinisch
signifikanten Prostatakarzinoms von 5 % (alle eingeschlossenen 22 Studien) und eines
4.2 Diagnostik
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
63
nicht signifikanten Prostatakarzinoms von 9 % (alle eingeschlossenen 22 Studien)
durch die MRT-gezielte Biopsie vs. der systematischen Biopsie [178].
Tu et al. zeigten in ihrem systematischen Review und Metaanalyse (vier Studien) eine
Risiko-Ratio in der Detektion eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms von 1,27
(95 % KI 0,69-2,32) und für ein klinisch nicht signifikantes Prostatakarzinom von 0,71
(95 % KI 0,37-1,39) im Vergleich gezielte Biopsie bei positiver MRT und
systematischer Biopsie bei positiver MRT (vier randomisiert-kontrollierte Studien). Bei
der Kombination aus gezielter und systematischer Biopsie vs. alleiniger
systematischer Biopsie bei negativer MRT zeigte sich eine Risiko Ratio für die
Detektion eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms von 1,23 (95 % KI 0,73-2,07)
und eines klinisch insignifikanten Prostatakarzinoms von 1,47 (95 % KI 0,54-4,03)
[179]. In der Metaanalyse mit Studien (n=18), bei denen der Patient als eigene
Kontrolle diente, zeigte sich bei Biopsie-naiven Patienten bei der Detektion von
klinisch signifikanten Prostatakarzinomen bei der gezielten vs. systematische Biopsie
eine Risiko Ratio von 1,19 (95 % KI 1,10-1,30) [180].
Zwei große skandinavische Studien zeigten ähnliche Ergebnisse bezüglich der MRT-
basierten Biopsiestrategie im Prostatakarzinom-Screening [75], [76]. Der kombinierte
Diagnostikpfad (MRT-gestützte systematische + gezielte Biopsie) und der MRT-
gestützte Diagnostikpfad detektierten bei Männern mit einem PSA ≥3 ng/ml einen
ähnlichen Anteil klinisch signifikanter Prostatakarzinome (1,1 % (68/5.994) bzw. 0,9
% (110/11.986)) [75].
Die 10 (von insgesamt 5.994 gescreenten Teilnehmern) zusätzlich durch die
systematische Biopsie detektierten Prostatakarzinome zeigten eine intermediäre
Graduierung mit überwiegend geringem Tumorvolumen [75]. Der Anteil der klinisch
nicht signifikanten Prostatakarzinome war dagegen im „combined pathway“ doppelt
so hoch wie im „MRI pathway“ (1,2 % (72/5.994) versus 0,6 % (66/11.986)) [75] und
ist ein Beleg für die Gefahr der Überdiagnostik durch die systematische Biopsie.
In der zweiten Screeningstudie wurde nur dann kombiniert biopsiert, wenn eine
positive MRT vorlag [76]. Im Vergleich zur klassischen systematischen TRUS-Biopsie
bei PSA ≥3 ng/ml konnte gezeigt werden, dass durch den Einsatz der MRT der Anteil
der detektierten klinisch signifikanten Prostatakarzinome 22 % größer, der Anteil der
detektierten klinisch nicht signifikanten Prostatakarzinome 62 % niedriger und die
Biopsierate 48 % niedriger war [76].
Eine Metaanalyse mit 80.114 Männern aus 12 Studien konnte belegen, dass die
Integration der MRT der Prostata in das Screening des Prostatakarzinoms mit einer
Reduktion unnötiger Biopsien (OR 0,28), einer Reduktion der Überdiagnostik von
klinisch nicht signifikanten Prostatakarzinomen (OR 0,34) bei gleichbleibender
Detektion klinisch signifikanter Prostatakarzinome im Vergleich zum alleinigen
Screening mit dem PSA assoziiert war [181].
Zu Empfehlung 4.13 bis Empfehlung 4.15
Risikokalkulatoren
Zur individuellen Risikoabschätzung für ein Prostatakarzinom können
Risikokalkulatoren, die klinische Parameter und/oder bildmorphologische Daten aus
der MRT berücksichtigen, dienen [182], [183], [184]. Eine systematische
Übersichtsarbeit identifizierte 45 extern validierte Risikokalkulatoren, wobei 28 an
mehreren Kohorten validiert wurden [101]. Risikokalkulatoren sind allerdings
4.2 Diagnostik
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
64
abhängig von der Prävalenz des Prostatakarzinoms in verschiedenen
Subpopulationen, und können somit nicht ohne weiteres auf andere Subpopulationen
transferiert werden.
Die beiden am häufigsten verwendeten und extern validierten Risikokalkulatoren, die
an unterschiedlichen Populationen adaptiert wurden [185] sind der Rotterdam
prostate cancer risk calculator (RPCRC) aus der ERSPC-Kohorte [186] und der PCPTRC
2.0 Risikokalkulator aus der Prostate Cancer Prevention Trial Kohorte [187].
Während die digital-rekatale Untersuchung (DRU) nicht mehr als
Früherkennungsuntersuchung empfohlen ist (siehe Empfehlung 4.1), kommt sie
während der Diagnostik, d.h. bei Patienten mit einem PSA-Wert ≥3ng/ml, weiterhin
zum Einsatz, da alle genannten Risikokalkulatoren die DRU beinhalten.
Der RPCRC-Risikokalkulator unter Hinzunahme der MRT wurde an Biopsie-naiven
[183] und Patienten nach Prostatabiopsie ohne Tumornachweis [188] untersucht
sowie mehrfach an verschiedenen Patientenkohorten extern validiert [184], [189],
[190]. Diese erlauben das Abschätzen des individuellen Risikos sowie eine Reduktion
unnötiger invasiver Diagnostik [182], [191]. Bei 200 Männern mit Erstbiospie und mit
MRT und kombinierter gezielter und systematischer Biopsie, hätte bei 73 Männern auf
Basis des RPCRC eine Biopsie vermieden werden können. Dabei wären 2 von 51 ≥
ISUP2-Prostatakarzinom übersehen worden [183].
Neben der ärztlichen Einschätzung erlaubt die Geschwindigkeit des Gehens („gait
speed“) eine Abschätzung der in Empfehlung 4.13 genannten mutmaßlichen
Lebenserwartung, welche bei der Beurteilung des Risikos berücksichtigt werden soll
[192].
Diagnostik familiär belasteter Männer
Männer mit einer positiven Familienanamnese oder Patienten mit bekannter BRCA1/2-
Mutation haben ein erhöhtes Risiko an einem Prostatakarzinom zu erkranken. Das
relative Risiko liegt bei 2,5-4,3 bei betroffenen erst-gradig Verwandten [193], [111].
Einsatz von Blut- und Urin-basierten Biomarkern in der Diagnostik des
Prostatakarzinoms
Blut- oder Urin-basierte Biomarkersysteme wie
PHI®/4Kscore®/Stockholm3®/Proclarix® bzw. PCA3®/SelectMDx®/Mi Prostate Score®
(MiPS®)/ExoDx® können indolente Prostatakarzinome identifizieren bzw. in den
Entscheid zur weiteren Diagnostik mittels MRT und Prostatabiopsie herangezogen
werden, um weitere invasive Diagnostik zu vermeiden. Im Vergleich zum PSA weisen
diese Biomarkersysteme eine bessere Diskriminierung zwischen dem Vorhandensein
eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms und einem indolenten bzw. keinem
Prostatakarzinom mit AUC-Werten von 0,784-0,82 auf [194], [195].
Wang et al. zeigten in einer systematischen Übersichtsarbeit und Netzwerk-
Metaanalyse mit 9.952 inkludierten Patienten aus 16 Studien (eine retrospektive und
15 prospektive Studien), dass die Sensitivität, Spezifität, der positive und negative
prädiktive Wert sowie die Genauigkeit des MiPS®, SelectMDx®, PCA3® sowie ExoDx®
Prostate IntelliScore (alles Urin-basierte Biomarker) im Vergleich zum PSA sowohl in
der Diagnostik, als auch im Screening gut sind [196]. Limitationen dieser Metaanalyse
sind für einige Marker die teilweise zu geringe Anzahl identifizierter Arbeiten, die
Heterogenität der dargestellten Studienergebnisse sowie die Inkonsistenz der Cut-off-
Werte der einzelnen Marker in den identifizierten Studien.
4.2 Diagnostik
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65
Die Kombination von Biomarkern mit der MRT kann die diagnostische
Diskriminierung noch weiter erhöhen [197] und die Voraussage eines Tumors bei
unauffälliger MRT bzw. MRT mit unklaren Läsionen (PI-RADS 3) verbessern [198]. Eine
prospektive Beobachtungsstudie mit 17 Zentren zeigte in den beiden primären
Endpunkten (Nicht-Überlegenheit bzgl. der Sensitivität; Überlegenheit bzgl. der
Spezifität) mit einer multiethnischen Kohorte mit 2.129 Patienten zur Biopsie, dass
der STHLM3-Test mit einer relativen Sensitivität von 0,95 (95 % KI 0,92-0,99) einem
PSA ≥4 ng/ml nicht unterlegen war und zeigte eine dreifach höhere Spezifität (relative
Spezifität 2,91 (95 % KI 2,63-3,2)) gegenüber einem PSA-Wert ≥4 ng/ml bei der
Detektion eines ISUP ≥2 Tumors in der Biopsie. Zudem konnte der STHLM3-Test
gutartige Befunde um 45 % oder Befunde mit einem ISUP-1-Prostatakarzinom um 52 %
reduzieren [199].
Josefsson et al. beschrieben in einer Subanalyse der Göteborg2-Screeningstudie den
Blut-basierten 4Kscore® als einen Reflex-Test vor Durchführung der MRT bei einem
PSA-Wert ≥3 ng/ml. Ein 4Kscore® ≥7,5 % implizierte die Durchführung einer MRT bei
einer PSA-Wert-Erhöhung. Bei der Nutzung dieses Cut-offs lag die geschätzte Zahl der
vermiedenen MRTs bei 408 (41 %) von 1.000 Männern und 95 von 1.000 Männern
(Reduktion von 28 %) vermieden eine Biopsie. Dadurch wären 23 % weniger ISUP1-
Prostatakarzinome diagnostiziert worden. Die Area Under the Curve (AUC) für den
4Kscore® als Reflex-Test vor der MRT wurde auf 0,84 (95 % KI 0,79-0,89) für die
Detektion eines intermediate- bzw. high-risk Prostatakarzinom berechnet [200].
In der finnischen ProScreen-Studie wurde bei einem erhöhten PSA-Wert und einem
4Kscore® ≥7,5 % eine MRT und eine Biopsie bei PI-RADS ≥3 oder bei unauffälliger MRT
bei einer PSA-Dichte ≥15 ng/ml 2 eine Biopsie durchgeführt. Dadurch wurden 34 von
97 Männern mit einer PSA-Erhöhung biopsiert und 21 Tumoren (davon 17 mit ISUP ≥
2) nachgewiesen [104].
Allerdings ist die Verfügbarkeit von Analysen, beispielsweise für den 4K-Score und
den Stockholm-3-Test, in Deutschland sehr limitiert. Proben müssen derzeit an
zentralisierte Labore, teilweise im Ausland, gesandt werden. Es gibt keine externen
Qualitätskontrollen (Ringversuche) für diese Tests. Beides schränkt die Praktikabilität
und die Qualitätssicherung ein.
Indikation zur Biopsie der Prostata
Die Biopsieindikation hängt im Wesentlichen von der Befundung der zuvor
durchgeführten MRTs ab. Männer sollen über die Wahrscheinlichkeit zur Detektion
eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms in Abhängigkeit vom PI-RADS-Score,
des Alters sowie der Höhe des PSA und der PSA-Dichte aufgeklärt sein (siehe
Empfehlung 4.13).
Die stärksten diagnostischen Prädiktoren für das Vorliegen eines klinisch
signifikanten Prostatakarzinoms sind die PSA-Dichte und der PI-RADS-Score [201],
[145], [202], [203]. Bei der PSA-Dichte ist zu beachten, dass diese mit einem klinisch
signifikanten Prostatakarzinom nur in Drüsen bis 75 ml statistisch signifikant
assoziiert ist [204].
Die Höhe des PI-RADS ist assoziiert mit der Detektionsrate eines klinisch signifikanten
Prostatakarzinoms. In den prospektiven, randomisierten Studien zeigte sich bei PI-
RADS 1-2; PI-RADS 3, PI-RADS 4 und PI-RADS 5 Detektionsraten von bis 6 %, bis 16 %,
bis 62 % bzw. bis 70-83 % [205], [132], [131], [163], [130].
4.2 Diagnostik
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66
Die Kombination des PI-RADS-Scores mit der PSA-Dichte zeigte mit steigendem PI-
RADS-Score und steigender PSA-Dichte einen Anstieg der detektierten ISUP Grad ≥2
Prostatakarzinome [203]. Eine PSA-Dichte von ≤0,15 ng/ml/ml in Kombination mit
einer negativen MRT (PI-RADS-Score <3) führte für die Vorhersage eines klinisch
signifikanten Prostatakarzinoms zu einem Anstieg des negativ prädiktiven Wertes auf
90,4 % [206]. Eine Metaanalyse mit 3.006 Biopsie-naiven Männern bezifferte die
Prävalenz für ISUP ≥2 Prostatakarzinome in PI-RADS-Score 1-2 Befunden in
Kombination mit einer PSA-Dichte <0,1 ng/ml/ml auf 3 % (11/411) und in
Kombination mit einer PSA-Dichte <0,15 ng/ml/ml auf 7 % (17/256) [205]. In PI-RADS-
Score 3 Befunden betrug die Prävalenz für ISUP ≥2 Prostatakarzinome in Kombination
mit einer PSA-Dichte <0,1 ng/ml/ml 4 % (3/74) und in Kombination mit einer PSA-
Dichte <0,15 ng/ml/ml 13 % (11/88) [205]. Eine weitere Metaanalyse mit 39
eingeschlossenen Studien zeigte eine Nachtest-Wahrscheinlichkeit für den Nachweis
eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms bei einer negativen MRT bei einer PSA-
Dichte < 0,15 ng/ml/ml von 6 % und bei einer PSA-Dichte von < 0,10 ng/ml/ml von 4
% [207].
Qualitätsstandards zur Durchführung einer MRT
Eine hohe technische Qualität der MRT ist für die diagnostische Genauigkeit
außerordentlich bedeutsam [208], [209], [210]. Die aktuellen Qualitätsstandards zur
Vorbereitung und Durchführung der MRT der Prostata wurden von den zuständigen
Fachgesellschaften (Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) und Berufsverband der
Deutschen Radiologen (BDR)) publiziert [211], [212]. Ebenso hat eine hohe Expertise
des Radiologen in der Befundung der MRT-Bilder einen stark positiven Einfluss auf die
diagnostische Genauigkeit [208], [213]. Diese Anforderungen gelten insbesondere für
den Einsatz der MRT im Screening [214]. Die radiologischen Fachgesellschaften DRG
und BDR sichern durch die Spezialzertifizierung MRT-Prostata mit dem Q2-
Spezialzertifikat zur MRT der Prostata eine Expertise des zertifizierten Radiologen auf
Expertenniveau. Voraussetzung für das Q2-Zertifikat sind: Q1-Zertifikat, Nachweis
von mindestens 25 CME-Punkten innerhalb von maximal 60 Monaten aus von der AG
Uroradiologie der DRG zertifizierten Kursen zur MRT der Prostata, Nachweis von 500
selbstständig durchgeführten MRT-Untersuchungen der Prostata (mit mindestens 150
histologisch gesicherten Prostatakarzinomen). Das Qualitäts-Ring-Radiologie-
Zertifikat wiederum überprüft die Bildqualität und die Untersuchungsprotokolle
entsprechend den aktuell gültigen Qualitätsstandards der zuständigen
Fachgesellschaften (DRG und BDR) der eingesetzten Magnetresonanztomographen.
Der Befund einer MRT der Prostata hat eine Qualitätsangabe (nach PI-QUAL) zu
beinhalten.
Zu Empfehlung 4.16 bis Empfehlung 4.22
Durchführung einer gezielten Biopsie in bildmorphologisch tumorsuspekten
Arealen
Lu et al. zeigten, dass mit einer steigenden Anzahl von Zylindern aus der Läsion, die
Detektionsrate klinisch signifikanter Prostatakarzinome aus den in der MRT-
detektierten Läsionen ansteigt. Bei der Entnahme von nur zwei Zylindern aus der
Region würden 25 % der klinisch signifikanten Prostatakarzinome übersehen werden
[215]. Eine weitere Arbeitsgruppe zeigte in einer retrospektiven Auswertung von 451
Patienten, dass vorrangig der erste bis dritte entnommene Zylinder einen
Tumornachweis zeigte (1. Zylinder 73 %; 2. Zylinder 15 % und der 3. Zylinder 9 %)
[165]. Sonmez et al. zeigten ebenso in einer retrospektiven Auswertung mit 418
Patienten, dass die Anzahl der notwendigen Zylinder von dem PI-RADS-Score abhängt.
Für die Biopsie von PI-RADS ≥4 Läsionen zeigten sie eine optimale Zahl von 2-3
4.2 Diagnostik
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67
Zylindern (18 % Detektion von klinisch signifikanten Prostatakarzinomen mit 2-3
Zylindern) [216].
Gezielte Biopsien in tumorsuspekten Läsionen in der MRT
In einer systematischen Übersichtsarbeit mit Netzwerk-Metaanalyse, die 28
randomisiert-kontrollierte Studien inkludierte, zeigte sich, dass die gezielte Biopsie
allein oder in Kombination mit der systematischen Biopsie oder die gezielte MRT-
Biopsie anderen Ultraschall-basierten Biopsiestrategien (transrektale oder
transperineale systematische Biopsie oder der Ultraschall-Kontrastmittelgestützten
Biopsie) überlegen war. Für die Detektion signifikanter Prostatakarzinome zeigten
sich folgende Detektionsraten (14 Studien inkludiert): MRT-gezielte und
systematische Biopsie 74 %; Fusions-Biopsie und systematische Biopsie 67 %,
transperineale Biopsie 51 %, MRT-gezielte Biopsie 43 %, transrektale Biopsie 33 % und
Ultraschall-Kontrastmittelbiopsie 29 % [217]. Xie et al. zeigten in ihrer Metaanalyse
und systematischen Übersichtsarbeit (insgesamt 26 Studien), dass die Kombination
aus MRT-gezielter gegenüber der alleinigen systematischen Biopsie (n=24 Studien)
eine erhöhte Detektionsrate klinisch signifikanter Prostatakarzinome (RR 1,27, 95 %
KI 1,15-1,4; p<0,001) aufweist. Bei der MRT-gezielten Biopsie kombiniert mit der
systematischen Biopsie gegenüber der alleinigen systematischen Biopsie zeigte sich
ebenfalls eine höhere Detektionsrate (18 Studien; RR 1,44, 95 % KI 0,03-0,06;
p=0,001) [218]. Ebenso konnte bei der alleinigen gezielten Biopsie gegenüber der
systematischen Biopsie (Metaanalyse mit acht randomisiert-kontrollierten Studien),
eine erhöhte Detektionsrate klinisch signifikanter Tumoren nachgewiesen werden
(fünf Studien; RR 1,35, 95 % KI 0,98-1,86; p=0,065) [219].
Die systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Lan et al. (18 Studien), die
Patienten mit Re-Biopsie als kognitive Fusionsbiopsie, als MRT/Ultraschall-
Fusionsbiopsie oder in-bore Biopsie inkludierte, wies eine bessere Detektionsrate
klinisch signifikanter Prostatakarzinome gegenüber der systematischen Biopsie
(Detektionsrate in Bezug zur systematischen Biopsie 0,043 (95 % KI 0,03-0,06;
p=0,001)) bei einer ähnlichen Gesamtdetektionsrate nach [220]. Die kognitive
Fusionsbiopsie, die Software-basierte MRT/Ultraschall-Fusionsbiopsie und in-bore
Biopsie weisen dabei ähnliche Prostatakarzinom-Detektionsraten (p=0,4) auf [221].
Zusätzlicher Nutzen der systematischen Biopsie bei der Erst-Biopsie
Der zusätzliche Nutzen für die Detektion eines klinisch signifikanten
Prostatakarzinoms durch eine zusätzliche gezielte Biopsie in MRT-tumorsuspekten
Läsionen (PI-RADS ≥3) bei Biopsie-naiven Patienten lag bei 6,3 % [129], 7,6 % [131]
und 7 % [132]. Vice versa, durch eine zusätzliche systematische Biopsie zur gezielten
Biopsie lag der zusätzliche Nutzen bei einer Mehrdetektion von 4,3 % [129], 5,2 %
[131], und 5 % [132] durch die systematische Biopsie.
Zusätzlicher Nutzen der systematischen Biopsie bei der Re-Biopsie
Die Mehrdetektion eines Prostatakarzinoms durch eine gezielte Biopsie und eine
zusätzliche systematische Biopsie lag bei 9,6 % bzw. 2,3 % [129]. In einer
prospektiven Studie mit 152 Patienten, die eine gezielte und eine systematische
Biopsie erhielten, konnte in der gezielten Biopsie in 47 % und in der systematischen
Biopsie in 32 % ein Prostatakarzinom nachgewiesen werden (95 % KI 6,0-22 %;
p<0,001). Die gezielte Biopsie detektierte mehr klinisch signifikante
Prostatakarzinome als die systematische Biopsie (32 % vs. 16 %; 95 % KI 11-25 %;
p<0,001).
4.2 Diagnostik
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Die gezielte Biopsie verfehlte 1,3 % signifikanter Prostatakarzinome [222]. Die
Kombination aus systematischer und gezielter Biopsie im Vergleich zur alleinigen
gezielten Biopsie erbrachte einen Unterschied in der Detektionsrate von 6 % für alle
Prostatakarzinome, 5 % für klinisch insignifikante Prostatakarzinome und 1 % für
klinisch signifikante Prostatakarzinome [222].
Zusätzlicher Nutzen von periläsionalen Biopsien
Eine prospektive Studie mit 262 Patienten mit zusätzlicher Entnahme periläsionaler
Biopsiezylinder aus der Penumbra, also der unmittelbaren Umgebung der Läsion mit
einem Durchmesser von 10 mm, zeigte, dass durch eine gezielte Biopsie in die Läsion
und eine periläsionale Biopsie 7 % (18/262) klinisch signifikanter Tumor übersehen
worden wären, wenn keine weitere systematische Biopsie durchgeführt worden wäre.
Die Rate nicht signifikanter Tumoren wurde damit aber um ein Drittel reduziert [140].
Eine weitere Studie mit 168 Biopsie-naiven Patienten zeigte einen Anstieg der
Detektion eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms von 62 % auf 72 % durch 4
zusätzliche Zylinder aus der Penumbra [141].
Eine weitere, prospektive Studie, die 190 Patienten einschloss, wies keinen
Unterschied in der Detektion eines signifikanten Prostatakarzinoms durch eine
zusätzliche Biopsie der Penumbra mit sechs Zylindern zu der gezielten Biopsie versus
der gezielten Biopsie mit systematischer Biopsie auf [142]. Eine Studie mit 505
Patienten, zeigte für die gezielte Biopsie mit Biopsie der Penumbra der Läsion in
einem Radius von 10 mm ähnliche Detektionsraten eines klinisch signifikanten
Prostatakarzinoms wie die gezielte Biopsie kombiniert mit einer systematischen
Biopsie (35 % vs. 37 %; p=0,2) jedoch mit einer Reduktion der Detektion eines nicht
signifikanten Prostatakarzinoms um 19 % [143].
Zu Empfehlung Empfehlung 4.23
Indikationsstellung zur Biopsie bei unauffälliger MRT
In einer Metaanalyse (17 Studien, 1.300 Patienten) wurde die Prävalenz für ISUP ≥2-
Prostatakarzinome unter Verwendung der aktuellen PI-RADS-Klassifikation v2.1 in PI-
RADS 1-Befunden mit 2 %, in PI-RADS 2-Befunden mit 4 %, in PI-RADS 3-Befunden mit
20 %, in PI-RADS 4-Befunden mit 52 % und in PI-RADS 5-Befunden mit 89 % angegeben
[223]. Die Berücksichtigung des PI-RADS-Scores im Rotterdam European Randomized
Study of Screening for Prostate Cancer Risk Calculator führte für einen PI-RADS-Score
≥3 sowohl für Biopsie-naive Männer als auch für negativ vorbiopsierte Männer zu
einem Anstieg der diagnostischen Genauigkeit (AUC 0,84 vs. 0,76 für Biopsie-naive
Männer, AUC 0,85 vs. 0,74 für negativ-biopsierte Männer) [224].
In einer multizentrischen longitudinalen Kohortenstudie wurden Männer mit initialem
unauffälligem MRT oder mit auffälligem MRT, aber ohne Tumornachweis in der ersten
Biopsie für 3 Jahre überwacht. Bei Männern mit initialen suspekten MRT wurde eine
Biopsie empfohlen. Bei den 593 eingeschlossenen Männern wiesen 286 (48 %) eine
unauffällige MRT auf. Insgesamt vermieden 261 (44 %) der Männer die Biopsie initial
und 242 (41 %) im Verlauf der 3 Jahre Nachbeobachtung. 279 Männer traten in die
Nachbeobachtungsphase ein. 233 Männer führten diese komplett für 3 Jahre durch.
Unter diesen wiesen lediglich 7 Männer ein klinisch signifikantes Prostatakarzinom im
weiteren Verlauf auf. Bei Männern mit initial auffälligem MRT wiesen 7 % im weiteren
Verlauf ein klinisch signifikantes Prostatakarzinom auf [225].
Zu Empfehlung 4.24 bis Empfehlung 4.26
4.2 Diagnostik
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Der transrektale Ultraschall in der Diagnostik des Prostatakarzinoms
Der transrektalen Ultraschalls (TRUS) nach DEGUM-Standard dient der Darstellung und
der Beurteilung der gesamten Prostata [226] und unterstützt die Durchführung der
Biopsie durch die räumliche Darstellung der Prostata. Ebenso kann der einfache TRUS
zur Volumetrie eingesetzt werden, und damit hilfreich bei der Bewertung des PSA-
Wertes und Berechnung der PSA-Dichte sein. Zwei retrospektive Kohortenstudien
[227], [228], in denen unter Verwendung kombinierter morphologischer Ultraschall-
Kriterien zusätzlich zur systematischen Biopsie gezielte Probeentnahmen erfolgten,
wiesen bei einer verbesserten Spezifität eine Anhebung des positiven prädiktiven
Werte auf. Lee et al. [227] erzielten einen positiven prädiktiven Wert von 83 % (im
Gegensatz zu 52 % für die systematische Biopsie allein) bei Vorliegen
sonographischer Malignitätskriterien.
Gezielte Biopsien in tumorsuspekten Läsionen im Hochfrequenz-Ultraschall
(Mikro-Ultraschall)
Die Evidenz zur Nutzung des Hochfrequenz-Ultraschalls basiert auf einzelnen
randomisierten Studien. Es liegen Daten retrospektiver, aber auch prospektiver
Fallkohorten vor. Die Daten einer aktuell noch rekrutierenden Studie stehen noch aus.
In einer randomisierten, prospektiven Studie wurden 1.767 Patienten in den
Hochfrequenz-Ultraschall vs. konventionellem Ultraschall randomisiert. Die Detektion
eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms unterschied sich nicht in den beiden
Armen (Hochfrequenz-Ultraschall 34,6 % vs. konventionellen Ultraschall 36,6 %
(p=0,21)). Allerdings wurde hier noch ein Hochfrequenz-Ultraschallgerät der ersten
Generation verwendet [229]. Mit der Implementierung des Graduierungssystems
PRIMUS für den Hochfrequenz-Ultraschall kam es zu einer Verbesserung der
Sensitivität von 24,6 % auf 60 %; die Spezifität fiel jedoch von 84 % auf 63 % [229].
Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse mit 15 inkludierten Studien,
darunter zehn prospektive Studien, zeigte für den Hochfrequenz-Ultraschall
gegenüber der systematischen Biopsie keine höhere Rate an klinisch signifikanten
Prostatakarzinomen als die systematische Biopsie (fünf inkludierte Studien;
Detektionsrate 1,18 (95 % KI 0,84-1,58)) bei einer geringeren Rate an nicht
signifikanten Prostatakarzinomen (vier Studien, Detektionsrate 0,55 (95 % KI 0,41-
0,73)) [230].
In einer prospektiven Fallkohorte mit 159 Patienten zeigte sich durch die gezielte
Biopsie mit dem Hochfrequenz-Ultraschall eine höhere Rate an höheren ISUP-Graden
als in der systematischen Biopsie (26 %). In der zusätzlich durchgeführten
MRT/Ultraschall-Fusionsbiopsie wurden 16 % zusätzliche Prostatakarzinome
nachgewiesen. Bei Patienten mit MRT/Ultraschall-Fusionsbiopsie ohne Tumornachweis
konnten in weiteren 17 % ein Prostatakarzinom durch die gezielte Biopsie in
Hochfrequenz-Ultraschall suspekten Läsionen nachgewiesen werden [231].
In einer weiteren prospektiven Studie mit 125 Biopsie-naiven Patienten mit
unauffälliger MRT detektierte der Hochfrequenz-Ultraschall mit gezielter Biopsie mit
einer Sensitivität von 97 % und einer Spezifität von 30 % signifikante
Prostatakarzinome [144].
In einer multizentrischen, einarmigen Studie mit 1.040 Patienten, die sowohl eine
Hochfrequenz-Ultraschall-gezielte Biopsie als auch eine MRT/Ultraschall-
Fusionsbiopsie erhielten Sensitivitäten von 94 bzw. 90 % (p=0,03), negative prädiktive
Werte von 85 bzw. 77 %, Spezifitäten von 22 bzw. 22 % und positive prädiktive Werte
von 44 bzw. 43 % [232].
4.2 Diagnostik
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Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse, die die Hochfrequenz-
Ultraschall-geführte Biopsie mit der MRT-gestützten Biopsie als Eigenkontrolle (13
eingeschlossene Studien mit 1.125 Patienten) untersuchte, zeigte, dass die Ratio für
die Detektion eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms bei 1,05 (95 % KI 0,93-
1,19) und für das klinisch insignifikante Prostatakarzinom bei 0,94 (95 % KI 0,73-
1,22) lag und deshalb mit der MRT-gezielten Biopsie vergleichbar ist [233].
Eine weitere Metaanalyse mit 11 inkludierten Studien (1.081 Patienten) mit dem
Vergleich Hochfrequenz-Ultraschall- und MRT-gestützte Biopsie wies eine Odds Ratio
von 1,01 (95 % KI 0,83-1,22; p=0,92) für das klinisch signifikante Prostatakarzinom
und von 0,92 (95 % KI 0,68-1,25) auf [234].
Gezielte Biopsien in tumorsuspekten Läsionen anderer sonographischer
Bildmodalitäten
Wie von Ukimura et al. beschrieben, erhöht sich die Genauigkeit der Biopsie bei einer
gezielten Biopsie mit MR-TRUS-Bildfusion, wenn eine MR-tumorsuspekte Läsion auch
im TRUS sichtbar ist. Dies führt zu einer besseren Detektion von klinisch signifikanten
Prostatakarzinomen. Gezielte Biopsien übertrafen die systematischen Biopsien bei der
Detektion von Prostatakarzinomen und klinisch signifikanten Prostatakarzinomen. Die
MRT hilft bei der Auswahl derjenigen unter den multiplen TRUS-sichtbaren echoarmen
Läsionen, die am verdächtigsten sind, Prostatakarzinom zu beherbergen, und daher
ein Ziel für eine Biopsie darstellen. Bei der Anwendung der MR-TRUS-
Fusionstechnologie ist Fachwissen in der Interpretation sowohl von Echtzeit-TRUS als
auch der MRT unerlässlich [235].
Eine multizentrische, dreiarmige, randomisiert-kontrollierte Studie, die 400 Patienten
mit Erstbiopsie einschloss, verglich eine auf KI-basierte, Ultraschall-Bildanalyse-
gezielte 6-fach Biopsie (AIUS-TB) mit einer kognitiven MRT/Ultraschall-Fusionsbiopsie
plus systematischer Biopsie und die systematische 12-fach Biopsie. Die Studie
spiegelt nicht den in dieser Leitlinienversion empfohlenen Diagnostikpfad wider, da
nur 42/134 (31 %) der Patienten im MRT-Arm eine PI-RADS 4 oder 5 Läsion aufwiesen;
die Detektionsrate bei diesen Patienten mit kognitiver Fusion war mit 57 und 67 %
vergleichsweise niedrig. Weitere 44 Patienten (33 %) wiesen eine PI-RADS 3 Läsion, der
Rest keine karzinomverdächtige Läsion auf. In diesem Kollektiv unterschieden sich
weder die Detektionsraten für ein klinisch-signifikantes Prostatakarzinom in den drei
Armen (AIUSP: 32,2 %; kognitive Fusionsbiopsie: 23,1 % (p=0,240), alleinige
systematische Biopsie: 26,3 % (p=0,692)), noch die Rate an nicht-signifikanten
Prostatakarzinomen (AIUSP: 17,3 %; kognitive Fusionsbiopsie: 12,7 % (p=0,618),
alleinige systematische Biopsie: 8,3 % (p=0,084)). Die Ratio der positiven
Biopsiezylinder im Verhältnis zur Anzahl der entnommenen Gesamtzylinder war in
der TRUS-SB-Gruppe (11,0 %, 176/1598) und in der mpMRI-Gruppe (12,7 %,
204/1608) deutlich niedriger als in der AIUSP-Gruppe (22,7 %, 181/798, p<0,001).
Die Autoren schlussfolgerten, dass AISUP-TB eine Alternative zur systematischen
Biopsie darstellen könnte [236].
Die softwarebasierte, künstliche Intelligenz-basierte Ultraschall-Bildanalyse (AIUS-TB –
artificial intelligence ultrasound – targeted biopsy) zeigte an prospektiv erhobenen
Daten bei 71 Patienten mit einer medianen Langzeitnachbeobachtungszeit von 12
Jahren weiterhin die Möglichkeit einer Beurteilung von bildmorphologischen
Veränderungen, die über gezielte Biopsien im Verlauf überprüft wurde [149]. Daten
von 64 Patienten wurden vor dem Eingriff mittels einer künstliche Intelligenz-
basierten Softwareanalyse untersucht. Die Ergebnisse der Analyse wurde mit
Großflächenschnitten des Prostatektomiepräparates verglichen. Die Sensitivität, die
4.2 Diagnostik
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
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Spezifität, der negativ-prädiktive und der positiv-prädiktive Wert für den Nachweis von
klinisch signifikantem Prostatakrebs betrugen 69 %, 77 %, 88 %, 50 % bzw. 75 % [237].
Künstliche Intelligenz (KI)-Anwendungen zur Unterstützung und Verbesserung der
MRT der Prostata zeigen zur Detektion karzinomsuspekter Areale vielversprechende
Ergebnisse. Die vorhandenen Modelle müssen jedoch vor ihrem Einsatz in der Routine
auf die jeweilige Umgebung und spezifische Eignung neutral getestet werden, da die
Reproduzierbarkeit und Sicherheit/Richtigkeit der Ergebnisse u.a. bei einer
Verwendung von Bilddatensätzen anderer als in der jeweiligen Trainings-Kohorte
verwendeten MRT-Geräten, Feldstärken und Sequenzeinstellungen, unterschiedliche
Bildqualitätswerte (z. B. PI-QUAL-Scores) sowie unterschiedliche Altersgruppen (i.d.R.
basieren die Anwendungen auf Datensätzen von Männern im medianen Alter von 65
Jahren) bisher nicht vollständig geklärt ist. Basierend auf neutralen Validierungen
mittels ausreichend großer Kontroll-Kohorten mit sehr gutem histologischen
Referenzstandard soll für die Detektion klinisch signifikanter Prostatakarzinome mit
einem Gleason-Score ≥ 3 + 4 eine Sensitivität von >90 %, eine falsch-positiv-Rate von
90 % erreicht werden [238]. In der Literatur veröffentlichte Sensitivitäten
verschiedener KI–Modelle reichen beispielhaft von 92 % bis 96 % bei Spezifitäten von
47 % bis 69 % [239], [240], [241], [242]. Es konnte gezeigt werden, dass bei
substantiellem Training die KI–Modelle das diagnostische Niveau von Experten
erreichen und damit die Befundungsqualität insbesondere von weniger erfahrenen
Radiologen erhöhen können [243], [244]. Des Weiteren können KI–Modelle
möglicherweise die Sicherheit von weniger erfahrenen Radiologen erhöhen und
signifikant die Befundungszeit reduzieren [240]. In einer internationalen
Multicenterstudie erreichte eine state-of-the-art KI-Software für die Detektion klinisch
signifikanter Prostatakarzinome im Vergleich zu in der MRT der Prostata erfahrenen
Radiologen eine höhere Area Under the Curve (91 % versus 86 %) [241]. Bei gleicher
Spezifität von 57,7 % detektierte die KI-Software 6,8 % (9/133) mehr klinisch
signifikante Prostatakarzinome beziehungsweise 50,4 % (57/113) weniger falsch
positive Befunde und 20 % (8/40) weniger klinisch nicht signifikante
Prostatakarzinome mit einem Gleason-Score 6. Der Vergleich mit den Ergebnissen der
klinischen Routine unter Berücksichtigung der klinischen Informationen ergab bei
gleicher Sensitivität von 96,1 % eine nur minimal geringere Spezifität des KI–Modells
von 68,9 % versus 69,0 % [241]. Eine relevante Schwierigkeit ist jedoch, dass
insbesondere weniger erfahrene Befunder die Ergebnisse der KI nur eingeschränkt
oder gar nicht hinterfragen können, sodass ein Risiko der ungefilterten Übernahme
der KI-Ergebnisse besteht. Darüber hinaus gibt es auch Studien, die belegen, dass
eine KI-Software die Performance erfahrener Radiologen verschlechtern kann [245].
Eine Grundvoraussetzung für die Verwendung von KI-Anwendungen muss daher eine
Supervision durch einen erfahrenen Radiologen sein (mind. Q2-Status) und eine
genaue Validierung der KI-Software mit exakten Angaben zur diagnostischen
Genauigkeit der getesteten Kollektive. Es ist auch nicht geklärt, wie mit Unterschieden
zwischen Ergebnissen eines KI–Algorithmus und denen des befundenden Radiologen
zu verfahren ist. Eine besondere Schwierigkeit in der Prostata-MRT-Diagnostik stellt
die Heterogenität der Befunde in der Prostata dar. Während eindeutige (größere)
Karzinome bei entsprechender Untersuchungsqualität einfach gefunden werden
können, sind diffusere und atypische Karzinome deutlich schwieriger zu detektieren.
Dies gilt natürlich auch für KI-Anwendungen.
Hinsichtlich der auf dem transrektalen Ultraschall-basierten Bildgebung identifizierte
der multiparametrische Ultraschall (mpUS) (Kombination aus Graubild-Ultraschall,
Kontrastmittelultraschall, Farb-Doppler-Ultraschall und Elastographie) in der
4.2 Diagnostik
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prospektiven CADMUS-Studie, bei der Männer mit V.a. ein Prostatakarzinom einer
multiparametrischen MRT und einem multiparametrischen Ultraschall zugeführt
wurden, weniger klinisch signifikante Prostatakarzinome als die MRT, führte aber
aufgrund auffälliger Befunde zu der Durchführung zusätzlicher Biopsien. Eine
Einschränkung der Ultraschall-basierten Verfahren ist ihre hohe Variabilität zwischen
den Untersuchern [246].
Für den Kontrastmittelverstärkten Ultraschall (CEUS) und die Elastographie liegen je
eine randomisiert-kontrollierte Studie [150], [152], mehrere prospektive oder
retrospektive Kohortenstudien und Fallserien vor. In einer Metaanalyse und
systematischen Übersichtsarbeit mit 15 inkludierten Studien, darunter 11 prospektive
Studien, demonstrierten fünf Studien eine verbesserte Detektion klinisch signifikanter
Prostatakarzinome (OR 2,33, 95 % KI 1,33-4,09; p=0,006) bei einer jedoch hohen
Heterogenität der Studien und ohne Betrachtung des Verzerrungsrisikos in der
Metaanalyse [247]. Für die Elastographie zeigte sich in einer randomisiert
kontrollierten Studie mit dem Referenzstandard Histologie aus einer systematischen
Biopsie mit zehn Proben kein statistisch signifikanter Vorteil für die zusätzliche
Beurteilung der Gewebeelastizität und die gezielte Biopsieentnahme auffälliger Areale
[152]. Die Fallserien und Kohortenstudien zeigen unterschiedliche Ergebnisse
hinsichtlich der Testgüte des Verfahrens Elastographie (positiver prädiktiver Wert
zwischen 20 % und 87,8 %) [248], [249], [153], [154], [155], [156], [157].
Der Großteil der identifizierten Arbeiten für den CEUS kamen aus einer Einrichtung.
Eine RCT mit lediglich 100 Patienten zeigte einen statistisch signifikanten Vorteil für
CEUS (16 % entdeckte Karzinome vs. 13 % mit TRUS allein (p=0,04)) [150]. Für
Histoscanning existierten lediglich zwei explorative Pilotstudien [150], [151].
Einsatz der PSMA-PET-Bildgebung in der Primärdiagnostik des Prostatakarzinoms
In einer einarmigen Phase-II-Fall-Kontroll-Studie wurde die PSMA-PET mit der MRT
bzw. deren Kombination bei 296 Patienten, die sich erstmalig zur Prostatabiopsie
vorstellten, verglichen. Die PSMA-PET zeigte in Kombination zur MRT eine signifikant
verbesserte Sensitivität und einen signifikant verbesserten negativ prädiktiven Wert
zur Detektion von klinisch signifikanten Prostatakarzinomen.
Tabelle 8: Sensitivität, Spezifität, positiver und negativer prädiktiver Wert für den Nachweis
eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms in MRT, PSMA-PET und in der Kombination aus
MRT und PSMA-PET
MRT Prostata PSMA-PET Kombination aus
PSMA-PET und MRT
Sensitivität (%) Ratio zur
MRT
83 (77-89) 90 (84-94) 1,08
(p=0,078)
97 (93-99) 1,16 (<
0,001)
Spezifität (%) Ratio zur
MRT
53 (44-62) 50 (41-59) 0,94
(p=0,60)
40 (31-49) 0,75
(p=0,011)
Positiv prädiktiver Wert
(%) Ratio zur MRT
69 (62-75) 69 (62-75) 1,00
(p=0,91)
67 (60-73) 0,97
(0=0,36)
4.2 Diagnostik
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73
MRT Prostata PSMA-PET Kombination aus
PSMA-PET und MRT
Negativ prädiktiver Wert
(%) Ratio zur MRT
72 (61-80) 90 (70-88) 1,12
(p=0,14)
91 (80-97) 1,27
(p<0,001)
Zusätzlich wurden drei systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen, die die
68Ga-PSMA-PET-11 mit der MRT der Prostata verglichen haben, identifiziert. Die
Metaanalyse von Ren et al. inkludierte 16 Studien mit insgesamt 1.227 Patienten in
einer inhomogenen Patientenpopulation. Die Darstellung eines Prostatakarzinoms
durch die PSMA-PET-Bildgebung war gegenüber der MRT nicht verbessert (gepoolte
Sensitivität PSMA-PET-Diagnostik vs. MRT: 0,87 (95 % KI 0,80–0,92, I 2 =95 %) vs. 0,84
(95 % KI 0,75–0,92, I 2 =95 %); p=0,62, gepoolte Spezifität PSMA-PET-Diagnostik vs.
MRT: 0,80 (95 % KI, 0,69–0,89, I 2 =96 %) vs. 0,74 (95 % CI: 0,61–0,86, I 2 =97 %); p=0,5)
[250].
Eine weitere Metaanalyse schloss 10 Studien mit 918 Patienten ein. Hier erfolgte
sowohl eine Auswertung auf Patienten- und Läsionsebene für die Detektion eines
klinisch signifikanten Prostatakarzinoms. Auf Patientenebene, also der Detektion
eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms für einen einzelnen Patienten, zeigte
sich hier eine bessere Detektion klinisch signifikanter Prostatakarzinome als mit der
MRT (gepoolte Sensitivität MRT: 0,87 (95 % KI 0,83-0,91), gepoolte Sensitivität PSMA-
PET/CT: 0,93 (95 % KI 0,90-0,96); gepoolte Spezifität MRT: 0,47 (95 % KI 0,23-0,71),
gepoolte Spezifität PSMA-PET/CT: 0,54 (95 % KI 0,23-0,84)). Allerdings zeigte sich auf
Läsionsebene, also der Detektion eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms in
einer bildmorphologisch tumorsuspekten Läsion, dass beide bildmorphologischen
Verfahren tumorsuspekte Herde ähnlich gut lokalisierten (gepoolte Sensitivität MRT:
0,63 (95 % KI 0,52-0,74), gepoolte Sensitivität PSMA-PET/CT 0,79 (95 % KI 0,62-0,92);
gepoolte Spezifität mpMRI: 0,88 (95 % KI 0,81-0,95), gepoolte Spezifität PSMA-
PET/CT: 0,71 (95 % KI 0,47-0,90; p=0,0226). In dieser Metaanalyse war die Definition
des klinisch signifikanten Prostatakarzinoms in den eingeschlossenen Studien
inhomogen [251].
Eine weitere Metaanalyse, die 39 retrospektive und prospektive Studien mit 3.630
Patienten inkludierte, aber eine nicht zufriedenstellende Qualität entsprechend der
QUADAS2-Kriterien aufwies, verglich die PSMA-PET/CT mit dem MRT der Prostata.
Hier zeigte sich für die Gesamtdetektionsrate für das Prostatakarzinom eine RR von
1,01 (95 % KI 0,99-1,03; p=0,533) [252].
Eine Phase-II-Studie untersuchte bei 150 Patienten mit nachgewiesenem intermediate
und high-risk Prostatakarzinom die Voraussage des lokalen Stagings der 18F-PSMA-
1007-PET/CT versus MRT. Es zeigte sich bei 134 der 150 Patienten, die letztendlich
eine radikale Prostatektomie erhielten, eine Überlegenheit der PSMA-PET gegenüber
der MRT bzgl. der Genauigkeit des endgültigen pathologischen Tumorstadiums (45 %
vs. 31 %; p=0,003). Ebenso war die PSMA-PET der MRT bzgl. der korrekten
Klassifikation von dominanten Tumorläsionen 94 % vs. 83 %; p=0,01), der Lateralität
(64 % vs. 44 %; p=0,001) und des extraprostatischen Wachstums 75 % vs. 63 %, aber
nicht der Samenblaseninfiltration (91 % vs. 85 %; p=0,07) überlegen [253]. Diese
Überlegenheitsstudie kann allerdings nicht als diagnostische Studie für die Detektion
eines Prostatakarzinoms gewertet werden.
4.2 Diagnostik
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74
In einer Metaanalyse (29 Studien inkludiert), die das PSMA-PET versus der
multiparametrischen MRT bei der primären Diagnostik des Prostatakarzinoms
untersuchten, zeigte die Patienten-basierten Analyse eine Sensitivität von 90 % vs. 84
% (p>0,0001) und eine Spezifität von 66 % vs. 60 % (p<0,0001) [254].
4.2 Diagnostik
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75
Zu Empfehlung 4.27 bis Empfehlung 4.29
Indikation zur erneuten Bildgebung und weiteren Diagnostik bei hoch-suspekten
Läsionen in der MRT
Bei Patienten mit PI-RADS 4/5-Läsionen ohne Tumornachweis in der Software-
basierten Fusionsbiopsie und bei weiter bestehenden PI-RADS 4/5-Läsionen kann eine
in-bore Prostatabiopsie in der MRT als Alternative in Erwägung gezogen werden [255],
[164], [163]. In einer retrospektiven Auswertung von 62 Patienten nach einer Fusions-
Biopsie ohne Tumornachweis bei Patienten mit einer in der MRT tumorsuspekten
Läsion zeigten 21 % noch klinisch signifikante Prostatakarzinome in einer in-bore
gezielten Biopsie [160]. Quentin et al. zeigten in einer retrospektiven Auswertung von
51 Patienten mit negativer MRT/Ultraschall-Fusionsbiopsie bei PI-RADS 4/5-Befunden
eine Detektionsrate eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms von 47 %. Die
Detektionsrate eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms in PI-RADS 4 lag bei 39
% und PI-RADS 5 bei 61 % [163].
Ein Anstieg des PSA nach Biopsie ohne Tumornachweis, initial hohe PSA-Werte und
hohe PSA-Dichte sind prädiktiv für einen Tumornachweis im weiteren Follow-up [161],
[162]. Die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit scheint jedoch nicht prädiktiv für den
Nachweis eines Prostatakarzinoms nach negativer Biopsie in der Rotterdam und
Göteborg-Gruppe der ERSPC-Studie zu sein [256].
Re-Biopsie bei Nachweis einer ASAP, HGPIN oder intraduktalen Proliferation
In Biopsiekohorten aus den 1990er und frühen 2000er Jahren zeigten Patienten mit
Nachweis einer atypical small acinar proliferation (ASAP) oder einer ausgedehnten
High-Grade PIN-Läsion (HGPIN) bei 42-48 % bzw. 35-47 % in der Re-Biopsie ein
Prostatakarzinom [257], [258], [259], [260], [261]. Durch eine Erhöhung der Anzahl
der Stanzzylinder sowie der Hinzunahme der MRT der Prostata und Durchführung
gezielter Biopsien sind diese Zahlen nicht mehr repräsentativ. Eine retrospektive
Studie aus dem Jahr 2017, die 12.817 Patienten untersuchte, zeigte keinen
Unterschied bei der Detektion eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms in der
Re-Biopsie bei Patienten mit initialer negativer Biopsie oder Nachweis einer ASAP oder
HGPIN [262].
Die „High-Grade PIN“ und das hiervon morphologisch nur schwierig abzugrenzende
„intraduktale Karzinom“ der Prostata sind intraduktale Proliferationen, welche
physiologischen oder hyperplastischen Epithelproliferaten in ihrer Menge und
räumlichen Konzentration so ähnlich sind, dass sie häufiger oder meistens in der MRT
nicht erkannt werden können. Dementsprechend ist bei diesen histologischen
Diagnosen und initial negativer MRT nicht von einer baldigen Veränderung ihrer
Sichtbarkeit in der MRT auszugehen. Beim ASAP handelt es sich um einen kleinen,
krebsverdächtigen Herd. Nach einer negativen MRT ist die Wahrscheinlichkeit eines
großen, aber nur marginal getroffenen Karzinoms somit nicht hoch.
Empfehlungen zur technischen Durchführung einer Biopsie
Zu Empfehlung 4.30
Transperineal vs. transrektal-geführte Biopsie
Drei randomisiert-kontrollierte Studien, die die transperineale mit der transrektalen
Biopsie verglichen, zeigten vergleichbare Prostatakarzinom-Detektionsraten [98], bei
ähnlichen Komplikationsraten bzgl. des Harnverhaltes und der Infektionsrate [263],
[264], [98]. Der transperineale Zugang ist ebenso unter Lokalanästhesie möglich
4.2 Diagnostik
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76
[265] und benötigt eine signifikant längere Interventionsdauer (transperineal 12,7
min +/- 9,8 min vs. 9,2 min +/- 3,5 min; p<0,0001) [266].
Zu Empfehlung 4.31
Anzahl der Stanzzylinder bei der systematischen Biopsie
Die Zahl positiver Zylinder steigt mit der Anzahl entnommener Stanzzylinder, wobei
eine Zahl von zehn bis zwölf als zuverlässig angesehen wird [167]. Die
systematischen Prostatastanzzylinder sollten nach einem festen Schema aus den
Regionen entnommen werden. Gleichfalls muss die Entnahmezone der Prostata
angegeben werden [167]. Die Lokalisationsangaben der Stanzzylinder sind dem
untersuchenden Pathologen zu übermitteln und im histopathologischen Befund mit
anzugeben.
Zu Empfehlung 4.32 bis Empfehlung 4.35
Einsatz der antibiotischen Prophylaxe bei der Prostatabiopsie
Eine Metaanalyse von 11 eingeschlossenen Studien mit 1.753 Patienten zeigte eine
signifikante Reduktion von Infektionen durch eine Antibiotikaprophylaxe bei der
transrektalen Biopsie (RR 0,56, 95 % KI 0,40-0,77) [169].
Risikopatienten für eine erhöhte Infektionsrate bzw. Resistenzrate, bei denen also ein
Rektalabstrich zur gezielten Antibiotikaprophylaxe zu empfehlen ist, sind durch
folgende Risikofaktoren charakterisiert:
• Z.n. (rezidivierender) Prostatitis/Harnwegsinfektion [267],
• Diabetes mellitus bei erhöhtem Infektionsrisiko [267],
• Immunsuppression [268],
• Z.n. Einnahme einer Antibiose bis vor ≤ 1 Jahr,
• nach Reisen in Länder mit einer hohen Antibiotika-Resistenzlage [269].
Weitere Maßnahme zur Reduktion einer Infektion bei transrektaler Biopsie ist
transrektale Reinigung mit Povidon-Jod (Metaanalyse mit 11 Studien und 2.237
Patienten RR 0,47 (95 % KI 0,36-0,61)) [270]. Es zeigte sich in weiteren Metaanalysen
kein Unterschied in der Infektionsrate durch rektale Einläufe vor der Biopsie, beim
Nadeltyp, bei der Nadelgröße und der Durchführung eines periprostatischen
Nervenblocks/Lokalanästhesie [270]. Die drei randomisiert-kontrollierten Studien
zeigten eine niedrige Infektionsrate auch im transrektalen Arm (1,4 % vs. keine in der
transperinealen (p=0,059) [98], 0,8 % [271] und 2,6 % vs. 2,7 % (p=0,99) im
transperinealen Zugang [272]). Es ist zu vermerken, dass bei Hu et al. und Mian et al.
keine antibiotische Prophylaxe beim transperinealen Zugang und eine gezielte
antibiotische Prophylaxe nach Rektalabstrich beim transrektalen Zugang erfolgte ([98]
und [273]).
Bei der transperinealen Biopsie kann bei Nicht-Vorhandensein einer Infektion oder
Prostatitis auf eine Antibiotikaprophylaxe verzichtet werden. In einer
multizentrischen, randomisierten Nicht-Unterlegenheitsstudie (NORAPP-Studie)
wurden Patienten, die sich einer transperinealen Biopsie unterzogen, in einen Arm mit
Antibiose und einen Arm ohne perinterventioneller Antibiose randomisiert. In beiden
Armen zeigte sich kein Patient, der aufgrund einer Sepsis oder Harnwegsinfekts
innerhalb von 2 Monaten nach Biopsie aufgenommen werden musste.
Harnwegsinfekte, die keiner stationären Aufnahme bedurften, zeigte sich bei 0,36 %
(95 % KI 0,01-2,00) und 1,09 % (95 % KI 0,37-3,15) der Patienten mit bzw. ohne
4.2 Diagnostik
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
77
Antibiose. Mit einer Differenz von 0,73 % war damit die Nicht-Unterlegenheitsgrenze
von 4 % nicht erreicht [170].
Eine weitere systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zeigte keine erhöhte
Infektionsrate ohne die Verwendung einer Antibiotikaprophylaxe bei der
transperinealen Biopsie (0,05 % vs. 0,08 %; p=0,2) [171].
Obwohl dieEvidenzlevels der verfügbaren Studien stark variierten wird in den meisten
ein klinischer Nutzen (bei großer Methodenvarianz) beschrieben, insbesondere bei
der Reduktion von möglichen schweren Komplikation, bzw. einer richtigen
Antibiotikawahl (z. B. Fluorchinoloneresistenz) [274], [275], [276], [277], [278], [279].
Zu Empfehlung 4.36
Anwendung einer Anästhesie bei Prostatabiopsie
Durch eine lokal infiltrative Anästhesie (z. B. periprostatischer Block) gegenüber
Placebo oder lokal topischer Anästhesie bei der transrektalen Biopsie wird das
Schmerzempfinden reduziert [280], [172], [173], [174]. Bei der transperinealen
Biopsie ist eine lokale infiltrative Anästhesie ebenso möglich [175], [176]. Das
Schmerzempfinden ist jedoch bei der transperinealen Biopsie gegenüber der
transrektalen Biopsie erhöht (Metaanalyse mit 3 Studien RR 1,83 (95 % KI 1,27-2,65))
[177].
Zu Empfehlung 4.37 und Empfehlung 4.38
Diagnostik des Prostatakarzinoms bei familiärer Belastung
In einer retrospektiven Studie mit 692 Männern mit metastasiertem Prostatakarzinom
wurden bei 82 Männern konstitutionelle pathogene Varianten in 16 DNA-
Reparaturgenen (11,8 %) u. a. BRCA2 (37 Männer [5,3 %]), ATM (11 [1,6 %]), CHEK2
(10 [1,9 % von 534 Männern]), BRCA1 (6 [0,9 %]), RAD51D (3 [0,4 %]), und PALB2
nachgewiesen [281]. In einer prospektiven Studie mit 501 Prostatakarzinompatienten,
von denen der Großteil eine fortgeschrittene (metastasiert/kastrationsresistent/lokal
fortgeschritten) Erkrankung hatte (n= 483, 96,4 %), wurde bei 51 Patienten (10,2 %)
mindestens eine pathogene Variante in einem DNA-Reparaturgen nachgewiesen [282].
Eine Familienanamnese mit gehäuftem Auftreten von Prostatakarzinomen oder
anderen Krebsarten wie Brust- oder Dickdarmkrebs besteht bei 1/3 aller
Prostatakarzinome [283]. Man schätzt, dass erbliche Prostatakarzinome mit
hochpenetranten, konstitutionellen pathogenen Varianten in Risikogenen 5-10 % aller
Prostatakarzinom-Fälle in der Allgemeinbevölkerung ausmachen [284]. Eine
Vorstellung in einer humangenetischen Sprechstunde ist angeraten, sofern die
Kriterien für eine genetische Untersuchung eines spezifischen Tumorrisikosyndroms -
insbesondere erblicher Brust-Eierstockkrebs oder Lynch-Syndrom - erfüllt sind (siehe
auch [285], [286]).
Verschiedene internationale Empfehlungen für eine genetische Untersuchung im
Hinblick auf konstitutionelle pathogene Varianten in hochpenetranten Genen wurden
erarbeitet [287], [288], [289]. Insgesamt existieren aktuell keine validierten Kriterien
für eine genetische Testung bei Verdacht auf ein erbliches Prostatakarzinom. Bei den
meisten Studien zur Prävalenz von konstitutionellen pathogenen Varianten bei
Prostatakarzinom handelt es sich um retrospektive Studien, die sich im genetischen
Untersuchungsumfang und den untersuchten Patientenkollektiven unterschieden
[290], [291], [292], [293], [294], [281], [295], [282], [296].
4.3 Stadieneinteilung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
78
Die berichteten Prävalenzen von pathogenen Varianten variieren entsprechend bzw.
sind nur eingeschränkt vergleichbar. In einer Beobachtungsstudie von Nicolosi et al.
[290] bei 3.607 Männern mit einem Prostatakarzinom wurden pathogene Varianten
bei 620 (17,2 %) Personen nachgewiesen. Entsprechend der selbst berichteten
Familienanamnese zeigte sich jedoch, dass 229 Einzelpersonen (37 %), bei denen
einen pathogene Variante nachgewiesen wurde, keine genetische Testung angeboten
worden wäre, wenn allein die NCCN-Kriterien für familiären Brust- und Eierstockkrebs
(Version 1.2019) angewendet worden wären. In der prospektiven PROCLAIM-Studie, in
der die NCCN-Kriterien für eine genetische Testung bei Prostatakrebs (Version
2.2019) untersucht wurden, zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der
Prävalenz von konstitutionellen pathogenen Varianten bei Patienten, die die Kriterien
erfüllten (8,8 %, 43/486, 95 % KI 6,6-12 %), im Vergleich zu Patienten, die diese
Kriterien nicht erfüllten (6,6 %, 31/472, 95 % KI 4,6-9,2 %; Odds Ratio 1,38, 95 % KI
0,85-2,23); bei 42 % der Patienten (31/74, 95 % KI 31-53 %) mit pathogenen Varianten
wären bei Anwendung der entsprechenden Kriterien pathogene Varianten nicht
nachgewiesen worden [296]. In einer weiteren prospektiven Studie [297] mit einer
universellen genetischen Testung von Patienten mit verschiedenen urogenitalen
Krebserkrankungen wurde in der Subgruppe der Patienten mit Prostatakarzinom
(n=358) bei 49 Patienten (14 %) eine pathogene Variante nachgewiesen; bei
Anwendung der NCCN-Leitlinie (2020) wären 14 pathogene Varianten nicht
nachgewiesen worden (29 %) [298].
4.3 Stadieneinteilung
Zur Stadieneinteilung soll die aktuelle UICC-Klassifikation herangezogen werden
[299]. Die Stadien T1-2 N0 M0 werden unter der Bezeichnung lokal begrenztes
Prostatakarzinom zusammengefasst. Das lokal fortgeschrittene Prostatakarzinom
umfasst die Stadien T3-4 N0 M0. Die Stadien N1und/oder M1 werden als regional
bzw. fern metastasiertes Prostatakarzinom bezeichnet.
Die Einteilung nach D’Amico [300] bildet die Grundlage für die therapeutischen
Empfehlungen seit Bestehen der S3-Leitlinie Prostatakarzinom. Der Hintergrund
hierfür ist, dass diese Klassifikation in den älteren randomisierten Studien der
Strahlentherapie durch die RTOG und ESTRO die Grundlage für die
Stratifikationsmerkmale bildete.
Für die lokale Tumoreinteilung bildete die manuelle Palpation die Grundlage; für die
Bildgebung wurden lediglich die Computertomographie und die Skelettszintigraphie
eingesetzt. Auf dieser Grundlage wurde in die Risikogruppen low (niedrig),
intermediate (intermediäres Risiko) und high risk (Hochrisiko) eingeteilt (siehe
Tabelle). Parallel zu dieser Klassifikation wurden die Klassifikationen nach NCCN und
der EAU entwickelt und in die klinische Routine eingeführt.
Diese drei Stadieneinteilungen stimmen jedoch in bestimmten Definitionskriterien
nicht überein. So wird z.B. bei der NCCN-Einteilung das intermediäre Risikoprofil in
das sog. „günstige“ und das „ungünstige“ Risikoprofil aufgeteilt. Dazu wurden
zusätzliche Parameter entwickelt (z. B. Gleason-Score 3+4 und 4+3 – entsprechend
ISUP 2 und 3, aber auch das Tumorvolumen gemessen an der Anzahl positiver
Biopsien).
Zusätzlich unterscheidet die NCCN die Gruppe „high risk“ und „very high risk“, wobei
z. B. die „high risk-Gruppe“ der „high risk-Gruppe“ von D’Amico ähnelt, die „very high
risk-Gruppe“ jedoch weiter differenziert, mit mindestens zwei der Faktoren cT3/cT4,
4.3 Stadieneinteilung
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79
ISUP 4 oder 5 sowie PSA > 40 ng/ml. Diese Patienten finden sich nach D’Amico in der
„high risk-Gruppe“ bzw. sind in dieser Klassifikation nicht abgebildet (cT3/cT4).
Zusätzlich wurde die EAU-Klassifikation entwickelt, die nach lokal begrenztem
Prostatakarzinom und lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom unterscheidet, wobei
das lokal fortgeschrittene Prostatakarzinom das Tumorstadium cT3/4 oder cN+,
basierend auf der digitalen rektalen Untersuchung oder bei cN+ basierend auf der
CT/Knochenszintigraphie umfasst.
Das cT2c-Stadium wird bei der EAU und bei D’Amico als „high risk“ klassifiziert, in der
NCCN werden diese Patienten jedoch dem intermediären Risiko zugeteilt. Wichtig ist
auch zu wissen, dass ab dem ungünstigen intermediären Risikoprofil bei NCCN für
die Stadieneinteilung auch die PSMA-PET/CT und/oder die
Magnetresonanztomographie herangezogen werden kann.
Neu Eingang in die EAU-Leitlinien haben die Cambridge Prognostic Groups (CPG)
gefunden, die die Prostatakrebs-bedingte Sterblichkeit sehr gut voraussagen, aber
noch selten in prospektiven klinischen Therapiestudien eingesetzt werden [301],
[302].
Diese unterschiedlichen Klassifikationen, die allesamt in Leitlinien eingesetzt werden,
führen zu erheblichen Problemen, die Therapieempfehlungen der deutschen S3-
Leitlinie auf die einzelnen anderen Klassifikationen zu übertragen.
Klinisches Beispiel
Ein klinisches Beispiel verdeutlicht dies: ein Patient hat einen nicht-palpablen ISUP 3
Tumor (T1c) und einen PSA-Wert von 16 ng/ml.
Nach der Klassifizierung nach D’Amico ist das ein Patient, der dem intermediären
Risikoprofil zugeteilt wird. Das bedeutet, dass im Fall einer Strahlentherapie
zusätzlich eine antihormonelle Therapie von 4-6 Monaten empfohlen wird.
Nach NCCN fällt dieser Patient in das ungünstige intermediäre Risikoprofil. Dieser
Patient hat nun eine Multiparameter-MRT der Prostata erhalten, in der man eine
kleinvolumige Infiltration des Tumors in die Samenblasenregion nachweisen konnte
(cT3b).
Damit entspricht das Tumorstadium nicht mehr dem intermediären Risikoprofil,
sondern bei einem cT3b-Karzinom der Gruppe „high risk“ nach NCCN oder dem lokal
fortgeschrittenen Prostatakarzinom nach EAU. Dieses würde bedeuten, dass bei
diesem Patienten nicht eine 4-6monatige ADT, sondern eine 24-36 Monate dauernde
antihormonelle Therapie eingesetzt werden soll, also wesentlich länger als bei dem
intermediären Risikoprofil verbunden mit erheblich mehr Nebenwirkungen.
Dieses Beispiel verdeutlicht die aktuell beschriebene Problematik. In der
Vergangenheit ist in den klinischen Studien zumeist die Einteilung nach D’Amico
eingesetzt worden, dieses wäre im vorliegenden Fall die klassische 4-6monatige ADT.
Es ist unbekannt, ob dieser Patient aufgrund der in der MRT beschriebenen
Samenblaseninfiltration die deutlich aggressivere Therapie benötigt.
Sicher ist, dass das Tumorvolumen eine große Rolle spielt.
4.3 Stadieneinteilung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
80
Bei der digital-rektalen Untersuchung liegt bei der Klassifikation als cT3-Karzinom ein
vom Volumen her größerer Tumor vor als wenn ein T2-Karzinom diagnostiziert
worden wäre, im vorliegenden Fall ist das Tumorvolumen aber klein(er).
Das optimale Vorgehen für die Leitlinien ist im Moment nicht eindeutig bekannt. Die
Empfehlung der S3-Leitlinie lautet deshalb, dass die Therapie der Patienten mit den
modernen Bildgebungsverfahren mehr individualisiert werden soll und die
unterschiedlichen Risikofaktoren im interdisziplinären Tumorboard individuell
gewichtet werden sollen. Hier kann dann wie in dem vorliegenden Fall gemeinsam
interdisziplinär sowohl die 4-6monatige ADT empfohlen werden wie auch die 24-
36monatige ADT. In der Zukunft kann die PSMA-PET-Bildgebung bei der individuellen
Risikoprädiktion helfen und sollte auch bei dem oben genannten Beispiel mit
berücksichtigt werden [303].
Aufgrund der aktuellen Problematik mit verschiedenen Einteilungen wurde in der
aktuellen S3-Leitlinie begonnen, die unterschiedliche Klassifikation wie oben
beschrieben deutlich zu machen, damit die einzelne Problematik nach individuellen
Tumorkriterien besser verstanden werden kann.
In der Zukunft wird die moderne Bildgebung mittels MRT und PET einen bedeutenden
und wesentlich größeren Stellenwert haben als die konventionelle Bildgebung in der
alten Eingruppierung nach D’Amico. Es ist daher richtig, diese Einteilung in den
nächsten Jahren zu verlassen.
Aufgrund der beschriebenen Unterschiede und da es insgesamt zu einer
Stadienmigration vom lokal begrenzten zum lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom
kommen kann, empfiehlt es sich, die Basis, auf der klassifiziert wird, mit anzugeben.
Ebenso soll die Art der Stagingbildgebung dokumentiert werden. In der
Vergangenheit basierte das bildgebende Staging auf konventioneller Bildgebung, die
jedoch einer PSMA-PET Untersuchung bezüglich Sensitivität und Spezifität unterlegen
ist [304]. Durch die bessere Testgüte der PSMA-PET kommt es ebenfalls zu
Stadienverschiebungen. Deren Auswirkungen sind noch nicht abschließend
beurteilbar, scheinen aber die Vorhersage des Gesamtüberlebens eher zu verbessern
[303].
4.3 Stadieneinteilung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
81
Tabelle 9: Risikogruppen nach D’Amico (D’Amico AV et al. 1998)
Das lokal begrenzte Prostatakarzinom wird nach D´Amico et al. 1998 bezüglich der
Entwicklung eines Rezidivs in Risikogruppen eingeteilt [300]:
Niedriges Risiko PSA ≤10 ng/ml und ISUP-Grad 1 (Gleason-Score 6)
und cT-Kategorie 1c, 2a.
Intermediäres (im Folgenden: mittleres) Risiko PSA >10 ng/ml - 20 ng/ml oder ISUP-Grad 2 oder
3 (Gleason-Score 7) oder cT-Kategorie 2b.
Hohes Risiko PSA > 20 ng/ml oder ISUP-Grad ≥4 (Gleason-Score
≥8) oder cT-Kategorie 2c [300], [305],
Tabelle 10: Risikogruppeneinteilung (nach NCCN 1.2025; eigene Übersetzung)
Risikogruppe Klinische und pathologische Faktoren
Sehr niedrig Erfüllt alle der folgenden Kriterien:
• cT1c
• ISUP-Grad 1
• PSA <10 ng/mL
• <3 positive Biopsiezylinder, ≤50 % Tumorinfiltration je Zylinder
• PSA-Dichte <0,15 ng/mL/g
Niedrig Erfüllt alle der folgenden Kriterien, aber nicht die Voraussetzungen für
ein sehr niedriges Risiko
• cT1-cT2a
• ISUP-Grad 1
• PSA <10 ng/mL
Intermediär Erfüllt alle der
folgenden Kriterien:
• Keine
Hochrisikofaktor
en
• Keine sehr hohen
Risikofaktoren
• Erfüllt ≥1
intermediären
Risikofaktor:
o cT2b-
cT2c
Günstig
intermediär
Erfüllt alle der folgenden
Kriterien:
• 1 intermediärer
Risikofaktor
• ISUP-Grad 1 oder 2
• <50 % positive
Biopsiezylinder (z. B. <6
von 12 Stanzen)
Ungünstig
intermediär
Erfüllt ≥1 der folgenden
Kriterien:
• 2 oder 3 intermediäre
Risikofaktoren
4.3 Stadieneinteilung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
82
Risikogruppe Klinische und pathologische Faktoren
o ISUP-Grad
2 oder 3
o PSA 10-
20
ng/mL
• ISUP-Grad 3
• ≥50 % positive
Biopsiezylinder (z.B. ≥6
von 12 Stanzen)
Hoch Erfüllt ≥1 Hochrisikofaktor, aber nicht die Kriterien für ein sehr hohes
Risiko:
• cT3-cT4
• ISUP-Grad 4 oder 5
• PSA >20 ng/mL
Sehr hoch Erfüllt mindestens zwei der folgenden Kriterien:
• cT3-cT4
• ISUP-Grad 4 oder 5
• PSA >40 ng/mL
Quelle: [306]
Tabelle 11: EAU-Risikoeinteilung für das lokal begrenzte und lokal fortgeschrittene
Prostatakarzinom (nach EAU Guideline, LIMITED UPDATE APRIL 2024)
Definition
Niedrigrisiko Intermediäres Risiko Hochrisiko
PSA <10 ng/ml
und ISUP Grad 1
und cT1-2a*
PSA 10–20 ng/ml
oder ISUP Grade 2
oder 3
oder cT2b*
PSA >20 ng/ml
oder ISUP Grade 4
oder 5
oder cT2c*
jeder PSA-Wert
jeder ISUP-Grade
cT3-4* oder cN+**
Lokal begrenzt Lokal fortgeschritten
ISUP = International Society of Urological Pathology; PSA = prostate-specific antigen. * Basierend auf der
digital rektalen Untersuchung ** Basierend auf konventioneller Bildgebung
(CT/Knochenszintigraphie).
4.3 Stadieneinteilung
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83
Tabelle 12: Kriterien der Cambridge Prognostic Group (nach EAU 2024, eigene Übersetzung)
Cambridge Prognostic
Group (CPG)
Kriterien
1 Gleason-Score 6 (ISUP Grad 1) UND PSA <10 ng/ml UND Stadium T1-T2
2 Gleason-Score 3+4=7 (ISUP Grad 2) ODER PSA 10-20 ng/ml UND Stadium
T1-T2
3 Gleason-Score 3+4=7 (ISUP Grad 2) UND PSA 10-20 ng/ml UND Stadium
T1-T2 ODER Gleason-Score 4+3=7 (ISUP Grad 3) UND Stadium T1-T2
4 Ein Hochrisikofaktor: Gleason-Score 8 (ISUP Grad 4) ODER PSA >20 ng/ml
ODER Stadium T3
5 Jegliche Kombination aus Gleason-Score 8 (ISUP Grad 4), PSA >20 ng/ml
ODER Stadium T3 ODER Gleason-Score 9-10 (ISUP Grad 5) ODER Stadium
T4
Quelle: [307]
4.39 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
A
Zur Bestimmung der klinischen T-Kategorie sollen der digital-rektale
Untersuchungsbefund und die Magnetresonanztomographie herangezogen
werden.
Evidenzlevel
2-
[308], [309]
Starker Konsens
4.40 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2025
EK
Patienten mit Tumorkategorie cT1 und low-risk-Parametern sollen nach
Magnetresonanztomographie vor Biopsie keine bildgebenden Untersuchungen
zum Staging (Skelettszintigrafie, Computertomographie, Positronen-Emissions-
Tomographie/Computertomographie) erhalten.
Starker Konsens
4.3 Stadieneinteilung
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84
4.41 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2025
EK
Für Patienten mit günstigem intermediärem Risiko (favorable intermediate risk)
besteht ein geringes Risiko für Metastasen. Daher sollte von einer weiteren
Ganzkörper-Staging-Bildgebung abgesehen werden.
Starker Konsens
4.42 Evidenzbasiertes Statement modifiziert 2025
Evidenzlevel
1+, 2-
Die PSMA-PET-Bildgebung hat eine höhere Genauigkeit für den Nachweis von
Prostatakarzinom-Metastasen als die Kombination aus Computertomographie und
Knochenszintigraphie.
[304], [303], [308], [310]
Starker Konsens
4.43 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
A
Patienten mit einem unfavorable intermediate risk oder high risk/very high risk
Prostatakarzinom sollen vor der Entscheidung über eine therapeutische
Maßnahme ein Staging erhalten.
Evidenzlevel
1+
[304], [311]
Starker Konsens
4.44 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
A
Die PSMA-PET/CT soll beim Prostatakarzinom mit Risikofaktoren für eine
Fernmetastasierung (ISUP GG ≥3 oder T-Kategorie cT3/cT4 oder PSA ≥20 ng/ml)
zur Ausbreitungsdiagnostik eingesetzt werden.
Evidenzlevel
1+, 2-
[304], [303], [310], [308]
Starker Konsens
4.3 Stadieneinteilung
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85
4.45 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
0
Nomogramme können bei nachgewiesenem Prostatakarzinom zur Einschätzung
der lokalen Ausbreitung und der Prognose herangezogen werden.
Evidenzlevel
2+
[312], [313], [314]
Starker Konsens
4.46 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2025
EK
Im Falle der Verwendung sollen extern validierte Nomogramme benutzt werden.
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 4.39
Um die lokale Tumorausbreitung zu bestimmen, sind neben den histologischen
Biopsiebefunden und der Tastuntersuchung die Ergebnisse der bereits
durchgeführten bildgebenden Primärdiagnostik zu berücksichtigen. Die Sensitivität
des bildgebenden Stagings ist nicht optimal, um ein extrakapsuläres Tumorwachstum
im Vergleich zu Operationspräparaten genau vorherzusagen (Sensitivität: MRT 61 %,
PET/CT 52 %, PET/MRT 79 %) [315]. Auch eine Samenblaseninfiltration können weder
MRT (60 %) noch PSMA-PET (62 %) gut vorhersagen [316]. Etwas bessere Daten zeigt
eine aktuelle Phase-II-Studie aus Kanada, in der aber auch weder die MRT noch eine
PSMA-1007 PET/CT das finale Tumorstadium exakt vorhersagen konnte [253]. Die
Aggressivität des Prostatakarzinoms konnte in einer Studie aus den Niederlanden für
einzelne Läsionen in der PSMA-PET besser dargestellt werden [317], aber die
Sensitivität zur Detektion eines organüberschreitenden Wachstums war für MRT wie
für PSMA-PET gering (<60 %). Diese Ergebnisse zum Primärstaging durch PSMA-PET
wurden inzwischen in einer Metaanalyse bestätigt [254].
Zu Empfehlung 4.40 bis Empfehlung 4.44
Staginguntersuchungen werden risikoadaptiert durchgeführt. Die oben dargestellten
prognostischen Risikogruppen nach NCCN und CPG korrelieren mit dem Auftreten
von Metastasen. Das Stadium des intermediären Risikos wird daher nicht mehr
zusammengefasst, sondern entsprechend nuanciert betrachtet [311] (siehe Tabelle
10).
Ebenso ist es sinnvoll Gruppen des hohen und sehr hohen Risikos zu differenzieren
[318] (siehe Tabelle 13).
4.3 Stadieneinteilung
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86
Die PSMA-PET-Bildgebung ist seit der proPSMA-Studie der Referenz-Standard für das
Ganzkörperstaging. Eine systematische Literaturrecherche aus dem Jahr 2021 ergab
eine randomisierte Studie sowie mehrere systematische Übersichtsarbeiten (s.
Evidenztabellen), die Grundlage der Empfehlung sind. Im Jahr 2024 wurden 4 weitere
systematische Übersichtsarbeiten ergänzt.
Hofman et al. 2020 führten eine randomisierte kontrollierte Studie mit insgesamt 302
Patienten durch (ANZCTR12617000005358, proPSMA), die ein histologisch
bestätigtes, unbehandeltes Prostatakarzinom mit unfavorable intermediate oder high
risk aufwiesen und für eine kurative Behandlung mit einer radikalen Prostatektomie
oder Strahlentherapie in Frage kamen [304]. Patienten der Interventionsgruppe
erhielten zunächst eine Bildgebung mittels einer Gallium(68)-Prostataspezifisches
Membranantigen gestützten Positronenemissionstomographie/Computertomographie
(Ga-68-PSMA-11 PET/CT), Patienten der Kontrollgruppe eine konventionelle
Bildgebung mittels CT und Knochenscan [304]. Sollte die initiale Bildgebung keine N-
oder M-Metastasen aufweisen, wurde den Patienten die jeweilig andere Bildgebung
(Kontrollgruppe: erst konventionelle Bildgebung, dann ggf. Ga-68-PSMA-11 PET/CT)
angeboten. Primärer Endpunkt war die Präzision der Detektion von Metastasen in der
ersten Bildgebung (als befallene Lymphknoten im Beckenbereich (N) oder
Fernmetastasen (M)). Die Autoren berichten bei 87 Patienten (30 %) von detektierten
Metastasen (N oder M) im Rahmen der ersten Nachverfolgung (innerhalb von 21
Tagen nach Randomisierung) und einer Präzision der Detektion von 94 % (95 %
Konfidenzintervall (KI) 91-98 %) in der Interventionsgruppe gegenüber 75 % (95 % KI
68-82 %) der Kontrollgruppe. Der gesteigerten Präzision zugrunde lagen Vorteile
bezüglich Sensitivität und Spezifität für die PSMA-PET/CT [304] (siehe Tabelle 14). Die
PSMA-PET war mit einem hohen „ interobserver-Agreement “ und weniger unklaren
Befunden als die konventionelle Bildgebung vergesellschaftet (7 % vs. 23 %). Weitere
Ergebnisse zu den sekundären Endpunkten finden sich in der begleitenden
Evidenzzusammenfassung.
Die Ergebnisse werden durch die in den systematischen Übersichtsarbeiten
zusammengefasste Evidenz unterstützt [319], [320], [321], [322]. Insgesamt lässt
sich eine höhere Genauigkeit für die PSMA-PET/CT gegenüber der konventionellen
Bildgebung konstatieren. Der alte Standard der Knochenszintigraphie ist der PSMA-
PET/CT deutlich unterlegen und wird daher zum Primärstaging von Patienten mit
lokal begrenzten Tumoren höheren Risikos vor kurativ intendierter Therapie nicht
mehr empfohlen (Fläche unter der Kurve (area under the curve, AUC) PSMA/PET 0,99
vs. 0,88 für die Knochenszintigraphie) [323]. Bei metastasierten Patienten ist die
Knochenszintigraphie derzeit noch Bestandteil der PCWG3-Kriterien [324], die im
Verlauf für den Nachweis eines Therapieansprechens bzw. einer Progression wichtig
sind. Die PCWG4-Kriterien sind zum Zeitpunkt der Überarbeitung dieses Kapitels noch
nicht konsentiert.
Für die PSMA/PET-Bildgebung werden mittlerweile zahlreiche verschiedene Tracer
eingesetzt, die sich in Details wie Halbwertszeit und Exkretionsmuster unterscheiden,
insgesamt aber alle vergleichbar sind, wenn sie qualitätsgesichert entsprechend
geltender Leitlinien durchgeführt und von erfahrenen Untersuchern befundet werden
[325], [326], [327], [328]. Ergänzend muss erwähnt werden, dass für den
überwiegend hepatisch ausgeschiedenen Tracer 18F-PSMA 1007 zunehmend
unspezifischer Knochenuptake beschrieben wird, der bei wenig erfahrenen Befundern
zu falsch positiven Befunden führen kann [329], [330], [331]. Für die standardisierte
Befundung werden die PROMISE-Version-2-Kriterien empfohlen [331] (siehe Abbildung
4.3 Stadieneinteilung
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87
4). Nomogramme, die auf PROMISE basieren, korrelieren mit dem Gesamtüberleben
[303], [332] (siehe Abbildung 5).
Tabelle 13: Häufigkeit der Risikoklassen und Anzahl notwendiger Bildgebungen nach
Klassifikationssystem (PSMA-PET/CT; n = 2.630 Männer) (nach Luining 2024; eigene
Übersetzung)
Risikoklasse Metastasierung/
Anzahl
notwendiger
Bildgebung (NNI)
Abkürzung NCCN CPG
Günstiges
intermediäres
Risiko, n (%)
86 (3,3) 160 (6,1)
Keine Metastasen 81 (94,2) 149 (93,1)
Jegliche
Metastasen
5 (5,8) 11 (6,9)
miN0M0 3 (60,0) 6 (54,5)
miN0-1M1 2 (40,0) 5 (45,5)
NNI 17 15
Ungünstiges
intermediäres
Risiko, n (%)
614 (23,3) 554 (21,1)
Keine Metastasen 537 (87,5) 481 (86,8)
Jegliche
Metastasen
77 (12,5) 73 (13,2)
miN0M0 36 (46,8) 34 (43,8)
miN0-1M1 41 (53,2) 39 (53,4)
NNI 8 8
Hohes Risiko, n
(%)
678 (25,8) 657 (25,0)
4.3 Stadieneinteilung
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88
Risikoklasse Metastasierung/
Anzahl
notwendiger
Bildgebung (NNI)
Abkürzung NCCN CPG
Keine Metastasen 526 (77,6) 520 (79,1)
Jegliche
Metastasen
152 (22,4) 137 (20,9)
61 (40,1) 56 (40,9)
miN0-1M1 91 (59,9) 81 (59,1)
NNI 5 5
Sehr hohes
Risiko, n (%)
1.046 (39,8) 1.128 (42,8)
Keine Metastasen 399 (38,1) 456 (40,4)
Jegliche
Metastasen
647 (61,9) 672 (59,6)
124 (19,2) 132 (19,6)
miN0-1M1 523 (80,8) 540 (80,4)
NNI 2 2
CPG = Cambridge Prognostic Group; mi = Molekularbildgebung; NCCN = National
Comprehensive Cancer Network; NNI = Anzahl der notwendigen Bildgebungen; PET/CT =
Positronen-Emissions-Tomographie/Computertomographie; NNI wurde für das Vorhandensein
von metastatischen Erkrankungen auf PSMA-PET/CT berechnet. [311]
4.3 Stadieneinteilung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
89
Abbildung 3: Gesamtüberleben und Metastasen-freies Überleben nach Risikoklassifikation
(nach Ravi 2024)
Quelle: European Urology; Copyright Clearance Center’s RightsLink® service; Elsevier 18.10.2024 [318]
4.3 Stadieneinteilung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
90
Tabelle 14: Diagnostische Präzision bei der Detektion von Metastasen (primärer Endpunkt)
Zuerst PSMA-PET/CT
(Interventionsgruppe)
Zuerst konventionelle Bildgebung
(Kontrollgruppe)
Richtig positiv 34 18
Falsch positiv 2 9
Falsch negativ 6 29
Richtig negativ 103 94
Sensitivität (95 % KI) 85 % (74 %-96 %) 38 % (24 %-52 %)
Spezifität (95 % KI) 98 % (95 %-100 %) 91 % (85 %-97 %)
Präzision (95 % KI) 94 % (91 %-98 %) 75 % (68 %-82 %)
AUC (95 % KI) 92 % (88 %-95 %) 65 % (60 %-69 %)
AUC = Fläche unter der Kurve, KI = Konfidenzintervall
Quelle: [304],
4.3 Stadieneinteilung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
91
Abbildung 4: Lokalisation des Prostatakarzinoms und der Metastasen nach PROMISE Version
2 (nach Seifert 2023)
Quelle: European Urology; Creative-Commons-CC-BY-Lizenz [331]
4.3 Stadieneinteilung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
92
Abbildung 5: Beispiele für PSMA-PET PROMISE Nomogramme zur Vorhersage des
Gesamtüberlebens (nach Karpinski et al. 2024)
Quelle: The Lancet Oncology; Creative Commons CC-BY-Lizenz [303]
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 4.45 und Empfehlung 4.46
Zur Einschätzung der lokalen Ausbreitung sowie für die Abschätzung des Risikos
einer lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Erkrankung und der Höhe des
Rezidivrisikos können Nomogramme verwendet werden, von denen exemplarisch die
folgenden extern Validierten genannt sind [312], [314], [313]:
• Initiale Risikostratifizierung anhand eines Punktesystems, welches die
Prostatakrebs-bedingte Sterblichkeit vorhersagt: STAR-CAP [333], [334]
• Abschätzung der Wahrscheinlichkeit einer lymphogenen Metastasierung:
Briganti Nomogramm von 2019 [335], [336]
• Seitenspezifische Abschätzung des Risikos eines extrakapsulären
Tumorwachstums [337].
Die empfehlungsstützenden Quellen werden in der Version 5.1 dieser Leitlinie [78]
sowie im dazugehörigen Evidenztabellendokument [79] ausführlich besprochen.
5.1 Allgemeine Grundsätze
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
93
5 Pathologisch-anatomische Diagnostik
Das folgende Kapitel gliedert sich in Teile:
• Allgemeingültige Grundsätze für die Handhabung von Gewebeproben;
• Spezielle Aspekte für Stanzbiopsien, Präparate radikaler Prostatektomien
(einschl. Lymphadenektomien), transurethrales Resektionsmaterial (TUR)
sowie die enukleierte noduläre Hyperplasie (sogenannte
Adenomektomiepräparate);
• Prognostische Faktoren;
• Wissenschaftliche Untersuchungen der Gewebeproben.
5.1 Allgemeine Grundsätze
5.1.1 Erforderliche klinische Angaben und Entnahme von
Gewebeproben
5.1 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2024
EK
• Dem Pathologen sollen folgende Angaben übermittelt werden:
Patientendaten, Art der Entnahme (z. B. Stanzbiopsie, radikale
Prostatektomie, transurethrale Resektion, Enukleation),
Entnahmelokalisation der Gewebeproben sowie weitere relevante klinische
Informationen (PSA-Werte, Ergebnisse der digitalen rektalen Untersuchung
und bildgebender Verfahren (PI-RADS), vorausgegangene
antiandrogene/hormonablative Behandlung, lokale Vorbehandlung).
• Das Prostatektomiepräparat soll ohne vorherige Gewebsentnahme an den
Pathologen übersandt werden, um Artdiagnose des Tumors, Bestimmung
der pT-Kategorie und Beurteilung des Resektionsrands nicht zu
beeinträchtigen.
• Für Gewebsentnahmen im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen
siehe Empfehlung Empfehlung 5.24.
• Die Fixierung soll in einem ausreichenden Volumen vierprozentiger
wässriger Formaldehydlösung (gepuffert) erfolgen (Volumen: Gewebe
mindestens 3: 1).
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 5.1
Voraussetzung für die optimale pathomorphologische Diagnostik ist die gute
Kooperation zwischen Urologen und Pathologen. Das Operationspräparat soll im
Operationssaal in die Fixierlösung verbracht werden. Das Prostatektomiepräparat soll
ohne vorherige Gewebsentnahme an den Pathologen übersandt werden, sofern keine
konkrete gemeinsame Absprache (z. B. intraoperativer Schnellschnitt o. ä.) vorliegt.
Für die Dokumentation der entnommenen Gewebeproben hat sich eine
standardisierte Form der Berichterstellung, wie sie von der International Collaboration
on Cancer Reporting (ICCR) bereitgestellt wird, als hilfreich erwiesen [338]. Deren
5.1 Allgemeine Grundsätze
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
94
Einsatz wird von Klinikern aufgrund der größeren Klarheit und Vollständigkeit der
Befunde begrüßt [339].
5.1.2 Histopathologische Karzinomdiagnose und
Differenzialdiagnose
5.2 Konsensbasierte Empfehlung geprüft 2024
EK
Zur Diagnose des azinären Adenokarzinoms der Prostata sind in der Regel
folgende histomorphologische Kriterien erforderlich: 1. Architekturstörungen + 2.
Kernatypie + 3. Ausschluss einer benignen Läsion.
• Sind nur zwei der genannten Kriterien vorhanden, sollte die Diagnose
atypischer Drüsen bzw. einer sogenannten atypischen mikroglandulären
Proliferation („atypical small acinar proliferation – ASAP“) oder „atypical
glands suspicious for prostate cancer – ATYP“ gestellt werden.
• Zum Nachweis des Fehlens von Basalzellen sollten in unklaren Fällen
geeignete immunhistochemische Färbungen durchgeführt werden.
Starker Konsens
5.3 Konsensbasierte Empfehlung geprüft 2024
EK
In Fällen mit konventionell-morphologisch eindeutig benignen oder malignen
Läsionen soll keine Immunhistochemie durchgeführt werden.
Starker Konsens
5.4 Konsensbasierte Empfehlung geprüft 2024
EK
In den Fällen, in denen mit konventionell-morphologischen Methoden die Dignität
einer Läsion nicht eindeutig festzustellen ist, soll eine immunhistochemische
Abklärung mit ein oder zwei Basalzellmarkern erfolgen. Zusätzlich können
Positivmarker des Prostatakarzinoms eingesetzt werden.
Starker Konsens
5.5 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2024
EK
Das Prostatakarzinom soll gemäß der aktuellen WHO-Klassifikation histologisch
typisiert werden.
Starker Konsens
5.1 Allgemeine Grundsätze
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
95
5.6 Konsensbasierte Empfehlung geprüft 2024
EK
Bei Vorliegen einer prostatischen intraepithelialen Neoplasie (PIN) soll im
histopathologischen Befund nur die „High-Grade-PIN“ erwähnt werden, mit einem
zusätzlichen Hinweis auf ein uni- oder multifokales Auftreten.
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 5.2 bis Empfehlung 5.6
In Fällen mit konventionell-morphologisch eindeutig benignen oder malignen
Läsionen soll keine Immunhistochemie durchgeführt werden. Folgende
immunhistochemische Marker stehen zur Diagnose des gewöhnlichen Karzinoms bei
Zweifeln zur Verfügung:
• p63, CK5/6, CK34bE12 (immunhistochemische Färbungen mit
Basalzellmarkern): Zum Nachweis des Fehlens von Basalzellen in unklaren
Fällen und in den Fällen, in denen mit konventionell-morphologischen
Methoden die Dignität einer Läsion nicht eindeutig festzustellen ist [340],
[341], [342], [343]. Der Einsatz der Immunhistochemie zur Bestimmung der
Dignität ist an eine enge Korrelation mit der Morphologie gebunden, die
Immunhistochemie allein erlaubt keine Einordnung der Dignität.
• Alpha-methylacyl-CoA Racemase (AMACR): Als "molekularer Neoplasiemarker"
für das Prostatakarzinom in der Diagnostik schwieriger Fälle [344].
• PSA, Prostein, NKX3.1, ERG, PSP, SPP, Androgenrezeptor, HOXB13 [345]:
Nachweis der Herkunft aus der Prostata [346], [347], [348], [349], [345].
• Colon CK20+/CK7-/CDX2+, Urothel CK7(+) und CK20(+), GATA3+, Uroplakin
2+, p63+: Marker für differentialdiagnostisch erwogene Tumoren [350],
[351].
• Als gewöhnliches Prostatakarzinom wird das (epitheliale) azinäre
Adenokarzinom bezeichnet, das die überwiegende Mehrzahl der
Prostatakarzinome ausmacht. Die aktuelle WHO-Klassifikation von 2022 führt
weiterhin seltene und besonders differenzierte Prostatakarzinome, welche in
Subtypen (Siegelring-ähnlich, sarkomatoid, Ppleomorph-riesenzellig und PIN-
artig) und azinäre Karzinome mit ungewöhnlichen histologischen Mustern
(atrophisch/abberrant p63-positiv, pseudohyperplastisch, mikrozystisch,
schaumzellig und muzinös) unterschieden werden [352]. Daneben gibt es
gutartige und atypische Läsionen, die von Prostatakarzinomen abgegrenzt
werden müssen (prostatische intraepitheliale Neoplasie – „PIN“, adenomatöse,
cribriforme, postatrophe Hyperplasie, sklerosierende Adenose, nephrogenes
Adenom, Verumontanum-Drüsen-Hyperplasie, Samenblasenepithel, Cowper-
Drüsen etc.).
Bei Patienten mit der Diagnose „ASAP“ wird die Rate an invasiven Karzinomen bei
bioptischer Kontrolle mit 42-48 % angegeben [257], [258]. Diese Daten aus der prä-
MRT-Ära sind mittlerweile allerdings zu hinterfragen, hier scheint die
Karzinomdetektionsrate etwas niedriger zu liegen [353]. Die sogenannten PIN-Läsion
(prostatische intraepitheliale Neoplasie) wurde lange in eine „Low-Grade“- und eine
„High-Grade“-PIN-Läsion unterteilt [354], [355]. Nur die „High-Grade“-PIN-Läsion
5.1 Allgemeine Grundsätze
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
96
(HGPIN) gilt als fakultative Vorläuferläsion und (insbesondere bei multifokalem
Auftreten in Stanzbiopsien) als Indikatorläsion des Karzinoms der peripheren Zone
[261], [356], [357], [358]. Ein systematischer Review zeigt jedoch keine wesentlich
höhere Rate invasiver Karzinome bei Kontrollbiopsie im Vergleich zu Patienten mit Re-
Biopsie nach benigner Diagnose. Im Median wurden in 24,1 % der Fälle ein invasives
Karzinom diagnostiziert [260]. Die Reduktion der invasiven Karzinome bei Re-Biopsie
in jüngerer Zeit wird auf die höhere Zahl entnommener Gewebeproben bei der
Erstbiopsie zurückgeführt. Bei ausgedehnter High-Grade-PIN (Nachweis in mindestens
vier Gewebeproben) erhöht sich jedoch das Risiko auf 39 % (Angabe aus einer
retrospektiven Fallserie), sodass in diesem Fall ebenfalls eine Re-Biopsie empfohlen
wird [261]. Eine cribriforme HGPIN gibt es nicht mehr, sie gilt als Manifestation einer
höhergradigen intraduktalen Läsion und wird, je nach Ausprägung, als atypische
intraduktale Proliferation (AIP) oder intraduktales Karzinom der Prostata (IDC-P)
bezeichnet [352].
Zu ASAP und High-Grade-PIN siehe auch Kapitel 4.3 „Stanzbiopsie der Prostata“.
5.1.3 Grading
5.7 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2024
EK
Bei der Angabe des Tumorgrades soll die Angabe des Gleason-Scores nach
aktueller ISUP/WHO-Klassifikation erfolgen.
Starker Konsens
5.8 Konsensbasierte Empfehlung neu 2024
EK
Eine intraduktale Tumorkomponente (IDC-P nach WHO-Definition) soll in der
Diagnose erwähnt werden.
Starker Konsens
5.9 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2025
EK
Bei einem Gleason-Score von 7 (WHO/ISUP Graduierungsgruppen/Grade Groups 2-
3) sollen cribriforme Tumorkomponenten im Kommentar erwähnt werden.
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 5.7 bis Empfehlung 5.9
Für die Graduierung des gewöhnlichen Prostatakarzinoms hat sich weltweit das
Gleason-Graduierungssystem (Gleason-Score) entsprechend der Konsensuskonferenz
5.1 Allgemeine Grundsätze
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
97
der ISUP von 2005 durchgesetzt, das nach den Novellierungen 2014 und 2019
inzwischen nach einer überarbeiteten Version angewandt wird [359].
Der Gleason-Score ist nicht anzuwenden bei: konservativ vortherapiertem
gewöhnlichem Karzinom, adenosquamösem und kleinzelligem Karzinom,
Plattenepithelkarzinom, Urothelkarzinom sowie Basalzellkarzinom.
Das intraduktale Karzinom der Prostata (IDC-P), in der WHO 2016 erstmals aufgeführt,
ist durch das Vorhandensein von Tumorzellen in den Drüsen- und Gangstrukturen der
Prostata gekennzeichnet. Die diagnostischen Kriterien, die die WHO 2016 aufgestellt
hat, wurden in der aktuellen Revision etwas aufgeweicht und es wurde zusätzlich für
intraduktale Läsionen, die zwischen einer HGPIN und einem zweifelsfreien IDC-P
liegen, die Kategorie der atypischen intraduktalen Proliferation (AIP) geschaffen [352].
Das Vorhandensein von intraduktalem Karzinom ist häufig mit höheren Gleason-
Scores, fortgeschrittenem Tumorstadium und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von
Metastasen verbunden, es ist auch ein unabhängiger prognostischer Marker für die
Erkrankungsprogression (siehe Übersicht [360]). Auch können Tumoren mit
intraduktalen Karzinom-Komponenten eine Resistenz gegenüber Therapien bzw.
einen aggressiveren molekularen Phänotyp mit Mutationen in Genen der homologen
Rekombination oder des MMR-Systems aufweisen, was die Identifizierung dieses
histologischen Merkmals für die Behandlungsplanung entscheidend macht [361],
[362], [363], [364]. Aufgrund seiner Verbindung mit einem aggressiveren
Krankheitsverlauf stellt es eine Kontraindikation für eine aktive Überwachung dar. Der
pathologische Befund sollte daher zum Vorhandensein eines IDC-P Stellung nehmen.
Als weiteres histologisches Muster von Bedeutung sind cribriforme Tumoranteile in
den letzten Jahren erkannt worden [365], [366], [367]. Cribriforme (d. h. siebförmige)
Tumorbestandteile können sowohl in invasiven also auch in intraduktalen
Tumoranteilen vorkommen – dies kann ohne Immunhistochemie oft nicht zuverlässig
unterschieden werden, was aber für die Diagnostik nur begrenzt relevant ist, da beide
Komponenten gleichermaßen prognostisch ungünstig sind [368], [369], [370] und
dies in die Graduierungsregeln der ISUP 2019 aufgenommen wurde [359]. Bei der
Diagnostik cribriformer Drüsen gibt es derzeit noch erhebliche Untersucher-
abhängige Unterschiede, aber auch Versuche, die diagnostischen Kriterien strenger
zu fassen [371], [372], [373].
In der aktuellen TNM-Klassifikation werden für die pT2-Kategorie keine
Unterkategorien mehr definiert [299]. Auch die prognostische Wertigkeit des
Tumorvolumens in pT2 Tumoren ist noch nicht abschließend geklärt [374]. Bis dahin
ist empfohlen, ein metrisches Maß für die Tumorgröße anzugeben (z. B.
Tumorvolumen, maximaler Durchmesser des Indextumors, Ratio positiver Blöcke
(bezogen auf Gesamtzahl der Blöcke der transversalen Scheiben), prozentualer
Tumorbefall) [375], [376].
5.2 Spezielle Aspekte für verschiedene Gewebepräparate
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
98
5.2 Spezielle Aspekte für verschiedene
Gewebepräparate
5.2.1 Stanzbiopsie
5.10 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2024
EK
Jede Gewebeprobe soll eindeutig einer Lokalisation zuzuordnen sein.
Vom Pathologen sollen Anzahl und Länge der Gewebeproben bestimmt werden.
Die Stanzzylinder sollen flach und in der gesamten Länge eingebettet und in
Stufenschnitten aufgearbeitet werden (mindestens drei repräsentative
Schnittstufen pro Paraffinblock).
Starker Konsens
5.11 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2024
EK
Bei positivem Karzinomnachweis sollen folgende Informationen vom Pathologen
an den Einsendenden übermittelt werden:
• Anzahl und Lokalisation Karzinom-positiver Gewebeproben;
• Quantitative Abschätzung der Tumorausdehnung (in mm);
• Gleason-Score gemäß aktueller ISUP/WHO-Klassifikation;
• wenn beurteilbar, sollen Perineuralscheideninfiltration (Pn1), eine
Kapselinfiltration, ein kapselüberschreitendes Wachstum und eine
Samenblaseninfiltration angegeben werden;
• bei gezielten Biopsien mit mehreren Stanzen aus einem bildgebenden Herd
werden diese im Gleason-Score zusammengefasst;
• bei systematischen Biopsien werden pro Stanze die Tumorausdehnung und
der Gleason-Score bestimmt.
Starker Konsens
5.12 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2024
EK
Unabhängig vom Karzinomnachweis sollen Angaben zur Repräsentativität der
Proben sowie zu PSA-relevanten Befunden (z. B. unspezifische oder
granulomatöse Prostatitis, noduläre Hyperplasie, Infarkt) gemacht werden.
Falls bei fehlendem Karzinomnachweis Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die
Biopsien nicht repräsentativ sind, soll dies im Befund angegeben werden.
Starker Konsens
5.2 Spezielle Aspekte für verschiedene Gewebepräparate
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99
5.13 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2024
EK
Nach hormonablativer/antiandrogener Therapie, Bestrahlung oder fokaler
Therapie kann ein semiquantitatives Regressionsgrading („gering, mäßig, stark“)
durchgeführt werden.
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 5.10 bis Empfehlung 5.13
Die Stanzbiopsien sollen entsprechend dem Kapitel 5.2.1 „Stanzbiopsie der Prostata“
entnommen werden (in der Regel zehn bis zwölf Gewebezylindern, je fünf bis sechs
Zylinder aus dem rechten und dem linken Prostatalappen – jeweils Apex, Mitte, Basis
lateral und medial), ggf. zusätzliche Biopsien aus klinisch oder bildmorphologisch
suspekten Arealen. Alle Proben sollen durch entsprechende Angaben lokalisiert
werden [377], (siehe Kapitel 5.2.1 „Stanzbiopsie der Prostata“). Für die
Probenentnahme ist möglichst eine Nadelgröße von 20 Gauge zu verwenden.
Prostatastanzbiopsien können zur gestreckten Fixierung (in vierprozentiger wässriger
Formaldehydlösung (gepuffert)) zum Beispiel auf Schaumstoffplättchen (oder
Filterpapier) gelegt werden.
Bei einem unklaren Biopsieergebnis: siehe Kapitel 5.2.1 „Stanzbiopsie der Prostata“.
Aus Gründen der Klarheit empfiehlt es sich für pathologische Dokumentationen und
Vergleiche auf einheitliche Grundlagen zu achten. Ein internationaler Standard zur
Befundung von Prostatakarzinomen wird (auf Englisch) von der ICCR bereitgestellt
(www.iccr-cancer.org).
Die Angaben bei positivem Karzinomnachweis umfassen die Tumorausdehnung in
jeder einzelnen Stanzbiopsie, entweder prozentual oder durch Angabe der absoluten
Länge (mm). Zeichen der Regression des Prostatakarzinoms nach
hormonablativer/antiandrogener Therapie oder Bestrahlung umfassen
Zytoplasmavakuolisierung und Kernpyknosen [378], [379], [380].
Zur Identifizierung regressiv veränderter Tumorzellen eignet sich die
immunhistochemische PSA-Färbung. Einen Vorschlag zur Quantifizierung der
Tumorregression in „gering, mäßig und stark“ haben Dhom und Degro [381]
erarbeitet. Es existiert aber kein internationaler Standard für eine
Regressionsgraduierung des behandelten Prostatakarzinoms.
5.2 Spezielle Aspekte für verschiedene Gewebepräparate
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100
5.2.2 Präparat aus radikaler Prostatektomie
5.14 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2024
EK
Folgendes Vorgehen soll bei der makroskopischen Bearbeitung eingehalten
werden:
• Prostatektomiepräparate sollen in drei Dimensionen (mm) ausgemessen
werden.
• Zur Bestimmung des minimalen Randsaums soll das Präparat ventral und
dorsal verschiedenfarbig mit Tusche markiert werden.
• Vesikale (=basale) und apikale Absetzungsflächen sollen ebenfalls mit
Tusche markiert werden. Beide Flächen sollen in Form 3-5 mm dicker
Scheiben im rechten Winkel zur Urethra abgetrennt werden.
• Die Scheiben sollen anschließend parasagittal lamelliert und eingebettet
werden.
• Die Absetzungsränder beider Samenleiter und beide Samenblasen sollen
seitengetrennt eingebettet werden.
• Das Prostatektomiepräparat soll in der transversalen Ebene in 3-5 mm dicke
Scheiben lamelliert und repräsentativ oder komplett eingebettet werden
(Großflächenschnitte oder orientiert in normalen Histologiekapseln).
Starker Konsens
5.15 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2024
EK
Bei der mikroskopischen Begutachtung sollen folgende Angaben gemacht werden:
• Angabe der Karzinomlokalisation (anatomische Zonen);
• Angabe der pT-Kategorie sowie weiterer Parameter zum Prostatakarzinom
(wie für die Stanzbiopsie);
• Wegen der prognostischen Relevanz Unterteilung der Kategorie pT3a
(Kapselüberschreitung = Tumor im Fettgewebe) nach Epstein et al. 1996
[382] in fokale Kapselpenetration (wenige Tumordrüsen unmittelbar
außerhalb der Prostata in ein bis zwei Schnitten) und etablierte
Kapselpenetration (= höheres Ausmaß der Penetration);
• Angabe zum chirurgischen Resektionsrand;
• Bei R1-Status (definiert als positiver Schnittrand) aufgrund eines nicht
tumorfreien Randsaums sollen der Ort der Randbeteiligung durch das
Karzinom (posterior, postero-lateral, anterior, apikal, proximal-vesikal,
distal-urethral), die Ausdehnung der Beteiligung (in mm), das Gleason-
Muster am positiven Schnittrandes sowie das Fehlen oder Vorhandensein
der Prostatakapsel in diesem Bereich angegeben werden.
Starker Konsens
5.2 Spezielle Aspekte für verschiedene Gewebepräparate
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101
5.16 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2024
EK
Zusätzlich zur Unterklassifikation des pT2-Karzinoms (Prostatektomiepräparat)
soll ein metrisches Maß für die Tumorgröße angegeben werden.
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 5.14 bis Empfehlung 5.16
Anatomische Grundlage für Beschreibungen und Beurteilungen der Prostata ist das
anatomische Prostatamodell nach McNeal [383], [384] mit Einteilung der Prostata
nach ihrer Embryogenese in drei Zonen: zentrale Zone (10 % der Prostatakarzinome),
Transitionalzone (15 bis 20 % der Prostatakarzinome, meist sogenannte inzidentelle
Karzinome) und periphere oder posterolaterale Zone (70 bis 75 % der
Prostatakarzinome, manifeste Karzinome).
Anatomische Besonderheiten der Prostata:
• Die sogenannte „Kapsel“ ist lediglich unscharf begrenztes fibromuskuläres
Stroma. Diagnose pT3a nur bei eindeutiger Kapselüberschreitung (Tumor im
Fettgewebe) oder bekapselte Vorbuckelung in die Ebene des Fettgewebes;
• Im Bereich von Apex, neurovaskulärem Bündel, Blasenausgang und anterior
fehlt eine „Kapsel“. Im Apexbereich und anterior Vorkommen quergestreifter
Muskulatur. Die Diagnose einer extraprostatischen Ausbreitung ist in diesen
Lokalisationen erschwert bis unmöglich. Diagnose einer Blasenhalsinfiltration
(pT3a) nur, wenn typische Harnblasendetrusormuskulatur (Muscularis
propria) infiltriert ist;
• Wegen der prognostischen Relevanz des R-Status [385], [382] und des
häufigen Vorkommens multifokaler Prostatakarzinome [386], [387], [388]
wird die vollständige Einbettung radikaler Prostatektomiepräparate häufig
empfohlen [389]. Dies kann aber, bei einer steigenden Anzahl von großen
Prostatae zu einer erheblichen Mehrbelastung der Pathologielabore führen
und der diagnostische Mehrwert gegenüber einer rationalen selektiven
Einbettung ist gering [390], [391], [392], [393], [394]. Wichtig ist, dass durch
gute Dokumentation im Bedarfsfalle (kein Tumor?) eine Nachbettung möglich
ist. Ob der minimale Randabstand in mm anzugeben ist, wurde von der
Autorengruppe kontrovers diskutiert, da dies nicht regelhaft eine
therapeutische Konsequenz nach sich zieht.
• Der tumorfreie Randsaum ist nicht gleichzusetzen mit dem R-Status, da sich
dieser auf das Vorhandensein eines Residualtumors jeder Lokalisation
bezieht (z. B. auch Fernmetastase). Bei mikroskopischem Tumorbefall des
Absetzungs-randes ist dementsprechend von einem R1-Status auszugehen,
bei makroskopischem Tumorbefall von einem R2-Status.
• Die unabhängige prognostische Relevanz des Tumorvolumens ist nicht
gesichert [395] und eine exakte Bestimmung in der Routinediagnostik nur
sehr schwer zu realisieren. Die Bestimmung des Tumorvolumens wird daher
nicht empfohlen;
• Evtl. intraoperativer Schnellschnitt bei geplanter nervenschonender radikaler
Prostatektomie [396], [397].
5.2 Spezielle Aspekte für verschiedene Gewebepräparate
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
102
5.2.3 Transurethrales Resektionsmaterial ("TUR-P") und
enukleierte noduläre Hyperplasie (sogenanntes
Adenektomiepräparat)
5.17 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2024
EK
Das Material soll gewogen werden. Es sollten mindestens zehn Kapseln
eingebettet werden.
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 5.17
Im transurethralen Resektionsmaterial oder der enukleierten nodulären Hyperplasie
wird ein inzidentelles Prostatakarzinom in 8,6 bis 15 % gefunden [398], [399], [400].
Dabei hängt die Häufigkeit inzidenter Karzinome von der Vollständigkeit der
Aufarbeitung des Materials ab [398], [401]. Eine einheitliche Empfehlung zur
Vollständigkeit der Aufarbeitung existiert aber nicht. Bei Karzinomnachweis wird eine
vollständige Aufarbeitung des Restmaterials empfohlen unter Abwägung der
klinischen Konsequenzen einer möglichen Tumordiagnose [399]. Für die sog.
Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP), bei denen mehr Gewebe
entnommen wird, wäre ein rationaler Ansatz der histologischen Gewebeaufarbeitung
wünschenswert. Köllermann et al. fanden mit durchschnittlich 10 Kapsel/Fall ein
Optimum zwischen diagnostischer Sicherheit und Ökonomie [402].
5.2.4 Regionale Lymphadenektomie
5.18 Konsensbasierte Empfehlung geprüft 2024
EK
Es sollen zur Bestimmung der Lymphknotenkategorie alle Lymphknoten
makroskopisch präpariert und dann eingebettet, untersucht und gezählt werden.
Die Lymphknoten sollen getrennt nach den angegebenen Regionen beurteilt
werden. Nach histologischer Untersuchung soll die pN-Kategorie (pN0 oder pN1)
festgelegt werden. Die Gesamtzahl und die Zahl der befallenen Lymphknoten
sowie der Durchmesser der größten Metastase sollen angegeben werden.
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 5.18
Der Lymphadenektomie kommt bei der Ermittlung der Tumorausdehnung wesentliche
Bedeutung zu. Dementsprechend sind alle makroskopisch präparierbaren
Lymphknoten vollständig einzubetten und zu untersuchen [403], [404]. Eine
vollständige Einbettung des restlichen Fettgewebes ist bei ausgewählten Fällen (high
grade Tumoren) zu erwägen, ist im Regelfalle aber entbehrlich [405], [406]. Um nach
5.3 Prognostische Faktoren für das Prostatakarzinom
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
103
Regionen getrennt beurteilen zu können, sollen die Lymphknoten getrennt nach
Regionen dem Pathologen übersandt werden. Einige Parameter der lymphogenen
Metastasierung (Mikro-/Makrobefall, kapselüberschreitendes Wachstum) bedürfen im
Hinblick auf ihre prognostische Relevanz beim Prostatakarzinom der weiteren
Klärung. So ist z. B. der prognostische Wert der kapselüberschreitenden
Tumormanifestation, der insbesondere von Radiotherapeuten für wichtig erachtet
wird, nicht abschließend geklärt. Andererseits gibt es Hinweise darauf, dass die
Metastasengröße prognostisch bedeutsamer sein kann, als die bloße Anzahl der
nodalen Metastasen [407], [408], [409].
5.3 Prognostische Faktoren für das Prostatakarzinom
5.19 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2024
EK
Für die prognostische Evaluation des radikalen Prostatektomiepräparates sollen
folgende drei histopathologische Parameter berücksichtigt werden:
• Tumor-Graduierung nach Gleason nach WHO/ISUP (entsprechend der
aktuellen Version, siehe auch Empfehlung Empfehlung 5.7);
• TNM-Kategorie (entsprechend der TNM-Klassifikation der aktuellen Auflage);
• chirurgische Resektionsränder des Karzinoms.
Starker Konsens
5.20 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2024
EK
Für die Abschätzung der Prognose aufgrund der Pathologie sollen in der
Routineversorgung keine über die Pathomorphologie hinausgehenden
weiterführenden Untersuchungen (Molekularbiologie, Immunhistochemie,
Zytometrie) durchgeführt werden.
Starker Konsens
5.21 Konsensbasierte Empfehlung neu 2024
EK
Für die Abschätzung der Prognose sollten über die Pathomorphologie
hinausgehende validierte genomische/transkriptomische Tests nur dann
durchgeführt werden, wenn deren Ergebnis die Therapieplanung ändern würde.
Starker Konsens
5.3 Prognostische Faktoren für das Prostatakarzinom
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
104
5.22 Konsensbasierte Empfehlung neu 2024
EK
Patienten mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom sollen eine
Sequenzierung von BRCA2 und 1 angeboten bekommen.
Starker Konsens
5.23 Konsensbasierte Empfehlung neu 2024
EK
Patienten mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom kann eine
immunhistochemische Untersuchung der Mismatch Repair (MMR)-Proteine im
Karzinom angeboten werden.
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 5.19 und Empfehlung 5.20
Für die Prognose des Prostatakarzinoms haben sich der Gleason-Score [410], [411],
die TNM-Kategorie sowie der R-Status des Karzinoms als klinisch relevant erwiesen
[385], [382], [412], [413], [414], [415]. Das TNM-Stadium kann, ebenso wie der R-
Status, nur gemeinsam vom Pathologen und vom Kliniker in Zusammenschau aller
verfügbaren pathohistologischen und klinischen Informationen festgelegt werden.
Der R-Status bedeutet eine Angabe über das mögliche Vorhandensein eines
Residualtumors. Vom Pathologen ist in Bezug auf den R-Status zu bestimmen, ob der
chirurgische Resektionsrand mikroskopisch tumorfrei ist. Ob Fernmetastasen oder
klinisch erkennbare Residuen vorhanden sind, muss der Kliniker mitteilen. Derzeit
sind keine prospektiv validierten, prognostisch relevanten Marker identifiziert, deren
Aussagekraft einen Einsatz von immunhistochemischen oder DNA-zytometrischen
Untersuchungen rechtfertigt [346], [416].
Zu Empfehlung 5.21
Es wurde eine systematische Literaturrecherche zu Biomarkern durchgeführt, aber
keine diesbezügliche Empfehlung ausgesprochen. Stattdessen wurde eine Ergänzung
des Hintergrundtextes vorgenommen.
Bei Biomarkern unterscheiden wir prognostische von prädiktiven. Prognostische
Biomarker helfen bei der Stratifizierung von Patienten nach dem Risiko eines
nachteiligen onkologischen Ereignisses in der Zukunft und helfen so bei der Auswahl
einer Therapie. Prädiktive Biomarker helfen, das Ansprechen auf eine spezifische
medikamentöse Therapie vorherzusagen.
Genexpressions-basierte molekulare Prognosetests können von der Histologie
unabhängige prognostische Informationen erbringen, welche im Einzelfall eine
Therapieentscheidung beeinflussen könnten [417], [418], [419]. Die derzeit am
besten validierten kommerziellen Prognosetests sind der sog. genomische
Klassifikator (GC) Decipher, der Prolaris (CCP) und der Oncotype Dx Prostate (GPS).
5.3 Prognostische Faktoren für das Prostatakarzinom
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
105
Diese Tests können bei der Entscheidung zur einer Active Surveillance Strategie
hilfreich sein [420]. Die genomische Risikoklassifikation des Prostatakarzinoms
könnte auch bei der prognostischen Bewertung einer Strahlentherapie hilfreich sein.
Prospektiv erhobene Daten liegen allerdings bislang nicht vor [421]. Beim
Prostatakarzinom ist jedoch die Tumorheterogenität bei der Bewertung des Werts der
molekularen Tests im Einzelfall zu berücksichtigen. Derzeit bleibt fraglich, ob ein
molekularer Test eine etwaig unzureichende Probenentnahme kompensieren kann
[422], [423]. Angesichts der Kosten dieser Tests, die bei weitem die üblichen
Ausgaben für die Histologie übersteigen, bleibt zu klären, ob eine zweite Biopsie mit
konventioneller Histologie und/oder eine Referenzpathologie zur Überprüfung des
Tumorausmaßes und der Gleason-Werte nicht eine kosteneffektive Alternative zu
molekularen Tests darstellt. Auch wurden die heute verfügbaren molekularen Tests
ganz überwiegend in der prä-MRT-Ära entwickelt und deren Ergebnisse bedürfen der
Überprüfung unter diesen veränderten Bedingungen.
Zu Empfehlung 5.22 und Empfehlung 5.23
Eine auf PARP-Inhibitoren basierende Therapie erwies sich als wirksam in der
Behandlung von Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem
Prostatakarzinom (mCRPC) und homologer Rekombinationsdefizienz (HRD). Die
Behandlung sollte jedoch individualisiert und an den genetischen Hintergrund der
Patienten sowie an die Wirksamkeit und Sicherheit des jeweiligen Therapieschemas
angepasst werden [424], [425], [426]. BRCA-Mutationen beim Prostatakarzinom
können sowohl Keimbahn- als auch somatische Mutationen sein [427].
Keimbahnmutationen: Diese sind vererbte Mutationen, die in den Keimzellen
(Spermien oder Eizellen) vorhanden sind und von einer Generation auf die nächste
weitergegeben werden. Personen mit einer Keimbahn-BRCA-Mutation haben ein
erhöhtes Risiko, verschiedene Karzinome einschließlich Prostatakarzinome zu
entwickeln.
Somatische Mutationen: Diese sind Mutationen, die in den somatischen Zellen des
Körpers, also außerhalb der Keimzellen, auftreten und nicht vererbt werden.
Somatische BRCA-Mutationen können im Laufe des Lebens entstehen und sind
spezifisch für die Zellen des jeweiligen Karzinoms. Im Zusammenhang mit dem
Prostatakarzinom können somatische BRCA-Mutationen in den Prostatazellen
auftreten und zur Entwicklung und Progression des Karzinoms beitragen.
Ca. 50 % der Patienten mit BRCA1/2-Mutationen im Tumor haben auch eine
Keimbahnmutation, während die andere Hälfte der Patienten eine somatische
Mutation ausschließlich im Tumor aufweist. Sowohl Keimbahn- als auch somatische
BRCA-Mutationen sind im Kontext des Prostatakarzinoms von Interesse, da sie
Auswirkungen auf Behandlungsentscheidungen haben können. Zum Beispiel kann das
Vorhandensein dieser Mutationen einen Patienten für zielgerichtete Therapien mit
PARP-Inhibitoren qualifizieren. Die Keimbahntestung, welche in der Humangenetik
erfolgt, wird in der Regel durchgeführt, um das vererbbare Risiko zu beurteilen,
während die somatische Testung, durchgeführt in Instituten für Pathologie, nach
Mutationen in den Tumorzellen sucht (aktuelle Übersicht in [428].
Die klinische Relevanz von Mismatch Repair (MMR)-Defizienz bei soliden Tumoren
liegt in ihrer Funktion als prädiktiver Marker für die Immuncheckpoint-Therapie.
Tumoren mit MMR-Defizienz zeigen eine hohe Mutationslast, was zu einer Anhäufung
von Neoantigenen führt [429]. Diese gesteigerte Immunogenität macht solche
5.4 Wissenschaftliche Untersuchungen von Gewebeproben
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
106
Tumoren anfälliger für Immuncheckpoint-Inhibitoren, insbesondere für die Blockade
von Programmed Cell Death Protein (PD-1)/Programmed Death-Ligand 1(PD-L1); dies
ist als generell gültiger biologischer Mechanismus für zahlreiche solide Tumoren
belegt worden [430]. Die Datenlage für das fortgeschrittene Prostatakarzinom ist
allerdings noch sehr eingeschränkt [431]. Dessen ungeachtet, hat die
Konsensuskonferenz der ISUP zur molekularen Testung bei urologischen Tumoren
(2019) für das metastasierte Prostatakarzinom/CRPC als Minimum eine BRCA1/2-
Sequenzierung und MMR-Immunhistochemie empfohlen [416]. Eine Kostenerstattung
für diese Testung erfolgt allerdings zur Zeit nur für die BRCA1/2-Testung.
5.4 Wissenschaftliche Untersuchungen von
Gewebeproben
5.24 Konsensbasierte Empfehlung geprüft 2024
EK
• Eine Gewebsentnahme für wissenschaftliche oder andere Untersuchungen
soll nur nach Einverständnis des aufgeklärten Patienten und Vorliegen eines
positiven Ethikvotums durchgeführt werden.
• Gewebeproben sollen vom Urologen oder vom Pathologen in gegenseitiger
Absprache entnommen werden. Entnahme und Lokalisation der
Gewebeproben sollen auf dem Einsendeschein dokumentiert werden.
• Von allen asservierten Proben soll ein konventionell gefärbter (HE) Schnitt
als Kontrolle diagnostisch ausgewertet werden.
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 5.24
Da Klassifizierung, Graduierung, korrekte TNM-Klassifikation sowie der R-Status des
Tumors wesentliche prognostische Aussagen beinhalten, soll der Pathologe in
Gewebsentnahmen für wissenschaftliche Untersuchungen direkt einbezogen werden.
Aus den gleichen Gründen ist eine pathohistologische, diagnostische Auswertung des
asservierten Gewebes (in Form von Gefrierschnitten oder konventionellen Schnitten)
erforderlich.
6.1 Therapieplanung und Aufklärung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
107
6 Therapie des lokalisierten
Prostatakarzinoms
Mit der Aktualisierung der S3-Leitlinie Prostatakarzinom auf Version 8.0 hat sich die
Leitliniengruppe entschlossen, in Anlehnung an die Europäischen Gesellschaft für
Urologie (EAU)-Leitlinie die verschiedenen Therapieoptionen in Abhängigkeit von
Risikoprofil und Tumorstadium zu gliedern.
Eine Herausforderung ist hierbei, dass sich viele ältere Studien und damit die
verfügbare Evidenz nach der Risikoklassifikation nach D’Amico [300] richten, welche
wiederum vornehmlich auf der digital-rektalen Untersuchung beruht. Heute stehen
bei der Risikokalkulation die Internationale Gesellschaft für Urologische Pathologie
(ISUP)-Klassifikation und bezüglich der lokalen Tumorausdehnung der
Magnetresonanztomographie (MR)T-Befund mehr im Vordergrund.
Die Kapitelstruktur wurde in Anlehnung an die EAU-Leitlinie gegliedert. Dabei wird
neben der D’Amico-Risikoklassifikation die klinische National Comprehensive Cancer
Network-Klassifikation in der Version 01/2025 berücksichtigt (vgl. Einleitung im
Kapitel 4.3).
6.1 Therapieplanung und Aufklärung
6.1 Evidenzbasiertes Statement geprüft 2018
Evidenzlevel
4
Aktive Überwachung (Active Surveillance) erfordert eine besonders intensive
ärztliche Beratung und Begleitung.
Expertenmeinung
Starker Konsens
6.2 Evidenzbasiertes Statement geprüft 2018
Evidenzlevel
4
Nichtkurativ intendierte palliative Strategien sind Watchful Waiting und
Androgendeprivation sowie medikamentöse, operative und
Bestrahlungsmaßnahmen zur Symptomvorbeugung und -behandlung. Folgende
Faktoren sind bei der Entscheidung ausschlaggebend und vom behandelnden
Arzt zu beachten:
• Patientenpräferenz;
• eingeschränkte Lebenserwartung durch Alter oder Komorbiditäten;
• Erkrankung mit hohem Progressionsrisiko.
Expertenmeinung
Starker Konsens
6.1 Therapieplanung und Aufklärung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
108
6.3 Evidenzbasierte Empfehlung geprüft 2018
Empfehlungsgrad
A
Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom, die für eine kurative
Behandlung in Frage kommen, sollen die unerwünschten Wirkungen und
Therapiefolgen einer sofortigen lokalen Therapie gegen das Risiko einer nicht
rechtzeitigen Behandlung im Falle einer Strategie der Aktiven Überwachung
(Active Surveillance) abgewogen werden.
Evidenzlevel
1+
[432], [433], [434]
Starker Konsens
6.4 Evidenzbasierte Empfehlung geprüft 2018
Empfehlungsgrad
B
Patienten, für die eine kurative Therapie in Frage kommt, sollte vor der
Therapieentscheidung angeboten werden, sowohl von einem Urologen als auch
von einem Strahlentherapeuten über die Vor- und Nachteile der radikalen
Prostatektomie und der Strahlentherapie aufgeklärt zu werden.
Anmerkung: Diese Empfehlung gilt auch für das lokal fortgeschrittene
Prostatakarzinom.
Evidenzlevel
4
Expertenmeinung
Starker Konsens
6.5 Evidenzbasierte Empfehlung geprüft 2018
Empfehlungsgrad
0
Komorbiditätsklassifikationen und dazugehörige Überlebensraten können zur
Entscheidungsfindung im Hinblick auf Früherkennung, Diagnostik und Therapie
des Prostatakarzinoms berücksichtigt werden. Hierzu können Charlson-Score und
ASA-Klassifikation eingesetzt werden.
Evidenzlevel
4
Expertenmeinung
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Statement 6.1
6.1 Therapieplanung und Aufklärung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
109
Die genannten Empfehlungen sollen die Kommunikation mit dem Patienten und seine
Therapieentscheidung unterstützen. Handelt es sich um einen klinisch nicht
metastasierten Tumor, müssen Arzt und Patient gemeinsam entscheiden, ob eine
lokale potenziell kurative Therapie erfolgen soll oder nicht.
Bei der Aufklärung erkennt der Arzt die Patientenautonomie an, dies entspricht dem
Good-Clinical-Practice-Prinzip.
Zu Statement 6.2
Ein systematischer Review mit Studien, die mehrere tausend Männer nach der
Diagnose Prostatakarzinom in Bezug auf Ausprägung und Umgang mit Angst
umfassten, zeigte, dass Ereignisse wie eine bevorstehende ärztliche Untersuchung
und die Kontrolle des Prostata-spezifischen Antigen (PSA)-Wertes Ängste induzierten,
die nach einem normalen Testergebnis wieder abnahmen [435]. Die mit der
wiederholten PSA-Testung verbundene Angst und die wiederholte (antizipierte oder
tatsächliche) Entscheidungssituation führen dazu, dass sich bis 10 % der Männer
unter Aktiver Überwachung (AS) einer kurativen Behandlung unterziehen, ohne dass
der Tumorverlauf diese erforderte [436]. Ob Faktoren wie aktive Informationssuche,
soziale Unterstützung und kognitive Umdeutung langfristig die Unsicherheit und
Angst reduzieren und die Lebensqualität verbessern, kann auf Basis der verfügbaren
Daten nicht beantwortet werden.
Nach einer Prostatakarzinom-Diagnose ist zu beobachten, dass ein hoher Prozentsatz
von Männern (sowohl nach radikaler Prostatektomie (RPE) als auch unter AS)
zumindest kurzfristig den Lebensstil ändert. Männer vor der Entscheidung für AS und
unter AS scheinen dabei eine besondere Patientenpopulation zu repräsentieren. Da
ein passives Abwarten mit erhöhtem Stress verbunden ist [437], kann angenommen
werden, dass Männer unter dieser Therapieoption eine noch höhere Bereitschaft als
operierte Männer haben, ihre Lebensqualität zu erhalten und ihre Krankheitsangst zu
reduzieren sowie nach ergänzenden Behandlungsoptionen zu suchen und/oder ihren
Lebensstil zu ändern (Ernährung, körperliche Aktivität, komplementärmedizinische
Maßnahmen) [438]. Mehrere Studien zeigen, dass zusätzliche Strategien wie z. B. eine
besondere Diät oder auch komplementäre Therapien am ehesten mit der Partnerin
besprochen werden (z. B. [439]. Von den Männern werden die Partnerinnen als
wichtigste Unterstützungsquelle genannt (vgl. auch van den Bergh et al. [440], [441]).
Aus den vorliegenden Daten kann geschlossen werden, dass das abwartende
Verhalten für die Patienten häufig schwierig ist. Die Haltung „aktiv“ zu werden ist
international anerkannt. Oft besteht dieser Wunsch auch bei den Familienangehörigen
und dem sozialen Umfeld. Nicht zuletzt mangelt es an ärztlicher Unterstützung der
Patienten unter Aktiver Überwachung [442]. Fragebogenuntersuchungen in einer
Gruppe von Patienten mit Aktiver Überwachung zeigten im Vergleich zu Gesunden
nur wenig mehr Distress, Angst und Depression maximal sechs Monate nach der
Diagnose. Im Zeitverlauf wurden die Werte allerdings schlechter [443], [444].
Beherrschendes Thema ist vor allem die Unsicherheit und Angst vor unkontrolliertem
Tumorwachstum, die zu den Kontrollterminen am größten ist. In qualitativen
Interviews wurde dem betreuenden Arzt der größte Einfluss auf die Entscheidung zu
Aktiver Überwachung zugeschrieben, danach wurden Angst vor Nebenwirkungen bei
aktiver Therapie genannt [438], [444], [445]. Im Zeitverlauf zeigt sich aber auch, dass
ein sehr großer Einfluss des Arztes bei der Entscheidung negativ sein kann [444]. Der
behandelnde Arzt sollte ein offenes Ohr für die individuellen Informationsbedürfnisse
des Patienten haben und dafür geschult sein, mit ihm Strategien zur Bewältigung der
6.1 Therapieplanung und Aufklärung
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
110
Unsicherheit einzuüben [446]. Daten aus Querschnittsstudien/Fall-Kontroll-Studien
zeigen keine schlechtere Lebensqualität von Patienten mit Aktiver Überwachung im
Vergleich zu Patienten mit Strahlentherapie und/oder hormonablativer Therapie
[447], [448]. Prospektiv vergleichende Daten liegen nicht vor.
Zu Empfehlung 6.3
Hier werden nicht kurativ intendierte, palliative Behandlungsstrategien betrachtet. Die
Planung einer Therapiestrategie beinhaltet stets die Abwägung von Nutzen und
Risiko. Die WW-Strategie und die palliativen Maßnahmen sind dem Patienten zu
erläutern: z. B. Hormonkaskade, Interventionen zur Blutstillung, Bestrahlung bei
Schmerzen, palliative TUR-P bei Störung der Blasenentleerung. Indikation: lokal
begrenzter, wenig aggressiver Tumor, begrenzte Lebenserwartung. Im HTA-Bericht
von Ip et al. [449] waren über 70 % dieser Patienten der T2-Kategorie zugeordnet,
Gleason ≤7, normaler Knochenscan, Alter < 75 Jahre, nur in einer Studie <85 Jahre.
Als Indikator einer Behandlung gilt der symptomatische Progress [450]. Da Gleason
≤7 als Indikator für WW genannt wird, kann indirekt daraus geschlossen werden, dass
schlecht differenzierte Tumoren sofort systemisch behandelt werden können.
Da es sich beim Prostatakarzinom um eine im Allgemeinen langsam progrediente
Erkrankung mit langen Gesamtüberlebenszeiten auch ohne therapeutische
Intervention handelt, sind die durch eine Therapie gewonnenen Lebensjahre gegen
einen Verlust an Lebensqualität durch Therapiefolgen abzuwägen. Zu erwähnen ist,
dass im reiferen Alter ein hohes Risiko einer Dekompensation der Blasenfunktion
nach lokalen Therapiemaßnahmen (Radikale Prostatektomie, Perkutane
Strahlentherapie, Brachytherapie) besteht. So berichteten 2 Jahre nach Studienbeginn
signifikant mehr Patienten nach radikaler Prostatektomie von einer Dekompensation
der Blasenfunktion als Patienten mit palliativer Therapie [451].
Auch bei einem hohen Progressionsrisiko ist ein palliatives Vorgehen möglich. Das
Progressionsrisiko soll daher in jedem Falle thematisiert und diskutiert werden.
Neben der Risikostratifizierung von D’Amico et al. 1998 [452] stehen validierte
Nomogramme zur Verfügung, die zur Abschätzung des Progressionsrisikos
herangezogen werden können (siehe Kapitel 4.3).
Die PIVOT-Studie (RCT, 2012) vergleicht radikale Prostatektomie und Watchful
Waiting bei Patienten mit überwiegend durch PSA-Screening entdecktem
Prostatakarzinom (mittl. Alter 67 Jahre) [453]. Die lange Rekrutierungszeit (1994-
2002) wird als potentielle Schwäche der Studie gesehen, da Diagnose- und
Therapieverfahren weiterentwickelt wurden. Die ursprünglich geplante Anzahl an
Probanden konnte nicht erreicht werden (geplant: 2000, rekrutiert 731 Patienten,
revidierte Powerberechnung 91 % Power für Entdeckung eines 25 %igen Unterschieds
in der Gesamtmortalität bei mittlerer Lebenserwartung von 10 Jahren). Die Zuordnung
der Todesursache „Prostatakarzinom“ kann nicht als sicher gelten [454]. Im Ergebnis
wurde für Patienten mit einem PSA-Wert 10 ng/ml (Median 15) zugunsten der RPE
(relative Reduktion um 13,2 %, HR 0,67, 95 % KI 0,48–0,94). Weiterhin wurden nach
RPE signifikant weniger Knochenmetastasen diagnostiziert (n=17, 4,7 %) als unter
Beobachtung (n=39, 10,6 %, HR 0,40; 95 % KI 0,22-0,70; p<0,001). Zu unerwünschten
Wirkungen siehe Empfehlung Empfehlung 6.4.
Zu Empfehlung 6.4
Bei Patienten mit einem low-risk Karzinom konnte keine höhere oder nur eine gering
erhöhte Sterblichkeit mit einer beobachtenden Behandlungsstrategie (WW) im
6.1 Therapieplanung und Aufklärung
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111
Vergleich zu Prostatektomie gezeigt werden [455], [456]. Dieser geringen
Überlegenheit steht das Risiko einer Übertherapie (siehe auch
Hintergrundinformationen zu Kapitel 6.2.1) mit unerwünschten Wirkungen und
Therapiefolgen gegenüber. Über diese Aspekte sollen die Patienten aufgeklärt
werden.
Aus den bisherigen zeitlich limitierten Daten ergibt sich keine schlechtere Prognose
unter Aktiver Überwachung [457]. Von 2.079 Männern der PRIAS-Studie unterzogen
sich 189 einer RPE. Für 167 Patienten waren pathologische Ergebnisse verfügbar: 71
% hatten eine günstige Histologie (definiert als pT ≤2 und GS: 3+4), 81 % einen
organbegrenzten Tumor und 86 % Gleason 6 oder 3+4.
Konkrete vergleichende Angaben zu unerwünschten Wirkungen und Therapiefolgen
der einzelnen lokal kurativen Verfahren sind aufgrund der wenigen vergleichenden
Studien problematisch. Die Nebenwirkungen sind zudem sehr unterschiedlich
definiert [458]. Toxizitätszahlen aus Fallserien sind wegen verschiedener
Patientenkollektive nicht direkt vergleichbar. Schließlich unterscheiden sich die
Zahlenwerte in Abhängigkeit davon, ob befragte Patienten oder behandelnde Ärzte
die Daten erhoben haben.
Ein Empfehlungsvorschlag mit der Nennung der Übertherapie mit den Folgen
Harninkontinenz und Erektionsstörungen nach Prostatektomie und Darmstörungen
nach Strahlentherapie wurde von der Mehrheit der Leitlinienautoren nicht
befürwortet, da die Nebenwirkungen nicht differenziert genug aufgeführt wurden,
wenngleich die Aufklärung zu diesen Aspekten als wesentlich erachtet wird.
Nachfolgend wird ein Überblick der in der Literatur am häufigsten genannten
Nebenwirkungen/Krankheitsbilder in Abhängigkeit der Therapiestrategie gegeben.
Gravierendste unerwünschte Wirkungen und Folgen der lokalen Therapie des
Prostatakarzinoms sind Sexualstörungen in Form von erektiler Dysfunktion,
Störungen der Kontinenz und Harnblasenfunktion sowie Dick- und
Enddarmbeschwerden.
Zur adäquaten Beurteilung des Ausmaßes von erektiler Dysfunktion wären
prätherapeutische Daten zum Vergleich von Interesse, da die Prävalenz von
Erektionsstörungen naturgemäß im älteren Patientenkollektiv nicht unerheblich ist.
Diese Daten fehlen zumeist. Trotzdem lässt sich aus den publizierten
postinterventionellen Prävalenzen die Aussage machen, dass die Wahrscheinlichkeit
für das Auftreten einer erektilen Dysfunktion nach radikaler Prostatektomie höher ist
als nach perkutaner Bestrahlung [459], [458], [460], [461]. Kurzfristige Ergebnisse zur
Sexualfunktion auch unter Aktiver Überwachung von van den Bergh [462] 6 und 12-
18 Monate nach Behandlung ergaben, dass 65-68 % der Männer unter Aktiver
Überwachung, 35-36 % der Operierten, 36-37 % der Bestrahlten und 36 % der
kombiniert Behandelten sexuell aktiv waren.
Harninkontinenz oder Harnverhalt treten häufiger nach radikaler Prostatektomie auf
als nach perkutaner Strahlentherapie oder LDR-Brachytherapie. Die Datenlage für
einen Vergleich von perkutaner Strahlentherapie und LDR ist spärlich. In einer
Kohortenstudie [463] schneidet die LDR-Brachytherapie auch im Vergleich zur
perkutanen Strahlentherapie günstiger ab.
Eine intestinale Symptomatik (z. B. erhöhte Stuhlfrequenz, rektale Blutung) tritt
häufiger nach perkutaner Bestrahlung oder Brachytherapie als nach radikaler
6.1 Therapieplanung und Aufklärung
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112
Prostatektomie auf [464], [465], [460], [461], [466]. Ein Vergleich zwischen LDR-
Brachytherapie und perkutaner Strahlentherapie gestaltet sich aufgrund der
eingeschränkten Datenlage schwierig. Es gibt jedoch Hinweise für einen Vorteil der
LDR-Brachytherapie gegenüber der perkutanen Strahlentherapie bezüglich der
Enddarmfunktion [467]. Eine Beurteilung der Toxizität für die HDR-Brachytherapie ist
anhand von Fallserien möglich – ein direkter Vergleich des Verfahrens mit radikaler
Prostatektomie, perkutaner Strahlentherapie oder LDR-Brachytherapie im Rahmen von
Studien existiert jedoch nicht. Es kann diesbezüglich nur auf die Absolutzahlen der
Studien verwiesen werden [468], [469]. Die Gefahr von Enddarmbeschwerden,
Inkontinenz bzw. Harnentleerungsstörungen und erektiler Dysfunktion ist auch bei
dieser Therapieoption gegeben.
Eine für radiotherapeutische Verfahren spezifische Nebenwirkung ist das Auftreten
von Zweitmalignomen. Das Risiko ist nach Studien zur perkutanen Strahlentherapie
[470], [471], [472] signifikant erhöht. Für die LDR-Brachytherapie ergab sich in einer
Arbeit im Vergleich ein geringeres Risiko, der Unterschied zur perkutanen
Strahlentherapie war jedoch nicht statistisch signifikant [473]. In einer weiteren Arbeit
war die Rate an Zweitmalignomen bei der LDR-Brachytherapie insgesamt ebenfalls
geringer, zu beachten ist jedoch, dass die Hazard-Ratio bei der perkutanen
Strahlentherapie konstant bei 1,26/100.000 lag, die Hazard-Ratio bei LDR-Therapie
sich jedoch von 0,72/100.000 nach fünf Jahren auf 1,2/100.000 nach neun Jahren
erhöhte [474]. Die Häufigkeit von Zweitmalignomen liegt, wie die genannten Zahlen
zeigen, dabei jedoch deutlich unter denen der anderen erwähnten unerwünschten
Wirkungen. Für die HDR-Brachytherapie existieren hierfür (noch) keine Langzeitdaten.
Die unerwünschten Wirkungen der hormonablativen Therapie finden sich im
entsprechenden Kapitel.
Zu Empfehlung 6.5
Diese Empfehlung trägt der Tatsache Rechnung, dass aufgrund der eingeschränkten
vorliegenden Evidenz ohne randomisierte kontrollierte interventionsübergreifende
Vergleiche keine Priorisierung einer lokalen Therapieoption möglich ist. Diese
Tatsache wird sowohl in der AUA-Leitlinie 2007, der EAU-Leitlinie als auch der
niederländischen Leitlinie bestätigt [464], [475], [476]. Das einzige Verfahren, das in
einem randomisierten Studiendesign gegenüber einer Watchful-Waiting-Strategie
untersucht wurde, ist die radikale Prostatektomie. Die Wirksamkeitsaussagen der
übrigen lokalen Verfahren stützen sich auf vergleichende Kohortenstudien (perkutane
Strahlentherapie, LDR-Brachytherapie) oder sogar Fallserienvergleiche (HDR-
Brachytherapie). Bei einer Bewertung des RCT von Bill-Axelson et al. [477] zum
Stellenwert der operativen Therapie ist zu berücksichtigen, dass der
karzinomspezifische Überlebensvorteil nur Patienten im Alter unter 65 Jahren betraf
und die Patienten aus der Vor-PSA-Ära stammten. Angesichts dieser Situation hängt
die Wahl des lokalen Therapieverfahrens entscheidend von individuellen
Charakteristika und persönlichen Präferenzen des Patienten ab.
Um in diesem Prozess sowohl von ärztlicher Seite als auch aus der Warte des
Patienten das am besten geeignete Verfahren auszuwählen, wird eine Aufklärung
sowohl beim Urologen (neben RPE und LDR-Brachytherapie auch zu der Strategie der
Aktiven Überwachung bzw. der sekundären symptomorientierten Therapie Watchful
Waiting) als auch beim Strahlentherapeuten (perkutane Strahlentherapie und HDR-
Brachytherapie) empfohlen. Die Aufklärung sollte auch mögliche multimodale
Therapiekonzepte umfassen. Der betroffene Patient wird so über Vor- und Nachteile
6.1 Therapieplanung und Aufklärung
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113
der verschiedenen Verfahren umfassend informiert. Da die Wahl der lokalen Therapie
häufig auch von den Präferenzen des/der aufklärenden Arztes/Ärzte abhängt [478],
[479], wird es als sinnvoll angesehen, über weitere Informationsmöglichkeiten
aufzuklären. In Anerkennung der Tatsache, dass aus personellen und
organisatorischen Gründen eine Doppelaufklärung nicht immer realisierbar ist, wurde
ein abgeschwächter Empfehlungsgrad (B) ausgesprochen. Eine doppelte Aufklärung
wird jedoch ausdrücklich als wünschenswert angesehen.
Der Gesundheitszustand numerisch gleich alter Menschen variiert erheblich.
Komorbiditäten sind ein Bereich, diese Heterogenität und ihre Auswirkungen auf das
Überleben systematisch zu erfassen. Zu der systematischen Erfassung von
Komorbiditäten stehen verschiedene Klassifikationen zur Verfügung.
Bisher sind in den verfügbaren Leitlinien wenige Empfehlungen zum praktischen
Umgang mit Komorbiditätsklassifikationen zu finden [480], [481], [482]. Lediglich die
Leitlinie der EAU nennt als Entscheidungshilfen für eine Prostatabiopsie den Charlson-
Score und ASA-Klassifikation [480]. Orientiert an dieser Empfehlung wurden beide
Klassifikationen in die S3-Leitlinie aufgenommen.
Tabelle 15: Gewicht der zum Charlson-Score beitragenden Begleiterkrankungen (Charlson et
al. 1987). Der Charlson-Score wird durch Addition der Punkte eines Patienten berechnet.
Krankheitsbild Gewicht (Punkte)
Herzinfarkt 1
Kongestives Herzversagen 1
Periphere Gefäßerkrankung 1
Zerebrovaskuläre Erkrankung 1
Demenz 1
Chronische Lungenerkrankung 1
Kollagenose 1
Ulkus-Leiden 1
Milde Lebererkrankung 1
Diabetes mellitus ohne Endorganschaden 1
Hemiplegie 2
Moderate bis schwere Nierenerkrankung 2
Diabetes mellitus mit Endorganschaden 2
Tumor 2
Leukämie 2
Lymphome 2
Moderate bis schwere Lebererkrankung 3
Metastasierender solider Tumor 6
AIDS 6
Quelle: [483]
6.1 Therapieplanung und Aufklärung
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114
Beide Klassifikationen liefern bei Prostatakarzinompatienten eigenständige
prognostische Informationen hinsichtlich des Langzeitüberlebens über das
kalendarische Alter hinaus [484], [485]. Sie sind einfach anwendbar, weitverbreitet
und bewerten zumindest teilweise unterschiedliche Aspekte des
Gesundheitszustandes: der Charlson-Score [483] eine Liste von Begleiterkrankungen
unterschiedlichen prognostischen Gewichtes (Tabelle 15) und die ASA-Klassifikation
[486] die Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes mit Fokus auf das perioperative
Risiko (Tabelle 16).
Tabelle 16: Klassifikation des Gesundheitszustandes der American Society of
Anesthesiologists (ASA) (American Society of Anesthesiologists 2013)
ASA-Klasse Definition
1 Normaler, gesunder Patient
2 Patient mit einer leichten systematischen Erkrankung
3 Patient mit einer schweren systematischen Erkrankung
4 Patient mit einer schweren, permanent lebensbedrohlichen systemischen
Erkrankung
5 Moribunder Patient, der voraussichtlich mit und ohne Operation nicht überleben
wird
6 Hirntoter Organspender
Quelle: [486]
Bei den relativ gesunden Kandidaten für eine radikale Prostatektomie liegt selbst bei
Patienten von 65 Jahren oder älter die konkurrierende Sterblichkeit nach 10 Jahren in
den ungünstigsten Klassen dieser Klassifikationen noch unter 50 % [487]. Das heißt,
die mittlere weitere Lebenserwartung liegt auch in diesen Subgruppen über 10 Jahren,
einem Limit, das häufig als Limit für eine kurative Therapie des Prostatakarzinoms
genannt wird [480].
Die Assoziation einer Komorbiditätsklasse mit dem Überleben variiert stark je
nachdem ob es sich um eine populationsbasierte Stichprobe (enthält alle Risiken),
eine radikale-Prostatektomie-Stichprobe (enthält vorwiegend gute Risiken) oder eine
Strahlentherapie-Stichprobe (kann viele ungünstige Risiken enthalten) handelt. Für die
Abgrenzung dieser jeweiligen Kohorten fehlen allgemein akzeptierte Kriterien.
Deutlich wird das in den sehr großen Überlebensunterschieden zwischen operierten
und bestrahlten Patienten in nominell identischen Risikoklassen eines Nomogramms
von Walz und Mitarbeitern [484]. Was auf die Unzulänglichkeit des Nomogramms
hinweist, in dem das Alter, die Komorbiditäten und die Therapie (radikale
Prostatektomie vs. externe Bestrahlung) darüber hinaus aber keine anderen Variablen
berücksichtigt sind. Komorbiditätsklassifikationen und dazugehörige Überlebensraten
können daher zur Therapieentscheidungsfindung beim Prostatakarzinom nur unter
6.1 Therapieplanung und Aufklärung
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115
Beachtung der zugrundeliegenden Patientenpopulationen herangezogen werden.
Weiterhin sollten die steigende Lebenserwartung und eine mögliche Vorverlagerung
der Diagnose (Lead-Time-Bias) in Betracht gezogen werden. Die weitere
Lebenserwartung eines 65-jährigen Mannes erhöhte sich zwischen 1990/92 (früheres
Bundesgebiet) und 2008/10 von 14,4 auf 17,3 Jahre [488]. Gleichzeitig ist durch die
PSA-gestützte Früherkennung mit einer Vorverlagerung der Diagnose (Lead-Time-Bias)
zu rechnen. Bei einem vierjährigen Screeningintervall ist mit einer
Diagnosevorverlagerung um 11 Jahre zu rechnen [91]. Schlussfolgerungen aus älteren
Patientenstichproben müssen daher mit Vorsicht auf heutige Patienten übertragen
werden: die Tumoren sind zwar früher erkannt (und darum möglicherweise länger
indolent), die weitere Lebenserwartung hat jedoch gleichzeitig zugenommen,
wodurch bei ausbleibender kurativer Therapie die Zeit, die ein Tumor zur Progression
hat, zunimmt. Dabei betrifft die Zunahme der Lebenserwartung vor allem Männer
jenseits des 65. Lebensjahres [489], [490].
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
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116
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen
Risikoprofils
6.2.1 Aktive Überwachung (Active Surveillance)
6.6 Konsensbasierte Empfehlung geprüft 2025
EK
Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des niedrigen
Risikoprofils (ISUP Gruppe 1 und low risk nach D’Amico-Kriterien) sollen aktiv
überwacht werden.
Starker Konsens
6.7, 6.8, 6.9 Verknüpfte Empfehlungen: Konsensbasiert modifiziert 2025
EK
6.7 Der Tumor soll nach Beginn der Aktiven Überwachung und innerhalb der
ersten 2 Jahre bei ISUP Gruppe 1 alle 6 Monate und bei ISUP Gruppe 2 alle
3 Monate durch PSA-Bestimmung kontrolliert werden.
EK
6.8 Erste Re-Biopsie (s. Abbildung 6):
Bei Patienten mit initialer MRT soll eine erneute MRT der Prostata mit
gezielter und systematischer Biopsie nach 12-18 Monaten erfolgen.
Bei Patienten ohne initiale MRT der Prostata soll diese innerhalb von 6
Monaten erfolgen. Im Fall einer Target Läsion PI-RADS ≥3 soll eine gezielte
Biopsie erfolgen. Liegt keine Target Läsion vor, soll keine konfirmatorische
Biopsie durchgeführt werden (s. Abbildung 6).
EK
6.9 Die MRT der Prostata soll geltenden Qualitätsstandards entsprechen.
Konsensstärke Starker Konsens
6.10 Konsensbasierte Empfehlung geprüft 2025
EK
Weitere gezielte und systematische Biopsien sollten abhängig vom Ergebnis der
ersten Re-Biopsie entsprechend der Ergebnisse der im Verlauf durchgeführten
MRT-Bildgebung und den erhobenen PSA-Werten durchgeführt werden, spätestens
jedoch alle 3 Jahre innerhalb der ersten 10 Jahre aktiver Überwachung.
Starker Konsens
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
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117
6.11 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2025
EK
Bei signifikantem PSA-Anstieg (Verdopplungszeit <3 Jahre) sollte eine erneute
MRT mit gezielter und systematischer Re-Biopsie erfolgen. Eine alleinige
Progression des PSA-Wertes und/oder einer MRT-Läsion sollte nicht zum Abbruch
der Aktiven Überwachung führen.
Die Aktive Überwachung soll beendet werden, bei:
• Upgrading zu ISUP Gruppe 2 mit ungünstigem Risikoprofil*
• Upgrading zu >= ISUP Gruppe 3
• Lokal fortgeschrittenem Tumorstadium (≥cT3 und/oder cN+)
*cribriformes oder intraduktales Wachstum, signifikante Zunahme des Anteils Gleason-
Muster 4.
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.6
Bei Vorliegen eines lokal begrenzten Prostatakarzinom (PCa) des niedrigen
Risikoprofils werden Patienten über das Konzept der Aktiven Überwachung informiert,
da das Risiko einer Überbehandlung in dieser Gruppe am höchsten ist. Die
Priorisierung der Aktiven Überwachung bei Erfüllung der genannten Charakteristika
eines niedrigen Risikoprofils (ISUP Gruppe 1, PSA <10ng/ml, T1c/T2a) wird im
Konsens der Leitliniengruppe unterstützt. Bei der Patientenaufklärung wird die
natürliche Prognose eines PCa mit niedrigem Risikoprofil den Ergebnissen der aktiven
Behandlungsmethoden gegenübergestellt. Dies betrifft die Mortalität, Morbidität und
Lebensqualität (z. B. notwendige Kontrollen, mögliche Vermeidung von
Übertherapien). Thematisiert werden sollen auch explizit die Rezidivraten bei kurativ
intendierter Therapie sowie die bestehende Unsicherheit hinsichtlich der primären
prognostischen Einschätzung der diagnostizierten Karzinome, die für jede Art der
Primärtherapie/-strategie besteht. So sind die Raten einer niedrigeren oder höheren
Stadieneinteilung (Under- und Overstaging) bei low- und intermediate-risk-Tumoren
mit ca. 20 % bis annähernd 50 % Prozent beschrieben [491], [492], [493], [494], [495],
[496]. Die unerwünschten Nebenwirkungen aktiver Therapie werden im
Hintergrundtext zu Empfehlung Empfehlung 6.4 dargestellt.
Exemplarisch zeigt eine große prospektive Studie an 1.818 Patienten mit
Niedrigrisiko-PCa der Grade Group 1 sowohl nach 10 als auch nach 15 Jahren Aktiver
Überwachung eine kumulative PCa-spezifische Mortalität von 0,1 % [497]. Diese
Langzeitdaten implizieren, dass die Aktive Überwachung bei Patienten mit einem
niedrigen Risiko angemessen und onkologisch sicher ist, da das Risiko für ein
Versterben aufgrund des PCa oder die Entwicklung von Metastasen <1 % beträgt. Zu
beachten ist, dass im Rahmen des in dieser Studie relativ intensiven, strukturierten
Programms der Aktiven Überwachung 48 % der Männer innerhalb der ersten 10 Jahre
eine aktive Therapie erhalten haben.
Patienten, deren initiale Diagnostik eine mpMRT/TRUS-fusionierte Prostatabiopsie
beinhaltete, hatten ein geringeres Risiko für eine Reklassifikation während der
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
118
Aktiven Überwachung und damit für die Notwendigkeit einer aktiven Therapie. Dies
scheint die Rolle der mpMRT für eine präzise Selektion geeigneter Kandidaten für eine
Aktive Überwachung zu stärken.
Aufgrund der heterogenen Konzepte für eine Aktive Überwachung und fehlender
prospektiv-randomisierter Studien hat die Leitliniengruppe der Europäischen
Gesellschaft für Urologie (EAU) mit der sog. DETECTIVE-Studie ein strukturiertes
Projekt zur Standardisierung der Aktiven Überwachung initiiert und existierende
Protokolle evaluiert [498], [499]. Neben den Kriterien ISUP Grad 1, klinisches
Tumorstadium cT1c oder cT2a sowie einem PSA-Wert <10 ng/mL wurde basierend auf
systematischen Biopsieschemata zusätzlich die PSA-Dichte als Selektionskriterium
<0,15 ng/mL/cc vorgeschlagen [500], [501]. Valide Daten zur Selektion mittels
mpMRT liegen noch nicht vor, während die Beteiligten der DETECTIVE-Studie
konsentierten, dass Anzeichen für ein ausgedehntes Tumorwachstum in der mpMRT
möglicherweise ein Ausschlusskriterium für die Aktive Überwachung sein wird. Die
Publikation dieser Daten wird erwartet.
Alle verfügbaren kurativen Therapieoptionen für das Prostatakarzinom (PCa) sind mit
einem Risiko für signifikante Nebenwirkungen und Einschränkungen der
Lebensqualität verbunden. Das Konzept der Aktiven Überwachung (Active
Surveillance) und die initiale Vermeidung einer aktiven ablativen Therapie kommt
prinzipiell für alle Patienten in Frage, die ein geringes Risiko an einem PCa zu
versterben haben, und wird daher empfohlen.
Viele Patienten, die im Laufe ihres Lebens ein PCa entwickeln, müssen nicht mit einer
turmorbedingten Einschränkung ihrer Lebenserwartung rechnen. Dies ist ein
bekanntes Phänomen – Autopsiestudien haben schon vor Jahrzehnten gezeigt, dass
die Zahl der „Karzinomträger“ um ein Vielfaches höher ist als die Zahl derer, die an
einem PCa erkranken oder versterben [502]. Die häufige Bestimmung des PSA-Wertes
und eine undifferenzierte Interpretation des Messergebnisses führen oft zur
Erkennung von Tumoren, bei denen bei Nichtbehandlung das gleiche
tumorspezifische Überleben erreicht werden kann wie bei definitiver invasiver
Therapie [503]. Das gilt insbesondere für ältere Patienten (>65 Jahre). Das
tumorspezifische Überleben der Patienten mit Tumoren des niedrigen Risikoprofils
ohne definitive Intervention ist sehr hoch [504], [432].
Die PCa-Diagnostik hat sich in den letzten Jahren entscheidend verändert, sodass
viele Karzinome in einem frühen Stadium erkannt werden. Seit der Einführung und
zunehmenden Anwendung der PSA-Testung besteht ein erhöhtes Risiko für eine
Überdiagnose und anschließende Übertherapie indolenter PCa [505]. Von
Überdiagnose spricht man, wenn Karzinome entdeckt werden, die den Patienten in
seiner Lebenserwartung nicht bedrohen. Sie zu behandeln bedeutet eine
Übertherapie. Ein hoher Anteil von Übertherapie ergibt sich v. a. durch die definitiven
Therapien in der Gruppe der Patienten mit Tumoren des niedrigen Risikos.
Mittlerweile liegen Langzeitdaten mit einer Nachbeobachtungszeit von bis zu 25
Jahren zu Patienten mit PCa, die initial keiner lokalen Therapie unterzogen wurden,
vor. Die karzinomspezifischen Überlebensraten lagen bei 82–87 % nach 10 Jahren
[506], [507], [508], [509] und bei 80-95% für Tumoren im Stadium T1/T2 und ISUP
Grad <2 [510], [301], [511]. Der Nutzen einer Aktiven Überwachung ist bei Männern,
die eine Lebenserwartung von mindestens 10 Jahren haben, am höchsten.
Begleiterkrankungen sind dabei zu berücksichtigen, da sie das Risiko, an anderen
Ursachen zu versterben, erhöhen. Männer mit neu diagnostiziertem PCa und
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
119
mehreren Komorbiditäten (Charlson Comorbidity Index (CCI)-Wert >2) zeigten
unabhängig von ihrem Alter zum Zeitpunkt der Diagnose nach 10 Jahren
Nachbeobachtung eine sehr geringe PCa-abhängige Mortalität, sodass hier ein
Watchful Waiting (siehe Kapitel 6.8) diskutiert werden muss. Die Tumoraggressivität
hatte kaum Einfluss auf das Gesamtüberleben. Hingegen hatten Männer mit einem
CCI-Wert <1 ein geringes Risiko, innerhalb von 10 Jahren zu versterben, sodass in
dieser Gruppe eine Aktive Überwachung im niedrigen Risiko bzw. eine aktive Therapie
bei höherer Aggressivität erfolgt [135].
Um das klinisch signifikante PCa von einem indolenten zu unterscheiden, sind
mehrere Definitionen entwickelt und publiziert worden. Je nachdem, wie strikt die
einzelnen Definitionen angewendet werden, finden sich eine Vielzahl verschiedener
Definitionen des „insignifikanten“ Prostatakarzinoms [512], [513], [514]; [515], [516],
[517], [518], [519], [520], [521], [522], [523], [524], [525], [526], [527], [528], [529],
[530], [531], [532], [533], [534], [535], [536], [537], [538], [539]. Die meisten
Definitionen basieren auf der Arbeit von Stamey et al., die das Tumorvolumen als
Hauptkriterium für seine klinische Bedeutsamkeit angeben [536]. Die Kriterien
Gleason-Score und Organbegrenzung wurden später ergänzt und werden
uneinheitlich verwendet (Volumen <0,5 oder ≤0,5 ml; Gleason-Score <7 oder Pattern
4/5, Bezeichnung ebenfalls uneinheitlich z. T. als „insignifikant“, z. T. als „minimal
signifikant“). In der klinischen Routine spielt aktuell noch die D’Amico Klassifikation
die größte Rolle. Hierin ist die Niedrigrisikogruppe als T1c/T2a, ISUP GG1, PSA
<10ng/ml definiert. Modernere Klassifikationen wie die Cambridge Prognostic Groups
inkludieren alle T1- und T2-Tumoren [301].
Eine Aktive Überwachung bei ansonsten gesunden und für eine kurativ intendierte
Therapie geeignete Patienten hat das Ziel, eine rechtzeitige aktive Behandlung bis zu
einem Zeitpunkt aufzuschieben, an dem sich Hinweise für eine Progression ergeben
oder der Patient diese aktive Therapie wünscht [450], [540]. Die im Falle einer
Progression angestrebte Therapie ist weiterhin kurativ intendiert und es sollen den
Patienten im Falle eines Abbruchs der Aktiven Überwachung und bei Vorliegen eines
weiterhin lokal begrenzten Tumors die etablierten kurativen Therapieoptionen
angeboten werden. Auch im Falle einer verzögert eingeleiteten kurativ intendierten
Therapie können sehr hohe PCa-spezifische Überlebensraten erreicht werden [541].
Bei der Aktiven Überwachung werden strukturierte Verlaufskontrollen mit
festgelegten Progressionsparametern einschließlich multiparametrischer MRT-
Bildgebung (mpMRT) und Kontrollbiopsien vorgenommen. Eine kurativ intendierte
Therapie wird im Verlauf durch definierte Schwellenwerte initiiert, die auf eine
relevante Progression hindeuten. Das Ziel der Aktiven Überwachung ist die Reduktion
der Überbehandlung früher Tumorstadien mit ihren assoziierten möglichen
Nebenwirkungen ohne die Heilungsraten einzuschränken.
Bisherige Studien nutzten keine einheitliche und vordefinierte Strategie für die Aktive
Überwachung. Durch die Weiterentwicklung der Biopsie- und Bildgebungsoptionen
und deren Integration in das Konzept der Aktiven Überwachung sind die heutigen
Standards nicht mit älteren Protokollen vergleichbar. Es liegen jedoch mehrere
prospektive Kohortenstudien vor, aus denen Implikationen für die aktuellen
Empfehlungen einer Aktiven Überwachung abgeleitet werden können. Diese werden
im Folgenden skizziert.
In die PIVOT-Studie wurden größtenteils Patienten eingeschlossen, die durch PSA-
gestützte Früherkennung diagnostiziert wurden [433]. Es fand sich kein statistisch
signifikanter Unterschied zwischen Beobachtung und radikaler Prostatektomie (RPE) in
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
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Bezug auf die prostatakarzinom-spezifische Mortalität nach 10 Jahren (31 vs. 21
Fälle). In der Subgruppenanalyse fand sich kein signifikanter Unterschied im
Gesamtüberleben bei Patienten mit einem PSA-Wert 10ng/ml (Median 15) zugunsten
der RPE (absolute Reduktion um 13,2 %, HR 0,67; 95 % KI 0,48-0,94). Es zeigte sich
eine signifikante Verminderung der Inzidenz von Knochenmetastasen zugunsten der
RPE: 17 (4,7 %) vs. 39 (10,6 %) unter Beobachtung (HR 0,40; 95 % KI 0,22-70) [433].
Die Probleme der PIVOT-Studie sind unter anderem Folgende: die lange
Rekrutierungszeit, die unter der Ausgangsplanung zurückgebliebene Fallzahl und die
hohe konkurrierende Sterblichkeit mit über 30 % nach 10 Jahren (zum Vergleich siehe
[542], [543]).
In einer großen prospektiven Kohortenstudie von Männern mit Niedrigrisiko-PCa, die
einer Aktiven Überwachung unterzogen wurden, zeigten sich nach 10 Jahren hohe
metastasenfreie (99,4 %), karzinomspezifische (99,9 %) und Gesamtüberlebensraten
(93 %) [544].
Studienergebnisse ausgewählter größerer Kohorten von Patienten (zwischen 99 und
2.664 Teilnehmer) unter Aktiver Überwachung mit langer Nachbeobachtungszeit
(Median 22-77 Monate) zeigen, dass das 10-Jahres-karzinomspezifische Überleben
mindestens 98,1 % und das 10-Jahres-Gesamtüberleben 81-100 % beträgt [497],
[545], [546], [547], [548], [549], [550], [551], [552].
Die PROTECT-Studie randomisierte 1.643 Patienten mit einem im Rahmen der
Früherkennung diagnostizierten klinisch lokal begrenzten PCa in die Gruppen
„Aktives Monitoring“, RPE oder externe Radiotherapie (EBRT) [553]. Zu beachten ist,
dass es sich beim „Aktiven Monitoring“ nicht um eine vordefinierte Strategie der
Aktiven Überwachung handelte und somit die Ergebnisse entsprechend interpretiert
werden müssen. In der Gruppe der initial nicht aktiv behandelten Patienten war die
Überwachungsstrategie nicht einheitlich. Der Anteil von Patienten mit einem
Niedrigrisiko-PCa (90 % mit PSA-Wert <10 ng/l; 77 % ISUP-Grad 1, 20 % ISUP-Grad 2–3;
76 % Tumorstadium T1c) lag bei 56 %. Die restlichen Patienten hatten in der Mehrzahl
ein PCa mit mittlerem Risiko. Das krankheitsspezifische Überleben lag nach 10 Jahren
in der Gruppe mit Aktivem Monitoring bei 98,8 % versus 99,0 % nach RPE und 99,6 %
nach EBRT. Das Risiko für eine Progression des PCa bzw. die Entstehung von
Metastasen war jedoch signifikant höher bei Patienten, die initial einem Aktiven
Monitoring zugeführt wurden. In dieser Gruppe von 545 Patienten erhielten im Laufe
der Studie 291 Männer eine ablative Therapie (54,8 %). Im weiteren Verlauf der
PROTECT-Studie nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 15 Jahren starben
insgesamt 356 Männer (21,7 %, Gesamtmortalität), wobei die Anzahl in allen drei
Gruppen ähnlich hoch war. Die PCa-spezifische Mortalität war in allen 3 Gruppen nach
15 Jahren weiterhin niedrig (45 Patienten, 2,7 %): 17 (3,1 %) in der Gruppe mit
aktivem Monitoring, 12 (2,2 %) in der Prostatektomiegruppe und 16 (2,9 %) in der
Strahlentherapiegruppe. Der Unterschied zwischen den Gruppen war nicht signifikant.
Eine aktive ablative Therapie führte zu einem geringeren Risiko einer
Tumorprogression als bei Aktivem Monitoring, jedoch nicht zu einer geringeren
karzinomspezifischen Mortalität. Metastasen entwickelten sich bei 51 Männern (9,4%)
in der Gruppe mit Aktivem Monitoring, bei 26 (4,7 %) in der Prostatektomiegruppe
und bei 27 (5,0 %) in der Strahlentherapiegruppe. Eine langfristige
Androgenentzugstherapie wurde bei 69 Männern (12,7 %), 40 (7,2 %) bzw. 42 (7,7 %)
begonnen. Von den Patienten in der Monitoring-Gruppe, die zum Zeitpunkt der
letzten Analyse am Leben waren, erhielten ein Viertel keinerlei Therapie [541]. In
einer weitergehenden Analyse der Patientenkohorte waren folgende Parameter mit
einem erhöhten Risiko für eine Progression assoziiert [554]: Aktives Monitoring, das
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Patientenalter (65–69 vs. 50–64 Jahre), ein höherer PSA-Wert bei der Diagnose, ein
höherer ISUP-Grad bei der Diagnose, ein höheres cT-Stadium, die Anzahl der positiven
Stanzzylinder, die Länge des Tumors im Stanzzylinder und das Vorhandensein einer
Perineuralscheideninvasion (Pn1). Ein prädiktiver Wert eines einzelnen Faktors für das
Auftreten von Metastasen konnte nicht abgeleitet werden.
Die Strategie des „Aktiven Monitorings“ in der PROTECT-Studie basierte fast
ausschließlich auf PSA-Testungen. Aktuelle Protokolle für eine Aktive Überwachung,
insbesondere mit einer Integration der mpMRT in die Patientenauswahl und in die
regelmäßige Überwachung, sind damit nicht mehr vergleichbar und lassen erwarten,
dass eine mögliche Tumorprogression rechtzeitiger diagnostiziert werden kann.
Außerdem ist zu beachten, dass in der Gruppe der Patienten mit Aktivem Monitoring
ein Drittel ein PCa mit mittlerem (24,1%) oder hohem (9,6%) Risikoprofil aufwiesen.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Strategie der verzögerten Aktiven Überwachung
bei Vorliegen eines Niedrigrisiko-PCa umso plausibler.
Die Identifikation geeigneter Patienten für eine Aktive Überwachung muss neben der
Berücksichtigung der Lebenserwartung und vorliegender Komorbiditäten eine
zeitgemäße individuelle Risikostratifizierung unter Berücksichtigung von mpMRT-
Bildgebung und gezielter Biopsie auffälliger Befunde beinhalten. Somit kann eine
optimale Beratung der Patienten über den Nutzen und die möglichen Risiken einer
Aktiven Überwachung erfolgen. Die Aktive Überwachung im Umgang mit PCa-
Patienten ist beratungs- und betreuungsintensiv, insbesondere, wenn die Problematik
der Überdiagnose und Übertherapie nicht bereits im Kontext der PSA-Testung und der
Prostatabiopsie besprochen wurde. Eine Entscheidung für eine Aktive Überwachung
können nur Arzt und Patient gemeinsam in einem ausführlichen Gespräch und einem
sog. shared decision making treffen. Zur Erleichterung der gemeinsamen
Entscheidungsfindung stehen u. a. evidenzbasierte online-gestützte Prostatakrebs-
Entscheidungshilfen zur Verfügung [555]. Auch das Einholen einer Zweitmeinung
kann dem Patienten zusätzliche Sicherheit bei seiner Therapieentscheidung und im
weiteren Verlauf der Aktiven Überwachung geben. Patienten, die sich trotz
umfassender Aufklärung gegen eine Aktive Überwachung entscheiden, werden im
Weiteren über die etablierten lokal kurativen Therapieoptionen informiert (s. Kapitel
6.2.2).
Zu Empfehlung 6.7
Der regelmäßige Patientenkontakt und eine sorgfältige Tumorkontrolle sind bei der
Strategie der Aktiven Überwachung notwendig, weil eine Tumorprogression eintreten
kann oder Patienten, ohne symptomatisch zu werden, eine Beratung zu einer
kurativen Therapie wünschen. Im Laufe der Aktiven Überwachung müssen laut
bisheriger Studienlage 30-61 % der Patienten im Verlauf damit rechnen, sich einer
aktiven Therapie unterziehen zu müssen [556], [541]. Der Anteil aktiver Therapien
explizit auf Wunsch der Patienten beträgt 8 bis 17 % [557], [558], [559]. Von den
Männern, die in der Aktiven Monitoring-Gruppe am Ende der Nachbeobachtungszeit
der letzten Auswertung der PROTECT-Studie am Leben waren, benötigten 133 Männer
(24,4 %) keinerlei Therapie. Von diesen Männern hatten 17 (12,8 %) zum Zeitpunkt
der Diagnosestellung ein PCa mit intermediärem oder high-risk-Profil nach D’Amico-
Kriterien und 14 Patienten (10,5 %) hatten einen Gleason-Score der Grade-Gruppe ≥ 2
[541].
In der PROTECT-Studie wurde der PSA-Wert lediglich im ersten Jahr nach Beginn des
Aktiven Monitorings 3-monatlich, in der Folge 6-12-monatlich gemessen [553].
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Strukturierte Bildgebung und Re-Biopsien waren kein Bestandteil der Studie. Die 15-
Jahres PCa-spezifischen Überlebensdaten sind exzellent (s. o.; [541]). In der PRIAS-
Studie, eine der größten prospektiv-randomisierten Studien zur Aktiven Überwachung,
erfolgte die Nachbeobachtung in den ersten 2 Jahren mit einer PSA-Messung alle 3
Monate, einer DRU alle 6 Monate und nach dem 2. Jahr jeweils alle 6 bzw. 12 Monate
[560]. Der häufigste Auslöser zum Wechsel auf eine aktive Therapie war bei 41 % ein
histopathologisches up-grading oder up-staging in der Re-Biopsie, d. h. eine
Reklassifikation, jedoch nicht ein alleiniger PSA-Progress.
Die Rolle der PSA-Wertbestimmung zur Identifikation von Patienten mit einer
potentiellen Progression unter Aktiver Überwachung ist unklar und wird in bisherigen
Studien nicht einheitlich definiert bzw. durchgeführt. In der DETECTIVE-Studie wurde
ein hoher Konsens bezüglich der Häufigkeit der PSA-Wertbestimmung unter 109
Ärzten sowie 16 Patienten erzielt, der eine Messung des PSA-Wertes zumindest alle 6
Monate unabhängig von den Einschlusskriterien zur Aktiven Überwachung empfiehlt
[498]. Dies spiegelt jedoch nicht notwendigerweise eine wissenschaftliche Evidenz
wider.
Die wesentliche Rolle der regelmäßigen PSA-Wertmessung beruht auf der damit
verbundenen validen Option, die PSA-Verdopplungszeiten (PSADT) adäquat berechnen
und die PSA-Dichte (PSAD) bei ebenfalls durchgeführter mpMRT der Prostata objektiv
bestimmen zu können. Beide Parameter erlauben eine Beurteilung einer eventuell
vorhandenen Progression und der Notwendigkeit einer erweiterten Diagnostik (siehe
Empfehlung Empfehlung 6.11).
Die Interpretation des PSA-Wertes muss bekanntermaßen differenziert erfolgen.
Äußere Faktoren beeinflussen die Höhe der Serumkonzentrationen des PSA [561].
Anhand einer Kohorte von 404 Männern im Alter von 50 bis 69 Jahren unter aktivem
Monitoring identisch zur PROTECT-Studie wurde der Einfluss von Sport,
Alkoholkonsum und Nikotinabusus auf die PSA-Werte analysiert. Nach einer mittleren
Nachbeobachtung von 4,8 ± 2,3 Jahren wurde der mittlere PSA-Wert im Alter von 50
Jahren mit 3,95 ng/ml und der mittlere jährliche PSA-Anstieg mit 8,3 % berechnet. Der
PSA-Wert im Alter von 50 Jahren war jedoch um 2,1 % niedriger pro Einheit sportlicher
Aktivität und um 5,3 % niedriger pro 5 cm größerer Körperlänge bzw. er lag um 24,5
% höher bei Rauchern. Diese Daten untermauern die Anfälligkeit der PSA-Werte von
exogenen Faktoren und begründen die längeren Intervalle der PSA-Messung in der
ISUP Gruppe 1.
Ehdaie et al. untersuchten an 541 Patienten, die im Median 4 Jahre unter Aktiver
Überwachung waren, den Stellenwert von PSA-Variationen in Bezug auf die Prädiktion
einer Tumorprogression [562]. Der mittlere PSA-Wert betrug initial 4,3 ng/ml.
Innerhalb der ersten 5 Jahre erhielten 14 % der Patienten eine aktive Therapie. Es
konnte eine sehr hohe Variabilität in Bezug auf PSA-Schwankungen beobachtet
werden, die mit zunehmender Zeit unter Aktiver Überwachung zunahm. Somit sollten
isolierte PSA-Wertveränderungen keine unmittelbare diagnostische oder gar
therapeutische Konsequenz haben. Soeterik et al. analysierten 1.000 Patienten unter
Aktiver Überwachung und zeigten, dass eine PSAD ≥ 0,2 ng/ml/ml der wichtigste
individuelle Faktor war, der mit einem signifikant erhöhten Risiko einer
Tumorprogression assoziiert war [563]. In einer Kohorte von 851 Patienten unter
Aktiver Überwachung untersuchten Cooperberg et al. serielle PSA-Wertmessungen
[564]. Die Autoren konnten darstellen, dass die mittlere prozentuale Abweichung der
seriellen PSA-Werte vom Basiswert 4,3 % betrug. Der Veränderung eines PSA-Wertes
als alleinigem Faktor kam keine Bedeutung in der Identifikation einer potentiellen
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Progression zu. Der wesentliche Wert der seriellen PSA-Messungen liegt in der
Möglichkeit einer korrekten Bestimmung der längerfristigen PSA-Kinetik. Tosoian et
al. haben in ihrer Kohorte von 1.818 Patienten unter aktiver Überwachung außerdem
zeigen können, dass der alleinigen PSA-Wertveränderung keine Rolle in der Re-
Klassifikation eines PCa zukommt, sondern dass nur die PSAD ein unabhängiger
Faktor mit erhöhtem Risiko für eine Reklassifikation der ISUP-Gruppierung darstellt
[497].
Bei der Interpretation der PSA-Befunde ist neben der biologischen, präanalytischen
und analytischen Variabilität vor allem die methodenabhängige Variabilität zu
berücksichtigen. Verschiedene zertifizierte Labormethoden können sich um bis zu 30
% unterscheiden. Zusätzlich werden bei Ringversuchen Abweichungen innerhalb einer
Methode von ± 25 % akzeptiert [109]. Für Verlaufsuntersuchungen ist grundsätzlich
dieselbe Methode (Hersteller, Analyseplattform) zu verwenden. Nicht zertifizierte,
semiquantitative und Point-of-Care-Testing-Methoden (z. B. Lateralflow-Tests) sind für
Verlaufsuntersuchungen nicht geeignet
Zu Empfehlung 6.8
Veränderungen der Histologie im Verlauf können auf einem Tumorwachstum, einer
Entdifferenzierung oder einer Fehleinschätzung der Erstbiopsie beruhen. Deshalb ist
eine Zweitbiopsie durchzuführen, um den Erstbefund zu kontrollieren. Der
empfohlene Zeitabstand zum Beginn der Aktiven Überwachung richtet sich danach,
ob vor der Entscheidung bereits eine MRT mit gezielter Biopsie erfolgte (zur MRT in
der Primärdiagnostik siehe u. a. Empfehlung 4.15 und Empfehlung 4.17). Für
Patienten mit initialer MRT und gezielter sowie systematischer Biopsie empfiehlt die
Leitliniengruppe nach 12-18 Monaten eine erneute MRT-gestützte und systematische
Re-Biopsie (wiederum in Kombination mit einer MRT-Bildgebung). Die vorhandenen
und mittlerweile umfangreicheren Daten zur MRT-gestützten Biopsie weisen auf eine
niedrigere Rate an Fehlklassifikationen hin, sodass hier ein Intervall bis zu 18
Monaten als vertretbar angesehen wird.
Erst nach der Durchführung einer kombinierten Biopsie (mpMRT/TRUS-fusionierte
Target-Biopsie und systematische Biopsie), spätestens als konfirmatorische Re-Biopsie
innerhalb von 6 Monaten im Falle einer initial lediglich systematischen Biopsie ohne
MRT, soll die Aktive Überwachung begonnen werden (s. Abbildung 6).
Die Notwendigkeit einer kombinierten MRT-Fusionsbiopsie durch Biopsien der
Indexläsion sowie einer systematischen Biopsie wird anhand einer Meta-Analyse
mehrerer Studien deutlich [565]. In der Kombination werden in der Re-Biopsie 27 %
der Patienten mit einem höheren Tumorgrad detektiert, im Vergleich zu 17 % bzw. 20
% mit alleiniger Fusionsbiopsie bzw. systematischer Biopsie. Liegt eine PI-RADS 3-5
Läsion in der MRT vor, erhöht sich die Detektion eines höheren Tumorgrads bei
kombiniertem Vorgehen auf 35 %, verglichen mit jeweils 24 % bei den
Einzelverfahren. Den positiven Einfluss einer Kombination aus Fusionsbiopsie und
systematischer Biopsie auf die Detektionsrate von höheren Tumorgraden unter der
Aktiven Überwachung konnten auch Klotz et al. in einer prospektiv-randomisierten
Studie zeigen [566]. Alle Patienten in dieser Studie erhielten eine konfirmatorische Re-
Biopsie nach einem Jahr, die eine Gruppe mit einer systematischen Biopsie, die andere
Gruppe mit einer Kombination aus Fusionsbiopsie und systematischer Biopsie. Nach 2
Jahren erhielten alle Patienten eine Kombination aus Fusionsbiopsie und
systematischer Biopsie. In der Gruppe der initial nur systematisch biopsierten Männer
kam es zu einem Abbruch der Aktiven Überwachung in 35 % der Fälle, verglichen mit
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19 % in der kombiniert biopsierten Gruppe. Dabei wurde ein höherer Tumorgrad (ISUP
Grade ≥2) in 23 % der Fälle mit initial systematischer Biopsie detektiert, verglichen mit
lediglich 10 % in der initial kombiniert biopsierten Gruppe.
Der Wert der systematischen Biopsien bleibt erhalten, was die Kombination aus
Target-Biopsien und systematischer Biopsie unterstützt [565], [567]. Es wird bei
Patienten, deren Diagnose durch eine alleinige Target-Biopsie gestellt wurde,
empfohlen, eine systematische Biopsie baldmöglichst nachzuholen [498], [568]. Dies
sieht auch die Leitliniengruppe wie bereits erwähnt als notwendig an, da nach
aktueller Datenlage die Kombination aus systematischer und Target-Biopsie die
höchstmögliche diagnostische Sicherheit bietet.
Aktuelle Studien hinterfragen, ob eine erneute MRT-Fusionsbiopsie erforderlich ist
oder von individuellen Faktoren abhängig gemacht werden kann. Osses et al.
untersuchten eine Kohorte von 111 Patienten mit einem Niedrigrisiko
Prostatakarzinom unter Aktiver Überwachung, die alle nach 1 Jahr eine MRT mit bzw.
ohne MRT-Fusionsbiopsie erhielten [569]. Eine kombinierte zielgerichtete und
systematische Biopsie erfolgte bei allen Patienten mit einer PI-RADS Läsion ≥3; ein
Verzicht auf eine Biopsie erfolgte bei Männern mit unauffälliger MRT (PI-RADS 1-2).
Das Risiko einer Höherstufung (Upgrading) (Gruppe 1: ISUP ≥2, Gruppe 2: ISUP ≥2
und cribriformes oder intraduktales Prostatakarzinom, Gruppe 3: ISUP ≥3) fand sich
bei 48 % (30/63) bzw. 10 % (5/48) der Patienten mit positiver bzw. negativer MRT. Bei
negativer MRT ist das Risiko eines Upgradings deutlich geringer als bei positiver MRT.
Bei seriellen MRT-positiven Männern ist der zusätzliche Nutzen einer Re-Biopsie
erheblich. Auch wenn die Rate der signifikanten Höherstufung der Gruppen 2-3 bei
den Männern mit negativer MRT deutlich geringer ist als bei denjenigen mit einer
positiven MRT, bleibt nach derzeitiger Datenlage die Indikation zur Re-Biopsie 12-18
Monate nach Diagnosestellung bestehen.
Luiting et al. untersuchten anhand einer Kohorte von 1.185 Patienten, die unter
Aktiver Überwachung 1.488 Re-Biopsien erhielten, mögliche Prädiktoren für eine
fehlende Reklassifikation [570]. Die mediane Zeit zwischen Erstbiopsie und Rebiopsie
betrug 13 (IQR 10-40) Monate und 326 (22 %) bzw. 106 (7 %) Patienten zeigten eine
Reklassifikation zu ISUP ≥2 bzw. ≥3. Patienten mit einer unauffälligen mpMRT zeigten
eine solche Reklassifikation in 6 % bzw. 1 % der Fälle. Patienten mit einer negativen
mpMRT und einer PSAD <0,15 ng/ml/ml hatten nur in 10/315 Fällen eine
Höherstufung zu erwarten, während dies bei 20/142 Patienten mit einer PSAD ≥0,15
der Fall war. Patienten mit einer PI-RADS 3-Läsion und einer PSAD <0,15 bzw. ≥0,15
wurden in 21/156 bzw. in 28/124 Fällen reklassifiziert. Diese Daten legen nahe, dass
zumindest bei Patienten mit unauffälliger MRT und nicht suspekter PSAD eine Re-
Biopsie kritisch diskutiert werden kann, während diese in allen anderen Situationen
unabdingbar ist.
Zu Empfehlung 6.9
Die MRT muss geltenden Qualitätsstandards entsprechen. Dabei empfiehlt sich
gerade in der Verlaufsbeobachtung der Patienten der Prostate Cancer Radiological
Estimation of Change in Sequential Evaluation (PRECISE)-Instrument zur, der eine
objektive Beurteilung einer radiologischen Progression der initialen Indexläsion bzw.
neu aufgetretener Indexläsionen zulässt [571], [572], [573].
Zu Empfehlung 6.10
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
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125
Wenn das Ergebnis der 1. Re-Biopsie keine Re-Klassifikation bzw. keinen
Tumorprogress ergibt, kann die Aktive Überwachung fortgesetzt werden. Die
Evidenzlage zum Langzeitnutzen neuer Monitoring-Strategien in Bezug auf
patientenrelevante Endpunkte ist begrenzt.
In einer prospektiven Studie zur Aktiven Überwachung von 369 Patienten (272 mit
ISUP Grad 1 Tumoren und 97 mit ISUP Grad 2 Tumoren) wurde alle 2 Jahre eine
systemische-, eine Fusions- und eine kombinierte Biopsie durchgeführt. Durch die
kombinierte Biopsie kam es jeweils zu einer erhöhten Detektion von
Tumorgradprogression, sodass die Autoren einen Zusatznutzen attestierten [574]. Ein
systematischer Review, der 263 unterschiedliche Protokolle der Durchführung der
Aktiven Überwachung verglich, zeigt, dass 57,7 % der Protokolle eine
konfirmatorische Biopsie innerhalb der ersten 2 Jahre empfehlen und Folgebiopsien
mindestens alle 3 Jahre bis zu 10 Jahre nach Beginn der Aktiven Überwachung [499].
Eine weitere systematische Übersichtsarbeit belegt, dass eine negative Folgebiopsie
für den Patienten zu einer 50 %-igen Risikoreduktion führt, in der Nachfolge eine
Reklassifikation und Höherstufung des Tumors zu erleben [575].
Der Stellenwert der mpMRT wurde in den letzten Jahren gestärkt. Dem soll für die
Steuerung der Aktiven Überwachung und insbesondere weiterer Re-Biopsien im
Verlauf Rechnung getragen werden [576], [577], [498]. Die mpMRT nach geltenden
Qualitätsstandards bietet bei der Verlaufsbeobachtung unter Aktiver Überwachung
die Möglichkeit eines morphologischen Monitorings der Prostata und der
Indexläsionen. Zur Objektivierung einer möglichen Tumorprogression und
Standardisierung der Befundung wurde das bereits oben erwähnte PRECISE-
Instrument entwickelt [571], [572], [573]. Eine Tumorprogression in der MRT nach
PRECISE-Kriterien stellt einen starken Prädiktor für eine Höherstufung dar [578],
[579]. Zwar könnten den Patienten durch die alleinig PRECISE-getriggerte Re-Biopsie
im Verlauf der Aktiven Überwachung zwei Drittel der Re-Biopsien erspart werden,
jedoch besteht möglicherweise ein Risiko, Tumorprogressionen zu verpassen. Eine
weitere Arbeit zu dieser Thematik konnte zeigen, dass der negativ prädiktive Wert
zum Ausschluss einer Progression in der mpMRT unter Verwendung der PRECISE-
Kriterien lediglich 0,81 betrug [580]. Diese Daten stellen die Rationale für die noch
beibehaltene Empfehlung einer Re-Biopsie alle 3 Jahre innerhalb der ersten 10 Jahre
aktiver Überwachung dar (s. Abbildung 6). Aktuelle Studien evaluieren, wie repetitive
MRT-Untersuchungen in das Konzept der Aktiven Überwachung sinnvoll integriert
werden können und inwiefern sie Re-Biopsien ersetzen könnten [581]. Die Datenlage
reicht für eine evidenzbasierte Empfehlung diesbezüglich noch nicht aus.
Die prospektive in Deutschland durchgeführte PROMM-AS Studie untersuchte an 101
Männern, inwiefern stabile PRECISE Werte Re-Biopsien ersetzen können [582]. Eine Re-
Biopsie wurde bei Patienten mit einem stabilen Wert um 1 Jahr verschoben und bei
Patienten, deren Wert sich verschlechterte, unmittelbar durchgeführt. Nach 24
Monaten Aktiver Überwachung unterzogen sich alle Männer einer MRT und einer
Biopsie. Von den Patienten mit ISUP Grad 1 und einem stabilen MRT-Wert konnten 88
% eine Biopsie vermeiden. Bei Patienten mit fortschreitendem MRT-Wert wurde der
Abbruch der Aktiven Überwachung in 81 % der Fälle der Gradgruppe 1 und in 92 %
der Fälle der Gradgruppe 2 korrekt empfohlen.
Prognosefaktoren, die mit einer histopathologischen Reklassifikation und einer
Tumorprogression im Laufe der Aktiven Überwachung assoziiert sind, werden immer
als Entscheidungshilfe für die Durchführung einer Re-Biopsie herangezogen. Dazu
zählen eine hohe PSAD und eine hohe PSA-Dynamik. Durch die genauere Bestimmung
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
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der PSAD über die Volumetrie in der MRT steht ein Surrogat-Parameter für eine
mögliche Tumorprogression zur Verfügung [583]. In der PRIAS-Studie stellt die
Zunahme der PSAD auf >0,2 ng/ml/ml eine Biopsieindikation dar [560].
Zu Empfehlung 6.11
Bezüglich der Reklassifikationskriterien im Verlauf der Aktiven Überwachung zeigt
sich eine große Heterogenität, da sich die Diagnostik im Laufe der letzten Jahre,
insbesondere durch die Integration der MRT, stetig verändert hat. Re-Biopsien, die im
Laufe der Aktiven Überwachung indiziert sind, sind bevorzugt als kombinierte
mpMRT/TRUS-fusionierte Target-Biopsie und systematische Biopsie nach geltenden
Qualitätsstandards durchzuführen. Die entsprechenden histopathologischen Befunde
stellen eine valide Entscheidungsgrundlage für eine Fortführung oder den Abbruch
der Aktiven Überwachung dar.
Die Verdopplungszeit des PSA-Wertes (PSADT) dient zunächst als Kriterium für die
Indikationsstellung zu einer diagnostischen Re-Evaluation. Diese neue Empfehlung
liegt darin begründet, dass ein PSA-Anstieg zwar Folge einer Tumorprogression sein
kann, jedoch bekanntermaßen anderen möglichen Einflussfaktoren unterliegt und
somit als alleiniger Therapietrigger angesichts der Möglichkeiten der MRT-
Untersuchung nicht mehr adäquat erscheint [584], [585], [586], [587], [588], [589].
Klotz et al. 2010 konnten nach 7,8 Jahren eine statistisch signifikante Korrelation mit
der Prognose bei einem Grenzwert einer Verdoppelungszeit von drei Jahren
bestätigen [584].
Zusätzlich zur PSADT kommt der PSA-Dichte (PSAD) eine besondere Bedeutung in der
Identifikation der Patienten mit einer Progression unter Aktiver Überwachung zu. Es
konnte an einer Kohorte von 391 Patienten unter Aktiver Überwachung gezeigt
werden, dass die PSAD eine klinisch signifikante Progression insbesondere dann
detektierte, wenn unter PRECISE-Definitionen eine systematische Biopsie trotz
negativem mpMRT erfolgte (HR 1,95, 95 % KI 1,17-3,25) [590].
Soeterik et al. analysierten 1.000 Patienten unter Aktiver Überwachung und zeigten,
dass eine PSAD ≥0,2 ng/ml/ml der wichtigste individuelle Faktor war, der mit einem
signifikant erhöhten Risiko einer Tumorprogression assoziiert war [563]. An einer
anderen großen Kohorte von 1818 Patienten unter Aktiver Überwachung konnte
gezeigt werden, dass der alleinigen PSA-Wertveränderung keine Rolle bei der Re-
Klassifikation eines PCa zukommt, sondern dass nur die PSAD ein unabhängiger
Faktor mit erhöhtem Risiko einer Reklassifikation der ISUP-Gruppierung darstellt
[497]. Weitere Daten sprechen für einen zukünftigen Nutzen der PSAD im Kontext der
MRT-Bildgebung bei der Einschätzung der klinischen Signifikanz des PCa und einer
möglichen Progression [591], [583], [592].
Selbstverständlich sind während der Aktiven Überwachung stets die Befindlichkeit
und der mögliche Patientenwunsch nach einer aktiven Therapie zu re-evaluieren und
zu berücksichtigen. Bis zu 10 % der Patienten berichten im Kontext der Aktiven
Überwachung über relevante Ängste, die zu einem Abbruch und zum Umstieg auf
eine aktive Therapie führten [584]. In der PRIAS-Studie lag der Anteil der Patienten,
die aus Angstgründen die Therapie wechselten, nach 5 und 10 Jahren
Nachbeobachtung bei jeweils 5 % [560]. Persistierende Angst als Grund zum Abbruch
der Aktiven Überwachung wurde auch in der DETECTIVE-Studie als valider Grund zum
Strategiewechsel aufgeführt [498].
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
127
Gleichermaßen müssen neu aufgetretene Komorbiditäten, die sich auf die Strategie
der Aktiven Überwachung und den kurativen Ansatz auswirken können,
berücksichtigt werden und ggf. ein Wechsel zu einem Watchful Waiting erwogen
werden (siehe Kapitel 6.8). Dies gilt insbesondere dann, wenn durch PCa-unabhängige
Gegebenheiten die Lebenserwartung des Patienten deutlich eingeschränkt erscheint.
Es empfiehlt sich die Aktive Überwachung beizubehalten, wenn der Patient dieser
Strategie weiterhin zustimmt, keines der unter Empfehlung Empfehlung 6.11
genannten Abbruchkriterien aufgetreten ist und keine neue Komorbidität, die die
Lebenserwartung des Patienten einschränkt, vorliegt. Möglicherweise auftretende
Vorbehalte oder Ängste seitens des Patienten müssen bereits früh im Rahmen der
Aufklärung über die Aktive Überwachung unter Darstellung der Vor- und Nachteile
thematisiert werden. Gespräche und erneute Aufklärung sind Hilfestellungen, um die
Ängste und die Anzahl der Abbrecher einer Aktiven Überwachung trotz objektiver
Eignung zu reduzieren.
Die Empfehlungen zur aktiven Überwachung aus den Kapiteln Kapitel 6.2.1 (Aktive
Überwachung beim lokal begrenzten Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils)
und Kapitel 6.3.1 (Aktive Überwachung beim intermediären Risikoprofil) sind im
folgenden Flussdiagramm (Abbildung 6) veranschaulicht.
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
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Abbildung 6: Flussdiagramm Aktive Überwachung
6.2 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
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129
6.2.2 Ablehnung/Beendigung der Aktiven Überwachung
Für Patienten mit einem Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils (nach D’Amico
beziehungsweise „very low risk“ und „low risk“ nach NCCN-Klassifikation [289]) wird
die aktive Überwachung als Standardtherapie angesehen. Die vorliegenden Daten
belegen, dass durch Aktive Überwachung die behandlungsassoziierte Morbidität
vermieden werden kann ohne die tumorassoziierte Mortalität bzw. Gesamtmortalität
zu erhöhen. Deshalb sollten alle Patienten mit low-risk Karzinom aktiv überwacht
werden.
Bei Patienten, die nach entsprechender Aufklärung eine Aktive Überwachung ihres
low-risk- oder very-low-risk-Prostatakarzinoms ablehnen, diese im Verlauf abbrechen
oder aus anderen Gründen wie beispielsweise einer symptomatischen subvesikalen
Obstruktion eine aktive Therapie ihres low-risk- oder very-low-risk-Prostatakarzinoms
wünschen, sind die radikale Prostatektomie, die perkutane Strahlentherapie (ohne
begleitende Androgendeprivation) oder (wenn keine relevante Obstruktion oder
andere Kontraindikationen vorliegen) die LDR-Brachytherapie Optionen.
6.12 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2025
EK
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils
(nach D’Amico beziehungsweise „very low risk“ und „low risk“ nach NCCN-
Klassifikation) sollen keine Lymphadenektomie erhalten.
Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.12
Bei Patienten mit einem Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils (nach D’Amico
beziehungsweise „very low risk“ und „low risk“ nach NCCN-Klassifikation [289]), die
sich gegen eine aktive Überwachung entscheiden oder für diese nicht geeignet sind
und eine radikale Prostatektomie wünschen, ist keine Lymphadenektomie
erforderlich. Die von aktuellen Nomogrammen vorhergesagte Wahrscheinlichkeit
einer Lymphknotenbeteiligung bei diesen Patienten liegt, von wenigen
Ausnahmefällen abgesehen, bei unter 1 % [593], [336]. Ältere Nomogramme wie das
„Briganti 2012 Nomogram" geben etwas höhere Wahrscheinlichkeiten für einen
Lymphknotenbefall an. Demgegenüber steht das Risiko für Lymphadenektomie
assoziierte Komplikationen, insbesondere behandlungsbedürftige Lymphozelen
[594].
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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130
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des
intermediären und hohen Risikoprofils
Die in diesem Kapitel dargestellten Therapieoptionen beim lokal begrenzten
Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils sind (inkl. ausgewählter
Informationen zur Ausführung) nach Empfehlungsgrad in der folgenden Abbildung
zusammengefasst. Die jeweilige Evidenzdarstellung bzw. klinische Beweggründe sind
in den nachfolgenden Abschnitten aufgeführt. Auch die exakte Definition des
Risikoprofils ist den jeweiligen Empfehlungen zu entnehmen. Siehe hierzu auch
Kapitel 4.3.
In den sich anschließenden Unterkapiteln sind die Empfehlungen nach
Therapiemodalitäten sortiert. Die Reihenfolge der Unterkapitel hat keinen Bezug zur
Wertigkeit der Empfehlungen.
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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131
Abbildung 7: Therapieoptionen beim lokal begrenzten Prostatakarzinom des intermediären
Risikoprofils inkl. ausgewählter Informationen zur Ausführung entsprechend der
Empfehlungen dieses Kapitels nach Empfehlungsgrad
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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132
Die exakte Definition des Risikoprofils ist den jeweiligen Empfehlungen zu
entnehmen. Siehe hierzu auch Kapitel 4.3 (Staging). * Der Empfehlungsgrad bezieht
sich jeweils auf die Hauptempfehlung zu einer Modalität.
6.3.1 Aktive Überwachung (Active Surveillance) beim
intermediären Risikoprofil
6.13 Konsensbasierte Empfehlung modifiziert 2025
EK
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom der ISUP Gruppe 2 und
günstigem Risikoprofil kann eine Aktive Überwachung angeboten werden. Das
günstige Risikoprofil beinhaltet kein cribriformes und/oder intraduktales
Wachstum und einen geringen Anteil Gleason-Muster 4.
Starker Konsens
6.14 Konsensbasierte Empfehlung geprüft 2025
EK
Patienten mit folgenden Parametern sollen keine Aktive Überwachung erhalten:
• PSA-Werte ≥15 ng/ml
• ISUP Gruppe 2 mit ungünstigem Risikoprofil* oder ISUP Gruppe 3 bis 5
(Gleason-Score ≥7b)
• Lokal fortgeschrittenes Tumorstadium (≥cT3 und/oder cN+)
*cribriformes oder intraduktales Wachstum, hoher Anteil Gleason-Muster 4.
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.13
Internationale Leitlinien, inklusive der Leitlinie der EAU, empfehlen die Strategie der
Aktiven Überwachung auch bei Patienten mit intermediärem Risiko zu diskutieren und
in ausgewählten Fällen anzuwenden [595], [596], [597], [598].
In der bereits erwähnten PROTECT-Studie wiesen 34 % der randomisierten Patienten
ein PCa mit intermediärem oder hohem Risiko auf (s. o.; [553]). Zu den Faktoren, die
mit einem erhöhten Risiko für eine Tumorprogression assoziiert waren, zählten: das
Aktive Monitoring, die Höhe des PSA-Wertes bei Diagnose, ein höherer ISUP-Grad zum
Zeitpunkt der Diagnosestellung, ein höheres cT-Stadium, eine höhere
Risikogruppierung, die Anzahl und Länge der befallenen Stanzzylinder und das
Vorhandensein einer Perineuralscheideninvasion (Pn1). Diese Faktoren konnten
jedoch den Krankheitsverlauf einzelner Patienten nicht zuverlässig vorhersagen, d.h.
sie eigneten sich nicht als alleiniger Prädikator für eine spätere Progression.
Eine systematische Übersichtsarbeit zu Patienten, die mit intermediärem Risikoprofil
aktiv überwacht wurden, identifizierte 17 relevante Studien mit insgesamt 6.591
Patienten [599]. Die Definitionen für das intermediäre Risiko waren heterogen, jedoch
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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133
war eine vergleichende Analyse des Überlebensendpunktes zwischen der Gruppe mit
niedrigem und intermediärem Risiko möglich. Das krebsspezifische Überleben war
nach 10 Jahren (OR 0,47, 95 % KI 0,31–0,69) und nach 15 Jahren (OR 0,34, 95 % KI
0,2–0,58) in der Gruppe mit intermediärem Risiko geringer. Auch das metastasenfreie
Überleben (OR 0,46, 95 % KI 0,28–0,77) und das Gesamtüberleben (OR 0,43, 95 % KI
0,35–0,53) war nach 10 Jahren signifikant kürzer in der Gruppe mit intermediärem
Risiko.
Eine weitere systematische Übersichtsarbeit, die Studien mit insgesamt 29.673
Patienten mit niedrigem und intermediärem Risiko einschloss, zeigte ebenfalls
ungünstigere Ergebnisse für Patienten mit intermediärem Risikoprofil [600]. Dies
betraf nach einer Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren das behandlungsfreie
Überleben (RR 1,16; 95 % KI 0,99–1,36), das Risiko für die Entwicklung von
Metastasen (RR 5,79; 95 % KI 4,61–7,29), das Risikos für eine PCa-spezifische
Mortalität (RR 3,93; 95 % KI 2,93–5,27) und das generelle Mortalitätsrisiko (RR 1,44;
95 % KI 1,11–1,86). Eine Subgruppenanalyse mit vier Studien (n=1.900) ergab jedoch,
dass das behandlungsfreie und metastasenfreie Überleben von Patienten mit
intermediärem und niedrigem Risiko bei ISUP-Grad ≤ 2 vergleichbar war. Es zeigte
sich kein statistisch signifikanter Unterschied hinsichtlich des behandlungsfreien
Überlebens oder des Risikos für eine Metastasierung.
Ergänzt werden diese Daten durch eine weitere Meta-Analyse aus dem Jahr 2023
[601]. Die Übersichtsarbeit umfasste 25 Studien, von denen 13 Studien Daten zur
behandlungsfreien, 6 Studien zur PCa-spezifischen (CSS) und 7 Arbeiten Daten zum
Gesamtüberleben (OS) lieferten. Die behandlungsfreie Überlebenszeit unterschied
sich in der Gruppe mit mittlerem Risiko im Vergleich zur Niedrigrisiko-Gruppe nach 5,
10 und 15 Jahren nicht signifikant. Die krebsspezifische Überlebenszeit hingegen war
nach 15 Jahren signifikant niedriger (RR: 0,92; 95%-KI: 0,89-0,96) und die
Gesamtüberlebenszeit nach zehn Jahren signifikant niedriger (RR: 0,87; 95%-KI: 0,82-
0,93) in der Gruppe mit mittlerem Risiko im Vergleich zu Patienten mit niedrigem
Risiko. In einigen der Studien waren jedoch Patienten mit ISUP-Gradgruppe-3
eingeschlossen. In der Subgruppe der Patienten mit ISUP-Gruppe ≤ 2 konnte kein
Unterschied bei den jeweiligen onkologischen Endpunkten zwischen low und
intermediate risk beobachtet werden.
Somit scheint ein Teil der Patienten in der Gruppe mit intermediärem Risiko für eine
Aktive Überwachung geeignet zu sein. Die Strategie der Aktiven Überwachung
erscheint in dieser Patientengruppe anwendbar, jedoch muss innerhalb der
intermediären Risikogruppe ein günstiges Risikoprofil (kein cribriformes oder
intraduktales Wachstum, geringer Anteil des Gleason-Musters 4) vorliegen [498],
[602], [603]. Außerdem müssen die Patienten über ein möglicherweise erhöhtes
Risiko für eine Tumorprogression im Vergleich zu Patienten in der
Niedrigrisikogruppe aufgeklärt werden. Eine mpMRT scheint auch in dieser
Patientengruppe sinnvoll, um das Risiko, kurzfristig klinisch signifikante Tumoren zu
übersehen, zu senken.
Für weitere Ausführungsempfehlungen zur Aktiven Überwachung siehe Kapitel 6.2.
Zu Empfehlung 6.14
Weitgehender Konsens besteht dahingehend, dass Patienten mit ISUP Grad 3 oder
Patienten mit intraduktaler oder cribriformer Histologie, das heißt biologisch
aggressiven Tumoren, nicht für eine Aktive Überwachung in Betracht zu ziehen sind
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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134
[498]. Das Vorhandensein eines Gleason Musters 4 geht beispielsweise mit einem
dreifach erhöhten Risiko für die Entwicklung von Metastasen im Vergleich zu ISUP
Grad 1 einher. Jedoch konnte gezeigt werden, dass sich die rezidivfreien
Überlebensraten nicht signifikant unterscheiden, wenn der quantitative Anteil des
Gleason-Patterns 4 zwischen 0-30 % liegt [604]. Auch andere ungünstige
histopathologische Kriterien werden zum Ausschluss einer Aktiven Überwachung
herangezogen. Dazu zählen ein sarkomatoides oder kleinzelliges Wachstum und das
Vorhandensein einer lymphovaskulären oder Perineuralscheideninvasion in der
Stanzbiopsie [605], [606]. Ein initial höherer PSA-Wert (bis zu 20 ng/ml) scheint
jedoch weniger mit einer Tumorprogression assoziiert zu sein [607], [608], [609].
Die Leitliniengruppe hat sich bezüglich der Definition eines PSA-Schwellenwertes zum
Ausschluss für eine Aktive Überwachung mit ≥15 ng/ml auf einen Kompromiss
verständigt, da keine eindeutige Evidenz für die Anwendung dieses Schwellenwertes
existiert. Sowohl in die prospektive Serie von Klotz et al. als auch in die PROTECT-
Studie wurden Patienten mit einem PSA-Wert bis <20 ng/ml eingeschlossen [551],
[553]. Diesen Wert sieht die Leitliniengruppe jedoch als Obergrenze. Es könnte in
Ausnahmefällen, z.B. bei sehr großen Prostatadrüsen, einen Einschluss in die Aktive
Überwachung erlaubt werden, wenn PSA-Werte zwischen 15 und 20 ng/ml vorliegen.
Hohe PSA-Werte ≥10ng/ml waren in der PROTECT-Studie jedoch lediglich bei 10 % der
Patienten in der Gruppe unter Aktivem Monitoring vorhanden [610]. Der Einschluss
von Patienten mit einem PSA-Wert bis zu 15 ng/ml erscheint vertretbar bei sonstiger
Erfüllung der unter Empfehlung Empfehlung 6.6 und Empfehlung 6.13 genannten
Einschlusskriterien. Im individuellen Fall und im Kontext sehr großer Prostatadrüsen
mit geringer PSA-Dichte sind individuelle Grenzen sinnvoll und vertretbar.
Die Kriterien „Anzahl der befallenen Stanzzylinder“ und „Karzinomanteil in den
einzelnen Stanzzylindern“ werden durch die zunehmende Durchführung der
mpMRT/TRUS-fusionierten Prostatabiopsie in Frage gestellt, da durch die Target-
Biopsie ein verzerrtes Bild entstehen kann und keine klaren Schwellen- bzw.
Surrogatparameter für die Einschätzung des Tumorvolumens in den Stanzbiopsaten
definiert sind. Beispielsweise ist die Detektion von geringvolumigen Arealen eines
Gleason-Musters 4 durch die Anwendung der mpMRT/TRUS fusionierten Biopsie
wahrscheinlicher als mit der rein systematischen Biopsie ohne vorherige MRT. Wenn
eine initiale mpMRT-gestützte Biopsie durchgeführt wurde, ist die Anzahl der
positiven Stanzzylinder kein eindeutiger Indikator mehr für die Ausdehnung des PCa
bzw. für das Tumorvolumen [498]. Das Volumen der dominierenden Target-Läsion in
der mpMRT liefert diesbezüglich präzisere Informationen.
Gleichermaßen muss die Wertigkeit des klinischen Tumorstadiums (cT) für die
Auswahl geeigneter Kandidaten für eine Aktive Überwachung hinterfragt werden.
Durch die Integration der MRT in die initiale Diagnostik ist eine klinische und
bildgebende Risikostratifizierung besser möglich und Patienten mit einem tatsächlich
fortgeschritteneren Tumorwachstum können unmittelbar identifiziert und von einer
Aktiven Überwachung ausgeschlossen werden. Eine rein klinische Differenzierung der
Kategorien cT2a vs. cT2b vs. cT2c mittels digital-rektaler Untersuchung ist ohnehin
mit Ungenauigkeiten behaftet und wird perspektivisch durch eine umfassendere
Risikoeinteilung, wie z. B. der Cambridge Prognostic Groups ersetzt werden [611].
Letztere erweitert die D’Amico Niedrigrisikogruppe durch Integration von cT2-
Tumoren. Durch den Einschluss der MRT zur klinischen Risikoklassifizierung wird in
einem geringen Prozentsatz ein Stadienshift in höhere Risikogruppen hervorgerufen
(cT3a). Dieses Phänomen ist aber in der Häufigkeit begrenzt und im Kontext der
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
135
Aktiven Überwachung nicht relevant, da es die onkologische Sicherheit derselben eher
steigert [612].
Bei Patienten mit einem intermediären Risikoprofil muss die Aktive Überwachung
besonders stringent, aufgrund des im Vergleich zur Niedrigrisikogruppe erhöhten
Progressionsrisikos, durchgeführt werden. Die Leitliniengruppe hält es für indiziert,
die Aktive Überwachung nur unter Integration der mpMRT-Bildgebung anzubieten (s.
Empfehlung 6.8 inklusive Abbildung 6). Sollte eine MRT kontraindiziert sein, so
müssen bei rein systematischen Biopsien Surrogatparameter für die Einschätzung des
Tumorvolumens herangezogen werden (z. B. die Anzahl der befallenen Stanzzylinder
und der prozentuale Befall eines Stanzzylinders).
Die Empfehlungen zur Aktiven Überwachung beim intermediären Risikoprofil sind im
Flussdiagramm in Abbildung 6 (siehe Kapitel 6.2.1) veranschaulicht.
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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136
6.3.2 Radikale Prostatektomie
6.15 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
A
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils
und einer Lebenserwartung von über 10 Jahren soll eine radikale Prostatektomie
angeboten werden.
Evidenzlevel
1-
[613]
Starker Konsens
6.16 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
A
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils und
einer Lebenserwartung von über 10 Jahren soll eine radikale Prostatektomie,
gegebenenfalls als Teil einer multimodalen Therapie, angeboten werden.
Evidenzlevel
1-
[613]
Starker Konsens
6.17 Konsensbasierte Empfehlung neu 2025
EK
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils
können eine ausgedehnte Lymphadenektomie erhalten.
Starker Konsens
6.18 Konsensbasierte Empfehlung neu 2025
EK
Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom mit hohem oder sehr hohem
Risiko (nach NCCN-Klassifikation) und Patienten mit lokal fortgeschrittenem
Prostatakarzinom sollten im Rahmen einer radikalen Prostatektomie eine
ausgedehnte Lymphadenektomie erhalten.
Starker Konsens
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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137
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.15 und Empfehlung 6.16
Für eine Empfehlung zum lokal begrenzten Prostatakarzinom des sehr hohen Risikos
nach NCCN siehe Empfehlung 6.54.
Die in den Empfehlungen genannte Risikoklasse „intermediäres Risikoprofil“ meint die
D’Amico-Risikoklasse „intermediate risk“ und die NCCN-Risikoklassen „favorable
intermediate risk“ und „unfavorable intermediate risk“ [289]. Die Risikoklasse „hohes
Risikoprofil“ meint die D’Amico-Risikoklasse „high risk“ und die NCCN-Risikoklasse
„high risk“. Die Risikoklasse „sehr hohes Risiko“ meint die NCCN-Risikoklasse „very
high risk“ [289]. Die Risikoklasse „sehr hohes Risiko“ ist in den Empfehlungen zur
radikalen Prostatektomie mit dem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom (klinische
Stadien T3 und T4) zusammengefasst, welches sie einschließt (siehe Kapitel 6.4.1).
Die Aufklärung von Patienten, die eine radikale Prostatektomie wünschen, umfasst
mindestens die Risiken Harninkontinenz, erektile Dysfunktion, positive
Resektionsränder, mögliche Zusatztherapien sowie allgemeine und spezielle mit der
Operation zusammenhängende Komplikationsmöglichkeiten, die Vor- und Nachteile
einer Lymphadenektomie und mögliche Therapiealternativen.
Für keinen der operativen Zugangswege (offen, konventionell laparoskopisch,
roboterassistiert-laparoskopisch) bei der radikalen Prostatektomie ist eine
Überlegenheit hinsichtlich der onkologischen oder funktionellen Ergebnisse bewiesen
[614], [615]. Neuere randomisierte Studien suggerieren bei gleichen onkologischen
Ergebnissen leichte Vorteile für den roboterassistierten Zugang hinsichtlich Potenz-
und Kontinenzerhalt [616], [617]. Da Können und Erfahrung des Operateurs und die
Bevorzugung eines Zugangsweges möglicherweise einen hohen und im Vergleich zum
Zugangsweg schwerer objektiv messbaren Einfluss auf die funktionellen Ergebnisse
nach radikaler Prostatektomie haben, kann derzeit jedoch kein Zugang bevorzugt
empfohlen werden. Minimal-invasive Zugangswege sind mit einem geringeren
Blutverlust und kürzerem Klinikaufenthalt verbunden [616].
Zur Abschätzung des individuellen Risikos stehen der rektale Tastbefund, der ISUP-
Grad, der Befund eines Magnetresonanz-Tomogramms oder eine Kombination dieser
Informationen, beispielsweise mittels eines Nomogramms zusammengeführt, zur
Verfügung [307]. Ein Erhalt des neurovaskulären Bündels ist bei Patienten mit einem
hohen Risiko eines Kapseldurchbruchs auf der betreffenden Seite nicht zu empfehlen
[307]. Bei weitgehendem Fehlen aussagekräftiger randomisierter Studien zum
Vergleich von Strahlentherapie und radikaler Prostatektomie bei Patienten mit lokal
begrenztem Prostatakarzinom mit intermediärem, hohem oder sehr hohem Risiko
müssen Meta-Analysen zum Vergleich beider Optionen [618] wegen
Verzerrungsgefahr mit Vorsicht interpretiert werden. Auch neuere randomisierte
Studien [619], [541] bringen hier keine wesentlichen zusätzlichen Erkenntnisse. Die
Leitlinie verzichtet darum auf eine bevorzugte Empfehlung einer der beiden Optionen
für diese Indikationen. Gegenüber verzögerter oder unterlassener Operation ist die
frühzeitige radikale Prostatektomie in Metaanalysen beim lokal begrenzten
Prostatakarzinom mit intermediärem Risiko hinsichtlich tumorspezifischem und
Gesamtüberleben überlegen [620], [621]. Bei Patienten mit hohem Risiko wurde zwar
in der Metaanalyse der zwei auswertbaren randomisierten Studien das
Signifikanzniveau für das Gesamtüberleben knapp verfehlt (HR 1,23 (95% KI 0,95;
1.59), zu Ungunsten der konservativen oder verzögerten Therapie), der starke Trend,
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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138
die Wahrscheinlichkeit einer Selektion zugunsten „guter“ Risiken und die geringe
Power dieser Subgruppenanalysen lässt einen Überlebensvorteil für die radikale
Prostatektomie jedoch auch in dieser Population wahrscheinlich erscheinen. In den
Metaanalysen wurde keine „very-high-risk“-Kategorie abgetrennt [622], [623].
Gegenüber konservativer Therapie ist die radikale Prostatektomie mit einer höheren
Rate an Inkontinenz und Impotenz als Nebenwirkungen verbunden [624], [625].
Verglichen mit einer perkutanen Strahlentherapie sind nach einer radikalen
Prostatektomie Inkontinenz und Impotenz häufiger, Darmprobleme dagegen seltener
[626], [627].
Zu Empfehlung 6.17 und Empfehlung 6.18
Die EAU-Leitlinie gibt keine getrennten Lymphadenektomie-Empfehlungen für das
intermediäre und das hohe Risiko [307]. Patienten mit günstigem intermediärem
Risikoprofil können eine Wahrscheinlichkeit für einen Lymphknotenbefall von einem
Prozent oder weniger haben [594], [593], sodass bei diesen Patienten eine
(ausgedehnte) Lymphadenektomie nicht in jedem Fall erforderlich ist. Wird eine
Lymphadenektomie durchgeführt, so empfiehlt die EAU-Leitlinie 2024 diese
ausgedehnt durchzuführen. Dies umfasst laut EAU-Leitlinie 2024 die Entfernung der
Lymphknoten im Gebiet der A. und V. iliacae externae, der Fossa obturatoria oberhalb
und unterhalb des Nervus obturatorius sowie die Lymphknoten medial und lateral der
A. iliaca interna [307]. Schnellschnittuntersuchungen von Lymphknoten, um über
einen möglichen Abbruch der Operation zu entscheiden, werden nicht empfohlen
[307]. Bisher ist nicht gesichert, ob eine Lymphadenektomie beim Prostatakarzinom
das onkologische Ergebnis verbessert [307].
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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139
6.3.3 Perkutane Strahlentherapie
6.19 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
A
Die perkutane Strahlentherapie soll in IMRT-Technik unter Einsatz bildgeführter
Techniken (IGRT) durchgeführt werden.
Evidenzlevel
1++,2+
[628], [629]
Starker Konsens
6.20 Evidenzbasierte Empfehlung geprüft 2025
Empfehlungsgrad
A
Patienten mit einem Prostatakarzinom aller Risikogruppen sollen bei Verwendung
einer Standardfraktionierung mit einer Dosis von mindestens 74,0 Gy bis ca. 80
Gy (IMRT + IGRT) bestrahlt werden.
Evidenzlevel
1++,
2+
[629], [628]
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.19
Die intensitätsmodulierte Bestrahlung, sei es in der sogenannten VMAT-Technik
(Volumetrik Arc-Therapy) oder in der sogenannten Stehfeldtechnik („Dynamic Arc“),
hat in der klinischen Routine die frühere 3 dimensional-geplante Bestrahlung in den
allermeisten Fällen abgelöst. Speziell für die Therapie des Prostatakarzinoms hat die
Arbeitsgruppe um Viani et al [629] in einer prospektiven randomisierten Phase 3-
Studie mit 215 Patienten zeigen können, dass mit der intensitätsmodulierten
Bestrahlung im Vergleich zu primär 3D-geplanten Bestrahlung sowohl die Akut- als
auch die Spätfolgen signifikant gesenkt werden können. Der primäre Endpunkt dieser
Studie war die Reduktion der genitourinären (GU)- und gastrointestinalen (GI)-
Spättoxizität. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 4 Jahre. Sowohl die Raten
>= Grad 2 GU- und GI-Toxizität konnten als Bestätigung des Endpunktes signifikant
verringert werden (für beides p= Grad 2 akuten GI- und GU-Toxizität (p< 0,05).
Indirekt bestätigt wurden die Daten durch eine Metaanalyse von Yu et al [628]. Es
wurden 23 Studien mit über 9.500 Patienten, zumeist retrospektiv untersucht. Hierbei
zeigte sich, dass die Grad 2-4 akuten und späten GI-Toxizitäten (insbesondere auch
die späte rektale Blutung) signifikant im Vergleich zur 3D-geplanten Bestrahlung
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
140
verringert wurden. Darüber hinaus war die Effektivität der biochemischen
Progressionsfreiheit verbessert.
In der Summe unterstützen die vorliegenden Daten durch Level 1-Evidenz den Einsatz
der Intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT)- / VIMAT-Technik als
Standardtherapie der Bestrahlung des Prostatakarzinoms sowohl primär als auch
indirekt bei gleicher Technik postoperativ nach radikaler Prostatektomie.
Zu Empfehlung 6.20
Eine Dosis von 74-80 Gy soll bei Patienten mit Prostatakarzinom aller Risikogruppen
bei Verwendung einer Normofraktionierung (ED 1.8 - 2 Gy, Zielvolumen gesamte
Prostata) angewendet werden. Dies beruht auf den Daten von 6 randomisierten Phase-
III-Studien zum Effekt einer Erhöhung der Gesamtdosis einer normofraktionierten
Radiotherapie (RT) auf 74-80 Gy. Alle 6 RCTs konnten zeigen, dass ein signifikanter
Vorteil der Dosiseskalation hinsichtlich des biochemisch und klinisch
progressionsfreien Überlebens vorliegt [630], [631], [632], [633], [634], [635]. Eine
Metaanalyse aus den 6 RCTs inkludierte 2420 Patienten mit primärem
Prostatakarzinom aller Risikogruppen und konnte eine signifikante Reduktion des
Risikos für ein biochemisches Rezidiv für alle Risikogruppen nachweisen (OR 0.60,
99% CI 0.47-0.76) [636]. Zwei der vorher genannten RCTs, berichteten nach einer
mittleren Nachbeobachtungszeit von >8 Jahren über eine signifikante Reduktion der
Rate an Fernmetastasen [634], [635]. Eine single-center RCT mit 301 Patienten des
mittleren und hohen Risikos verglich eine Dosierung von 70 mit 78 Gy in 2 Gy [634].
Die Studie konnte nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 15 Jahren einen
signifikanten Vorteil im krankheitsspezifischen Überleben (6.3% vs 3.2%, p=0.045)
und im Auftreten von Fernmetastasen (3.1 % vs 1.1 %, p=0.018) zeigen. Die RTOG
0126 Studie schloss 1532 Patienten des niedrigen und mittleren Risikos ein und
verglich eine Dosierung von 70.2 Gy mit 79.2 Gy in 1.8 Gy Einzeldosen [635]. Die
kumulative Rate an Fernmetastasen lag bei 6% (70.2 Gy) versus 4% im
dosiseskalierten Arm (79.2 Gy) (HR: 0.65; 95% CI, 0.42-1.01; p =0.05). In keiner der
Studien konnte ein signifikanter Vorteil in Bezug auf das Gesamtüberleben gezeigt
werden (HR: 1.00; 95% CI: 0.83-1.20; p = 0.98).
In einem Cochrane Review von Kim et al., wurden die Toxizitäten nach
dosiseskalierter Strahlentherapie des primär-lokalisierten Prostatakarzinoms
untersucht [636]. Hierbei wurden 5437 Patienten aus 9 RCTs eingeschlossen und eine
dosiseskalierte Strahlentherapie als eine normofraktionierte Bestrahlung von ≥74 Gy
in 1.8-2 Gy Einzeldosis definiert. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass eine
Eskalation der Gesamtdosis zu keiner gesicherten Steigerung der Rate an Grad ≥3 GU
(RR 1.25, 95% CI 0.95 to 1.63; I2 = 0%; 4962 Patienten) und GI (RR 1.72, 95% CI 1.32
to 2.25; I2 = 0%; 4992 Patienten) Toxizitäten führt. Es ist wichtig zu erwähnen, dass
nur zwei der neun RCTs des Cochrane Reviews eine moderne IMRT/IGRT-gestützte
Strahlentherapie durchgeführt haben. Eine dosiseskalierte Strahlentherapie in 3D-
konformaler Technik hat im Vergleich zu einer modernen IMRT/IGRT Technik, also
der heutigen Standardtechnik eine dreifach erhöhte Rate akuter GI Toxizität vom Grad
≥2 (20 % vs. 61 %, p = 0.001) 5 Jahre nach Strahlentherapie [637]. In neueren RCTs, in
denen eine Strahlentherapie von 74-80 Gy unter Anwendung von modernen
IMRT/IGRT Techniken eingesetzt wurde, wurden kumulative GI und GU Grad ≥3
Toxizitäten mit einer Rate von <3% beschrieben [638], [639], [640].
Derzeit ist unklar, ob eine weitere Eskalation der Bestrahlungsdosis >80 Gy auf die
gesamte Prostata die Tumorkontrolle signifikant verbessert. So wurden in einer Meta-
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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141
analyse 13.384 Patienten aus 14 RCTs zur Bestrahlung des primären
Prostatakarzinoms inkludiert [641]. Nach der Modellierung einer generalisierten
Dosisleistungskurve für alle Patienten, schlussfolgerten die Autoren, dass
Bestrahlungsdosen >80 Gy zu keiner weiteren Steigerung der biochemischen
Kontrolle führen. Die modernen Dosiskonzepte zielen daher auf eine Dosiserhöhung
der dominanten Läsion in der mpMRT, weil dabei eine erhebliche bessere Schonung
der Risikoorgane gegenüber der RT der gesamten Prostata möglich wird.
In der Summe der Argumente ist die „soll“-Empfehlung aus dieser Evidenz heraus
gerechtfertigt.
6.3.3.1 Perkutane Strahlentherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms des
intermediären Risikoprofils
6.21, 6.22,
6.23
Verknüpfte Empfehlungen: Konsensbasiert: 6.23;
Evidenzbasiert: 6.21,6.22
modifiziert 2025
A
6.21 Patienten mit einem lokal begrenztem
Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils soll
eine perkutane Strahlentherapie (IMRT + IGRT)
angeboten werden.
1+
[541]
B
6.22 Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des
intermediären Risikoprofils sollten zusätzlich zur
perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) eine
begleitende hormonablative Therapie von 4 bis 6
Monaten erhalten. Diese kann vor der
Strahlentherapie beginnen.
1+
[642], [643]
EK 6.23 Bei der Entscheidung für oder gegen eine zusätzliche
Hormontherapie sollten zusätzliche Faktoren
(insbesondere Gleason Score, Komorbidität) beachtet
und mit dem Patienten diskutiert werden.
Konsensstärke Starker Konsens
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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142
6.24, 6.25 Verknüpfte Empfehlungen: Evidenzbasiert neu 2025
A
6.24 Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des
intermediären Risikoprofils soll eine
Standardfraktionierung (74 Gy bis 80 Gy) oder eine
moderate Hypofraktionierung (z. B. 3 Gy/60 Gy; 2,5
Gy bis 70 Gy) angeboten werden.
1++
[636], [644]
B
6.25 Zusätzlich sollte eine Androgendeprivationstherapie
von 4-6 Monaten Dauer eingesetzt werden. 1+
[645]
Konsensstärke Starker Konsens
6.26, 6.27,
6.28
Verknüpfte Empfehlungen: Konsensbasiert: 6.27;
Evidenzbasiert: 6.26,6.28
neu 2025
0
6.26 Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom
des intermediären Risikoprofils können mit einer
extremen Hypofraktionierung (6,1 Gy bis 42,7 Gy
oder 7,25 / 8 Gy bis 40 Gy) analog der HYPO-RT-
Studie oder der PACE-B-Studie bestrahlt werden.
1+
[646], [647], [648],
[649], [650], [619]
EK 6.27 Vor einer Entscheidung für eine extreme
Hypofraktionierung sollen Patienten über das Risiko
einer erhöhten urogenitalen Toxizität der
hypofraktionierten Bestrahlung gegenüber der
Standardfraktionierung aufgeklärt werden.
B
6.28 Zusätzlich sollte eine
Androgendeprivationstherapie von 4-6 Monaten
Dauer eingesetzt werden.
1+
[645]
Konsensstärke Starker Konsens
6.29 Evidenzbasiertes Statement modifiziert 2025
Evidenzlevel
2+
Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des intermediären
Risikoprofils besteht kein Hinweis auf einen patientenrelevanten Vorteil der
Protonentherapie im Vergleich zur Photonentherapie (IMRT + IGRT).
[651]
Starker Konsens
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
143
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.21 bis Empfehlung 6.23
Seit der Publikation der 15-Jahres-Daten der PROTEcT-Studie [541] ist für die
normofraktionierte Bestrahlung (ED 2 Gy, GD 74 Gy) und die radikale Prostatektomie
belegt, dass das karzinomspezifische Überleben und das Gesamtüberleben bei der
Normofraktionierung vollständig identisch sind.
Diese Daten beziehen sich allerdings weitestgehend auf das Niedrigrisiko-Karzinom,
das mit einer aktiven Überwachung standardmäßig behandelt werden soll. Trotzdem
hatte ein nicht unerheblicher Teil der Patienten in der PROTEcT-Studie ein PCa des
intermediären Risikoprofils (n=369, 24%) [541], sodass die Daten auch auf das
intermediäre Risikoprofil übertragen werden können. Die Bestrahlungstechniken der
PROTEcT-Studie waren teilweise veraltet (3-D-Technik), darüber-hinaus war die
Fraktionierung eine Normofraktionierung (ED 2 Gy). Zwischenzeitlich wurden in einem
(kleinen) randomisierten Vergleich auch die RP und die extrem hypofraktionierte RT
(ED 7,25 Gy GD 36,25 Gy) verglichen (PACE A-Studie) [619].
Die Studie war ausgelegt auf 234 Patienten, um die primären Endpunkte (GU-Tox und
GI-Tox nach 2 Jahren) mit einem signifikanten Unterschied nachzuweisen. Sie wurde
vorzeitig nach Einschluss von 123 Patienten auf Empfehlung des unabhängigen
Daten-Monitoring-Komittees abgebrochen, da die Ergebnisse früher erreicht wurden.
Fünfzig Patienten wurden in die Prostatektomie-Gruppe (84 % Roboter-gestützt
DaVinci) und 60 Patienten in die Gruppe mit einer extremen Hypofraktionierung
randomisiert.
Der primäre Endpunkt zur Kontinenz (mindestens 1 Vorlage/Tag) ergab einen
signifikanten Vorteil zugunsten der stereotaktischen Bestrahlung (SBRT),
insbesondere in den ersten sechs Monaten nach der RP. Ebenso erwartungsgemäß
wurde der zweite primäre Endpunkt bestätigt (EPIC-Bowel-Domain-Score) und zeigte
einen signifikanten Vorteil zugunsten der RP (100 versus 87,5, p<0,01). Ein weiterer
Vorteil zeigte sich für die SBRT bei dem nicht-primären Endpunkt des „EPIC-sexual-
domain-score“. Durch beide RCT’s ist daher die Gleichwertigkeit von RP und RT auf
Level 1 belegt.
Es gibt mehrere Studien, die eine Verbesserung von Gesamt- und
prostataspezifischen Überleben durch eine zusätzliche Kurzzeit-hormonablative
Therapie bei Patienten mit intermediärem PCa zeigen. In der RTOG 94-08-Studie
wurden 1979 Patienten mit niedrigem- (35 %) und intermediärem Risiko (54 %)
zwischen alleiniger Radiotherapie (46,8 Gy der LAW des Beckens + 19,8 Gy Boost auf
die Prostata, insgesamt 66,6 Gy) oder mit neoadjuvanter und gleichzeitiger
hormonablativer Therapie (Goserelin oder Leuprolid für 4 Monate, Beginn 2 Monate
vor RT) randomisiert [642]. In der Gruppe mit mittlerem Risiko wurde bei den
Patienten mit kombinierter Behandlung ein Anstieg des 10-Jahres-Gesamtüberlebens
(54 % gegenüber 61 %, HR für Tod bei alleiniger RT, 1,23; 95 % CI, 1,02 bis 1,49) und
eine Verringerung der 10-Jahres-prostataspezifischen Mortalität von 10 % auf 3 % (HR,
2,49; 95 % CI, 1,50 bis 4,11) festgestellt.
Die optimale Dauer der hormonablativen Therapie wurde in der RTOG 9910-Studie
untersucht, in welcher Patienten mit Prostatakarzinom des intermediären Risikos
entweder mit vier oder neun Monaten hormonablativer Therapie behandelt wurden. In
der RTOG 9910-Studie konnte gezeigt werden, dass es keinen zusätzlichen Nutzen
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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144
der hormonablativen Therapie über vier Monate hinaus bei einem 10-Jahres-PCa
spezifischen - von 95 % bzw. 96 % und einem 10-Jahres-Gesamtüberleben von 66 %
bzw. 67 % bei vier- bzw. neunmonatiger hormonablativer Therapie gibt [643].
Der Nutzen der hormonablativen Therapie wurde auch bei einer RT-Dosis-Eskalation
in der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) 22991
Studie von Bolla et al. untersucht: 819 Patienten (75 % Patienten mit intermediärem
Risiko) wurden zwischen alleiniger Radiotherapie (70-78 Gy) und Radiotherapie plus
hormonablativer Therapie (6 Monate LHRH-Agonist) randomisiert [652].
Fünfundzwanzig Prozent der Patienten erhielten 70 Gy, 50 % 74 Gy und 25 % 78 Gy.
Insgesamt betrug das klinische Fünf-Jahres-krankheitsfreie Überleben 89 % für den
Kombinationsarm und 81 % für den Radiotherapie Arm (HR 0,63; 95 % CI, 0,48 bis
0,84; p = 0,001) mit einem ähnlichen Effekt über alle drei Dosisgruppen hinweg. Die
Gesamtüberlebens-Daten dieser Studie wurden nicht publiziert.
In der NRG Oncology/RTOG 0815 Phase-3-Studie wurden Patienten mit intermediärem
Risiko nach dem Zufallsprinzip zwischen einer dosiseskalierten Strahlentherapie
(79.2Gy (89%) bzw. 45Gy + Brachytherapie Boost (11%)) alleine oder in Kombination
mit einer Kurzzeit-hormonablativen Therapie randomisiert. Die Kombinationstherapie
geht mit einer signifikanten Verbesserung des biochemisch rezidivfreien (HR, 0,52; P
<.001), metastasenfreien (HR, 0,25; P <.001) und prostataspezifischen Überlebens
(HR, 0,10; P = .007) einher. Ein signifikanter Vorteil für das Gesamtüberleben (das war
der primäre Endpunkt) zeigte sich bei einer Nachbeobachtungszeit von 6,3 Jahren
bislang nicht (90 % bzw. 91 %; HR, 0,85; 95 % CI, 0,65 bis 1,11; P = .22) [653].
Hinsichtlich der optimalen Reihenfolge der ADT-Gabe wurde in einer randomisierten
Phase-III-Studie kein signifikanter Unterschied zwischen der neoadjuvanten und der
gleichzeitigen Einleitung einer 6-monatigen hormonablativen Therapie in
Kombination mit einer dosiseskalierten Radiotherapie festgestellt [654]. Im Gegensatz
zu diesem Ergebnis, konnte in einer post hoc-Metaanalyse, die individuelle
Patientendaten aus zwei randomisierten Phase-III-Studien (Ottawa 0101 und RTOG
9413) einbezog, ein signifikant besseres progressionsfreies Überleben bei adjuvanter
im Vergleich zur neoadjuvanten Anwendung von einer hormonablativen Therapie (15-
Jahres- progressionsfreies Überleben, 29 % gegenüber 36 %) gezeigt werden [655].
Ebenso wurde in einer Metaanalyse von 12 randomisierten Studien eine signifikante
Verbesserung des metastasenfreien Überlebens (10-Jahres-Nutzen 8,0 %, HR, 0,65; 95
% CI, 0,54-0,79; p < 0,0001), der prostatakrebsspezifischen Mortalität (HR, 0,30; 95 %
CI, 0,16-0,54; p < 0,0001) und des Gesamtüberlebens (HR, 0,69; 95 % CI, 0,57-0,83;
p = 0,0001) bei gleichzeitiger/adjuvanter hormonablativer Therapie im Vergleich zur
neoadjuvanten/gleichzeitigen hormonablativen Therapie festgestellt [656]. Bei einer
Stratifizierung der Patienten nach intermediärem und hohem Risiko war die
statistische Aussagekraft nicht ausreichend, um die Wirkung der zeitlichen Abfolge
des Einsatzes der hormonablativen Therapie in jeder Risikogruppe zu ermitteln. Es
bleibt also unklar, ob Patienten mit intermediärem Risiko mehr von einer
neoadjuvanten im Vergleich zu einer adjuvanten hormonablativen Therapie
signifikant profitieren, daher sind beides mögliche Therapieoptionen.
In drei großen Hypofraktionierungsstudien wurden Patienten mit mittlerem Risiko
[640], [657], [638] in unterschiedlicher Anzahl eingeschlossen. In der CHIPP-Studie
wurden 3 bis 6 Monate einer hormonablativen Therapie für alle Patienten mit PCa des
mittleren Risikos appliziert [640]. Siebenundzwanzig Prozent der Patienten in der
HYPRO-Phase-3-Studie hatten ein Prostatakarzinom mit intermediärem Risiko, die
hormonablative Therapie wurde nach Ermessen des Prüfarztes in der Regel
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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145
leitliniengerecht verabreicht [657]. Im Gegensatz zu diesen Studien wurde in der
PROFIT-Studie keiner der Patienten mit hormonablativer Therapie behandelt [638].
Alle drei Studien zeigten vergleichbare (nicht statistisch signifikant verschiedene)
onkologische Ergebnisse für die Hypofraktionierung im Vergleich zur
Normofraktionierung.
Stratifiziert man nach günstige (1 intermediärer Risikofaktor und International Society
of Urological Pathology (ISUP) Grad Gruppe 2 und < 50 % positive Biopsiestanzen)
gegenüber ungünstigen intermediärem Prostatakarzinom (2 intermediäre
Risikofaktoren oder ISUP-Gradgruppe 3 oder mindestens 50 % positive
Biopsiestanzen) nach NCCN, so ist beim Prostatakarzinom des günstigen
intermediären Stadiums nach NCCN eine Radiotherapie ohne ADT möglich, die
Bestätigung durch prospektiv randomisierte Studien steht jedoch noch aus.
Denn bislang weisen die vorhandenen Subgruppenanalysen darauf hin, dass bei
Patienten mit hohem Progressionsrisiko der Nutzen einer hormonablativen Therapie
deutlicher ausgeprägt ist.
Zusammenfassend zeigt sich, dass für Patienten mit Prostatakarzinom mit
intermediärem Risikoprofil nach D‘Amico die Radiotherapie in Kombination mit einer
Kurzzeit-hormonablativen Therapie (4-6 Monate) neoadjuvant oder adjuvant ein
therapeutischer Standard ist. Sind bedingt durch Co-Morbiditäten Kontraindikationen
zu einer hormonablativen Therapie vorhanden, kann auch eine alleinige definitive RT
durchgeführt werden.
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.24 und Empfehlung 6.25
Unter moderat hypofraktionierter Radiotherapie versteht man eine Behandlung mit
höherer täglich Einzeldosis (2.4-3.4 Gy) bei niedrigerer Gesamtdosis und damit
verkürzter Behandlungsdauer (20-30 Behandlungen). Im Gegensatz dazu ist die
Normofraktionierung eine 7-8 Wochen dauernde Behandlung mit Einzeldosen von 1.8-
2.0 Gy [658]. Inzwischen liegt eine umfangreiche Datenbasis vor (mehrere
systematische Reviews von mehr als 10 randomisierten Studien), die die
Gleichwertigkeit der onkologischen Endpunkte (Gesamtüberleben,
krankheitsspezifisches Überleben und metastasenfreies Überleben) von beiden
Fraktionierungsschemata bei lokal begrenztem Prostatakarzinom sowohl des
intermediären als auch des hohen Risikoprofils belegt [659], [636], [660], [661].
Sowohl hinsichtlich der Akut- und der Spättoxizität kann bei Einsatz der moderaten
Hypofraktionierung ein leicht erhöhtes Risiko nicht ausgeschlossen werden [636],
[662], [663], [645]. Die Metaanalysen/systematischen Reviews zeigen jedoch kein
einheitliches Bild:
Einerseits war die akute G2+-GI-Toxizität bis zu 6.3% höher bei der
Hypofraktionierung [664]. Die späte G2+-GI-Toxizität war mit einem relativen Risiko
von 1.05-1.12 (n.s.) bis 1.27 (CI 1.04-.1.55) leicht erhöht [665], [636]. Andererseits
war die späte G2+-GU-Toxizität mit einem relativen Risiko von 1.05-1.12 vergleichbar
oder nicht signifikant erhöht [666], [636].
Vergleichbare Unterschiede zeigten beim Prostatakarzinom des niedrigen
Risikoprofils die aktuell publizierten Langzeitdaten der NRG-RTOG 0415-Studie mit
einer mehr als 10-jährigen medianen Nachbeobachtung: Gleichwertige onkologische
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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146
Endpunkte bei leicht erhöhten späten Grad-2-Toxizitäten zuungunsten der
Hypofraktionierung (ED 2.5 Gy, GD 70 Gy) (GI-G2+ 11.4 vs. 18.3% p=0.005; GU-G2+:
20.5 vs.26.2% p=0.009). Bei dieser Studie wurde zumeist die ältere 3-D-geplante
Bestrahlung eingesetzt, die wichtigen Toxizitäten >= Grad 3 zeigten jedoch keine
signifikanten Differenzen [667].
Diese Daten können bei gleicher Technik und ähnlichem Zielvolumen als indirekte
Evidenz für andere Stadien des lokal begrenzten PCa verwendet werden.
Zusammengefasst haben sowohl die konventionelle Fraktionierung (Einzeldosis 1.8-
2.0 Gy) als auch die moderate Hypofraktionierung ihre Berechtigung bei der
Behandlung des intermediären Risikoprofils des PCa. Die moderate
Hypofraktionierung weist zwar eine kürzere Behandlungszeit für die Patienten auf,
dieser Nutzen wird jedoch wahrscheinlich von einer leicht erhöhten Toxizität
begleitet. Es können daher beide Verfahren gleichermaßen empfohlen werden.
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.26 bis Empfehlung 6.28
Unter ultrahypofraktionierter Radiotherapie („extreme“ Hypofraktionierung) (UHF-RT)
versteht man eine Behandlung mit deutlich höherer Einzeldosis bei Verkürzung der
Gesamtbehandlungszeit auf ca. 2 Wochen mit den aktuell etablierten
Therapieschemata (z.B. 5x7,25 bis 7x6.1 Gy dreimal bis fünfmal/Woche bis 35-42.7
Gy) [646], [647], [648], [649], [650], [619].
Bisher wurden Langzeitdaten von zwei randomisierten Studien, HYPO-RT [646], [647]
und PACE-B [648], [649], [650], [619] zur extremen Hypofraktionierung publiziert. Bei
der HYPO-RT-Studie, bei der vor allem Patienten (N= 1200) mit intermediärem
Risikoprofil (90%) entweder normofraktioniert (ED 2 Gy GD 78 Gy) oder extrem
hypofraktioniert jeden zweiten Tag (ED 6,1 Gy, GD 42,7 Gy) behandelt wurden, kam
keine stereotaktische RT zum Einsatz, sondern zumeist die ältere, 3-D-geplante RT.
Nach einer medianen Nachbeobachtung von 5 Jahren betrug das „failure free survival“
84% in beiden Armen (p>0,05). Die extreme Hypofraktionierung war jedoch mit einer
signifikant erhöhten Akuttoxizität (v.a. GI) sowie einer erhöhten 1 Jahres GU-Toxizität
verbunden, möglicherweise auch beeinflusst durch die alte Bestrahlungstechnik. Die
Spättoxizitäten nach 5 Jahren waren gleich. Bei der PACE-B Studie [648], [649], [650],
[619] wurden 874 Männer mit zumeist intermediärem Risikoprofil (91,6%) entweder in
die normofraktionierte Standard-RT (ED 2 Gy GD 78 Gy oder 62 Gy in 20 Fraktionen)
oder in eine stereotaktische RT (ED 7,25 Gy, GD 36,25 Gy mit simultan integrierten
Boost auf 95% des CTV von 40 Gy entweder über 1 Woche oder 2 Wochen - SBRT)
randomisiert. Die Auswertung hinsichtlich der 2-Jahres-Toxizitäten [650] zeigte
höhere GU-Toxizitäten nach 2 Jahren für die extreme Fraktionierung (11 vs. 18%
RTOG-G2+-GU Toxizität). Die Rate akuter G2+GU-Toxizitäten konvertierte auch in eine
höhere Rate G2+-GU-Spättoxizitäten. Dieser Effekt zeigte sich ebenfalls bei
vorbestehenden Symptomen (baseline) [650].
Bei der Auswertung mit einer medianen Nachbeobachtung von 74 Monaten wurde
diese Entwicklung bestätigt [619]. Die Effektivität zeigte eine „Gleichwertigkeit“ („non
inferiority“) für die biochemische oder klinische Kontrolle (95,8% versus 94,6%)
(primärer Endpunkt). Allerdings zeigte sich eine signifikant höhere kumulative Rate
der GU-Toxizität RTOG Grad >=2 zuungunsten der SBRT-Gruppe von 26,0% versus
18,3% in der Standardfraktionierung (p<0,001), jedoch nicht in der GI-Toxizität. Die 5-
Jahres GU-Toxizität ergab keinen signifikanten Unterschied mehr. Dieser Effekt der
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
147
höheren GU-Spättoxizität zeigte sich auch bei den Patienten, die eine höhere Akut-
GU-Toxizität hatten (wie bereits bei der 2-Jahres-Analyse) sowie bei denen mit LUTS
(lower urinary tract symptoms).
In beiden Studien wurde keine zusätzliche ADT appliziert. Daher fehlt auch ein
Vergleich der (möglicherweise höheren) Effektivität der Kombination, der ansonsten
der Standard in dieser Risikogruppe ist. Außerhalb von Studien sollte daher eine
zusätzliche ADT von 4-6 Monaten eingesetzt werden.
In der Gesamtsumme der Daten beider randomisierten Phase-3 Studien kann
selektionierten Patienten die extreme Hypofraktionierung analog der Dosierungen
beider Studien angeboten werden. Vorsicht geboten ist bei Patienten mit einer
Obstruktion und einer LUTS, diese Patienten sollen nicht mit einer extremen
Hypofraktionierung behandelt werden.
Zu Statement 6.29
Der Stellenwert einer Protonentherapie bei lokal begrenztem und lokal
fortgeschrittenem Prostatakarzinom wird schon seit längerem diskutiert. Mögliche
Vorteile wären eine bessere Schonung von Risikoorganen um die Prostata
(insbesondere Rektum und Harnblase), eine optimierte Plan-Homogenität im
Zielvolumen sowie ein geringeres Risiko für Zweittumoren nach Strahlentherapie. Im
Jahr 2008 kam ein Bericht des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) auf der
Grundlage einer systematischen Recherche zu dem Ergebnis, dass für die
Protonentherapie noch keine ausreichenden Nutzenbelege für die Therapie beim
Prostatakarzinom vorliegen [651].
Mit Beschluss vom September 2018 wurde die Aussetzung des Bewertungsverfahren
im Hinblick auf noch laufende Studien verlängert [668]. Zum aktuellen Zeitpunkt
(März 2025) liegen weiterhin keine ausreichenden Daten vor, die eine generelle
Änderung dieser allgemeinen Feststellung rechtfertigen würden. Inzwischen wurde
eine multizentrische, randomisierte Phase III Studie mit 144 eingeschlossenen
Patienten veröffentlicht (NCT01230866), die nach noch kurzer Nachbeobachtungszeit
(median 5 Jahre) eine sehr gute Freiheit von Therapieversagen nach zwei Jahren
(100%) in beiden Behandlungsarmen (konventionelle vs. ultrahypofraktionierte
Protonentherapie) bei insgesamt niedrigem Toxizitätsprofil (0-11%) zeigte [669].
Prospektiv erhobene Observationsstudien oder Phase I/II Studien mit meist moderat
hypofraktionierter Protonentherapie (2,5 – 3,0 Gy Einzeldosis) kommen zu ähnlichen
Ergebnissen [670], [671], [672], [673], [674]. In einer Propensity-Score-gematchten
Kohorte mit knapp 4200 jüngeren Patienten (< 65 Jahren) und unterschiedlichsten
Therapieverfahren (Protonen, IMRT, SBRT) ergab sich für die Protonen-Therapie im
Vergleich zu einer IMRT-Bestrahlung ein geringeres Risiko für Nebenwirkungen im
Harntrakt (33 vs. 42% nach 2 Jahren) sowie für eine erektile Dysfunktion (21 vs. 28%
nach 2 Jahren), dafür aber ein höheres Risiko für Darmbeschwerden (20 vs. 15% nach
2 Jahren) [675]. Eine retrospektive Analyse der National Cancer Data Base (NCDB) mit
knapp 280.000 Patienten (> 95% T1 & T2-Tumore) identifizierte nach Propensity-
Score-Matching erstmalig einen Überlebensvorteil (80,2% vs. 71,3%) zugunsten einer
Protonentherapie im Vergleich zu einer perkutanen Photonenbehandlung [676].
Dieser Vorteil konnte in einer aktuellen Metaanalyse mit 160 Studien nicht
reproduziert werden. Dennoch zeigte in dieser Auswertung die Protonentherapie eine
geringere, höhergradige GI-Akuttoxizität (2% vs. 7%) sowie ein verbessertes
biochemisches rezidivfreies Überleben nach 5 Jahren (95% vs. 91%) im Vergleich zur
klassischen Photonentherapie [677].
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
148
Im Hinblick auf die bestehende Evidenzlage mit teilweise widersprüchlichen
Ergebnissen für das lokal begrenzte PCa des intermediären und des hohen
Risikoprofils sind die finalen Ergebnisse prospektiver Studien, wie beispielsweise
COMPPARE (NCT03561220) sowie PARTIQoL (NCT01617161), abzuwarten, ehe
abschließende Empfehlungen verfasst werden können.
6.3.3.2 Perkutane Strahlentherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms des
hohen Risikoprofils
6.30, 6.31,
6.32, 6.33
Verknüpfte Empfehlungen: Konsensbasiert: 6.33;
Evidenzbasiert: 6.30,6.31,6.32
modifiziert 2025
A
6.30 Patienten mit einem lokal begrenzten
Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils soll eine
perkutane Strahlentherapie (IMRT + IGRT) angeboten
werden.
2+, 1+
[553], [678], [541]
A
6.31 Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des
hohen Risikoprofils sollen zusätzlich zur perkutanen
Strahlentherapie (IMRT + IGRT) eine adjuvante
hormonablative Therapie erhalten.
1+
[679]
A
6.32 Die hormonablative Therapie soll 24 bis 36 Monate
dauern. Diese kann bis zu 6 Monate vor der
Strahlentherapie beginnen.
1+
[680], [681], [682],
[683]
EK 6.33 Die Entscheidung über die Dauer der
hormonablativen Therapie soll individuell in
Abhängigkeit von Komorbidität und Verträglichkeit
getroffen werden.
Konsensstärke Starker Konsens
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
149
6.34, 6.35 Verknüpfte Empfehlungen: Evidenzbasiert neu 2025
A
6.34 Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des
hohen Risikoprofils soll eine Standardfraktionierung
(74 Gy bis 80 Gy) oder eine moderate
Hypofraktionierung (z. B. 3,0 Gy / 60,0 Gy; 2,5 Gy /
70,0 Gy) angeboten werden.
1++
[636], [644]
A
6.35 Zusätzlich soll eine Androgendeprivationstherapie von
24 bis 36 Monaten Dauer eingesetzt werden. 1+
[645]
Konsensstärke Starker Konsens
6.36, 6.37 Verknüpfte Empfehlungen: Evidenzbasiert neu 2025
0
6.36 Patienten mit lokal begrenztem PCa des hohen
Risikoprofils können mit einer perkutanen
Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit integrierter
Dosiserhöhung der dominanten intraprostatischen
Läsion in der mpMRT (analog FLAME-Studie) bestrahlt
werden.
1-
[684]
A
6.37 Zusätzlich soll eine Androgendeprivationstherapie von
24 bis 36 Monaten Dauer eingesetzt werden. 1+
[645]
Konsensstärke Starker Konsens
6.38 Evidenzbasiertes Statement neu 2025
Evidenzlevel
2+
Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils
besteht kein Hinweis auf einen patientenrelevanten Vorteil der Protonentherapie
im Vergleich zur Photonentherapie (IMRT + IGRT).
[651]
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.30 bis Empfehlung 6.33
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
150
Durch eine kombinierte Behandlung aus Radiotherapie mit hormonablativer Therapie
im Vergleich zur alleinigen Radiotherapie wird bei Patienten mit lokal begrenztem PCa
des Hochrisikoprofils eine signifikante Verbesserung des Gesamt- und
prostataspezifischen Überlebens erreicht: In der EORTC-Studie 22863 wurden
Patienten mit T1-2 und schlecht differenziertem Prostatakarzinom oder T3-4
Prostatakarzinom jeglichen histologischen Grades zwischen alleiniger Radiotherapie
(50 Gy der pelvinen LAW und Boost von 20 Gy der Prostata und Samenblasen) sowie
Radiotherapie plus 3 Jahre hormonablativer Therapie randomisiert. Die
Kombinationstherapie führte zu einer signifikanten Verbesserung des 10-Jahres-
krankheitsfreien (48 % vs. 23 %) und auch des Gesamtüberlebens (58 % vs. 40 %)
[679]. Insgesamt wurde ein Vorteil für das Gesamtüberleben bei der Langzeit-
gegenüber der Kurzzeittherapie gesehen: In der RTOG 9202 Studie wurden 1554
Patienten mit T2c -T4 und PSA < 150 ng/ml zwischen neoadjuvanter und
gleichzeitiger Kurzzeit-hormonablativer Therapie (4 Monate Goserelin und Flutamid)
und Radiotherapie (44-46 Gy der LAW des Beckens und 65-70 Gy Boost der Prostata)
oder Langzeit-hormonablativer Therapie für 28 Monate und gleicher Radiotherapie
randomisiert [680]. Nach 19,6 Jahren medianer Nachbeobachtungszeit ergab sich für
die Langzeit-hormonablative Therapie ein relativer Benefit von 30% des
prostataspezifischen und einen relativen Benefit von 12 % des Gesamtüberlebens
[681].
In der EORTC 22961-Studie wurden 970 Patienten mit cT2c- 4 oder N1 und PSA < 150
ng/ml zwischen einer kurzzeitigen hormonablativen Therapie (6 Monate Triptorelin)
plus Radiotherapie (50 Gy der LAW des Beckens sowie Boost der Prostata mit 70 Gy)
und einer Langzeit-hormonablativen Therapie (36 Monate) plus Radiotherapie
randomisiert. Diese Studie bestätigte eine signifikant niedrigere 5-Jahres-Gesamt-
Mortalität (15,2 % gegenüber 19,0 %; HR 1,42 (obere 95,71 % Konfidenzgrenze, 1,79;
P = 0,65 für Nichtunterlegenheit) sowie Prostatakarzinom-spezifische Sterblichkeit 3,2
% (95 % CI, 1,6 bis 4,8) gegenüber 4,7 % (95 % CI, 2,7 bis 6,7; HR, 1,71 [95 % CI, 1,14
bis 2,57]; p = 0,002) für die kombinierte Langzeitbehandlung [682]. Nabid et al.
versuchten ein kürzeres hormonablatives Schema zu etablieren, indem sie Patienten
mit lokalisiertem Hochrisiko- (76 %) oder lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom
(24 %) zwischen einer mittel- (18 Monate) und langfristigen hormonablativen Therapie
(36 Monate) plus Becken- (44 Gy) und Prostata-Radiotherapie (70 Gy) randomisierten
[683]. Insgesamt gab es keinen signifikanten Unterschied beim 5-Jahres-
Gesamtüberleben (91 % für Langzeitarm vs. 86 % für Kurzzeitarm, p = 0,07). Diese
Ergebnisse werden jedoch dadurch eingeschränkt, dass die Wirkung der Langzeit
hormonablativen Therapie durch die schlechte Therapieadhärenz (53 %) in der 36-
monatigen Gruppe abgeschwächt wurde. Im Vergleich hierzu hatten von den 487
Patienten, die in der EORTC-22961-Studie der Langzeit hormonablativen Therapie
zugewiesen waren, 349 (71,7 %) die kompletten 3-Jahre abgeschlossen [682].
Der Überlebensvorteil der Langzeit-hormonablativen Therapie bleibt auch bei einer
Dosis-Eskalation erhalten: Zapatero et al. randomisierten 355 Patienten mit
intermediärem (47 %) oder Hochrisiko-Prostatakarzinom (53 %) (cT1c-cT3aN0M0 und
PSA < 100 ng/ml) zwischen einer neoadjuvanten und gleichzeitigen Kurzzeit
hormonablativen Therapie (4 Monate) und Langzeit-hormonablativen Therapie (28
Monate) mit jeweils dosis-eskalierter Radiotherapie (76-82 Gy) [685]. Insgesamt war
das 5-Jahres-Gesamtüberleben der Langzeit- hormonablativen Gruppe signifikant
besser (95 % gegenüber 86 %, p<0.05)). Bei einer Stratifizierung nach Risikogruppen
war der Vorteil der Langzeit hormonablativen Therapie beim Gesamtüberleben
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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151
signifikant bei den Hochrisikopatienten, nicht aber bei Patienten mit intermediärer
Erkrankung vorhanden.
In Hinblick auf die moderate hypofraktionierte Radiotherapie bei Prostatakarzinom-
Patienten mit hohem Risiko führten alle verfügbaren Studien eine Radiotherapie mit
zusätzlicher hormonablativer Therapie mit einer unterschiedlichen medianen Dauer
von 9-32 Monaten und einem unterschiedlichen Anteil der Patienten (67 % - 100 %)
durch. Insgesamt wurde weder in der HYPRO-Studie noch in der Studie von Arcangeli
et al. ein signifikanter Unterschied in den onkologischen Ergebnissen zwischen Hypo-
und Normofraktionierung festgestellt [686], [687].
Dies wurde auch kürzlich, allerdings im Rahmen einer post-hoc-Analyse von dem
MARCAP-Konsortium (Individual Patient Data Meta- Analysis of Randomised Trials in
Cancer of the Prostate) in einer Meta-Analyse von Studien mit individuellen
Patientendaten und dem primären Endpunkt metastasenfreien Überleben, einem
validierten Surrogat für das Gesamtüberleben, bestätigt: Es wurden 12 Studien mit
10853 Patienten einbezogen. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug über 11
Jahre. Der Einsatz der hormonablativen Therapie war eindeutig mit einer signifikanten
Verbesserung des biochemisch rezidiv-, metastasenfreien und des Gesamtüberlebens
verbunden. Der Nutzen der hormonablativen Therapie war unabhängig von der
Radiotherapie-Dosis, dem Alter und den eingeschlossenen Risikogruppen (NCCN
ungünstiges intermediäres Risiko, hohes Risiko und lokal fortgeschrittene
Erkrankung) [645].
Es lässt sich zusammenfassen, dass eine langfristige hormonablative Therapie über 2
bis 3 Jahre sowohl bei der dosiseskalierten als auch bei der moderat
hypofraktionierten Radiotherapie durchgeführt werden soll. Die Dauer der
hormonablativen Therapie soll den klinischen Status, die Komorbiditäten und die
Anzahl schlechter prognostischer Faktoren berücksichtigen um individuell
patientenadaptiert zu behandeln.
Zu Empfehlung 6.34 und Empfehlung 6.35
Unter moderat hypofraktionierter Radiotherapie versteht man eine Behandlung mit
höherer täglich Einzeldosis (2.4-3.4 Gy) bei niedrigerer Gesamtdosis und damit
verkürzter Behandlungsdauer (20-30 Behandlungen). Im Gegensatz dazu ist die
Normofraktionierung eine 7-8 Wochen dauernde Behandlung mit Einzeldosen von 1.8-
2.0 Gy [658].
Inzwischen liegt eine umfangreiche Datenbasis vor (mehrere systematische Reviews
von mehr als 10 randomisierten Studien), die die Gleichwertigkeit der onkologischen
Endpunkte (Gesamtüberleben, krankheitsspezifisches Überleben und
metastasenfreies Überleben) von beiden Fraktionierungsschemata bei lokal
begrenztem Prostatakarzinom sowohl des intermediären als auch des hohen
Risikoprofils belegt [688], [636], [660], [689].
Sowohl hinsichtlich der Akut- und der Spättoxizität kann bei Einsatz der moderaten
Hypofraktionierung ein leicht erhöhtes Risiko nicht ausgeschlossen werden [636],
[690], [691], [645]. Die Metaanalysen/systematischen Reviews zeigen jedoch kein
einheitliches Bild:
Einerseits war die akute G2+-GI-Toxizität bis zu 6.3% höher bei der
Hypofraktionierung [692]. Die späte G2+-GI-Toxizität war mit einem relativem Risiko
von 1.05-1.12 (n.s.) bis 1.27 (CI 1.04-.1.55) leicht erhöht [693], [636]. Andererseits
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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152
war die späte G2+-GU-Toxizität mit einem relativem Risiko von 1.05-1.12 vergleichbar
oder nicht signifikant erhöht [694], [636].
Vergleichbare Unterschiede zeigten beim Prostatakarzinom des niedrigen
Risikoprofils die aktuell publizierten Langzeitdaten der NRG-RTOG 0415-Studie mit
einer mehr als 10-jährigen medianen Nachbeobachtung: Gleichwertige onkologische
Endpunkte bei leicht erhöhten späten Grad-2-Toxizitäten zuungunsten der
Hypofraktionierung (ED 2.5 Gy, GD 70 Gy) (GI-G2+ 11.4 vs. 18.3% p=0.005; GU-G2+:
20.5 vs.26.2% p=0.009). Bei dieser Studie wurde zumeist die ältere 3-D-geplante
Bestrahlung eingesetzt, die wichtigen Toxizitäten >= Grad 3 zeigten jedoch keine
signifikanten Differenzen [695].
Zwei aktuell publizierte randomisierte Studien wurden von den bereits (Abschnitt
intermediäres Risikoprofil) genannten Metaanalysen/systematischen Reviews (mit
Patienten bei lokal begrenztem intermediären- und Hochrisiko-Profil) nicht erfasst. In
beiden Studien wurden die Lymphabflusswege normofraktioniert mitbehandelt und
eine Langzeit-ADT appliziert:
Glicksman et al. zeigte in einer kleinen randomisierten Phase 2-Studie (180 Patienten)
mit 67 Monaten Nachbeobachtung keine signifikant unterschiedlichen onkologischen
Ergebnisse aber eine etwas erhöhte G3-GI-Toxizität nach 2 und 5 Jahren (2.4% vs.
8.3% und 2.4% vs.13.5%; p=0.01) zuungunsten der moderaten Hypofraktionierung
(Lymphabflusswege/Prostata-Stereotaktische intensitätsmodulierte Bestrahlung mit
48/68 Gy in 25 Fraktionen) im Vergleich zu einer Normofraktionierung [696].
Niyazi et al. zeigte in der PCS-5-Studie (randomisierte Phase 3) mit 2 Jahren
Nachbeobachtung bei der Toxizitätsanalyse keine signifikanten Unterschiede bei 329
Hochrisiko-Pat. mit moderater Hypofraktionierung (Lymphabflusswege/Prostata-
Stereotaktische intensitätsmodulierte Bestrahlung mit 48/68 Gy in 25 Fraktionen) vs.
Standardfraktionierung (76 Gy GD, 2 Gy ED). Die Nebenwirkungsraten waren
insgesamt niedrig (Akut-GI-G2-Toxizität 22 vs. 37 Ereignisse zu Ungunsten der
Hypofraktionierung, p=0.031; GU-G2-Spättoxizität mit 3 vs.11 Ereignissen zu
Ungunsten der Normfraktionierung; p=0.035) [697].
Auch die Effektivitätsanalyse ergab keinen signifikanten Unterschied im
Gesamtüberleben (90,3% vs. 89,7%), im karzinomspezifischen Überleben (97,4% vs.
97,5%) oder dem metastasenfreien Überleben 87,1% vs. 87,1% (alle p>0,05) [698].
Zusammengefasst haben sowohl mit höchster Evidenz die konventionelle
Fraktionierung (Einzeldosis 1.8-2.0 Gy) als auch die moderate Hypofraktionierung ihre
Berechtigung bei der Behandlung des lokal begrenzten hohen Risikoprofils. Die
moderate Hypofraktionierung weist zwar eine kürzere Behandlungszeit für die
Patienten auf, dieser Nutzen wird jedoch wahrscheinlich von einer leicht erhöhten
Toxizität begleitet. Es können daher beide Verfahren gleichermaßen empfohlen
werden.
Zu Empfehlung 6.36 und Empfehlung 6.37
Das Konzept einer fokalen Eskalation der Bestrahlungsdosis auf den in der mpMRT
sichtbaren intraprostatischen Tumor wurde in der randomisiert-kontrollierten Phase
III FLAME-Studie mit 571 Patienten des mittleren (16%) und hohen (84%) Risikoprofils
getestet [699]. Die Patienten wurden in zwei Therapiearme randomisiert: der Standard
Arm erhielt eine Gesamtdosis von 77 Gy in 35 Fraktionen von 2,2 Gy (gesamte
Prostata). Der experimentelle Arm erhielt dieselbe Dosis plus eine fokal-simultane
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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Dosiseskalation der dominanten Tumorläsion in der mpMRT bis zu 95 Gy. Die
applizierte Bestrahlungsdosis der Risikoorgane Harnblase und Rektum u.a. war von
höchster Priorität für die Bestrahlungsplanung (“Dose constraints”), sodass die
mediane applizierte Dosis auf das Tumorvolumen i 91.9 Gy ± 3.6 Gy betrug.
Zusätzlich erhielten 65 % der Patienten in beiden Gruppen eine
Androgendeprivationstherapie mit einer Dauer von 6-36 Monaten unter der
Verantwortung des jeweiligen Studienzentrums nach gültiger EAU-Leitlinie.
Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 72 Monaten zeigte sich eine
signifikante Verbesserung des primären Endpunkts, des biochemisch
progressionsfreien Überlebens (HR: 0,45; 95 % CI: 0,28–0,71; p < 0,001). Darüber
hinaus verringerte die fokale Dosiseskalation die Rate an Lokalrezidiven (HR: 0,33)
und erhöhte die Rate des metastasenfreien Überlebens (HR: 0,58) innerhalb von 72
Monaten nach fokaler Strahlentherapie signifikant [700]. Hinsichtlich später GU- oder
GI-Toxizitäten des Grades ≥ 2 wurde kein signifikanter Unterschied berichtet
(Standardarm: 23 % (GU) und 12% (GI), experimenteller Arm 28 % (GU) und 13 % (GI).
Bei der GU-Toxizität Grad ≥ 3 lagen diese Werte bei 5,6 % und 3,5 % (p > 0,05) für den
experimentellen und den Standardarm. Auf Grund der beobachteten Differenz und
dem Trend zu einer erhöhten Rate an späten Grad ≥ 3 Toxizitäten, ist eine längere
Nachbeobachtungszeit erforderlich, um eine stärkere Empfehlung für eine fokale
Dosiseskalation bei Patienten des hohen Risikoprofils geben zu können. Die aktuelle
Empfehlung wurde daher trotz der Daten auf “kann” limitiert [701].
In einem systematischen Review mit anschließender Metaanalyse wurden 17 Studien
(1290 Patienten) zur fokalen Dosiseskalation unter Verwendung eines
konventionellen Fraktionierungsschemas untersucht [702]. Alle Studien berichteten
von einer guten Verträglichkeit, mit geschätzten Raten von 7,5 %/7,0 % und 0,1 %/0,2
für akute/späte kumulative gastrointestinale Nebenwirkungen vom Grad ≥2 und Grad
≥3. Die geschätzte Rate für akute/späte urogenitale Toxizitäten vom Grad ≥2 und
Grad ≥3 lagen bei 29,5 %/16,0 % und 0,4 %/1,3 %. Unter alleiniger Einbeziehung von
Studien (n=5) mit einer Nachbeobachtungszeit von über 5 Jahren lag das
biochemische progressionsfreie Überleben bei 92,4 % (95 % KI 84,5–97,7 %). Die Rolle
der fokalen Dosiseskalation bei der Anwendung einer moderaten oder extremen
Hypofraktionierung wird derzeit in prospektiven Phase II und Phase III Studien
untersucht.
Zu Statement 6.38
Der Stellenwert einer Protonentherapie bei lokal begrenztem und lokal
fortgeschrittenem Prostatakarzinom wird schon seit längerem diskutiert. Mögliche
Vorteile wären eine bessere Schonung von Risikoorganen um die Prostata
(insbesondere Rektum und Harnblase), eine optimierte Plan-Homogenität im
Zielvolumen sowie ein geringeres Risiko für Zweittumoren nach Strahlentherapie. Im
Jahr 2008 kam ein Bericht des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) auf der
Grundlage einer systematischen Recherche zu dem Ergebnis, dass für die
Protonentherapie noch keine ausreichenden Nutzenbelege für die Therapie beim
Prostatakarzinom vorliegen [651]. Mit Beschluss vom September 2018 wurde die
Aussetzung des Bewertungsverfahren im Hinblick auf noch laufende Studien
verlängert [668]. Zum aktuellen Zeitpunkt (März 2025) liegen weiterhin keine
ausreichenden Daten vor, die eine generelle Änderung dieser allgemeinen
Feststellung rechtfertigen würden. Inzwischen wurde eine multizentrische,
randomisierte Phase III Studie mit 144 eingeschlossenen Patienten veröffentlicht
(NCT01230866), die nach noch kurzer Nachbeobachtungszeit (median 5 Jahre) eine
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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sehr gute Freiheit von Therapieversagen nach zwei Jahren (100%) in beiden
Behandlungsarmen (konventionelle vs. ultrahypofraktionierte Protonentherapie) bei
insgesamt niedrigem Toxizitätsprofil (0-11%) zeigte [669]. Prospektiv erhobene
Observationsstudien oder Phase I/II Studien mit meist moderat hypofraktionierter
Protonentherapie (2,5 – 3,0 Gy Einzeldosis) kommen zu ähnlichen Ergebnissen [669],
[670], [671], [672], [673]. In einer Propensity-Score-gematchten Kohorte mit knapp
4200 jüngeren Patienten (< 65 Jahren) und unterschiedlichsten Therapieverfahren
(Protonen, IMRT, SBRT) ergab sich für die Protonen-Therapie im Vergleich zu einer
IMRT-Bestrahlung ein geringeres Risiko für Nebenwirkungen im Harntrakt (33 vs. 42%
nach 2 Jahren) sowie für eine erektile Dysfunktion (21 vs. 28% nach 2 Jahren), dafür
aber ein höheres Risiko für Darmbeschwerden (20 vs. 15% nach 2 Jahren) [674]. Eine
retrospektive Analyse der National Cancer Data Base (NCDB) mit knapp 280.000
Patienten (> 95% T1 & T2-Tumore) identifizierte nach Propensity-Score-Matching
erstmalig einen Überlebensvorteil (80,2% vs. 71,3%) zugunsten einer
Protonentherapie im Vergleich zu einer perkutanen Photonenbehandlung [675].
Dieser Vorteil konnte in einer aktuellen Metaanalyse mit 160 Studien nicht
reproduziert werden. Dennoch zeigte in dieser Auswertung die Protonentherapie eine
geringere, höhergradige GI-Akuttoxizität (2% vs. 7%) sowie ein verbessertes
biochemisches Rezidiv-freies Überleben nach 5 Jahren (95% vs. 91%) im Vergleich zur
klassischen Photonentherapie [676].
Im Hinblick auf die bestehende Evidenzlage mit teilweise widersprüchlichen
Ergebnissen für das lokal begrenzte PCa des intermediären und des hohen
Risikoprofils sind die finalen Ergebnisse prospektiver Studien, wie beispielsweise
COMPPARE (NCT03561220) sowie PARTIQoL (NCT01617161), abzuwarten, ehe
abschließende Empfehlungen verfasst werden können.
6.3.4 Brachytherapie
LDR-Brachytherapie (Low-Dose-Rate-Brachytherapie)
Bei der LDR-Brachytherapie (auch Permanent Seed Implantation genannt) werden
kleine radioaktive Seeds (Jod-125 oder Palladium-103) einmalig in die Prostata
eingebracht, die über Wochen bis Monate kontinuierlich Strahlung abgeben. Die LDR-
Brachytherapie kann sowohl als Monotherapie als auch als Kombinationstherapie
eingesetzt werden (siehe auch bei den einzelnen Risikogruppen). Die empfohlenen
Dosisverteilungen, die Grenzdosen für angrenzende gesunde Organe und die
Empfehlungen zur Nebenwirkungsdokumentation können publizierten Leitlinien
entnommen werden (s. oben) [703], [704], [705]. Maßnahmen der Qualitätssicherung
sind nach dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses vorgeschrieben
[706].
HDR-Brachytherapie (High-Dose-Rate-Brachytherapie)
Bei der HDR-Brachytherapie wird im Sinne einer Afterloading-Technik über mehrere
transperineal implantierte Hohlnadeln ein umschlossener Strahlenträger
vorübergehend in die Prostata eingebracht.
Die Hochdosis-Brachytherapie kann in einer oder mehreren Fraktionen durchgeführt
werden und wird häufig mit einer EBRT von mindestens 45 Gy mit konventioneller
Fraktionierung kombiniert [707]. Sie kann auch mit einer hypofraktionierten
perkutanen Bestrahlung kombiniert werden [708]. Die HDR-Brachytherapie wird
hauptsächlich als Methode zur Dosiseskalation eingesetzt.
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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Die HDR-Monotherapie mit nur einer Fraktion von 19 Gy soll nicht eingesetzt werden,
da sie im Vergleich zur fraktionierten HDR-Monotherapie schlechtere biochemische
Kontrollraten aufweist [703], [709].
Tabelle 17: Allgemeine Unterschiede zwischen LDR- und HDR-Brachytherapie
Prostata-Brachytherapie-
Verfahren
Technische und patientenbezogene Unterschiede
Niedrige Dosisleistung (LDR)
• permanente Implantation Seeds (Strands oder Einzelseeds)
• Verwendung von Jod-125 (I-125) (am häufigsten) oder
Palladium-103, 103 Pd-) in Europa nicht verfügbar)
• I-125 145 Gy für Monotherapie, 110 Gy für
Kombinationstherapie
• Strahlendosis, die über Wochen und Monate abgegeben
wird
• akute Nebenwirkungen klingen über Monate hinweg ab
• Strahlenschutz für Patienten und Mitarbeiter erforderlich
• zeitlich begrenzter Strahlenschutz für Kleinkinder und
Schwangere
Hohe Dosisleistung (HDR)
• vorübergehende Implantation
• Iridium-192 (IR-192) oder Cobalt 60 (Co60), das durch
implantierte Nadeln temporär eingeführt wird
• abgegebene Strahlendosis in Minuten
• Monotherapie 2x13,5 Gy oder 3 x11,5 Gy siehe [703],
[704]
• Kombinationstherapie 1x15 Gy, 2x 9 Gy [703], [704]
• akute Nebenwirkungen klingen über Wochen ab
Patientenauswahl
Um urogenitale (UG)-Toxizitäten zu vermeiden, sollten die Patienten auf ihre Eignung
hin untersucht werden. Entsprechend der Empfehlungen der American Brachytherapy
Society (ABS) und Groupe Européen de Curietherapie und European Society for
Radiotherapy (GEC-Estro) sind Patienten mit einem IPSS-Score kleiner 15 ml/s und
einem Restharn <100 ml geeignet [704], [710], [711], [703]. Prostatae mit größerem
Volumen sind technisch schwieriger zu implantieren und bergen das Risiko einer
unzureichenden Dosisabdeckung und einer erhöhten UG-Toxizität wenn
präinterventionell bereits irritative oder obstruktive Beschwerden vorliegen.
Patienten, bei denen zuvor eine TURP mit geringem Defekt der zentralen Zone
durchgeführt wurde, können eine Brachytherapie erhalten, ohne dass sich das Risiko
einer UG-Toxizität erhöht. Ein Gewebesaum von mindestens 1 cm Prostatagewebe um
den post-TURP Defekt und an den posterolateralen Seiten der Prostata wird
empfohlen. Zwischen TURP und Brachytherapie sollte ein Intervall von mindestens 3
Monaten liegen [712], [713].
Durchführung der Implantation
Die Implantation der Seeds bzw. der temporären Strahlenträger erfolgt überwiegend
in Regionalanästhesie (bevorzugt Spinalanästhesie) oder Vollnarkose während eines
kurzen stationären Aufenthaltes oder ambulant. Die Operation wird in
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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Steinschnittlage durchgeführt und die Implantation der Hohlnadeln (HDR) oder Seeds
erfolgt transperineal in der Regel unter Template-basierter TRUS und/oder seltener
unter Bildwandlerkontrolle. Zur besseren Sicht und damit zur Schonung der
Harnröhre wird zu Beginn ein Blasenkatheter eingelegt. Dieser kann am/nach Ende
des Eingriffs entfernt werden.
Im Rahmen der LDR-Brachytherapie ist nach 4-6 Wochen eine CT-Untersuchung zur
Qualitätskontrolle und Postimplantationsdosimetrie empfohlen. Die empfohlenen
Dosisverordnungen und Einschränkungen für Risikoorgane basieren auf den
Richtlinien der Arbeitsgruppen der ABS und GEC-ESTRO [703], [704].
Toxizität/Nebenwirkungen
Beide Methoden haben spezifische Toxizitätsprofile, die von individuellen Faktoren
des Patienten, der Dosis und der Technik abhängen. Die Nebenwirkungen lassen sich
in akute und späte Toxizität unterteilen, deren Schwere und Häufigkeit je nach
Therapieform variieren.
Während die LDR-Brachytherapie in der Regel mildere und länger anhaltende akute
Nebenwirkungen verursacht, treten bei der HDR-Brachytherapie intensivere akute
Toxizität auf, die jedoch schneller abklingen. Spättoxizität, insbesondere der
erektilen Funktion und der Harnwege, sind bei beiden Therapien möglich, wobei die
Kombinationstherapien ein höheres Komplikationsrisiko aufweisen.
Drei systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass die urogenitale Toxizität bei der
Brachytherapie erhöht sein kann, insbesondere bei der kombinierten Tele-
Brachytherapie [714], [715]. Insbesondere ist das Risiko für Urethrastrikturen erhöht.
In der Analyse von Awad betrug das Risiko 4,9 % für EBRT + Brachytherapie vs. 1,5 %
für EBRT und 1,9 % für Brachytherapie allein [716].
In einem systematischen Review von Zhang (2020) wurde die urogenitale Inkontinenz
zwischen radikaler Prostatektomie und Brachytherapie verglichen. Tendenziell zeigte
sich eine geringere Belastungsinkontinenz bei verbesserter Sexualfunktion für die
Brachytherapie. Eine Unterscheidung zwischen LDR- und HDR-Brachytherapie wurde in
der Übersichtsarbeit nicht vorgenommen. Kritisch anzumerken ist, dass die
Datenqualität der untersuchten Studien mittelmäßig war und die gastrointestinale
(GI)-Toxizität nicht analysiert wurde [717].
In den randomisierten Studien finden sich hinsichtlich der therapieassoziierten
Nebenwirkungen divergierende Ergebnisse im Vergleich von LDR-Brachytherapie und
Prostatektomie bezüglich Harninkontinenz, erektiler Dysfunktion und irritativer
Miktionsbeschwerden. Diese Ergebnisse sind jedoch schwer zu bewerten, da die
genannten Studien entweder vorzeitig abgebrochen wurden oder unterschiedliche
Operationsverfahren (retropubische versus roboterassistierte Prostatektomie)
durchgeführt wurden.
Die Ergebnisse prospektiver und retrospektiver Studien wurden in systematischen
Übersichtsarbeiten zusammengefasst und hinsichtlich urogenitaler und
gastrointestinaler Nebenwirkungen sowie der Lebensqualität analysiert. Sie ergaben
weniger Belastungsinkontinenz und erektile Dysfunktion nach LDR-Brachytherapie im
Vergleich zur Operation und mehr irritative Miktionsprobleme, aber weniger
Darmprobleme im Vergleich zur perkutanen Strahlentherapie [716], [718], [719],
[720]. Nachteile bezüglich der Lebensqualität sind für die Brachytherapie
vorübergehend und nach 5 Jahren nicht mehr nachweisbar [720]. Im Vergleich zur
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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intensitätsmodulierten perkutanen Strahlentherapie sind die Unterschiede der LDR-
Brachytherapie bezüglich gastrointestinaler und urogenitaler Akut- und
Spättoxizitäten gering [720].
Dabei ist zu beachten, dass die Häufigkeit akuter Nebenwirkungen höher ist als die
der Spätfolgen, d. h. die meisten akuten Nebenwirkungen klingen ab. In der NRG-
0232 Studie war die Inzidenz einer akuten Proktitis in der Brachytherapie-Gruppe im
Vergleich zur perkutanen Strahlentherapie geringer, andere akute Toxizitäten waren
jedoch gleich [721].
Daten zur urogenitalen und gastrointestinalen Spätfolgen der HDR-Brachytherapie
bestätigen niedrigere Raten gastrointestinaler Toxizität im Vergleich zur alleinigen
EBRT und Grad 3 Toxizität bei 10 %, aber eine höhere Inzidenz von Harnretention
[708]. In einer kleinen randomisierten Phase 2 Studie [709] lag der Anteil der
Patienten mit späten Grad 3+ geniturinäre (GU)-Toxizitätsraten <5 % und keinen oder
sehr geringen Grad 3+ GI-Toxizitätsraten.
In der TROG 03.04 RADAR-Studie hatten Patienten, die mit EBRT + HDR-
Brachytherapie Boost behandelt wurden, einen vorübergehenden, um 3 Punkte
höheren IPSS-Score als Patienten, die nur mit EBRT behandelt wurden.
Die Rate an urethralen Strikuren lag bei 12 vs. 1-4 % (EBRT + HDR-Brachytherapie-
Boost vs. EBRT 66-74 Gy) nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,4 Jahren.
Die rektale Toxizität war im Kombinationsarm geringer als im reinen EBRT-Arm [722].
6.3.4.1 Brachytherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms des
intermediären Risikoprofils
6.39, 6.40 Verknüpfte Empfehlungen: Evidenzbasiert neu 2025
A
6.39 Patienten mit einem lokal begrenzten
Prostatakarzinom des günstigen intermediären
Risikoprofils (nach NCCN) soll eine LDR-
Brachytherapie angeboten werden.
1-
[723], [724], [721]
A
6.40 Die LDR-Brachytherapie soll bei lokal begrenztem
Prostatakarzinom des günstigen intermediären
Risikoprofils (nach NCCN) als Monotherapie (ohne
perkutane Strahlentherapie) durchgeführt werden.
1-
[723], [724], [721]
Konsensstärke Konsens: 6.39
Starker Konsens: 6.40
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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6.41, 6.42,
6.43
Verknüpfte Empfehlungen: Konsensbasiert: 6.42;
Evidenzbasiert: 6.41,6.43
modifiziert 2025
B
6.41 Patienten mit einem lokal begrenzten
Prostatakarzinom des ungünstigen intermediären
Risikoprofils (nach NCCN) sollte ein LDR-
Brachytherapie-Boost in Verbindung mit einer
perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) angeboten
werden.
1-
[725], [726]
EK 6.42 Patienten sollen über die mit dieser Therapieform
mögliche signifikante Erhöhung der Spättoxizität (≥
Grad 3) aufgeklärt werden.
A
6.43 Eine Androgendeprivationstherapie soll bei Einsatz
der Brachytherapie analog zu den Empfehlungen der
perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit 4-6
Monaten Dauer eingesetzt werden.
2+
[721], [727]
Konsensstärke Starker Konsens
6.44, 6.45,
6.46
Verknüpfte Empfehlungen: Konsensbasiert: 6.45,6.46;
Evidenzbasiert: 6.44
modifiziert 2025
B
6.44 Patienten mit einem lokal begrenzten
Prostatakarzinom des intermediären Risikoprofils
sollte eine HDR Brachytherapie, kombiniert mit einer
perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT),
angeboten werden.
1+, 3
[708], [728]
EK 6.45 Patienten sollen über die mit dieser Therapieform
mögliche signifikante Erhöhung der Spättoxizität (≥
Grad 3) aufgeklärt werden.
EK 6.46 Eine Androgendeprivationstherapie (4-6-Monate) soll
bei Einsatz der HDR-Brachytherapie analog zu den
Empfehlungen der perkutanen Strahlentherapie
eingesetzt werden.
Konsensstärke Starker Konsens
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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Hintergrundinformationen zu Empfehlung 6.39 und Empfehlung 6.40
LDR-Brachytherapie bei Patienten des günstigen intermediären Risikoprofils
(nach NCCN)
Die Low-Dose-Brachytherapie ist eine alternative kurative Therapie zur radikalen
Prostatektomie und perkutanen Strahlentherapie für Patienten mit Prostatakarzinom
des günstigen intermediären Risikoprofils (NCCN).
Die Empfehlung gründet auf 3 randomisierten Studien. Neben der NRG-RTOG-0232
Studie liegt eine gepoolte Auswertung aus 2 randomisierten monozentrischen Studien
(44/20 und 20/0 Studie) [721], [729], [730].
Die randomisierte Phase 3 NRG-Oncology-RTOG-Studie 0232 [721] verglich eine LDR-
Monotherapie mit einer kombinierten LDR-Brachytherapie und zusätzlicher
perkutaner Bestrahlung bei 588 Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des
intermediären Risikoprofils. Dabei hatten die Patienten mit Gleason-Summe 6 einen
PSA-Wert von 10-20 ng/ml (10,8 % der Patienten) und jene mit Gleason-Summe 7
einen PSA-Wert von <10 ng/ml (89,2 % der Patienten). Die Studie war als
Überlegenheitsstudie für die kombinierte Therapie mit einem angenommenen Vorteil
von 12 % geplant. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 12,1 Jahren wurde
weder ein signifikanter Unterschied des primären Endpunktes Freiheit von
Progression noch der sekundären Endpunkte biochemisches Versagen,
krankheitsspezifische Mortalität, lokale Progression, Fernmetastasen, Toxizität oder
Lebensqualität gefunden. Die Studie zeigte für keinen Endpunkt eine Verbesserung
der Kombinationstherapie und ist somit negativ im Sinne des Studienziels. In einer
post-hoc Analyse, aufgetrennt nach Patienten mit einem günstigen intermediären
Profil der ISUP Gruppe 2 (n= 413) versus ISUP-Gruppe 3 (n=103) und einem PSA <10
ng/ml für beide Gruppen zeigte sich auch hier kein Unterschied in der Freiheit von
einer Progression.
In den beiden monozentrischen randomisierten Studien „44/20“ und „20/0“ wurden
die Kombination aus perkutaner Strahlentherapie mit 2 unterschiedlichen Dosisstufen
(44 Gy und 20 Gy) mit einem LDR-Brachytherapie Boost und in der zweiten Studie
(20/0) die Kombinationstherapie mit der LDR-Monotherapie untersucht. In einer
gepoolten Analyse der beiden Studien (n=630) wurden die Patienten getrennt nach
günstigem (n=294), ungünstigem intermediären (n=290) und hohem Risiko (n=46)
ausgewertet. Patienten in der günstigen intermediären Gruppe hatten im Vergleich zu
den anderen Risikogruppen ein verbessertes Outcome, unabhängig ob zusätzlich zur
LDR-Brachytherapie eine perkutane Bestrahlung eingesetzt wurde oder nicht [729],
[730].
Bis heute wurden vier prospektive randomisierte Studien durchgeführt, die eine
radikale Prostatektomie mit einer LDR-Brachytherapie verglichen [731], [723], [724],
[732]. Eine weitere Studie verglich die LDR-Brachytherapie, die radikale
Prostatektomie, die perkutane Bestrahlung oder eine Active-Surveillance-Strategie
(PREFERE-Studie) [733]. Drei der fünf Studien [731], [733], [732] konnten aufgrund
mangelnder Rekrutierung nicht abgeschlossen werden und wurden vorzeitig
abgebrochen. Mit zwei abgeschlossenen randomisierten Studien verfügen wir über
eine Level 1 Evidenz für vergleichbare Ergebnisse der LDR-Brachytherapie mit der
retropubischen [723] bzw. roboterassistierten [724] Prostatektomie hinsichtlich der
PSA-Rezidiv Freiheit. Auch die Publikationen zu den vorzeitig beendeten
randomisierten Untersuchungen suggerieren im Hinblick auf die onkologische
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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160
Sicherheit eine Vergleichbarkeit der LDR-Brachytherapie in Bezug auf die
biochemische Rezidiv Freiheit.
In den beiden randomisierten italienischen Single-Center-Studien zeigte sich kein
Unterschied im biochemischen rezidivfreien Überleben. Unterschiede zeigten sich
jedoch bei den urogenitalen Symptomen. Während in der Prostatektomie-Gruppe in
den ersten 6 Monaten eine höhere Inkontinenzrate auftrat, zeigten LDR-
Monotherapie-Patienten im weiteren Verlauf eine erhöhte GU-Toxizität im Vergleich
zur OP [724], [723]. In der PREFERE-Studie wurden die LDR-Brachytherapie, die
radikale Prostatektomie, die perkutane Bestrahlung oder eine Active-Surveillance-
Strategie miteinander verglichen (PREFERE-Studie). Die Studie wurde wegen fehlender
Rekrutierung vorzeitig beendet [733] . Nach einer medianen Nachbeobachtung von
19 Monaten wurden 93/345 randomisierten Patienten mit einer LDR-Brachytherapie
behandelt, was der größten Patientengruppe mit definitiver Therapie entsprach.
Schwerwiegende Toxizität wurden prozentual nicht signifikant häufiger berichtet als
bei der radikalen Prostatektomie oder der perkutanen Bestrahlung.
Die mangels Rekrutierung vorzeitig geschlossene SPIRIT-Studie verglich die radikale
Prostatektomie mit der LDR-Monotherapie. Die nach 5 Jahren durchgeführte
Lebensqualität-Befragung der 190 eingeschlossenen Patienten zeigte eine höhere
Lebensqualität bezüglich urogenitaler und sexueller Funktion und eine höhere
Zufriedenheit bei den mit LDR-Monotherapie behandelten Patienten [731]. Kürzlich
wurden die Langzeitdaten dieser Studie nach einer medianen Nachbeobachtungszeit
von 13 bzw. 15 Jahren für beide Patientenkohorten publiziert. Ein biochemisches
Rezidiv lag nach 15 Jahren für die LDR-Gruppe bei 2,4 % und für die Prostatektomie
Gruppe bei 15,8 % (p<0,001) vor. Im Prostatakrebs spezifischen Überleben konnte
kein Unterschied festgestellt werden [734].
Eine weitere monozentrische Studie von Moran et al. randomisierte jeweils 70
Patienten, die eine LDR-Brachytherapie entweder mit 125-J oder 131-Caesium erhalten
hatten. Eine ergänzende ADT war nicht erlaubt. Primärer Endpunkt war die
urogenitale Lebensqualität gemessen durch den EPIC-Score. Nach einer medianen
Nachbeobachtungszeit von 97 Monaten zeigten sich keine langfristigen Unterschiede
bezüglich der einzelnen Lebensqualitäts-Domänen oder der biochemischen Rezidiv
Freiheit [735].
Vergleichbare Ergebnisse liegen in einer Reihe großer Bevölkerungskohorten mit
längerer Nachbeobachtung vor [300], [736], [737], [738], [739]. Das biochemische
krankheitsfreies Überleben (disease-free survival, DFS) für Patienten der ISUP-Gruppe
1 liegt nach 5 bzw. 10 Jahren zwischen 71 % und 93 % bzw. 65 % und 85 % [740],
[741], [742], [743], [744]. Es wurde eine signifikante Korrelation zwischen der Dosis
bzw. der Einhaltung der Dosisbeschränkungen und der biochemischen Kontrolle
nachgewiesen [745]. Eine D90 (Dosis, welche 90 % des Prostatavolumens abdeckt)
von >140 Gy führt zu einer signifikant höheren biochemischen Kontrollrate (PSA <1,0
ng/ml) nach 4 Jahren (92 vs. 68 %). Langzeit PSA-Analysen legen das Erreichen eines
PSA-Wertes von <0,2 ng/ml nach 4 Jahren für das Erreichen einer langfristigen
Tumorkontrolle (freedom from prostate cancer) nahe. Die Rezidiv Freiheit nach 15
Jahren lag dann bei 96,1 % [746].
In eine monozentrische prospektive Phase 2 Studie aus dem MD Anderson Cancer
Center wurden 300 Patienten mit einem intermediären Risikoprofil (65 % günstiges
intermediäres Risikoprofil) eingeschlossen und mit einer LDR-Monotherapie behandelt
[747]. Eine kombinierte EBRT oder eine begleitende ADT waren nicht erlaubt. Die 5-
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161
Jahres biochemische Rezidivfreiheit lag mit 97 % sehr hoch. Die Rate an Grad 3 GU/GI
Toxizität lag bei jeweils 1 %.
In der japanischen prospektiven Registerstudie (J-POPS) werden Patienten mit LDR-
Brachytherapie, sowohl als Boost (23 %) als auch als Monotherapie (77 %),
eingeschlossen. In einer ersten Auswertung wurden die Ansprechraten von 2.316
Patienten ausgewertet. Der primäre Endpunkt war das biochemische rezidivfreie
Überleben (bRFS). 1.114 Patienten (48 %) wiesen ein intermediäres Risiko auf (28 %
ISUP Gruppe 2 und 16 % Gruppe 3). In der multivariaten Regressionsanalyse war das
bRFS nur für die ISUP Gruppen >3 signifikant schlechter mit einer Hazard-Ratio von
1,85 [748].
Verschiedene systematische Übersichten analysierten onkologische Ergebnisse und
Nebenwirkungen [749], [750], [751], [752]. Der G-BA stellte keinen eindeutigen
Unterschied hinsichtlich des PSA-basierten krankheitsfreien Überlebens nach
Behandlung mit LDR-Brachytherapie im Vergleich zur Behandlung mit Prostatektomie
oder perkutaner Strahlentherapie [39] fest. Alle Publikationen zeigen hinsichtlich der
biochemischen Rezidivfreiheit eine Vergleichbarkeit der LDR-Monotherapie mit der
radikalen Prostatektomie. Die langfristige urogenitale Toxizität kann bei der LDR-
Monotherapie erhöht sein. Eine adäquate Patientenselektion und die Erfahrung des
Zentrums haben einen Einfluss auf die langfristige Lebensqualität.
Zusammenfassend ergibt sich aus Sicht der Autoren der Nachweis eine Äquivalenz
der onkologischen Ergebnisse der LDR-Monotherapie im Vergleich zur externen
Bestrahlung (+/- LDR-Brachytherapie) und der radikalen Prostatektomie bei Patienten
mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des günstigen intermediären Risikoprofils
(nach NCCN).
HDR–Brachy-Monotherapie
Für die isolierte Subgruppe der Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom des
günstigen intermediären Risikoprofils existieren keine Studien einer HDR-Brachy-
Monotherapie. In einer randomisierten Phase 2 Studie wurden Patienten mit
niedrigem und intermediärem Risikoprofil entweder mit einer fraktionierten (2x13,5
Gy) oder einer Einzeit (1x19 Gy) HDR-Brachytherapie behandelt. Der Anteil der
Patienten mit einem günstigen intermediären Risiko lag bei 51 % und für das
ungünstige Risikoprofil bei 30 %, 19 % der Patienten hatten ein niedriges Risikoprofil.
Nach medianer Nachbeobachtung von 107 Monaten lag die 8-Jahres-PSA-Kontrollrate
bei 83,2 % und 61,5 % für Patienten mit 2-Fraktionen gegenüber Patienten mit einer
Fraktion (p=0,001). Es ergab sich kein signifikanter Unterschied bezüglich UG oder GI-
Spätfolgen. Allerdings zeigte sich im Einzeit-Arm eine nach 4 und 5 Jahren
persistierende Verschlechterung der urogenitalen gesundheitsbezogenen
Lebensqualität [753] mit späten Grad 3+ urogenitalen Toxizitäten <5 % und Grad 2+
GI-Toxizitätsraten von 1 % [753], [754].
In den Anfang der 2000er Jahre publizierten Phase-II-Studien zur HDR-Monotherapie
wurden ca. 350 Patienten mit niedrigem Risikoprofil behandelt [755], [756], [757],
[758], [759]. Alle Studien zeigten die technische und klinische Durchführbarkeit
dieser Therapieoption sowie eine geringe akute Toxizität. In einem systematischen
Review wurden 3.534 Patienten aus 14 Studien zusammengefasst. Es wurden 5-
Jahres-PSA-Kontrollraten von 97,5 % bzw. 93,5 % für PCa mit niedrigem bzw.
mittlerem Risiko berichtet, mit späten Grad 3+ GU-Toxizitätsraten <5 % und keinen
oder sehr geringen Grad 3+ GI-Toxizitätsraten [760]) . Es zeigte sich, dass die Dosis
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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162
pro Fraktion und das Fraktionierungsschema einen Einfluss auf das biochemische
rezidivfreie Überleben hatten.
Für eine HDR-Monotherapie mit nur einer Fraktion im Vergleich zur fraktionierten
HDR-Monotherapie wird eine schlechtere biochemische Kontrollrate angegeben [709],
[760], [753], [754].
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass eine fraktionierte HDR-Monotherapie
ausgewählten Patienten mit günstigem intermediärem Risikoprofil angeboten werden
kann, wobei die Patienten darüber informiert werden sollten, dass nur Ergebnisse aus
kleinen Serien in sehr erfahrenen Zentren vorliegen.
Effekte einer zusätzlichen Hormontherapie bei Einsatz einer Brachytherapie
In einem systematischen Review mit 52 analysierten Studien mit insgesamt 43.303
Patienten zeigte sich kein Benefit für eine zusätzliche ADT bei Patienten des niedrigen
Risikoprofils sowie des günstigen intermediären Risikoprofils (nach NCCN). Die
zusätzliche neoadjuvante oder adjuvante ADT zur LDR-Monotherapie brachte keinen
Vorteil bezüglich des biochemischen progressionsfreien Überlebens [761] .
Dahingegen bringt die zusätzliche ADT für einige Patienten des intermediären und
hohen Risikoprofils einen Vorteil von 12-20 %.
Die Autoren kommen zum Schluss, dass aufgrund der fehlenden Unterscheidung von
günstigem und ungünstigem intermediären Risikoprofil in den meisten
Untersuchungen eine eindeutige Empfehlung für oder gegen eine ADT nicht möglich
ist. Da ein Benefit einer Kurzzeit-ADT nicht ausgeschlossen werden kann, wird die
Evaluation einer Kurzzeit-ADT empfohlen. Bezüglich der Dauer der ADT soll sich
analog den Empfehlungen der perkutanen Strahlentherapie für diese Risikogruppe
orientiert werden. Dabei sollten die individuellen Risikofaktoren von Patienten (Alter,
kardiale Vorerkrankungen, etc.) bei der Indikationsstellung berücksichtigt werden.
Zu Empfehlung 6.41 bis Empfehlung 6.43
LDR-Brachytherapie bei Patienten des ungünstigen intermediären Risikoprofils
(nach NCCN)
Sowohl die LDR als auch die HDR-Brachytherapie sind in Kombination mit externer
Strahlentherapie und einer ADT eine etablierte Behandlungsoption für Patienten mit
einem ungünstigen intermediären Risikoprofil.
Beide Brachytherapieformen sollen nicht als Monotherapie für das ungünstige
intermediäre Risikoprofil eingesetzt werden.
ABS und GEC-ESTRO empfehlen, dass die LDR-Brachytherapie als Boost in
Kombination mit einer perkutanen Strahlentherapie bei Patienten des ungünstigen
intermediären Risikos eingesetzt werden kann [703], [752] Diese Empfehlungen
werden durch die Ergebnisse der Studie ASCENDE-RT unterstützt [725], [726].
LDR- Brachytherapie
Die prospektiv randomisierte ASCENDE-RT-Studie (n=398) verglich die perkutane
Strahlentherapie (Gesamtdosis 78 Gy) mit der EBRT (Gesamtdosis 46 Gy), gefolgt von
einem LDR-BT-Boost (vorgeschriebene Dosis 115 Gy) bei Patienten mit intermediärem
(31 %) und hohem Risiko (69 %). In beiden Therapiearmen erhielten die Patienten eine
12-monatige ADT [725], [726], [762]. Der LDR-Boost führte zu einer signifikanten
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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163
Verbesserung des biochemischen PFS nach 5, 7 und 10 Jahren (89 %, 86 % bzw. 85 %)
im Vergleich zum perkutanen Boost (84 %, 75 % bzw. 70 %). Dies führte nicht zu einer
Verbesserung der Rate von Fernmetastasen, des Prostatakarzinom-spezifischen- oder
des Gesamtüberlebens.
Diese Verbesserung der biochemischen Kontrolle der Kombinationstherapie war
jedoch verbunden mit einer signifikant erhöhten kumulativen Inzidenz an späten
Grad 3+ GU-Toxizitäten (18 % vs. 5 %) und zwei Therapie-bedingten Todesfällen [725],
[726], [762]. Die kumulative Indidenz an Grad 3+ GI Nebenwirkungen war nach 5
Jahren nicht signifikant erhöht mit 8 % vs. 3 %.
In der NRG Oncology/RTOG 0232-Studie wurden 588 Patienten mit intermediärem
Risikoprofil randomisiert. Die Patienten erhielten entweder 45 Gy perkutane Therapie
plus einem LDR-Brachytherapie-Boost oder einer LDR-Brachytherapie allein. Nach einer
medianen Nachbeobachtungszeit von 6,7 Jahren zeigte sich kein Unterschied im
primären Endpunkt, dem progressionsfreien Überleben. Allerdings wies nur ein
Fünftel der Patienten ein PCa des ungünstigen intermediären Risikoprofoils auf.
Bezüglich der Spätnebenwirkungen zeigte sich ein signifikanter Vorteil für die
alleinige Brachytherapie. Die Grad 2 urogenitalen und gastrointestinalen Spätfolgen
betrugen 42,8 % für die Kombinationstherapie, gegenüber 25,1 % für die LDR-
Monotherapie. Die Grad 3+ UG Toxizitäten betrugen 9 % vs 3 % und die Grad 3+ GI
Toxizitäten lagen bei 3 % vs 1 % (Kombi- vs. Monotherapie) [721].
Zu Empfehlung 6.44 bis Empfehlung 6.46
HDR-Brachytherapie bei Patienten des ungünstigen intermediären Risikoprofils
(nach NCCN)
HDR-Brachytherapie
Es liegen 2 randomisierte Studien zur kombinierten perkutanen Bestrahlung mit
einem HDR-Brachytherapie-Boost im Vergleich zur alleinigen perkutanen
Strahlentherapie vor [708], [728], [763].
In der Studie von Hoskin wurden 216 Patienten eingeschlossen. Davon wiesen 9 (4,2
%), 91 (42,1 %) und 116 (53,7 %) ein Prostatakarzinom des niedrigen, intermediären
und hohen Risikoprofils nach NCCN auf. Knapp 40 % der Patienten mit alleiniger
perkutaner Strahlentherapie hatten nach 2 Jahren ein biochemisches Rezidiv. Nach
einer medianen Nachbeobachtungszeit von 50 Monaten ergab sich ein signifikanter
Vorteil für die HDR-Brachytherapie in Kombination mit einer perkutanen
Strahlentherapie hinsichtlich der biochemischen Progressionsfreiheit. In einem Update
im Jahr 2021 mit einer Nachbeobachtung von 12 Jahren betrug das biochemische
rezidiv freie Überleben 48 % für die kombinierte Tele-Brachytherapie und war damit
signifikant höher im Vergleich zu 27 % für den Behandlungsarm mit alleiniger EBRT.
Im Gesamtüberleben ergab sich kein signifikanter Unterschied. Die GI-Toxizität war
über die Zeit stabil, während die GU-Toxizität weiter anstieg. Es gab jedoch keinen
signifikanten Unterschied zwischen den beiden Behandlungsarmen [708].
In der zweiten randomisierten Studie [728] erhielten 104 Patienten mit intermediärem
(41 %) oder Hochrisikoprofil (59 %) entweder eine perkutane Bestrahlung mit HDR-
Brachytherapie-Boost oder eine alleinige perkutane Bestrahlung. Nach einer medianen
Nachbeobachtungszeit von 8,2 Jahren konnte eine signifikante Verbesserung der
biochemischen Progressionsfreiheit für die Kombinationstherapie nachgewiesen
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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164
werden (p=0,024). Ein Effekt auf das Gesamtüberleben zeigte sich nicht. Urogenitale
oder GI-Spätfolgen waren nicht signifikant unterschiedlich [728].
In beiden Studien war die Vergleichsgruppe mit alleiniger perkutaner Strahlentherapie
nach heutigen Maßstäben unterdosiert (Gesamtdosis 66 Gy/Einzeldosis 2 Gy bei Satya
et al. [728] bzw. Gesamtdosis 55 Gy/Einzeldosis 2,75 Gy bei Hoskin et al. [708]).
In prospektiven und retrospektiven Kohortenstudien/Fallserien erhöhte die
Dosiseskalation der perkutanen Bestrahlung mit einem HDR-Brachytherapie-Boost
durch eine höhere biologische Wirksamkeit den Anteil des biochemisch rezidiv freien
Überlebens auf Werte von über 85 % nach 5 Jahren (p<0,001). Dies galt insbesondere
für Patienten mit Tumoren mit hohem Risikoprofil, welches bei einem Großteil der
untersuchten Patienten vorlag. Darüber hinaus zeigte sich eine Reduktion der
Lokalrezidivrate und eine Reduktion der Fernmetastasierungsrate bei Patienten mit
Tumoren des Hochrisikoprofils (22 % vs. 9 % bei höherer Dosierung, p=0,043). [707],
[759], [764], [765], [766], [767]. Die Studien basieren auf der Annahme, dass
Prostatakrebszellen eine höhere Strahlenempfindlichkeit bei Einsatz hoher
Einzeldosen aufweisen (Alpha/Beta-Wert zur Charakterisierung der tumorbiologischen
Strahlenwirksamkeit). Die Vergleichbarkeit mit anderen Studien zur primären
Strahlentherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms ist schwierig, da die
verwendeten Risikoklassifikationen in den einzelnen Studien unterschiedlich war und
nicht denen von D’Amico entsprachen.
Deger et al. [768] verwendeten in ihrer Kohortenstudie zur kombinierten perkutanen
Bestrahlung mit HDR-Brachytherapie-Boost die Risikoklassifikation von D’Amico. Die
Studie ergab ein biochemisches rezidivfreies 5-Jahres-Überleben von 65 % bzw. 59 %
bei Patienten mit Tumoren mit mittlerem bzw. hohem Risikoprofil. Diese Effekte
entsprechen den in der Literatur beschriebenen Ergebnissen einer kombinierten
perkutanen Strahlentherapie und hormonablativen Therapie bei Patienten mit
Tumoren dieser Risikoprofile. Brenner et al. konnten zeigen, dass zwei HDR-
Implantationen mit höherer Einzeldosis zu günstigeren Ergebnissen führten (p<0,05)
als drei HDR-Implantationen mit niedrigerer Einzeldosis [769].
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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165
6.3.4.2 Brachytherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms des hohen
Risikoprofils
6.47, 6.48,
6.49
Verknüpfte Empfehlungen: Konsensbasiert: 6.48;
Evidenzbasiert: 6.47,6.49
modifiziert 2025
: 6.47, 6.49
neu 2025 : 6.48
B
6.47 Patienten mit einem lokal begrenzten
Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils sollte eine
HDR Brachytherapie, kombiniert mit einer perkutanen
Strahlentherapie (IMRT + IGRT), angeboten werden.
1+
[708], [728]
EK 6.48 Patienten sollen über die mit dieser Therapieform
mögliche Erhöhung der Spättoxizität (≥ Grad 3)
aufgeklärt werden.
B
6.49 Eine Androgendeprivationstherapie sollte bei Einsatz
der HDR-Brachytherapie analog zu den Empfehlungen
bei der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT)
mit 24-36 Monaten Dauer eingesetzt werden.
2+
[708], [728], [761],
[645]
Konsensstärke Starker Konsens
6.50, 6.51,
6.52
Verknüpfte Empfehlungen: Konsensbasiert: 6.51;
Evidenzbasiert: 6.50,6.52
modifiziert 2025
0
6.50 Patienten mit einem lokal begrenzten
Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils kann ein
LDR-Brachytherapie-Boost in Verbindung mit einer
perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) angeboten
werden.
1-
[725], [726]
EK 6.51 Patienten sollen über die mit dieser Therapieform
mögliche Erhöhung der Spättoxizität (≥ Grad 3)
aufgeklärt werden.
B
6.52 Eine Androgendeprivationstherapie sollte bei Einsatz
der LDR-Brachytherapie analog zu den Empfehlungen
bei der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT)
mit 24-36 Monaten Dauer eingesetzt werden.
2+
[721], [727], [722],
[725], [726]
Konsensstärke Starker Konsens
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
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6.53 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
A
Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils
sollen keine LDR oder HDR-Brachytherapie als Monotherapie erhalten.
Evidenzlevel
2+
[300], [678], [736], [737], [738], [739], [770]
Starker Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.47 bis Empfehlung 6.49, Empfehlung 6.50 bis Empfehlung 6.52
und Empfehlung 6.53
LDR- bzw. HDR-Brachytherapie bei Patienten des hohen Risikoprofils (nach
NCCN)
Alle randomisierten Studien und die Mehrzahl der Kohortenstudien, die die
onkologische Wirksamkeit sowie die akuten und späten Nebenwirkungen der
kombinierten Tele- Brachytherapie bei Patienten mit Hochrisikoprofil untersuchten,
wurden als Kombinationstherapien durchgeführt. Im aktuellen systematischen Review
von Slevin et al. (2024) wurden die meisten Studiendaten zum HDR- und LDR-
Brachytherapie-Boost im Vergleich zur alleinigen EBRT zusammengefasst. Die Autoren
kommen zu dem Schluss, dass ein Brachytherapie-Boost zu verbesserten
biochemischen rezidiv freien Kontrollraten führt, aber mit einer höheren urogenitalen
Toxizität assoziiert ist [771].
LDR-Brachytherapie
In die prospektive Studie ASCENDE-RT wurden Patienten mit intermediärem (31 %)
und hohem (69 %) Risikoprofil eingeschlossen. Nach 8 Monaten neoadjuvanter ADT
(Gesamtdauer 12 Monate) erhielten alle Patienten eine perkutane Bestrahlung der
Prostata und der loko regionären Lymphabflusswege mit einer Einzeldosis von 2 Gy
bis zu einer Gesamtdosis von 46 Gy. Anschließend wurden die Patienten 1: 1
randomisiert für eine Fortsetzung der perkutanen Therapie bis zu einer Gesamtdosis
von 78 Gy oder für eine LDR-Brachytherapie mit einer minimalen peripheren Dosis
von 115 Gy, beginnend 2-3 Wochen nach der Beckenbestrahlung [725], [726], [762].
Der LDR-Boost führte zu einer Verbesserung des biochemischen PFS nach 5, 7 und 10
Jahren (89 %, 86 % bzw. 85 %) im Vergleich zum perkutanen Boost (84 %, 75 % bzw.
70 %) (p<0,001). Dies führte jedoch nicht zu einer Verbesserung der
Fernmetastasierung, des Prostatakarzinom-spezifischen- oder des Gesamtüberlebens.
Diese Verbesserung der biochemischen Kontrolle der Kombinationstherapie war
jedoch verbunden mit einer signifikant erhöhten kumulativen Inzidenz an späten
Grad 3+ GU-Toxizität (18 % vs. 5 %) und zwei therapiebedingten Todesfällen [725],
[726], [762]. Die kumulative Inzidenz an Grad 3+ GI-Nebenwirkungen war nach 5
Jahren nicht signifikant erhöht mit 8 % vs. 3 % [725], [726], [762].
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
167
In mehreren retrospektiven Fallserien des LDR-Brachytherapie-Boosts in Kombination
mit perkutaner Strahlentherapie und ADT bei Patienten mit hohem Risikoprofil
zeigten sich nach einer medianen Nachbeobachtung von bis zu 8,5 Jahren
biochemisch rezidiv freie Überlebensraten von 30-88 % [772], [773], [774], [775],
[776], [777], [778], [779].
Eine Monotherapie mit LDR oder HDR bei Patienten mit hohem Risikoprofil soll nicht
durchgeführt werden. Die empfehlungsstützenden Quellen zu Empfehlung 6.53
werden im Evidenztabellendokument der Version 5.0 ausführlich dargelegt [79].
HDR-Brachytherapie
Es liegen 2 randomisierte Studien zur kombinierten perkutanen Bestrahlung mit
einem HDR-Brachytherapie-Boost im Vergleich zur alleinigen perkutanen
Strahlentherapie vor [708], [728], [763]. In der Studie von Hoskin wurden 216
Patienten eingeschlossen. Davon wiesen 9 (4,2 %), 91 (42,1 %) und 116 (53,7 %) ein
Prostatakarzinom des niedrigen, intermediären und hohen Risikoprofils nach NCCN
auf. Knapp 40 % der Patienten mit alleiniger perkutaner Strahlentherapie hatten nach
2 Jahren ein biochemisches Rezidiv. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von
50 Monaten ergab sich ein signifikanter Vorteil für die HDR-Brachytherapie in
Kombination mit einer perkutanen Strahlentherapie hinsichtlich der biochemischen
Progressionsfreiheit. In einem Update im Jahr 2021 mit einer Nachbeobachtung von
12 Jahren betrug das biochemische rezidiv freie Überleben 48 % für die kombinierte
Tele-Brachytherapie und war damit signifikant höher im Vergleich zu 27 % für den
Behandlungsarm mit alleiniger EBRT. Im Gesamtüberleben ergab sich kein
signifikanter Unterschied. Die GI-Toxizität war über die Zeit stabil, während die GU-
Toxizität weiter anstieg. Es gab jedoch keinen signifikanten Unterschied zwischen
den beiden Behandlungsarmen [708].
In der zweiten randomisierten Studie [728] erhielten 104 Patienten mit intermediärem
(41%) oder Hochrisikoprofil (59%) entweder eine perkutane Bestrahlung mit HDR-
Brachytherapie Boost oder eine alleinige perkutane Bestrahlung. Nach einer medianen
Nachbeobachtungszeit von 8,2 Jahren konnte eine signifikante Verbesserung der
biochemischen Progressionsfreiheit für die Kombinationstherapie nachgewiesen
werden (p=0,024). Ein Effekt auf das Gesamtüberleben zeigte sich nicht. Urogenitale
oder GI-Spätfolgen waren nicht signifikant unterschiedlich [728].
In beiden Studien war die Vergleichsgruppe mit alleiniger perkutaner Strahlentherapie
nach heutigen Maßstäben unterdosiert (Gesamtdosis 66 Gy/Einzeldosis 2 Gy bei Satya
et al. [728] bzw. Gesamtdosis 55 Gy/Einzeldosis 2,75 Gy bei Hoskin et al. [708]).
In prospektiven Kohortenstudien/Fallserien [707], [759], [765], [766], [767] erhöhte
eine Dosiseskalation mittels HDR-Brachytherapie durch eine höhere biologische
Gesamtdosis den Anteil des biochemisch rezidiv freien Überlebens auf Werte von über
85 % nach 5 Jahren (p<0,001). Dies galt insbesondere für Patienten mit hohem
Risikoprofil. Weiterhin zeigte sich eine Reduktion der Lokalrezidivrate und eine
Reduktion der Fernmetastasierungsrate bei Patienten mit Tumoren mit hohem
Risikoprofil (22 % vs. 9 % bei höherer Dosis, p=0,043).
Deger et al. (2005) [768] verwendeten in einer weiteren Serie zur HDR-Brachytherapie
die Risikoklassifikation von D‘Amico. Die Daten zeigen ein biochemisch rezidiv freies
5-Jahres-Überleben von 65 % bzw. 59 % bei Patienten mit mittlerem bzw. hohem
Risikoprofil. Diese Effekte entsprechen den in der Literatur beschriebenen
6.3 Lokal begrenztes Prostatakarzinom des intermediären und hohen Risikoprofils
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
168
Ergebnissen einer kombinierten perkutanen Strahlentherapie und hormonablativen
Therapie bei Patienten mit Tumoren dieser Risikoprofile.
Eine retrospektive Analyse von 1.641 Patienten mit mittlerem und hohem Risiko
zeigte ein besseres fernmetastasenfreies Überleben, wenn ein HDR-Brachytherapie-
Boost mit einer EBRT von 50-54 Gy kombiniert wurde. Der Unterschied vergrößerte
sich nach 10 Jahren auf 12 % [780]. Weitere nicht-randomisierten Studien und Daten
aus Bevölkerungsstudien weisen darauf hin, dass die Ergebnisse von EBRT plus HDR-
Brachytherapie der EBRT allein überlegen sind [781], [782].
Brenner et al. zeigten, dass zwei HDR-Implantationen mit höherer Einzeldosis zu
günstigeren Ergebnissen führten (p<0,05) als drei HDR-Implantationen mit niedrigerer
Einzeldosis [769].
Weitere nicht-randomisierte Studiendaten und Kohortenstudien weisen ebenfalls auf
eine Überlegenheit der EBRT plus HDR-Brachytherapie gegenüber der EBRT allein hin
[761], [782].
Androgendeprivationstherapie (ADT)
Eine unterstützende Evidenz für den Nutzen des HDR-Brachytherapie-Boosts liefert die
prospektive randomisierte RADAR-Studie TROG 03.04. Insgesamt 1.051 Patienten mit
vorwiegend ungünstig intermediärem Risikoprofil (33,7 %) oder hohem Risikoprofil
(64,6 %), aber auch lokal fortgeschrittene Tumoren (36,2 % T3/4 Tumoren) erhielten
entweder eine 6-monatige oder einer 18-monatige ADT zusätzlich zu einer definitiven
Bestrahlung. Die teilnehmenden Zentren konnten wählen zwischen einer perkutanen
Strahlentherapie mit 66 Gy, 70 Gy oder 74 Gy EBRT oder einer kombinierten
perkutanen Therapie 46 Gy EBRT mit einem HDR-Brachytherapie-Boost [722]. 11,9 %,
40,6 %, 24,9 % und 22,6 % der Patienten erhielten die genannten Therapien. Der
primäre Endpunkt war die Progression außerhalb der Prostata. Nach einer medianen
Nachbeobachtungszeit von 10,5 Jahren reduzierte die 18-monatige ADT signifikant
die Progression außerhalb der Prostata (p=0,002), die ossäre Metastasierung
(p=0,0001), die Lokalrezidivrate (p=0,03) und das Prostatakarzinom-spezifische
Überleben (p=0,009). Im Vergleich zur alleinigen EBRT mit 66 und 70 Gy zeigte die
kombinierte perkutane Bestrahlung plus HDR-Boost einen signifikanten Vorteil
bezüglich der Knochenmetastasierung und des Gesamtüberlebens. Gegenüber der
Gruppe mit 74 Gy ergab sich nur ein signifikanter Vorteil bezüglich der lokalen
Progression und des Gesamtüberlebens.
Für die Patienten der Kombinationstherapie brachte die 18-monatige ADT ebenfalls
eine Verbesserung über alle Endpunkte.
Die HDR-Boost-Gruppe zeigte einen Anstieg des IPSS um 3 Punkte 18 Monate nach der
Behandlung, der sich bis zu 3 Jahre später wieder auflöste und eine Reduktion der
rektalen Symptome im Vergleich zur EBRT [722]. Betrachtet man den Effekt der ADT,
dann erscheinen die Daten der aktuellen TRIP-Studie hierzu etwas widersprüchlich. In
dieser Studie wurde randomisiert verglichen, ob eine ergänzende adjuvante ADT über
24 Monate im Vergleich zu einer 6-monatigen neoadjuvanten und simultanen ADT
zur kombinierte EBRT + LDR-Brachytherapie-Boost eine verbesserte biochemische
Progression aufweisen kann. Die angenommene Überlegenheit der Langzeit-ADT über
insgesamt 30 Monate versus 6 Monate ADT konnte nach einer medianen
Nachbeobachtungszeit von 9 Jahren nicht nachgewiesen werden [727].
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
169
Obwohl die Eskalation der Strahlendosis durch den Brachytherapie-Boost zu deutlich
höheren biologischen Dosen führt, zeigen die TROG 03.04 RADAR RCT und die
systematischen Übersichtsarbeiten, dass die ADT unabhängig von der Intensivierung
der Strahlendosis zu besseren Ergebnissen führt [722], [761], [783].
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass nach Bewertung der derzeitige Datenlage
bei Einsatz eines LDR- oder HDR-Boostes zur perkutanen Bestrahlung bei Patienten
des hohen Risikoprofils der Verzicht auf eine ADT zu einem schlechteren OS führen
kann. Die Dauer der ADT zusätzlich zu einem Brachytherapie-Boost sollte daher
analog der Dauer bei der alleinigen EBRT erfolgen (24-36 Monate).
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen
Prostatakarzinoms
6.4.1 Radikale Prostatektomie
6.54 Konsensbasierte Empfehlung neu 2025
EK
Patienten mit einer Lebenserwartung von über 10 Jahren und einem lokal
fortgeschrittenen Prostatakarzinom oder einem lokal begrenzten
Prostatakarzinom des sehr hohen Risikoprofils nach NCCN soll eine radikale
Prostatektomie als Teil einer multimodalen Therapie angeboten werden.
Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.54
Die in den Empfehlungen genannte Risikoklasse „sehr hohes Risikoprofil“ meint die
NCCN-Risikoklasse „very high risk“ [289]. Die Risikoklasse „sehr hohes Risikoprofil“ ist
in den Empfehlungen zur radikalen Prostatektomie mit dem lokal fortgeschrittenen
Prostatakarzinom (klinische Stadien T3 und T4) zusammengefasst, welches sie
einschließt.
Für keinen der operativen Zugangswege (offen, konventionell laparoskopisch,
roboterassistiert-laparoskopisch) bei der radikalen Prostatektomie ist eine
Überlegenheit hinsichtlich der onkologischen oder funktionellen Ergebnisse bewiesen
[784], [785]. Für Ausführungen u.a. zu den unterschiedlichen Operationsverfahren
siehe Hintergrundinformationen zu Empfehlung 6.15 und Empfehlung 6.16.
Für das Hochrisiko- und lokal fortgeschrittene Prostatakarzinom (zwecks Adaptation
an die NCCN-Risikoklassifikation wurde die Empfehlung auch auf die NCCN-Kategorie
„very high risk“ ausgedehnt) sind sowohl radikale Prostatektomie als Teil einer
multimodalen Strategie als auch perkutane Strahlentherapie plus
Langzeithormontherapie Optionen [307]. Unklar ist im Falle der radikalen
Prostatektomie die Rolle der neuen antiandrogenen Substanzen im Rahmen
multimodaler Therapiekonzepte, die bei Ultrahochrisikokonstellationen in
Kombination mit einer perkutanen Strahlentherapie einer konventionellen
Hormontherapie plus Strahlentherapie überlegen sind [786].
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
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170
Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom sollten im Rahmen einer
radikalen Prostatektomie eine ausgedehnte Lymphadenektomie erhalten (siehe
Empfehlung Empfehlung 6.18, Kapitel 6.3.2).
6.4.2 Perkutane Strahlentherapie
Allgemeine Aspekte zur Durchführung der perkutanen Strahlentherapie siehe Kapitel
6.3.3.
6.55, 6.56,
6.57, 6.58
Verknüpfte Empfehlungen: Konsensbasiert: 6.58;
Evidenzbasiert: 6.55,6.56,6.57
modifiziert 2025
: 6.55, 6.56, 6.57,
neu 2025 : 6.58
A
6.55 Patienten mit lokal fortgeschrittenem
Prostatakarzinom soll eine perkutane
Strahlentherapie (IMRT+IGRT) angeboten werden.
1+
[787]
A
6.56 Patienten mit lokal fortgeschrittenem
Prostatakarzinom sollen zusätzlich zur perkutanen
Strahlentherapie (IMRT + IGRT) eine hormonablative
Therapie erhalten.
1-
[788], [789], [790],
[791]
A
6.57 Die hormonablative Therapie soll mindestens 24 bis
36 Monate dauern. Diese kann bis zu 6 Monate vor
der Strahlentherapie beginnen.
1+
[683]
EK 6.58 Die Entscheidung über die Dauer der
hormonablativen Therapie soll individuell in
Abhängigkeit von Komorbidität und Verträglichkeit
getroffen werden.
Konsensstärke Starker Konsens
6.59 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
A
Wenn Patienten mit hormonsensitivem Prostatakarzinom des Stadiums Nx/N0 M0)
mit 2 oder mehr Risikofaktoren (PSA>40 ng/ml/T3/4 oder ISUP 4-5) eine
Bestrahlung der Prostata und des pelvinen Lymphabflusses (IMRT + IGRT)
erhalten, soll zusätzlich eine hormonablative Therapie mit GnRH-Analogon (3
Jahre) und Abirateron/Prednison (2 Jahre) angeboten werden.
Evidenzlevel
1+
[786]
Starker Konsens
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
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171
6.60 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
0
Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom (cN0 M0 – PSMA-PET-CT)
(Risikofaktoren analog POP-RT-Studie) kann zusätzlich zu einer
Prostatabestrahlung (IMRT + IGRT) eine Bestrahlung der pelvinen
Lymphabflussgebiete kombiniert mit einer Androgendeprivationstherapie (24
Monate) angeboten werden.
Evidenzlevel
1+, 1-
[792], [793]
Konsens
6.61 Evidenzbasierte Empfehlung geprüft 2025
Empfehlungsgrad
A
Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom soll eine
Protonentherapie nur innerhalb klinischer Studien angeboten werden.
Evidenzlevel
2+
[651]
Konsens
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.55 bis Empfehlung 6.58
Kombinierte Hormon- und Strahlentherapie bei der Behandlung des lokal
fortgeschrittenen Prostatakarzinom
Das lokal fortgeschrittene Prostatakarzinom ist keine einheitliche Entität. Hierunter
werden Patienten mit T3/T4 Tumoren und solche mit Lymphknotenbefall (N1)
subsummiert. Die beiden Gruppen N1 und N0 werden getrennt betrachtet, obwohl
bekannt ist, dass ein erheblicher Anteil der Patienten mit cT3/4 Tumor bereits eine
okkulte Lymphknotenmetastasierung aufweist, insbesondere bei hohen
Risikofaktoren, also PSA > 20 ng/ml und die ISUP Gruppen 4 und 5. Aktuell sind für
die Patientengruppe der lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinome nur randomisierte
Studien mit der Strahlentherapie als definitiver Behandlungsmethode verfügbar. Die
derzeit größte Studie, in welcher die radikale Prostatektomie +/- postoperative
Radiatio mit einer definitiven Radiohormon-therapie untersucht wird, ist die SPCG-15
Studie, in der bereits mehr als die Hälfte der geplanten 1200 Patienten randomisiert
wurden [794]. Die Randomisation wird voraussichtlich 2026 abgeschlossen, erste
Ergebnisse sind nicht vor 2029 zu erwarten.
Mehrere methodisch belastbare Studien (Evidenzlevel 1+ oder 1++) mit überwiegend
lokal fortgeschrittenem Patientenkollektiv bestätigen die Wirksamkeit einer
begleitenden hormonablativen Therapie zur perkutanen RT [795], [796], [797], [798],
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
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172
[799], [800], [801], [802], [796], [679], [300], [803] (siehe Übersicht in den
Evidenztabellen zur Leitlinie). In mehreren Metaanalysen wurden signifikante Vorteile
bzgl. des krankheitsspezifischen Überlebens und der Gesamtsterblichkeit ermittelt
[788], [789], [790], [791]. Auch im Vergleich zu einer alleinigen hormonablativen
Therapie zeigt die Kombination aus perkutaner Strahlentherapie und hormonablativer
Therapie eine größere Wirksamkeit. In der randomisierten Studie (SPCG-7/SFUO-3)
zeigte sich nach zehn Jahren eine absolute Reduktion der
Prostatakarzinomspezifischen Mortalität um 12 % [787]. Obwohl die
Vergleichstherapie (alleinige Flutamidtherapie) aus heutiger Sicht eine Untertherapie
darstellt, kann angesichts der signifikanten Effekte davon ausgegangen werden, dass
das Ergebnis dieser Studie auch bei heutiger Standardtherapie gültig ist.
Die Dauer der hormonablativen Therapie betrug in der EORTC-22863 Studie drei
Jahre, in der RTOG-Studie 86-10 vier Monate, in der RTOG-Studie 85-31 adjuvant bis
zum Progress und im Early Prostate Cancer Trial zwei Jahre. Bolla et al. zeigten 2009
in einer Non-Inferioritätsstudie (EORTC-22961) für die langfristige hormonablative
Therapie von insgesamt drei Jahren + RT eine signifikant niedrigere Prostatakrebs-
spezifische Mortalität. In dieser Studie erhielten die Patienten eine neoadjuvante und
konkomitante maximale Androgen-blockade von sechs Monaten oder eine
Langzeittherapie zusätzlich über 2,5 Jahre mit einem LHRH-Analogon [682]. Granfors
et al. [801] untersuchten in einer Phase -3 Studie den Effekt der Orchiektomie, d. h.
des dauerhaften Hormonentzugs zusätzlich zur Strahlentherapie im Vergleich zu
einer alleinigen RT. 14-19 Jahre nach Studienbeginn zeigte sich ein signifikanter
Vorteil der Langzeit-Hormontherapie bezüglich der Prostatakrebs-spezifischen
Mortalität.
Eine Metaanalyse von 12 randomisierten Studien mit 10853 individuellen
Patientendaten untersuchte die Rolle der prolongierten Hormontherapie.
Eingeschlossen wurden vorwiegend Patienten mit nach NCCN intermediärem und
hohem Risikoprofil. Die zusätzliche ADT mit einer definitiven Bestrahlung ergab für
die verlängerte adjuvante ADT-Gabe einen hochsignifikanten (alle mit p < 0,0001)
Vorteil im metastasenfreien und Gesamtüberleben im Vergleich zu einer Kurzzeit
ADT. Eine verlängerte neoadjuvante ADT war ohne Vorteil [645].
Eine kanadische randomisierte Studie zur Dauer der Hormontherapie verglich 18
Monate mit 36 Monaten ADT zusätzlich zu einer definitiven Strahlentherapie [683].
Nach median 9,3 Jahren ergaben sich hinsichtlich des Gesamtüberlebens, des
Prostatakarzinom-spezifischen Überlebens und des metastasenfreien Überlebens
keine Unterschiede zwischen beiden Behandlungsarmen. Das biochemische Versagen
war im 36-Monats-Arm signifikant niedriger als im 18 Monats-Arm (p = 0.02). Die
globale Lebensqualität war nicht unterschiedlich (p = 0.3). Mehrere Items der EORTC
QLQ30 - und PR25-Lebensqualitätsfragen waren signifikant besser im Kurzzeit-Arm,
jedoch nur die beiden Items Hitzewallungen und „enjoyable sex“ erreichten klinische
Signifikanz. Die Studie hat mehrere Schwächen. Die Gruppe der lokal
fortgeschrittenen Karzinome ist mit einem geringen Anteil von nur 25% repräsentiert.
Somit sind die Ergebnisse nur eingeschränkt auf diese Patientengruppe anwendbar.
Darüber hinaus erhielten nur 53% der Patienten im 36 Monats-Arm die volle Dauer der
medikamentösen Therapie. Bezüglich der „harten“ klinischen Endpunkte
(Gesamtüberleben (OS), Krankheitsspezifisches
Überleben (DSS) und Metastasenfreies Überleben (MFS)) muss dies als kritischer Bias
bewertet werden. Aus diesem Grund ist nicht auszuschließen, dass eine höhere
Compliance mit der Therapie und eine längere Nachbeobachtung, die Ergebnisse
zugunsten der Langzeittherapie hätten verändern können.
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
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173
Die Autoren der Leitlinie kommen zu dem Schluss, dass für die Gruppe der Patienten
mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom eine Dauer der ADT von 24-36 Monaten
mit der Stärke „soll“ empfohlen wird, da sich aus den unterschiedlichen Ergebnissen
keine eindeutigere Zeitabgrenzung ergibt. Es besteht aber die Möglichkeit der
Verringerung der Gesamtdauer der ADT auf 18 Monate bei Berücksichtigung von
Lebenserwartung und Komorbidität.
Zu Empfehlung 6.59
Hintergrundinformationen zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen PCa mit
Hochrisikofaktoren cN0 werden gemeinsam mit dem cN1 M0 Prostatakarzinom in
Kapitel 6.5 (Hintergrundtext zu Empfehlung Empfehlung 6.70) diskutiert.
Zu Empfehlung 6.60
Behandlung des lokal fortgeschrittenen PCa (cN0 M0) und elektive
Beckenbestrahlung
Es ist aus mehreren randomisierten Studien bekannt, dass Patienten in der cN0-
Situation im konventionellen Staging (CT/MRT Becken und
Ganzkörperskelettszintigraphie) nicht von einer zusätzlichen Beckenbestrahlung
profitieren [804] und GETUG-01 Studie [792]. Dieses Ergebnis wurde auch in einer
Subgruppenanalyse der französischen Phase 3 GETUG-12 Studie bestätigt [793]. In
der vierarmigen RTOG-Studie wurde eine neoadjuvante oder adjuvante
hormonablative Therapie jeweils mit einer RT der pelvinen Lymphabflusswege plus
Prostatabestrahlung oder einer alleinigen Prostatabestrahlung bei Patienten mit
hohem Risiko für einen Lymphknotenbefall aber cN0 (>15 %, keine histologische
Sicherung angegeben) verglichen. Die Studie zeigte nach einer medianen
Nachbeobachtung von 8,8 Jahren inkonsistente Ergebnisse, die auf unerwartete
Interaktionen zwischen dem Zeitpunkt der hormonablativen Therapie und der Art der
Bestrahlung zurückgeführt wurden. Die Bestrahlung der pelvinen Lymphabflusswege
war nur in Kombination mit einer neoadjuvanten Hormonentzugstherapie effektiv, in
dieser Sequenz konnte in einer vom Design der Studie jedoch nicht prospektiv
geplanten Analyse ein Vorteil im progressionsfreien Überleben gegenüber den
anderen Armen der Studie gezeigt werden [804]. In der GETUG-01-Studie wurden 446
Patienten der Tumorkategorien cT1b bis cT3 cN0 randomisiert. 51 % der Patienten
hatten ein niedriges und 49 % ein mittleres oder hohes Risiko für einen okkulten
Lymphknotenbefall. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 42 Monaten zeigte
sich für keine der Risikogruppen ein Vorteil durch die Bestrahlung der pelvinen
Lymphabflusswege [792].
In der GETUG-12 Studie wurde die neoadjuvante Therapie mit Docetaxel plus
Estramustin zusätzlich zu 3 Jahren einer ADT verglichen mit einer ADT für 3 Jahre.
Eingeschlossen wurden Patienten der hohen Risikogruppe und Patienten mit lokal
fortgeschrittenem PCa. Eine Lokaltherapie wurde nach 3 Monaten angeschlossen. 358
von 413 randomisierten Patienten erhielten eine definitive Radiatio, davon 208
Patienten mit Einschluss der pelvinen Lymphabflusswege und 150 Patienten mit einer
perkutanen Prostatabestrahlung [793]. Nach einer medianen Nachbeobachtung von
8.8 Jahren ergab sich kein Vorteil für die elektive Beckenbestrahlung hinsichtlich des
biochemisch progressionsfreien Überlebens. Alle Patienten der drei oben genannten
Studien erhielten lediglich ein konventionelles Staging, d. h. eine Bildgebung des
Beckens mit CT oder MRT sowie eine Skelettszintigraphie. Dies könnte ein
Hauptgrund für den fehlenden Vorteil der Bestrahlung der Lymphabflusswege sein.
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
174
Bei Einsatz moderner Bildgebung (PSMA-PET-CT) zeigt sich bei Nachweis einer cN0
Situation ein signifikanter Vorteil einer Radiohormontherapie unter Einschluss der
pelvinen Lymphabflusswege im Vergleich zur Radiohormontherapie mit alleiniger
Bestrahlung der Prostata.
In die randomisierte Phase 3 Studie POP-RT [805] wurden 224 Patienten mit einem
errechneten LK- Befallsrisiko von >20% nach der Roach-Formel eingeschlossen; 54%
der Patienten hatten ein Risiko von 20-40%, 46% der Patienten ein Risiko von >40%.
Fünfzig Prozent der Patienten hatten einen Gleason Score von 8-10 (ISUP 4-5), 78%
hatten ein lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom. Alle Patienten wurden mit einer
modernen IMRT und IGRT bestrahlt. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 68
Monaten konnte in der Studie ein hochsignifikanter Vorteil zugunsten der
Beckenbestrahlung hinsichtlich des Biochemical-Failure-Free-Survival (primärer
Endpunkt) und des Disease-Free-Survival gezeigt werden, jedoch bisher ohne
signifikanten Einfluss auf das Gesamtüberleben (sekundäre Endpunkte). Das
metastasenfreie Überleben war durch die zusätzliche Becken RT signifikant verbessert
(95.9% v 89.2%; HR, 0.35; 95% CI, 0.15 - 0.82; P = .01). Dieser Vorteil wurde auf
Kosten einer erhöhten GU-Toxizität erreicht ( ≥ Grad II späte GU Toxzität 20.0% v
8.9%, p = 0.02).
Zusammenfassend wird aufgrund der positiven aber relativ kleinen Phase-3-Studie mit
nur 224 Patienten die elektive RT der LAW des kleinen Beckens trotz der erhöhten GU-
Spät Toxizität aber mit modernster Bildgebung und Strahlen/Hormontherapie mit
einem „kann“-Empfehlung versehen.
Zu Empfehlung 6.61
Nur sehr wenige Studien mit meist geringer Evidenz beschäftigen sich mit der
Protonentherapie beim lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom. Zudem bilden
vielfach die lokal fortgeschrittenen Tumoren nur eine kleine Subgruppe im
untersuchten Kollektiv [806], [807]. Eine kleine, prospektive Studie (NCT02874014)
mit moderater Hypofraktionierung (67,5 bzw. 45,0 Gy in 25 Fraktionen) zeigte auch
unter Einschluss der pelvinen Lymphabflusswege in das Zielvolumen eine geringe
Rate später, höhergradiger gastrointestinaler sowie urogenitaler Nebenwirkungen
(7.4% bzw. 29.2% nach 3 Jahren) [808]. Valide Daten aus prospektiven,
randomisierten Studien mit Aussagen zur Effektivität sowie zum Toxizitätsprofil
liegen zum aktuellen Zeitpunkt nicht vor.
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
175
6.4.3 Brachytherapie
Allgemeine Aspekte zur Durchführung der Brachytherapie siehe Kapitel 6.3.4.
6.62, 6.63,
6.64
Verknüpfte Empfehlungen: Konsensbasiert: 6.63,6.64;
Evidenzbasiert: 6.62
modifiziert 2025
: 6.62, 6.63
neu 2025 : 6.64
0
6.62 Patienten mit lokal fortgeschrittenem
Prostatakarzinom der klinischen Kategorie cT3a kann
eine HDR-Brachytherapie kombiniert mit einer
perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT)
angeboten werden.
1+
[728], [708]
EK 6.63 Eine Androgendeprivationstherapie sollte bei Einsatz
der HDR-Brachytherapie analog zu den Empfehlungen
der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit
24 bis 36 Monaten Dauer eingesetzt werden.
EK 6.64 Patienten sollen über die mit dieser Therapieform
mögliche signifikante Erhöhung der Spättoxizität (≥
Grad 3) aufgeklärt werden.
Konsensstärke Starker Konsens
6.65, 6.66,
6.67
Verknüpfte Empfehlungen: Konsensbasiert: 6.66,6.67;
Evidenzbasiert: 6.65
neu 2025
0
6.65 Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen
Prostatakarzinom der klinischen Kategorie cT3a kann
ein LDR-Brachytherapie-Boost in Verbindung mit einer
Strahlentherapie (IMRT + IGRT) angeboten werden.
1-
[725]
EK 6.66 Patienten sollen über die mit dieser Therapieform
mögliche signifikante Erhöhung der Spättoxizität (≥
Grad 3) aufgeklärt werden.
EK 6.67 Eine Androgendeprivationstherapie sollte bei Einsatz
der LDR-Brachytherapie analog zu den Empfehlungen
der perkutanen Strahlentherapie (IMRT + IGRT) mit 24
bis 36 Monaten Dauer eingesetzt werden.
Konsensstärke Starker Konsens
Hintergrundinformationen
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
176
Zu Empfehlung 6.62 bis Empfehlung 6.64 und Empfehlung 6.65 bis Empfehlung
6.67
LDR- bzw. HDR-Brachytherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem
Prostatakarzinom
Die empfehlungsstützenden Quellen werden in der Version 5.1 dieser Leitlinie sowie
im dazugehörigen Evidenztabellendokument ausführlich besprochen [78], [79]. Im
Folgenden werden weitere aktuelle Studienergebnisse präsentiert.
In den drei aktuellen randomisierten Studien zur Kombinationstherapie beim
intermediären und hohen Risikoprofil waren lokal fortgeschrittene Tumoren der
klinischen Stadien cT3b oder cT4 nicht eingeschlossen. Daher kann hier keine
Empfehlung für den Einsatz einer kombinierten Brachytherapie abgegeben werden
[721], [725], [727]. In den aktuellen Empfehlungen der europäischen und
amerikanischen Fachgesellschaften (GEC-ESTRO und ABS) wird derzeit der Einsatz
einer Brachytherapie bei einem cT4 Stadium generell nicht empfohlen.
Auch in den bereits älteren randomisierten Studien zur EBRT + HDR-Brachytherapie-
Boost von Hoskin et al. und Sathya et al. wurden die Patienten im Stadium cT3 nicht
weiter differenziert. Patienten im Stadium cT4 waren nicht eingeschlossen [728],
[809].
Eine Publikation aus dem Jahr 2016 fasste die Ergebnisse aus zwei prospektiven
Phase 2 Studien beim hohen und sehr hohen Risikoprofil nach NCCN zusammen
[810]. Es wurde eine perkutane Bestrahlung mit 54 Gy auf die Prostata inklusive der
pelvinen Lymphabflusswege mit einer HDR-Brachytherapie kombiniert. Eine
begleitende ADT wurde über 2 Jahre appliziert. In die erste Studie wurden 183
Patienten und in die zweite Studie 56 Patienten eingeschlossen. Beide Studien
unterschieden sich hinsichtlich der Fraktionierung bei der HDR-Brachytherapie (Studie
1: 4x 4,75 Gy innerhalb 48 h; Studie 2: 2x 9,5 Gy in 24 h). Der Anteil der Patienten
mit einem cT3b/cT4 Tumor lag bei 10 bzw. 20 %. Die mediane Nachbeobachtungszeit
lag bei 8 und 5 Jahren. Grad 3+ UG Toxizität traten bei 8 und 9 % der Patienten auf,
gastrointestinale Nebenwirkungen Grad 3+ traten bei 2 % und 4 % der Patienten auf.
In der ASCENDE-RT Studie waren 2 Todesfälle aufgrund fataler rektaler Blutungen 3
und 4 Jahre nach Therapie aufgetreten. Ein direkter Zusammenhang mit der
Strahlenbehandlung konnte nicht sicher ausgeschlossen werden.
Eine retrospektive Auswertung der US National Cancer Database aus dem Jahr 2020
untersuchte Patienten des hohen Risikos mit einer cN1 M0 Situation [811]. Es wurden
1.650 Patienten identifiziert. Eine EBRT+ADT erhielten 1.547 (93,8 %) Patienten und
103 (6,2 %) eine Kombinationstherapie aus einer perkutanen Bestrahlung mit einer
ADT und einer Brachytherapie (LDR- oder HDR-Boost). Nach einer medianen
Nachbeobachtungszeit von 4 Jahren lag das mittlere OS bei 99 vs. 109 Monaten
zugunsten der Tripel-Kombinationstherapie. Nach adjustieren der Daten und einem
Propensity-Score-Matching bzgl. prognostischer Faktoren war der Unterschied im OS
nicht mehr signifikant. Die Auswertung zeigt aber dennoch, dass eine Dosis-
eskalierte Kombinationstherapie durchaus eine sinnvolle Therapieoption bei Patienten
mit lokal fortgeschrittenem Stadium sein kann.
Salvage-Brachytherapie nach vorangegangener Strahlentherapie
Patienten in gutem Allgemeinzustand mit primär lokalisiertem Prostatakarzinom und
histologisch nachgewiesenem Lokalrezidiv nach vorheriger Strahlentherapie können
6.4 Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
177
eine Salvage-Brachytherapie entweder mit HDR oder LDR erhalten. In einem
internationalen Delphi-Konsens von 2023 wurden die Daten zur Salvage-
Brachytherapie zusammengefasst. Die Mehrheit der Experten sprach sich für die HDR-
Brachytherapie aus. Meist wird eine Behandlung der gesamten Drüse angestrebt
[812].
In weiteren systematischen Übersichten wurden insgesamt 16 Arbeiten (vier
prospektiv) zur HDR-Brachytherapie und 32 Studien (zwei prospektiv) zur LDR-
Brachytherapie analysiert. Die Mehrzahl der Patienten (>85 %) erhielt eine
Nachbestrahlung der gesamten Drüse [813]. Die adjustierte gepoolte Analyse für das
2-Jahres biochemisch rezidivfreie Überleben betrug für HDR 77 % (95% KI 70-83 %)
und für LDR 81 % (95% KI 74-86 %). Das biochemisch rezidivfreie 5-Jahres-Überleben
betrug für HDR 60 % (95 % KI: 52-67 %) und für LDR 56 % (95 % KI 48-63 %). Die
Brachytherapie war mit einer geringen Rate an schweren UG-Toxizitäten verbunden. 8
% für HDR (95 % KI 5,1-11 %) und 8,1 % für LDR (95 % KI 4,3-13 %). Die Rate der
schweren GI-Toxizitäten beträgt 0 % für HDR (95 % KI 0-0,2 %) und 1,5 % für LDR (95 %
KI 0,2-3,4 %). HDR- und LDR-Brachytherapie sind wirksame Behandlungsoptionen mit
einem akzeptablen Toxizitätsprofil. In einer systematischen Analyse der lokalen
Salvage-Optionen wurde die HDR-Brachytherapie aufgrund der besseren GU- und GI-
Toxizität favorisiert [813].
Ein aktuelles systematisches Review einschließlich einer Metaanalyse zur Wirksamkeit
und Toxizität ausschließlich der HDR-Salvage-Brachytherapie konnte 26 Studien mit
1.447 Patienten identifizieren [814].
Es zeigte sich ein medianes 5-Jahres rückfallfreies Überleben nach Salvage-
Brachytherapie von 61,2 Monaten (57,6 bis 72 Monate). Es wurde ein
hochsignifikanter Vorteil für Patienten gefunden, die eine Behandlung der gesamten
Prostata in mehr als 2 Fraktionen erhalten hatten, gegenüber denen mit einer fokalen
Behandlung in nur einer Fraktion (p>0,0001). Überraschenderweise war ein jüngeres
Alter (60–70 Jahre gegenüber 71–75 Jahre) (p<0,0001) und ein kurzer Zeitraum seit
der Primärtherapie (56–67,2 Monate gegenüber 70–120 Monate) (p<0,0001)
hochsignifikante Faktoren für ein besseres rezidiv freies Überleben. Grad 3+ UG und
GI Spätnebenwirkungen waren mit 5 % und 0,3 % sehr gering.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die publizierten Daten vorwiegend aus
kleinen Therapieserien stammen und Ergebnisse randomisierter Studien fehlen. Daher
kann keine klare Empfehlung der Art der Salvage-Brachytherapie nach
Prostatabestrahlung gegeben werden. Die vorhandenen Daten der Effektivität und
Toxizität sind positiv. In jedem Fall sollte diese Behandlung nur in erfahrenen Zentren
angeboten werden.
6.5 Therapie des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms
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178
6.5 Therapie des lymphknotenpositiven
Prostatakarzinoms
6.68 Evidenzbasiertes Statement geprüft 2018
Evidenzlevel
1-, 3
Lokale Behandlungsoptionen für Patienten mit histologisch gesicherten
Lymphknotenmetastasen sind die operative Therapie oder die Strahlentherapie.
Als systemische Behandlung steht die sofortige oder die verzögerte
hormonablative Therapie zur Verfügung.
Ein valider Vergleich der möglichen Primärtherapieverfahren als Monotherapie
oder in Kombination ist aufgrund der vorliegenden Studien nicht möglich.
[815]
Starker Konsens
6.69 Evidenzbasiertes Statement modifiziert 2018
Evidenzlevel
3, 2-
Der therapeutische Stellenwert der Lymphadenektomie im Rahmen der radikalen
Prostatektomie beim lymphknotenpositiven Prostatakarzinom ist nicht in
prospektiven Studien geklärt.
Der therapeutische Stellenwert der Bestrahlung der pelvinen Lymphabflusswege
nach radikaler Prostatektomie mit Lymphknotendissektion beim
lymphknotenpositiven Prostatakarzinom ist nicht in prospektiven Studien geklärt.
[816], [817], [818], [819], [820], [821]
3: Lymphadenektomie
2-: adjuvante RT
Konsens
6.70 Evidenzbasierte Empfehlung neu 2025
Empfehlungsgrad
A
Wenn Patienten mit lymphknotenpositivem hormonsensitivem Prostatakarzinom
(N1 M0) eine Bestrahlung der Prostata und des pelvinen Lymphabflusses (IMRT +
IGRT) erhalten, soll zusätzlich eine hormonablative Therapie mit GnRH-Analogon
(3-Jahre) und Abirateron/Prednison (2 Jahre) angeboten werden.
Evidenzlevel
1+
[786]
Starker Konsens
6.5 Therapie des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms
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179
Hintergrundinformationen
Zu Statement 6.68
Zur Therapie des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms wurde zuletzt mit der
Aktualisierung 2018 eine systematische Literaturrecherche und Evidenzbewertung
vorgenommen. Aufgrund einer aktuellen Studie wurde mit Version 8 dieser Leitlinie
eine Empfehlung zur erweiterten hormonablativen Therapie mit Abirateron im Fall
einer lokalen Strahlenbehandlung von Prostata und Lymphabflusswegen ergänzt
(siehe Empfehlung 6.70).
Zusammenfassung der Evidenzlage - Stand 2018
Die recherchierte Literatur zur Behandlung des lymphknotenpositiven
Prostatakarzinoms stellt sich wie folgt dar:
Es finden sich vorwiegend retrospektive Fallserien mit unzureichender
Risikoadjustierung (im Hinblick auf prognostische Faktoren wie T-Kategorie-
Verteilung, Gleason-Score und insbesondere in Bezug auf die Anzahl befallener
Lymphknoten).
Ab 2000 wurden folgende RCTs zum Thema identifiziert:
• Schröder F. H. et al. 2008 [822]: sofortige versus verzögerte alleinige
endokrine Behandlung des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms. Die RCT
war laut Studienprotokoll zum Nachweis einer Nichtinferiorität der
verzögerten endokrinen Behandlung angelegt. Die Studie hat eine zu geringe
Fallzahl bezüglich dieses Nachweises, da die Patienten nicht alle randomisiert
wurden. Sie ist auch bezüglich des Nachweises eines Vorteils einer sofortigen
endokrinen Behandlung zu klein. Hierfür war sie auch nicht ausgelegt.
• Lawton et al. 2001/2005 [823], [824]: retrospektive Subgruppenanalyse des
RTOG-85-31 RT zum Vergleich sofortiger endokriner Therapie nach
Bestrahlung mit endokriner Therapie erst bei Auftreten eines Rezidivs bei
(histologisch gesicherten) lymphknotenpositiven Patienten.
• Kleeberg et al. 2000 [825]: RCT zum Vergleich sofortiger versus verzögerter
endokriner Therapie bei lymphknotenpositiven Patienten. Die RCT hat eine
geringe Fallzahl und damit Teststärke (Power).
• Iversen et al. 2004 [826]: retrospektive explorative gepoolte
Subgruppenanalyse für 150 lymphknotenpositive Patienten aus drei Studien
mit insgesamt >8.000 Patienten (57 % histologisch gesichert, 43 % Diagnose
aufgrund bildgebender Verfahren): Bicalutamid versus Placebo. Nur vorläufige
Ergebnisse, keine Messung von Überlebensdaten.
• Messing et al. 2006 [827]: RCT zum Vergleich sofortiger versus verzögerter
hormonablativer Therapie bei lymphknotenpositiven Patienten (n=98) mit
einer medianen Nachbeobachtungszeit von 11,9 Jahren. Die RCT zeigt einen
statistisch signifikanten Vorteil in Bezug auf progressionsfreies und
krankheitsfreies Überleben sowie Gesamtüberleben.
Die vorliegenden Auswertungen aus RCTs zeigen demzufolge methodische
Schwächen.
Zur Wertigkeit prognostischer Faktoren bei lymphknotenpositivem Karzinom wurde
eine populationsbezogene Studie identifiziert [828]. Hier zeigte sich bei der
6.5 Therapie des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms
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180
multivariaten Analyse nur der Differenzierungsgrad (Gleason-Score/WHO-Grading) des
Tumors als grenzwertig signifikant.
Folgende Therapieoptionen wurden in den vorliegenden Studien (unter Einschluss
jeglicher Studienqualität) untersucht:
• operative Therapie allein;
• operative Therapie und Androgenablation;
• operative Therapie und Radiotherapie;
• Androgenablation allein;
• Radiotherapie allein;
• Radiotherapie und Androgenablation;
• Radiotherapie, Androgenablation und Abirateron (vgl. Empfehlung
Empfehlung 6.70);
• Additive Chemotherapie;
• Kombinierte Therapieformen.
Die Lymphknotenmetastasen in den Studien sind nicht immer histologisch gesichert
gewesen, dies impliziert eine Unsicherheit in der Beurteilung der erzielten Effekte. Ein
valider Vergleich der Therapieoptionen ist anhand der vorliegenden Studien nicht
möglich.
Für die Option einer additiven Chemotherapie liegen lediglich eine Phase-II-Studie und
zwei Phase-III-RCTs mit kleinen Fallzahlen und marginalen Effekten vor, sodass diese
Therapieoption als experimentell bezeichnet werden muss [829], [830].
Es scheint bei der Wahl des primären Vorgehens regionale oder nationale
Unterschiede zu geben. So führt Aus [828] in seiner populationsbasierten Analyse
aus, dass in Schweden ein Konsens erzielt wurde, bei Nachweis von
Lymphknotenmetastasen primär endokrin zu behandeln und auf eine lokale Therapie
zu verzichten.
Die Literaturübersicht (siehe Literaturzitate Swanson et al. 2006 [831]) zeigt eine
Überlegenheit der Kombinationstherapie (lokal + hormonell) im Vergleich zu einer
Monotherapie. Die eingeschränkte methodische Wertigkeit der Studien muss dabei
berücksichtigt werden.
Zur Fragestellung einer sofortigen versus einer verzögerten endokrinen Therapie bei
lymphknotenpositiven Patienten liegen RCTs [822], [823], [824], [825], [827] oder
(retrospektive) Subgruppenanalysen aus RCTs vor, die einen Vorteil einer sofortigen
endokrinen Therapie zeigen (als alleinige Therapie oder als additive Therapie), der
jedoch nicht durchgehend statistisch signifikant ist. Darüber hinaus haben die
Studien für die Fragestellung oft eine zu geringe Fallzahl. Aufgrund der Studienlage
sind Therapieempfehlungen deshalb mit Unsicherheiten behaftet.
Aus den wenigen Studien, die nach Anzahl befallener Lymphknoten oder in Bezug auf
Mikro- oder Makrometastasen differenzieren, kann eine negative Korrelation von
Anzahl befallener Lymphknoten und Prognose im Hinblick auf krankheitsfreies
Überleben und Gesamtüberleben abgeleitet werden [829], [830], [832], [833], [834].
Briganti et al. 2009 [833] konnten in einer konsekutiven Serie (n=703) mit einer
medianen Überlebenszeit von 9,5 Jahren nachweisen, dass das tumorspezifische
Überleben bei mehr als zwei befallenen Lymphknoten signifikant schlechter war als
bei weniger als zwei befallenen Lymphknoten (62 % versus 84 %, nach Adjustierung
6.5 Therapie des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms
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181
absoluter Unterschied 4,9 %, beides p<0,001). Dieser cut-off hatte sich bereits in
einer Serie von 2007 (n=507) [834] als prognostischer Faktor für das
tumorspezifische Zehn-Jahres-Überleben als signifikant gezeigt. In der Serie von
Boorjian et al. waren in der multivariaten Analyse weiterhin ein Gleason-Score von 8-
10, positive Schnittränder und die Ploidie des Tumors (diploid versus nichtdiploid)
signifikant mit einer schlechteren Prognose assoziiert.
Aufgrund fehlender Daten zur Behandlung von Patienten mit erhöhtem Risiko für
einen Lymphknotenbefall, wird ein Verfahren analog dem Vorgehen bei
nachgewiesenem Lymphknotenbefall empfohlen. Grundsätzlich sollte bei erhöhtem
Risiko für Lymphknotenbefall immer eine Lymphonodektomie zur histologischen
Beurteilung des Lymphknotenstatus erfolgen. Nur wenn diese nicht möglich ist, sollte
das Risiko anhand von prognostischen Parametern/Nomogrammen abgeschätzt
werden.
Zu Statement 6.69
Der Hintergrundtext zu diesem Statement orientiert sich an den bereits
verabschiedeten Empfehlungen zum Stellenwert der Lymphadenektomie und der
Bestrahlung der pelvinen Lymphabflusswege bei lokal fortgeschrittenen Tumoren.
Effekt der Lymphadenektomie
Der therapeutische Effekt der Lymphadenektomie bei Lymphknotenmetastasierung
wurde bisher weit überwiegend in nicht-randomisierten, retrospektiven Studien
untersucht [835]. Die Ergebnisse sind laut Übersichtsarbeit nicht ausreichend, um
eine allgemeine Therapieempfehlung zu geben. Daher ist keine allgemein gültige
Indikationsstellung für dieses Verfahren auf dem Boden der existierenden Evidenz
möglich.
Effekt der Bestrahlung der pelvinen Lymphabflusswege
Zur Begründung siehe Hintergrundtext zu Empfehlung Empfehlung 6.76.
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.70 (und Empfehlung 6.59)
Behandlung des lokal fortgeschrittenen PCa mit Hochrisikofaktoren cN0 (siehe
Empfehlung Empfehlung 6.59) und des cN1 M0 Prostatakarzinoms
Das lymphknotenmetastasierte Prostatakarzinom (cN1) stellt eine Entität dar, die
neben einer lokalen Therapie eine intensive Systemtherapie erfordert. Bei Einsatz
einer konventionellen Ausbreitungsdiagnostik (CT/MRT und Skelettszintigraphie)
weisen ca. 5-10% der untersuchten Patienten eine Lymphknoten- aber noch keine
ossäre oder Organmetastasierung auf (Stadium cN1 M0). In Metaanalysen konnte
gezeigt werden, dass durch den Einsatz der PSMA-PET-Bildgebung eine
Tumorausdehnung in der N1-Region des Beckens in dieser Patientengruppe bei ca. 32
% der untersuchten Patienten vorlag, die in konventioneller Diagnostik negativ waren
[836]. In einer zur gleichen Zeit veröffentlichten randomisierten Studie konnte die
Ergebnisse dieser Metaanalyse bestätigen [304].
6.5 Therapie des lymphknotenpositiven Prostatakarzinoms
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182
Die radioonkologische Behandlung des lokal fortgeschrittenen cN0 PCa sowie des
cN1M0 PCa basiert traditionell auf einer langfristigen ADT in Kombination mit einer
lokalen RT. In einer aktuellen Metanalyse von 2 randomisierten Studien wurde die
Wirksamkeit einer definitiven perkutanen Strahlenhormontherapie (RT + 3 Jahre ADT)
im Vergleich mit einer intensivierten kombinierten Hormontherapie (Studie 1: RT +
ADT für 3 Jahre plus Abirateron/Prednison für 2 Jahre oder Studie 2: RT + ADT für 3
Jahre plus Abirateron/Prednison plus Enzalutamid für 2 Jahre) untersucht.
Neununddreißig Prozent der Patienten (n = 774) wiesen in der konventionellen
Bildgebung ein N1-Stadium auf. 80% bzw. 90 % der Patienten erhielten eine
Strahlentherapie als Standard-of-Care. Nach einer medianen Nachbeobachtung von
72/60 Monaten konnten Attard und Kollegen der STAMPEDE Gruppe [786] bei
Patienten mit Prostatakarzinom der (sehr) hohen Risikogruppe (entweder N1 oder
mindestens 2 der folgenden Faktoren: ISUP-Gruppe 4 oder 5, PSA > 40 ng/ml,
cT3/cT43) zeigen, dass mit der Kombinationstherapie mit Abirateron neben dem
progressionsfreien Überleben auch bezüglich der Endpunkte MFS, OS und Prostate-
Cancer-Specific-Survival ein hochsignifikanter Vorteil erreicht wird.
Zusammenfassend sehen die Autoren der S3-Leitlinie im Fall einer Prostata- und
Beckenbestrahlung (IMRT + IGRT) die Kombination mit einer intensivierten
Hormontherapie (ADT für 3 Jahre und zusätzlich Abirateron für 2 Jahre) bei cN1-
Patienten oder solchen mit den genannten Risikofaktoren als Standardbehandlung an.
Trotz diesesEvidenzlevels (LoE 1) ist Abirateron aktuell in Deutschland für diese
Indikation nicht zugelassen.
6.6 Neoadjuvante Therapie / Adjuvante Therapie bei radikaler Prostatektomie
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183
6.6 Neoadjuvante Therapie / Adjuvante Therapie bei
radikaler Prostatektomie
6.71 Evidenzbasierte Empfehlung modifiziert 2025
Empfehlungsgrad
B
Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom aller Risikoprofile sollte vor
radikaler Prostatektomie keine neoadjuvante antihormonelle Therapie erfolgen.
Evidenzlevel
1++
[307]
Starker Konsens
6.72 Konsensbasiertes Statement modifiziert 2025
EK
Als adjuvante perkutane Strahlentherapie (IMRT+IGRT) wird die Strahlentherapie
nach radikaler Prostatektomie nach Erreichen des definierten PSA-Nullbereichs
bezeichnet.
(Zur Behandlung bei postoperativ persistierendem PSA-Wert siehe Kapitel 7.2)
(Zur Definition der PSA-Progression siehe Kapitel 7.1)
Starker Konsens
6.6 Neoadjuvante Therapie / Adjuvante Therapie bei radikaler Prostatektomie
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184
6.73, 6.74,
6.75
Verknüpfte Empfehlungen: Konsensbasiert: 6.75;
Evidenzbasiert: 6.73,6.74
modifiziert 2025
: 6.73
geprüft 2025 :
6.74, 6.75
Die Indikation zur adjuvanten Strahlentherapie
(IMRT+IGRT) beschränkt sich auf folgende Risikogruppen:
B
6.73 Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen
Prostatakarzinom (pN0) mit hohem Risiko und den
nachfolgenden Faktoren sollte eine adjuvante
Strahlentherapie (IMRT+IGRT) unter Aufklärung über
Nutzen und Risiken als Option angeboten werden:
pT3/pT4 (unabhängig vom R-Status) + Gleason Score
8-10 (ISUP 4-5).
1-
[837], [838], [839],
[840], [841], [842],
[843]
0
6.74 Patienten mit einem lokal begrenztem
Prostatakarzinom (pN0) und den nachfolgenden
Faktoren kann eine adjuvante Strahlentherapie
(IMRT+IGRT) unter Aufklärung über Nutzen und
Risiken als Option angeboten werden: R1 (multifokal-
positiver Schnittrand) + Gleason Score 8-10 + pT2.
1-
[837], [841], [843]
EK 6.75 Bei jeder der genannten Gruppen soll bei der
Aufklärung über die adjuvante Strahlentherapie die
alternative Option der perkutanen Strahlentherapie
(IMRT+IGRT) bei PSA-Anstieg aus dem definierten
Nullbereich genannt werden (siehe Kapitel 7.2 zur
Behandlung des PSA-Rezidivs).
Konsensstärke Konsens: 6.73
Starker Konsens: 6.74, 6.75
6.76 Konsensbasierte Empfehlung neu 2025
EK
Patienten mit histopathologisch nachgewiesenen Lymphknotenmetastasen kann
eine adjuvante Hormontherapie oder eine adjuvante Hormontherapie plus
adjuvante Strahlentherapie (IMRT + IGRT von Prostataloge und
Lymphabflussgebiet) angeboten werden.
Starker Konsens
6.6 Neoadjuvante Therapie / Adjuvante Therapie bei radikaler Prostatektomie
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185
Hintergrundinformationen
Zu Empfehlung 6.71
Die Leitlinie der EAU 2024 empfiehlt beim lokal begrenzten Prostatakarzinom keine
neoadjuvante Hormontherapie („Do not offer neoadjuvant androgen deprivation
therapy before surgery.“ [307]). Die EAU-Leitlinie nimmt aber nicht explizit zur Rolle
der neoadjuvanten Hormontherapie beim lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom
Stellung. Die Empfehlung lautet in diesem Kontext lediglich „Offer RP to patients with
cN0 disease as part of multi-modal therapy.“ [307], wobei unterstrichen wird, dass
„cN0“ sich auf die Resultate konventioneller Bildgebung bezieht. Im Rahmen
multimodaler Konzepte bei fortgeschrittenen Tumoren ist eine neoadjuvante
Hormontherapie vor radikaler Prostatektomie eine Option, die nicht komplett
auszuschließen ist. Dies gilt auch für einzelne Patienten mit lokal begrenztem
Prostatakarzinom mit sehr hohem Risiko nach NCCN-Klassifikation (beispielsweise
Patienten mit sehr hohem PSA-Wert und vielen befallenen Zylindern mit ISUP-Grad 4
oder 5), deren Wahrscheinlichkeit eines tatsächlich organbegrenzten Tumors gering
ist und die darum ebenfalls Kandidaten für eine multimodale Therapie sein können.
Hintergrundinformationen
Zu Statement 6.72 bis Empfehlung 6.75
Zusammenfassung der Evidenzlage der adjuvanten perkutanen Strahlentherapie
nach radikaler Prostatektomie (pN0)
Die recherchierte Literatur zur adjuvanten perkutanen Strahlentherapie (ART) im
Stadium pN0 nach RP erbrachte für die adjuvante Strahlentherapie im Vergleich zur
„wait and see-Strategie“ drei RCT zur Fragestellung des Nutzens der ART [837], [841],
[843]. Zur Frage des Vergleiches der adjuvanten Strahlentherapie mit der frühen
Salvage-Strahlentherapie (SRT) liegen Ergebnisse von drei randomisierten Studien
sowie eine Metaanalyse vor [844], [840], [842].
Die Einschlusskriterien für die adjuvante Strahlentherapie versus „wait and see“ waren
in den Studien unterschiedlich, in der Regel handelte es sich um lokal
fortgeschrittene Prostatakarzinome im Stadium pT3/4, jedoch auch teilweise im
Stadium des lokal begrenzten PCa (pT2), dann mit positivem Schnittrand. Bei den
lokal fortgeschrittenen Karzinomen handelt es sich um Patienten sowohl mit als auch
ohne positiven Schnittrand. Aus diesen drei RCT liegen zusätzliche Auswertungen zur
Stratifizierung spezifischer Risikofaktoren für eine Tumorprogression vor. Zusätzlich
liegen Auswertungen hinsichtlich der möglichen Akut- und Spätfolgen vor.
Die Voraussetzung für die Diskussion der randomisierten Studien ist die Festlegung
eines definierten „Nullbereichs“ des PSA nach radikaler Prostatektomie. Dieser
sogenannte „PSA-Nullbereich“ wird in der Literatur in der großen Mehrzahl der Fälle
als ein PSA-Wert <0,1 ng/ml angesehen, in einigen Leitlinien jedoch auch als <0,2
ng/ml [845]. Von diesem Erreichen des „PSA-Nullbereichs“ zu unterscheiden sind
Patienten, die nach der radikalen Prostatektomie diesen Nullbereich nicht erreichen.
Es handelt sich dann um einen „persistierenden“ PSA-Wert. Diese Patienten werden
definitionsgemäß nicht adjuvant bestrahlt, sondern einer Salvage-Strahlentherapie
zugeführt. Zu dem Zeitpunkt der Konzeption der RCT der adjuvanten Strahlentherapie
im Vergleich zu einer „wait and see-Strategie“ waren diese Kriterien noch nicht
hinlänglich definiert. Bei diesen drei RCT war nur in der deutschen Studie das
Erreichen des Nullbereiches gefordert (<0,1 ng/ml) [843]. In den beiden anderen RCT
6.6 Neoadjuvante Therapie / Adjuvante Therapie bei radikaler Prostatektomie
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
186
wurde ein Cutoff <0,2 ng/ml angesetzt [837], [841]. In der EORTC-Studie [837]
erreichten 87 % der Interventionsgruppe diesen Wert, bei der SWOG-Studie [841] lag
dieser Anteil nur bei 65 %, wobei PSA-Werte in dieser Studie nur für 85 % der Patienten
verfügbar waren.
In den neueren RCT, in denen die adjuvante Strahlentherapie mit der frühen SRT
verglichen wurde, war als Eingangsvoraussetzung für den PSA-Nullbereich ein PSA-
Wert < 0,1 ng/ml [840], [842] oder ein Wert von < 0,2 ng/ml [846] gefordert.
Die perkutane Strahlentherapie wurde in den frühen drei RCT mit älteren
Bestrahlungstechniken durchgeführt, nur in der deutschen Studie wurde eine relativ
moderne 3D-Bestrahlungstechnik eingesetzt [843]. Dementsprechend finden sich
relativ hohe Raten an Spätfolgen der Therapie in der EROTC- und der SWOG-Studie
[837], [841]. Die Gesamtdosis der Bestrahlung in allen 3 Studien betrug 60 Gy bei
einer Einzeldosis von 2 Gy. In den neueren drei RCT war sowohl die 3D-geplante RT
Standard als auch mit zunehmender Frequenz die intensitätsmodulierte
Strahlentherapie (IMRT), da diese Studien in den Jahren 2005 und aufwärts konzipiert
wurden. Hier betrug die Einzeldosis aufgrund einer frühen Absprache dieser 3
Studiengruppen (ART versus SRT) 2 Gy pro Fraktion, die Gesamtdosis 64–66 Gy
jeweils in beiden Therapiearmen.
Während in den frühen RCT eine alleinige Strahlentherapie durchgeführt wurde,
erhielten in den neueren RCT die Patienten der GETUG AFU-17-Studie in beiden Armen
(ART und SRT) eine 6-monatige ADT [842]. In der britischen Studie (RADICALS-RT) war
im Rahmen einer sekundären Randomisation auch die Teilnahme der Patienten in
einem randomisierten Vergleich von zusätzlich einer Kurzzeit-ADT (6 Monate) versus
24 Monate ADT möglich (RADICALS-HD) [838].
Zum Nutzen der adjuvanten Strahlentherapie im Vergleich zur frühen Salvage-
Strahlentherapie
Den Empfehlungen liegen die drei frühen RCT zugrunde [837], [841], [843] sowie die
drei neueren RCT und die Metaanalyse dieser RCT [847], [840], [842], [839] (s. o.). Bei
den frühen RCT lag die mediane Nachbeobachtung bei ca. 10 Jahren, bei den neueren
RCT und der Metaanalyse bei ca. 5 Jahren, abgesehen von RADICALS RT, von der nun
bei einer medianen Nachbeobachtung von 7,8 Jahren 10-Jahresdaten vorliegen [848].
In den drei frühen RCT im Vergleich adjuvante RT vs. „wait and see“ konnte
grundsätzlich die Wirksamkeit der perkutanen adjuvanten Strahlentherapie
nachgewiesen werden. Der primäre Endpunkt zweier dieser Studien [837], [843] war
die Verbesserung der biochemischen Progressionsfreiheit, in der SWOG-Studie war
der primäre Endpunkt das metastasenfreie Überleben. In allen drei Studien konnte mit
einer medianen Nachbeobachtung von 10 Jahren eine signifikante Verbesserung der
biochemischen Progressionsfreiheit in der Interventionsgruppe gezeigt werden
(SWOG: 53 % vs. 30 %) (EORTC 60,6 % vs. 41 %) (ARO 56 vs. 35 %). Eine vierte,
finnische Studie ist nicht gut mit den anderen Studien zu vergleichen, da hier eine
Vielzahl der Patienten den PSA-Nullbereich nicht erreicht hat und es zu einer
Durchmischung einer adjuvanten RT mit einer SRT kam [849]. In Bezug auf das
Gesamtüberleben zeigte sich lediglich in der SWOG-Studie nach 10 Jahren ein
signifikanter Überlebensvorteil (74 % vs. 66 %) [841]. In Bezug auf die
Nebenwirkungsrate war von den drei Studien lediglich die deutsche Studie mit
heutigen Therapien vergleichbar, weil alle Patienten 3D-geplant bestrahlt wurden.
Dementsprechend war bei einer Gesamtdosis von 60 Gy die Rate schwerer
6.6 Neoadjuvante Therapie / Adjuvante Therapie bei radikaler Prostatektomie
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
187
Nebenwirkungen (RTOG Grad >3) bei 1-2 %, sie lag in den zwei anderen Studien
signifikant höher.
Zusammenfassend haben diese drei randomisierten Studien den Nutzen der
adjuvanten Strahlentherapie gegenüber einer „wait and see“-Strategie bewiesen.
Allerdings konnte ein Überlebensvorteil nicht eindeutig nachgewiesen werden, da die
Studien hierfür entweder nicht gepowert waren oder einen anderen primären
Endpunkt aufwiesen. Bereits aus diesen drei Studien wurde evident, dass die
Patienten mit dem höchsten Progressionsrisiko (pT3/4+SR+Gleason 8-10) nach
radikaler Prostatektomie (RP) die geeignetsten Kandidaten für eine adjuvante Therapie
sein würden, da viele Patienten (nach 5 Jahren noch 50 %) aus diesen drei Studien
biochemisch noch nicht progredient waren, möglicherweise also übertherapiert
wurden. Die wichtige neue Fragestellung zu diesem Zeitpunkt war, ob dieser Vorteil
auch bei einem direkten Vergleich der adjuvanten Strahlentherapie mit der frühen
Salvage-Therapie, also bei beginnender Progression, bestehen bleiben würde. Diese
Fragestellung konnte mit den drei älteren Studien nicht beantwortet werden, da bei
Progression keine konkrete SRT in dem Design dieser drei Studien gefordert war.
Konsequenterweise waren die neueren drei randomisierten Studien unter Einschluss
der Meta-Analyse dieser Fragestellung gewidmet [850], [839], [840], [842].
In die sog. „Raves“-Studie sollten 470 Patienten randomisiert werden, die entweder
einen positiven Schnittrand oder ein pT3-Stadium sowie Kombinationen davon
aufwiesen [840]. Die Rekrutierung wurde jedoch 2015 nach 333 Patienten vorzeitig
abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass der primäre Endpunkt (Äquivalenz
beider Studienarme) wegen einer zu geringen Zahl von progredienten Patienten nach
Radikaler Prostatektomie nicht erreicht werden würde.
Randomisiert wurde in eine adjuvante RT innerhalb von 4-6 Monaten nach OP,
Einzeldosis (ED) 2 Gy, Gesamtdosis (GD) 64 Gy vs. eine SRT bei den Patienten, bei
denen der PSA-Wert über 0,2 ng/ml angestiegen war. Auch diese Patienten erhielten
dann 64 Gy Gesamtdosis. Die biochemische Progression wurde definiert als PSA-
Anstieg über 0,4 ng/ml nach SRT. Insgesamt handelte es sich um ein prognostisch
günstiges Kollektiv mit nur 15 % der Patienten mit Gleason 8-10-Tumoren. 67 % der
Tumoren hatten einen positiven Schnittrand (inkl. pT2-Karzinome) und lediglich 20 %
der Tumoren eine Samenblaseninfiltration. Zum Zeitpunkt der Auswertung, drei Jahre
nach Ende der Rekrutierung, zeigten 84 Patienten im Beobachtungsarm (50,3 %) eine
biochemische Progression, 80 von diesen wurden bisher bestrahlt. Bei einer
medianen Nachbeobachtungszeit von 6 Jahren insgesamt ergab sich für den primären
Endpunkt (freedom from biochemical failure) nach 5 Jahren medianer
Nachbeobachtung kein signifikanter Unterschied (86 vs. 87 %). Aufgrund der viel zu
geringen Anzahl von biochemischen Progressionen und der zu kleinen Zahl
randomisierter Patienten konnte die angenommene Nicht-Unterlegenheit der SRT
nicht nachgewiesen werden. Es zeigte sich eine signifikant erhöhte Rate an GU-
Toxizität Grad II+ (ART-Arm 70 %, SRT-Arm 54 %) zu Ungunsten der adjuvanten RT.
Nur ein Teil der Patienten im Salvage-Arm wurde bisher bestrahlt (50 %). In der „Intent
to treat“ Analyse werden die Raten an Spätfolgen auf die Gesamtzahl der
randomisierten Patienten bezogen. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass im
Kontext der drei randomisierten Studien und der Meta-Analyse die frühe SRT
gegenüber einer adjuvanten Strahlentherapie grundsätzlich favorisiert werden sollte.
In die zweite randomisierte Studie („GETUG-AFU-17“) [842] sollten 718 Patienten
randomisiert werden, die entweder adjuvant oder verzögert Salvage-
strahlentherapiert werden sollten. Auch hier konnten insgesamt weniger Patienten als
6.6 Neoadjuvante Therapie / Adjuvante Therapie bei radikaler Prostatektomie
© Leitlinienprogramm Onkologie | Prostatakarzinom | Langversion - 8.1 | August 2025
188
geplant eingebracht werden (n=424), sodass die Studie wegen schlechter
Rekrutierung geschlossen wurde. Die Patienten hatten ein pT3/4-Karzinom und
mussten zusätzlich einen positiven Schnittrand aufweisen. Die Gesamtdosis der RT
betrug in beiden Armen 66 Gy, eine RT der pelvinen Lymphabflussgebiete war
erlaubt. Der mediane PSA-Wert vor SRT betrug 0,26 ng/ml. Alle Patienten erhielten
zusätzlich eine sechsmonatige LHRH-Analogon-Therapie (was keinem therapeutischen
Standard entspricht). Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 75 Monate. Nach
fünf Jahren zeigte sich bei dem primären Endpunkt („event-free survival“) kein
signifikanter Unterschied (92 % vs. 90 %). Auch hier zeigte sich darüber hinaus ein
signifikanter Unterschied zu Ungunsten von ART bei den Spätfolgen Grad II + am GU-
Trakt (27 % der Patienten mit ART, 7 % der Patienten mit SRT). Vergleichbare
Unterschiede zeigten sich auch bei der erektilen Dysfunktion. Zum Zeitpunkt der
Analyse hatten 115/212 Patienten (54 %) eine SRT wegen Progress erhalten.
In die dritte randomisierte Studie („RADICALS-RT) [851] wurden zwischen 2007 und
2016 1.396 Patienten randomisiert. Die Patienten hatten zumindest einen
Risikofaktor (pT3/4, Gleason Score 7-10, SR+ oder einen prä-RP-PSA >10 ng/ml). Die
mediane Nachbeobachtungszeit betrug 7,8 Jahre. Der primäre Endpunkt der Studie
war das metastasenfreie Überleben. Bisher haben lediglich 39 % der Patienten
(270/699), im Beobachtungsarm die SRT gestartet, 82/699 (12%) weitere Patienten
haben eine nachgewiesene Progression, die SRT wurde aber noch nicht gestartet.
Nach 10 Jahren betrug die FFDM („Freedom From Distant Metastasis“ – primärer
Endpunkt 93% (ART) versus 90% (SRT) (HR=0.68; 95% KI 0.43-1.07, P=0.095). Auch
das Gesamtüberleben zeigte keinen signifikanten Unterschied (p=0.917). Nur 17
Patienten waren an dem PCa verstorben. Zusätzlich zeigten die Patienten nach ART-
Randomisation nach einem Jahr eine signifikant schlechtere Kontinenz und eine
leichte Stuhlinkontinenz (p<0.001), die leichte Stuhlinkontinenz verblieb auch nach
10 Jahren noch signifikant (p=0,017) [852].
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Nebenwirkungsrate an GU-Spätfolgen
durch die adjuvante Strahlentherapie erhöht wird und kein Vorteil in Bezug auf
klinisch relevante Vorteile zu sehen ist. Daher sei die SRT der zukünftige Standard,
eine ART sollte nicht mehr durchgeführt werden.
Eine Meta-Analyse der 3 genannten Studien [839] umfasst insgesamt 2.153 Männer
davon 1.075 mit ART und 1.078 mit SRT. Von diesen hatten bisher erst 39,1 % eine
SRT benötigt bzw. erhalten (421/1.078). Die mediane Nachbeobachtungszeit in den
Studien reichte von 60–78 Monate. Diese erste Analyse beruhte auf lediglich 270 PSA-
Progressionsereignissen. Es zeigte sich kein Hinweis auf einen Vorteil von ART
gegenüber SRT; das „event-free survival“ betrug nach 5 Jahren 89 % (ART) vs. 88 %
(SRT) (p>0,05). Die Schlussfolgerung der Autoren dieser Meta-Analyse, die allerdings
teilweise identisch mit denen der randomisierten Studien sind, ist, dass grundsätzlich
nur noch eine frühe SRT eingesetzt werden sollte.
In der Gesamtbeurteilung aller drei RCTs und der Meta-Analyse zeigen sich
verschiedene Aspekte, die einer kritischen Diskussion bedürfen. Eine
Zusammenfassung dieser Kritikpunkte findet sich in dem Kommentar von Frau Tilki
und Herrn D’Amico [853] sowie Herrn Ghadjar et al. [854].
Kritisch anzumerken ist, dass für viele der Patienten in allen drei Studien, die in den
(ca. 2005 konzipierten) Studien einer ART zugeführt wurden, heute die ART als nicht
mehr indiziert angesehen wird, da keine ausreichenden adäquaten Risikofaktoren
vorhanden waren und damit die Progressionsraten erheblich zu niedrig waren. Zum
6.6 Neoadjuvante Therapie / Adjuvante Therapie bei radikaler Prostatektomie
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Beispiel konnten Patienten in die RADICALS-RT-Studie eingebracht werden, die ein
pT2-Karzinom hatten, wenn der PSA-Wert präoperativ >10 ng/ml war, unabhängig
vom Schnittrand. Dementsprechend zeigt sich in der Meta-Analyse, dass mehr als 20
% der Patienten ein pT2-Karzinom hatten, jedoch nur 16 % die echten Risikofaktoren
für einen Progress (Gleason Score 8-10; pT3b-Stadium – 20 %). Zusätzlich ist zu
kritisieren, dass die in der adjuvanten Situation eingesetzten Strahlentherapie-
Gesamtdosen von 64-66 Gy denen entsprachen, die bei der SRT eingesetzt wurden
und damit höher waren als der Standard zu dieser Zeit (60 Gy). Die erhöhte Rate an >
Grad 2- und 3 - Nebenwirkungen (hauptsächlich GU-Toxizität) erklärt sich auch
dadurch, dass viele Patienten behandelt wurden, die nach heutigen Kriterien nicht
mehr behandelt worden wären. Die Nebenwirkungsraten der SRT wurden daher
hochgerechnet auf die Gesamtzahl der randomisierten Patienten, auch wenn diese gar
nicht bestrahlt wurden. Vergleicht man die GU-Spättoxizität Grad 3 zwischen den nur
bestrahlten ART-Patienten aus RADICALS-RT (N=697) mit den nur mit einer SRT
behandelten Patienten in RADICALS HD (N=737), dann zeigen bei den mit ART
bestrahlten Patienten 11% und bei denen mit einer SRT bestrahlten Patienten 16%
diese Nebenwirkungen. Von einem signifikanten Unterschied der Spätfolgen zum
Nachteil der mit ART bestrahlten Patienten kann also keine Rede sein. Hinzu kommt
der Einsatz der ADT (bei allen Patienten in der GETUG-Studie, zusätzlich bei ca. 20 %
der RADICALS-RT-Patienten, die in einer sekundären Randomisation auch zwischen
einer antihormonellen Therapie von 6 oder 24 Monaten im Rahmen der RADICALS-HD
Studie wählen konnten) [855]. Durch eine solche antihormonelle Therapie kann es zu
einer erheblichen Verlängerung der Zeit bis zu einer biochemischen oder klinischen
Progression kommen. Die Metaanalyse wurde durchgeführt, obwohl zwei der drei
randomisierten Studien frühzeitig wegen mangelnder Patientenrekrutierung
abgebrochen wurden und für RADICALS-RT zum Zeitpunkt der Metaanalyse nicht der
primäre Endpunkt (FFDM) berichtet wurde. Diese Punkte können zu erheblichen
methodischen Einschränkungen führen.
In diesem Kontext ist die Abstufung der evidenzbasierten Empfehlung 6.73 bis
Empfehlung 6.75 dahingehend zu verstehen, dass Patienten mit hohem Risiko und
speziellen Faktoren (pT3/pT4 + Gleason Score 8-10) unabhängig von der
Schnittrandsituation (R0 und R1) eine adjuvante Therapie unter Aufklärung über
Nutzen und Risiken als Option angeboten werden sollte (Empfehlung 6.61), da hier
die Zahl der Patienten in den drei randomisierten Studien bei deutlich unter 20 % lag.
Deshalb werden auch bei einer Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren selbst in der
Metaanalyse kaum statistisch belastbare Daten generiert werden können. Dieses
Vorgehen entspricht auch den aktuellen Leitlinien der EAU [855].
Zusätzlich kann Patienten, die bei einem lokal begrenzten Prostatakarzinom (pT2) die
Risikofaktoren multifokal positiver Schnittrand + Gleason Score 8-10 + pT2 aufweisen,
eine adjuvante RT unter Aufklärung über Nutzen und Risiken als Option angeboten
werden (Empfehlung 6.74), da die genannten Faktoren mit einem signifikant erhöhten
lokalen Rezidivrisiko verbunden sind [855].
Da grundsätzlich der Wert der Salvage-Therapie belegt ist und sichere Aussagen nicht
gemacht werden können, sollen deshalb nach der Empfehlung 6.75 diese Patienten
eine Aufklärung über die alternative Option der perkutanen Salvage-Therapie bei
Progress aus dem Nullbereich erhalten.
Diese Empfehlungen tragen der Problematik Rechnung, dass bei den drei neueren
randomisierten Studien und der Metaanalyse erst Nachbeobachtungszeiten von 10
und mehr Jahren mit Darstellung des metastasenfreien Überlebens und des
6.7 Fokale Therapie
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karzinomspezifischen Überlebens herangezogen werden müssen, was aktuell nur für
die RADICALS-RT-Studie gilt. Erst dann könnten endgültige Aussagen über die
adjuvante Strahlentherapie im Vergleich zur frühen SRT getroffen werden.
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